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am 1. Mai 2015
Stephane Hessels kleine Streitschrift ist ein wunderbares Plädoyer für mehr politisches und gesellschaftliches Engagement der jüngeren Generation - basierend auf und ausgelöst durch eine berechtigte Empörung gegen bestehende Missstände. Da der Autor selber viel für seine Ideale riskiert hat, genießt sein Aufruf für mich ungeinschränkte Glaubwürdigkeit und Authentizität.

Hessel betont zurecht, dass Frieden, Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern immer wieder aufs Neue verteidigt werden müssen - auch wenn wenn deren Feinde im Laufe der Zeit doch immer wieder gewechselt haben. Ein stillschweigendes Dulden von Missständen ist somit keine Option, sondern vielmehr ein mutiges Engagement zur Verteidigung der freiheitlichen Errungenschaften ist geboten.
Da es noch nie so viele Partizipationsmöglichkeiten wie in der heutigen Zeit gab, darf oder sollte jeder Bürger für sich selber entscheiden können, was der für ihn richtige Weg des Engagements und des Widerstands gegen Missstände darstellt - es bedarf also wirklich keiner Tipps und Anweisungen des Autors. Gerade diese Entscheidungsfreiheit ist doch ein Kern der bürgerlichen Freiheit.

Ich verstehe diese kleine Streitschrift somit als reinen Weckruf und als Plädoyer für mehr politisches und gesellschaftliches Engagement. Es liegt an jedem Einzelnen, was er aus seiner Empörung macht.
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am 26. August 2013
Der kürzlich verstorbene Stephane Hessel hat hiermit eine kleine Streitschrift vorgelegt, die auf die Vielzahl von Ungerechtigkeiten und Unzulänglichkeiten in unserer modernen Welt abstellt und zum Widerstand aufruft. Hoffentlich wird der Inhalt von PArteien und auch von Medien zur Kenntnis genommen!
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am 23. Dezember 2012
Das Buch enthält einen kurzen aber enorm bewegenden Text. Wer noch immer nicht weis, was hier nicht stimmt oder was er tun soll; lies dieses Buch! Empöt euch!
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TOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 26. März 2014
Stéphane Frédéric Hessel war ein französischer Résistance-Kämpfer. Er überlebte die Folter durch die Nazis, das Konzentrationslagers Buchenwald und war als Sekretär Mitglied der UN-Menschenrechtskommission. Sein Leben lang kämpfte er gegen Soziale Ungerechtigkeit, er hatte miterlebt, was passiert, wenn gierige Eliten die Macht an sich reißen. Die Résistance wollte verhindern, dass so etwas jemals wieder passieren sollte. 2010 wurde ihm immer klarer, dass die neue Weltordnung, die neuen Machteliten, das, wofür er uns sein Mitstreiter gekämpft hatten und ihr Leben gelaasen hatten, mit Füßen treten und demontieren: Den Sozialstaat.

Wofür Kämpfte die Résistance damals?

»die Rückgabe der großen monopolisierten Produktionsmittel, der Früchte gemeinsamer Arbeit, der Energiequellen, der Bodenschätze, der Versicherungsgesellschaften und der Großbanken an die Nation«; »die Errichtung einer echten wirtschaftlichen und sozialen Demokratie unter Ausschaltung des Einflusses der großen im Wirtschafts- und Finanzbereich bestehenden privaten Herrschaftsdomänen auf die Gestaltung der Wirtschaft«. Das Gemeinwohl sollte über dem Interesse des Einzelnen stehen, die gerechte Verteilung des in der Arbeitswelt geschaffenen Wohlstandes über der Macht des Geldes. »Eine rationelle Wirtschaftsverfassung, in der die Individualinteressen dem Allgemeininteresse untergeordnet sind, ohne Diktatur der Sachzwänge nach dem Vorbild faschistischer Staaten« – dies als Auftrag an die provisorische Regierung der Republik.
Eine echte Demokratie braucht eine unabhängige Presse. Die Résistance wusste es, forderte sie, trat ein für »die Freiheit der Presse, ihre Ehre und ihre Unabhängigkeit gegenüber dem Staat, der Macht des Geldes und den Einflüssen aus dem Ausland.« Das wurde bereits ab 1944 in den Presseverordnungen umgesetzt. Und genau dies ist heute in Frage gestellt.

DAS schrieb der mittlerweile verstorbene Autor 2010 und damals, war es noch nicht so schlimm wie die Situation 2014! Mittlerweile hat auch das Bundesverfassungsgericht bestätigt, dass die Politik zu viel Einfluss auf die öffentlich rechtlichen Sender nimmt. Mittlerweile ist vielen Bürgern klar geworden, dass man sie erneut manipuliert, um eine kleine Elite noch reicher zu machen. Mittlerweile kristallisiert sich immer mehr heraus, wer die Strippenzieher sind.

„Man wagt uns zu sagen, der Staat könne die Kosten dieser sozialen Errungenschaften nicht mehr tragen. Aber wie kann heute das Geld dafür fehlen, da doch der Wohlstand so viel größer ist als zur Zeit der Befreiung, als Europa in Trümmern lag? Doch nur deshalb, weil die Macht des Geldes – die so sehr von der Résistance bekämpft wurde – niemals so groß, so anmaßend, so egoistisch war wie heute, mit Lobbyisten bis in die höchsten Ränge des Staates. In vielen Schaltstellen der wieder privatisierten Geldinstitute sitzen Bonibanker und Gewinnmaximierer, die sich keinen Deut ums Gemeinwohl scheren. Noch nie war der Abstand zwischen den Ärmsten und den Reichsten so groß. Noch nie war der Tanz um das goldene Kalb – Geld, Konkurrenz – so entfesselt.“

Hartz IV und das deutsche Austeritätsregime in Europa treten Artikel 22 der UN Menschenrechtscharte mit Füßen: „Und Artikel 22: »Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuss der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.«“

Er hat ja sooooooooooo recht. Aber diese Haltung ist derzeitig politisch nicht mehr korrekt. Genauso wie seine Kritik an Israel „Dass Juden Kriegsverbrechen begehen können, ist unerträglich. Leider kennt die Geschichte nicht viele Beispiele von Völkern, die aus ihrer Geschichte lernen.“ Deutsche Journalisten wurden für solche Meinungsäußerungen als antisemitische Verschwörungstheoretiker noch 2012 diskreditiert und teils entlassen.

Hört auf dem Mann, er hat Recht! Er ist einer der wenigen, die diese Muster erkennen, weil sie sie bereits einmal erlebt und bekämpft haben. „Das im Westen herrschende materialistische Maximierungsdenken hat die Welt in eine Krise gestürzt, aus der wir uns befreien müssen. Wir müssen radikal mit dem Rausch des »Immer noch mehr« brechen, in dem die Finanzwelt, aber auch Wissenschaft und Technik die Flucht nach vorn angetreten haben. Es ist höchste Zeit, dass Ethik, Gerechtigkeit, nachhaltiges Gleichgewicht unsere Anliegen werden. Denn uns drohen schwerste Gefahren, die dem Abenteuer Mensch auf einem für uns unbewohnbar werdenden Planeten ein Ende setzen könnten.“
„Nein, die Bedrohung ist nicht ganz gebannt. Und so rufen wir weiterhin auf zu »einem wirklichen, friedlichen Aufstand gegen die Massenkommunikationsmittel, die unserer Jugend keine andere Perspektive bieten als den Massenkonsum, die Verachtung der Schwächsten und der Kultur, den allgemeinen Gedächtnisschwund und die maßlose Konkurrenz aller gegen alle.«“

Dieses Büchlein ist wichtig. Es ist direkt und bringt bereits 2010 alles das auf den Tisch, ungeschönt und in wenigen Worten, was jetzt, 4 Jahre später langsam auch in die Köpfe der nicht so kritischen Menschen sickert. Hoffentlich ist es nicht bereits zu spät.

Wenn der Inhalt nicht so wichtig wäre, nicht von einem Mann geschrieben wäre, der aufgrund seines Hintergrundes wissen muss, was er da sagt, würde ich das Büchlein maximal als Leseprobe bezeichnen. 30 Seiten, davon 50% Vorwort, Nachwort und Fußnoten, so manche Leseprobe ist länger und umfangreicher. Aber in diesen restlichen Seiten ist kaum ein überflüssiges Wort, direkt in wenigen Worten bringt er das Problem auf den Punkt. Trotzdem ist das wohl noch immer zu viel Text, als dass unsere Politiker genug Konzentration aufbringen würden, selbst diese wenigen Seiten zu lesen.

Es gibt diesen kurzen Essay auch als ARTE Sendungen, wo jeder Satz mit vielen aktuellen Beispielen und Bildern unterlegt ist. (Youtube: bUKm5ZOyNuk)
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am 16. Oktober 2015
Das Buch von Stephane Hessel, so akzeptabel es auch in seiner Absicht ist, ist aber nicht in erster Linie an die Menschen aller Länder gerichtet, sondern eigentlich nur an seine französischen Landsleute. Dies muß bei der Lektüre bedacht werden, weil manche Gedankengänge zwar nachvollziehbar, aber nicht global adaptierbar sind.

Ganz knapp formuliert, ist diese Schrift ein Ausdruck eines "Sich-geprellt-fühlens". Denn wofür hat man als junger Mann im Widerstand gekämpft, wenn der besiegt geglaubte Feind am Ende doch die Oberhand gewinnt? Ob erst nach 65 Jahren und im anderen Gewand ist dabei nebensächlich. Entscheidend ist vielmehr, daß die Werte, wofür die Widerstandsbewegung mit Geist und letztendlich auch mit dem Leben einstand, doch noch verdrängt werden können. Und genau das will Hessel nicht hinnehmen, dafür will er seinen "Kopf nicht hingehalten haben". Will heißen: Widerstand ist keine historische Episode für den schulischen Geschichtsunterricht, sondern eine ständige Aufgabe.

Denn wer die "Resistance" zur geschichtlich eingrenzbaren Kampfaktion gegenüber fremdstaatlicher Annexion reduziert, verkennt, laut Hessel, den sozial-ethischen Impuls dieser Bewegung. Zwar galt es vordergründig, die Nazis aus Frankreich wieder zu vertreiben, doch mit einem politisch-militärischen Erfolg wollte man sich nicht zufrieden geben, vielmehr sollte gleich die gesamte Gesellschaft sozial gerechter gestaltet werden.

Und dieser Gerechtigkeits-Impuls droht jetzt verloren zu gehen, da die heutige nachgewachsene Generation zwei Sensibilitäten verkümmern lässt: Zum ein für ein historisches Geschichtsverständnis als Herausbildung eines gemeinschaftlich getragenen nationalen Bewußtseins in Form der Bewahrung der staatlichen Eigenständigkeit; zum anderen das Gespür für soziale Ungerechtigkeit, bewirkt durch die unwidersprochene Verselbständigung der Kapital- und Finanzmärkte, begleitet von zunehmender Schieflage der allgemeinen Vermögensverteilung zugunsten Weniger.

Die Ursache dieses Sensibilisierungsverlustes besteht nach Hessel in dem Geflecht eines allgemeinen Bedeutungsverlustes für die Universalität der Menschenrechte, welche einhergeht mit zunehmender individueller Gleichgültigkeit gegenüber sozialen Phänomenen. Statt dessen konzentriere man sich eher auf persönliches Glücks- wie Geldhorten als sinnstiftende Aktivitäten. Doch genau mit diesem reduktionistischem Verhalten verspielt man seine Befähigung, die Gesellschaft wieder sozial zu harmonisieren, um so letztendlich ihr Überleben sichern zu können.

Mit Bezug auf die Resistance als eine moralisch attribuierte Widerstandsbewegung mit doppelter Zielsetzung (pragmatisch betrachtet die Bekämpfung der Nazis; ethisch gesehen Allgemeinwohlförderung in ökologischer Perspektive) vermeidet Hessel, von seinen Landsleuten nur als renitenter Systemantagonist gebrandmarkt zu werden. Vielmehr agiert er als geschichtsbewußter Mahner, der das System nur reformieren will, um es so vor dem Kollaps retten zu können.

Motiv dieses Appells ist sein geschichtsphilosophisches Bewußtsein, dass er laut eigener Bekundung unter anderem von dem deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel ableitet: Geschichte als Abfolge von Erschütterungen, deren Bewältigung letztlich nur in der Verbesserung der Menschheitssituation auf diesen Planeten münden wird.

Derart ausgestattet mit dieser optimistischen Weltanschauung fordert Hessel seine Mitmenschen auf, nun die gegenwärtigen Mißstände mit dem selben Elan zu bekämpfen, den die Resistance damals gegenüber den Nazis wie dem Vichy-Regime anwandte. Doch ist dieser Kampf ungleich komplexer, da die Unerträglichkeiten in sozio-ökonomischer Hinsicht nicht mehr einzelstaatlich isolierbar sind wie noch der einstige Abwehrkampf gegen die deutschen Eindringlinge.

Somit wandelt sich der Gegner und das Ziel: Kämpfte man damals für Freiheit gegen die Nazis, so streitet man heute für die Menschenrechte gegen den Kapitalismus. Und somit ist sogleich der heutige Feind identifiziert: Der Kapitalismus angelsächsischer Provenienz, illustriert am Konflikt der Spezifizierung des Menschenrechtsverständnisses im Rahmen der UN-Menschenrechtserklärung aus dem Jahre 1948. Setzten sich doch die Franzosen mit ihrem erweiterten Attribut "Universell" gegen das eingeengtere angelsächsische Diktum "International" durch. In historischer Perspektive nochmals eine Klatsche gegen den einstigen englischen Feind aus dem mittelalterlichen Hundertjährigen Krieg.

Getragen von dieser Erkenntnis, moralischer Sieger und damit folgerichtig auch legitimiert zu sein, gilt es nun, sich in gegenständlicher Hinsicht zu Wehr zu setzen, wobei knapp wie kernig die Ziele in Hessels Worten das Unterfangen illustrieren sollen:
"(19) Das im Westen herrschende materialistische Maximierungsdenken hat die Welt in eine Krise gestürzt, aus der wir uns befreien müssen."
"(21) ...wirklichen, friedlichen Aufstand gegen die Massenkommunikationsmittel, die unserer Jugend keine andere Perspektive bieten als den Massenkonsum, die Verachtung der Schwächsten und der Kultur, den allgemeinen Gedächtnisschwund und die maßlose Konkurrenz aller gegen alle."

So nachvollziehbar wie akzeptabel diese Diagnose auch ist, so unvollständig ist sie auch, da sie die Kausalperspektive dieser angesprochenen Phänomene ausblendet. Angelsächsische Hegemonie in der Gestaltung ökonomischer Realitäten wie Fehlentwicklungen auszumachen, reicht nicht aus, sofern man sich keine Rechenschaft über die Struktur wie Wesenhaftigkeit einer kapitalistischen Marktwirtschaftsordnung ablegt. Denn nicht nur Menschenrechte sind universell, sondern seit 1989 ist die Marktwirtschaft es auch!

Geleitet wird diese hier vorgetragene Einschätzung anhand der nachfolgenden Beschreibung dieses Systems durch den Nestor der deutschen Betriebswirtschaftslehre Dr. Dr. h.c. mult. Günter Wöhe aus seinem Standardwerk "Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre" (19.Aufl. 1996/ Seite 6ff):
"Die Schwächen der Marktwirtschaft liegen darin,
a) daß dieses theoretisch sich selbst regelnde und erhaltende System in Wirklichkeit Tendenzen enthält, sich selbst zu beseitigen, indem - wie die Entwicklung im letzten Jahrhundert gezeigt hat - durch Konzentrationsvorgänge größten Ausmaßes der Wettbewerb eingeschränkt ggf. sogar völlig beseitigt und damit das Regulativ dieser Wirtschaftsordnung außer Funktion gesetzt wird;
b) daß sie große Einkommensunterschiede, insbesondere zwischen Arbeits- und Gewinneinkommen ermöglicht, die eine sehr unterschiedliche Vermögensbildung und damit eine ungleiche Vermögensverteilung zur Folge haben und deshalb den Keim zu sozialen Spannungen in sich tragen. ..."

Derartig formulierte Definitionen vermögen nun die Zuversicht in die Erfolgsträchtigkeit der Hesselschen Empörung angesichts der vernehmbaren Übermächtigkeit kapitalistischer Eigendynamik trüben. Doch vergeblich muß sein Ansinnen nicht sein, sofern man sich auf den steinigen Weg der Überprüfung des eigenen wirtschaftlichen Anspruchsdenkens begibt. Mit anderen Worten: Bereit zu sein für ein Denken "out of the box".

Ob diese Schrift in deutschen Landen eine Verhaltensänderung, zumindest eine Einstellungsänderung gegenüber der scheinbar glückseligmachenden Marktwirtschaft bewirkt und damit dem Hesselschen Empörungsansinnen zuträglich wird, ist skeptisch zu beurteilen. Und damit ist die Diskrepanz zwischen einer französischen und einer deutschen Wahrnehmung gegenüber faschistischen wie kapitalistischen Aktivitäten angesprochen.

Angesichts einer "Sieger"-Reeducation der deutschen Bevölkerung über diese unsägliche 12-Jahres-Episode deutscher Geschichte und dem Fehlen einer schichtübergreifenden, aus sich selbst heraus griffig identifizierbaren wie handhabbaren Widerstandstradtion gegen die NS-Oligarchie muß die Gleichartigkeit Frankreichs wie Deutschlands im Empfinden demokratisch-emanzipatorischer Nationaltraditionen angezweifelt werden.

Ein derartiges kompaktes Identifikationsmuster für staatliche Gestaltung und soziale Reformen, darstellbar anhand der französischen Resistance, fehlt in der bundesrepublikanischen Realität. Und damit schrumpft diese Schrift hierzulande auf eine allgemeine Kapitalismus- uns Menschenrechtskritik zusammen, da ihr wegen der deutschen Wahrnehmung der Schwung des Hinweises auf geschichtliche wie politische und moralische Legitimation abhanden gekommen ist.

Derartig in der Interpretation wie Betroffenheit als deutscher Leser eingeschränkt, ist die Gefahr allgegenwärtig, in unreflektierter Attitüde die Gedanken Hessels als die eines greisen Nörglers abzutun. Doch mit dieser Einstellung dokumentiert man nur, weder die Absicht des Autors noch die Bewegungsmechanismen der sozialen Umwelt verstanden zu haben.

Und da nach gewissenhafter Lektüre sich wohl kein Leser sich diese Art von Blöße geben möchte, ist die Hoffnung weiterhin berechtigt, daß das dieser Schrift innewohnende Veränderungspotenzial doch nicht wirkungslos verpufft.
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am 26. September 2015
s ist nur ein sehr dünnes Heft; ein sehr kurzer Aufsatz, den der 93-jährige Stéphane Hessel verfasst hat. Und doch macht er Furore und wird viel diskutiert. Weshalb? Weil er die Jugend daran erinnert, dass sie es ist, die aus der Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit Widerstand leisten muss. Friedlichen Widerstand.

Der Text spricht keine neuen Wahrheiten aus. Er benennt nichts revolutionär Neues. Und doch ist er einer der wichtigsten am Beginn des neuen Jahrtausends. Hessel blickt auf eine lange Geschichte zurück und ruft aus seinen Erfahrungen heraus die Jugend dazu auf, sich zu empören. Sich aufzulehnen gegen das neoliberale Wirtschaftssystem, das wenige reich, aber viel zu viele immer ärmer werden lässt.

Hessel gehört zu den Unterzeichnern der Charta der universellen Menschenrechte; er hat in der Résistance gekämpft. Aus dem Rückblick auf die Zeit des Nationalsozialismus entwickelt er die Notwendigkeit, dass heute auch wieder eine Empörung notwendig ist. „Die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft, die Intellektuellen, die ganze Gesellschaft dürfen sich nicht klein machen lassen von der internationalen Diktatur der Finanzmärkte, die es so weit gebracht hat, Frieden und Demokratie zu gefährden." (Seite 10) Beachtenswert seine Wortwahl! Er spricht von einer „Diktatur der Finanzmärkte“.

Und beachtenswert ist - was in keiner der vielen Rezensionen, die es zum Büchlein gibt, erwähnt wird – seine „Empörung in der Palästina-Frage“. Stéfan Hessel besuchte mehrfach den Gaza-Streifen. Das letzte Mal im Jahr 2009, nach der Operation „Gegossenes Blei“. Er schreibt einen Satz, den ich so selten bisher in deutschen Zeitungen las: „Selbstverständlich halte ich den Terrorismus [der Hamas] für inakzeptabel. Aber ist es wirklich realistisch zu erwarten, dass ein mit unendlich überlegebenen militärischen Mitteln besetzt gehaltenes Volk gewaltlos reagiert?“ (Seite 17) Ein paar Zeilen später zeigt er auf, dass es – auch in Palästina – andere Wege, gewaltlose Wege des Widerstandes gibt, indem er auf die Menschen von Bil’in verweist, die jeden Freitag gewaltlos an der und gegen Mauer, die das Land trennt, protestieren.

Es ist eine tiefe Menschlichkeit in den Worten des Textes, Hessel ist und bleibt Optimist. Er bekennt sich zu Martin Luther King und Nelson Mandela. „Es ist eine Botschaft der Hoffnung, dass die Gesellschaften unserer Zeit Konflikte durch gegenseitiges Verständnis in wachsamer Geduld werden lösen können – auf der Grundlage unabdingbarer Reichte, deren Verletzung [...] unsere Empörung auslösen muss.“ (Seite 19)

Für Hessel führt diese Empörung schließlich zwingend zum friedlichen Widerstand gegen den/die Auslösenden der Konflikte. Und so endet der Text mit den (inzwischen vielzitierten) Worten:

„Neues schaffen heißt Widerstand leisten.
Widerstand leisten heißt Neues schaffen.“
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am 29. März 2015
Lesevorschlag: Zuerst das Nachwort lesen, anschließend den Inhalt und man wird staunen, wie hassfrei, friedfertig und philanthropisch dieser Mann, nach allem, was er erleiden musste, seine Ansichten darlegt.
Wenn man nach dieser Lektüre rekapituliert, welche konstruktiven Fundamente Leute wie Hessel nach dem zweiten Weltkrieg für eine Gemeinwohl orientierte, für alle lebenswerte Welt errichtet haben, und bedenkt, was Politiker, Spekulanten und Ausbeuter daraus gemacht haben, kann es durchaus passieren, dass sich im Leser eine etwas weniger friedfertige Stimmung (Empörung) breitmacht – was bei richtiger Dosierung aber durchaus wünschenswert sein kann.
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TOP 1000 REZENSENTam 10. Juni 2013
Empört Euch! ist ein 15seitiger Aufruf gegen die Gleichgültigkeit, die in weiten Teilen unserer Gesellschaft grassiert. Der Autor, der sich zeit seines 93jährigen Lebens empört hat und auch Widerstand leistete, vermisst dies heute und fordert mit seiner kurzen Streitschrift seine MitbürgerInnen auf, sich auch heute zu entrüsten und einzusetzen ("Wenn man sich über etwas empört,..., wird man aktiv, stark und engagiert."). Er räumt ein, dass es in den jetzigen Zeiten schwieriger ist klar Stellung zu beziehen als im III. Reich, wo der Gegner offensichtlich war. Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse sind komplexer, nicht jede scheinbar eindeutige Situation stellt sich als derart unstrittig heraus wie man es sich wünsche würde. Dennoch gibt es noch immer genügend Gelegenheiten die die Möglichkeit der Empörung bieten, wie Stéphane Hessel aufführt.
Ich habe mir wohl etwas zuviel von der Lektüre versprochen, denn Empörung allein bringt einen nicht automatisch weiter. Vielmehr erhoffte ich mir Impulse, wie ich und andere diese Empörung konstruktiv einsetzen könnten, sodass nicht nach der ersten Welle der Entrüstung gleich alles wieder verebbt. Wie könnte man die Aufregung nachhaltig kanalisieren? In Bahnen leiten um tatsächliche Veränderungen zu erreichen, ohne dass man gleich seinen Beruf und sein ganzes restliches Leben aufgeben muss? Fragen, die unmittelbar nach der Empörung kommen und noch immer nicht geklärt sind.
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TOP 500 REZENSENTam 22. Dezember 2011
Stéphane Hessel ist ein renommierter, uralter Antifaschist und engagierter Bürger. In dieser Streitschrift will er die Leser aufrütteln und davon überzeugen, aktiv zu werden gegen Neoliberalismus und Ungerechtigkeit. Doch das gelingt nicht.

Das Büchlein hat nur 32 Seiten. Das wäre noch kein Problem, schließlich war auch das Manifest der Kommunistischen Partei nur wenig dicker. Der Haken steckt woanders: Es steht auch wirklich nur wenig drin.

Hessel ist zwar überzeugt davon, dass die Menschheit Fortschritte machen kann, er ist aber kein Marxist. Stattdessen orientiert er sich an Hegel. Zitat "Die Philosophie Hegels gibt der Menschheitsgeschichte einen Sinn: Die Freiheit des Menschen schreitet stufenweise voran. Geschichte ist eine Abfolge von Erschütterungen und damit Herausforderungen" (S. 12). Dementsprechend sieht Hessel nicht in den materiellen Verhältnissen ein Problem, sondern in der Welt der Ideen. Konsequent heißt es dann auf der nächsten Seite "Das Schlimmste ist die Gleichgültigkeit". Etwas boshaft könnte man die Botschaft des Buchs zusammenfassen als "Die Welt ist schlecht, regt euch darüber auf, dann wird es besser."

Doch die Empörung des Autors verpufft so wie einst Roman Herzogs Forderung nach einem "Ruck". Dass bestimmte Verhältnisse untragbar sind, wissen viele und tun trotzdem nichts. Es käme darauf an, die Ursache der gesellschaftlichen Bedingungen zu erklären und eine Perspektive aufzuzeigen, vielleicht sogar eine Organisation aufzubauen. Genau das tut Hessel nicht.

Von daher wird dieses Buch leider wenig verändern. Leider, denn Hessels Empörung ist völlig berechtigt.
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TOP 500 REZENSENTam 15. März 2011
Den "Ohne mich"-Typen ist leider ein Merkmal des Menschen abhandengekommen, die Fähigkeit zur Empörung und damit zum Engagement, schreibt der 93-jährige Autor (S.13).

Das Buch ist schnell gelesen und man hat ein eigenartiges Gefühl, war das alles...ist das Buch überbewertet?
Wenn man über den Inhalt reflektiert und so etwas kritischer wird, sich dort mutig einmischt, wo es wirklich in unserer Gesellschaft stinkt, dann hat der Autor mit diesem kleinen Buch viel erreicht. Seine Anstöße und Kritiken sind kurz und klar, mehr braucht man nicht zu sagen!

Wahrheiten sind oft einfach auszudrücken aber werden dadurch aber auch schnell wieder vergessen. Vielleicht erreicht der Autor so viele Leser...ob er wirklich etwas bewirkt bleibt abzuwarten.

Ich wünsche dem Buch viele Leser, denn er hat es auf den Punkt gebracht!
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