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am 14. Oktober 2013
I like the way Thomas Nagel writes - it's accessible for a general public, with very little jargon that would be incomprehensible to a non-philosopher. He's quite right to see the massive holes in the reductionist/materialist agenda. Consciousness is not just a 'spandrel' or side-effect of zombie-like evolution, to be embarassedly brushed under a materialist carpet. It's a massive effect and of huge importance for guiding the behaviour of all animals and especially humans, and may have been at least as, if not more important a factor than random selection effects for developing life on Earth.

I like the way in which, in clear prose, he stresses again and again that a purely phyicalist explanation of the 'world of matter' misses something very important that is non-physical. Not all the Emepror's new mind type efforts to deny mind can hide the glaring hole in the materialist agenda. There IS a non-physical aspect to the world and it may run right through nature. As he says, no theory can be a 'theory of everything' if it omits the non-physical. These beautiful autumn leaves outside my window are not an illusion. Time is not an illusion. Nor is mind. because if these were illusory, for whom would be the illusion? Nagel is right that there is an inside and an outside, a phyical and nono-physial, aspect to everything.

Nagel identifies the need for a teleological spect to this physical/non-physical universe. But he doe'sn't have the 'gift' of religious minded people for seeing the 'smile on the face of God' that is the universe. Thus his teleology is a naturalist one - though it's a wish-list - i.e. he is convinced there is some sort of purpose of 'first cause', and that it is a naturalist one. But it is not yet clear what this could be. Whatever the nature of htis extra-mundane reality, whether it is like Chardin's Omega point or whatever, it will be bound to be very interesting. I suspect that the non-physical aspect will neeed something pretty myerious to explain, on the order of spirit or similar.

This was the first book that I read on my kindle - it was good to have something so ineresting to introduce the new system.
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TOP 1000 REZENSENTam 9. Juni 2013
Der renommierte Philosoph Thomas Nagel übt in seinem Buch eine fundamentale Kritik am modernen naturalistischen Weltbild, für das er die unterschiedlichsten Begriffe verwendet: Materialismus, Naturalismus, evolutionärer Materialismus, Reduktionismus, psychophysikalischer Reduktionismus, um nur einige zu nennen, die mir aufgefallen sind. Damit gemeint ist das wissenschaftliche Weltbild, gemäß dem alle Vorgänge und Erscheinungen in unserem Universum durch Reduktion auf grundlegende physikalische Gesetze / Begriffe und (und das ist ganz entscheidend) den Neo-Darwinismus erklärbar sind. Dazu gehören ausdrücklich auch geistige Vorgänge und Zustände wie Gefühle, Bewusstsein, Gedanken, Verhalten etc. In diesem Sinne wäre ein solches Weltbild also vollständig. Es kommt ohne weitere Kräfte, intelligente Designer, Wunder, Götter, Engel etc. aus.

Besonders hart fällt Nagels Kritik am Neo-Darwinismus (der die Basis der modernen biologischen "synthetischen" Evolutionstheorie ist) aus. Insbesondere behauptet er, dass sich damit die Entstehung zahlreicher menschlicher Merkmale wie unser Bewusstsein nicht erklären lässt. Und damit hat er recht, denn mit "materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur" ist bei ihm ausdrücklich die ausschließlich auf Genen beruhende biologische Evolutionstheorie gemeint. Genau das ist aber letztlich auch die Schwachstelle des Buches und seiner Argumentation, denn die meisten der von ihm aufgeworfenen Probleme ließen sich vermeiden, wenn er stattdessen auf einer allgemeineren und zeitgemäßeren Variante wie der Systemischen Evolutionstheorie aufgesetzt hätte.

Evolution ist letztlich nichts anderes, als eine Form der natürlichen Informationsverarbeitung. Der erste - genetische Schritt bei dieser Entwicklung ist sogar relativ leicht nachzuvollziehen: Die Speicherung der Informationen erfolgt ausschließlich im Genom - einem sogenannten Replikator -, die Veränderung der Daten (die Verarbeitung) nur während der Fortpflanzung, z. B. durch Mutationen oder genetische Rekombination, die Bedeutungs- und Sinnzuweisung der Informationen (Semantik) durch Vervielfältigung der Replikatoren: Informationen, die sich erfolgreicher vermehren, sind in diesem Sinne "bedeutungsvoller".

Allerdings muss Evolution beziehungsweise natürliche Informationsverarbeitung nur auf der untersten Informationsebene auf Replikatoren beruhen. Mit der Weiterentwicklung über die reine genetische Manipulation hinaus ergeben sich völlig neue Evolutionsstrategien (z. B. Durchspielen verschiedener Alternativen im Kopf und bewusste Entscheidung für eine Alternative). Das Problem dabei: Der Darwinismus kennt keine davon, da er sich bis heute ausschließlich auf die genetische Weiterentwicklung beschränkt. Damit kann er jedoch nichts von dem erklären, was Thomas Nagel in seinem Buch bewegt. Wenn die viel effizientere evolutionäre Informationsverarbeitung, die sich bei Vorhandensein von Intelligenz und Bewusstsein auf natürliche Weise herausbilden kann und wird, mit Darwinistischen Konzepten nicht beschrieben werden kann, dann können dessen evolutionäre Vorteile auch nicht darwinistisch benannt werden.

Die darwinistische Selektion beruht bis heute auf einem Zwitterkonzept, in dem sowohl der Phänotyp als auch der Genotyp eine entscheidende Rolle spielen. Selektiert werden zunächst Merkmale, die eine höhere Fitness bewirken, und bei denen es sich um genetische oder umweltbedingte Varianten bzw. Modifikationen handeln kann. Evolutionär wirksam wird aber - gemäß Darwinismus - angeblich nur die Selektion erblicher Merkmale. Gegenstand der Selektion sind in diesem Sinne folglich nur die erblichen Merkmale, die zu einem Unterschied in der Fortpflanzungsrate führen können.

Dass dies - auch und gerade im Rahmen der von Thomas Nagel aufgeworfenen Fragen - zu kurz greift, lässt sich nachvollziehen.

Thomas Nagel deutet in seinem Text einige nichtreligiöse Alternativen zum "evolutionären Materialismus" an. Insbesondere lässt er durchblicken, dass möglicherweise auch "teleologische" Konzepte stärker in Betracht gezogen werden müssten. Die findet man in Evolutionstheorien allerdings ohnehin schon reichlich vor, wenngleich häufig versteckt und nur implizit formuliert. Zwar dürfte heute kaum jemand mehr ernsthaft annehmen, dass die Evolution selbst zielgerichtet operiert, sehr wohl aber die sie vorantreibenden Evolutionsakteure. Bei Darwin etwa geht es ihnen um Selbsterhalt und Fortpflanzung, bei Dawkins sind ihre Gene egoistisch und bei der Systemischen Evolutionstheorie sind sie bestrebt, komparative Wissensverluste zu vermeiden. Begründet wird Letzteres primär mit dem Phänomen der Zeit bzw. dem allgemeinen energetischen "Zerfall" unseres Universums, d.h. letztlich physikalisch und damit so, wie es innerhalb eines materialistischen Weltbildes gefordert wird. Die materialistische Antwort auf Thomas Nagels Bewusstseinsproblem könnte somit lauten: Wir haben Geist und Bewusstsein, weil wir in einem energetisch zerfallenden Universum mit unumkehrbarer Zeit leben. In einem solchen Universum kann es unter günstigen Bedingungen zur Evolution und damit zur Akkumulation von Wissen, zu Informationsverarbeitung und schließlich auch zu Bewusstsein kommen.

Dennoch 5 Sterne, da Thomas Nagels Kritik am modernen Darwinismus überfällig war. Er ist - im Kampf gegen kreationistische Strömungen - zu einer Art alleserklärenden Doktrin aufgebauscht worden, die er jedoch nicht ist. Gemäß Physiknobelpreisträger Robert B. Laughlin fungiert Darwins Lehre von der natürlichen Selektion deshalb in jüngster Zeit eher als Antitheorie (Siehe Abschied von der Weltformel: Die Neuerfindung der Physik, S. 248). Thomas Nagel bläst im Grunde in das gleiche Horn. Kein Wunder, dass dies einigen Kreisen, die Darwins Lehre zu einer Art antireligiöser Weltanschauung missbraucht haben, nicht gefällt.
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am 18. Mai 2015
Thomas Nagel is one of the minority of philosophers and scientists who dares to attack the ruling paradigm of reductionist materialism. I assume this is due to the fact that a collapse of this worlview would open doors to theism. Nagel however is not a theist but cannot close his eyes - like so many do - to the inadequacies of the reductionism that is currently dominating the scientific community. Nagel I think rightly argues that the way of describing the world as we do it now pretends there to be no mind. The time however has come to give birth to conception of the world and it's nature that includes mind and consciousness rather than excluding them and treating them as some kind of accidents. It simply flies in the way of human experience. Since our way of world making relies heavily on nature being only constructed by vurtue of physical, chemical and biological processes the hope would be that the mind as such can somehow be reduced to those. However this seems not to be the case. Neuroscience for example seems to be able what happens in the brain while we are conscious but it fails to explain what consciousness actually is. After all it seems that our thoughts cause brain activety and not the other way around. No rational explanation is in sight as long as science remains in its current form. If a full explanation of the world is to be achieved the mind has to be included. Nagel suggests some methodological changes and lais out the question that science would have to answer wich lie in principle out of its reach given the current logical and methodological reductionist structure. It is in that sense that he takes theism and intellegent design arguments seriously as those clearly point outh the inadequacies of this world view. Nagels challenge is daunting and couaragous . A must read for everyone who wants to know the truth rather than just defend his worldview.
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... so titelte die New Republic" über einer Rezension zu Nagels Mind and Cosmos" von Leon Wieseltier. Selten schlug ein wissenschaftstheoretisches Werk in jüngerer Vergangenheit solch hohe Wellen. Thomas Nagel, ein atheistischer, linksliberaler Philosoph, noch dazu einer der renommiertesten und populärsten der USA, sagt das Ende des Materialismus und des Darwinismus in heute gängiger Form voraus. Naturalisten, Materialisten, besonders ostentative Atheisten, toben und ergehen sich z.T. in wütenden Beschimpfungen. Schäbig" seien Nagels Gedanken, Mitglied einer reaktionären Bande" sei er.

Dabei wäre es ganz und gar nichts Neues, dass sich ein eindimensionaler Naturalismus bzw. Materialismus als Blockade erweist. Zuletzt konnte man das am Anfang des letzten Jahrhunderts beobachten. Die entscheidende Frage war, ob es eine Grundordnung des Seins gibt, die noch bestimmender für das Geschehen in der materielle Welt ist, als die sich aus der physikalisch-chemischen Eigenschaftlichkeit der Dinge ergebenden Wechselwirkungen. Genau diese Sicht der Dinge, sei es in Form eines spinozistischen Weltbildes wie bspw. bei Einstein oder in der eines theistischen wie bspw. bei Planck, war Voraussetzung für die wissenschaftlichen Einsichten, die der festgefahrenen Physik des auslaufenden 19. Jh. zu einem neuen Durchbruch verhalfen.

Ein ähnliches Bild in der Mathematik jener Epoche. Die Konstruktivisten bzw. Positivisten - Hilbert, Russell, Frege - hatten sich mit ihrer Suche nach rein konstruktivistischer Konsistenz festgefahren. Wieder war es jemand, der imstande war, sich eine ebenso unser unmittelbares Denken wie auch die empirischen Muster über- oder hintergreifende Ordnung vorzustellen, der den gordischen Knoten durchschlug: der religiös geprägte Mathematiker Kurt Gödel (Stichwort Unvollständigkeitssatz).

Nagel macht deutlich: Von Antworten in Bezug auf die großen Fragezeichen der Naturwissenschaft - Universum aus dem Nichts, Naturgesetze, Feinabstimmung der Naturkonstanten, Entstehung von Leben aus toter Materie, Entstehung von Bewusstsein - sind wir nach wie vor meilenweit entfernt und es ist auch nicht vorstellbar, wie im materialistischen Paradigma Auswege aus dieser Sackgasse zu finden sind.

Ist Leben, ist gar Bewusstsein reduzierbar auf physikalische Abläufe? Das behaupte ja niemand, sagen einige der Gegner Nagels. Leben sei gegenüber den zugrunde liegenden physikalisch-chemischen Prozessen emergent"; Bewusstsein gegenüber der zugrunde liegenden Bio- bzw. Neurochemie. So gibt es also keine Rückführbarkeit? - fragt Nagel zurück. Und sofort wird das Dilemma deutlich. Der Begriff der Emergenz" kaschiert nur klaffende Erklärungslücken in den Theoriegebäuden - zur Klärung beitragen kann er so gut wie nichts.

Doch nicht nur um die Frage, wie Bewusstsein entsteht, geht es. Im Evolutionsprozess ist die treibende Kraft der Druck zur bestmöglichen Anpassung einer Spezies an die Umwelt. Mutation und Selektion - erweitert durch den Horizont, den die moderne Molekularbiologie eröffnet - sind die Mechanismen, durch die sich diese Entwicklung vollzieht. Dass Evolution menschliches Bewusstsein mit einem Denkapparat, der eine cleverere Gefahrenabwehr, Nahrungsversorgung u.ä. ermöglicht hervorbringt, wäre rein formallogisch noch nachvollziehbar. Wie aber erklärt sich eine neurophysiologische Ausstattung, mit der es möglich ist, so etwas wie die Brandenburgischen Konzerte zu komponieren, die Infinitesimalrechnung oder Hegels Phänomenologie des Geistes" zu entwickeln?

Wie, so fragt Nagel, kann die Evolutionstheorie erklären, dass der Mensch eine Vorstellung von objektiver Wahrheit und moralischen Absoluta entwickelt? Bezeichnenderweise wird beides nicht selten von naturalistischer Seite bestritten. Es gäbe keine Objektivität, sondern nur subjektiv konstruktivistische Sichtweisen. Dass Paradoxon, das im objektiven Geltungsanspruch einer solchen Aussage liegt, übersieht man. Ebenso kann keine auf Selbst- oder Gruppenerhalt abstellende Theorie des Altruismus - der sich so, wie fast alles, das menschlichen Leben Sinn und Wert verleiht, als listig verkappter Egoismus darstellt - erklären, warum die Selbstlosigkeit bspw. eines Maximilian Kolbe, Menschen zeit- und kulturübergreifend Respekt abnötigt.

Oft ist im Zusammenhang mit Nagel von einer aristotelischen Renaissance die Rede. Viel eher erinnern Nagels Gedanken jedoch an Hegel oder Schelling. Geist bzw. eine geistige Ordnung als der Materie gegenüber ursprünglicher anzusehen, macht durchaus Sinn. Noch einmal zum Bsp. Relativitätstheorie: Bewegte Objekte schrumpfen, bewegte Uhren gehen langsamer, mit zunehmender Geschwindigkeit vergrößert sich die Masse - physikalische Eigenschaften verändern sich also einzig um des Erhalts einer universellen Ordnung willen. Im Paradigma des damaligen Materialismus hätte man auf derartiges wohl kaum kommen können und die ersten Reaktionen waren dementsprechend.

Nagel bleibt bezüglich der Alternativen zum reduktionistischen Naturalismus im Vagen. Wenn er von Teleologie redet, denkt er offenbar an eine Art Tendenz zur Komplexitätssteigerung, die sich im Rahmen sonstiger Naturgesetzlichkeit im Kontext des jeweils Möglichen verwirklicht. Solche Tendenzen" gibt es in der Physik auch andernorts. In der Thermodynamik ist, wie der Physiker Ludwig Boltzmann es einst ausdrückte, der zweite Hauptsatz vom molekulartheoretischen Standpunkte ein bloßer Wahrscheinlichkeitssatz" In der Quantenmechanik sind die Positionen der Elektronen unbestimmt; es gibt lediglich eine größere Aufenthaltswahrscheinlichkeit im Bereich der sog. Orbitale. An anderen Stellen im Buch deutet Nagel die Idee einer noch darüber hinaus gehende Zielorientierung und Sinnrealisierung an, etwa wenn er von einer kosmischen Prädisposition der Entstehung von Leben, Bewusstsein und den Werten, die sich davon nicht trennen lassen" redet.

H. Allen Orr, einer der renommiertesten Evolutionstheoretiker unserer Tage, geht in seiner Rezension in der New York Review of Books" mit Nagel insgesamt nicht konform, gesteht aber zu: "It could turn out that teleological laws affect how the universe unfolds through time. While I suspect some might regard such heterodoxy as a crime against science, Nagel is right that there's nothing intrinsically unscientific about teleology. If that's the way nature is, that's the way it is, and we scientists would need to get on with the business of characterizing these surprising laws. Teleological science is, in fact, more than imaginable."

Dgl. ist für naturalistische Dogmatiker ein Sakrileg. Der Atheist Nagel kann noch so oft betonen, dass er keinen theistischen Standpunkt vertritt, dass er nicht Intentionalität" meint, wenn er Teleologie" sagt - es nützt nichts. Zu sehr scheinen seine Argumente den Theisten, dem Intelligent Design gar, in die Hände zu spielen. Und Nagel, als Freidenker nur der Wahrheit verpflichtet und nicht bereit, sich irgendwelchen PC-Geboten zu beugen, macht i.d.T. deutlich, dass er zwar den Design-Ansatz nicht teilt, ihn aber für legitim und das pauschale ID-Bashing für unseriös hält.

Die Stärke von Nagels Buch liegt in der Herausarbeitung der Fragestellungen, die sich einer Beantwortung im Paradigma eines eindimensionalen Naturalismus entziehen. Dass er selbst keine ausgearbeiteten Antworten zur Hand hat, macht der Autor von vornherein deutlich. Er skizziert in welche Richtung diese aus seiner Sicht gehen müssten. Wirklich überzeugend ist er diesbezüglich nicht. Dennoch - ein revolutionäres Buch, welches das oft allzu selbstgefällige wissenschaftliche Establishment gehörig aufmischt und dem Leser viel Stoff zum Nachdenken bietet.

Ab Oktober auch auf Deutsch im Buchhandel.
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am 18. September 2013
Ich wollte was über Darwins Lehre, das wissenschaftliche Für und Wider, erfahren. Doch ich bekam ein geschwätziges Buch voll unverständlichen Gemurmels, wo es dem Autor offenbar nur darum ging, seine Gedanken (die aber irgendwie nicht zum Vorschein kamen) gegen die Nicht-Gedanken seiner Konkurrenten abzugrenzen. "Ich aber habe gesagt ..." Wen interessiert sowas!
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am 15. Juni 2013
Nagel bezieht sich auf das Axiom der meisten Naturwissenschaftler, demzufolge alle Phänomene, also auch Gefühle, Gedanken, Bewusstsein und Verhalten, vollständig erklärbar seien durch materielle Faktoren. Dieses Axiom hält er für "höchstwahrscheinlich falsch". Nagel hält den Wissenschaftlern vor, ihre Ideologie über den Wirklichkeitssinn zu stellen. Er hält es für unmöglich, dass sämtliche Phänomene des Geistes unter physikalische Konzepte subsumiert werden können. Die Evolutionstheorie sei nicht falsch, aber ungenügend. Er behauptet, aus dem Prinzip von Mutation und Selektion könne nicht erklärt werden, wie aus Anorganischem organisches Leben entstand, aus einfachen Systemen komplizierte wurden und Instinkt in Verstand und Bewusstsein mündete. Er behauptet, der Mensch habe nicht zufällig Bewusstsein. Er möchte die Lehre Darwins ergänzen durch teleologische Hypothesen, die er eine "kosmische Prädisposition der Entstehung von Leben, Bewusstsein und Werten" nennt. Teleologie heißt, dass alle Dinge in den vergangenen Jahrmilliarden geschahen, weil sie auf dem Weg zu diesem einem Ziel (des Bewusstseins) liegen.

Nagel konstatiert selbst, dass er nicht ernst genommen wird. Wie ich meine zu Recht. Nagels Folie, auf der er schreibt, ist ein Unbehagen am Materialismus. Seine Teleologie ist nicht gottesbasiert. Was ist sie dann? Es gibt nur zwei weitere Möglichkeiten, entweder ist sie materialistisch oder idealistisch. Den Materialismus lehnt er als unvollständig ab. Bleibt nur der Idealismus, und in der Tat ist Teleologie reines Wunschdenken. Nagel denkt selbst so, wie er es den Naturwissenschaftlern vorwirft.

Nagels Hypothesen funktionieren nur, weil er einen Popanz namens materialistische Naturwissenschaft aufbaut. Es mag ja einzelne Wissenschaftler geben, die auch Gefühle, Bewusstsein und Werte durch die materiellen Faktoren der Hirnphysiologie erklären wollen. Ihnen muss man keineswegs zustimmen und sie sind vielfältig und mit guten Argumenten kritisiert worden.

Zieht man diesen Popanz ab, bleibt von Nagels Argumentation nicht viel übrig. "Mind and Cosmos" ist weit davon entfernt, ein Alternativkonzept zum sogenannten psychophysikalischen Reduktionismus und zur Evolutionslehre zu sein. Den qualitativen Sprung von der Neurophysiologie und Molekularbiologie zu Seele und Geist will auch er nicht erklären. Nagel hält eine solche Erklärung für prinzipiell unmöglich, aber das wird sich vielleicht in den nächsten 20 oder 25 Jahren anders darstellen.

Die Evolutionstheorie ist keine Theorie, sondern eine Tatsache, ebenso wie beispielsweise die Gravitation. Die Mechanismen der Evolution wurden seit Darwin vielfältig beschrieben und haben deutliche Umwandlungen und vor allen Dingen Verfeinerungen und Ergänzungen erfahren. Es gibt durchaus Experimente und Hypothesen, wie aus anorganischer Materie organisches Leben entstanden sein könnte. Steven Jay Gould und andere Darwinisten und Evolutionsbiologen haben vielfältige Belege dafür gesammelt, dass die Entstehung des Menschen auf einer Reihe von völlig unwahrscheinlichen Zufällen beruht. Nagels These, es gebe eine kosmische Disposition zur Entstehung von Bewusstsein, darf klar widersprochen werden. Die Evolution ist nicht auf Vervollkommnung und Höherentwicklung angelegt. Es gibt keine Teleologie in der evolutionären Entwicklung. Wenn es ein klares Ziel der Evolution gibt – den Geist und die Werte –, warum hat sich die Evolution dann damit so lange Zeit gelassen? Und woher will Nagel wissen, dass „Geist“ die letzte Stufe der Evolution ist? Könnte es nicht noch weiterführende teleologische Ziele der Evolution geben, von denen wir keine Vorstellung haben?

Nagels Kritik an der Evolutionstheorie basiert wiederum auf einem Popanz, nämlich dem, Evolution könne "alles erklären". Es gibt keinen Evolutionsbiologen, die dies behaupten würde, und wenn es jemand täte, repräsentiert er allenfalls eine Minderheitenmeinung. Die Evolutionstheorie ist wie jede Theorie (einschließlich Nagels) unvollständig; es ist aber ein gedanklicher Kurzschluss daraus zu folgern, sie sei „mit ziemlicher Sicherheit falsch“. Es gibt nach wie vor Lücken in den materialistischen Naturwissenschaften. Diese Lücken sind unter den Fachleuten bekannt. Der gute Wissenschaftler ist sich der Grenzen seines Fachgebietes bewusst.

Nagel ist durchaus ein seriöser Philosoph, aber d.h. nicht, dass seine Thesen oder Hypothesen höhere Plausibilität genießen als die seiner Widersacher. Er glaubt, die Wirklichkeit besser darstellen zu können als die Naturwissenschaftler. Das ist anzuzweifeln. Es gibt keinerlei Beweise für seine theologische Sichtweise außer seiner Gutgläubigkeit. Sein Gedankengebäude hat ebenso große Lücken wie die der materialistischen Wissenschaft. Er problematisiert scharfsinnig die Naturwissenschaften, aber umgekehrt könnte man seine Teleologie ebenso scharfsinnig auseinander nehmen. Er ist insofern kein rundum guter Wissenschaftler, als er die Gegenargumente nicht mit den seinigen abcheckt. Er bleibt damit ein Provokateur, den man nicht allzu ernst nehmen muss.
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