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Jede Woche hat sich der Altkanzler Helmut Schmidt den Fragen des Chefredakteurs der "ZEIT", Giovanni di Lorenzo, "auf eine Zigarette" gestellt. Damit wurde wöchentlich über eineinhalb Jahre lang die vorletzte Seite im "ZEIT-Magazin" ausgestattet. Jedes Mal mit einem anderen Foto des rauchenden Interviewten garniert. Selbst als Nichtraucher war man rasch versöhnt mit der Metapher "Zigarettenlänge" als Anhanltspunkt für die potentielle Dauer des jeweiligen Interviews, welches in Wahrheit oft zwischen 10 Minuten und einer Stunde gedauert hat. Denn die klaren Aussagen, die kenntnisreichen Bezugnahmen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und historischen Bereichen, die Aktualität und persönlichen Einschätzungen machen aus einem heute so oft verantstalteten 08/15-Interview (bei dem man sich die standardisierten Antworten schon aus den Seminaren von Kommunikationstrainern bzw. beratern vorwegnehmen könnte) ein ganz individuelles, unvergleichliches Gespräch.
Das besondere an diesen Gesprächen ist auch das Atmosphärische, welches mit Randbemerkungen in das Stimmungsbild des Interviews hineingefügt wird. Ob nun ein Stirnrunzeln, ein kurzes "Aha" oder "Soso" oder ein knappes "Ja": immer wird hier die Gesprächsatmoshäre persönlich erfahrbar.
"Schmidts Schnauze" ist ja mehr als bekannt; und so ist es um so erstaunlicher, dass es hier gelingt, neben dem Staatsmann und ZEIT-Herausgeber auch mal den persönliche Facetten genügend Raum zu schenken.
Ob nun als Ehemann, Vater, Sohn, Musiker, Segler, Schwerhöriger, Raucher, Volkswirtschaftler,...(die Reihe ließe sich hier noch weit fortsetzen): Helmut Schmidt wird hier mal ganz persönlich, mal ganz sachlich-nüchtern.
Giovanni di Lorenzo vermag es, mit gebührendem Respekt und auch mit Nachdruck bei der Beseitigung oder Offenlegung von Unklarheiten bzw. vermeintlichen Widersprüchen die Begegnung zu gestalten.
Über 70 Interviews sind in diesem Band abgedruckt, wobei es schön ist, dass die Fragen im Fettdruck und die Antworten im Normaldruck versehen sind. Damit kann man diesen Lesestoff gezielt von vorne bis hinten lesen, oder aber quer lesen, immer wieder mal hineinschmökern und wird so manches Mal überrascht sein von den Antworten, die sich so sehr von heutigen Interviews mit Politikern/-innen unterscheiden. Helmut Schmidt antwortet immer wieder lenkend, führt das Gespräch zeitweilig und baut Gedankengänge auf, die übergreifend sind.
Die Titel zu den jeweils abgedruckten Interviews lassen die Thematik erkennen, ohne dass man nicht auch mal auf viel weiter führende Bereiche stossen kann. Eine Auflistung am Ende des Buches der Gesprächsthemen, ein Interview mit Helmut Schmidts Sekretärin, ein bislang unveröffentlichtes Interview über "Liebe und Tod", die einleitenden Worte des Chefredakteurs sowie die sich oft nur in Nuancen eingefügten schwarz-weiß-Fotos von den "Zigaretten-Gesprächen" machen die Lektüre zu einem wahren Erlebnis.
Man braucht nicht ein Fan von Helmut Schmidt zu sein, um dieses Buch schätzen zu können. Es ist eine Einladung, sich über das tagespolitische Geschäft und die Alltagssorgen hinweg mit dem persönlichen Leben und demjenigen unserer Gesellschaft bzw. unseres Staates intensiver Gedanken zu machen und sich immer wieder daran zu erinnern, dass die heutige Staats- und Gesellschaftsform keine Selbstverständlichkeit ist.
Das ansprechend eingebundene Buch ist ein schönes Geschenk an alle, die sich mit der Weiterentwicklung des Staates befassen, sich mit dem Leben (-swerk) von Helmut Schmidt intensiver befassen wollen und ungewöhnliche Bewältigungsstrategien entwickeln möchten.
"Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette..." so sang ein Liedermacher vor Jahren; bei Helmut Schmidt sind es viele geworden - und so mögen sich auch viele Leser/-innen daran intensiv erfreuen, was er noch zu sagen hat; es ist nicht wenig!
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am 29. Januar 2009
Wie sehr wünschen sich Menschen in unserer Republik Vorbilder in Politik und Gesellschaft!
Eines der wenigen, die uns geblieben sind, hat bereits ein hohes Alter erreicht. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt ist in seinem gradlinigen, aufrechten und gelegentlich kantigen Auftreten unsentimental aber mit verborgenen Gefühlen versehen einer dieser wenigen. In wöchentlichen Gesprächen und Interviews mit dem Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und anderen Gesprächspartnern der Wochenzeitung > Zeit< hat er sich zu Fragen der Gegenwart geäußert und Gedanken zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft artikuliert. Die stetig brennende Zigarette ist sein unverkennbares Markenzeichen bei allen seinen Auftritten.

In den Gesprächen kommt sein Charakter zur Geltung: klar, kurz, präzise und bestimmt sind seine Antworten auf die Fragen zur Politik. In ähnlicher Weise beantwortet er persönliche Fragen zu Eindrücken von Weggefährten, Politikern, seiner Einstellung zur Jugend und Fragen zur Kriminalität. Das Kapitel mit Fragen über seine Vorlieben in der Musik beantwortet Helmut Schmidt sachlich, ohne dass verborgen bliebe, wie viel sie ihm bedeutet. Die Verhaltenheit im äußern eigener Gefühle ist anrührend.

In diesen Kurzinterviews wird fast die ganze Geschichte der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts gestreift. Helmut Schmidt hat mehr als einmal für richtig befundenen Entscheidungen auch gegen Widerstände durchgesetzt. Die bedeutendste neben anderen war der Nato- Doppelbeschluss, mit dem er sich Feinde in der eigenen Partei gemacht hat.
In seinen fast einem Lebensabriss gleich kommenden Gesprächen gibt er auch über sein Privatleben, seine Lektüren und fast über alles Auskunft, was den wissbegierige Leser interessieren könnte. Dennoch gibt es Grenzen, selten, in denen er ganz einfach die Antwort verweigert.

Helmut Schmidt ist heute fast so etwas wie eine legendäre Figur der Geschichte. Wer 90 Jahre alt werden konnte, geistig fit, wenn auch körperlich beeinträchtigt, seinen Interessen folgen durfte, wer ein Leben reich an politischen und menschlichen Erfahrungen gesammelt und Begegnungen mit allen politischen Größen der Zeit erlebt hat, dem ist ein Zuwachs an Einsichten und Erkenntnissen gewiss. Da er bis in sein hohes Alter, an den politischen Geschehnissen, zuletzt als Herausgeber der >Zeit >, aktiv beteiligt ist, legen auch heute noch Politiker aus aller Welt Wert auf sein Urteil.

Die Interviewpartner sind dem Staatsmann gewogen; sie dürfen Fragen stellen, die nicht jedem erlaubt wären. Sie machen das gut: einfühlsam, direkt, nachdrücklich und respektvoll.

Die Leser der > Zeit > sind Helmut Schmidts Ausführungen mit hohem Interesse und begeisterter Aufmerksamkeit gefolgt. Man wird sie vermissen: die Augenblicke > Auf eine Zigarettenlänge mit Helmut Schmidt <! Denn mit diesem Buch sind die Augenblicke zu Ende.
Dank sagt man den Autoren und dem Verlag, die eine Sammlung der schönsten Interviews zusammen gefasst herausgebracht haben.
22 Kommentare| 47 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 20. Juli 2009
Helmut Schmidt ist mittlerweile so etwas wie eine Kultffigur, der "elder statesman" schlechthin.
Politisches wie ökonomisches Fachwissen, eine profunde Kenntnis außenpolitischer Konflikte und Entwicklungen, eine pointierte, rhetorisch präzise Artikulation seiner Thesen und Argumente sowie eine klare Meinung zu allen zentralen das öffentliche Leben betreffenden Fragen und Problemen garniert mit seiner zum Teil unbeirrt und provokativ zur Schau gestellten anachronistischen Verhaltensweise wie dem inflationären Konsum von Tabak und Nikotin - all das zeichnet Helmut Schmidt aus, all das macht ihn zum politischen Ratgeber, zum perfekten politischen Analytiker, der er ist, zum Politikerklärer der Nation. Und - nicht ohne Grund also - zur Kultfigur.

Denn er hat nicht nur eine eigene Meinung, sondern er äußert diese auch derart klar, dass es eine Freude ist, seine Artikel oder Bücher zu lesen und seine Fernsehinterviews oder, wie hier, Interviews in gedruckter Form zu verfolgen.
Und so ist auch diese Sammlung von Interviews von Giovanni di Lorenzo mit Helmut Schmidt Schmidt wirklich uneingeschränkt zu empfehlen, da in den unzähligen Gesprächen nicht nur politische Themen zur Sprache kommen - doch diese natürlich zuvorderst, und zwar das ganze Spektrum von der Bildungs-, Außen-, Verteigigungs- bis zur Energie- oder Klimapolitik - sondern auch der Mensch Helmut Schmidt, seine persönliche Geschichte, seine ethisch-philosophischen Grundsätze und Maximen, seine Einstellung zur Religion, seine wichtigsten Freunde und seine politische Prägung Gegenstand der Gespräche sind und eben so ausührlich, wie Schmidt jeweils zu antworten bereit war, thematisiert wurden.
Einer der Höhepunkte des Büchleins ist indes neben den zahlreichen interessanten Gesprächen mit Helmut Schmidt persönlich ein Gespräch mit dessen Sekretärin, die dem Leser Einblick in den Arbeitsalltag Schmidts gewährt und dabei auch einiges von Schmidt hanseatischer Nüchternheit ("Lob ist, wenn er gar nichts sagt.") zu berichten weiß.
All das ist nicht nur lehrreich, sondern vor allem auch unterhaltsam. Und kurzweilig. Und dank Schmidts deutlicher Rhetorik und der mitunter wenig diplomatischen Äußerung seiner Meinungen auch ungemein leicht und wenig anstrengend zu lesen.
Schnell hat man das Buch durch und ist dann fast ein wenig enttäuscht, dass man nicht mehr weiter lesen kann und vorerst keine weiteren Geschichten mehr von und über Helmut Schmidt sowie dessen alte Weggefährten wie Wehner, Brandt oder Strauß erfahren wird.
Glücklich darf sich daher der Leser schätzen, der das Buch noch nicht gelesen hat. Denn lehrreicher und unterhaltsamer kann man in dieser Kombination von keinem anderen Politiker unterhalten werden.
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am 19. März 2009
Ich kann mir sehr wohl vorstellen, warum viele Leser der Zeit die aktuellen Ausgaben auch deshalb erworben haben, weil auf der letzten Seite die mittlerweile schon zur Sucht werdenden Artikel mit Helmut Schmidt und Giovanni Di Lorenzo immer wieder fasziniert haben. Dieser Helmut Schmidt ist einfach nur grandios, nicht nur wegen seines überaus schon "unnatürlichen" Allgemeinwissens, besonders was das Weltgeschehen angeht, sondern auch dadurch, dass sich selbst jüngere Menschen, auch aufgrund seiner auch mal flapsigen Redensweise, als Fans von ihm fühlen können. Er versteht es, mit seiner ruhigen und besonnen hamburgischen Art, die Leser immer wieder in seinen Bann zu ziehen. Ich jedenfalls, habe das Buch nicht mehr aus der Hand legen können und kann nur jedem empfehlen, aus diesen Interviews für sich Kapital zu schlagen. 5 Sterne.
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am 25. Oktober 2013
Dieses Buch habe ich verschlungen. Und ich gebe zu: Als Nichtraucher konnte ich förmlich den Dunst des Herrn Schmidt riechen, konnte ihn sehen, zum greifen nah.
Diese Wortduelle zwischen zwei grossen Männern. Unglaublich weitsichtig, mutig, geradeaus, verwegen. Sie nehmen uns mit in das Büro, hinter den Schreibtisch, während die Zigarette angezündet wird und sich langsam das Gespräch entwickelt. Wir dürfen zuhören und zusehen, wie sich Gedankenfäden zu Tampen formen, wie das vorsichtig formulierte Wort zur innigen Rede wird.
Ich mag die Ansichten von Helmut Schmidt gern lesen und hören. Dies Buch ist eine reine und wahre Freude für Menschen, die Interesse an der Politik und am Weltgeschehen haben.
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am 20. September 2009
Der Titel ist Programm: dieses Büchlein ist eine ideale Lektüre für zwischendurch, und es war eine großartige Idee, die Zigarettengespräche aus der "Zeit" zusammenzufassen. (Allerdings sollten sich die passionierten Leser dieser Wochenzeitung nicht von dem Werbetext des Verlages irritieren lassen, denn wer die Interviews regelmäßig gelesen hat, benötigt dieses Buch nicht unbedingt).
Von Einsichten in Helmut Schmidts Alltag bis hin zu tiefsinnigen politischen Analysen, die im Vergleich zu manchem modernen Politiker gestochen scharf, prägnant und auch überzeugend daher kommen, vermittelt dieses Buch unweigerlich einen gehörigen Respekt vor dem ehemaligen Bundeskanzler. Durch die Vielfalt der Themen findet jeder Leser irgendwie einen Zugang zu diesem für den Durchschnittsbürger ansonsten eher unnahbar wirkenden Menschen. Und wenn auch die Interviews (bewusst) kurz gehalten sind, erfährt man doch sehr viel persönliche Dinge über den passionierten Raucher und Kaffeetrinker.
Helmut Schmidt ist sicherlich für viele politisch Andersdenkende (und vehemente Nichtraucher) eine streitbare Persönlichkeit, aber er wirkt wahrscheinlich insbesondere aufgrund seines Alters in Verbindung mit einem überragenden Intellekt absolut glaubwürdig in den Dingen, die er vertritt. Und es ist überaus faszinierend und zuweilen auch sehr spaßig, ihm beim Lesen "zuzuhören".
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am 26. Februar 2016
Hier (wie eigentlich in allen seinen Büchern) ist keine Zeile und kein Wort zuviel.

Wenn man es einmal gekostet hat, wird man ihn und seine Betrachtungsweise der Welt nicht mehr missen wollen.

Mit ihm ist ein grossartiger Mensch, Denker und Politiker gegangen.

...
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"Ohne Schmidt und seine Weisheiten würde das ZEIT-Magazin jeden Donnerstag ungelesen auf Deutschlands Couchtischen gestapelt." hatte seinerzeit die FAZ gegiftet. Wohl auch ein bißchen aus Neid, denn welche Zeitung würde sich nicht wünschen, ihren Lesern jede Woche ein Interview mit dem bei den Deutschen hochbeliebten Schmidt offerieren zu können. Als Herausgeber der ZEIT konnte Helmut Schmidt seinem Chefredakteur di Lorenzo diese Maßnahme zur Steigerung der Auflage unmöglich abschlagen. Er hat die Laufzeit der Interviewserie aber klugerweise befristet. So mißgünstig die Leute von der FAZ darüber urteilten, vielleicht hatten sie ja recht. Auch ich selbst hatte damals meist nur die vorletzte Seite des ZEIT-Magazins - eben die mit dem Schmidt-Interview - gelesen, die allerdings mit dem größten Vergnügen :-).

Die Stärke dieses Bändchens ist, daß man Schmidt von einer anderen Seite kennenlernt und die eine oder andere Anekdote erfährt. Der große Nachteil ist freilich, daß nur selten Raum bleibt, Argumente in der notwendigen Tiefe zu entwickeln wie z.B. zum Thema "Amerikaner und Antiamerikaner": Hier sagte Schmidt: "Die Vorstellung, daß wir die Befreiung von Hitler allein den Amerikanern verdanken, ist historischer Unfug." Darauf di Lorenzo: "Wäre ein Gefühl der Dankbarkeit nicht dennoch angemessen?" Wieder Schmidt: "Das Gefühl der Dankbarkeit hat zum allerersten Mal Richard von Weizsäcker in seiner berühmten großen Rede vom 8. Mai 1985 ausgedrückt. Er hat dem deutschen Volk erstmals klargemacht, daß der verlorene Krieg in Wirklichkeit eine Befreiung war". "Reichlich spät", maulte di Lorenzo, worauf Schmidt einwandte: "Wenn das ein Bundespräsident zehn Jahre vorher gesagt hätte, hätte er keine Resonanz gefunden. So lange hat es gebraucht. Was übrigens kein Wunder ist, denn die Niederlage war verheerend." Das ist eine sehr differenzierte Stellungnahme seitens Schmidt zum 8. Mai, aber man wäre gerne noch ein bißchen beim Thema verweilt und hätte weitergefragt, ob die Deutschen den Begriff Befreiung nun akzeptieren, weil sich die Verheerungen aus ihrem Bewußtsein verlieren oder weil sie sie in ein neues Verhältnis zur Befreiung setzen können.

Ein dauerhaft heikles Thema in der westlichen Welt sind die "Kriege im Namen der Menschenrechte", das unter der Überschrift '"Man kann Gewalt nicht mit Gewalt ausrotten'" (S. 284ff) behandelt wird. Unermüdlich plädiert Schmidt für das Primat der Diplomatie und führt aus, daß vor den Kriegen die diplomatischen Möglichkeiten selten ausgeschöpft würden und daß es kaum einen Krieg gäbe, der nicht humanitär bemäntelt würde. Solche Stellungnahmen sind rar und kommen beim deutschen Establishment gar nicht gut an. Ob di Lorenzo mehr unter Schmidts Qualm als unter dessen bellizismuskritischen Ausführungen gelitten hat, ist unklar. In der ZEIT jammerte er jedenfalls darüber, daß bei den Gesprächen mit Helmut Schmidt die Fenster zubleiben mußten und selbst nach dem Durchlüften über das ganze Wochenende sich der Tabakgeruch noch nicht verzogen hatte ;-).

Dieses Büchlein ist zwar ganz nett, kommt aber nicht an das DIN A4 Format der Erstveröffentlichung der Interviews im ZEIT-Magazin heran. Es enthält einige aufschlußreiche Fragestellungen (darunter die oben zitierten), wirklich wichtig für Kopf und Bücherschrank und uneingeschränkt empfehlenswert ist Schmidts großes und argumentativ starkes Buch Außer Dienst: Eine Bilanz.
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Giovanni di Lorenzo hat die meisten dieser Gespräche »auf eine Zigarette« mit dem wohl berühmtesten Tabakkonsumenten der Bundesrepublik Deutschland geführt. Der mittlerweile 90jährige frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt plauderte eineinhalb Jahre für die von ihm mit herausgegebene Wochenzeitung »Die Zeit« über Gott und die Welt mit di Lorenzo und gelegentlich anderen Journalisten.
Dabei kamen - natürlich - Ereignisse aus der Geschichte Deutschlands zur Sprache, aber auch Aktuelles und Generelles.
In diesem Buch nun wurden die schönsten dieser Gespräche zusammengetragen, zusätzlich gibt es ein unveröffentlichtes Interview über Liebe, Leid und Tod.
Helmut Schmidt gelingt der Blick über das Tagespolitische hinaus, womöglich etwas, was einem Menschen verwehrt bleibt, solange er noch aktiver Politiker ist. Die Gespräche mit Helmut Schmidt in diesem Buch sind durchweg unterhaltsam zu lesen - dies ist alles andere als ein trockenes politisches Werk oder eine historische Abhandlung. Es ist Unterhaltungslektüre im besten Sinne, mit Tiefgang, amüsanten und anrührenden Momenten, die auch einen Blick in das Empfinden eines Mannes gewährt, der in mehreren Fällen Entscheidungen zu treffen hatte, die das Schicksal Deutschlands und Europas beeinflussten.
Manches hat mich überrascht, zum Beispiel seine sehr positiven Worte über Franz-Josef Strauß und seine Gedanken über Gott.
Helmut Schmidt erweist sich in diesen Gesprächen wie in seiner Kanzlerschaft als Mann mit Profil, der anderen gerne zuhört, auch wenn sie Kritik zu üben haben, der aber den Mut und die Kraft zur eigenen Meinung und Entscheidung hat.

Mein Fazit: Sehr lesenswert, ob man nun der politischen Partei Schmidts zugetan ist oder nicht, ob alt oder jung.
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Warum der wohl berühmteste Kettenraucher unserer Republik immer noch regelmäßig im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht und Menschen aller Altersgruppen anspricht, wird wohl u.a. an der Art und Weise liegen, wie er seine Standpunkte darlegt - überzeugend, kompetent, erfrischend ehrlich, charmant, zuweilen durchaus undiplomatisch - eben kein Herumgeeiere, sondern klare, wenn auch unbequeme Positionen, keine weichgespühlten Dauerwahlkampftöne, welche seine heutigen Nachfolger von Zeit zu Zeit absondern...

Unfehlbar war Schmidt sicherlich nicht, wer seine Interviews verfolgt hat, wird jedoch feststellen dürfen, dass der Mann durchaus die Größe hat Fehleinschätzungen zuzugeben und trotz aller Ämter und Würden Bodenhaftung bewahrt hat.

Altkanzler Schmidt, Jahrgang 1918, sein politischer Werdegang dürfte bekannt sein - Senator in Hamburg, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, Verteidigungsminister, Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen - fünfter Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Seine Regierungszeit wurde von zahlreichen Entwicklungen tangiert, stellvertretend mögen die Ölkrisen der 1970er Jahre, der sog. "Deutsche Herbst", der NATO-Doppelbeschluss und das konstruktiven Misstrauensvotum des Jahres 1982 in Erinnerung gerufen werden, welches seinem Nachfolger, Helmut Kohl, letztlich den Weg ins Kanzleramt ebnete - ein Mensch also, welcher Geschichte erlebte und an ihr mitgeschrieben hat, sein "Schreibstil" hat ihm dabei u.a. den Spitznamen "Schmidt-Schnauze" eingebracht.

Donnerstags "Die Zeit" - der erste Blick in eben die Interviews mit Giovanni di Lorenzo - dazu eine Tasse Kaffee - dieses liebgewonnene Ritual fehlte mir bereits bei der ersten Ausgabe ohne "Zigarette mit Helmut Schmidt" - schön, dass hier ein Großteil der Gespräche "konserviert" wurde und man nun von Zeit zu Zeit nachschlagen kann, um nicht zuletzt die Prognosen des Altkanzlers mit der tatsächlichen Entwicklung der Welt - in Wirtschaft und Politik - abzugleichen - in dem Zusammenhang ist lediglich schade, dass man im Buch keine Zeitangabe zum Tag des geführten Interviews findet.
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