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am 17. März 2013
Es handelt sich um einen satirischen Roman, der bereits bei seiner Veröffentlichung die Kritiker gespalten hat. Für mich ist er ein Dokument aus dem untergehenden Kaiserreich vor dem 1. Weltkrieg. Heinrich Mann nimmt politisch Stellung, und stellt die Figur des Untertans als aufstrebenden, dümmlichen, aber erfolgreichen Kapitalisten dar. Sehr gut, wenn auch oft weitschweifend geschrieben und mit einem eindrucksvollen Ende.
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am 7. Januar 2017
Meine Rezension bezieht sich auf das Äußere der Taschenbuchversion von Der Untertan, nicht auf den Inhalt.

Die Schrift ist sehr klein. Die Buchstaben sind hell, das liegt das der Schriftart und der Qualität des Drucks.

Der Rand ist dafür besonders breit. Na ja, falls man das Buch in der Schule lesen muss, kann man was dran schreiben.

In der Leseprobe bei Amazon wird weder für dieses Taschenbuch noch für das gebundene Buch das richtige Buch angezeigt, sondern ein ganz anderes Buch.

Mein Buch hatte Lagerschäden.

In der Buchhandlung hätte ich das Buch nicht gekauft.
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TOP 500 REZENSENTam 2. September 2013
In meiner Jugend habe ich (männlich) sie gespürt: die gierigen Blicke gärender alter und junger Männer auf mir, während mein Interesse völlig normal bei Frauen liegt. Zeitlebens habe ich lediglich Indifferenz gespürt, diese Männer haben mir einzig nur eines getan: leid. Unendlich leid. Lästige Annäherungen, widerliche Abwehr. Der Preis von Schönheit sind u.a. Blicke, die sie Aschenbach, das Alter Ego von Thomas Mann, dem Jugendlichen hinterherwirft, seine Gier nur mit dem Preis des Todes beherrschen kann. Ich werde mich mit der schwülstigen Sprache Thomas Manns nie anfreunden können, so oft habe ich probiert, in seinem Werk mehr zu sehen, große Literatur gar, die man ihm doch zu schulden hätte. Über den Umweg der Stimme Matthias Brandts wollte ich es erneut angehen. Die Ergebnisse sind zwiespältig.

Habe versucht, den von Aschenbach bewunderten Jungen als Synonym für Schönheit, für Natur, für Sonne oder was auch immer zu sehen, ein perfektes Lächeln, Unschuld, der Traum von der eigenen Jugend. Zum ersten Mal habe ich diese Annäherungen irgendwie geahnt, ein Sehnen und Verlangen nach Kindheit, nach der gleichen frohen, verspielten Natur wie ihm, vielleicht hat Thomas Mann so etwas nicht gelebt. Obwohl die Stimme von Brandt hervorragend ist, ich kann nichts in dieser Novelle sehen außer Miss-Trauen zu sich selbst, ein Gefühl der Erstarrtheit zu allem, überlagert durch ein Liebesgefühl zum Äußeren, Hohlen. Liebe zur formellen Schönheit ist nichts, Menschwerdung über die Liebe zur Schönheit von Seelen alles. Die Art, wie Hesse z.B. in Peter Camenzind in die Seele des Krüppels eintaucht, der sein Freund wird, wie er die Schönheit der anderen Seele entdeckt, dies besticht durch Echtheit und Klarheit. Thomas Mann dagegen verharrt im Äußeren, unfähig, sich selbst und das Menschsein überhaupt in seiner Tiefe erkennen zu wollen.
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am 13. November 2014
Mit dieser höchsten literarischen Ansprüchen genügenden Novelle namens 'Der Tod in Venedig' bot und bietet Thomas Mann (1875-1955) dem Leser eine spannende Symbolgeschichte, die nicht nur mit kunstvoller Sprache atmosphärisch detailliert ausgemalt ist, sondern auch eine tiefsinnige, poetische Darstellung der entlegenen Ebene einer Verwandschaft zwischen Begehr und Tod enthält.
Der Protagonist dieser anno 1913 erschienenen Novelle ist die Figur des überfünfzigjährigen Dichters Gustav von Aschenbach, der als Künstler anerkannt und gar mit einem 'von' im Namen geadelt worden ist. Dieser Aschenbach reist zu wiederholtem Male eines Sommers nach Venedig, wo er in seinem vornehmen Hotel unter anderen Menschen eines vielleicht zwölfjährigen polnischen Knaben ansichtig wird, dessen Körpers Wohlgelungenheit ihn an hellenische, vollkommene Götterstatuen erinnert, hingegen des Knaben dreie Schwestern ihn nicht im Geringsten reizen. Aschenbach ist von der Form dieses noch nicht pubertierenden Kindes entzückt, fasziniert und gefällt sich in stiller, stets angsthaft beobachtender Huldigung. Angst empfindet er gegenständlich vor einem Entdeckt- und Abgewiesenwerden.
Die feine Figur des schönen Knaben symbolisiert das hohle Ideal einer vollkommenen Form, die jedoch noch ohne nennenswert gediehenen Inhalt ist. Immer wieder bedenkt der von der äußeren Erscheinung des Knaben hingerissene Aschenbach die Form so dichterisch-philosophisch, als sei sie etwas an sich Seiendes, etwas Wunderbares, ja: Göttliches: sie sei als Gottesgedanke die eine und reine Vollkommenheit. Oder: die einzige Form des Geistigen, die wir Menschen sinnlich empfangen und sinnlich ertragen könnten, sei die Schönheit. Aschenbach nennt seine Verfallenheit an diese schöne Form eine 'Sehnsucht' und sieht diese als "Erzeugnis mangelhafter Erkenntnis" an.
Von der fließenden Sehnsucht nach der Form findet Aschenbach eine stehende Formel der Sehnsucht, nämlich das Bekenntnis: "Ich liebe dich!" Dies denkt und empfindet Aschenbach, äußert es jedoch gegenüber niemandem.
Und dies beweist, dass der vornehm kultivierte, sinnlich suchende Dichter einem Irrtume aufsitzt: er nicht liebt, sondern begehrt und wertschätzt. Die Liebe weder begehrt noch wertet vergängliche Formen, sondern schaut, erkennt und umarmt das Innere: die Seele. Dies aber ist von dem begehrenden Aschenbach noch nicht erschlossen. So ist seine sinnliche Suche der schönen Form als des Vollendeten eine Suche ohne lebenden Inhalt, ohne Seele. Und der Begehr zu der Form hin wird von ihm als "Liebe" fehlgewertet. Diese wäre denn eine "Liebe" ohne innerlich einenden GEIST. Der Begehr sucht immer und stets einzig die Form und das Spielen mit ihr, denn geistiger Inhalt als die Form relativierend stört ihn nur. Die Liebe hingegen achtet nicht die Gestalt, sondern einzig das geistvolle Innere. Solche Liebe aber lebt in Aschenbach nicht.
Und so nennt denn auch der Name 'Tod' im Titel der Novelle nicht lediglich Aschenbachs Sterben in Venedig. Zwar stirbt er am Ende des erzählten Geschehens an der zu jener Zeit in Venedig grassierenden "Indischen Cholera", aber diese Notiz wird erst mit den letzten Worten des Textes lapidar, nahezu beiläufigen Tones nachgereicht. Nein, der 'Tod' nennt hier Aschenbachs angsthaften, lieblosen Begehr -- und ist mit diesem selbig, weil er etwas nur Äußerliches, nicht an sich Lebendes erstrebt, nämlich die vergängliche, letztlich tote Stoffgestalt eines von sich aus unbeteiligten Kindes, jedoch die Seele und mit ihr das LEBEN unbeachtet ausschließt.
In wunderschön gewählter, ja: zu Diamant geschliffener Sprache geleitet Thomas Mann den Leser durch Aschenbachs leidenschaftlichen Irrtum bis zum traumverlorenen Ende auf sanften, in das unendliche Meer hineinragenden Sandbänken am Ufer der zerrinnenden Welt; nachhaltig beeindruckt schließt der Leser das Buch, diese tote Form, um den tiefreichend belebten Bildern ergriffen-andächtig nachzusinnen.
22 Kommentare| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Wer kann heute beim Lesen dieser kleinen Erzählung ausblenden, dass Thomas Mann viel von sich in die Hauptfigur des Dr. Aschenbach hinein gelegt hat? Um nur zwei Punkte zu nennen: da ist zum einen die Sehnsucht sich von den Fesseln des Alltags zu befreien, das durstige Verlangen nach der Ferne, dem Neuen und Fremdartigen. Und zugleich die Angst, sich auf dies unbekannte Land einzulassen. Zum anderen lebt Thomas Mann in dieser Hauptfigur literarisch seine homoerotische Neigung aus, die er im Leben hinter seiner elegant-selbstbeherrschten, bürgerlich-würdigen Mauer verborgen hatte. Hier in dieser Geschichte darf er sich ungehemmt und exzessiv der rauschhaften, aber sehnsüchtig bleibenden Liebe zu einem wie es heißt „gottähnlich“-schönen 14 jährigen Knaben hingeben. Ein Zustand der blinden Raserei der selbstzerstörerisch sein kann und es in diesem Fall auch ist.

Aber interessant ist die Geschichte nicht wegen diesen autobiografischen Bezügen, sondern weil sie uns etwas über uns selbst erzählt. An der Hauptfigur spielt der Autor den Gegensatz von Ungebundenheit, Leidenschaft und rauschhaftem Zustand und unserer Rationalität und Gebundenheit in unseren Alltag durch. Es ist der Gegensatz zwischen einem Leben „mit geschlossener Faust“, also angestrengt-zielorientiert oder einem Leben, das entspannt nimmt, was begegnet. Ein Leben freien Genießens und gelassenen Hinnehmens unseres Schicksals.
Als Dr. Aschenbach Venedig erreicht, macht er mit dieser Macht des Schicksals in Gestalt des venezianischen Gondelführers Bekanntschaft: „es war das Klügste, den Dingen ihren Lauf zu lassen.“

Schließlich lesen wir in diesem Buch auch über den Umgang mit dem Schönen. Genießen wir das Schöne einfach nur um seiner selbst willen oder werden wir hingeführt zu etwas anderem? Bedient sich Gott nicht der Schönheit, um uns das Geistige schmackhaft zu machen. Ist Schönheit nur ein Weg oder Werkzeug in eine unbegreifliche Sphäre des Geistigen? Ist sie vielleicht ein Schimmer einer ganz anderen, transzendenten Sphäre?
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am 4. April 2017
Aus dem umfangreichen Œuvre von Heinrich Mann ist «Der Untertan», neben dem Hauptwerk mit den beiden grandiosen «Henry Quatre» Bänden, sein erfolgreichster Roman. Er wurde kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges vollendet, der Vorabdruck, unter anderem im Simplicissimus, fiel jedoch bald der Zensur zum Opfer, erst nach Kriegsende konnte er dann, und zwar gleich in erstaunlich hoher Auflage, veröffentlicht werden. In dieser berühmten Satire nimmt der Autor mit beißender Ironie die Wilhelminische Epoche aufs Korn, eine entlarvende Gesellschaftskritik jener Zeit des widerspruchslosen Obrigkeitsdenkens. Der Roman ist Zeitzeugnis und Lehrstück zugleich, er gehört zweifellos zum Kanon der deutschen Literatur und ist als unterhaltsamer Klassiker auch nach hundert Jahren noch eine empfehlenswerte Lektüre.

Diederich Heßling, Sohn eines Papierfabrikanten in der fiktiven preußischen Provinzstadt Netzig, markiger Student einer schlagenden Verbindung, promovierter Jurist, drückt sich nach seinem Studium erfolgreich um den ungeliebten Militärdienst und übernimmt nach dem Tod des Vaters die Fabrik. Wir erleben als Leser den Aufstieg des rücksichtslosen, aber feigen Opportunisten zu einem angesehenen bourgeoisen Patriarchen, der in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich ist, sich zudem als charakterloser Denunziant erweist. Mit seiner rigiden kaisertreuen Gesinnung jedoch gewinnt er schon bald die Sympathie der konservativen, nationalen Kräfte, macht sich andererseits die Liberalen und Sozialdemokraten zu politischen Feinden. Der unsympathische, ehrlose Protagonist ist tief in politische Ränkespiele mit wechselnden Partnern verstrickt, sucht aus seiner gesellschaftlichen Stellung stets einen materiellen Vorteil zu ziehen, ist durchaus auch korrumpierbar. Sein mit Orden geschmückter politischer Aufstieg findet bei der Einweihungsfeier für ein lang umkämpftes Kaiser Wilhelm Denkmal einen Höhepunkt, als während seiner Festrede ein Unwetter symbolträchtig die Honoratioren in die Flucht treibt, eine Vorahnung drohenden Unheils durch den von verblendeten Patrioten dringend herbeigesehnten Krieg. Auch im Privaten ist Heßling ein bösartiger Tyrann, der sich nicht scheut, beispielsweise dem Vater von Agnes, einer von ihm verführten Jugendfreundin, höhnisch entgegenzuhalten, seine Ehre lasse es nicht zu, ein solcherart «gefallenes» Mädchen zur Mutter seiner Kinder zu machen. Gleiches widerfährt ihm am Ende, nun allerdings mit umgekehrten Vorzeichen, als seine unverheiratete Schwester in genau derselben Situation ist. Seinen ansehnlichen Wohlstand erwirbt er durch reiche Heirat und vermehrt ihn trickreich mit dubiosen Aktiengeschäften, durch die er Andere ungerührt in den Ruin treibt.

Der Autor erzählt seine ereignisreiche Geschichte aus kritischer Distanz in einem sprachlich sehr gefälligen Stil, dem man natürlich die hundert Jahre anmerkt, die seit Erscheinen des Romans vergangen sind. Er karikiert den autoritätsgläubigen Untertanengeist der Epoche auf amüsante Art, sogar Bismarcks «Reichshund» wird da persifliert in einer köstlichen Szene. Ferner bedient er sich eines zahlreichen Figurenensembles, in dem archetypisch viele Charaktere treudeutscher Mannsbilder vertreten sind, vom erzkonservativen Regierungspräsidenten bis zum sozialistischen Werkmeister in Heßlings Fabrik, der später mit seiner heimlichen Hilfe sogar Abgeordneter des Reichstags wird, - alles aus Kalkül, wohlgemerkt.

Heinrich Mann, dessen Kontakte zu seinem deutschnationalen Bruder jahrelang abgebrochen waren, kritisiert in seinem Roman den rückwärts gewandten Ungeist der Bourgeoisie ebenso wie den heuchlerischen Nationalismus und den schnöden Materialismus der Sozialdemokraten. In einer symbolträchtigen Szene am Ende stirbt ein von Heßling in den Ruin getriebener politischer Gegner, Teilnehmer der Deutschen Revolution von 1848, beim völlig unerwartetem Anblick seines Kontrahenten, - der erscheint ihm nun in seiner Todesstunde geradezu als böser Geist.
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am 8. September 2016
Achtung: Rezension wird auch bei Thomas Mann - Der Tod in Venedig angezeigt (Fehler von Amazon). Diese Rezension bezieht sich auf Heinrich Mann - Der Untertan:

Der Untertan ist die Lebensgeschichte des obrigkeitshörigen und machthungrigen Opportunisten Diederich Hessling. Ehrlichkeit ist ihm ein Fremdwort, genauso Geradlinigkeit und Loyalität. Das einzige was zählt, ist der damals junge deutsche Kaiser Wilhelm II. Alle sozialen Beziehungen und alle Handlungen müssen sich seiner Kaiserverehrung unterordnen. Nur mit Lug und Trug schlägt er sich durch’s Leben. Und trotzdem geniesst er am Ende wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliche Anerkennung.

Das Buch gibt einen Einblick in die deutsche Gesellschaft zwischen 1890 und ca. 1900. Für geschichtlich Interessierte und Literaturbegeisterte ist es ein Gewinn, das Buch zur Hand zu nehmen. Vor allem ist es verblüffend, wie Heinrich Mann schonungslos Militarismus und Nationalismus, Antisemitismus und die Ideologie von der deutschen Herrenrasse benennt, und dabei die Vorboten des 1. Weltkriegs erkennt. Aber es ist auch ein kompliziertes Buch. Deshalb ist es für Leute, die kurzweilige Unterhaltung suchen, weniger gut geeignet. Wie auch ein anderer Rezensent bereits geschrieben hat, ist es eher langatmig und über weite Phasen ohne Spannung und roten Faden. Viele auftretende Personen und die politischen Diskussionen verlangen höchste Konzentration. 100 Seiten weniger wäre sicher ein Gewinn gewesen.

Während der erste Teil des Buchs Jugend und Studienzeit von Diederich Hessling beschreibt, konzentriert sich der zweite Teil auf dessen aufstrebende politische und wirtschaftliche Karriere.

Diederich Hessling ist Erbe einer Papierfabrik in der fiktiven, deutschen (preussischen) Provinzstadt Netzig. Sein Vater regierte in der Familie und gegenüber den Kindern mit autoritärer Strenge, und Heinrich Mann sieht hier wohl bereits die erste Ursache für den starken Opportunismus: es dem Vater unbedingt und immer wieder recht zu machen, Prügel zu vermeiden und Anerkennung zu ernten. Den Vater ersetzt Diederich später in grotesk erhöhter Form durch die wahre Macht im neuen deutschen Staate, nämlich durch den Kaiser. Vor dem Militär drückt er sich mit gesundheitlichen Ausreden, in der Burschenschaft gefällt er sich am liebsten als dienender Unterfuchs und seine eigene Meinung wechselt er schneller als der Wind sich dreht. Gegenüber Frauen entpuppt er sich als unehrlicher Herzensbrecher ohne zu seiner Liebe zu stehen, wenn diese Verbindung aus finanzieller Sicht unattraktiv erscheint. Ins Bild passt auch, dass er am Ende seine Schwester um Ihr Erbe betrügt.

Politisch steht er für die Verteidigung der hierarchischen und patriarchalischen Ordnung im Staat, in der Gesellschaft, in der Fabrik und in der Familie. Nicht Argumente gelten, sondern die Herkunft und der Status der Person. Anstelle von Fakten zählt die Gesinnung und der Freundeskreis (besser: die richtige Partei).

Der zweite Teil liest sich leichter, wenn man die geschichtlichen Hintergründe kennt. Zum Beispiel die französische Revolution 1789, die darauf aufbauende, aber gescheiterte deutsche Revolution 1848, dann die Reichsgründung 1871, die zusammen mit der Industrialisierung einen gewissen Wohlstand brachte, aber vor allem die Monarchie und den Glauben an die göttliche Ordnung bestärkte. Wenn man dann noch den Lohengrin von Wagner kennt, kann man die auseinanderklaffenden Interessen der im Buch auftretenden politischen Parteien besser begreifen. Im Zentrum stehen vier Parteien, die das Spektrum von der Kaiserverehrung bis zur Kaiserverachtung abdecken: Nationalisten und Liberale, Demokraten und Sozialisten.

Aber auch mit diesem Wissen wird das Buch nicht zum Pageturner. Dafür ist es in der zweiten Hälfte zu langatmig. Grosse Teile handeln hier davon, wie sich die Protagonisten einerseits ihre edle Gesinnung bekräftigen und andererseits versuchen, ihre jeweiligen Gegner zu verunglimpfen. Gerüchte und falsche Behauptungen sind dabei beliebte Mittel, die oft genug (am besten unter Versicherung grösster Vertraulichkeit) wiederholt, ihre gewünschte Wirkung entfalten. Sehr detailliert werden die politischen Debatten über das geplante Denkmal für Kaiser Wilhelm I., ein Säuglingsheim, ein Gewerkschaftshaus, den Orden für Diederich und über die Kandidatenwahl für den Reichstag beschrieben. Dabei kommen dann Bestechungsversuche, oberflächliche Koalitionen und auch tatsächliche Korruption zum Vorschein, wobei sich die nationalistische Seite schliesslich durchsetzt und die alte eher liberale Garde (eine Art intellektuelle Elite) abtreten muss. Dieses Geplänkel und Getratsche ist mit der Zeit ermüdend und man ist versucht, darüber hinwegzublättern, weil man sich das Ende bald selbst ausmalen kann. Aber wenn man dabei bleibt, und sich fehlendes Geschichtswissen parallel dazu erarbeitet, verstärkt sich die erzieherische Wirkung des Romans.

Dem Opportunisten Hessling gelingt es schliesslich als Mitläufer von der zunehmenden patriotischen Stimmung zu profitieren. Er unterstützt einerseits den Aufstieg der Nationalisten und ihrer Exponenten (z.B. Jadassohn, Zillich, Fritzsche, Wulckow) als auch den Abstieg der bisherigen gesellschaftlichen Führungsfiguren aus dem liberalen und demokratischen (vor allem Buck, Lauer, Cohn, Klüsing) sowie aus dem sozialistischen Lager (Fischer). Er selbst geht gesellschaftlich und wirtschaftlich gestärkt aus den politischen Auseinandersetzungen hervor.

Das Buch wurde 1913 vollendet, also kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, und Heinrich Mann beschreibt bereits ein politisches Klima, in dem dieser Krieg als wahrscheinlich, für manche sogar wünschenswert erschien, um den Deutschen ihren anscheinend gebührenden Platz in der Welt zu verschaffen.

Fazit: wertvoll, aber bei fehlendem Geschichtswissen mit einigem Aufwand verbunden (zum Glück gibt es Wikipedia).
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TOP 500 REZENSENTam 8. November 2016
Literaturkritik: Heinrich Mann wird als Sohn des Speditionskaufmanns und späteren Senators
Heinrich Mann und dessen Frau Julia (geb. Bruhns) in Lübeck geboren. Heinrich Mann war ein
deutscher Schriftsteller.
Dieser Roman ist brillant geschrieben. So einen Roman kann nur Heinrich Mann schreiben.
Von der ersten bis zur letzten Seite. Der Autor hat hier etwas ganz Besonderes zusammengefügt.
Vor allem, wie läuft das ab mit den Menschen untereinander. Das Buch ist nicht leicht zu lesen, aber
es lohnt sich. Was dabei auffällt ist, wie die heutige Zeit der damaligen Zeit sehr nahe kommt.
Der Untertan, egal in welcher Zeit, wie lebt und sich einfügt. Er ist dazu bereit mündig zu werden.
Dies ist ein zeitloses Werk und dazu meine Empfehlung........

Fünf Sterne für diesen großen Roman von Heinrich Mann.
Sollte zur Schullektüre zählen.
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am 16. Dezember 2016
Diese Textanalyse bietet zu wenig Hintergrundwissen über die geschichtlichen Ereignisse zwischen der französischen Revolution und dem deutschen Kaiserreich, welches 1871 gegründet wurde. Interessant wären Hinweise zur gescheiterten Revolution 1848, zur Rolle Preussens, zu den Hintergründen der Proklamation des deutschen Kaiserreichs und zum Ausbruch des Ersten Weltkrieg gewesen. Auch die Themen Nationalismus und Antisemitismus werden zu wenig ausgeleuchtet. Diese Entwicklungen gingen ja nahtlos über dann später in das dritte Reich von Hitler.
Wenn man diese Stichworte in Wikipedia nachliest, hat man mehr davon, als die Lektüre der Königs Erläuterungen zum Untertan.
Hilfreich ist natürlich die Zusammenfassung des gesamten Inhalts auf wenigen Seiten, und die Auflistung beziehungsweise die Zusammenhänge der handelnden Personen. Dies erleichtert den Überblick gewaltig. Besonders gut gefallen haben mir die Hinweise auf andere Bücher, die zu dieser Zeit geschrieben wurden.
Ich hoffe, jetzt wird klar, dass ich dem Schulalter schon eine Weile entwachsen bin. Aber für Schüler, die sich auf den Unterricht oder das Abitur vorbereiten wollen, ist das Buch sicherlich sehr hilfreich (Musteraufgaben mit Lösungen sind ja dabei). Und alle anderen, die sich eine kleine Zusatzausgabe gut leisten können, sollen sich durch meine Kritik nicht abschrecken lassen. Das Büchlein ist hilfreich, aber ich hätte ein bisschen mehr Tiefgang erwartet.
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am 12. Juni 2016
Sehr gutes Buch. Hat meiner Tochter im Deutsch Unterricht 12. klasse bei der Interpretation wesentlich geholfen. Unbedingt weiter zu empfehlen.
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