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Kundenrezensionen

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am 2. Dezember 2013
Als Harold überraschend einen Brief seiner ehemaligen Arbeitskollegin Queenie Hennessy erhält, muss er sich eingestehen, sich nie für deren selbstlose Kameradschaft bedankt zu haben. Nun aber liegt sie im Sterben und Harold bleibt nur wenig Zeit, sein Versäumnis nachzuholen. Schon auf dem Weg zum Briefkasten ist ihm klar, dass sein mageres Antwortschreiben nicht genügen kann. Als ihm auch noch das Mädchen von der Tankstelle verdeutlicht, dass man Krankheiten nur besiegen kann, wenn man an das Gesundwerden glaubt, weiß Harold, dass er Queenie nur retten kann, wenn er an sich selber glaubt. Er beschließt spontan, sich zu Queenie aufzumachen, fast 1000 Kilometer quer durch England zu Fuß zurückzulegen und dabei an sich und Queenies Überleben zu glauben.

Wer jemals über mehrere Tage eine zusammenhängende Wanderung gemacht hat, wird bestätigen: Nach den ersten Anlaufschwierigkeiten geht es immer besser, der Körper hat verstanden, was zu tun ist, und der Kopf wird frei für neue Gedanken. So macht sich Harold im Gehen seine Gedanken. Er sinnt über seine schwierige Kindheit nach, die wieder Ursache für sein kompliziertes Verhältnis zu seinem eigenen Sohn David wurde. Er erinnert sich an das frühe Glück mit seiner Frau Maureen, das sich irgendwann und unerklärlich zwischen ihnen verlor. Und er denkt an Queenie, der er ein Freund gewesen sein muss, ohne sich diese Freundschaft je richtig einzugestehen. Harold erkennt, nicht nur mit Queenie eine Rechnung offen zu haben. Zu ihr hat er sich auf den Weg gemacht, doch ankommen muss er bei sich selbst.

Auch Maureen erlebt mit Harolds Wanderung Veränderungen in ihrem Leben und Denken, weil sie bald spürt, dass diese Reise nicht von ihr weg, sondern zu ihr hin führt. Als sie aufhört, von Harolds Weggehen gekränkt zu sein, erlangt sie einen neuen Blick auf ihr gemeinsames Leben, was auch für sie bedeutet, sich bittere Wahrheiten einzugestehen.

Rachel Joyce erzählt eine anrührende, überraschende und doch glaubhafte Gegenwartsgeschichte, die sie mit dem Attribut "unwahrscheinlich" in die Nähe der Legenden gerückt hat. Doch so sagenhaft ist das gar nicht, was sich mit und um Harold ereignet. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein Mann am Ende seines Arbeitslebens eine Herausforderung sucht und sich dabei Fragen stellt, denen er stets ausgewichen ist. Es ist gar nicht unwahrscheinlich, dass er auf seinem Weg zu sich auch einen ganz neuen Zugang zu anderen findet. Es ist gar nicht unwahrscheinlich, dass sich die Medien auf eine verrückte Idee stürzen, Mitläufer sich anhängen und Trittbrettfahrer ins Rampenlicht drängen. Das alles beschreibt Joyce sachlich, aber plastisch, so dass Harolds Reise vor unserem inneren Auge entsteht und uns am Ende sogar wahrscheinlich erscheint.

Gänzlich unwahrscheinlich scheint es, eine solche Geschichte ohne rührselige Klischees und peinlichen Gefühlskitsch zu erzählen. Aber zur großen Überraschung gelingt es Joyce weitestgehend, diese zu vermeiden. Beständig weckt sie beim Leser Erwartungen, die sie dann bewusst nicht erfüllt. Zwar ist der Roman nicht gänzlich ohne Happy-end, aber es fällt viel kleiner aus, als man dem gebeutelten Harold es gewünscht hätte. Aber auch hier will diese Geschichte wahrscheinlich sein: Es gibt Dinge im Leben, die kann man durch keine noch so weite Pilgerreise wieder in Ordnung bringen. Man kann nur lernen, aufrichtig damit zu leben.

P.S. Hat man den ganzen Roman gelesen, ist es aufschlussreich, die ersten drei Kapitel noch einmal aus dieser Perspektive zu lesen. Man stellt dann fest, dass schon viele Zeichen und Verweise für die ganze Geschichte dort angelegt sind. Man kann aber auch gern Heikko Deutschmann in der gelungenen Hörbuchproduktion lauschen und noch einmal mit Harold auf die Reise gehen.
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Als Harold Fry einen Brief seiner ehemaligen Kollegin Queenie Hennessy erhält, in dem sie ihm mitteilt, dass sie im Sterben liegt, verfasst er ein Antwortschreiben und will es zum nächsten Briefkasten bringen. Er merkt dann jedoch, dass er seine Gefühle nicht in einem Brief ausdrücken kann und beschließt zu ihr zu laufen. 87 Tage, 1000 Kilometer, vom seinem Heimatort in Südengland bis an die schottische Grenze, wo Queenie in einem Hospiz untergebracht ist. Er ist überzeugt, wenn er die gesamte Strecke zu Fuß bewältigen kann, wird er Queenie damit retten können. Also läuft er...

Auf dieses Buch bin ich durch die Wanderbuchaktion des Verlages aufmerksam geworden und fand es toll, dass die Pilgerreise des Harold Fry thematisch aufgegriffen wird und nun auch etliche Bücher auf "Pilgerreise" gehen sollen. Auf 378 Seiten begleitet der Leser Harold auf seiner Wanderschaft und erfährt nicht nur, wie ihn die Reise physisch und teilweise auch psychisch belastet, wodurch er jedoch immer wieder neue Energien sammelt oder wie die Umwelt auf ihn reagiert, sondern auch etliches über seine Vergangenheit und warum gerade Queenies Brief ihn so bewegt hat. Schnell wird jedoch klar, dass Harold nicht nur für Queenie läuft. Er läuft auch für sich, für andere Menschen, für den Glauben und die Hoffnung.

"Das Leben war ganz anders, wenn man sich zu Fuß darin bewegte."
(Seite 54)

Rachel Joyce hat einen gefühlsbetonten Roman geschrieben, der den Leser bewegt. Sie berichtet über zufällige Begegnungen, deren Wert unschätzbar ist, über Geheimnisse, die schon viel zu lange im Dunkeln liegen, über Liebe, Verlust, Mut und Durchhaltevermögen. Dabei driftet sie fast nie in Gefühlsduselei ab, sondern schreibt nachdenklich, gefühlvoll und mit Tiefgang. Besonders interessant fand ich die bereits erwähnten zufälligen Begegnungen. Harold stößt bei seiner Wanderschaft auf viele Personen. Manche sind hilfsbereit und wollen mehr erfahren, ihm vielleicht sogar helfen. Für andere ist er lediglich ein Spinner, ein alter Mann, der sich selbst überschätzt, um den man besser einen großen Bogen machen sollte.

Ich musste für mich leider die Erfahrung machen, dass ich scheinbar nicht die richtige Zielgruppe für diesen Roman bin. Die Geschichte und die große Umsetzung fand ich interessant, der Roman lässt sich flüssig lesen und trotzdem kam mir alles etwas zäh vor. Ich kann auch nicht behaupten, dass nicht viel passieren würde, denn Harold trifft ständig auf neue Personen, aber trotzdem konnte mich der Roman nicht fesseln und wirkte oft eher etwas langatmig. Den gewollten Tiefgang habe ich zwar gespürt, aber mir hätte es gereicht, wenn mir jemand die Handlung in einer Kurzfassung geschildert hätte. Das Buch ist jedoch keineswegs schlecht, man muss nur diese ruhige Art mögen, dann kann man sicherlich die bewegende Handlung, die teilweise sogar mit einem Augenzwinkern geschrieben wurde, genießen.

Fazit: Für mich leider nicht das richtige Buch, obwohl es flüssig und mit Tiefgang geschrieben ist.
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am 7. September 2012
Der Inhalt des Romans ist wahrscheinlich hinlänglich bekannt und auch schnell erzählt.
Harold erhält von einer ehemaligen Kollegin die Nachricht, daß diese im Sterben liegt. Er will ihr einen Brief schicken und macht sich auf zum nächsten Briefkasten. Doch plötzlich faßt er einen Entschluß: Er läßt den Briefkasten hinter sich und will sich zu Fuß auf den Weg zu der todkranken Frau machen; eine Reise quer durch England liegt vor ihm........
Der Roman von Rachel Joyce hat mich ein wenig zwiegespalten. Die Reise von Harold - immer wieder durchsetzt mit Erinnerungen Harolds an seine Frau Maureen und seinen Sohn David, dessen Beziehung durch ein Erlebnis nicht das Beste zu sein scheint - ist recht langwierig beschrieben und erinnert an eine Mischung aus Forrest Gump und einen "Hector auf der Suche nach was auch immer"-Roman.
Harold trifft bei seiner Wanderung auf diverse Menschen; ich vermag jedoch nicht zu erkennen, daß irgendeine dieser Begegnungen unglaubliche Tiefe besitzt, die für wen auch immer von Nutzen sein könnten. Für mich ist dies ein relativ plumper Versuch, dem Leser irgendwelche Pseudo-Lebensweisheiten zu verkaufen.
Erst am Ende erfährt der Leser, was der Auslöser für Harold war, diese beschwerliche Reise auf sich zu nehmen und es setzte zum ersten Mal ein wenig Ergriffenheit bei mir ein.
Trotz des sehr bewegenden Abschlusses waren bei mir allerdings nicht mehr als drei Sterne drin, da mich die Pilgerreise an sich einfach nur gelangweilt hat.
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am 25. Juli 2012
Respekt vor den immerhin 62 Fünf-Sterne Bewertungen der Rezensenten. Für mich wurde das Lesen über weite Strecken zur Pilgerreise meiner selbst: Die ersten 150 Seiten beschreiben die Tristesse einer senilen, in die Jahre gekommenen Partnerschaft, mit "very british" anmutenden Allüren der handelnden, in Selbstvorwürfen zerfließenden Personen. Kein Roman, den das Leben schrieb, eher von der Welt entrückt. Augenrollend zweifelte ich an der belletristischen Kunst der Autorin und wartete auf die endlich beginnende Handlung.

Der Pilger Harold Frey, bis dahin auf jeder Seite als bildungsresistenter Volltrottel charakterisiert, kann plötzlich, mittels autodidaktischer Aneignung, Cumulus-, Cirrus- und Schichtwolken erklären und ist quasi in der Lage, 'Hildegard-von-Bingens Naturapotheke' nachzustellen. Als ehemaliger Busfahrer und Mitarbeiter einer Brauerei, beides Positionen in denen er mitten im Leben stehen musste, fürchtet sich nun vor dem Betreten des Frühstücksraumes seiner Pension? Aus 'Achtung und tiefer Ehrfurcht vor den Geschenken der Natur bleibt er an jeder Quelle stehen und trinkt daraus'! Mit Verlaub, wie vielen "Quellen" mag er denn auf seinem Pilgerweg über britische Hauptverkehrsstraßen (andere Wege traut er sich nicht zu!) begegnet sein? Oder sollte es sich an dieser Stelle gar um einen Übersetzungs-Fauxpas handeln und die Autorin meinte 'Brunnen' statt 'Quelle'? Im schmalzig-trivialen letzten Kapitel, üblicherweise das "finale Feuerwerk" eines Roman-Endes, fühlte ich mich endgültig verballhornt.

Erst die tragikomischen Geschichten hinter der Geschichte werten das Werk auf in "lesbar". Und ja, hier und da ist das Geschriebene auch "tief berührend". Dieses vermochte jedoch die ansonsten fade Abhandlung nicht zu kompensieren. Auch führten sie bei mir nicht zu einem, um im Sprachgebrauch eines geschätzten Rezensenten zu bleiben, 'Umkrempeln meines Lebens'. Das vorliegende Werk mit dem Essay-ähnlichen Reisetagebuch eines Hape Kerkeling zu assoziieren, wie es eine Kritikerin des WDR-2 tat, lässt mich an der Seriösität des ansonsten von mir hoch geachteten westdeutschen Senders zweifeln.

Alle begeisterten "5-Sterne-Leser" bitte ich in reumütiger Verneigung um Verzeihung und gebe zu, dass die von mir vergebenen 2 "Trotz"-Punkte frustindiziert sind. In Wahrheit war ich kein geeigneter Leser, und bei wohlwollender Bewertung hätten es auch 3 Punkte sein können.
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am 28. Mai 2012
Diese Buch erzählt von Harold Fry, der einen Brief von Queeny bekommt, einer ehemaligen Arbeitskollegin und der ihr einen Antwortbrief schreiben und dann sofort in den Briefkasten stecken will. Als er dann am Postkasten ist, beschließt er zum nächsten zu gehen. Ich dachte so, naja was kommt danach. Ich dachte, dass war's. Aber ich hatte mich getäuscht. Mich hat das Buch nicht mehr losgelassen. Auf dem Weg zu Queeny läßt Harold sein Leben an sich vorbeiziehen. Schön fand ich auch, dass nicht nur der Titelheld zu Wort kommt, sondern auch seine Ehefrau Maureen, die nun ganz allein zu Hause auch Ihre Gedanken hat. Und das fasszinierende ist, dass die Gedanken und Gefühel von Harold und Maureen sehr authentisch sind. Und dann der Schluß.... der ist ganz anders, als man denkt. Ein Buch, dass ich auf alle Fälle nicht nur einmal lesen werde....
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am 26. Juni 2012
Inhalt:
Der Rentner Harold Fry und seine Ehefrau Maureen leben in einem idyllischen Ort in Südengland mehr nebeneinander her als miteinander. Eines Tages erhält Harold einen Brief von einer ehemaligen Arbeitskollegin namens Queenie Hennessy. In diesem Brief möchte Queenie sich von Harold verabschieden. Sie hat Krebs im Endstadium. Er schreibt ihr einen Brief zurück, weiß zuerst allerdings nicht, was man einer an Krebs sterbenden Frau schreiben soll. Und so werden es nur ein paar sein Mitleid bekundende Worte. Als er am Briefkasten ankommt, kann er sich nicht dazu überwinden, den Brief einfach so einzuwerfen. Also geht er zum nächsten Briefkasten und beschließt schließlich, dass dieser Brief nicht ausreicht und er persönlich zu Queenie gehen muss. So beginnt die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry. Spontan, ohne Vorbereitung und ohne irgendeinen Plan. Nur das Ziel hat er vor Augen: Er muss es rechtzeitig zu Queenie schaffen. Auf seiner Reise begegnet er vielen Menschen, die sein Leben und sein Weiterkommen auf die unterschiedlichsten Arten beeinflussen.

Meinung:
Ich habe noch kein Buch gelesen, in dem mir der Schreibstil so positiv aufgefallen ist, wie hier. Rachel Joyce hat eine unglaubliche Art Dinge und Gefühle zu beschreiben. Noch nie habe ich so viele Passagen unterstrichen und herausgeschrieben, wie bei "Die unglaubliche Pilgerreise des Harold Fry". Zugegeben: Ich war anfangs sehr skeptisch, was das Buch betrifft. Vom Klappentext her hat es mich noch nicht so überzeugt. Aber schon nach den ersten gelesenen Seiten wusste ich, dass es ein ganz einzigartiges Buch ist. Ich habe Harold auf jedem Kilometer gedanklich angespornt weiterzugehen. Das Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht und hat viele Emotionen aufkommen lassen. Ich konnte sehr gut mit Harold mitfühlen. Anfangs sind ein paar Fragen aufgekommen, die später aber restlos geklärt wurden. Das emotionale Ende hat mich gleichfalls sehr bewegt.

Fazit:
Ich würde diesem Buch am liebsten 6 Sterne geben, da es mein absolutes Lesehighlight der letzten Zeit war. Dies Buch sollte man unbedingt gelesen haben. Es verdient es aber in Ruhe gelesen zu werden, da einem sonst vieles entgehen könnte!
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am 3. Juni 2012
"Ich bin auf dem Weg. Du musst nur durchhalten. Ich werde Dich retten, Du wirst schon sehen. Ich werde laufen, und Du wirst leben."

Es gibt Bücher, die so sind wie Schokolade: Man kann nie genug davon haben, man wünscht sich, dass der Moment des Genusses lange anhält und wenn das letzte Stückchen verspeist ist, möchte man am liebsten, dass der Geschmack lange auf der Zunge verbleibt.

So ein Buch ist "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" von Rachel Joyce.

Harold Fry ist ein ruhiger unscheinbarer Pensionär, der zusammen mit seiner Frau Maureen ein Häuschen im Südwesten Englands bewohnt. Das Leben geht an den Beiden vorbei, und mehr als das Haus scheinen sie nicht gemeinsam zu haben.
Als Harold eines Tages den Abschiedsbrief von Queenie Hennessy, einer ehemaligen Kollegin, die an Krebs in fortgeschrittenen Stadium erkrankt ist, bekommt, rührt sich etwas in seinem Inneren und er verspürt das Bedürfnis, etwas für diese Frau zu tun, die er 20 Jahre lang nicht mehr gesehen hat: Er schreibt ihr einen Brief. Aber als er zum Briefkasten geht, läuft er weiter und weiter, Richtung Norden, Richtung schottischer Grenze, dahin, wo Queenie im Sterben liegt. Er läuft, 1000 km, in 87 Tagen.

Rachel Joyce nimmt uns auf diese ungewöhnliche Reise mit. Quer durch England.
Während dieser Reise begegnet Harold vielen Menschen, viele von ihnen schließt er in sein Herz, und sie begleiten ihn im Geiste entlang der Route. Und wir dürfen auch mit.
So lange Harold läuft, hat er Zeit zum Denken und Nachdenken, über sein Leben und über die Menschen in seinem Leben. Und so werden wir Leser Zeugen, nicht nur von seinem Weg auf den Straßen Englands, sondern auch von seinen Gedanken und von den Alpträumen, die ihm plagen.

Rachel Joyce erzählt uns eine bewegende Geschichte.
Sie schafft es, dass wir Harold nicht vergessen können, nicht vergessen wollen. Seine Geschichte wird uns langsam vor Augen geführt und wir können miterleben, wie diese Reise nicht nur sein Leben verändert, sondern auch das von seiner Frau, die auf einmal auf sich allein gestellt ist.
Nachdem wir so viele hunderte von Kilometern mit Harold gegangen sind und nachdem wir zusammen mit ihm mitgebangt und mitgehofft, und seine kleinen und großen Erfolge mitgefeiert haben und bei seinen Niederlagen mitgelitten haben, lässt uns Rachel Joyce die ganze tragische Wahrheit über Harolds Beweggründe erfahren. Plötzlich und unerwartet platzt diese Bombe und lässt uns erschüttert zurück.
In diesem Moment wünschen wir uns mehr als alles andere, dass Harold das schafft, was er sich vorgenommen hat.

Harold, Maureen und Queenie, durch Harolds Fußmarsch vereinigt, bilden ein Dreieck der besonderen Art. Ihre Geschichten, erst unauffällig auf uns wirkend, stecken doch voller Überraschungen.

Ich hatte das Privileg, Teil eines besonderen Projektes gewesen zu sein: Der Fischer Verlag hat dieses Buch auf Wanderschaft geschickt. Ähnlich wie Harold in England, reist dieses Buch quer durch Deutschland.
Heute schicke ich mein Exemplar an die nächste Leserin weiter. Das fällt mir sehr schwer.
Aber ich nehme an, dass auch ich, so wie Maureen, lernen muss, loslassen zu können.

"Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" ist der erste Roman von Rachel Joyce, sehr schön ins Deutsche von Maria Andreas übersetzt, und ein Roman, der bewegt, und dessen Wirkung ich noch lange nach dem Lesen genießen möchte... genau wie bei Schokolade.
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"Er hatte keine Ahnung gehabt, dass Gehen so weh tun konnte. Sein einziger Gedanke waren Pflaster." (S.98)

Harold Fry macht sich auf eine Reise. Eigentlich hatte er das gar nicht geplant, und so macht er sich auch denkbar unvorbereitet auf den Weg - ohne feste Schuhe, Handy oder Tasche. Aber wer hätte auch gedacht, dass ausgerechnet ein junges Mädchen eines Burgerstandes Weisheiten über das Leben von sich gibt und Harold damit die Augen öffnet? Und so kommt halt alles anders, als zunächst von ihm geplant. Ehe er sichŽs versieht, ist er schon im nächsten Dorf angekommen und hat den Brief noch immer in der Hand. Warum also nicht noch ein paar Kilometer laufen?
Es ist eine Reise, auf die man sich als Leser gemeinsam mit Harold begibt. Denn abgesehen davon, dass man schöne Einblicke in die englischen Provinzdörfer und Städte erhält (am Ende des Buches befindet sich eine Karte Englands, auf der man die Stationen Harolds genau nachvollziehen kann), und abgesehen davon, dass Harold lustige, schrullige und außergewöhnliche Menschen kennenlernt, die ihm auf ihre eigene Art und Weise alle etwas für die Reise mitgeben - abgesehen davon ist es vor allem Harold selbst, der einem hier immer näher kommt. Man erhält Einblicke in die gemeinsamen Ehejahre mit Maureen, in ihr Kennenlernen, ihre ursprünglich gemeinsamen Ziele und Träume. Man erfährt, warum eben diese an irgendeinem Punkt ihres Lebens schief gelaufen sind, und warum Harold heute der ist, der er nun mal ist. Sehr gelungen finde ich dabei, dass die Kapitel abwechselnd aus Harolds und Maureens Sicht erzählt werden.
Es ist sehr schön zu verfolgen, welche Ups und Downs Harold während seines Weges erlebt. Es ist nicht immer alles eitel Sonnenschein; Selbstzweifel begleiten ihn ebenso wie die ständige Frage "Macht das alles überhaupt einen Sinn?". Ich bin froh, dass die Autorin Harold hier auch (sprichwörtliche) Steine in den Weg gelegt hat, über die er stolpert, denn alles andere wäre vermessen gewesen. Eine Bilderbuchreise wäre hier völlig unangemessen gewesen und letztlich auch nicht passend zu Harolds Selbstfindungsprozess, den er durchläuft, ohne es eigentlich zu merken.
Ab einer bestimmten Stelle habe ich mich ein wenig an "Forrest Gump" erinnert gefühlt, der sich ebenso eines Tages aufmacht und losläuft. Und ebenso wie bei ihm wird auch Harold "Opfer" der Massenpublicity - die Anhänger und vermeintlichen Fans und Unterstützer schließen sich ihm nach und nach einfach an und begleiten ihn. So befremdlich ich diesen Aspekt zunächst fand - und vor allem Harolds Reaktion darauf -, so realistisch ist er eben doch in der heutigen Zeit, in der eine Schlagzeile weit mehr wert ist als der tiefere Sinn, den eine Pilgerreise haben mag.
Das Cover, das vom englischsprachigen Original übernommen wurde, finde ich in seiner Schlichtheit übrigens ausgesprochen schön und sehr ansprechend.

Fazit:
Ein kluges, warmherziges Buch, das zum Nachdenken anregt und einen manche Gegebenheiten des Lebens mal mit anderen Augen sehen lässt.
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am 1. November 2012
Am Anfang fand ich das Buch wirklich toll.

Die Beschreibung, wie Harold innerlich getrieben einfach los läuft. Wie er letztlich erst nach und nach sein Ziel erkennt.
Wie die Menschen auf ihn reagieren, wie er auf die Menschen reagiert, wie er sich und seine Vergangenheit findet, wie seine Frau zu sich findet ... Das war inhaltlich sehr interessant und las sich auch gut.

Aber im letzten Drittel war es mir zu langatmig. Da wurde dann noch zum gefühlten einhundertsen Mal beschrieben wann, wie und wo Harold geschlafen hat, wie das Wetter war, wie sein körperlicher Zustand. Dann musste er sich nochmal verlaufen und an sich zweifeln und und und...
Da kam die Autorin leider nicht zum Punkt.
Genauso hat sie es nicht geschafft, den Spannungsbogen bis zur Auflösung der vielen kleinen "Geheimnisse" aufrecht zu erhalten: Was ist zwischen ihm und Queenie vorgefallen, was zwischen ihm und seiner Frau, was ist mit seinem Sohn..... Sie hat den Bogen leider überspannt. Zwischendurch dachte ich mehrfach:
Jahaaa ich weiss jetzt, dass da noch mehr dahinter steckt, jetzt sag halt endlich!!

Schade, zum Schluss habe ich nur noch quer gelesen, weil ich wissen wollte, wie es ausgeht.
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In der Tat, das, was sich Harold Fry vornimmt, ist unwahrscheinlich und doch lässt es die britische Autorin Rachel Joyce in ihrem Roman geschehen: eine reise vom Süden Englands in den Norden über gut 1000 km. Absolviert in knapp drei Monaten. Zu Fuß!

Harold Fry ist pensioniert und die Ehe mit seiner Frau Maureen ist mehr als eingefahren. Höhepunkte gibt es nicht mehr und Zwistigkeiten sind häufig an der Tagesordnung. Als Harold erfährt, dass eine ehemalige Kollegin in einem Hospiz in Berwick dem Krebstod entgegen sieht, schreibt er ihr einen kleinen Kartengruß. Auf dem Weg zu Briefkasten fragt er sich, ob der kleine Gruß genug ist und denkt an die Zeit zurück, als er Queenie kannte. Und ihr nach seiner Meinung nicht Recht getan hat.

Spontan und ohne viele Überlegungen kehrt Harold nicht nach Hause um sondern läuft weiter und nimmt sich vor, Queenie zu Fuß zu erreichen, um ihr beizustehen. Von einer kleinen Tankstelle aus ruft er endlich bei Maureen an und teilt ihr mit, dass er sich zu Fuß nach Berwick aufmacht. Für Maureen geschieht damit etwas Unfassbares und sie beginnt nachzudenken. Über sich und Harold, über ihre Ehe und über die Zukunft, die beide haben können.

Rachel Joyce erzählt in ihrem großartig komponierten Roman "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" eine aufregende Geschichte, die doch nicht fern jeder Vorstellung ist und den beiden Protagonisten Harold und Maureen die Chance gibt, über ihr bisheriges Leben nachzudenken. Dabei überschreiten die beiden Grenzen, denen zu stellen sie zuvor nicht ins Kalkül gezogen hatten.

Der Roman ist die Geschichte von Liebe und Freundschaft, vom Verlöschen und vom Wiederaufleben, von Gnade und Vergebung und vom wahren Leben, wie es realer nicht zu sein vermag. Ein literarisch anspruchsvolles Buch mit viel Platz für Herz und Emotionen. Unbedingt lesenswert!
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