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am 27. Januar 2012
Vom ersten Hören an begeistert zu sein, das ist bei Cohens jüngeren Werken nicht so selbstverständlich: Das Album "Ten New Songs" und dessen Nachfolger "Dear Heather" zündeten nicht nur in meinen Ohren erst, nachdem ich mir die Arrangements weggedacht und die Texte im Geiste in den Vordergrund gerückt hatte. Die Liveumsetzung der 2010er-Tour gefiel mir dafür um so besser, auch wenn vieles etwas aufgebläht wirkte und die Brillanz der Mitmusiker teils den Songcharakter fast durchschnitt.

Erstaunt, verwundert und begeistert lässt mich dagegen "Going Home" mit offenem Mund dastehen. Der erste Titel des neuen Albums, welches am Freitag erscheinen wird, haut schlichtweg um. Die "golden voice" beginnt mit dem Satz "I'd love to speak with Leonard, he's a sportsman and a shepard, he's a lazy bastard living in a suit." Und sofort ist klar: das sind zwar alte Ideen, aber das könnte ein wunderbares Album werden. Ein ruhiges Spätwerk ist ja nicht verwerflich, wenn das Frühwerk bereits ruhig war.

Der zweite Track "Amen" ist ähnlich unspektakulär arrangiert, hier gefallen die "Huuuhuuuu"-Chöre der Backgroundsängerinnen sehr gut und das leise "Twang" im Hintergrund, die Orgel und das schleppende Besenschlagzeug erinnern mich an die Arrangements der letzten Tour, wo in den besten Momenten zwar alle Musiker spielten, der Gesamteindruck aber ein entspannter, ruhiger, lässiger war.

In "Show Me The Place" klingt Cohen dann fast wie Tom Waits in dessen frühen Jahren: ein Klavier, Streicher, seine Stimme raunt sich durch eine unspektakuläre, aber berührende Gesangsmelodie. Fast eine Klavierballade, dann kommt aber eine Hammondorgel hinzu und rundet ab, was in seiner Atmosphäre fast besinnlich wird.

"Darkness" geht dann fast schon ab, das Schlagzeug ist präsenter, die Hammondorgel orgelt vor sich hin, Gitarre und Bass erklingen, ein Saxophon schafft es, zum Song beizutragen, statt sich in den Vordergrund zu drängen. Ein künftiger Cohen-Klassiker, da bin ich mir sicher.

Der nächste Titel, "Anyhow", beinhaltet ein wundervolles Klaviersolo; ansonsten ist es schwer, bei solch berührender Musik einzelne Stücke zu beschreiben. Es ist Leonard Cohen, es ist die Essenz aus allem, was er jemals gemacht hat ' in jedem der Stücke dieser Platte!

"Crazy to Love": ja! Cohen mit Gitarre, ohne den Rest. Hervorragend! Allein auf Grund des Arrangements ist dies der beste Titel der Platte. Er hätte auf "Songs of Leonard Cohen" erscheinen können, oder auf "Songs from a Room". Nur: was Cohen singt, hat viel mit der klischeehaften "Altersweisheit" zu tun, die man dem buddhistischen Mönch anmerkt. Mit diesem Stück hat Cohen bewiesen, dass sein altes Konzept, der Poet mit der Gitarre, immer noch funktioniert, sofern man beides, Poesie und Gitarrenspiel, verschmelzen lassen kann und simpel, aber wirkungsvoll hält.

Natürlich dürfen danach die Sängerinnen wieder ran, "Come Healing" ist eine weitere Ballade im moderneren Cohen-Stil, allerdings röhrt seine Stimme hier eben noch ein Stück dunkler, als gewohnt!

"Banjo" klingt nach Country, gefällt aber auch durch den Backgroundgesang, der an Nashville erinnert, aber das Gute darin herausholt.

Das folgende "Lullaby" ist genau das: ein angenehmes Gutenachtlied, mit Gitarrenklimpern und Orgelflächen, mit "Huuuh"-Chören, mit "Sleep, Baby, Sleep" und einem Nachtgedicht. Das Schlagzeug klingt etwas zu elektronisch, aber Cohen hatte seit "First, we take Manhattan" eine Vorliebe für diesen Sound, man kann ihm nicht böse sein, vor allem wenn er mit einer solchen Leichtigkeit "Here's my Lullaby" singt!

"Different Sides" geht dann noch einmal in die Richtung von "Closing Time" und hat das typische 2010er-Tour-Arrangement abbekommen.

Warum ist ein Album mit so wenig Innovation so verdammt gut? Warum kann Cohen alles singen, solange er nur singt? Ich weiß es nicht. Es kann daran liegen, dass es Musiker und Poeten gibt, die berühren. Weil sie ernst meinen, was sie dem Publikum verkaufen. Weil sie zwar Teil der Musikindustrie sind, aber das Produkt nicht ihre Musik ist, sondern deren Vermarktung. Weil Leonard Cohen wirklich Altersweisheit nicht mit dem Löffel gefressen, sondern mit dem ganzen Sein erworben hat und nun mit uns teilt. Weil knapp 45 Minuten neue Stücke von Cohen ausreichen, um sich geborgen zu fühlen.

Weil dieses Album einfach verdammt gut ist!
44 Kommentare| 85 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. Januar 2012
... ein wunderbares, weises, witziges (ja, das auch) und hintergründiges Album hat Leonard Cohen da eingespielt, deutlich zugänglicher und leichter hörbar als "Dear Heather" (2004), das eher ein Skizzen- und Ideenbuch war (und das, ironischerweise, ursprünglich "Old Ideas" hätte heißen sollen).

Ein paar Punkte möchte ich den durchaus überschwenglichen Lobeshymnen hier noch hinzufügen:

(1) Cohen singt wieder! Oder was bei ihm halt als Singen durchgeht; aber auf "Crazy To Love You" und "Different Sides" zB (das durchaus auf "The Future passen würde) brummelt der Meister nicht nur Rezitative ins Mikrofon (was ja an sich nichts Schlechtes ist). Ich finde nur, das sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

(2) Für Hi-End Liebhaber ist das Album allerdings, anders als hier behauptet, nur bedingt geeignet: zwar ist der Dynamikumfang und Abmischung in Ordnung, allerdings ist es der Aufnahme zu verdanken (Musiker im Studio, Leonard Cohen zuhause in einem nicht schalldichten Privatstudio), dass man bei einigen Titeln mit dem Einsetzen der Stimme deutliche Nebengeräusche (Rauschen, Knistern) hört, die während der Instrumentalparts wieder komplett verschwinden (man höre sich den Einsatz des Gesangs bei "Show Me The Place" an, um das zu beurteilen). Für den Durchschnittskonsumenten egal, für Besitzer guter Lautsprecher allerdings ein bisschen schade.

Aber was soll's: der Meister hat eine hervorragende Platte mit Blues ("Darkness"), Country ("Banjo"), Jazz- und zarten Elektronikanklängen ("Anyhow") abgeliefert, mit grandiosen Texten wie sie nur der Feder eines erfahrenen Lyrikers entstammen können. Was will man mehr?
22 Kommentare| 40 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Am 27. Dezember 1967 war es, als der damals immerhin schon 33jährige kanadische Poet sein legendäres Debüt-Album Songs of Leonard Cohen" veröffentlichte. 44 Jahre und einen Monat später erst, ist nun das Dutzend voll. Bob Dylan schaffte die ersten 12 Alben in nur zehn Jahren, Elton John sogar in nur acht, Neil Young benötigte 14 Jahre, schuf derweil aber parallel noch 4 Kollaborations-LPs mit Crosby, Stills und Nash...
Nun wäre es vollkommener Unsinn, von der Geschwindigkeit, mit der Alben entstehen, Rückschlüsse auf die Qualität und Substanz abzuleiten. Weder schneller oder langsamer ist zwingend besser oder schlechter. Cohen sagte dazu einmal "Es gibt Typen, die springen auf die Rückbank eines Taxis und wenn sie zehn Minuten später wieder aussteigen, haben sie einen Welthit höchster Güte geschrieben. Beneidenswert! Ich kann so etwas nicht. Um ein gutes Lied fertig zu kriegen, brauche ich Monate."

Zu spüren ist aber tatsächlich, dass Leonard Cohen seine Lieder, seine Lied gewordenen Gedichte, mit einer unglaublichen Sorgfalt erarbeitet. Da sitzt jedes Wort, jede Note wirkt liebevoll platziert. Das galt zwar grundsätzlich für alle Cohen-Alben bisher, wenn man von dem von Produzent Phil Spector verhunzten "Death of a ladies man" (1977) einmal absieht, aber auf "Old ideas" erreicht die Detailliebe einen neuen Höhepunkt. Es war nicht zu erwarten, dass der stille Kanadier acht Jahre nach seiner letzten Platte "Dear Heather" seiner Hörerschaft etwas halbgares auftischt. Dass es ein durchweg gutes Album werden würde, durfte man getrost voraussetzen. Aber einfach nur gut ist es nicht. "Old ideas" ist einmal mehr ein Meisterwerk. Still, behutsam, intensiv, gedanken- und gefühlvoll.

Im besten Wortsinn ist das zwölfte Album genau das, was man von Leonard Cohen erwartet. Nicht im Sinne dienstleistender Erwartungserfüllung, sondern Gerechtwerdung eines hohen Anspruches. Er erfindet sich mit 77 nicht neu, dazu bestand weder Grund noch Anlaß, aber er beweißt, dass Perfektion nie ein abschließend erfülltes Maß ist.

Ganz klare Empfehlung zu dieser Edition: 180g Vinyl mit großem Booklet + CD in schlichtem Schuber, für nur wenige Euro mehr als die einfache CD-Ausgabe. Zumal ein Album wie dieses als Schallplatte erst den richtigen Charme entfaltet.
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am 1. Februar 2012
Den ganzen bereits geschriebenen positiven Rezensionen (auch und insbesondere zur reinen CD) ist wenig hinzuzufügen. Subjektiv kann ich nur sagen, nach der grandiosen Welttour hatte ich hohe Erwartungen an das neue Album, und die wurden noch weit übertroffen. Für mich ist Old Ideas neben dem Erstlingswerk Songs of Leonard Cohen aus den 6oern tatsächlich das beste Cohen-Album überhaupt. Textlich, gesanglich, musikalisch, überhaupt... Schon beim ersten Hören musste ich an zahlreichen Stellen laut lachen; ja, ol' Leonard hat einen vorzüglichen Humor... Persönlicher Favorit: Darkness. Aber es gibt keinen einzigen schwachen Track auf der Scheibe. Das ganze dann noch auf Vinyl (großartige Idee, die CD ohne Zusatzkosten dazu zu legen! - Aber Vorsicht: nur im weißen Pappcover) - ja, PERFEKT!
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am 11. Februar 2012
Ich kann die Leute einfach nicht verstehen, die diese CD einmal anhören und dann sofort eine negative Rezension abgeben. Beim ersten Hören dachte ich auch "oh je - das geht mal gar nicht, die hörst Du nie wieder"!

Allerdings habe ich diese Meinung nach und nach abgelegt und halte diese CD nun für ein absolutes Meisterwerk! Die Musik ist, wie auch schon bei den Konzerten, erstklassig (es sind ja teilweise die Musiker der Tour) - es sind alles begnadete, wunderbare Musiker! Auch der Backround ist fantastisch - egal ob nun Sharon Robinson, die Webb Sisters oder auch Jennifer Warnes - die Melodien sind wunderschön und sehr eingängig (wenn man ihnen eine Chance gibt und ihnen immer wieder zuhört).

Und Leonard Cohen himself - diese Stimme!
Gleich bei dem ersten Song "Going home" bekommt man eine Gänsehaut von der Intensität, selbst wenn es nicht gesungen sondern gesprochen wird - oder vielleicht auch gerade deshalb! Es geht voll und ganz unter die Haut und lässt einen so schnell nicht mehr los (mich zumindest nicht).
Gefolgt von "Amen" - ich liebe diesen relativ düsteren Unterton, dazu dann die doch eher fröhlich klingende Gitarre(??).
"Show me the place" - diese Stimme! Wie schon beim Opener geht sie tief unter die Haut - ein zärtliches Reibeisen! Wunderbar!
Dann kommt der WOW-Effekt "Darkness" - ich möchte es mal ein (obwohl ich das sonst so eigentlich nicht gerne mag) typisches Leonard Cohen Lied nennen. Die ausgeprägte Gitarren (grandios), ein toller Rhythmus - ein fantastischer Song, da stimmt einfach alles! Es ist wie ein Wechsel auf der CD - anfangs sehr düster erhellt nun irgendwie eine Leichtigkeit die Stimmung.
Bei "Anyhow" hat man das Gefühl, Leonard Cohen spricht direkt mit seinem Hörer - sehr einschmeichelnd, mit teilweise flüsternden Tönen! Wundervoll!
"Crazy to love you" gefällt mir wahnsinnig gut, auch wieder wegen dieser Intensität - Leonard Cohen einzig und allein mit der Gitarre begleitet. Wundervoll!
"Come healing" beginnt mit wunderschönem Background-Gesang - ein sehr eingängiges Lied, voller Wärme!
Auch "Banjo" hat eine tolle Leichtigkeit, toll arrangiert und klasse gesungen!
Sehr fasziniert bin ich von "Lullaby". Es ist ruhig, irgendwie sehr beruhigend und einfühlsam, warm, sanft, zärtlich. Wunderschön zu hören!
Last but not least - "Different sides". Und da ist es doch - der Song, der mir so gar nicht gefällt, selbst nach mehrmaligem Hören. Da komm ich einfach nicht dran, und ich weiß nicht, warum. Musikalisch gesehen ist es sehr gut arrangiert, etwas flotter, ein toller Rhythmus... Aber im Ganzen passt es für mich einfach nicht.

Ich denke über die Texte brauchen wir hier nichts schreiben - die sprechen für sich bzw. für Leonard Cohen!!!

Also alles in Allem ein sehr gelungenes Album - das Warten hat sich gelohnt!
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Eilig hat er es nie gehabt, der Leonard Cohen. Acht Jahre Abstand zwischen »Dear Heather« und »Old Ideas« ... so lange dauerte es eben. Was nun vorliegt, ist genau die Sorte Album, die ich mir erhofft hatte. Ein in sich ruhender Cohen, der nicht ruhen wird, bis seine irdische Bahn vollendet ist. Lieder mit Melancholie, Humor und Weisheiten ausgestattet, die den Blick auf Gott und die Welt lenken, ohne penetrant zu werden - eben Leonard Cohen, wie wir ihn seit Jahrzehnten kennen und schätzen. Und dennoch bergen die alten Ideen so manche Überraschungen.

Gleich im ersten Lied erfahren wir, was Gott bezüglich dieses Sängers denkt und weiß:

But he does say what I tell him, even though it isn't welcome, he just doesn't have the freedom to refuse.
...
He wants to write a love song, an anthem of forgiving, a manual for living with defeat.
A cry above the suffering, a sacrifice recovering, but that isn't what I need him to complete.

Die Musik passt - leicht beschwingt, Cohens Stimme deutlich im Vordergrund, sparsam instumentiert.

Das zweite Lied, »Amen«, kann ich nur als Antwort auf die göttliche Ansprache im vorigen Text verstehen. Wenn der Sänger keine Wahl hat, sondern das sagen muss, was von ihm verlangt wird, dann möchte er wenigstens gelegentlich von höherer Instanz auch eine Versicherung bekommen, dass das alles so sein muss und seine Richtigkeit hat.

Tell me again that you know what I'm thinking
But vengence belongs to the Lord.
...
Tell me again when the filth of the butcher
Is washed in the blood of the lamb.

Herausragend für mich: Das Amen der weiblichen Stimmen als zaghaftes Echo, als zarter Hintergund stellenweise. Dazu eine gefühlvolle Violine ... Besser geht es wohl nicht bei einem solchen Lied.

In »Show Me The Place« ist die Rede - nein, ist der Gesang - vom Zweifeln des Sängers und von der Hoffnung auf Erinnerung oder Offenbarung, warum und wozu all das gut sein soll. Womöglich auch Sehnsucht nach der endgültigen Ruhe und dem Frieden nach diesem Erdenleben.

Help me roll away the stone ... I can't move this thing alone ...
Show me the place where the word became a man, show me the place where the suffering began.

Ohne Rhythmusinstrumente bekommt das Lied eine besonders intime Note, Jennifer Warnes sorgt bei diesem Lied für die weibliche Ergänzung zu Cohens Gesang, bei den anderen sind die Webb Sisters und Sharon Robinson dabei.

Wenn von der Liebe die Rede war, dann war es bei Leonard Cohen kaum jemals die übersprudelnde, frische, heiße Liebe, die mit Schmetterlingen im Bauch einherzugehen pfegt. So auch auf diesem Album. In »Darkness« erinnert sich der Sänger mit sarkastischem Humor ein eine lang zurückliegende Episode. Da muss ja wohl so einiges schief gegangen sein.

I should have seen it coming, it was right behind your eyes.
You were young and it was summer, I just had to take a dive.
Winning you was easy, but darkness was the price.

Nach einem eingängigen Gitarrenintro geht es hier (für Leonard Cohen zumindest) recht flott zur Sache - ein Klavier tinkelt munter vor sich hin, eine Orgel jubiliert beinahe - so entsteht ein reizvoller Kontrast zwischen Text und Musik.

Manchmal ist das mit der Liebe eine einseitige Geschichte. »Anyhow« beschreibt eine solche Situation.

»Have mercy on me baby, after all I did confess.
Even though you have to hate me: Could you hate me less?

Zunächst gibt es nur die Stimme und ein paar Akkorde vom Keyboard, dann setzen die übrigen Musiker ein. Doch die bleiben so im Hintergrund, dass dieses Lied wieder einen sehr intimen Charakter bekommt - Cohen erlaubt einen Blick ins Innerste. Zumindest wirkt es so, denn wer weiß schon, was wirklich in einem Menschen steckt.

Ach ja, die Liebe. Die beschäftigt den Sänger und uns seit Jahrzehnten, und manchmal muss der Mensch zugeben, dass es dabei nicht immer mit Vernunft zugeht. »Crazy To Love You« erzählt davon.

Had to be crazy to love you, had to let everything fall.
Had to be people I hated, had to be no one at all.

Der Musik ist anzuhören, dass es mit dem crazy sein so schlimm nicht gewesen ist, die Melodie kommt wieder leicht beschwingt daher und Cohen wagt sich an höhere Töne als sonst. Sieh da - das kann er also auch noch.

So manche wunderbar vertonte Gebete hat uns Leonard Cohne in den vergangenen Jahrzehnten schon geschenkt. Wer würde »If it be Your Will« je vergessen können, oder das monumentale »Hallelujah«. Auf dieser CD folgt mit »Come Healing« ein Gebet um Heilung für Seele, Herz, Körper, Geist.

Behold the gates of mercy in arbitary space,
And none of us deserving the cruelty of the grace.
...
O let the heavens falter, and let the earth proclaim:
Come healing of the Altar, come healing of the Name.

Die Webb Sisters eröffnen mit ihrem unvergleichlichen Harmoniegesang, den ich bei der letzten Cohen Tournee so genossen habe, dass ich versucht war, nach CDs der Damen zu suchen. Cohen stimmt mit ein, es entsteht ein faszinierendes Klanggemälde. Ohne Hast, aber eindringlich.

Manchmal blitzt bei Leonard Cohen ja so etwas wie kindliches Vergnügen an Dingen, die Erwachsenen eher gleichgültig sein dürften, auf. Ab und zu. Selten. Aber immerhin. Auf dem neuen Album zum Beispiel in »Banjo«.

There's something that I'm watching, means a lot to me.
It's a broken banjo bobbing on the dark infested sea.

Natürlich darf ein Banjo nicht fehlen, es trägt uns munter durch diese Humoreske. Das ganze kommt so locker luftig leicht daher, dass man das kaputte Banjo auf den Wellen schaukeln sieht.

Schlaflieder dürfen (und sollten) durchaus ebenfalls heiter sein. »Lullaby« war bei den Konzerten der letzten Tournee schon zu hören, allerdings mit zum Teil abweichenden Textpassagen als nun auf der CD. Auch das ist ja für Leonard Cohen nicht ungewöhnlich, seine Lieder leben nach (und offenbar vor) der Aufnahme, manche Verse tauchen auf, andere verschwinden, manchmal auch nur eine Zeile oder zwei. Dieses kleine Schlaflied jedenfalls macht mir viel Vergnügen, weil so viel in Zungen geredet wird; das garantiert gute Träume.

Well the mouse ate the crumb and the cat ate the crust.
Now they've fallen in love. They're talking in toungues.
...
Sleep baby, sleep. There's a morning to come.
The wind in the trees is talking in toungues.

Die Musik ist genial arrangiert, ein kleines bisschen Country, ein wenig Folk, eine Prise Pop, ein Rhythmus, der einlullt und die Damen singen sanft die glossolieträchtigen Träume herbei. Eine wahre Freude, nicht nur zur guten Nacht.

Zum Schluss der CD gibt es eines der Lieder, deren Refrain man spätestens beim zweiten Anhören mitsingt, weil Melodie, Instrumentierung, Text und Stimmung einfach dazu verführen. »Different Sides« handelt vom Konflikt, der nicht aufzulösen ist. So etwas gibt es. Im Lied und im wirklichen Leben.

I to my side call the meek and the mild, you to your side call the Word.
By virtue of suffering I claim to have won. You claim to have never been heard.
Both of us say there are laws to obey, but frankly, I don't like your tone.
You want to change the way I make love, I want to leave it alone.

Hier bekommen wir noch mal einen kräftigeren Rhythmus und volle Instrumentierung zum Schluss. Und ich könnte wetten, dass man an Cohens Stimme ein Lächeln hört. Ein überlegenes, befreites, in sich ruhendes Lächeln.

Das Begleitheft zur CD ist mit den komplett abgedruckten Texten sowie zahlreichen Zeichnungen, Skizzen, und Bildern liebevoll gestaltet, besonders gefällt mir die unbekleidete Dame, die auch auf dem CD-Lable verträumt nach unten schaut.

Rundum ein ganz und gar gelungenes Album von Leonard Cohen, das nur einen Fehler hat: Es ist wie immer bei solchen rundum guten CDs nach rund 42 Minuten zu schnell vorbei. Aber dann kann man ja von vorne anfangen. Und immer wieder ...
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am 27. Januar 2012
Wenn man, wie ich, die beiden letzten Sharon Robinson-lastigen Alben, sowie den agilen Cohen der Konzerte von 2008 und 2010 vor Augen, bzw. Ohren hat, werden die hohen Erwartungen an lange erwartete, neue Album gleich von den ersten beiden Songs enttäuscht. Leonard Cohen würde sich angesichts dieser Worte wohl spitzbübisch lächelnd die Hände reiben, denn ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass er seine Hörer absichtlich aufs Glatteis führt. Und er kann es sich leisten. Das Album beginnt langsam, müde und dunkel. Fast ein wenig uninspiriert, möchte man beim ersten Hören sagen. Erst nach dem vierten Song (bezeichnenderweise "Darkness") hellt alles ein wenig auf und der Heilungsprozess ("Come healing") kann beginnen.
Bei zweiten, spätestens dritten Hören des Albums nimmt man plötzlich die ersten Songs aber ganz anders wahr. Man muss sich Zeit nehmen, wird gebremst, ja, geradewegs von Cohen dazu gedrängt, sich auf ihn einzulassen, mit ins Dunkel zu kommen, um sich von ihm im Laufe des Albums wieder ans Licht führen zu lassen. Zehn Songs sich nicht gerade viel für ein Album, aber dieses Album ist stimmig und mit den zehn Songs völlig in sich geschlossen. Hier ist Weniger tatsächlich Mehr. Hinter der Anordnung der Songs steckt ein Konzept, das das Hören zu einem echten, intensiven Erlebnis macht. Wenn man sich die Zeit nimmt und innerlich darauf einlässt, findet man hier ein echtes musikalisches Meisterwerk. Einer von vielen Höhepunkten ist sicherlich Cohen's Version von "Crazy to love you", das vorher schon von Anjani traumhaft schön auf deren Album erschienen ist. Aber wie Cohen hier mit seiner fast 80-jährigen Stimme und offensichtlich ohne jegliche elektronische Hilfsmittel, durchweg ehrlich und ungeschminkt, zur selbst gespielten akustischen Gitarre singt, das geht unter die Haut. Cohen ist hier einfach nur Cohen und demonstriert dabei eine Größe, die außer ihm wohl nur ganz selten jemand erreicht.
Wer, wie bereits geschehen, meint, er könne dieses Album rein anhand der kurzen Ausschnitte hier beurteilen oder rezensieren, der irrt gewaltig.
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am 15. Februar 2012
Es ist fast alles gesagt worden, aber Eines möchte ich noch hinzufügen und betonen. Sicher ist der Gesang kaum Gesang zu nennen, aber man spürt, wie Cohen in jeden einzelnen Ton, den er singt, sein ganzes Herz legt. Jeden Ton singt er, als ob es der letzte und einzige Ton wäre, den er noch jemals singen wird. Unvergleichlich. Cohen berührt mich wieder zutiefst und macht mir mit diesem Spätwerk ein großes Geschenk. Ich verneige mich vor diesem Meister der leisen Schönheit.
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am 28. Februar 2012
Bei mir läuft im Moment fast jeden Tag die neue Cohen-CD "Old ideas". Die Weisheit, die aus seinen Texten und dem Ausdruck seiner Stimme sprechen, haben etwas unglaublich Besänftigendes und Tröstliches für mich. Vielleicht nicht gleich beim ersten mal, aber beim zweiten, dritten Hören (und dann immer wieder!) spürt man die Tiefe, aus der diese Texte kommen. Es ist wie Meditation. Man kann sie keinesfalls "nebenher" hören. Viele der Rezensionen hier mit 5 Sternen sprechen mir aus dem Herzen.
Die CD kommt mir vor wie ein Vermächtnis, enthält sie doch alle wichtigen Themen seines (und unseres) Lebens wie Gebundenheit und Abhängigkeit, innere Abgründe und Dunkelheit, Streit, Verlust und Trennung, das Ringen um den richtigen Platz im Leben, Verzweiflung, Altern, Leiden, Tod - aber auch Weisheit, Heilung, Leichtigkeit, Humor, Selbstliebe und Demut, Transformation und Neubeginn, Mut zur Liebe, Vergebung, Getröstet-Werden und Hoffnung, Sendungsbewusstsein, Heimkommen und Ankommen bei sich selber. In den so minimalistisch und präzise wirkenden Liedern tobt sich das pralle Leben aus - und nichts wird dabei ausgelassen - hier scheint die Dualität unserer Erfahrung zwischen "gut und böse" "angenehm und unangenehm", "leidvoll und beglückend" für 45 Minuten in einer wohltuenden Einheit aufgehoben!
Wer ihn auf der Bühne erlebt hat, seine Intensität und sein Strahlen, wenn er aus dem gerade gesungenen Stück wieder "aufgetaucht" ist wie aus einer anderen Welt, der wird vielleicht verstehen, dass ich ihn für einen "Erleuchteten" halte.
Ich wünsche dieser CD noch viele Hörer, die sich davon berühren lassen, ihren Gehalt in sich aufnehmen - und in unsere Welt ausstrahlen lassen! Wenn sich mehr Menschen so wie Cohen durch die Widrigkeiten des Lebens - und davon hatte er sicherlich genug! - zu ihrer eigenen Tiefe durch"arbeiten" würden, anstatt bei vordergründigen Glücksansprüchen stehenzubleiben, unsere Welt wäre bestimmt friedlicher, im tiefsten Sinne "schöner" und wahr-haftiger.
Wie einer der Vor-Rezensenten bin ich der Meinung: "The world still needs you, Mr. Cohen" - danke für diese CD!
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TOP 500 REZENSENTam 27. Januar 2012
Unter Marketinggesichtspunkten ist der Titel "Old Ideas" (wie die Zeit in einem lesenswerten Beitrag zur Veröffentlichung des Album schreibt) ein "Downer", als ein "no go", denn wer will schon mit "Alten Ideen" in einer Zeit, die nach Neuigkeiten giert, Furore machen ?

Einer Ikone wie Leonard Cohen sieht man mit 77 Jahren solche Extravaganzen nach und tatsächlich, wie oft haben sich die sog. Experten bei diesem Mann bereits geirrt.

Als er mit 75 Jahren noch einmal zu einer Welttour aufbrach, hat kaum einer damit gerechnet, dass er große Häuser füllt und die Tour am Ende noch verlängert werden musste, weil die Nachfrage einfach zu groß war. Leonard Cohen strafte alle Skeptiker Lügen und so wird es ihnen auch mit diesem Album ergehen.

Es ist ein Stück Zeitgeschichte, vielleicht sogar das letzte Stück in einer großen Karriere des "Ladies man", der er auch mit 77 Jahren immer noch ist.

"Früher handelten seine Texte von Kellnerinnen, Seherinnen und Lady Midnight, der Königin von allen, er war der Sänger all der Nächte, von denen er schon am Vorabend wusste, dass sie großartig werden würden. Und heute? Schält er noch immer, doch er ist zu keinem Kern vorgedrungen. »Dance me to the end of love« ' noch so ein schöner Gedanke ohne Aussicht auf Verwirklichung. Denn in Wahrheit will das Verlangen den Körper nicht verlassen. Und der Schmerz der Trennung brennt wie am ersten Tag." (Zitat aus der Zeit)

Besser kann man es nicht ausdrücken. Cohen ist offensichtlich am Ziel angekommen, ohne alt oder verbittert geworden zu sein. Er hat das Publikum auf seine Reise mitgenommen und vielen danken ihm noch heute für "Suzanne", die ihre Jugend begleitet hat.

'Jammere niemals einfach nur so. Doch sollte jemand jene große, unausweichliche Niederlage, die uns alle irgendwann erwartet, zum Ausdruck bringen müssen, so sollte dies stets innerhalb der strikten Regeln der Würde und Schönheit geschehen', wird Cohen in der Pressemitteilung zum neuen Album zitiert.

Ist es also doch ein Abschied ? Ich hoffe nicht !
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