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Kundenrezensionen

4,0 von 5 Sternen
18
Sinfonie 9 (4 Sätze)
Format: Audio CD|Ändern
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am 17. Dezember 2015
Der legendäre seidige Glanz der Berliner Philharmoniker, in den siebziger und achtziger Jahren unter Karajan kultiviert und auf etlichen, jedoch beileibe nicht allen Aufnahmen der Berliner mit Karajan zu hören, erlebt bei Rattle in der Wiedergabe von Bruckners Neunter eine Renaissance. Eine Stellschraube für diesen Klang ist sicherlich die auch hier gepflegte geringe rhythmische Betonung sowie ein Spiel, bei dem das Material der Instrumente eher wenig resoniert, die Töne mit ihren Obertönen mithin ziemlich rein klingen.

Rattlespezifisch wird die Interpretation dann in der sehr bewussten Ausbalancierung dieses Klangkörpers. Unter Rattle kommt es allenfalls in gemildertem Ausmaße vor, dass eine Stimme hervortritt und den Höreindruck dominiert. Mancher mag meinen, das Orchester klinge damit etwas schwächlich oder glatt. In der Tat fehlt es an dramatischen Ausbrüchen, ganz allgemein an einem Sich-abheben einer Stimme durch einen (beispielsweise besonders empfindsamen) Ausdruck, der sonst im Orchester so nicht intoniert wird. Die Zurückhaltung, mit der also musiziert wird, das Aufeinander-Rücksicht-nehmen, das stete Bemühen, sich in eine Gesamtbalance einzufügen, sorgen auf der anderen Seite für Transparenz und geben dem Klang überdies eine Art Schwebe. Dies macht sich insbesondere gut für das Trio im zweiten Satz, mit dessen in Hinsicht auf Betonung und Metrum verunsichernden Polyphonie, welche bei Rattle wegen der Gleichberechtigung der Stimmen in plastischer Gestalt erscheint, sowie für das Adagio, das dank des besagten Schwebecharakters an machen Stellen mystische Züge annimmt, allerdings ohne dabei dunkel zu wirken.

Man darf sagen, dass die Berliner ein akustisches Erlebnis von betörender Schönheit hervorzaubern. Sie selbst scheinen förmlich in ihrem Wohlklang zu baden. Darüber wird aber -- und hier kritisiere ich natürlich in erster Linie den Dirigenten Rattle -- vergessen, eine zeitlich lineare Struktur herauszuarbeiten, dem Aufbau und der musikalischen Entwicklung des Werkes eine Darstellung zu geben. Es tönt wunderbar, mangelt aber an Gestaltung (eine solche könnte meines Erachtens mit dem angesprochenen Schwebecharakter durchaus in Einklang stehen, wenn sie denn mehr die Verläufe der ganzen Partitur als die Details in den einzelnen Stimmen beträfe).

Im bei dieser Einspielung abschließenden vierten Satz spielt das Orchester dramatischer wie auch generell akzentuierter, so, als ob man sich besondere Mühe geben wollte, das Publikum von der noch weithin unbekannten Komposition zu überzeugen. Man mag auch den Eindruck gewinnen, als habe Rattle die Dramatik zuvor im Zaum gehalten, um sie im Sinne der Finalsymphonie zum Schluss hin umso effektvoller zur Krönung zu führen. Demjenigen, der davon unbeeindruckt entgegenhält, die Neunte solle trotzdem weiterhin mit dem Adagio enden, empfehle ich, die CD nach dem Adagio zu stoppen und an einem anderen Abend allein dem vierten Satz zu lauschen. Es handelt sich um ein grandioses Stück Musik, ganz gleich wie viel Bruckner in ihm tatsächlich stecken mag.

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am 4. September 2016
in dieser Aufnahme wird die 9er Sinfonie von Bruckner so ausgeführt wie es der Wille des Komponisten entspricht, nämlich in 4 Sätzen. Nicht umsonst hat er, für den Fall daß er die Vervollständigung der Sinfonie schafft vorgeschlagen, das Te Deum zu spielen. Diese Sinfonie in 3 Sätzen zu hören ist wie ein Buch nur bis zur Hälfte zu lesen. Die einfach ohne eine Finale, ohne eine Erläuterung zu spielen ist wie Dreck unter dem Teppich zu kehren und das Publikum zu täuschen in dem es in dem Glauben lässt, Bruckner hat nichts zu dem 4ten Satz hinterlassen. Sehr zu empfehlen ist auch die Aufnahme von Nikolaus Harnoncourt mit der Wiener Philharmoniker in dem er das vorhandene NUR VOM BRUCKNER komponierte Material erläutert und spielt. Nur das allein sind ca. 15 Minuten Musik die unbedingt gepielt werden muß!, Die ersten ca 278 Takten sind VOLLSTÄNTIG komponiert, die die allermeisten Dirigenten einfach unterschlagen! Leider hat Bruckner zuviel Zeit und Energie gebündelt, um seine ersten Sinfonien zu überarbeiten. Sein Genie war umgekehrt proportional zu seinem Selbstbewußtsein, er hat sich von den parasitischen Kritikern runterkriegen lassen. Diese Leute die oft nie eine Note selbst komponiert haben wollten die Nachwelt verdammen, für immer Beethoven zu hören. Dieselbe konservative und kleikarierte Einstellung ist heute noch vom Dirigenten zu vernehmen, die weiterhin darauf bestehen, diese Sinfonie nur in 3 Sätzen zu spielen. Ich gehe aber stark davon aus, daß Dirigenten und Labels diese Vorgehensweise beibehalten weniger wegen der Treue zur Kunst als vielmehr weil die 4er Satz Fassungen nicht rechtsfrei sind. Die müssen bei Ihrer Aufführung wahrscheinlich Tantiemen an die Rechtsinhaber bezahlen, und dazu haben die einfach keine Lust. Die behalten die Einnahmen lieber selber. Es wird allerdings angenommen daß noch unveröffentlichtes Material für den 4en Satz von Bruckner komponiert existiert, die sich allerdings im Besitz von sogenannten „Autographsammler“ befindet. Ich muß mich fragen, was für Leute das sind. Was die Aufnahme von Sir Rattle betrifft, ob das die brillanteste Bruckner Aufnahme kann ich nicht beurteilen, das kümmert mich auch weniger (das ist ja die 5er Aufnahme der 9er die ich habe ) mindestens setzt er sich mit der Problematik auseinander. Allein daß er es gewagt hat, die Sinfonie in 4 Sätzen aufzunehmen so wie es sich gehört ist schon ein großer Verdienst. Auf alle Fälle, wie Rattle sagt, enthält diesen 4er Satz mehr Bruckner wie das Requien von Mozart ebendieser enthält. Es werden ganze Konzertsäle voll um eigentlich nur ein Fragment von Mozart zu hören, spätestens nach der Tuba Mirum wurde die Komposition vollständig von seinem Schüler Süssmayr komponiert. Und niemand regt sich auf, kein Dirigent boykottiert die Vervollständigung. Nur in diesem Fall müssen die Dirigenten und Labels eben keine Tantiemen bezahlen.
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am 17. Juni 2012
(Nicht nur) Fuer Liebhaber von Bruckners Musik: Kaufen! - Meines Erachtens ist es empfehlenswert, sich erst in den ersten drei Saetzen mit den Eigenheiten der Interpretation von Rattle vertraut zu machen und sich dann erst dem 4. Satz naehern. Diesen ein paar mal fuer sich (er-)hoeren und danach ein Durchlauf Satz 3 +4.

Mir gefaellt der vorgelegte 4. Satz außerordentlich gut und immer besser, je öfter ich ihn gehört habe. Es ist großartige Musik mit einer enormen Dichte. Ich muss sagen, dass es für mich eines der faszinierendsten Hörerlebnisse darstellt. Diese Musik, ist wie die ersten 3 Sätze der Symphonie einfach großartig. Es ist m.E. Brucknersche Musik - mit all ihrer Ungewoehhnlichkeit und Radikalität, - man hoert deutlich, dass hier Bruckner wie schon in den vorangegangen Saetzen weiter geht, stellenweise weist er weit voraus (Mahler / Schostakowitsch). Ein "qualitatives" Abfallen kann ich nicht feststellen, auch wenn manche Stellen spröde sind. Auch nicht, dass dieser Satz nicht zur Symphonie passe, oder dieser diese nicht abschliessen wuerde. Man muss sich den Satz eben erhoeren.Dass der Satz sicher nicht so ist, wie Bruckner ihn veröffentlicht haette muss klar sein: Er hat ihn nicht fertig gebracht, noch konnte er diverse male "drueber- und umarbeiten". Das mindert aber meines Erachtens nicht den Wert des Satzes. Die Anmerkungen im Booklett sind teilweise nicht sehr hilfreich...

Herzlichen Dank an die Gruppe aus Musikwissenschaftlern, die eine Rekonstruktion und Vervollständigung des 4. Satzes vorgenommen haben und an ihr kontinuierlich weiter arbeiten. Ebensosehr auch an Rattle, der sich mit der Aufführung dieser Rekonstruktion den überwiegend von Legendenbildung und von subjektiven Urteilen geprägten Diskussionen um Bruckners Musik aussetzt. Ich hoffe, dass Rattle mit dieser Einspielung einen Impuls für eine Reihe weiterer Interpretationen setzt!

Anmerkungen:
1. Aufnahmetechnik: Ich kann es nicht genau verorten, aber mir scheinen Basslinien, Mittelstimmen und hohe Lagen nicht in einem ausgewogenem Verhältnis zu stehen. Es will sich nicht zu einem durchgehend transparenten Klangbild aussteuern lassen.

2. Interpretation: Rattle geht auf seine Weise an Bruckner ran, er ist eben nicht Karajan, Celibidache, Böhm oder Wand usf. sondern Rattle... Er eröffnet an einigen Stellen neue Perspektiven. Vor allem seine Behandlung des Bleches ueberrascht. Auch geht Rattle mit den Tempi freier um. Meiner Meinung nach "atmet" die Symphonie dadurch weniger, bzw. verliert etwas von ihrer "Organik". Die Symphonie bekommt dadurch mehr etwas Beethovensches und mehr Dynamik. Zugleich schafft es Rattle aber auch, die Modernität herauszuarbeiten. An manchen Stellen wird durch Rattle die Neuartigkeit und Radikalität der Harmonik verdeutlicht. Manche Stellen bekommen bei ihm auch starke "Räumlichkeit". Diese Interpretation eröffnet für mich auch in den ersten drei Sätzen neue Aspekte: Man sollte sich die Interpretation anhören!

3. Hoffentlich wagen sich auch weitere Interpreten an den vorgelegten 4.ten Satz ran, die vorgelegte Arbeit könnte sich beim Publikum durchsetzen. Ich glaube, dass in der vorliegenden Interpretation einige Mommente nicht gehoben sind, die den Satz stärker in den Kontext der vorangegangen Sätze stellen können und somit den Bogen besser spannen. Auch denke ich, dass man die Zusammenhänge des Satzes in sich besser herausarbeiten kann. Z. B. das "generische"-Moment - der Satz hat thematisch die Anlagen dazu.

4. Die hier häufig erwähnten "schwachen Finalsätze": Mir gefallen einige Sätze auch besser oder weniger gut als andere. Auch in der musikwissenschaftlichen Literatur wird oft von schwachen Finalsätzen geschrieben. Ich finde ein solches qualititatives Urteil als vermessen und unangemessen: Die Finalsätze unterliegen völlig anderen Konstruktionsprinzipien, Gesetzmäßigkeiten und haben auch eine andere Funktion als die anderen Sätze einer Symphonie. Einige Sätze Brucknerscher Symphonik müssen eben erarbeitet werden. GEnauso zu immer wieder zu lesenden Meinung, die 9.te wäre genauso wie die 8.te eine zusammenfassende Arbeit, in der prinzipiell nichts Neues geboten wird: Meiner Meinung nach stellt die 9.te Symphonie einen Wegweiser zu einem neuen Typus von Musik dar - einmal ganz abgesehen von der Radikalität der Harmonik. Man beachte allein das Geflecht aus "Perpetuum-Mobile-Motiven" aus denen sich musikalische Gedanken heraus entwickeln (Generik & Periodizität), sich verdichten und getragen werden. Klassische Prinzipien der Entwicklungsformen werden hier verlassen bzw. dienen nur noch als Gerüst. Diese Formen können daher auch nicht alleinig bei der Analyse des formalen Aufbaus herangezogen werden.
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am 26. Juni 2012
Auch wenn Rattle kein wirklicher Bruckner Dirigent ist (meine Referenz ist Celibidache - aber der lebt ja nicht mehr), die gegenständliche Aufführung ist bahnbrechend. Ich bin ein großer Bruckner Fan und habe es mir immer gewünscht, einmal den 4. Satz des Meisters hören zu können. Nun wurde mir dieser Wunsch erfüllt. Ich war begeistert und zu Tränen gerührt, unglaublich schön und ein wahrlich echter Bruckner - wenn auch einige Stellen ungewöhnlich sind (Dissonanzen). Noch dazu von einem der besten Orchester der Welt gespielt. Mag sein, dass der Satz noch nicht ganz den Bruckner'schen Qualitätsmassstäben genügt hätte - immerhin ist es ja praktisch die Rohfassung und von Bruckner weiss man ja, dass ein Werk erst akzeptabel war wenn es zig Mal überarbeitetr wurde - es ist ein wahrer Bruckner, das hört und spürt man. Man spürt auch, dass dies sein letztes Werk ist, vor allem im vierten Satz ist ein Thema überirdisch. Unglaublich schön, aber eben schon über den Sphären. Und das Finale ist dann wieder ein echter Bruckner. Ich habe ihn mir schon sehr oft angehört, bin aber immer wieder zu Tränen gerührt. Das einzige Problem ergibt sich bei mir technisch: 82 Minuten auf eine einzige CD zu packen ist technisch sehr kritisch. Wegen der hohen Beschreibungsdichte reichen hier kleinste Unreinheiten um die CD aussetzen zu lassen, vor allem bei älteren CD Spielern. Ich konnte den 4. Satz zuerst nicht fertig hören, erst nach einer gründlichen Reinigung der Oberfläche gelang es mir. Schön wäre es daher - wie auch bei anderen Bruckner Werken geschehen - die Aufnahme auf 2 CDs aufzuteilen, das erspart eine Menge Ärger.
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am 27. Mai 2016
Mehr als 25 Jahre habe ich darauf gewartet, endlich den 4. Satz von Bruckners 9. in einer qualitativ hochwertigen Aufnahme zu hören. Und das Warten hat sich gelohnt! Nie wieder will und werde ich die 9. dreisätzig hören!
Zur Aufnahme: Das Orchester spielt wie gewohnt in höchster Qualität. Herr Rattle macht seine Sache nicht schlecht, obwohl er natürlich nicht an gigantische Aufführungen wie Bernstein oder Wand heran reicht. Er ist nun mal kein ausgewiesener Brucknerdirigent. Aber man hat die ersten 3 Sätze der 9. auch schon schlechter gehört. Und für einen guten Hörgenuss reicht es - und Klang und Spiel des Orchesters tragen ihren Teil dazu bei.
Nun zum heiß umstrittenen 4. Satz! Für mich mittlerweile nach mehrmaligem Hören einer der besten Finalsätze, die Bruckner je konzipiert hat. Ja, ein Teil der Instrumentierung in zweiten Hälfte und ganze 28 Takte sind nicht original von ihm - aber ich habe das nicht hören können. Es gibt keinen Bruch im Satz. Der Satz ist wie aus einem Guss, logisch stringent aufgebaut und schließt die Sinfonie musikalisch perfekt ab. Und da sind schon großartige Motive drin! Ich kann die Leute nicht verstehen, die auf die dreisätzige Aufnahme schwören - mir hat schon immer der Abschluss der Sinfonie gefehlt und ich war mit dieser dreisätzigen Lösung immer unzufrieden.
Es gibt zu diesem Finalsatz eine sehr hilfreiche Interpretation von Benjamin Gunnar Cohrs. Man gebe dazu die Worte Bruckner Finale Analyse bei Google ein und wird beim ersten Treffer fündig. Diese Analyse hilft beim ersten Hören des Finalsatzes, wenn man all die musikalischen Symbole verstehen und den logischen Ablauf der Motive nachvollziehen will. Sehr spannend ist die Wiedereinführung des Kopfmotivs aus dem ersten Satz am Ende der Reprise, aus der eine großartige Coda erwächst, die wie ein Sog wirkt und ein Motiv aus dem Adagio zum krönenden Abschluß der SInfonie führt. Wenn man Cohrs glauben darf, geht es Bruckner in dem Finalsatz um die Auseinandersetzung mit dem Tod. Und selten wurden Angst vor dem und Sieg über den Tod großartiger komponiert. Es ist quasi das Gegenstück zum Adagio mit seiner berühmten dissonanten Klangballung - die ja auch durch den Ausklang des Adagios nicht wirklich aufgelöst wird. Dieses Finale muß einfach sein - als Abschluß und Auflösung der Spannung.
Fazit: Für jeden Brucknerfreund ein Erlebnis - wenn man dazu bereit ist, festzementierte Ansichten und Hörgewohnheiten vorurteilsfrei zu überprüfen. Wer natürlich von vornherein dem Finalsatz der 9. ablehnend gegenübersteht, der kann sich die Anschaffung sparen und weiterhin seine Vorurteile pflegen. Für mich war und ist diese Aufnahme die Erfüllung eines jahrzehntealten Traums!
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am 6. Mai 2013
Gefällt mir super.
Rattle interpretiert wieder einmal eigenwillig aber überzeugend. Mir gefällt insbesondere der differenzierte Einsatz der Streicher.
Einfach mal reinhören!
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am 1. April 2013
sehr gut, der neue 4. Satz,
nachdem 580 von 650 Takten sowieso von Bruckner sind...
da ist also kaum was nachkomponiert worden.
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am 10. Juni 2012
Nachdem bereits bei Naxos eine Aufnahme mit einem rekonstruierten Finalsatz der Neunten erschienen ist, die seltsam kalt liess und nicht überzeugte (Dirigat: Wildner), war nun die Erwartung wesentlich höher. Simon Rattle ist zwar ein grosser aber kein Bruckner-Dirigent, mit den Berliner Philharmonikern jedoch steht ihm ein Spitzenorchester zur Verfügung, welches eine grosse Bruckner-Tradition hat (man denke an Furtwängler, Jochum und Karajan). Nun sitzt man also in fiebriger Erwartung vor der Stereoanlage und fürchtet sich ein bisschen vor dem, was da kommen mag. Und was da kommt!

Die Aussage von Harnoncourt, diese Musik sei wie "ein Stein, der vom Mond gefallen" ist, könnte treffender nicht sein. Nebst majestätischen und hinreissenden Themen hören wir dissonante Akkorde noch und noch, seltsame Abbrüche, Hörner, die eine seltsame Tonfolge ins Leere hinausblöken, und zum Schluss die pseudo-chaotische Übereinandertürmung verschiedener Themen vorwiegend aber nicht ausschliesslich der Neunten - Musik, wie sie weit ins 20. Jahrhundert hineinweist und die Hörer im ausgehenden 19. Jahrhundert bestimmt ratlos zurückgelassen hättte. Genialische, mit unerbittlicher Konsequenz durchkomponierte Musik. Ist diese Musik nun wirklich von Bruckner?

Um diese Frage beantworten zu können, darf man sich keinesfalls ans Booklet der CD wenden, welches in unkritischer und stellenweise geradezu dümmlicher Weise die Entstehung dieses Satzes beleuchtet. Es wird zum Beispiel dreist behauptet, dass Bruckner seine Finale stets auf ähnliche Weise komponierte, es gebe im Wesentlichen nur zwei Modelle für seine Finale. Dies ist - mit Verlaub - hanebüchener Blödsinn, man sehe sich zum Beispiel nur einmal die Finale der Fünften, Siebten und Achten an. Dann wird angefügt, dass es daher einfach sei, in Bruckners Sinfonien ein paar fehlende Takte zu ergänzen. Die Haare stehen einem zu Berge bei solchen Behauptungen. Es sei daher geraten, sich vor dem Einlegen dieser Aufnahme die Besprechung des Finalsatzes von Harnoncourt anzuhören. Die Fakten werden dort besser wiedergegeben und erlauben einen besseren, wenngleich unvollständigen Einblick in den Mikrokosmos dieses Finalsatzes. Man kann danach die Originalität grosser Passagen des nun anzuhörenden Satzes beruhigt würdigen.

Tatsache bleibt nämlich, dass grosse Teile des nun zu hörenden Satzes von Bruckner niedergeschrieben wurden, und weitere Teile fragmentiert vorliegen. Die Instrumentation ist weitgehend inkomplett. Vor diesem Hintergrund müssen vor allem die letzten 5 Minuten des Satzes als weitgehend rekonstruiert angesehen werden, wenngleich "nur" 28 Takte komplett neu komponiert werden mussten. Dennoch ist das Resultat deutlich überzeugender als die ältere Naxos-Aufnahme mit Wildner. Die hier wiedergegebene Musik zieht in Bann und ist stellenweise beglückend und ekstatisch genial. Ich habe diesen Satz nun schon zigmal angehört, und meine Begeisterung wächst mit jedem Durchgang.

Und ist dies nun eine Finalsymphonie oder nicht? Die Antwort muss lauten: Wir wissen es nicht mit Sicherheit. Wenn man aber hört, mit welcher Radikalität und mit welchem Mut Bruckner in seinem allerletzten Satz Noten gesetzt hat, welche todesahnende Verzweiflung hier anklingt und welche Ziele er sich noch genommen hat - wir hörten von einer mehrstimmig choralen Rückschau auf die grossen vorangegangenen Symphonien - dann kann man sich nicht vorstellen, dass das Finale dieser bedeutenden Symphonie minderwertig geworden wäre. Im Gegenteil, man muss annehmen, dass dieser Satz die Grenzen gesprengt und die Tür weit in die Zukunft geöffnet hätte. Bis heute hat man sich am Dissonanzakkord im dritten Satz aufgebaut, aber gegen das, was hier noch kommen sollte, wäre dies nur erst der Anfang gewesen. Die vorliegende Rekonstruktion hat diese Dimension mit Sicherheit noch nicht erreicht.

Bleibt zu hoffen, dass erstens in der Zukunft noch mehr Notenmaterial auftaucht, welches nach Bruckners Tod verlauert wurde, und dass zweitens ein Dirigent mit Bruckner im Blut ein dergestalt weiter vervollständigtes Werk einspielen würde. Bis dahin müssen wir auf das mutgemasste opus summum, die Kathedrale aus übereinandergeschichteten Themen aus der Fünften, Siebten, Achten und Neunten im Schlussteil des Satzes weiter bange warten. Und getrost die wunderbaren und verzweifelten Stellen dieser Rekontruktion erleben.

Die übrigen Sätze hat Sir Rattle übrigens ansprechend interpretiert und eingespielt. Wie zu erwarten herrscht bei ihm mehr Nüchternheit als bei seinen Berliner Vorgängern, was dem Werk aber nicht einmal so schlecht ansteht. Auch hinsichtlich dieser drei Sätze ist diese Aufnahme daher eine interessante Ergänzung des Repertoires, wenngleich ich persönlich andere neue Aufnahmen wie beispielsweise jene von Luisi mit den Dresdnern überzeugender finde. Oder aber man geht zurück und schwelgt in den Aufnahmen von Jochum, Schuricht, Furtwängler oder Wand.
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am 28. Mai 2012
Wenn man Rattle mit den Berlinern live zuschaut, hat man rein visuell nicht den Eindruck, die 9. von Bruckner gerade sehr neutral zu erleben: Rattle peitscht das Orchester an, genießt die Musik spürbar selbst und die Musik wächst oft über sich selbst hinaus. Leider überträgt sich dies nicht zu 100 Prozent auf diesen Tonträger. So oft ich mir den wild umherfahrenden Rattle vorzustellen versuche, bleibt doch diese Aufnahme zu neutral, zu wenig eigen und zu generisch. Klanglich ist das alles sehr schön: Weiche Streicher, kristallklare Bläser, alles sehr warm, natürlich und organisch. Doch dort, wo mich Celibidache und Wand interpretatorisch abholen, lässt mich Rattle das ein oder andere Mal stehen. Nun, um ehrlich zu sein, wirklich nur das ein oder andere Mal, aber es sind für mich oft die I-Tüpfelchen, die einen exzellenten Brucknerianer von einem guten Bruckner-Gast unterscheiden und diese himmlischen Momente erzeugen, nach denen man süchtig wird.
Von mir dann aber doch 4 Sterne, weil mir persönlich der 4. Satz sehr gut gefällt. Auch wenn der Satz, rekonstruiert, hinter den ersten dreien zurück fällt, sehe ich doch das ein oder andere Mal Bruckner um die Ecke luken und zufrieden nicken.
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am 29. Juni 2014
Wir hatten lange Zeit schon fast 60 Minuten Endzeitstimmung mit allen Aufnahmen der Neunten, nun ist es weiß Gott nicht nötig, daß Simon noch einen Satz drauflegt und die Gesamtlaufzeit auf über 80 Minuten dreht. Allerdings führt dies zu einem bewundernswerten Preis-Leistungsverhältnis.
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