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am 25. November 2012
Es gibt viele historische Momente, die das Weltgeschehen tiefgreifend beeinflusst haben. Sei es das mißglückte Stauffenberg-Attentat auf Hitler im Jahre 1944, die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki im Jahre 1945, das Attentat auf John F. Kennedy im Jahre 1963 sowie das Attentat auf Martin Luther King im Jahre 1968.

"Was wäre, wenn?" - genau diese Frage hat sich bestimmt jeder schon einmal gestellt... Was würde man tun, wenn man die Chance hätte, die Vergangenheit zu verändern? Was wäre, wenn man das Attentat auf JFK verhindern könnte? Wäre die Welt dann nicht ein besserer Ort? Würde es den Rassenkonflikt in den USA, den Vietnamkrieg und vieles mehr vielleicht nicht geben?

In Stephen King's "Der Anschlag" wird das Unmögliche möglich gemacht: Jake Epping ist ein Lehrer, der ein recht gewöhnliches Leben im Hier und Jetzt lebt, bis sein Kumpel Al ihm von der Existenz des "Kaninchenbau's" im Abstellraum seines Restaurants erzählt. Al Templeton sagt, es sei ein Zeitreiseportal, welches einen direkt ins Jahr 1958 befördere. Nicht genug, er behauptet sogar, dass er schon mehrmals in die Vergangenheit gereist sei. In der anderen Zeitlinie können Jahre vergehen, kommt man aber zurück, so sind nie mehr als zwei Minuten Zeit in der Gegenwart verstrichen. Ein weiteres Phänomen dabei ist, dass eine erneute Zeitreise ins Jahr 1958 alle Geschehnisse der letzten Zeitreise wieder ausradiert. Al hatte Großes vor, denn er wollte das Attentat auf Kennedy verhindern. Nun, da er schwer an Krebs erkrankt ist und bald stirbt, benötigt er Jake's Hilfe, um sein Ziel in die Tat umsetzen zu können.

Nach dem ersten Schock überzeugt sich Jake mit eigenen Augen davon, was der Kaninchenbau kann: Er schnuppert die Luft des Jahres 1958, lauscht dem Krach der vielen Webstühle in Lisbon Falls - die es zu seiner Zeit gar nicht mehr gibt - und probiert Erfrischungsgetränk bei der Kennebec Fruit Company. Damals schmeckte alles viel besser und intensiver.

Jake wird klar, was für eine Chance Al's Kaninchenbau ihm und der ganzen Welt bietet. Er macht sich wieder auf den Weg ins Jahr 1958, verbringt die nächsten Jahre seines Leben in der Vergangenheit, um letztendlich Al's Versprechen einzulösen: Lee Harvey Oswald um jeden Preis aufzuhalten. Doch die Vergangenheit ist halsstarrig und will sich nicht verändern lassen - Jakes Mission wird für ihn und alle, die ihm lieb sind brandgefährlich! Und was die einmal veränderte Zukunft mit sich bringen mag, kann keiner erahnen...

Mein Fazit

Spannende Fiktion trifft auf gut recherchierte Fakten rund um das Kennedy-Attentat. Stephen King hat es gewagt ein heikles Thema neu aufzurollen und etwas ganz eigenes daraus zu machen. Mich hat es dazu bewegt, die eine oder andere Dokumentarsendung über das Ereignis wieder einmal anzusehen und selbst zu recherchieren. Ich wollte verstehen, wie King auf das detaillierte Bild von Oswald gekommen ist. Natürlich ist vieles spekulativ und frei erfunden, aber King's Charakterdarstellung des JFK-Attentäter erscheint mir schlüssig. So könnte er tatsächlich gewesen sein...

Stephen King war und ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren. Wer sich bisher nur schwer mit seinen Büchern getan hat, sollte ihm eine neue Chance mit "Der Anschlag" geben, denn es ist eine wahrlich fesselnde Story!

Meine Bewertung - 5 von 5 Sterne
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am 11. Juli 2013
Als seine Bücher ehemals fressender Fan schob ich nach dem Erscheinen des dunklen Turms eine am letzten Wochenende beendete Pause ein. Mich reizte das Thema Dallas 1963 und das, was King daraus gemacht haben konnte. Die ersten zweihundert Seiten rissen mich nicht vom Hocker, dann packte mich aber der Sog seiner phantasievollen, erzählerischen Kraft. Schrieb King früher zum Nägelbeißen spannend, erwuchs für mich der Spannungsfaktor aus den mysteriösen Paradoxen der Beeinflussung der Vergangenheit und der Auswirkungen auf die Zukunft, die ja Gegenwart für den Protagonisten, der wehrhaften Klebrigkeit der Vergangenheit gegen verändernde Löcher in ihrer Schicht und der gelungenen Zeichnung seiner Hauptakteure Al, Sadie, Harry, Deke.

Für mich ist der Autor mit diesem Buch zu einem grandiosen, phantastischen Erzähler mutiert, was ich nach Es, Misery, Friedhof der Kuscheltiere u.s.w. niemals erwartet hätte.
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am 3. Februar 2012
...nämlich kein richtiger Thriller und keine wirkliche Fantasy. Stephen Kings neues Buch ist vor allem eine sehr anrührende Liebesgeschichte - wenn auch mit phantastischen Elementen. Dieses Buch ist eher gefühlvoll als spannend. Um den Kennedy-Mord geht es zwar auch, aber nicht in der Hauptsache. Ja, das alles ließe sich durchaus 100 bis 200 Seiten knapper erzählen, aber ich empfinde Kings ausufernde Schlenker zumeist eher als "Bonusmaterial" als als lästiges "Zuviel". Man lernt einiges über den "American way of Life" und das (mitunter etwas krude) Selbstverständnis der US-Amerikaner. Am Ende jedenfalls war ich fast zu Tränen gerührt. Ein wirklich lesenswertes Buch - sofern man nicht "Shining 2" erwartet.
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am 16. November 2012
um es mit Jake Eppings Worten zu sagen.
Da hier schon viele ellenlange Rezensionen erschienen sind, versuche ich mich kurz zu fassen.
Kings Roman ist eine Mischung aus: "Replay - Das zweite Spiel" von Ken Grimwood
"Die Frau des Zeitreisenden" v.Audrey Niffenegger und
"Geschichte machen" v.Stephen Fry
das ganze im bewährten King Stil von der Dunklen Turm Saga.
Ich mag Kings Romane, weil sie kein schmalziges Happy End haben.
Also, vertrödelt Eure Zeit nicht damit hier tausende Rezensionen zu lesen. Fangt mit Kings Buch an!!
Wem die oben genannten Bücher gefallen haben, der wird nicht enttäuscht werden.
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am 6. November 2017
Dieses Buch war für mich das erste Buch von Stephen King.
Ich bin kein Freund von Science Fiction, aber dieses Buch hat mich einfach gefesselt.
Zu Zeiten des damaligen Anschlags, war ich noch lange nicht geboren. Daher kannte ich die Geschichte selber nur aus dem TV.
Dieses Buch nimmt ein mit und man glaubt tatsächlich dabei zu sein.
Spannend von der ersten bis zur letzten Seite.
Eindeutig eines meiner Lieblingsbücher.
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am 7. Januar 2013
Ein geniales BUCH! Definitiv das erste Buch von King, und ich lese sie alle, bei dem ich zu Tränen gerührt war, ja echt. Auch Leserinnen, die nicht auf den gewohnten Horror von King stehen, sind von diesem Buch begeistert. Es liegt wohl an der Idee der Zeitreise..., denn wer von und hat es sich nicht schon einmal gewünscht, in die unbeschwerte Zeit seiner eigenen Kindheit zurückzureisen, wo die Welt (scheinbar) noch in Ordnung war!?
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am 7. Februar 2012
Ich habe mir nach "Die Arena" wieder einen 1000+ Seiten Band von Stephen King gegönnt - und es wieder nicht bereut. War schon "Die Arena" mit über 1000 Seiten innerhalb von wenigen Tagen gelesen, bin ich mit dem neuen Werk von King in noch kürzerer Zeit "fertig geworden". Stimmt nicht - ich habe das neue Buch geradezu verschlungen. Die Geschichte, die sich hier langsam entwickelt, ist einfach grandios erzählt und niemals langweilig. Bereits nach wenigen Seiten tritt ein "übernatürliches" Ereignis ein und ändert die Szenerie komplett. Wie immer führt King den Leser sorgsam in den Haupt-Charakter ein und verbringt viel Zeit damit, das Umfeld des Protagonisten zu schildern. Ich gebe zu, manchmal habe ich auch über den einen, oder anderen Absatz hinweggelesen, aber insgesamt sind diese Passagen wichtig und auch erforderlich, damit das Bild vollständig wird.
King schafft es, ein an sich unvorstellbares Ereignis (Zeitreise) vollkommen plausibel und nachvollziehbar zu beschreiben. Das macht er so gut, dass man quasi in die Geschichte gezogen wird und alles hautnah miterlebt. King nutzt die eine, oder andere Gelegenheit, um sich selbst zu zitieren (die Vorkommnisse in ES in Derry in den 50-er Jahren) - alle, die dieses Buch vor vielen Jahren gelesen haben, werden sich noch ohne weiteres an den Inhalt dieses Meisterwerks erinnern können. Hier gibt es ein Wiederlesen :)

Dieses Buch ist eine unbedingte Empfehlung! Kaufen und selber eine Zeitreise antreten...
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am 29. Dezember 2012
Da ich mein erstes King-Buch mit 10 oder 11 verschlungen habe, kann ich von mir behaupten von Kindesbeinen Fan zu sein. Bisher habe ich noch kein Buch von meinem Lieblingsautor gelesen, das mich auch nur ansatzweise enttäuscht hat. Ich gehöre auch nicht zu jenen, die der Meinung sind, dass seine älteren Werke deutlich besser sind als die neueren. Sie sind anders, das bestreite ich nicht, aber gut unterhalten haben sie mich alle.

Ich bin also mit entsprechend hohen Erwartungen an "Der Anschlag" herangegangen - und das Buch hat jede Erwartung bei Weitem übertroffen.

Über den Inhalt wurde hier schon viel berichtet, deshalb werde ich mich diesbezüglich zurückhalten. Wer einen Horrorroman erwartet, wird enttäuscht sein. Die fantastischen Elemente (Zeitreise) sind hier nur ein Mittel zum Zweck. Hier beweist King, dass er mehr ist als der "King of Horror". "Der Anschlag spiegelt die amerikanische Gesellschaft in den späten 50er und frühen 60er Jahren wieder, mit allen Vor- und Nachteilen. King schafft es, den Leser in diese Zeit zu entführen, so dass dieser fast meint, den Fabrikmief selbst zu riechen und die Musik zu hören, zu der Richie und Beverly (alte Bekannte aus "ES") tanzen. Wie immer sind die Charaktere gut ausgearbeitet, selbst Nebencharaktere wachsen einem ans Herz und ich habe mich beim Ende des Buches bei dem Gedanken ertappt, dass die Hauptcharaktere mir fehlen werden. Eine weitere Stärke des Buches ist die Darstellung des Kennedy-Attentäters Oswald, die ich doch recht überzeugend fand. Er wirkt menschlich, greifbar, und King greift hier nicht zu der für ihn manchmal doch typischen Schwarz-Weiß-Malerei. Für mich war auch die Beschattung Oswalds über mehrere Jahre interessant und durchaus spannend beschrieben.

Zu all dem kommt eine authentische und herzerwärmende Liebesgeschichte, die aber nicht übertrieben in den Vordergrund rückt, sondern sich nahtlos in die Geschichte einfügt. Mit ihren leisen Tönen und allen Widrigkeiten hat die Geschichte von Jake und Sadie mich mehr berührt als so mancher Liebesroman.

Auch Actionfans kommen nicht zu kurz. Zwar liegt der Schwerpunkt dieses Buches ganz klar woanders, aber es gibt auch einige spannende und dann auch teilweise ziemlich heftige Szenen.

Zuletzt sei - völlig ohne Spoiler - zum Ende eines gesagt: King hat hier in meinen Augen alles richtig gemacht, was man richtig machen kann. Die Ausführungen zu der Zeitreise und der Möglichkeit, die Vergangenheit zu ändern sowie die Folgen, die daraus entstehen, sind (im Gegensatz zu der Auflösung von "Die Arena") für den Leser äußerst befriedigend. Und das, was danach kommt, zählt zu dem Schönsten, was ich je gelesen habe.

King schafft es hier, über 1000 Seiten durchgehend ein hohes Niveau (sowohl sprachlich als auch storytechnisch) zu halten und den Leser komplett in seinen Bann zu ziehen. Von allen Büchern, die er geschrieben hat - und das sind bekanntlich nicht wenige - ist dieses definitiv sein bestes. "Der Anschlag" ist tiefgründig, spannend, melancholisch, stellenweise sogar tieftraurig und hat doch eine positive Grundstimmung. Für mich lässt dieser Roman nichts zu wünschen übrig. Definitiv mein Lesehighlight 2012.
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am 20. Mai 2017
Natürlich: Phantasy. Eben Stephen King. Aber eben Phantasy der ganz besonderen Art, die sich mit Worten nur schwer beschreiben läßt, weil hier nicht nur der Verstand, sondern tiefere, emotionale Schichten des Gehirns angesprochen werden. Der gute Stephen King bringt diese Schichten auf nachgerade meisterhafte Art zum Klingen. Und sie klingen nach ... ich habe diese Geschichte in den letzten drei, vier Tagen wie gebannt verfolgt und konnte schließlich in der letzten Nacht nicht schlafen, so hat mich diese Erzählung aufgewühlt. Also mitten in der Nacht raus aus dem Bett und weitergehört. Nach unruhigem Schlaf dann heute vormittag schließlich das Ende ... schön, ich kann mir als Nicht-mehr-Berufstätiger den Tag aufteilen wie ich will, aber diese Erzählung wird noch tagelang nachschwingen und mir womöglich den Schlaf rauben. Sie gehört zum besten, was ich je gehört habe. Denn wer eine Antenne für die Physik und zugleich die Phantasie hat, den wird so etwas nicht mehr loslassen, jedenfalls nicht so schnell. Zeitreisen ... klar, nach heutigem Stand der Physik unmöglich - Kurt Gödel hat es einst ausgerechnet - und doch ... aber die Rückkehr in die Vergangenheit bringt eben den berühmt-berüchtigten Schmetterlingseffekt zur Wirkung; man weiß nie, was ist, wenn man, wie Jake Epping, zurückkehrt in die (eigene, oder doch nicht mehr eigene ?) Zukunft. Meine Frau jedenfalls, viel nüchterner als ich (so wie viele Frauen dem männlichen Geschlecht gegenüber weit nüchterner eingestellt sind, als von den Männern überhaupt registriert wird) - meine Frau also hätte diese Erzählung, nachdem sie mit viel Geduld vielleicht ein Viertel oder Drittel davon gehört hätte, als "absoluten Blödsinn" bezeichnet. Kann ich ihr nicht mal verdenken, bei ihrer beschränkt-engstirnigen katholischen Erziehung. Sie ist zwar zum Glück inzwischen ein gutes Stück davon weg nach all den Jahrzehnten, aber diese Dinge klingen eben nach ... jede(r) hat nunmal in unserer (noch) demokratischen Umgebung das Recht auf seine/ihre eigene Meinung, logischerweise im Rahmen der Gewaltfreiheit. Dennoch gilt wohl noch immer der Satz, auch für meine Frau und mich: "Wie wir getanzt haben, Jake ..."
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am 20. Februar 2012
Jake Epping führt seit 35 Jahren ein absolutes Durchschnittsleben. Er lebt in Maine, arbeitet als Erwachsenenlehrer, hat keine Kinder und hat bereits eine gescheiterte Ehe hinter sich, nachdem seine Frau ihr Alkoholproblem nicht in den Griff bekommen hat. Eines Tages ruft ihn jedoch der Besitzer eines kleinen Diners aufgeregt zu sich, da er Jake etwas Wichtiges zeigen müsse. Dieser ist verwundert, schließlich kennt er den Besitzer Al Templeton nur von gelegentlichen Restaurantbesuchen. Noch überraschter ist Jake, als Al plötzlich um Jahre gealtert aussieht und aus dem gestern noch gesunden Mann ein menschliches Wrack geworden ist. Templeton führt den Lehrer dann aber in seine Speisekammer, wo sich ein Portal in die Vergangenheit befindet. Wer dieses Tor durchschreitet, landet unvermittelt im Jahr 1958 ' jedes Mal aufs Neue am gleichen Ort und zum gleichen Zeitpunkt.

Der Grund für Als Enthüllung Jake gegenüber findet sich in der persönlichen Zielsetzung des Restaurantinhabers. Schließlich könne man die große Chance einer Zeitreise nicht sinnlos vergeuden und so stellte sich Templeton schnell die Frage, was man in der Vergangenheit mit dem heutigen Wissensstand alles bewirken könnte. Für die Verhinderung der ersten beiden Weltkriege ist es 1958 zu spät, doch nur fünf Jahre voraus liegt ein einschneidendes Ereignis der Weltgeschichte, welches nicht nur die amerikanische Bevölkerung geschockt hat: Die Ermordung des 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, John Fitzgerald Kennedy, am 22. November 1963'

Was wäre also, wenn man das Attentat auf Kennedy verhindern könnte? Diese Frage bildet den Aufhänger für Stephen Kings neuesten Roman 'Der Anschlag' (im englischen Originaltitel etwas treffender '11.22.63'), einen Wälzer von über 1000 Seiten und in der Hörbuchfassung mit einer Laufzeit von fast 32 Stunden. Wäre JFK damals nicht ermordet worden, hätte es dann überhaupt den Vietnam-Krieg in diesem entsetzlichen Ausmaß gegeben? Was wäre mit den Rassenunruhen in den USA und der daraus resultierenden Ermordung Martin Luther Kings? Wäre die heutige Welt eine bessere, wenn John F. Kennedy seine Ziele hätte umsetzen können?

Wenn es nach Al Templeton geht, ist die Antwort eindeutig: Die Verhinderung des Kennedy-Attentats würde die Vergangenheit positiv beeinflussen, und so hat es sich der Wirt zur Mission gemacht, diese Tat zu verhindern. Bei seinen Besuchen im Jahr 1958 hat er daher umfassende Recherchen betrieben und den mutmaßlichen Attentäter Lee Harvey Oswald monatelang beschattet. Doch bevor Al den Anschlag hätte verhindern können, erkankte er an Krebs ' den 22.11.1963 hätte er nicht mehr erlebt. So weiht er Jake Epping in sein Geheimnis ein, der an seiner Stelle sein Unterfangen fortsetzen soll.
Die Figur des Al Templeton ist bereits zu Beginn der erste geniale Schachzug Stephen Kings. Dadurch spart man sich eine lange Einführung, in der die Hauptfigur Jake Epping mühsam die Gesetzmäßigkeiten des Zeitportals hätte erkunden müssen. Stattdessen erklärt Al auf seinem Sterbebett das Regelwerk: 1. Man landet immer am 9. September 1958 um 11.58 in der Vergangenheit. 2. Kehrt man in die Gegenwart zurück, so sind dort nur zwei Minuten vergangen. 3. Jede Reise in die Vergangenheit setzt alles wieder auf Null zurück. Praktischerweise gibt Templeton dem Lehrer auch noch seine Aufzeichnungen mit auf die Reise, die Jake als Leitfaden dienen und wichtige Stationen im Leben Oswalds beinhalten.

Ist das Konzept erst einmal erklärt beginnt eine Reihe von hochinteressanten Gedankenspielen, bei denen der sogenannte 'Schmetterlingseffekt' eine wichtige Rolle einnimmt. Welche Auswirkungen haben selbst kleinste Eingriffe in die Vergangenheit auf das heutige Leben? Dieser Frage ist der erste Teil des Hörbuches gewidmet, in welchem Jake Epping sozusagen einen Testlauf unternimmt und in die Vergangenheit eines seiner Schüler eingreifen will, der damals bei einer Familientragödie seine Familie verlor und seitdem geistig behindert ist. Dieser Abschnitt dient außerdem dazu, ein Bild des Amerikas der 60er-Jahre zu vermitteln. Dies gelingt dem Autor unwahrscheinlich gut und man fühlt sich selbst in das Jahr 1958 zurückversetzt ' selbst wenn man (wie ich) damals noch lange nicht geboren war. King schildert das Setting sehr intensiv, anschaulich und bis ins letzte Detail stimmig. So ist man wie die Hauptfigur erstaunt über die günstigen Preise und wundert sich über das Leben ohne Handys und Computer. Hier zeigt sich auch die große Erzählkunst Kings, denn durch kleine Einfälle lässt er das Zeitreise-Szenario absolut plausibel erscheinen. Sei es Al Templeton, der sein Fleisch günstig in der Vergangenheit kauft und dann in der Gegenwart sein Essen zu Tiefstpreisen anbieten kann oder die Art und Weise, wie Jake Epping seinen Aufenthalt im Jahr 1958 finanziert ' nämlich durch Sportwetten, bei denen er dank der Vorarbeit seines Vorgängers auf sämtliche Ergebnisse wichtiger Sportereignisse zwischen 1958 und 1963 zurückgreifen kann.

Ist Jakes Testlauf einmal abgeschlossen, geht es an die eigentliche Aufgabe, nämlich das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern. Dazu muss der Tatverdächtige Oswald beschattet werden und dessen soziale Aktivitäten genau überwacht werden. Da dieser aber einige Jahre in der Sowjetunion verbracht hat, bleibt Jake zudem noch genug Zeit für ein eigenes Leben, schließlich müssen fünf Jahre auch irgendwie zurückgelegt werden. Diese Phase bildet den Mittelteil des Buches, in deren Zentrum vor allem eine bewegende und turbulente Liebesgeschichte steht, welche trotz aller Dramatik aber niemals kitschig wirkt. Allerdings ist dem Autor dieser Abschnitt ein wenig zu lang geraten. So faszinierend die Schilderungen auch sind, gibt es immer wieder Passagen in denen die Handlung stillsteht und nicht wirklich etwas passiert ' in diesen Momenten sehnt man sich den finalen Anschlag förmlich herbei.

Einen großen Gewinn zieht das Buch aus den umfangreichen Recherchen Kings, sowohl was das Leben in den 60ern im Allgemeinen aber auch das Leben Lee Harvey Oswalds im Speziellen angeht. Da überrascht es nicht, dass King im Nachwort erzählt, er hätte die Idee zu diesem Roman schon vor 40 Jahren gehabt, damals aber noch nicht die Fähigkeiten gehabt, um seine Vorstellungen zufriedenstellend umzusetzen. Für Fans des Autors dürften auch die vielen Bezüge auf frühere Werke Kings für Begeisterung sorgen. So kommen z.B. die Schauplätze Derry und Castle Rock eingefleischten Anhängern wahrscheinlich bekannt vor ' nur zwei von unzähligen Andeutungen auf die eigenen Romane.

Allerdings sollte man aufgrund des Buchtitels und des Klappentextes auf keinen Fall einen Thriller erwarten, denn das ist 'Der Anschlag' definitiv nicht ' dafür aber fast alles andere: Historischer Roman, Liebesgeschichte, Drama, Horror (wenn auch nur unterschwellig und in sehr wenigen Momenten), Science-Fiction ' fast schon ein Werk epischen Ausmaßes. Mir persönlich fehlt jedoch ein wenig der politische Aspekt des Buches. Natürlich geht King auf einschneidende Ereignisse wie die Kuba-Krise ein, aber Kennedy fungiert hier lediglich als Randfigur und tritt bis zum eigentlichen Attentat kaum in Erscheinung. Auch der Anschlag selbst ist ein wenig ernüchternd: Man fieber fast 30 Stunden lang auf DAS Ereignis hin und dann ist es relativ unspektakulär und schnell vorbei. Als Ende der Geschichte wäre das enttäuschend, doch Stephen King hat danach noch eine faustdicke Überraschung parat, die einen versöhnlichen und überzeugenden Abschluss bildet.

Zum Sprecher:
Wer könnte ein Stephen King besser lesen als - ja, richtig geraten - David Nathan. Wie gewohnt liefert dieser als Erzähler eine geniale Leistung und trägt so viel zum Zauber der Geschichte bei. Ob Jake Epping oder Marina Prussakowa (Ehefrau von Lee Harvey Oswald) ' Nathan füllt jede Figur mit Leben, sodass man auch in den etwas zäheren Passagen im Mittelteil immer noch gerne zuhört. Wie gewohnt eine tadellose Vorstellung, die immer wieder neue Vorfreude auf kommende Stephen King-Hörbücher weckt.

Mein Fazit:
Stephen Kings 'Der Anschlag' ist ein großes und großartiges Buch. Es steckt so viel Leben in den 32 Stunden, dass man förmlich in die Geschichte von Jake Epping hineingezogen wird. Die Idee, in die Zeit zurückzureisen um das Kennedy-Attentat zu verhindern, ist genial und wird vom Autor auch absolut glaubwürdig umgesetzt. Umfassende Recherche und viel Liebe zum Detail sorgen dafür, dass man nie Zweifel an Kings Alternativ-Szenario hat und die Zeitreise einem als Hörer völlig selbstverständlich vorkommt. Zudem stellt King eine sympathische Hauptfigur in den Mittelpunkt seiner Story, sodass die Identifikation mit Jake Epping sehr leicht fällt. Allerdings trüben einige Längen im Mittelteil das Hörvergnügen ein wenig, zudem fällt das groß erwartete Attentat dann leider etwas zu nüchtern aus. Überdies dreht sich die ganze Geschichte nur um die Theorie, nach welcher Oswald ein Alleintäter war. Das hat einerseits den Vorteil, dass der Autor sich nicht in wirren Verschwörungstheorien verrennt, ist aber mir persönlich zu einseitig. Um so faszinierender sind die Gedankenspiele rund um den Schmetterlingseffekt und die vielen 'Was wäre wenn''-Momente. Diesen Passagen hätte ich stundenlang zuhören können, ohne dass es langweilig wird, immer getreu nach dem Leitmotiv des Buches 'Die Vergangenheit ist halsstarrig, sie will nicht geändert werden'. Insgesamt ergibt sich so ein für Stephen King ungewöhnliches, aber nichtsdestotrotz mitreißendes Gesamtpaket, welches vermutlich noch etwas länger nachwirken wird. Trotz der oben aufgeführten Schwächen lasse ich mich daher zu einer recht hohen Bewertung hinreißen, denn 'Der Anschlag' hat mich während der gesamten Laufzeit ' auch in ruhigeren Passagen ' immer in seinen Bann gezogen.
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