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TOP 1000 REZENSENTam 22. November 2011
Die Box besteht aus 13 CDs und bietet Furtwänglers Aufnahme des Rings aus dem Jahr 1953 mit dem italienischen Radiosinfonieorchester, die über mehrere Tage hinweg (in der Regel ein Akt per Abend) live vor einem kleinen Publikum (das man aber auf der Aufnahme nur selten hören kann) aufgezeichnet wurde. Die Sänger/innen rekurrieren sich z.T. aus etablierten Künstlern (deren Karriere durch den Krieg z.T. unterbrochen wurde) und aus damals noch jungen, die später zu den renommiertensten Wagner-Sängern/innen gehörten. Eine Auswahl:
- Rheingold: Ferdinand Frantz (Wotan), Wolfgang Windgassen (Loge), Elisabeth Grümmer (Freia), Gustav Neidlinger (Alberich), Julius Patzak (Mime)
- Walküre: Wolfgang Windgassen (Siegmund), Gottlob Frick (Hunding), Ferdinand Frantz (Wotan), Hilde Konetzni (Sigelinde), Martha Mödl (Brünhilde)
- Siegfried: Ludwig Suthaus (Siegfried), Julius Patzak (Mime), Alois Pernerstorfer (Alberich), Josef Greindl (Fafner), Brünnhilde (Martha Mödl)
- Götterdämmerung: Ludwig Suthaus (Siegfried), Alfred Poell (Gunther), Josef Greindl (Hagen), Martha Mödl (Brünnhilde), Alos Pernerstorfer (Alberich)

Die Tonqualität ist angesichts des Alters hervorragend. Der instrumentelle Teil ist in der Brillianz gegenüber moderneren Ausgaben sicher eingeschränkt und klingt im ganzen dumpf und bei den Blechbläsern zuweilen blechern. Eine 'große' Wagner-Stimmung kommt nicht auf. Der instrumentelle Teil ist aber ausreichend gut, dass man ihn nicht als störend empfindet. Es ist eben nur nicht der ganz große Genuss. Interpretatorisch ist es eher entschieden, ernsthaft und druckvoll gehalten (eher schnelle Tempi), mit einem leichten Hauch ins Feierliche, ohne aber die romantische Komponente aufzugreifen.

Die Stimmen hingegen sind von beeindruckender Qualität und in der Grundqualität nicht schlechter als manche heutige Live-Aufnahme oder weniger gelungene Studio-Aufnahmen (wie z.B. der Tristan mit Domingo). Sie profitieren davon, dass die Sänger damals technisch sehr in den Vordergrund gesetzt wurden und sind daher sehr präsent. Einzig die mitschwingenden Obertöne kommen schlechter raus als auf heutigen Aufnahmen. Im ganzen aber ein kaum eingeschränkter Genuss.

Obwohl ich eine Reihe von Ring-Gesamtaufnahmen habe und kenne (Solti, Haintink, Böhm), fühle ich mich (noch) nicht in der Lage, mich in den Verästelungen des Rings zurecht zu finden und eine vernünftige Einzelkritik der Sänger zu bieten. Der Gesamteindruck ist aber absolut hochwertig. Die Aufnahme besticht durch eine besonders homogene Gesamtleistung. Kein Sänger fällt in irgendeiner Form irgendwie ab und stört den Gesamteindruck. Es gibt sicher feinere Niveauunterschiede (mir persönlich habe Mödl und Grümmer am besten gefallen), aber es sind kleinere Unterschiede auf hohem Niveau. Diese Homogenität ist ein deutliches Plus dieser Aufnahme.

Der Grundtenor ist ein sachlicher und nüchterner. Die Ernsthaftigkeit ist dabei aber von einer Art, die emotional berührend ist. Vielleicht wie der Vortrag eines begeisterten Physiker, der eigentlich rein sachlich redet, seine durch Formeln transportierte Begeisterung für die Materie aber durchaus fühlen lässt und sie begeistert einen selbst und berührt einen. Es ist eine intellektuelle, bildungs-bürgerliche Durchdringung des Stoffes, die aber nicht bieder wirkt oder prätentios wie heute oft, sondern eine emotional berührende Ernsthaftigkeit transportiert, die wohl auch ein Zeichen der Zeit ist, der Begeisterung, sich wieder der Kunst und so großen Projekten widmen zu können. Für Wagner-Liebhaber daher ein begeisterndes Sinnbild der Wagner-Rezeption durch die Zeiten.

Fazit: Wer noch keinen Ring hat, der sollte hier nicht zugreifen, da die Schönheit der instrumentalen Anteilen aufgrund der klanglichen Einschränkungen zu sehr untergeht. Für eine Zweitaufnahme sollte diese Box aber ganz oben auf der Prioritätenliste stehen.

Eine Anmerkung noch zur Verpackung: Man sieht auf dem Bild nicht, dass die 13 CD-Pappschuber nicht in einer der üblichen dickeren Boxen in CD-Größe stecken, sondern in einer niedrigeren Box in LP-Größe. Das ist m.E. völlig unpraktisch, weil es in keine CD-Regal passt (und nicht in manche Bücherregale) und daher rechter Unsinn. Ich habe meine Box weggeschmissen und die CDs mit einem Gummi rum ins CD-Regal gestellt. Es gibt ein (LP großes) Booklet mit einer Zusammenfassung der Handlung (kein Libretto, was man bei dem Preis auch nicht erwarten kann). Die Besetzungliste und die Szenenaufteilung ist auf jedem der Pappschuber abgedruckt.

Nachtrag 09.05.2013: Einige aufmerksam gehörte Ringe später nun noch eine detailliertere Sängerkritik:

*Alberich: Gustav Neidinger gibt ihn im Rheingold, Alois Pernerstorfer in Siegfried und Götterdämmerung. Beide können überzeugen und geben - was mich freut - keinen geckigen Zwergen, sondern eine kraftvolle Unheilsfigur, dunkel, tief und kraftvoll. Bei Pernerstorfer mischt sich gelegentlich ein heller Klang hinein, der interessant ist, aber auch komisch anmutet.
* Wotan/Wanderer ist durchgehend Ferdinand Frantz. Er ist ein echter Götterchef. Das gefällt mir gut. Mit viel Ausstrahlung ist er der Herr im Ring, dabei aber würdevoll und nicht plakativ. Das 'Menschliche' in der Figur und der Ränkeschmied bleibt dadurch ein bisschen im Hintergrund. Im Siegfried nimmt er sich der Wanderer-Rolle gemäß etwas mehr zurück.
* Siegfried: Ludwig Suthaus hat ohne Zweifel die Kraft die Rolle zu beherrschen und singt voll und rund mit deutlichem baritonalen Fundament. Die Heldenszenen sehen wirklich mal einen echten Helden und können überzeugen, auch wenn er sich an der ein oder anderen Stelle mal einen Tick zu sehr in die Brust wirft und dann mal die Linie verliert. Die charakterliche Differenzierung eines Windgassen findet man dadurch weniger.
* Brünhilde: Martha Mödl kam vom Mezzo und das hört man. In den tieferen Lagen und an ruhigeren Stellen singt sie mit viel Emphase und kann mit einer sehr darstellerischen Interpretation beeindrucken. In den Szenen am Walkürefelsen im Siegfried bekommt den Eindruck eines wahrhaften Liebespaares, das fast schon an Tristan und Isolde erinnert. In den höhren Lagen muss sie forieren und dann bricht es immer wieder mal und die Stimme rutscht arg in die Gurgel. Die strahlenden Spitzetöne bekommt man von ihr nicht. Mir persönlich fehlt das nicht, aber vielleicht anderen.

* Fricka: Ira Maluniuk glänzt mit einer ungewöhnlich sauberen und sicheren Stimme, die v.a. in den Streitszenen mit Wotan die hohen Töne sehr klar beherrscht.
* Loge ist hier Wolfgang Windgassen. Wie häufig klingt er ein bisschen dünn, aber dafür glockenrein. Es mangelt ein wenig an Präsenz, dafür gibt es aber viel Intelligenz und Klangschönheit.
* Siegmund: wieder Wolfgang Windgassen. Diesmal klingt er deutlich kräftiger und mit starkem Fundament(vielleicht hat er sich als Loge absichtlich zurückgehalten), im Kern aber immer noch schlnak. Er ist nicht der große Kämpfer, sondern der naive Mensch / Jüngling, der in das große Spiel der Götter geworfen wurde. In seiner Art sehr überzeugend.
* Sieglinde: Hilde Konetzni singt mit sicherer Stimme und vollem Klang, der berühren kann.
* Mime: Auch Julius Patzak ist zum Glück kein geckiger Zwerg, sondern ein Mensch. Er singt den Mimen ungewöhnlich weich und lyrisch, sehr reflektiert. Das ist ungewöhnlich, aber ich finde es gut. Nie zuvor habe ich in den Eingangsszenen mit Siegfried so überzeugend gehört, dass Mime der ist, der sich über Jahre um Siegfried gekümmert hat.
* Hagen: von Josef Greindl sehr dunkel und kraftvoll, mit sauberen Linien gesungen. Starke Leistung, wenn auch mal einen Tick zu ostentativ kraftvoll, so dass der Mensch hinter dem Mythos des Siegfried-Killers zurücktritt.
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VINE-PRODUKTTESTERam 21. Dezember 2012
Vielleicht seufzen Sie als Leser gerade auf, nachdem Sie die Überschrift meiner Rezension gelesen haben, hält doch jeder gerade die von ihm gekaufte Aufnahme für die beste, nicht zuletzt, weil er für ihren Erwerb wieder einmal "bluten" musste.

Um mein Urteil einordnen zu können, darf ich deshalb kurz mitteilen, dass in meinem Plattenschrank, die Einspielungen von Böhm, Furtwängler (beide), Karajan, Krauss, Keilberth und Solti neben ein paar anderen stehen, die eher in der Zweiten Liga spielen und deshalb unerwähnt bleiben sollen. Die vorliegende Einspielung habe ich mir in einer gebrauchten Ausgabe zum Jahresende gegönnt, und ich war verblüfft. Bereits in dem ersten Band "Opera on Record" (Alan Blythe) wird der Knappertsbusch-Ring aus dem Jahre 1956 als eine der herausragenden Einspielungen überhaupt gewürdigt. Ich wollte es nur nicht glauben, weil dieser Dirigent gerade in England über seinen Schüler Reginald Goodall seine eigene Fangemeinde hat. Aber da habe ich mich getäuscht.

Das Herausragende dieser Aufnahme liegt in der Tat nicht allein in der Besetzung. Diese ist großartig (Brouwenstijn = Freia, Sieglinde, Gutrune; Greindl = Fasolt, Hunding, Hagen; Hotter = Wotan, Wanderer (wie immer groß, aber im Siegfried ab dem 2. Akt auch mit schwachen Stellen); Paul Kuen = Mime, Neidlinger = Alberich; Suthaus = Loge(!), Varnay = Brünnhilde und Windgassen = Siegmund und Siegfried(!)); aber zumindest die Aufnahmen von Krauss und Keilberth stehen, was den Leistungsstand dieser Sängerriege angeht, hier nicht nach (Böhm und Solti konnten großenteils auf dieselben Künstler nur zu einem späteren Zeitpunkt zugreifen, begeistern aber ebenso). Es ist vor allem das Dirigat von Knappertsbusch, das den Hörer vom ersten Akkord des Rheingoldes an gefangen nimmt. Dabei zelebriert Knappertsbusch - entgegen seinem Ruf - nicht langsame Tempi als solche, sondern besticht durch eine sehr individuelle, expressive Ausdeutung der Musik Wagners. Wer in diesen Ring einmal hineinhören kann, sollte dies beim Vorspiel zum ersten Akt der Walküre oder beim Beginn des zweiten Aktes der Götterdämmerung tun. Der Effekt ist schwer zu beschreiben, aber Rhythmus, Artikulation und Durchhörbarkeit verschaffen ein zT. völlig neues und zudem gut durchhörbares Hörerlebnis. Wie verständlich dabei die Sänger selbst sind, verblüfft immer wieder. Die Interpretation steht völlig ungebrochen in der ursprünglichen Tradition Wagners. Nie wird auf vordergründige Effekte gesetzt, sondern auf die Ensemble-Leistung; sonst wären die Sänger auch nicht so gut zu verstehen. Vor allem zeigt sich Knappertsbusch an Stellen wie dem Wotan-Monolog im zweiten Akt der Walküre oder Waltrauten-Erzählung (beeindruckend Elisabeth Schärtel) der intellektuellen Seite Wagners gewachsen, weil er die inhaltliche Botschaft zumindest neben der Musik hervorarbeitet und damit gelten lässt.

Für mich war in der letzten Zeit der Krauss-Ring wegen des überragenden Ensembles das Maß aller Dinge. Krauss dirigiert aber nicht so genial, persönlich und packend wie Knappertsbusch. Hier wird dem Hörer ein Erlebnis bereitet, das an die bekannte Parsifal-Aufnahme unter demselben Dirigenten erinnert. Nicht jeder Einsatz sitzt perfekt, aber am Ende steht eine sehr persönliche Interpretation, die man aus 100 anderen in einem positiven Sinne sofort heraushört. Vergleicht man das hier Gebotene schließlich mit den neueren Blu-Ray-Aufnahmen aus Barcelona und der Met, kommen einem fast die Tränen: Diese Aufführung hat den ganzen Bühnenfirlefanz nicht nötig, weil sie diesem ohnehin die Schau stehlen würde. Mir ist unverständlich, wie Knappertsbusch, der ja nur ein Mindestmaß an Proben abhielt, Sänger und Orchester auf eine so individuelle Bahn bringen konnte. Sei's drum: Das Ergebnis war ein großer Erfolg, und lässt sich im besten Sinne des Wortes "hören".
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am 31. Dezember 2013
Legendäre Aufnahme des Rings von Furtwängler fürs italienische Radio (RAI) von 1953. Neben der Live-Aufnahme 1950 aus der Scala di Milano, immer noch musikalisch gültig und unerreicht. Hervorragendes Sänger-Ensemble. Natürlich nur in Mono ( Sehr, sehr schade, daß man Furtwängler nicht in Stereo bekommen kann ). Klang- und Aufnahmetechnisch erstaunlich gut, wenn man bedenkt, daß noch wesentliche Aufnahmetechnik nicht vorhanden war.
Gehört in jede Sammlung.
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am 25. Februar 2005
Dieser Aufnahme fehlt die Optik. Ohne Harry Kupfers kluge und wunderbar spielerische Inszenierung in Hans Schavernochs faszinierenden Bühnenbildern sind die Rollengestaltungen fast durchwegs seltsam flach und zu nahe dem Klischee. Dass diese Einspielung trotzdem zu empfehlen ist, geht vor allem auf das Konto von Daniel Barenboim Er legt mit einer wunderbar durchsichtigen Streicherstrukturierung, die dabei ständig sozusagen „auf Zug" ist, also Spannung hält und über ritardando und crescendo immer die Führung im Orchester hat, eine dynamische nie einbrechende Basis auf der Holz- und Blechbläser allen Platz für ebenso feines, delikates und imponierend kraftvolles Spiel finden. Der Tempowechsel macht Wirkung und die daraus resultierende Dynamik ist überwältigend.
Zu den Sängerinnen und Sängern: Hier dominieren die phonstarken tiefen Stimmen und das kann beim Ring viel Freude machen. Thomlinson, Kang, Hölle, Brinkmann und von Kannen haben mächtig was zu bieten und halten sich auch nicht zurück. Das klingt an manchen Stellen ein wenig nach Kräftemessen, und das ist nicht immer einleuchtend und passend.
Die Tenöre sind kaum leiser. Jerusalem singt einen tadellosen Siegfried und ist damit im Katalog einer der wenigen. Schöne besinnliche Momente im Wald, der nötige Nachdruck wenn Siegfried seinem Klischee entsprechen muß, stimmlich nicht wirklich ein Rollenportrait, trotzdem eine saubere Arbeit und nicht so lässig beiläufig wie Windgassen. Elming singt einen heißblütigen, im Widerstand unermüdlichen Siegmund mit einem etwas scharfen Timbre und ohne die Leidensdimension eines Vickers. Dem Jubel über Graham Clark's Loge/Mime kann ich mich nur anschließen, wenn ich Stolze oder Zednik vergesse. Und das kann ich nicht. Die beiden haben sehr viel differenziertere tiefenpsychologische Portraits gesungen.
Die Damen Secunde, Evans, Maier etc. wirken gegen die lautstarken Männer „schwächer", tatsächlich sind sie durchwegs facettenreicher und das macht Freude und ihre Rollen auch wesentlich lebendiger. Eine Brünnhilde muss nicht immer eine Nilsson-Stimme haben.
Insgesamt beeindruckend, dieser Ring, aber auch der Beweis, dass die überzeugende Zeichnung eines Charakters im sensiblen, vielschichtigen Einsatz der Stimme beginnt und nicht allein Regie und Bühne überlassen werden soll.
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am 31. Dezember 2002
Nach dem gefeierten "Jahrhundertring" von 1976 war es in Bayreuth vor allem der Regisseur Harry Kupfer, der mit der 2. Ring-Produktion in den 80er Jahren Kritiker und Publikum aufhorchen ließ. In der Bayreuther Inszenierungsgeschichte wirkte diese Aufführung eigentlich genauso neu und radikal wie der "Jahrhundertring". Da fragt sich der geneigte Wagnerfan natürlich, ob es denn gutgehen kann, ausgerechnet diese Produktion als Audio-CD ohne Bild zu genießen?
Was die Orchesterarbeit betrifft, sorgt vor allem Dirigent Daniel Barenboim für (überwiegend positive) Überraschungen: Immer wieder gelingt es ihm, sehr dichte und fast magische Klänge aus dem Graben zu zaubern, immer die Einheit des Klangkörpers im Blick, weniger die Einzelteile des Ganzen. Von der Boulez-Interpretation ist er dabei ebenso weit entfernt wie von seinem Bayreuther Vorgänger Solti, der die 16 Stunden des "Rings" eher als Aneinanderreihung effektbetonter Orchestertutti mit unwichtigen Zwischentönen sah denn als dramatisches Gesamtkunstwerk. Leider entgleitet Barenboim zuweilen die Führung der Solisten, was angesichts eher durchschnittlicher Tempi schon irgendwie peinlich wirkt.
Ein vielbeklagtes Phänomen der letzten 20 Jahre ist der "Tenormangel", gerade im Wagnerfach. Umso erstaunlicher, daß ausgerechnet die beiden Partien Siegmund und Siegfried mit Poul Elming und Siegfried Jerusalem hervorragend besetzt sind. Beide überzeugen, wobei letzterer - gerade im Vergleich zu seinen Studioaufnahmen - ein wenig zu viel mit der Kraft haushalten muß. Graham Clark als Loge und Mime, vom Stimmmaterial her gerade zu Jerusalem sehr kontrastierend leicht, läßt den Ruf nach neuen Tenören vollends verstummen.
Ansonsten erscheint die Besetzung vielfach unglücklich: John Tomlinson als Wotan ist an der Grenze zur Fehlbesetzung (man vergleiche ihn als überragenden Hagen in der Haitink-Einspielung!), seine Stimme klingt tonlos, metallisch und angestrengt, er kämpft (aussichtslos) mit den hohen Tönen. Einzig die gute Tiefe und Deklamation kann man ihm zugutehalten. Anne Evans ist als Brünnhilde mindestens zwei Nummern zu leicht besetzt und geht passagenweise sogar richtig unter. Die restliche Besetzung bleibt überwiegend unauffällig mit der Tendenz zum Mittelmaß, einzig Günter von Kannen als dämonischer Alberich, Matthias Hölle als Hagen und Waltraud Meier als stimmgewaltige Waltraute stechen ein wenig hervor.
Technisch geht die CD in Ordnung - das Orchester klingt sehr einheitlich, wuchtig und präsent, teilweise aber schlecht durchhörbar. Einzelne Lautstärkeverhältnisse sind teilweise etwas verschoben, was es gerade den "leichteren" Solisten schwer macht, über das Orchester herüberzutönen.
Daß ich die Aufnahme nicht uneingeschränkt empfehlen kann, liegt vor allem an der parallel verfügbaren Videoaufnahme derselben Produktion, wo die Schwächen ungleich weniger vorhanden sind. Da haben plötzlich Anne Evans und Siegfried Jerusalem keine Konditionsprobleme mehr (wen wundert es, die Akte wurden einzeln aufgenommen), Barenboim hat das Orchester besser im Griff, und vor allem machen die düsteren, von spärlichen Lichtstimmungen und postmodernen Minimalkulissen bestimmten Bühnenbilder Harry Kupfers sowie seine geniale Personenregie plötzlich zusammen mit Barenboims magischen Klängen den Reiz dieses Rings aus. Der Preisvorteil zugunsten der Videoausgabe macht die Entscheidung relativ leicht, eine DVD liegt leider nicht vor.
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am 23. April 2003
Die vorliegende Aufnahme sticht besonders durch die gute Orchesterarbeit hervor. Daniel Barenboim wählt mittlere Tempi im Vergleich zu seinen Kollegen. Wenn man den Boulez-Ring gewohnt ist, wird man hier verwundert feststellen, dass er wesentlich langsamer ist.
Aber auch die Sänger sind in Hochform. Allen voran Waltraud Meier als Waltraut und Siegfried Jerusalem als Siegfried. Aber auch Graham Clark ist sehr ausdrucksstark, wie ich ihn auch schon in Bayreuth erlebt habe. Gleiches gilt auch für Philip Kang. John Tomlinson ist in der Höhe etwas schwach, aber ausdrucksstark, was diesen Nachteil wieder aufhebt. Anne Evans als Brünnhilde ist etwas schwach besetzt, was man vor allem bei ihrem Schlussgesang in der Götterdämmerung merkt.
Alles in allem kann man sagen, dass es sich um eine lohnende Investition handelt, obwohl die Aufnahme nicht billig ist, was aber für Barenboim-Aufnahmen normal ist. Eine Aufnahme, die in einer Wagnersammlung nicht fehlen sollte.
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am 17. Februar 2004
Dieser Ring ist sehr sehr gut. barenboim dirigiert serieus und
gefühlvoll. Die Sänger sind áuch sehr gut. John Tomlinson ist einer der besten Wotansänger. Siegfried Jerusalem singt seinen Namensvetter mit viel Ausdruck und Wärme. Lediglich etwas schwach Anne Evans als Brünnhilde. Doch der Star dieser Aufnahme ist ohne Zweifel der einmalige Graham Clark als Loge und Mime im "Siegfried"! Großartig und meisterhaft gesungen.
Die anderen Sänger wie z.B P. Kang als Hagen überzeugen ebenfalls!
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am 21. Dezember 2013
Vielleicht historisch interessant. Auf jedenfall kein Hörgenuss. Krächzt und knarzt wie eine alte Platte, die Stimmen sind schrill und scharf, die Orchestermusik unbalanciert, das Beiheft bar jeglicher Information, die Aufmachung (Schachtel) großartig und vielversprechend - aber geschenkt bei dem Inhalt! Wer kein spezielles Interesse an historischen Aufnahmen hat sollte lieber greifen zum Solti-Ring, Karajan-Ring und/ oder dem neuen (kommenden) Ring von Gergiev. Seine "Walküre" ist berückend und vielversprechend.
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am 19. März 2001
Der "Ring der Nibelungen" handelt schlicht und einfach von der Geschichte der Welt. Er beginnt mit ihrer Entstehung und endet mit ihrem Untergang. Dazwischen liegt alles menschliche wie wir es täglich erleben: Machtbesessenheit, Besitzgier, Intrigen, Zerfall der Weltordnung. Nicht zuletzt desshalb ist der "Ring" heute noch so aktuell. Könnte er nicht genau für unsere derzeitige Welt, in welcher Werteverfall, Konkurrenz und Amüsement um jeden Preis, am besten auf Kosten anderer,vorherrschen geschrieben sein? So zieht der "Ring" die einzige mögliche Konsequenz: Der Untergang der Welt ist unausweichlich. Doch das Bemerkenswerte ist das was nach dem Untergang folgt: eine Chance auf eine neue, bessere Welt in welcher Menschlichkeit und Liebe vorherrschen
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