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VINE-PRODUKTTESTERam 10. Mai 2014
Dieses kleine Buch ist eine Offenbarung. Und jeden Tag mehr kommt Empörung hoch. Wir Deutschen sind aber zu ängstlich um Empörung zu zeigen, oder es muss uns so schlecht gehen wie in der ehemaligen DDR. Danke Euch allen, die ihr dort auf die Straße gegangen seid, das war Empörung und sie hat gewirkt. Wir hier im "Westen" kommen wohl kaum darauf, dabei ist die Politik sowas von schlecht und negativ geworden, das es kaum zu ertragen ist. Empört Euch!!
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Stephane Hessels kleine Streitschrift ist ein wunderbares Plädoyer für mehr politisches und gesellschaftliches Engagement der jüngeren Generation - basierend auf und ausgelöst durch eine berechtigte Empörung gegen bestehende Missstände. Da der Autor selber viel für seine Ideale riskiert hat, genießt sein Aufruf für mich ungeinschränkte Glaubwürdigkeit und Authentizität.

Hessel betont zurecht, dass Frieden, Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern immer wieder aufs Neue verteidigt werden müssen - auch wenn wenn deren Feinde im Laufe der Zeit doch immer wieder gewechselt haben. Ein stillschweigendes Dulden von Missständen ist somit keine Option, sondern vielmehr ein mutiges Engagement zur Verteidigung der freiheitlichen Errungenschaften ist geboten.
Da es noch nie so viele Partizipationsmöglichkeiten wie in der heutigen Zeit gab, darf oder sollte jeder Bürger für sich selber entscheiden können, was der für ihn richtige Weg des Engagements und des Widerstands gegen Missstände darstellt - es bedarf also wirklich keiner Tipps und Anweisungen des Autors. Gerade diese Entscheidungsfreiheit ist doch ein Kern der bürgerlichen Freiheit.

Ich verstehe diese kleine Streitschrift somit als reinen Weckruf und als Plädoyer für mehr politisches und gesellschaftliches Engagement. Es liegt an jedem Einzelnen, was er aus seiner Empörung macht.
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TOP 500 REZENSENTam 26. März 2014
Stéphane Frédéric Hessel war ein französischer Résistance-Kämpfer. Er überlebte die Folter durch die Nazis, das Konzentrationslagers Buchenwald und war als Sekretär Mitglied der UN-Menschenrechtskommission. Sein Leben lang kämpfte er gegen Soziale Ungerechtigkeit, er hatte miterlebt, was passiert, wenn gierige Eliten die Macht an sich reißen. Die Résistance wollte verhindern, dass so etwas jemals wieder passieren sollte. 2010 wurde ihm immer klarer, dass die neue Weltordnung, die neuen Machteliten, das, wofür er uns sein Mitstreiter gekämpft hatten und ihr Leben gelaasen hatten, mit Füßen treten und demontieren: Den Sozialstaat.

Wofür Kämpfte die Résistance damals?

»die Rückgabe der großen monopolisierten Produktionsmittel, der Früchte gemeinsamer Arbeit, der Energiequellen, der Bodenschätze, der Versicherungsgesellschaften und der Großbanken an die Nation«; »die Errichtung einer echten wirtschaftlichen und sozialen Demokratie unter Ausschaltung des Einflusses der großen im Wirtschafts- und Finanzbereich bestehenden privaten Herrschaftsdomänen auf die Gestaltung der Wirtschaft«. Das Gemeinwohl sollte über dem Interesse des Einzelnen stehen, die gerechte Verteilung des in der Arbeitswelt geschaffenen Wohlstandes über der Macht des Geldes. »Eine rationelle Wirtschaftsverfassung, in der die Individualinteressen dem Allgemeininteresse untergeordnet sind, ohne Diktatur der Sachzwänge nach dem Vorbild faschistischer Staaten« – dies als Auftrag an die provisorische Regierung der Republik.
Eine echte Demokratie braucht eine unabhängige Presse. Die Résistance wusste es, forderte sie, trat ein für »die Freiheit der Presse, ihre Ehre und ihre Unabhängigkeit gegenüber dem Staat, der Macht des Geldes und den Einflüssen aus dem Ausland.« Das wurde bereits ab 1944 in den Presseverordnungen umgesetzt. Und genau dies ist heute in Frage gestellt.

DAS schrieb der mittlerweile verstorbene Autor 2010 und damals, war es noch nicht so schlimm wie die Situation 2014! Mittlerweile hat auch das Bundesverfassungsgericht bestätigt, dass die Politik zu viel Einfluss auf die öffentlich rechtlichen Sender nimmt. Mittlerweile ist vielen Bürgern klar geworden, dass man sie erneut manipuliert, um eine kleine Elite noch reicher zu machen. Mittlerweile kristallisiert sich immer mehr heraus, wer die Strippenzieher sind.

„Man wagt uns zu sagen, der Staat könne die Kosten dieser sozialen Errungenschaften nicht mehr tragen. Aber wie kann heute das Geld dafür fehlen, da doch der Wohlstand so viel größer ist als zur Zeit der Befreiung, als Europa in Trümmern lag? Doch nur deshalb, weil die Macht des Geldes – die so sehr von der Résistance bekämpft wurde – niemals so groß, so anmaßend, so egoistisch war wie heute, mit Lobbyisten bis in die höchsten Ränge des Staates. In vielen Schaltstellen der wieder privatisierten Geldinstitute sitzen Bonibanker und Gewinnmaximierer, die sich keinen Deut ums Gemeinwohl scheren. Noch nie war der Abstand zwischen den Ärmsten und den Reichsten so groß. Noch nie war der Tanz um das goldene Kalb – Geld, Konkurrenz – so entfesselt.“

Hartz IV und das deutsche Austeritätsregime in Europa treten Artikel 22 der UN Menschenrechtscharte mit Füßen: „Und Artikel 22: »Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuss der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.«“

Er hat ja sooooooooooo recht. Aber diese Haltung ist derzeitig politisch nicht mehr korrekt. Genauso wie seine Kritik an Israel „Dass Juden Kriegsverbrechen begehen können, ist unerträglich. Leider kennt die Geschichte nicht viele Beispiele von Völkern, die aus ihrer Geschichte lernen.“ Deutsche Journalisten wurden für solche Meinungsäußerungen als antisemitische Verschwörungstheoretiker noch 2012 diskreditiert und teils entlassen.

Hört auf dem Mann, er hat Recht! Er ist einer der wenigen, die diese Muster erkennen, weil sie sie bereits einmal erlebt und bekämpft haben. „Das im Westen herrschende materialistische Maximierungsdenken hat die Welt in eine Krise gestürzt, aus der wir uns befreien müssen. Wir müssen radikal mit dem Rausch des »Immer noch mehr« brechen, in dem die Finanzwelt, aber auch Wissenschaft und Technik die Flucht nach vorn angetreten haben. Es ist höchste Zeit, dass Ethik, Gerechtigkeit, nachhaltiges Gleichgewicht unsere Anliegen werden. Denn uns drohen schwerste Gefahren, die dem Abenteuer Mensch auf einem für uns unbewohnbar werdenden Planeten ein Ende setzen könnten.“
„Nein, die Bedrohung ist nicht ganz gebannt. Und so rufen wir weiterhin auf zu »einem wirklichen, friedlichen Aufstand gegen die Massenkommunikationsmittel, die unserer Jugend keine andere Perspektive bieten als den Massenkonsum, die Verachtung der Schwächsten und der Kultur, den allgemeinen Gedächtnisschwund und die maßlose Konkurrenz aller gegen alle.«“

Dieses Büchlein ist wichtig. Es ist direkt und bringt bereits 2010 alles das auf den Tisch, ungeschönt und in wenigen Worten, was jetzt, 4 Jahre später langsam auch in die Köpfe der nicht so kritischen Menschen sickert. Hoffentlich ist es nicht bereits zu spät.

Wenn der Inhalt nicht so wichtig wäre, nicht von einem Mann geschrieben wäre, der aufgrund seines Hintergrundes wissen muss, was er da sagt, würde ich das Büchlein maximal als Leseprobe bezeichnen. 30 Seiten, davon 50% Vorwort, Nachwort und Fußnoten, so manche Leseprobe ist länger und umfangreicher. Aber in diesen restlichen Seiten ist kaum ein überflüssiges Wort, direkt in wenigen Worten bringt er das Problem auf den Punkt. Trotzdem ist das wohl noch immer zu viel Text, als dass unsere Politiker genug Konzentration aufbringen würden, selbst diese wenigen Seiten zu lesen.

Es gibt diesen kurzen Essay auch als ARTE Sendungen, wo jeder Satz mit vielen aktuellen Beispielen und Bildern unterlegt ist. (Youtube: bUKm5ZOyNuk)
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am 18. April 2012
Sein Buch ist mit seinen 30 Seiten kurz geraten - doch ich sehe darin den Appell eines 93-Jährigen an die jüngeren Generationen, sich zu engagieren.

Er hat die meiste Zeit seines Lebens in Frankreich gelebt, hatte sich damals in der Résistance engagiert, hat ein KZ überlebt, war Mitautor der Menschenrechtserklärungen, etc... kurz: alles, was er auf diesen wenigen Seiten beschreibt, ist sehr von seiner eigenen Biografie geprägt.

Doch das, was ich meine, als sein Vermächtnis vernommen zu haben, ist der Appell an die Jugend, sich zu engagieren und seinem Leben somit einen Sinn zu geben. Die Inhalte können natürlich variieren - Tatsache aber ist, dass es eine Unmenge an Vorkommnissen gibt, über die man sich empören kann - und somit eine Unmenge an Inhalten, für die man sich engagieren kann.

Hier will und kann er auch nichts vorgeben - das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Unterstützen kann ich nur seinen Weckruf an alle Generationen: empört euch und engagiert euch !!

Für mich ist dieses ein zeitloses Buch. Jeder ist aufgerufen, sich aktiv mit den bestehenden Verhältnissen auseinander zu setzen. Der Punkt ist demnach, etwas zu TUN und sich sein persönliches Feld des Engagements zu suchen. Ein wichtiger Appell !!
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am 28. Juni 2014
Über dieses Buch, das monatelange auf der Bestsellerliste stand, wurde bereits viel gesprochen und geschrieben. Für einige ist es wohl sogar zu einer Art "Bibel" geworden. Es geht zurück auf eine Rede Hessels, die viel Beachtung fand.
Klar, dass ich dieses Werk auch einmal lesen wollte, um herauszufinden, was so besonders daran ist.

Leider kann ich die allgemeine Euphorie nicht so ganz teilen.
Bei dem dünnen Heftchen - ich würde es eher eine "Schrift" als ein "Buch" nennen - handelt es sich um den Aufruf eines 94jährigen an die jüngeren Generationen, sich endlich wieder mehr zu engagieren. Mich erinnerte dies etwas an das ewige "Früher war alles besser" und die ständigen "die Jugend von heute"-Klagen, die mich immer ärgern, weil sie schlicht und ergreifend falsch sind.
Die Dinge, für wir uns engagieren sollen, liefert Hessel gleich mit. Neues hat er dabei nicht zu bieten: für Umwelt und soziale Gerechtigkeit, gegen die Macht der Banken und des Geldes, in Israel und den arabischen Ländern. Nunja.

Was mich allerdings wirklich stark beeindruckte, war der Lebensweg von Hessel, von dem man das ein oder andere innerhalb der Schrift; wesentlich mehr jedoch in einem Nachwort erfährt. Hessel wurde in Deutschland geboren und flieht mit seinen Eltern während des Zweiten Weltkriegs nach Frankreich aus, nachdem es der jüdischen Familie gelang aus dem KZ "Buchenwald" zu entkommen. (Schon allein DAS finde ich zu tiefst beeindruckend; es geht aber noch weiter:) Als Jugendlicher und junger Mann engeagiert er sich in der Resistance gegen Nazideutschland und schreibt schließlich nach Ende des Zweiten Weltkriegs an der Menschenrechtscharta mit. Später ist er als Botschafter für Frankreich an den unterschiedlichsten Orten weltweit im Einsatz. Wow!
Mit diesem Hintergrund, finde ich, bekommt die Schrift doch gleich eine ganz andere Perspekitve. Wer sich stets so sehr für die eigenen Ideale und eine bessere Welt einsetzte, hat meiner Meinung nach alles Recht, sich über die heutigen Verhältnisse und die scheinbare Letargie der Jugend zu beschweren. Denn - sind wir mal ehrlich - so stark engagiert sind die wenigstens von uns. Natürlich sind die offensichtlichen Bedrohungen auch - gottseidank - geringer. Gründe, um sich zu engagieren - gibt es aber noch immer genug. Schön, dass uns so ein außergewöhnlicher Mensch hieran erinnerte.

Unmittelbar nach der Lektüre dieses Werkes habe ich die Autobiografie von Stephane Hessel "Mein Tanz mit dem Jahrhundert" auf meine Wunschliste gesetzt. Ich bin wirklich schwer beeindruckt.
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am 10. Februar 2011
Das Buch (besser Heft) ist sehr dünn. ABER! Die Botschaft um so größer. Wer sagt da etwas? Wie sagt er es und was ist neu? Er ist eine Persönlichkeit allergrößter Reputation. Er sagt es kurz und deutlich. Es ist ein Aufruf zum Widerstand. Das Mittel ist die Empörung. Er richtet sich gegen den Neoliberalismus (Marktradikalität), der unseren Verstand vergiftet hat (weit hinein in alle Kreise der Gesellschaft).

Das Neue und die eigentliche Sprengkraft: Hessel verknüpft den Faschismus des letzten Jahrhunderts mit dem heutigen Neoliberalismus. Also dem System aus Geld, Macht und Einfluss der Eliten zu Lasten und zur Ausbeutung der Allgemeinheit. Die damit verbundene Bedrohung auf das soziale Gefüge. Dieses Gefüge, auf das man in Europa einmal stolz war. Das heute als zu teuer diffamiert wird. Aus Kalkül und mit verheerenden Folgen!

Ich meine, ein Weckruf an die Jüngeren der Gleichgültigkeit endlich Empörung und Widerstand entgegenzusetzen. Vertraut dabei nicht auf die Politiker. Die "Berlusconisierung" ist auch bei uns in Deutschland schon lange im Gange.
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am 19. April 2015
Stephan Hessel hatte das Herz am rechten Fleck!!! Sehr interessanter Mensch, welcher nie aufgab an die Gerechtigkeit und an die Menschheit zu glauben und für die Gerechtigkeit immer eintrat.
Vielen Dank.
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am 9. Juli 2015
Zunächst: das Buch ist lachhaft dünn. Ja, es steht dabei, dass es nur 32 Seiten sind, aber nicht immer nimmt man das sofort wahr.

Zum Inhalt:
Alles, was der Autor zu sagen hat, steht im Titel. Empört Euch!
Das ist die Aussage. Und wirklich viel mehr substanzielles wird im Buch nicht mehr gesagt.
Der Autor sagt nur, dass man sich früher viel mehr empört hat, die heutige Entwicklung für den Normalbürger nicht vorteilhaft oder moralisch gut ist (Banken, Wirtschaft, Politik etc.) und dass man sich endlich empören, aufbegehren möge.

Der Autor hat Recht. Keine Frage. Das macht das Buch aber noch lange nicht gut. Und rechtfertigt nicht den Kauf. Tatsächlich habe ich die Kernbotschaft hier gerade zusammengefasst. Wer das gerne noch mal ausschweifender lesen mag, soll sich das Buch kaufen. Ich werde mein Exemplar in den Wander-Bücherschrank der hiesigen Universität stellen, vielleicht hat doch noch jemand Verwendung dafür. Empfehlen kann ich dieses Buch beim besten Willen nicht.
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am 13. Juni 2016
Immer wieder beeindruckt es mich auf Menschne zu treffen , wenn auch nur in ihren Büchern, die ihr Leben in einen besonderen Dienst gestellt haben und von denen m an als Normalbürger so wenig mitbekommt. Danke auch posthum für diesen Großartigen Menschen
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am 9. Februar 2011
Dass ich diese Schrift mit nur drei (Tendenz zu zwei) Punkten bewerte, hat ausschließlich mit dem mir vorliegenden Text zu tun. Vor Hessel einen Kotau zu machen, ist sicher angebracht. Aufgrund seiner Geschichte, seiner Lebensleistung.
Nur: Die grundsätzliche Ehrerbietung sollte m.E. getrennt werden von der Qualität und Aussagekraft seines Miniessays. Ich halte nichts davon, sämtliche Hühneraugen zuzudrücken und mit besonderer Milde auf Empört Euch! zu sehen, weil der Autor auf ein bewegtes und verdienstvolles Leben zurückblicken kann. Das würde bedeuten, den Autor nicht (mehr) ernst zu nehmen, sondern jovial abzunicken.

Den Titel finde ich genial. Klare Handlungsaufforderung, so scheint es. Was folgt ist für mich etwas Bruchstückhaftes, ein Splitter, der einige Themen auf dem Weg bis zum Aufschlag anritzt, jedoch ohne nachhaltige Schlagkraft bleibt. Es gibt sehr viele Gründe und Anlässe, sich zu empören. Dass ein Intellektueller in seinen Neunzigern zum Widerstand gegen soziale Ungerechtigkeit, global entfesselten Kapitalismus und rücksichtslose Ausbeutung unseres Planeten aufruft - das ist umwerfend gut und zunächst öffentlichkeitswirksam. Nur würde ich mir mehr Kraft wünschen, mehr Argumentation hinsichtlich der moralischen Verpflichtung. Die Frage: Warum Widerstand? wird mir zu pauschal und lapidar mit: Weil es in der Menschenrechtscharta steht! beantwortet. Für mich wird zudem zu wenig benannt, wo die Hebel anzusetzen sind. Wie dieser Widerstand aussehen könnte. Nein, ich erwarte keine Anleitung Empörung und Widerstand für Dummies, nur etwas mehr Futter und, wie gesagt, Schlagkraft, Eindruck. Sonst kommt der Empörte unserer Tage wie ein zahnloser Tiger daher. Denn: Empört sind wir weitläufig. Ich glaube auch nicht, dass es an Visionen von einer gerechteren Gesellschaft fehlt. Es fehlt die Kraft zur Veränderung, die Eigeninitaitive, das Durchhaltevermögen, der Mut, und vielleicht auch der echte Leidensdruck einer breiteren Masse, zumindest (noch) in den Industrienationen.

Ich frage mich beinahe täglich, warum wir nicht auf die Straßen gehen, warum wir so dämlich wählen, warum wir nicht die Paläste stürmen und warum wir tatenlos zusehen, wie die berühmte Schere, die zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht und die Hessel auch als Bild benutzt, dulden, hinnehmen als alternativlos. TINA - there is no alternative, das ist für mich die Verdummungs- und Stillhalteparole schlechthin. Was früher die Religion in allen Ausformungen mit Versprechen paradiesischer Zustände im Jenseits oder Rechtfertigung sozialer Missstände mit metaphysischen Reinkarnationsmodellen war, das erledigt heute TINA.

Nun, ich bleibe nach der Lektüre völlig unbefriedigt zurück. Der Titel ist für mich das einzige zündende Moment an der Schrift. Ansonsten bin ich genau so schlau und fassungslos wie vorher. Keinerlei Erkenntnisgewinn. Die Lektüre hat mir wenig gebracht. Die Aufforderung Empört Euch! begleitet mich aber. Für mich würde das bedeuten: Kill TINA. Und: Fang den Fuchs, den Hessel erwähnt. Den, der derzeit alle Freiheiten im Hühnerstall genießt. Das ist das Bild, dass ich noch mitnehme.
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