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am 17. Juni 2012
Rezension zum Nokia N9

Meine vorherigen Handys waren Nokia E65 und das N900. Einen Vergleich zu Android oder iPhone kann ich also nicht bieten.

Warum habe ich mich für dieses Gerät entschieden: Zunächst mal finde ich einfach, dass Linux als freies System rockt. Und MeeGo ist (neben Openmoko) das offenste System was zu haben ist. Allein das ist mir einen Hunderter wert.

Weiter ist es mir wichtig, dass ich selber verfügen kann, was für Software auf meinem Gerät läuft, auch dass möglichst nachvollziehbar ist das das Gerät und Programme nicht "nach Hause telefonieren" und Daten von mir ausplaudern.

Drittens ist mir bewußt geworden, dass sich auf solchen Geräten ganz schön viele Daten ansammeln, die wichtig und wertvoll sind: Kontaktdaten, Mails, Fotos, Dokumente. Meine Erfahrung ist, dass nur auf quelloffenen Systemen Daten wirklich langfristig nutzbar sind - zum Beispiel kann ich ein technisches Dokument, das ich vor 18 Jahren mit LaTeX in einer Fremdsprache geschrieben habe, heute noch mühelos öffnen oder auf einem modernen Drucker ausgeben, was mit Windows nicht möglich wäre.

Zu meinen Erfahrungen mit dem N900, ich war sehr begeistert davon, aber ich muss zugeben dass es ein Nerd-Gerät ist, das wohl Alltagstauglich ist sicher aber weniger praktisch zu handhaben als etwa ein iPhone.
Als im Alltag manchmal unpraktisch erwiesen sich die Akkulaufzeit, der hohe Stromverbrauch mancher Programme (Mail und WiFi) und die bi niedrigem Akkustand langsame und im Extremfall unzeverlässige Reaktion des resistiven Displays. Doch nun zum Nachfolger.

Das N9 ist in dieser Hinsicht eine ganz andere Klasse. Äußerlich ist es sehr schick und modern. Ich glaube, es käme auch gut mit einer Handtasche als Habitat zurecht. In der Bedienung ist es wohl eines der besten Handys was auf dem Markt ist. Da ist nichts nerdiges oder umständliches mehr dran - es ist _fast_ ein wenig zu glatt.

Aber ich fange mal von vorn an: Das N9 benutzt eine Micro-SIM Karte also mußte ich erst mal beim Handyshop vorbei wo man mir meine Prepaid SIM nett auf dieses Format zustanzte.

Beim ersten Starten muss man dann Uhrzeit / Zeitzone und Sprache eingeben. Also, ich war schon etwas irritiert dass man weder einen Rechner-Namen vergeben noch ein Root-Password einklickern muss..

Dann kommt ein Tutorial welches einem die Bedienung erklärt und auch gleich üben läßt. Ich habe zwar etwas Wurstfinger aber nach etwas Üben ging das ganz gut. Das Öffnen mehrerer Programme, umschalten und Schließen klappt genauso schnell wie auf meinem Laptop.
Das Einrichten der Konten war mühelos. dabei ist mir noch mal bewußt gewurden wie viele private Informationen da zusammen kommen: Bei mir sind es Google Talk, Skype, Twitter, Mail, das Account für den Nokia Shop sowie (als extra App) LiveJournal. Damit besitzt so ein Smartphone praktisch alle Schlüssel zur digitalen Identität.

Die whazapp (WhatsApp) fürs N9 kann man ja als kostenlose Open Source Version von SourceForge runterladen. Ich habe mich aber dagegen entschieden, nachdem ich beim Blick ins Forum festgestellt habe, dass diese App tatsächlich die ganzen Mailkontakte an die Hersteller von whatsApp übermittelt und somit meinen sozialen Graphen saugt. Das finde ich inakzeptabel. Meiner Meinung nach ist dass zuviel sensible Informationen, wenn heute schon geplant wird solche Daten zB zur Bewertung der Kreditwürdigkeit zu nutzen. Außerdem habe ich ja dazu auch kein Einverständnis von meinen Bekannten.

Und schließlich kann ich ja auch zB meine Skype-Kontakte manuell auf dem Handy mit meinen Telefonbuch zusammenführen, warum also so ein Abgriff?

Die sonstige Installation ging völlig problemlos - alles zentral in einem Konfigurationsprogramm das man durchgehen kann. An der Geschwindigkeit gibt es für mich nichts zu bemäkeln.

Was ich sehr ansprechend finde sind die Notifications auf der Homescreen wo man zB neue SMS, Mails und die Twitter-Timeline angezeigt bekommt. Das ist sehr gut gelungen, es läuft absolut flüssig egal wie viele Apps man offen hat. Man kann einstellen, wieviel Information bei gelocktem Display zu sehen ist. Und man kann auf Nachrichten direkt antworten.

Und das ist ein Punkt, den ich bei diesem Handy deutlich hervorheben möchte: Es ist auf die Kommunikation mit Leuten optimiert und integriert diese unglaublich gut.

Dann wollte das Handy sich erst mal updaten, was dank Flatrate ebenfalls Problemlos ging. Der restliche Bericht bezieht sich also auf MeeGo 1.2 (Harmattan).

Was etwas hakelig war, war die Einrichtung des W-Lans. Ich habe es erst mit WPA2 / prehared Key probiert und das ging nicht - authentification failure. Eine kurze Suche mit Google brachte dann die Lösung, es statt dessen mit WAP EAP type und Push-Button Methode zu probieren. Das ging dann. Kein großes Problem aber etwas nervig schon.

Das Synchronisieren der Kontakte und Termine von meinem altem Handy über Bluetooth ging völlig problemlos. Damit gibt es auch eine wesentlich einfachere Backup-Möglichkeit als als die überaus barocke Nokia PC Suite.

Sehr schön finde ich die Möglichkeit, jedem Kontakt einen eigenen Klingelton zuzuordnen, was beim N900 nicht ging.

Das GPS in verbindung mit den Offline-Karten von Nokia habe ich auf dem Weg zum Einkaufen getestet. Es ist im Vergleich zum N900 das manchmal halbe Ewigkeiten brauchte um sich einzunorden, sehr schnell und genau, ich habe keine Abweichung von mehr als 15 Metern gesehen.

Erst mal lernen mußte ich die Texteingabe mit Swype. Ich bin ja immer Fan einer Hardware-Tastatur gewesen. Die normale Bildschirmtastatur finde ich nicht ganz so gut weil ich eben leichte Wurstfinger habe und mich öfter mal vertippe. Swype kann man aktivieren, indem man nach entsprechenden Settings die Tastatur zur Seite wischt. Das funktioniert so, dass man mit einem Finger die Buchstaben die man haben möchte im Zickzack abfährt, für einen Großbuchstaben geht man kurz nach oben.
Im Gegensatz zur virtuellen Tastatur muss das jedoch nicht so genau sein und Swype erkennt trotzdem fast immer das richtige Wort, oder bietet es als Alternative an. Unbekannte Wörter kann das Programm "lernen". Mit ein wenig Übung geht das sehr schnell und macht auch Spaß. Es ist auch, das muss man eingestehen, für normalen Text und einer Eingabe mit dem Zeigefinger und das Handy in der Hand haltend, schneller als die Tastatureingabe wo man beide Hände braucht und mit dem Daumen tippt.

Also insgesamt eine beindruckend gut gemachte Kombination von Mustererkennung und Worterkennung.

Nun zu den Apps. Standardmäßig ist der Nokia Shop eingestellt und man kann sich die kostenlosen Apps filtern. Die Menge reicht jedenfalls für eine vielstündige Installationsorgie - bitte vorher ausreichend Pizza bestellen.

Als wichtig haben sich meiner Erfahrung mit dem N900 nach Funktionen zum Akku-Monitoring erwiesen, weil man lernen muss welche Programme zuviel Energie saugen. Dafür gibt es beim N9 zwei Programme, das eine zeigt den Füllzustand und ermöglicht es, den Power Save Modus einzuschalten. Das andere listet die aktuellen Top Energieverbraucher - sehr praktisch.

Zu den Apps kann man sagen dass es auch für das N9 mittlerweile alles Mögliche und Unmögliche gibt, von der Bible App und simsendem Babyphone bis zur Boobs Gallery.

Nach meinen Erfahrungen sind die Apps am nützlichsten die

- schnelle allgemeine Informationsbeschaffung erlauben
- Unterwegs und auf Reisen nützlich sind
- es ermöglichen eigene Information zu sammeln und zu organisieren

Um einen Einblick zu erlauben, hier einfach mal die Liste die bei mir Gnade gefunden hat:

(die eingebauten / mitgelieferten mit * markiert)

Eingebaut:

*User Guide
*Notizen
*Nokia Store

Grundfunktionen
---------------
*Telefon
*Webbrowser
*Suche
*Kontakte
*Mailprogramm
*Uhr
*Kalender
Call Recorder

Foto / Medien
-------------
*Kamera
*Bildbetrachter, Medienplayer

Netzwerk & Web
--------------
*Twitter
*Facebook :-P
*Skype
*YouTube
LiveJournal

Information
-----------
Wikipedia-Client - gut gemacht!
Wettermeldungen (AccuWeather)
QR-Code-Scanner
RSS-Feed-Reader

Unterwegs
---------
*Ovi Maps & GPS
Flight Mode
Bahn-Fahrplan
Kompaß
Taxiverzeichnis

Utilities
---------
Battery State / Usage
ToDo-Liste
Stop Watch
Wifi-Hotspot
Screenshot
SafeBox (Verschlüsselte Speicherung)
Reboot Button
Nachtuhr mit großer LED Anzeige
Webserver, mit dem man password-gesichert von jedem PC mit einem beliebigem Browser Daten abrufen kann (geht aber komfortabler mit SSH Daemon und Linux Datei-Manager oder WinSCP)

Geek Stuff
----------
Wissenschaftlicher Taschenrechner
Unix-Terminal (FingerTerm, was es ermöglicht kryptische Sonderzeichenfolgen wie ":(){:&:;};:" einzugeben)
Editoren: MeeTxtEdit, nano, vi
NFC Corkboard (liest und bearbeitet NFC
Tags in einer Art Pinwand)

Die zwei Apps, die ich vom N900 kenne und am bisher vermisse, sind:

- Mappero - das ist ein Kartenprogram das auf OpenStreetMap aufsetzt und Karten in hohen Auflösungen anhand einer vorher berechneten Route laden kann. Die OpenStreetMap Karten sind, besonders im Gelände und auf Wanderwegen, _wesentlich_ Detaillierter als die Ovi Karten.

Nachtrag: Mit CloudGPS gibt es einen sehr schicken OpenStreepMap / OpenCycleMap Client.

- Zim Desktop Wiki - Das ist ein kleines persönliches Wiki, welches angelegte Seiten im Textformat mit Wikisyntax speichert.
Das Programm gibt es auch zB für Ubuntu und man kann Seiten mühelos mit einem Versionskontrollsystem wie Mercurial oder git synchronisieren und verwalten.

Immerhin ist ein Port von Conboy (ein Clone vom Ubuntu Tomboy) für Harmattan in der Mache.

- Noch nicht installiert habe ich Evopedia, das ist ein Wikipedia Offline Reader. Mal sehen ob ich dazu komme.

Zusätzlich gibt es die Nokia Link Software, die man sich wohl sparen kann, da ihr Mehrwert nach einhelliger Forenmeinung gleich Null ist. An seine Daten und Backups kommt man ja problemlos über USB im Massenspeicher-Modus heran - auch einer der großen Vorteile eines offenen Systems mit transparenten Linux-Dateistrukturen.

Nach alldem war ich ein bißchen enttäuscht - das Gerät fühlt sich wie ein tolles und äußerst einfach benutzbares Smartphone an, aber den "Geek Feel" des N900 hat es erst einmal nicht. Man sieht eigentlich nichts davon, dass es ein Linux-Gerät ist!
Um an den Linux Unterbau heranzukommen, muss man zwei Dinge tun: Ein Terminal installieren - ich habe FingerTerm ausgewählt, das eine große Bildschirmtastatur im Hintergrund anzeigt.
Für den Zugang von außen findet man im Nokia Store einen SSH Server.
Außerdem muss man bei den Settings den Developer Mode aktivieren. Ist das geschehen, so kann man im Terminal "devel-su " angeben, Password "rootme" und man ist root. Nun kann man zB mit

"apt-get install python"

Software installieren genau wie bei Debian oder Ubuntu. Wenn man als root "passwd user" eingibt, kann man mühelos einen ssh-Zugang via WLan etablieren und zB eigene Python Programme kopieren - mit anderen Worten, man hat ein vollwertiges Linux-System, das einem Laptop in der Geschwindigkeit wenig nachsteht. Der Zuriff über ssh ist auch ein super bequemer Weg um übers WLAN an die Dateien auf dem Handy zu kommen, wenn das Handy z.B. die IP-Adresse 192.168.97.3 hat, tippt man einfach im Linux-Dateibrowser "sftp://user@192.168.97.3/" und gibt dann das oben vergebene Password ein - schon hat man seinen Netzwerkordner offen.

Zum Development Kit, welches einen Zugang über VNC benutzt, kann ich nichts sagen, ich werde aus Zeitgründen nicht dazu kommen, es zu testen. Was aber gerade für Programmieranfänger interessant sein könnte:

Auf dem N9 laufen ARM-Binaries von Programmen in Go, die z.B auf einem Ubuntu-System compiliert wurden, anstandslos. Go ist eine schlanke, hoch produktive Sprache, mit der es großen Spaß macht zu arbeiten.

Als den "schlimmsten" Kritikpunkt sehe ich das hakelige WiFi Setup an. Nachtrag: Weiter ist mir aufgefallen, dass bei den Messages manchmal Kontakte als doppelt angezeigt werden (hängt vielleicht mit Klingeltönen zusammen), und dass der Audioplayer manchmal verschwindet wenn ich über Bluetooth Musik höre und ihn in den Hintergrund wische.

Meine Wunschliste an die MeeGo-Entwickler und Nokia:

- Mailclient mit Unterverzeichnissen und PGP Verschlüsselung wie claws-mail

- Ich fände immer noch eine Hardware-Tastatur toll. Vielleicht eine Docking-Tastatur wo man das Handy reinstecken kann.

Ausserdem fände ich eine bessere Integration mit Debian gut sowie einen stärkeren Datenschutz mit Verschlüsselung wichtiger Daten und einer Rechteverwaltung, welche den Zugriff von Apps auf Daten wie Adressbücher oder Fotos restriktiver regelt. Nachtrag: Wie ich inzwischen herausgefunden habe, wird "Application Security" so umgesetzt, dass "private" Daten von Applikationen mit einem kryptographischen Dateisystem namens aegisfs gespeichert werden - andere Applikationen können diese nicht sehen. Hier bietet der Linux-Unterbau noch eine Menge Möglichkeiten, zu denen die GUI keinen Zugang gibt, wie Verschlüsselung von Dateien (ccrypt) oder Verzeichnissen (encfs).

Zur Akkulaufzeit (Nachtrag): Die hängt natürlich wie immer stark von der Nutzung ab. Der zweite wichtige Faktor ist natürlich die Qualität der Software, die ungenutzte Komponenten der Hardware automatisch abschalten muss und im Hintergrund keine Endlosschleifen ausführen darf. Bei mir reichen ca. 60 % der Akkuladung für einen langen Arbeitstag und zwei bis drei Stunden Surfen. Auch bei intensiver Nutzung komme ich auf eine Nutzungsdauer von ca. 24 Stunden, wenn ich nebenher zum Beispiel arbeite. Bei geringer Nutzung reicht der Akku locker für zwei Tage, und zwar ohne dass man ständig neu starten oder Programme beenden muss - die Programme verhalten sich alle brav.

Somit würde ich sagen, dass dieses Gerät geignet ist für:

- Leute die ein besonders schickes Phone haben möchten mit dem sie sich ein klein wenig von den iPhone-Nutzern abheben möchten.

- Anfänger, die zum ersten Mal ein Smartphone haben und in erster Linie telefonieren und Netzwerke wie Twitter und Skype integriert benutzen wollen.

- Fans offener Systeme.

- Leute wie zB Anwälte oder Journalisten, die gesteigerten Wert auf ihre Privatsphäre legen (müssen).

- Leute die gerne mit ganz wenig Aufwand ihr Handy programmieren möchten.

Zum Schluß noch eine Bemerkung zu dem angeblich toten System, das bei näherem Hinsehen ziemlich munter ist. Ob Nokia sein Engagement für MeeGo weiter führt ist nun bekanntlich fraglich, was angesichts des beachtlichen Erfolgs des N9 ja auch ein wenig irrational ist.

Natürlich würde ich es sehr begrüßen, wenn der Nokia-Aufsichtsrat seine Geschäftspolitik mal überdenkt. Die Vorgänge erinnern ja irgendwie an südamerikanische Bananenrepubliken welche an strategisch wichtigen Landengen liegen.

Andererseits aber ist MeeGo Harmattan vor allem eine (super gemachte) Benutzeroberfläche für ein Grundsystem, welches durchgängig auf Open Source basiert und somit selbst bei einer feindlichen Übernahme von Nokia nicht platt gemacht werden kann. Für die Vorläuferversion Maemo gibt es mittlerweile eigene Community-Builds. Es gibt auch beispielsweise bei DSL-Routern oder Settop-Boxen zahlreiche Fälle, wo die Community mit
freier Firmware die Funktionen eines Gerätes wesentlich weiter entwickelt hat, wie FreeWRT und Alt-F.

Von daher denke ich, dass MeeGo durchaus länger Bestand haben könnte als Nokia.
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am 21. Februar 2014
Zunächst: ich bin kein Experte für Smartphones und Computer. Was ich schreibe sind die Eindrücke eines wenig Technikaffinen Benutzers. Für das N9 gibt es hier bei Amazon eine sehr lange und, wie ich finde, sehr gute Rezension von einem offensichtlichen Experten. Meine Rezension soll die irrationalen Larifari-Aspekte abdecken.

Für dieses Smartphone habe ich mich vor allem aus sentimentalen Gründen entschieden: das letzte unabhängige Nokia, und das einzige, das das moribunde Nokia-eigene Betriebssystem Meego bekommen hat, bevor Windows einzog. Ein Vanitas-Handy, ein Memento-Mori Spielzeug. Hinzu kommt ein vages Bedürfnis, meine diversen Daten zu streuen, anstatt sie bei nur einer Datenkrake zu konzentrieren. Meine Daten möchte ich weder Apple noch Google geben, also ist ein System, das von seiner eigenen Mutter (Nokia) ausgesetzt wurde, aus Datenschutzgründen bestimmt nicht die schlechteste Wahl.

Aber zunächst zum Äußeren: es sieht sehr edel aus, liegt angenehm schwer in der Hand. So eine Liebe zum Detail. Das Glas ist an den Rändern ein wenig gebogen, sodass der Übergang Display-Gehäuse fließend ist. Da der Körper aus einem Stück gefertigt ist und der Akku fest verbaut ist, hat das Gerät überhaupt keine Möglichkeit, irgendwo zu knarzen. Die Farben sind angenehm farbig und das Schwarz des Hintergrundes ist angenehm schwarz.

Zum Inneren: Meego ist wieder eines dieser Beispiele für Sachen in dieser Welt, die fantastisch sind, aber trotzdem scheitern, indes mindertaugliche Konkurrenten sich durchsetzen. Mit Android kann ich umgehen. iOS ist so intuitiv, dass ich damit überhaupt nicht zurechtkomme. Meego durchschaut man nach drei Minuten und wundert sich dann, wie es überhaupt anders sein könnte. Ein wirklich sehr gelungenes Betriebssystem. Und das Auge swiped definitiv mit.

Die App-Situation ist bei diesem toten Ecosystem natürlich sosolala. So wie ich verstehe wurde das N9 in "Schlüsselmärkten" wie USA, Großbritannien und Deutschland gar nicht erst offiziell verkauft, da man die neuen Lumia-Windows-Modelle nicht gefährden wollte. So kam das Gerät anscheinend vor allem auf "sekundären Märkten" heraus, GUS, Naher Osten und Lateinamerika. Wenn man sich die Bewertungen der Apps ansieht, so sind diese entweder auf Russisch, Arabisch oder Spanisch, mit ein paar Indisch-Englischen Einschüben. Auffällig ist auch, wie viele Koran-Apps es gibt.

Zum Glück sind schon viele nützliche Programme vorinstalliert. Die Hälfte davon habe ich wieder gelöscht. Leider kann man Twitbook nicht löschen - mit der Zeit werde ich mir die Expertise aneignen, um auch diese zu eliminieren, aber das dauert noch. Schade, dass es nicht einfach so geht.

Wer ein schönes und hochwertiges Handy sucht, liegt hier gut. Wer mit Apps nichts anfangen kann, auch. Es ist ein blockfreies Handy: Neue Apps werden für Android oder iOS geschrieben. Meego ist tot. Natürlich lebt es in Sailfish OS weiter, aber das ist eine andere Geschichte. Wer gerne daddelt und Apps herunterlädt, sollte sich was anderes suchen. Jenseits von Apps ist das Gerät aber fantastisch: gute Kamera, guter Musikplayer, gutes Betriebssystem, exzellente Verarbeitung. Am wichtigsten für mich aber ist, dass meine Bewegungen und mein sozialer Graph nicht schon ab Werk bei amerikanischen Großkonzernen landen. Das macht das Nokia N9 zu einem wirklich besonderen Gerät, das mir hoffentlich lange erhalten bleiben wird.
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am 5. Mai 2013
Ich habe schon einige Smartphones getestet (Danke an Amazon für die Umtauschmöglichkeiten!) und bei Bekannten erleben dürfen. Meine Familie haben alle Samsung. Android und Symbian ist nicht mein Fall. Ich laufe nicht gerne an einer Leine. Genervt hatte mich am meisten die ständige Anmelderei bei allen Diensten, der Abgriff meiner persönlichen Daten und Kontakte. Der angefressene Apfel ist noch schlimmer und mir das Geld nicht wert.

Und als ich alle Rezensionen von Nokia N9 gelesen hatte war mir klar: auch testen. Und was geschrieben wurde, werde ich nicht noch mal wiederholen. Das Handy ist top. Die beigelgte Schutzhülle sucht seinesgleichen - sie liegt wie eine 2. Haut um das Handy. Das Wackeln der Tasten, wie in anderen Rezensionen beschrieben, wird durch die Schutzhülle unterbunden. Da klappert gar nichts mehr - also die Entwickler haben sich was dabei gedacht. Hut ab!

Hervorzuheben ist noch die absolut gelungene Navigation - auch Offline.
Das App Swype zum Erstellen der SMS ist der Hammer.
Die W-LAN Anbindung funktionierte auf Anhieb und wenn ich außerhalb unterwegs bin nutze ich die Anbindung über meinen Provider. Positiv hierbei: schließe ich das Internet geht die Verbindung automatisch aus. Klasse!

Einziger Kritikpunkt, der mich wirklich sehr nervt, ist die Tatsache, dass die Schrift der (einkommenden) SMS nicht vergrößert dargestellt werden kann. Gerade bei diesem Modell, dass für Kommunikation prädestiniert ist und ein 3,9 Zoll-Display besitzt, demnach genug Flächhe zur Darstellung hat, ist mir das unbegreiflich. Hat da jemand eine Abhilfe? Habe keine Lust mein Gerät zu tweaken. Eine Notiz kann ich in der Größe der Schrift fast zur Unendlichkeit für Blinde erstellen. Wieso das?

Positive überrascht hat mich eine Anbindung per Bluetooth und/oder USB und WIN 7 mit Nokia Link, Nokia Suite und Nokia PC Suite (mehrere SMS schreiben ist für mich tagtäglich unerlässlich und funktioniert tadellos). Negativ überrascht hat mich die Tatsache, daß kein Programm in der Lage ist, mein Handy mit Nokias eigener App-Store zu befüllen. Von den angegebenen 16 GB verbleiben knapp die Hälfte - somit nur ein Bruchteil. Schade.

Aber ich kann alle Rezensenten hier verstehen, die das Gerät als DAS Handy schlechthin bezeichnen und es ist schön, daß es noch Menschen gibt die Qualität von Kommerz unterscheiden können und dies auch so wollen. Alles funktioniert ineinandergreifend, was Hardware und Software angeht. Es ist nicht perfekt, aber die kleinen Mängel kann ich getrost verschmerzen. Dass das Handy zu diesem Zeitpunkt nicht mehr State of the Art ist, stört mich absolut nicht. Aussehen und die Software auf Basis von Linux (allein das ist schon super) macht es auf lange Zeit noch einzigartig. Nokias Lumia 800 ist (Windows Phone-Software sei dank) bei weitem kein vergleichbares Handy. Verstehen muss ich Nokia mit der N9-Strategie ja wohl nicht.

Nachtrag Okt. 2013 Das Handy zeigt noch immer keinerlei Mängel, weder in der Bedienung noch in der Ausführung. Interessanter Weise kann ich neuerdings über Nokia Link, Nokia Suite oder Nokia PC Suite keine SMS mehr über meine Computer absetzen (weder BT noch über USB-Kabel). Wohl aber alles Andere und Termine mit Outlook synchronisieren. Eine Tastatur kann ich als Vielschreiber per Bluetooth einbinden, funktioniert aber nicht so wie gewünscht. Also Weiterswypen...

Nachtrag Apr. 2014 Muß nochmal nachlegen, da ich immer noch begeistert bin. Habe mittlerweile noch ein nagelneues 64 GB-Modell über Ebay ersteigern können, weil ich Musik bis zur Vergasung höre. Habe mir noch die App runter geladen, um mit dem Lautstärkeknopf die Kamera auslösen zu können. Sehr praktisch, mutiert das Handy somit zu einem echten Kameraersatz.

Zu Whatsapp möchte ich auch noch mal was loswerden: Hat eigentlich schon mal jemand bemerkt, das es für fast alle Handyverträge ab 20 Euro eine SMS-Flat gibt? Frag ich nur mal so - es scheint niemanden zu stören, das Whatsapp sich schon BEIM HERUNTERLADEN auf das Handy sämtliche Kontaktdaten abgreift. Mich würde das stören. Und seit dieser Woche gehört Whatsapp zu Facebook. Da frag ich mich, was da noch so gehen wird...Natürlich hält sich Zuckerbergs Mannschaft an die vom Gericht auferlegte Datenschutzklausel, ist ja wohl klar.

Und gerade auch deswegen, kann ich jedem, der noch auf der Suche nach einem stabil laufendem Handy ist (das tatsächlich mit einer Hand bedient werden kann!), dieses Teil empfehlen. Für App-Junkies gibts dann die anderen Geräte. Auch gut - keine Frage, halt nur nicht N9. Und auf Grund von 5-Sterne-Rezensionen im Jahr 2014 kann ich nur hoffen, daß es noch lange genügend Geräte gibt.
"Grilly 21" schrieb im Febr. 2012 in seiner Rezension:" wenn man dann wieder ein anderes Handy nutzt kommt man sich irgendwie um Lichtjahre zurückversetzt vor." Er trifft den Nagel auf den Kopf.
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am 8. Juli 2013
Ich besitze das Nokia N9 jetzt seit einer Woche und muss sagen, es ist einfach klasse! Die Verarbeitung ist super, die drei Seitentasten sitzen perfekt und das Smartphone selbst ist ein richtiger "Hingucker". Die knackigen Farben des AMOLED-Displays sind super.

Da dies mein erstes Smartphone ist, kann ich keinen Vergleich zu Apple- oder Android-Produkten geben. Aber ich empfinde die Steuerung des N9 über Wischgesten als absolut gelungen und habe mich damit sehr schnell anfreunden können. Die Menüs und Einstellungen sind sehr übersichtlich und immer schnell zu erreichen. Auch zwei Jahre nach der offiziellen Vorstellung des N9 ist es damit immer noch auf der Höhe der Zeit. Evtl. gibt es Telefone mit besserer Kamera, aber die im N9 eingebaute ist für fixe Schnappschüsse allemal geeignet.

Echtes Multitasking ist mit dem N9 perfekt möglich: Es können gleichzeitig mehrere Programme gestartet werden und mit nur zwei "Wisch-Gesten" kann man sofort sehen, welche Software gerade geöffnet ist, andere Programme starten, Einstellungen tätigen, etc. Das geht auch wirklich flüssig, mit nur sehr geringen oder fast gar keinen Wartezeiten.

Die im App-Store von Nokia verfügbaren Apps sind für meine Ansprüche absolut ausreichend - es werden bereits viele Bedürfnisse mit kostenlosen Apps erfüllt, es lohnt sich, hier mal vorbeizuschauen. Bereits vor dem Kauf des Smartphones kann man online schauen, was es alles gibt. Eine Killeranwendung ist natürlich die Nokia Navigationssoftware (schon vorinstalliert), die ohne laufende Internetverbindung funktioniert (man muss sich nur einen Nokia-Account einrichten, benötigt diesen aber später nicht nocheinmal).

Das N9 wird mit der aktuellsten Version des Nokia MeeGo Betriebssystems MeeGo PR1.3 ausgeliefert.

Der Kauf des N9 hat sich für mich auch wegen des günstigen Preises (derzeit 227Euro) wirklich gelohnt und ich bin sehr zufrieden. Einziger Wermutstropfen: Wenn man im Internet nach Hilfe sucht, landet man mitunter schnell auf englischen Seiten (Ausnahmen bestätigen die Regel), da MeeGo nicht mehr aktiv von Nokia weiterentwickelt wird. Dies ist für mich aber kein Nachteil und mindert die Qualität dieses genialen Telefons nicht.

Nachtrag 1: Nur um nichts falsch zu verstehen - Natürlich sind alle Menüpunkte im Handy deutsch, wenn man es richtig einstellt.
Nachtrag 2: Nach ein paar Wochen ist mir aufgefallen, dass man Kartenmaterial auch über die Nokia Suite installieren kann. Klasse!
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am 26. Mai 2012
Auch ich war an Smartphones schon lang interessiert und habe die rasante Entwicklung der Hardware und der Plattformen lang verfolgt, konnte mich aber auch lang nicht für ein Modell entscheiden. Vor 2 Monaten habe ich dann das exotische Nokia N9 (64 GB) gekauft und bereue dies bislang nicht.

Gestalterisch ist Nokia mit dem N9 eine selten schöne und wertige Kombination von Produktdesign und Betriebssystem gelungen. Körperlich gefällt ein genau richtiges Maß zwischen Länge, Breite, Höhe und Gewicht, das schlichte Gehäuse mit dem soliden OLED Display und die insgesamt sehr hochwertig wirkende Verarbeitung. Das Gerät liegt besser in der Hand und in der Hosen- oder Hemdtasche als Samsungs S II oder das noch größere S III. Der Purismus der Hardware passt besonders stimmig zu dem schlichten Swipe-Bedienkonzept des MeeGo Harmattan Softwarekonzepts. Wunderschön und funktionell ist etwa die Uhrzeitanzeige in großzügigen, klassisch-modernen Ziffern auf dem Display im Ruhezustand. Aber auch die App-Grafiken im Start-Screen wirken im Rahmen des Gehäusedesigns absolut harmonisch. Nokia erreichte hier eine gestalterische Höhe wie BRAUN mit den klassischen Geräten des Designers Dieter Rams und übertrumpft hiermit sogar das ebenfalls schöne Apple Produktdesign, da dieses inzwischen, in der 4. iPhone-Generation, doch etwas verbraucht wirkt.

Nokia fand das Hardwaredesign denn auch als Verpackung für MS Windows Phone 7.5 - Lumia 800 und 900 - erhaltenswert. Hier wirkt aber das OS prompt nicht mehr so sehr aus einem Stück mit dem Gehäuse.

Das OS MeeGo Harmattan mit seinem Swipe-Konzept läuft stabil, ist verblüffend einfach zu begreifen und zu bedienen. Anwendungen installieren, deinstallieren, starten, beenden, zwischen mehreren wechseln, all dies funzt so gut etwa wie bei einem PC mit ubuntu/gnome desktop. Wie bei anderen Linux-Distributionen ist es hier vorteilhaft, dass ahnungslose User (wie ich) ein idiotensicheres UI mit allen möglichen Anwendungen vorfinden, Kenner & Könner aber zugleich über das Terminal (und sogar am Gerät selbst mit der bloßen Software-Tastatur) beliebig eingreifen und programmieren können.

Harmattan bringt auch alles Wesentliche an Anwendungen mit. Maps ermöglicht Navigation auch offline anhand gespeicherter Kartendaten und funktioniert im Ausland somit ohne Roaming-Kosten bestens - ein wesentlicher Vorteil gegenüber Google Maps (wobei Google demnächst ebenfalls offline Navigation verbessern will). Das Ziel wählt man hier allerdings besser über die Karte aus. Textlich eingegebene Adressen werden zumeist nicht erkannt.

Zahlreiche Drittanbieter - etwa für Taxi-Bestellung - bieten Apps für iPhone und Android, aber freilich nie für Harmattan. Auch WhatsApp, das sich als Kommunikationsstandard durchgesetzt hat, ist leider für Harmattan bislang nur in einem beta-Abklatsch verfügbar. All dies ist natürlich nachteilig.

Google-Dienste, für welche Android (zB mit Samsung Galaxy Nexus oder S II oder III) optimiert ist, gehen über den Nokia N9 Browser ebenfalls nicht oder nur ansatzweise. Google-Konten lassen sich am N9 auch nur umständlich synchronisieren (Kalender per Cal-DAV getrennt von Mail nur über Mail for Exchange). Google-Freaks fahren also mit einem Android-Smartphone besser.

Nokia ist bekanntlich 2011 mit Microsoft den Pakt eingegangen, seine Smartphones vor allem mit Windows Phone zu vermarkten, um so dieses Betriebssystem neben iOS und Android in den Markt zu drücken, leider anscheinend mit der wettbewerbsbeschränkenden Nebenabrede, die eigene Softwareentwicklung und -vermarktung wie von Symbian und MeeGo Harmattan aufzugeben oder doch sehr einzuschränken. Wohl deshalb hat Nokia erst im Juni 2012 leider tausende Mitarbeiter entlassen. Gleichwohl scheint Windows Phone nicht so erfolgreich zu sein wie erhofft, während leider europäische Innovationen wie das OS Harmattan auf der Strecke bleiben. Immerhin hat Nokia erst Anfang Juli ein offizielles Update für Harmattan (auf PR 1.3) herausgegeben. Zugleich hat das frühere Entwickler-Kernteam für das N9 ein eigenes Startup Jolla.fi für ein Linux-Betriebssystem bekannt gegeben. Die weitere Entwicklung bleibt spannend.

Insgesamt gesehen - und obwohl Nokia leider Harmattan aufgegeben hat - erscheint aber das N9 nach wie vor den Kauf wert. Das N9 ist inzwischen selbst mit 64 GB für ca 350 - 400 EUR erhältlich und damit erheblich günstiger als ein iPhone 4. Ein Schnäppchen ist vielleicht bei amazon Warehouse Deals zu machen. Der Preis derselben Remittenten schwankt hier übrigens täglich um bis zu 30-40 EUR.

Die Akkuleistung des N9 ist wie bei allen Smartphones nicht allzu groß. Für Navigation im Auto sollte das N9 jedenfalls an der Auto-Stromversorgung angeschlossen sein. Ansonsten hängt der Stromverbrauch natürlich sehr von den Einstellungen ab. Schaltet man ständige Suche nach Internet-Verbindungen ab, hält der Akku locker 2-3 Tage durch.

Zum Lieferumfang des N9 gehört eine praktische Weichgummi-Hülle, die man dem Gerät meist anlassen will. Die Nokia-Handytasche CP-553 für das N9 ist daneben unbrauchbar, da das N9 mit der Hülle - und selbst ohne die Hülle kaum - hineinpasst.
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am 13. April 2012
Kurz stichpunktartig zur Geschichte dieses Smartphones:
- Vorgänger: Nokia N900, nicht das N8(!)
- das N900 und seine Vorgänger haben das Linux-OS Maemo
- seit dem N900 ist aber erst GSM/3G integriert
- 2010 schließen sich Intel und Nokia zusammen, um das OS mit Moblin zusammenzuschließen und in Meego aufgehen zu lassen
- Nokia entwickelt das N9, das OS dafür ist zum Teil Meego, zum Teil selbst in Anlehnung an Maemo weiterentwickelt, nennt sich aber dennoch Meego (Harmattan)
- Nokia stellt einen ehemaligen Microsoftmanager ein, der prompt entscheidet, Windows Phone (WP) in zukünftigen Geräten zu nutzen
- Nokia verabschiedet sich von Meego
- Nokia steht kurz vor der Markteinführung des ersten WP-Modells, als das N9 fertig wird
- das N9 wird aus Angst vor zu großem Erfolg nicht in Deutschland und weiteren Ländern verkauft, um die WP-Verkaufszahlen nicht zu beeinflussen
- Lumia 800/710 werden eingeführt als Kopie des N9 mit ein paar gestrichenen Hardwarefeatures (Frontkamera, NFC)
- offizielle Verkaufszahlen des N9 werden von Nokia komplett verschwiegen
- der Kern von Meego wird eventuell in zukünftigen Low-Cost-Modellen wiederverwendet (noch inoffiziell)

Zum N9:
Lieferumfang:
- Nokia N9
- USB-Kabel
- Steckernetzteil mit Anschluss für das USB-Kabel
- Schutzhülle

Verarbeitung:
Als meine Freundin das Handy in die Hand nahm, musste sie zuerst prüfen, ob die Tasten wirklich klappern. Wir haben nichts gehört. Das Gerät wirkt wie "aus einem Guss". Der Micro-USB-Anschluss wird durch eine Klappe verdeckt, die etwas dünn ist, aber dennoch stabil wirkt. Der Schacht für die Micro-SIM ist auch sehr dünn, hat aber beim Zurechtschneiden meiner SIM auch einiges aushalten müssen: ohne Folgeschäden.

Display:
Das Display hat vielleicht nicht die aktuellste Auflösung, ist aber auch gut in der Sonne zu lesen und die ClearBlack-Technologie fasziniert mich immer wieder. Schwarz ist wirklich schwarz und man sieht keinen Übergang zwischen Bildschirm und Handy. Von anderen kamen schon Kommentare wie: "Das sieht so künstlich aus" oder "Das sieht aus, wie aufgeklebt" (war beides eher positiv gemeint).

Akku:
Der Akku hält bei Wenignutzung (kein Internet) ca. 3-4 Tage, bei etwas Nutzung des Internets und Mailsync ca. 1,5 Tage, bei starker Nutzung (Spotify + BT-Kopfhörer + Sync) 1 Tag und bei Nutzung als Wifi-Hotspot ca. 0,3 Tage. Bis auf den letzten Anwendungsfall sind das passable Ergebnisse.

Geschwindigkeit:
Die CPU ist nicht die aktuellste, andere Android-Smartphones haben Dual- bzw. Quadcore-CPUs. Allerdings merkt man das dem System kaum an (s. Betriebssysteminformationen). Man merkt manchmal "Mikroruckler", die man aber in anderen Systemen genauso hat.

Empfang + Sprachqualität:
Der Empfang ist vergleichbar mit anderen aktuellen Handys. In der linken Hand gehalten, ändert sich auch nichts daran.
Hintergrundgeräusche werden beim Telefonieren gefiltert, z.B. das Rauschen des Autos des Gesprächspartners.

GPS:
Vergleichsgeräte: ein externes BT-GPS, N900, Eee Pad Transformer TF101
Das N9 liegt bei der GPS-Qualität auf gleicher Stufe mit dem N900, also zwischen TF101 und dem externen Gerät, hat aber noch einen Kompass mit drin, was sehr bei der
Orientierung - vor allem zu Fuß - hilft.

Kamera:
So eine gute Smartphonekamera hatte ich noch nie. Man kann sehr viele Einstellungen vornehmen, per Fingertipp den Focus auf ein Motiv festlegen und auch Gesichter erkennen lassen.
Fotoliebhaber sollten allerdings dann doch lieber zu einer richtigen Kamera greifen. Mit einer Kompaktkamera kann die N9-Kamera allerdings fast mithalten.

Lautsprecher (für Musik und Freisprechen):
Der ist... naja ok. Nokia-typisch sollte man das Smartphone auch wieder auf den Tisch legen, um einen besseren Klang zu haben. Umhauen tut das einen aber nicht.

NFC:
nette Spielerei für Entwickler wie mich, es fehlt aber noch an Einsatzgebieten.
Wer einen Play-360-Lautsprecher hat, der kann zur Verbindung nutzen. Einfach antippen, fertig.
Für Automatisierungsaufgaben werde ich eine App basteln, wenn ich mal Zeit habe
- z.B. Timer starten durch ein NFC-Tag am Kochbuch
- Profil ändern durch ein Tag an der Wohnungstür
- Programm durch Tag starten, usw.

Betriebssystem:
Der Kernpunkt der Rezension. Was soll ich nun von Meego halten. Es ist schwierig. Nein, eigentlich ist es nicht schwierig, denn bewerte ich das Betriebssystem selbst, kann ich nur klatschen und Nokia zum großen Wurf gratulieren.
Allein die Bedienung durch die Gesten auf dem Bildschirm sind sehr intuitiv und lassen das Handy auch bedienen, während man umherläuft. Dank des guten Displays wird sogar eine Uhr im Standby gezeigt, was bei Smartphones einmalig(?) ist. Apps starten sehr schnell (bis auf die Einstellungen, komischerweise) mit einem Wisch nach unten werden Apps geschlossen - ja, geschlossen(!), so wie man das gewohnt ist. Ich versteh die Beweggründe der anderen Systeme nicht, warum Apps erstmal geöffnet bleiben müssen, bis das OS entscheidet, wann sie verworfen werden. Liegt es am Problem der Startzeit? Dann sollte man die Apps mal besser programmieren, denn dass es auch mit einem Neustart schnell gehen kann, zeigt dieses Smartphone und die meisten dessen Apps. Auch Multitasking ist kein Argument, denn auch bei Meego kann man Anwendungen im Hintergrund geöffnet lassen, und das nicht zu knapp.
Die Bildschirmtastatur ist ok, Swype ist vorinstalliert, Wurstfinger sollte man allerdings nicht haben.
Vor dem Kauf bin ich die Apps meines Android-Tablets und des N900 durchgegangen und habe geschaut, welche der Apps keine Entsprechung auf dem N9 hätten. Heraus kam: Keine App, die nicht auch über eine Internetseite seine Daten liefert oder bloße Spielerei ist:
Nahverkehr und Züge: existiert
Spotify: existiert
Mail: existiert (integriert)
Exchange-Sync: existiert (integriert)
Facebook: existiert (integriert)
Twitter: existiert (integriert)
ICQ: existiert
Navi: existiert (sogar kostenlos und offline)
flickr: existiert
Radio: existiert (Aufpreis für RDS)
App für den integrierten FM-Transmitter: existiert noch nicht, ist aber nur Nice-To-Have
Metronom: existiert
Gitarrenstimmgerät: existiert
Geocaching-App: existiert
Tracking-App: existiert
Wetter: existiert (integriert)
Diebstahlschutz: existiert (integriert)
Dateibrowser: existiert
QR-Code-Scanner: existiert
Datenplanüberwachung: existiert
E-Reader: existiert
Stoppuhr: existiert
Batterieüberwachung: existiert
Taschenlampe: existiert
Firefox: existiert (sogar mit Flash-Unterstützung)
WiFi-Hotspot: existiert (integriert)
Feedreader: existiert

Auch wenn mir keine wichtigen Programme fehlen: Das Problem ist, dass Softwareentwickler kaum Anreiz haben, Apps für Meego zu programmieren, da das System eher ein Nischendasein erlebt. Andererseits erkennen auch ein paar Entwickler, dass gerade dadurch Marktlücken entstehen, die sie erfüllen können. Dennoch, bei Android macht es irgendwie Spaß, immermal im Markt nachzuforschen, was es neues gibt, beim Nokia Store sieht man teils ewig nix Neues. Hätte Nokia nie direkt gesagt, dass dieses OS tot ist, dann hätten sie auch locker mit WP7 + Meego Erfolg haben können. Leider hatten einige im Vorstand wohl Angst, dass Meego erfolgreicher wäre, was den Kopf der Entscheidungsträger gekostet hätte. Ich sage nichtmal, dass WP generell schlecht ist, ich finde es sogar teils besser als Android, aber im Vergleich zu Meego sähen beide auf dem aktuellen Stand schlecht aus.

Gründe, das N9 trotzdem zu kaufen:
- es fehlt nichts, es ist nur das ungute Gefühl, eine Leiche in der Hand zu halten
- die Community setzt ab und zu den Defibrillator mit 750V und 1,5 Ampere guten Nachrichten an (z.B. Flash-Support)
- eine Uhr im Standby
- ein superstabiles System
- (Steven Elop eins auswischen)
- die Hardware ist top
- man kann zur Not Android darauf installieren (alpha-Status, Garantieverlust)
22 Kommentare| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 23. Oktober 2012
Ich habe mir das Gerät gekauft, weil mich die Präsentation beeindruckt hat. Das mit dem Wischen fand ich sehr interessant.
Ich bereue den Kauf nicht.
Das Gerät ist schnell und lässt sich gut Bedienen. Die Oberfläche ist sehr übersichtlich. Die Bedienung mit dem Wischen ist wirklich sehr innovativ und einfach. Wenn ich ein Android-Smartphone in der Hand habe, rege ich mich immer darüber auf irgendwelche Knöpfe drücken zu müssen.
Das beiliegende Headset hat eine ausreichende Qualität. Selbst Wind wird oft ausgefiltert, außer er ist sehr stark.
Die vorinstallierte Software deckt schon vieles ab, aber was man im Internet noch findet wird wohl so ziemlich jeden Wunsch erfüllen. Bis jetzt habe ich jedenfalls alles gefunden was ich gesucht habe.
Nicht so gut ist die Akku-Laufzeit. Wenn man Bluetooth und UMTS ausschaltet (mir langt GSM zu 90 %) und weniger als 1 Stunde pro Tag telefoniert, langt die Ladezeit auch zwei Tage, aber für Vieltelefonierer ist es etwas schwieriger. Da muss das Gerät jeden Tag an den Strom.
Auf dem Gerät ist ein Handbuch installiert, das fast alles behandelt.
Was mir nicht gefallen hat ist, das ich selbst heraus finden musste wie man ein Programm direkt beendet: Man wischt es von oben nach unten. In der Anleitung habe ich es nicht gefunden.
Die Kamera ist sehr gut, aber im Halbdunkel werden die Bilder leider nicht so wie ich es mir wünschen würde.

Insgesamt kann ich das Gerät empfehlen. Wer nicht gerade ein Mainstream-Gerät mit iOS oder Android haben will sollte das Gerät zumindest in Erwägung ziehen. Auch mein Partner findet das Gerät in der Bedienung gut und ist nicht so der Elektronik-Experte.
11 Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 21. Mai 2012
Habe es jetzt seit 3 Wochen.
Kenne sowohl Android als auch iOS ganz gut (über das zum Mobil-OS aufgepimpte Excel-Gekachel hülle ich einen Mantel des Schweigens...): das Bedienkonzept ist einmalig! Intuitiv, elegant, schnell - schlicht großartig! Nokia ist hiermit der ganz große Wurf gelungen!
Die drei Homescreens sind genial durchdacht:
- eine hochkonfigurierbare Benachrichtigungsanzeige, die einem neue Mails, Aufgaben, Termine etc. präsentiert
- eine durch Ordner gut strukturierbare Programm-Ansicht
- geöffnete Programme (echtes Multitasking!)

Ein paar Hightlights:
+ großartige Kalender-App, perfekte Sync mit Google-Kalender!
+ vollwertige Navigation mit Sprachführung, Offline-Navi, ganz Europa
+ vollwertiger Dateibrowser
+ FLASH ;-)
+ Opera-Mobile, Firefox
+ Multitasking
+ Tethering
+ kristallklare Stereo-Sprachaufzeichnung (Diktiergeräte kann man sich sparen!)
+ Gerät wird als Massenspeicher erkannt, 65 Gig Speicher, wie externe Festplatte nutzbar!
+ überraschend gute Kamera!

Nicht so schön:
- Batterielaufzeit allenfalls befriedigend

Wichtig für alle, die das interessiert: mit Meego ist man vollständig Besitzer des Mobilgerätes, man braucht keine Zwangsaccounts von Google oder Apple. Sogar ein Root-Terminal lässt sich freischalten!

Fazit: Tolles Multifunktionsgerät, würde ich mir wieder kaufen.
Und: Nokia wäre mehr als dämlich, wenn die Meego nicht weiter nutzen würden...

Bei meinem Firmen-iPad stehe ich jetzt immer wischend und wundernd vor der Frage, warum Apple so umständlich ist ;-)
44 Kommentare| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 27. Oktober 2013
bin nach einer Android- Exkursion wieder zum N9 zurückgekehrt.
top verarbeitet, gutes Display, Meego ein sehr intuitives, zurückhaltendes OS,
läuft flüssig mit echtem multitasking.
wirklich schade dass Nokia die Entwicklung eingestellt hat.
nichts für app- junkies, aber ich habe alles gefunden was ich brauche.
inzwischen gibt es sogar Radio-apps. top Navi. NFC.
Vorsicht: die USB-Klappe ist ein mechanischer Schwachpunkt, verbiegt sich gern bei unachtsamer Handhabung.
was mir abgeht ist ein mechanischer Kameraauslöser.
würde Nokia auf dieser Basis weitermachen, sie hätten mich als Stammkunden.
So kann ich nur hoffen dass das Ding möglichst lange hält.
22 Kommentare| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 21. Mai 2012
Dieses Telefon ist mit der aktuellen Firmware (v30.2012) zweifellos eins der Besten auf dem Markt.
Es zeigt neben iOS (Apple) und Android (Google) eine feine, weitere Möglichkeit ein Mobiltelefon ansprechend und spaßbringend zu gestalten. Die anderen guten Rezensionen sprechen hier für sich.
Im Juni 2012 wird es laut Nokia ein neues SW-Update geben, dass weitere Funktionserweiterungen bringt.

Ein Punkt, der mich bisher davon abhielt dieses Telefon uneingeschränkt zu nutzen und weiter zu empfehlen, war jedoch die bisher fehlende Möglichkeit Nachrichten über das 'WhatsApp'-Netzwerk zu verschicken. WhatsApp ist cool! SMS oder MMS werden immer bedeutungsloser.

Die gute Nachricht: Seit Anfang Mai gibt es nun für das N9 die kostenlose App 'wazapp', die das Verschicken von Nachrichten über das WhatsApp-Netzwerk möglich macht. Und damit zu allen, die ebenfalls WhatsApp mit dem iPhone oder ihrem Android-Handy nutzen. Hier [...], oder hier [...] kann man es herunter laden.

Viel Spaß mit eurem N9!
Meines ist blau und hat 16GB! :-)
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