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am 12. August 2015
" Ein Klassiker für eine neue Generation" thront als Werbespruch auf dem Cover der Bluray.
Das weckt schlimmste Befürchtungenn hier nun eine modernisiert stylish verblödete Neufassung eines nach dem Mainstream schielenden Untalents zu erleben. " Jane Eyre 2.0 reloaded " möglicherweise. Ein Machwerk, das nichts mehr mit der Atmosphäre und Kunstfertigkeit des wildromantischen Klassikers von Charlotte Bronte zu tun hat.
Ganz weit gefehlt und wie berauscht, beglückt und tief im Herzen angefasst sitzt der Zuschauer hier nach zwei Stunden , die eines eindrücklich beweisen : Das Wunder leidenschaftlicher Kinoadaptionen, die in jeder Sekunde brillant einen Romanstoff in fesselnden prachtvollen Szenerien auf die Leinwand bringen, die mit umwerfend berührenden Schauspielleistungen, sorgfältigem Fingerspitzengefühl und packender Dramatik überzeugen, das gibt es zuweilen noch.
Der junge Regisseur Cary Jiji Fukunaga erschafft hier womöglich sogar die beste Leinwandversion des unzählige Male verfilmten Stoffes, kann mit seiner hervorragend ausbalancierten Inszenierung in meinen Augen sowohl die alte Version mit Orson Welles und vor allem auch die BBC Version hinter sich lassen. Natürlich muss auch er den 600 Seiten Roman straffen, muss Teile hinzufügen, andere negieren, um seine " Jane Eyre" zu einem zweistündigen hochsensiblen und atemberaubend spannenden Filmkunstwerk zu formen.
Die Mühe und die traumwandlerische Perfektion in allen filmischen Bereichen hat sich gelohnt.

Gleich zu Anfang wirft der Regisseur uns in die Geschichte. Ohne Einleitung saugt uns der Film ein in seine düster verhängnisvolle Faszination.
Ein englischer Landstrich , Mitte des neunzehnten Jahrhunderts.
Donnergrollen, windumtoste Schluchten , karge Hügellandschaften, riesige krallenartige Bäume, die sich im peitschenden Regen biegen.
Die junge vor Angst panisch zitternde Jane Eyre ( Mia Wasikowska) flieht in wehenden durchnässten Gewändern von einem finsteren Anwesen.
Es ist der alte Adelssitz Thornfield von dem sie voller Entsetzen über das gerade Erlebte flüchtet.
Tragisches Unglück und wankelmütiges Schicksal , das hier seinen Ausgang nahm.
Fast am Ende ihrer Kräfte klopft sie an das Holztor einer kleinen einsamen Behausung. Der junge Missionar John Rivers ( Jamie Bell) wird ihr Zuflucht gewähren.
Hier in der Abgeschiedenheit umsorgt von dem Geistlichen und seinen Schwestern wird sich Jane Eyre zurückerinnern. Im Schein des Kaminfeuers werden die düster traurigen Stationen ihres jungen, und doch schon so bewegten Lebens wieder schattenhaft lebendig.
Ein Leben voller leidvoller Askese und Zucht, voller Erniedrigung und systematischen Demütigungen im Waisenhaus, die schon damals darauf ausgelegt waren die eigentlich freigeistige Seele des jungen Mädchens zu brechen.
Eisig, düster und ein Martyrium ist der strenge Alltag, bis Jane als ausgebildete Lehrerin eine Anstellung als Privaterzieherin im Thornfield Anwesen erhält.
Ihr Dienstherr, Mr. Rochester ist nicht nur launisch und ungehobelt, auch eine tiefe geheime Seelenqual scheint immer wieder hinter seiner gramzerfurchten Stirn zu wühlen. Gespenstisch ist zuweilen das Anwesen in Vollmondnächten und im flackernden Schein der Kerzen scheint sich langsam eine sorgsam versteckte Zuneigung zwischen dem lebensbitteren Grafen und dem jungen Mädchen anzubahnen.
Zwei Seelen, die im Gleichklang schlagen, auch wenn das Schicksal furchtbare Verwerfungen für sie bereithalt.
Der Fortgang der Story geht an die Nieren, ist von bittersüsser schmerzhafter Wehmut , dunkel nebulöser Intensität und voller tragischer Überraschungen, gekleidet in einen prachtvollen filmischen Augenschmaus mit opulenten Kostümen, exzellentem Dekor und durchdrungen von der verhangen, einsam betörenden Atmosphäre englischer Hügellandschaften.
Nichts Genaueres sollte hier nun Erstsehern verraten werden.

Das Klassenbewusstsein der viktorianischen Gesellschaft wird hier einmal mehr zum Hinderungsstein einer tiefen unterdrückten Liebe. Ein erstickendes Korsett aus festen Normen, ehern verankertem Rollenverständnis mit vernichtenden Konsequenzen für den einzelnen, der sich Autonomie und Individualität ein Stück weit bewahren möchte.
Selbstbestimmte Lebensperspektiven - zwanghaft geopfert einem starren System, das jedes kurze Aufbäumen gegen Regeln mit gesellschaftlicher Isolierung bestraft und Menschen zuweilen bis in die eigene Auslöschung treibt.
Nicht nur Charlotte Bronte auch Thomas Hardy, Jane Austen, Charles Dickens etc. hielten mit ihren filigran bitteren Gesellschaftsanalysen des viktorianischen Englands ihrer Zeit einen Spiegel vor.
Hier im Charakter der Jane Eyre, von Mia Wasikowska, so hinreissend anmutig verkörpert, so beherrscht und doch in der Seele so warmherzig fühlend , hinter ihrem gleichmütigen Antlitz unendlich zart, sanft und tiefgründig und doch selbstbewusst und ungebrochen , zeigt sich die ganze Tragik eines Frauenschicksals dieser Zeit.
Wie bleibt man/ frau sich selbst, seinen Gefühlen treu und wie kann das eigene tief empfundene Lebensglück überhaupt in einem erstickenden vorgefertigten Lebenskorsett gedeihen ?
Wie kann die Seele nicht schaden nehmen in diesem repressiven Kosmos, der die Luft zum Atmen nimmt? Und wie gehen wir unverfälscht und nicht korrumpierbar durch die rastlosen Wirren der Zeit. Was ist der Preis ,den man für Opportunismus zahlt ?
Jane Eyre , einer der eindrücklichsten Frauenfiguren der Weltliteratur wird , obwohl sie fast nie die äussere Contenance verliert oft innerlich zerbrechen, wird nur mit den Mundwinkeln zucken, die traurigen Augen senken, obwohl der Wunsch nach Liebe und Freiheit ihr Herz verbrennt, und in ihrem Blick , in kleinen Gesten sehen wir ihre Qual und Sehnsucht. Aber sie wird wieder aufstehen, strahlender , kraftvoller in der aufrechten Reinheit ihres Wesens als zuvor, fast ein wenig überirdisch während die Menschen, denen sie im Leben begegnet in zermürbenden Schicksalsspiralen um sie kreisen .
Mia Wasikowska kommt uns hier mit ihrem fabelhaften Schauspiel so nah, dass wir in jeder Szene mit ihr mitfühlen, mit ihr lächeln, mit ihrem Unglück weinen , uns fürchten , bestürzt, unendlich bewegt sind bis am Ende die Tränen rinnen.

Diese " Jane Eyre" Verfilmung ist so wunderbar ruhig, elegant von dunkler funkelnder Kraft und fokussiert sich voll und ganz auf den Ausgangsstoff ,getragen vor allem von dieser phantastischen Hauptdarstellerin .
Sie schultert quasi den Film schon ganz allein, wird jedoch überragend facettenreich unterstützt von Michael Fassbender als Mr. Rochester, aber auch grossartigen Nebendarstellern, wie Judy Dench oder Jamie Bell.
In einem Film über ein verhindertes schicksalshaftes Liebespaar muss hundertprozentig die Chemie zwischen beiden Hauptprotagonisten stimmig sein, muss das Blut des Zuschauers selbst bei jedem Dialog und Blickaufschlag in Wallung geraten , muss die Luft knistern und wir ebenfalls so emotional erschüttert werden, dass wir um einen glücklichen Ausgang für die Liebenden förmlich beten. Fassbender und Wasikowska erreichen mit ihrem komplexen Schauspiel genau das. Sie ergänzen sich hier so authentisch in ihrem versteckt lodernden Seelenfeuer, dass wir andächtig ergriffen jedem ihrer Worte lauschen, jede Berührung zaghafter Hände selbst auf der Haut spüren.
Diese " Jane Eyre" erinnert in der Magie der Ästhetik an alte Gemälde, so wundersam detailliert in jeder Stoff- Falte, so verzaubernd in jedem glitzernden Morgentau , in den arabesken Mustern schwerer Teppiche, und dem Wehen der Vorhänge, dass man sich das Kunstwerk fast in einzelnen Standbildern anschauen möchte.
Wehmütig , spröde, dann wieder das Herz vor Schönheit zerreissend, brausend wild wie das Meer- die pointiert eingesetzte Musikuntermalung.
" Jane Eyre" ist das, was wir leider nur noch selten im Kino erleben. Ein Film, der uns in eine andere Welt zieht, uns eine Gänsehaut nach der anderen vor emotionaler Sogkraft beschert, so schmerzhaft wundervoll, dass er noch lange in den Sinnen nachhallt.
Verwandte Seelen, umarmt über alle Widerstände hinweg.
Alles immer und vorbestimmt ? Wer möchte nach diesen zwei Stunden daran zweifeln.
Kino, das glücklich macht, und eine Literatur-Adaption, die in Wortduktus, Stimmung und Ernsthaftigkeit mitnichten dem heutigen schnellen Zeitgeist huldigt, sondern aus einem Guss den Bronte Klassiker zu berauschendem Leben erweckt.
1010 Kommentare| 18 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. Mai 2012
Es ist mir schon fast peinlich, nach all diesen guten Kritiken etwas nicht so positives über die Neuverfilmung des Klassikers von Charlotte Bronte zu schreiben. Ich habe die DVD heute super gespannt angeschaut und habe wirklich erwartet hier ebenfalls auf eine gemischte Resonanz zu stoßen...
1) Was macht eine gute Literaturverfilmung eines Klassikers aus, der sich mit einigen Vorgängern messen lassen muss? Na, entweder er wird richtig werkgetreu umgesetzt oder es handelt sich um eine komplette Neuinterpretation. Ich bin als Kenner des Buches auf der Seite der Werktreue, aber leider fand ich zu viele Dialoge so verändert,dass sie die Stärke des Originals nicht mehr hatten-. Fand ich echt schade und unnötig. Auch die Kürzungen der Dialoge fand ich nicht optimal. Manchmal kam man dann ohne Vorwissen gar nicht aus. Teilweise fehltem eine regelrecht Informationen.
2) Die Schauspieler- für sich genommen toll. Die Figur der Jane Eyre, wie Mia W. sie umsetzt -richtig gut. Auch Michael Fassbender gefällt mir für sich genommen:launisch, düster, etwas zu jung und hübsch- aber ok. Leider stimmt die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern überhaupt nicht! Irgendwie wundert man sich, warum die beiden auf einmal verliebt sein sollen- es wirkt zerstückelt und zu hastig. In der Romanvorlage fühlt man das Prickeln, die unterdrückte Leidenschaft- was zum Beispiel in der BBC Version von 2006 zwischen Ruth Wilson und Toby Stephens heftigst zu spüren ist.
3)Die inhaltlichen Schwerpunkte die in der Neuverfilmung gesetzt wurden, empfinde ich zu Teil als etwas unglücklich:
a) Janes Werdegang ist mir zu schnell erzählt, man bekommt noch nichtmal richtig mit, dass sie Lehrerin ist und wie und warum sie nach Thornfield Hall kommt.
b) Man erfährt zu wenig über die mysteriösen Vorgänge im Haus- die schaurige Atmosphäre will gar nicht aufkommen.
c) Das Leiden Janes im Moor ist wiederum zu lang und rückt ihren Charakter in ein zu zerbrechliches Licht.
d) Das Ende ist für mich ganz schön bitter- Jane hat sich zu einer recht selbstsicheren Frau entwickelt und trifft auf einen zerstörten, erblindeten Rochester in seinem Haus im Wald.Das ist so schön im Buch erzählt, aber auch in der 2006er BBC Verfilmung gelungen. Dieses Wiedersehen ist soo toll- warum musste es ganz heraus genommen werden und einem lieblosen Ende am hellichten Tag im Garten weichen?
e) Warum hat man ihre VErwandtschtsbeziehungen verändert- war das nötig?
Ich könnte ewig so weiter machen möchte als Fazit sagen, dass es ein handwerklich guter Film ist- aber mit Sicherheit nicht die beste Jane Eyre Verfilmung aller Zeiten- da gibt es bessere,zum Beispiel die mehrfach erwähnte BBC Miniserie.
1010 Kommentare| 101 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. Februar 2016
Es ist eine sehr schöne Verfilmung, sehr zart und mit stimmigen Bildern und ebensolcher Musik.
Die Geschichte kommt hier etwas moderner daher, Vieles wird nur angedeutet.
Aber diese Jane ist wirklich blutjung und wirkt wie eine Elfe, und der aufbrausende Mr. Rochester wirkt sehr authentisch.
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TOP 500 REZENSENTam 14. Dezember 2011
Nicht viele Romane sind häufiger verfilmt worden als Charlotte Brontës unsterblicher Klassiker "Jane Eyre".
Die hier vorliegende aktuelle Verfilmung soll die 25. sein, von den angeblich 24 Vorgängern kenne ich gefühlte zehn, von denen auch viele ihre Stärken hatten und alles andere als schlecht waren.
So überzeugte zum Beispiel die 1944er Version "Die Waise von Lowood" mit einer sehr stimmungsvollen schwarz-weißen Kamera- und Lichtarbeit und einem dämonischen Orson Welles als Mr Rochester (wenngleich diese etwas einseitige Darstellung der doch deutlich vielschichtigeren Figur in der Romanvorlage nicht wirklich gerecht wurde), die Zeffirelli-Adaption von 1996 brachte mit Charlotte Gainsbourg endlich eine Jane auf die Leinwand, die mit ihrem eher herben Typ sehr viel mehr der Romanfigur entsprach als die meist viel zu hübschen und gefälligen blonden Film-Janes, die TV-Mehrteiler hatten den Vorteil, nicht in das Korsett einer üblichen Filmlänge passen zu müssen und mussten deshalb weniger stark kürzen und auch andere Adaptionen konnten mit dem einen oder anderen Pfund wuchern.
Mit der aktuellen Verfilmung gelingt Cary Fukunaga nun das Kunstsück, eng an der Romanvorlage zu bleiben (wobei bei einer Verarbeitung einer derart komplexen Vorlage zu zwei Stunden Film Kürzungen natürlich immer unvermeidlich sind), die Pluspunkte diverser vorheriger Verfilmungen zu kumulieren und dennoch etwas ganz eigenes zu schaffen - und hat damit Maßstäbe gesetzt, an denen sich jede eventuelle Neuverfilmung wird messen lassen müssen.

Zum Inhalt muss man wohl nicht mehr viel sagen, wer kennt sie schließlich nicht, die unverwüstliche Lebens-, Liebes- und Leidensgeschichte der Waise Jane Eyre, die nach freudloser Kindheit und Jugend eine Stelle als Gouvernante bei dem geheimnisumwitterten Mr Rochester auf seinem Anwesen Thornfield Hall antritt und sich in ihren Arbeitgeber verliebt.

Fukunagas Film setzt mit der Flucht Janes von Thornfield Hall und ihrer Aufnahme durch den Vikar John Rivers ein, wo Jane sich in Rückblenden an die vorherigen Ereignisse erinnert.
Ein sehr schöner und gelungener Aufbau, durch den man sofort an einem besonders spannenden Punkt in die Handlung hineingeworfen wird.
Vor allem für diejenigen, die die Geschichte tatsächlich noch nicht kennen sollten, ensteht so vom ersten Augenblick an eine fesselnde Spannung, denn natürlich will man wissen, wie es zu dieser Flucht kam.
Ansonsten wird die Vorlage aber erfreulicherweise chronologisch umgesetzt; Fukunaga verkneift sich hier die seit einigen Jahren ja geradezu inflationär eingesetzte Technik, die gesamte Erzählstruktur aus oftmals reinem Selbstzweck auf den Kopf zu stellen.
Während Jane die Fragen Rivers' und seiner Schwester beantwortet, sieht man in Rückblenden ihre Kindheit bei ihrer Tante und später im Internat Lowood und später erinnert sie sich an ihre Zeit auf Thornfield Hall.
Sehr schön gelungen wirken diese Parallelmontagen vor allem dadurch, daß die Gegenwart und Janes Erinnerungen stimmungsmäßig verblüffend zusammenpassen:
In ihrer Aufgewühlheit und Erschöpftheit nach der Ankunft bei den Rivers' erzählt beziehungsweise erinnert sie ihre schwierige Kindheit und Jugend, während sie später, als sie als Dorfschullehrerin im ersten eigenen Zuhause ihres Lebens endlich zur Ruhe kommt, sich an ihre Zeit auf Thornfield Hall erinnert, wo sie ebenfalls nach ihrer freudlosen Vergangenheit zur Ruhe gekommen war.
Wie dann in der Erinnerung Janes die Ereignisse auf Thornfield Hall ihrem dramatischen Höhepunkt entgegenstreben, entspricht ebenfalls perfekt der steigenden Spannung der Gegenwart, in der John Rivers Jane zunehmend mit seinem Heiratswunsch bedrängt.
Ein absolut genialer Aufbruch der streng linearen Erzählstruktur des Romanes also, der so selbstverständlich daherkommt, als könne es gar nicht anders sein.
Ein Glücksgriff auch die Besetzung des Filmes, nicht nur Mia Wasikowska ist mit stiller Stärke, aber auch oftmals aufbrausendem Temperament und nur mühevoll unterdrücktem Zorn über soziale Ungerechtigkeiten und die nicht immer einfache Stellung der Frauen ihrer Zeit und ihres gesellschaftlichen Umfeldes, die authentischste Jane, die ich je auf der Leinwand bzw dem Bildschirm gesehen habe, sondern auch Michael Fassbender ist endlich ein Mr Rochester, der zwar geheimnisvoll, aber nicht zu dämonisch, schwermütig, aber nicht rettungslos depressiv dargestellt wird.
Diese Verfilmung ist daher die erste mir bekannte, in der nicht nur Janes bewegende Lebensgeschichte, sondern auch und vor allem die Liebe zwischen ihr und Mr Rochester wirklich fühlbar wird und dadurch tief berührt.
Weder erliegt hier eine naive junge Jane dem dämonischen Zauber eines geheimnisumwitterten Mannes (wie bei Joan Fontaine und Orson Welles 1944) noch muss eine starke Jane eine verlorene Seele retten, ohne daß dabei wirklich greifbar wird, daß hier auch echte und vor allem leidenschaftliche Liebe und eben nicht nur "Seelenrettung" im Spiel ist (wie bei Charlotte Gainsbourg und William Hurt 1996), sondern ganz im Geiste von Charlotte Brontës Romanvorlage treffen hier tatsächlich zwei starke und leidenschaftliche Seelenverwandte aufeinander, die sich allen gesellschaftlichen Unterschieden zum Trotz von Anfang an auf gleicher Ebene begegnen.
Besonders schön deutlich wird dies bei ihren pointierten Wortgefechten - geschliffene Dialoge, bei denen Worte gleichsam als Waffe in einem Duell zweier ebenbürtiger "Gegner" eingesetzt werden.
Gewohnt überzeugend ist auch Judi Dench als resolute und gutherzige, aber manchmal auch ein wenig einfältige Haushälterin Mrs Fairfax und auch die Nebenrollen sind durchweg hervorragend besetzt und gespielt, auch und vor allem durch die Kinderdarsteller in den Rückblenden.
Großartig gelungen auch die filmische Umsetzung, die mit wunderschönen Bildern, erlesener Ausstattung und stimmungsvoller Musik aufwarten kann, ohne daß dieses jemals zu reinem Selbstzweck würde.
So ziehen vor den Fenstern von Thornfield Hall die Jahreszeiten vorbei, die immer auch ein Spiegel der Handlung und der Gemütszustände der Protagonisten sind:
Ungewisser Bodennebel bei Janes Ankunft, ein Frühling, der gleichzeitig mit der erwachenden Liebe zwischen Jane und Rochester erblüht, Regen und Sturm bei Janes Flucht - pures Überwältigungskino ist es, welches Fukunaga hier abliefert.
Wunderschön auch die sehr sparsam eingesetzte musikalische Untermalung, die hauptsächlich sorgfältig ausgewählte bekannte klassische Klavierstücke, unter anderem von Beethoven und Mozart, aufgreift.

Ein Berliner Journalist forderte in seiner Kritik zu diesem Film eine 50jährige Neuverfilmungssperre für "Jane Eyre", da es mindestens so lange dauern würde, nochmals eine ähnlich kongeniale Verfilmung realisieren zu können.
Ich argwöhne, daß sich bereits deutlich früher weitere Filmemacher an der wohl berühmtesten Gouvernante der Literaturgeschichte versuchen werden.
Sie werden sich alle an dieser Adaption, mit der Fukunaga die Latte sehr hoch gelegt hat, messen lassen müssen - und es dürfte ihnen schwer fallen, dabei zumindest nicht allzu schlecht abzuschneiden.
2121 Kommentare| 150 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. April 2016
Mich hat diese Verfilmung der literarischen Vorlage leider nicht überzeugen können, was ich schade fand. Es ist natürlich klar, dass man dieses grandiose Buch nicht in eine rund 120 Minuten Version eines Filmes quetschen kann. Man darf auch nicht erwarten, dass eine Verfilmung die 1:1 Umsetzung eines Buches sein kann - ein Film bedient sich einer anderen Sprache. M. E. muss es eine Literaturverfilmung aber schaffen, die Handlung zu verstehen, wenn man das Buch nicht kennt. Und dies hat diese Verfilmung leider nicht geschafft. Freundinnen, die mit mir die Verfilmung sahen und das Buch nicht kannten, blickten bei den ganzen Rückblenden und Zeitsprüngen innerhalb der Handlung nicht durch. Und sie waren entsetzt darüber, dass sich J. E. am Ende in die Familie von St. John einkaufte. Also, dies sind alles verfremdende Effekte, die den Film falsch ankommen lassen.
Aber am schlimmsten fand ich die beiden Hauptdarsteller. Da passte die Chemie einfach überhaupt nicht! Mia Wasikowska hatte den ganzen Film hindurch einen depressiven Gesichtsausdruck und Fassbender war hier leider eine Fehlbesetzung, indem er wirklich den Eindruck erweckte, er habe eigentlich sein ganzes Leben schon immer Minderjährige verführt. Das hat nicht funktioniert. Außerdem konnte man einfach nicht nachvollziehen, dass hier ein Band zwischen den beiden Figuren entsteht. Mia Wasikowska bleibt stocksteif, Fassbender glanzlos, fast schon ein wenig abstoßend. Während man in der 2006 Version mit Wilson/Stephens bei der proposal scene mit Jane gelitten hatte, als sie wortwörtlich Rotz und Wasser geheult hatte, war diese entscheidende Szene, und für mich eine der wichtigsten in Buch und somit auch mit Film, eine recht traurige Interpretation der Szene.
Die Feuer-Szene hat nichts Hervorstechendes zu bieten.
Und wieso kommt Judi Dench auf einmal aus den Trümmern von Thornfield hervor? Quatsch mit Soße!
Vom lieblosen Ende mit einem Rochester, der aussieht wie ein verkrüppelter Rasputin, sag ich auch lieber nichts.
Einzige Lichtblicke des Films: Kulisse, Ausstattung, Kostüme hingegen waren sehr gut. Da wurde nicht geschlampt.
Daher zwei Sterne.
Mein Favorit bei den J. E. -Verfilmungen ist und bleibt die 2006 Mini-Serie mit Wilson/Stephens - in englischer Originalversion!
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am 22. August 2016
Hatte mir die Verfilmung von BBC angesehen und war begeistert von der Story und wie schön es gemacht war. Nun wollte ich mir diese Verfilmung ansehen und es ist wirklich eine große Enttäuschung im Vergleich zur BBC Verfilmumg. Musste mich sehr zwingen, den Film bis zum ende zu schauen. Echt nicht gut. Ich weiß natürlich nicht, wie ich empfunden hätte, wenn ich die andere Verfilmung nicht gesehen hätte, aber so... Nein danke. Nicht sehenswert.
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HALL OF FAMETOP 100 REZENSENTam 26. September 2015
Vielleicht ist der Haken auch, dass ich vor kurzem (wieder einmal) "Jane Eyre" mit Ruth Wilson und Toby Stephens gesehen habe, ein BBC-Version, die den Schwerpunkt auf die Beziehung Jane/Rochester legt und sich mehr Zeit nehmen kann als ein Film (allerdings ist diese Verfilmung mit Michael Fassbender auch über zwei Stunden lang).
Jedenfalls kommt das Verhältnis der beiden Hauptfiguren hier etwas kurz, subtil wird angedeutet, dass Jane vor allem so von Rochester fasziniert ist, da er "der erste Mann" sei, der sie beachtet (im positiven Sinne beachtet, also nicht wie Mr Brocklehurst als reines Erziehungsobjekt sieht) und eine intelligente Unterhaltung mit ihr führt. Das ist gar nicht mal so falsch, wenn man sich die Geschichte nüchtern vor Augen führt (junge Frau kommt von einer reinen Mädchenschule als Gouvernante in ein Herrenhaus, ihr Dienstherr entwickelt nach dem ersten Kennenlernen schnell ein Interesse an ihrer Gegenwart und Konversation, was schon ungewöhnlich ist, betrachtet man ihre Stellung und die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse), doch gibt der Freundschaft der beiden einen irgendwie etwas fragwürdigen Beigeschmack, was noch dadurch verstärkt wird, dass Rochester hier wiederholt auf Janes "Reinheit", "Unschuld" und "Unbeflecktheit" eingeht. Man kann Rochester auch als einen lüsternen Mittdreißiger interpretieren, der mehr von unerfüllten Begierden als von Intellekt gesteuert ist, und das macht diese Verfilmung dann gut. Falls das so gewollt war. Und sicher wird das nicht jeder so interpretieren.
Doch irgendwie hat diese Verfilmung, ganz persönlich beurteilt, ein bisschen etwas von "Twilight", vielleicht ist es sogar gar nicht so weit hergeholt, zu glauben, dass dieser Hype, der zur Zeit der Dreharbeiten noch voll am Laufen war, den Stil dieser "Jane Eyre"-Verfilmung beeinflusste. So ist auch Jane hier deutlich weniger humorvoll und auf ihre natürliche Art selbstbewusst wie in der Verfilmung mit Ruth Wilson, sondern wirkt sehr zart und verletzlich, so dass es richtig verblüfft, dass sie es sein soll, die Rochester schließlich küsst (und nicht umgekehrt).

Schön anzusehen sind die prachtvollen Landschaftsaufnahmen mit dem guten Kontrast des fast edenhaften Thornfield und dem rauen Moorland, wo Jane später als Dorfschullehrerin arbeitet und von dem hier ebenso rauhbeinigen StJohn Rivers umworben wird.
Michael Fassbender spielt diese Interpretation von Rochester als einen zutiefst einsamen und nach unschuldiger weiblicher Nähe und Wärme gierenden Mann großartig, seine eigentliche Attraktivität wird durch die Maske mit bleichem Gesicht und zotteligen Haaren bewusst etwas reduziert. Judie Dench ist eine fantastische Mrs Fairfax, wie immer verschmilzt Dench völlig mit ihrer Rolle. Jamie Bell schafft es, dass sein doch sehr ruppiger StJohn keine böse Witzfigur wird (nicht einer dieser Dickens-Typen mit komischen Namen).

Dass die Handlung wie immer verändert und gekürzt wird, darauf muss man sich bei Buchverfilmungen einstellen. Ich würde mich aber der Kritik anschließen, dass hier manchmal nur Kenner des Buches die Handlung wirklich verstehen können, da manche Details, die nicht unwichtig sind, völlig ausgelassen wurden, z.B. dass Jane in Lowood später Sprachen und Kunst unterrichtete, dass sie auf Thornfield schon öfter nachts seltsame Stimmen, Lachen und Geräusche hörte, bevor Bertha das erste Mal "auftaucht".

Lohnt sich für Bronte-Fans zum Ansehen, auf jeden Fall. Vielleicht sogar für manche die Lieblingsversion. Für meine Sammlung dagegen sind dies die alte Verfilmung mit Orson Welles und die mit Charlotte Gainsbourg, meine persönlich liebste Jane.
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am 10. Juli 2014
Hätte ich nur die Beschreibung des Films gelesen, hätte ich ihn mir nicht angesehen. Die Rezensionen haben mich dazu veranlasst, es doch zu tun. Und ich bin froh darüber!

Ich habe zwar keine wirkliche Ahnung vom Film, was ein Film haben sollte und was nicht, aber ich versuche einfach mal wiederzugeben, wie dieser Film auf mich wirkte...
Hervorragende Schauspieler, die überzeugen. Ein Spiel aus Licht und Schatten in den Aufnahmen. Zum Teil düster, dann kommt wieder "Licht ins Dunkel". Dieser Film hat nichts von Horror an sich (ich weiß nicht, wie diese Beschreibung zustande gekommen ist). Der Film hat mystische Seiten, aber hat auch nicht Irreales. Er mag insgesamt eher ruhig wirken, dafür wühlt er innerlich auf. Die Geschichte beginnt sehr traurig und der "Horror" mag in der Kindheit der Jane Eyre stecken (ich befürchte, es gibt auf der Welt immer noch ähnlich Grausames), doch es entspricht sicher auch mancher Realität dieser Zeit. Die Geschichte, die Figuren und Bilder fesseln vom ersten bis zum letzten Moment. Die Musik ist wunderschön, steht aber immer eher im Hintergrund. Wer sich eher vom Hollywood-Film wie "Stolz & Vorurteil" angesprochen fühlt - ein Film den ich auch gerne gesehen habe und mag, aber nicht als das Sahnehäubchen betrachte - und mehr auf Pomp und "viel" Musik steht, wird sich bei diesem Film vielleicht langweilen. Wer leise Töne mag, wird von diesem Film begeistert sein!
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am 14. August 2015
Ein von der ersten Minute an spannender, durchweg fesselnder und bis zum Ende mittels gestaffelter Überraschungsmomente offener Film über das Schicksal der intelligenten und in Visionen gefangenen Vollwaise Jane Eyre. Bereits im Kindesalter wird sie von ihren wohlhabenden Verwandten in ein strenges Internat abgeschoben, arbeitet hier später selbst als Lehrerin, nimmt aber schon bald eine Anstellung als Gouvernante auf Thornfield an.
In der Abgeschiedenheit erlebt sie eine ruhige und glückliche Zeit, bis sie dem Herren des Hauses, Mr. Rochester, begegnet. Zunächst sehr rau, ist er schon bald von ihrem unverfänglichen, reinen Wesen betört und verliebt sich in Jane. Doch es geschehen merkwürdige Dinge auf dem Landsitz. Unerklärliche nächtliche Geräusche verunsichern sie, lassen sie des Nachts aufschrecken. Wie durch ein Wunder gelingt ihr so die Rettung Rochesters aus bereits lodernden Flammen. Doch die Wirrungen sind damit noch nicht ausgestanden. Jane erfährt von den Hochzeitsplänen ihres Herren mit Lady Blanche Ingram und beschließt, Thornfield zu verlassen. Rochester weiht sie schließlich ein, spricht von einer reinen Eifersuchtsgeschichte und bittet Jane, ihn zu ehelichen. Die Trauung jedoch wir jäh unterbrochen, da Rochester bereits verheiratet ist. Er hält seine Frau, die geistesgestörte Bertha Mason, auf Thornfield gefangen, um ihr das Irrenhaus zu ersparen.
Janes Moral verbietet ihr, als Geliebte zu bleiben. Sie flieht und findet Unterschlupf bei St. John Rivers, einem Vikar, und übernimmt die Stelle als Dorfschullehrerin. Als Jane wenig später unerwartet erbt und bekannt wird, dass Rivers und seine beiden Schwestern mit ihr verwandt sind, beschließt sie, das Erbe zu teilen. Von Rivers Heiratsofferten bedrängt, kehrt sie schließlich nach Thornfield zurück, doch sie findet nur noch eine Ruine vor. Ein verheerendes Feuer nimmt Rochester für lange Zeit das Augenlicht und verschlingt die Brandstifterin, Bertha Mason. Der Weg ist nun frei für ein gemeinsames Leben...

Eine perfekte Mia Wasikowska in einem ergreifenden Liebesdrama, mitreißend und einfühlsam erzählt, eine unbedingte Empfehlung!
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am 22. November 2015
Der Film hält sich nicht ganz genau an die Buchvorlage und ohne Vorkenntnis der Handlung wirken manche Stellen im Film wahrscheinlich verwirrend oder nicht nachvollziehbar. Doch insgesamt ist es eine ruhige, sehr schön und feinfühlig gespielte Verfilmung, in der mir speziell Judy Dench und Michael Fassbender besonders gut gefallen haben.

Mia Wasikowska spielt ihre Rolle der Jane zwar auch einfühlsam und sehr bemüht, dennoch wirkt sie für mich meistens etwas zu unnahbar. Als guten Gegenpart zu Michael Fassbender hätte ich mir eine junge Schauspielerin mit etwas mehr Charisma und Esprit gewünscht.

Unterm Strich kann ich diesen Film jedem empfehlen, der sich für englische Literatur und Literaturverfilmungen bereits interessiert und/oder einen ruhigen Einstieg sucht. Auch optisch gibt es wunderschön in Szene gesetzte Bilder, alles zusammengenommen ergibt vier berührend schöne Sterne von mir für diese Verfilmung :)
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