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am 6. Januar 2014
aus Kriminal- und historischem Roman. Stave ist eine glaubwürdige Romanfigur und die Schilderung der Nachkriegsjahre mit ihren Entbehrungen auch für "Unbelastete" ist selten so realistisch.
Punktabzug aber für Köslin, das nicht Ostpreußen liegt sondern in Pommern (heute Polen, Westpommern) und für den Uranbergbau in Wismar, gemeint ist wohl die SDAG Wismut im Erzgebirge. Punktabzug auch für unzählige Tippfehler bzw. doppelte Leerzeichen, auch eine vernünftige Silbentrennung gibt es nicht.
Also 4 Sterne und trotzdem ein Leseempfehlung. Ich bin gespannt auf den Fälscher!
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am 17. Februar 2013
Wirklich, so macht Lesen Spass, anschaulich, man taucht ein in diese"fremde, so nahe Welt" und fühlt sich gleich in Hamburg. Mindestens so gut wie "Der Trümmermörder".
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am 29. Dezember 2012
Der zweite Band von Cay Rademacher um den Oberinspektor Stave und wie schon im ersten Teil war ich auch diesmal davon begeistert, wie der Autor die Stimmung eingefangen hat. Er hat es wieder geschafft, das Hamburg im Jahr 1947 lebendig werden zu lassen. Um einen Kriminalfall herum lernen wir die Gegebenheiten Hamburgs kennen, die Lebensumstände werden dem Leser auf interessante, spannende und packende Weise näher gebracht. Der Neuanfang nach dem Krieg, die Heimkehr des Sonnes – der Neuanfang mit der neuen Partnerin. Dabei der Kriminalfall, der der Mittelpunkt der Handlung ist, aber dennoch nicht zuviel Raum einnimmt und überspitzt wirkt – denn das zwischenmenschliche ist ein wichtiger Bestandteil des Buches. Das macht die besondere Atmosphäre des Buches aus. Die Charaktere sind sehr glaubhaft dargestellt, mit all ihren Schwächen, Gedanken und Gefühlen, der Schreibstil klar und unverschnörkelt – dem „Rahmen“ entsprechend. Ich hoffe nun, es gibt noch einen weiteren Band, denn ich wüsste schon sehr gern, wie es mit all den liebgewonnenen Charakteren weitergeht.
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am 23. Januar 2015
»Bis Mai 1947 registrierte der Suchdienst des Roten Kreuzes und der beiden großen Kirchen in Hamburg etwa 40.000 elternlose Kinder: Waisen, die im Bombenhagel oder durch andere Kampfhandlungen Mütter und Väter verloren hatten. Für 21.000 Mädchen und Jungen machten die Helfer keinen einzigen Verwandten ausfindig, bei dem diese unterschlüpfen konnten. Mehr als 1.000 dieser verwaisten Kinder lebten nicht in Heimen, sondern schlugen sich, allein oder in Banden, in der verwüsteten Stadt durch. Sie hausten in selbstgebauten Unterkünften, in Nissenhütten oder Hochbunkern. Sie verdingten sich als Handlanger des Schwarzmarktes, als Kohlenklauer, Diebe oder Prostituierte.«

Eines dieser elternlosen Kinder ist es scheinbar, das Oberinspektor Frank Stave an diesem heißen Maitag des Nachkriegsjahres 1947 findet. Ermordet und liegend auf einem Blindgänger, mitten in den Ruinen einer Hamburger Werft. Wie kam der Junge dorthin – ins Sperrgebiet? Wer hat ihn brutal ermordet und wieso liegt die Leiche auf einer englischen 500-Pfund-Bombe?
Stave nimmt die Ermittlungen auf und hat schon bald einen alten Bekannten an seiner Seite: Lieutenant James C. MacDonald von den britischen Besatzungstruppen.
»Ich soll meinem eigenen Vorgesetzten nicht sagen, dass ein englischer Offizier bei den Ermittlungen mitmischt?«
»Schön, dass wir uns so gut verstehen«, erwidert MacDonald fröhlich. »Die Dinge sind schon kompliziert genug.«

Dieser Krimi bietet dem Leser gute Unterhaltung plus einer reichlichen Portion Zeitgeschichte. Da gibt es detaillierte Beschreibungen des zerbombten Hamburg und seiner zerstörten Hafenanlagen. Die englischen Besatzungstruppen sind ein weiteres großes Thema und die von ihnen erzwungene Demontage der Werft von Blohm + Voss.
Ferner geht es um das normale Leben des Durchschnittsbürgers, das sich um Verlust, vermisste Personen, Kriegsgefangenschaft, traumatische Kriegserlebnisse, Lebensmittelkarten, Schwarzmarkt und Neuanfänge dreht. Und es geht um das Leben der vielen Kinder, die durch den Verlust ihrer Eltern plötzlich gezwungen waren, sich irgendwie allein durchzuschlagen. Wobei es sogar da noch Unterschiede gab, denn es gab die „normalen“ Waisen und es gab die sogenannten Wolfskinder.
»Wolfskinder – so nennen sich die Mädchen und Jungen aus dem Osten. Die Waisen, die in den Kämpfen oder bei der Flucht aus Ostpreußen und Schlesien ihre Eltern verloren haben. Erschossener Vater, zu Tode vergewaltigte Mutter, verbrannter Hof. Trecks über Eis und Schnee. Kinder, die wie Wilde aus der Vorzeit in Wäldern und Mooren überleben, die betteln, stehlen, essen, was ihnen vor die Hände kommt. Manche kennen nicht einmal ihren Namen. Hausen in abgebrannten Scheunen und zertrümmerten Häusern. Schlagen sich irgendwann durch bis in die Westzonen. Ein paar Hundert sollen in Hamburgs Ruinen hausen.«

Stave geht das Schicksal dieser Kinder sehr nahe. Zumal es nicht bei diesem einen toten Jungen bleibt. Private Sorgen hat er außerdem, denn sein Sohn befindet sich noch immer in russischer Kriegsgefangenschaft. Und nachts plagen ihn Alpträume, in denen er wieder und wieder erlebt, wie seine Frau bei einem Fliegerangriff ums Leben kam.

Im Grunde könnte man also meinen, dass man es als Leser hier mit einem Buch zu tun hat, das einem aufgrund des ernsten Themas zusetzt. Tatsächlich gibt es aber immer zwischendurch Passagen, in denen ich lachen musste – und das liegt an Staves „Partner“, Lieutenant MacDonald. Die beiden haben sich bei einem früheren Fall Staves kennengelernt und zum beiderseitigen Erstaunen angefreundet. Und während Stave die personifizierte Ernsthaftigkeit ist, ist MacDonald – nun ja – eher das Gegenteil. Als Folge daraus gibt es herrliche Wortgefechte zwischen den beiden, da wird gefrotzelt und mit sarkastischen Bemerkungen geglänzt.
»Ich mache mir keine Sorgen, ich stelle Fragen. Zum Beispiel: Weiß Ihr Colonel, dass wir uns seine Yacht ausleihen?«
»Selbstverständlich nicht.«
»Patrouillieren nachts auf der Elbe englische Boote?«
»Selbstverständlich ja. Wir müssen vorsichtig sein. Und spät losfahren.«
»Und wenn uns doch jemand erwischt?«
»Zücken wir unsere Ausweise und erfinden irgendeine Geschichte.«
»Welche?«
»Noch ist mir keine eingefallen. Ich denke darüber nach, wenn ich den Suchscheinwerfer eines Patrouillenbootes aufleuchten sehe.«
»Schön, dass wir so gut vorbereitet sind.«

Nach dem „Trümmermörder“ muss Frank Stave hier seinen zweiten Fall lösen. Erneut schafft es der Autor, aus dem zeitgeschichtlichen Hintergrund eine passende Kriminalhandlung zu entwickeln. Auch Staves Seelenleben wird sehr schön skizziert, ich stellte für mich fest, dass ich gleichermaßen an seinen privaten Problemen wie an der Auflösung des Falls interessiert war. Es ist nicht notwendig, den „Trümmermörder“ zu kennen, obwohl ich dieses Buch auch sehr empfehlen kann ;-)

Fazit: Intelligente Krimihandlung mit viel Zeitgeschichte, Stoff zum Nachdenken und einigen sehr unterhaltsamen Dialogen.

»Verlorene Kinder, verlorene Familien. Das haben wir ihnen angetan, denkt er, wir Älteren. Wir machen sie zu Waisen, wir zertrümmern ihre Welt, wir stoßen sie herum, wir kümmern uns einen Dreck um sie. Werden wir am Ende wenigstens ihre Mörder bestrafen?«
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am 11. Oktober 2016
Der zweite Teil der Nachkriegs-Trilogie erweitert das Wissen des Lesers um die Hauptfigur, Frank Stave. Ich mag diesen Mann. Er ist ein Mensch, mit dem man sich schnell identifizieren kann. Er ist ein gewissenhafter Polizist, aber keiner, der nicht auch einmal jenseits der Vorschriften handelt, wenn es gilt, einen Verbrecher dingfest zu machen. Sein Sohn, gerade aus sibirischer Gefangenschaft befreit, muss erst wieder seinen Platz in der beginnenden neuen Zeit finden. Und Anna? Franks Geliebte tut sich schwer damit, Franks engagiertes Leben zu akzeptieren. Immerhin entwickelt sich der Mord an einem "Wolfskind", deren es nach dem 2. Weltkrieg Zigtausende in Deutschland gab, zu einer Mordermittlung im Milieu von Schiebern, Schmugglern und jugendlicher Prostitution.

Der Roman ist wie sein Vorgänger nicht nur spannend bis zum dramatischen Ende.Die Handlung spielt vor dem Hintergrund tatsächlicher Ereignisse, die sich im Hamburg der Nachkriegsjahre abgespielt haben und wirkt dadurch besonders authentisch und macht Lust auf den dritten Teil, wo wir erfahren, wie es mit Anna, Karl und Franks Freund McDonald weiter geht.
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am 12. September 2017
Ich habe bisher Teil 1 und 2 gelesen, bei Teil 3 bin ich gerade bei. Unglaublich, welche intensive Detailtreue er in seinen Büchern beschreibt. Als geborener Hamburger und aufgewachsen in Hamburg-Altona kann ich mich an sehr viele Details erinnern, die ich während meiner Kindheit dort erlebt habe. Unglaublich!

Hinzu kommt die Story als solche. Spannend und gleichzeitig auch sehr emotional. Diese Krimireihe sollten alle "Nachgeborenen" lesen. Unabhängig von der Story erhalten sie einen tiefen Einblick in die deutsche Nachkriegsgeschichte, und das nicht auf dem hohen Niveau eines Geschichtsbuches sondern aus der rein menschlichen (erlebten) Sicht.
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am 18. September 2017
LEIDER KANN MAN VON DIESEM SCHRIFTSTELLER NUR DREI BÜCHER AUF DEM MARKT FINDEN. EINE SPANNENDE HANDLUNG KURZ NACH KRIEGSENDE. MAN KANN SICH LEBHAFT IN DIESE ZEIT VERSETZEN UND NEBENHER NACHEMPFINDEN, WIE UNSERE MÜTTER IN DIESER ZEIT IM ALLTAG KÄMPFEN MUSSTEN.
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am 4. November 2012
Nach dem Kältewinter 1946/47 folgt in Hamburg ein ungewöhnlich heißer Frühling. Nach wie vor ist die Versorgung der Bevölkerung der zerstörten Hansestadt schwierig und auch die Wohnungssituation entspannt sich nur kaum merklich. Zudem schürt die Britische Besatzungsmacht mit dem Abbau und teilweise sogar der Sprengung wichtiger Hafenanlagen Angst unter den Hafenarbeitern...
In dieser Zeit wird in der Ruine einer Lagerhalle auf einer Blohm & Voss-Werft ein toter Junge auf einem noch scharfen Blindgänger gefunden und Oberinspektor Frank Stave wird mit dem Fall betraut. Dieser macht sich mit dem britischen Lieutenant James MacDonald auf die Suche nach dem Mörder - doch zuerst einmal müssen sie wissen, was der 14jährige überhaupt an diesen Ort zu suchen hatte. Nach und nach erfährt Stave, wie sich Kinder und Jugendliche ohne Eltern in Hamburg über Wasser halten. Aber auch privat gibt es beim Oberinspektor einige Neuigkeiten, die es erst einmal zu verdauen und auch zu regeln gilt, und dann kommen noch weitere zwei Leichen hinzu...

Im Grunde wird die Beschreibung "Kriminalroman" auf dem Cover des Buches dem Inhalt nicht gerecht, denn beim "Schieber" handelt es sich viel mehr als 'bloß' um einen Kriminalroman. Natürlich ist Frank Stave Polizist und ermittelt gemeinsam mit Kollegen und dem britischen Lieutenant MacDonald rund um dem Mord an Adolf Winkelmann, einem verwaisten Hamburger Jungen - aber dabei sind die Beschreibungen der zerstörten Stadt und der Lebenssituatonen verschiedenster Menschen einfach so atmosphärisch dicht, dass sie mich wirklich in diese Zeit haben eintauchen lassen! An einigen Stellen habe ich gedacht, dass es mir im Geschichtsunterricht sicherlich gut gefallen hätte, wenn ich die beiden Bücher um Frank Stave als Empfehlung auf einer Literaturliste bekommen hätte. Denn mal ehrlich: die Fakten und Zahlen über den II. Weltkrieg sind schockierend und ernüchternd, aber zum Alltag der Menschen auch in Deutschland sagen sie nicht so viel aus, dass man sich das im Detail wirklich vorstellen kann. Bei und nach der Lektüre von "Der Trümmermörder" und "Der Schieber" konnte ich das, denn Cay Rademacher führt dem Leser einfache, normale Menschen der damaligen Zeit vor, stattet sie mit unterschiedlichen und realistischen Vorgeschichten und politischen Meinungen aus und zeigt, wie sie nach der Befreiung unter schwierigen Bedingungen ihr Leben meistern. Besonders gut gefällt mir dabei, dass durch den britischen Soldaten MacDonald noch eine weitere Facette hinzukommt: der Blick eines 'Siegers' auf die einzelnen Deutschen, mit denen er zu tun hat - gerade auch, weil er im beinahe Alltäglichen durchaus differenziert und klug beobachtet.
Dass auch diesem Fall von Stave einen tatsächlicher historischer Fall zugrunde liegt, macht das Buch im übrigen nicht weniger spannend und wenn man ehrlich ist, erfahren hier Leser, die an der jüngeren deutschen Geschichte interessiert sind, einmal wieder, dass diese genug Stoff bietet, der erfundenem Thrill in nichts nachsteht - wenn nicht sogar besser ist! Vor allem, wenn ein Roman so überzeugend recherchiert wurde, wie dieser - aber alles andere würde bei einem Autoren wie Cay Rademacher ja eh verwundern...
So bleibt mir nur zu sagen, dass ich den "Schieber" ebenso gerne wie den ersten Band "Der Trümmermörder" gelesen habe und mir die Figuren - allen voran natürlich Frank Stave und James MacDonald - noch mehr ans Herz gewachsen sind! Nicht nur, dass ich ihre Ermittlungen mit meinen Spekulationen verfolge, nein, ich leide schon förmlich bei ihren persönlichen Problemen mit und hoffe auch nach diesem Teil, dass sich für beide alles zum Guten wendet!
Das einzig Bedauerliche an Der Schieber ist letztlich lediglich die Wartezeit auf den nächsten Fall!

Fazit: Eine unbedingte Empfehlung an alle Krimileser, die authentische Atmosphäre und historische Fakten schätzen!
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Im Sommer 1947 ist im kriegszerstörten Hamburg unter Britischer Militärverwaltung die Bewältigung des Alltags noch immer eine tägliche Herausforderung. Ganze Straßenzüge sind zerbombt, viele Menschen leben in Baracken oder Bunkern und Lebensmittel werden noch immer auf Lebensmittelkarten zugeteilt. Einige tausend elternlose Kinder schlagen sich in der Stadt mit Kohlenklau von fahrenden Eisenbahnzügen und Schwarzmarktgeschäften durch. Davon sind (laut Rademachers Nachwort) allein eintausend so genannte Wolfskinder, die ohne Erwachsene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten flüchteten. Der Hafen ist zerbombt, gesunkene Schiffe versperren die Fahrrinnen. Als auf dem Gelände der Werft Blohm und Voss in Steinwerder (die englisches Sperrgebiet ist) ein Jugendlicher erstochen aufgefunden wird, arbeitet der deutsche Oberinspektor Frank Stave von der Hamburger Kripo mit Lieutenant MacDonald von der Britischen Besatzungsarmee zusammen. Die halboffizielle Zusammenarbeit zwischen der Hamburger Kripo und den "Tommies" illustriert sehr gelungen, wie kompliziert das Zusammenleben von Besatzungsmacht und den Bürgern im besetzten Nord-Deutschland war. Von der Hamburger Polizei wird der Einsatz für Recht und Ordnung erwartet, Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Briten Benzin für den Fuhrpark, die "Peterwagen", bewilligen. Ermittlungen auf dem Werftgelände sind eine heikle Sache, da die Militärregierung gerade die Demontierung der Produktionsanlagen angeordnet hat und die zum großen Teil in der KPD organisierten Werftarbeiter das durch aktiven oder passiven Widerstand verhindern wollen. Ein Fächer von Mordmotiven bietet sich den Ermittlern an. Der Junge, den offenbar noch niemand vermisst, könnte sich als Schmuggler oder Schieber Feinde gemacht haben, er könnte aber auch den Interessengruppen um die Schiffswerft in die Quere gekommen sein. Als seine Angehörigen ausfindig gemacht sind, zeigt sich, dass Adolf in der damaligen Zigarettenwährung sehr wohlhabend war. In welche Schiebereien war der Junge verwickelt?

Frank Stave hatte es während des Nationalsozialismus irgendwie fertiggebracht, seine Stelle zu behalten, obwohl er kein Parteimitglied war. Als Sozialdemokrat fühlte er sich nur im Geheimen. Eine politisch weiße Weste erregt natürlich den Neid seiner Kollegen, an denen er auf der Karriereleiter vorbeiziehen könnte. Stave ermittelt verbissen im Fall des toten Jungen, weil er nur schwer akzeptieren kann, dass um die elternlosen Wolfskinder niemand trauert. MacDonald, sein britischer Partner, handelt weniger altruistisch. Er hat eine Affäre mit Staves Sekretärin, die noch nicht von ihrem ersten Mann geschieden ist, und fürchtet auf einen Posten am entfernten Rand des Empires abgeschoben zu werden, falls er in diesem Fall nicht mir Ergebnissen glänzt. Das binationale Ermittlerteam gerät unter Handlungsdruck als weitere tote Jugendliche gefunden werden.

Neben einem spannenden Kriminalfall und den sorgfältig recherchierten Lebensbedingungen der Nachkriegsjahre hat mich besonders beeindruckt, wie tief der Autor seine Leser in Frank Staves seelische Verfassung blicken lässt. Der Ermittler hat seine Frau bei einem Bombenangriff verloren und kann sich im zweiten Jahr nach Ende des Kriegs nur schwer auf die Liebe zu seiner Freundin Anna einlassen. Auch die Beziehung zu Staves Sohn, den er zuletzt mit 17 Jahren gesehen hat, bevor der Junge sich zur Wehrmacht verpflichtete, ist noch ungeklärt. Rademacher lässt die trockenen Fakten über den Alltag zur Zeit der Hamsterfahrten und Schwarzmarktgeschäfte im Nachkriegsdeutschland erstaunlich lebendig werden. Meine Erwartung an einen historischen Krimi hat das Buch noch übertroffen und ich habe mich neugierig gefragt, wer wohl Rademachers Zeitzeugen für diesen Krimi gewesen sind.
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am 1. Januar 2014
Seit den Ermittlungen aus "Der Trümmermörder" (dem ersten Krimi mit Oberinspektor Stave), die im tödlich kalten Hamburger Winter 1947 spielten, sind einige Monate vergangen und es ist brütend heißer Frühsommer. Stave ermittelt im Todesfall eines 14-jährigen Jungen, der erstochen in einer Werft gefunden wurde.

Bei der Suche nach dem Täter steht Stave unter enormen Zeitdruck, da nur im Erfolgsfall der ihm von den britischen Besatzern inoffiziell zur Seite gestellte Leutnant MacDonald der Versetzung nach Palästina entgeht und somit Staves Sekretärin (die als verheiratete deutsche Frau von dem Besatzungsoffizier MacDonald ein Kind erwartert) als entehrte Frau alleine dastehen müsste.

Der Krimi selbst ist wie schon sein Vorgänger enorm spannend. Besonders gefesselt hat mich aber erneut die detailreiche Beschreibung des entbehrungsreichen und oft sehr perspektivlosen Lebens im völlig zerbombten Hamburg zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Deutschen müssen noch immer hungern, viele Waren des täglichen Gebrauchs können sie nur illegal auf dem Schwarzmarkt erwerben und ihr Leben unterliegt zahlreichen Einschränkungen. So durften beispielsweise die wenigen, die überhaupt ein Auto hatten, aufgrund der Treibstoffknappheit am Wochenende nicht damit fahren.

Das karge Leben im Nachkriegsdeutschland wird aus Perspektive von Oberinspektor Stave erzählt, der sich nach dem Tod seiner Frau bei einem Bombenangriff im Jahr 1943 erstmals wieder verliebt hat (seine Freundin Anna lernte er in "Der Trümmermörder" kennen) und dessen lange verschollener Sohn aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückkehrt.

Mir hat "Der Schieber" wegen seines gut recherchierten historischen Hintergrunds sehr gut gefallen. Besonders gelungen fand ich auch die Beschreibung der Beziehung von Stave und MacDonald - zwischen denen sich nach und nach eine echte Freundschaft entwickelt. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall mit Stave und all das Wissenswerte über das Leben der Menschen im Nachkriegsdeutschland, das so anschaulich nirgends in den Geschichtsbüchern meiner Schulzeit zu finden war.
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