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am 17. Februar 2013
Von Kleist zu lernen, heißt auf der Suche nach seinem Ich zu sein.

Wie häufig wurde Kleist herangezogen, wenn es um narzisstische Störungen geht. Schmidbauer hat gerade ein Buch darüber entlang des Kleist-Lebens verfasst. Doch hier geht es nur um ein sehr kleines Essay, ein Zwiegespräch über Marionetten und Puppen und ihrer Grazie und Anmut. Was macht dieses Gespräch für die heutige Zeit so lesenswert, wird man zurecht fragen.

Der Erzähler trifft auf einen Tänzer eines Theaters, den er jedoch schon vorher im Marionettentheater angetroffen hat. Dieser versichert, dass ein Tänzer viel von der Pantomimik dieser Puppen lernen könne. Und hier setzt die Erzählung ein. Der Tänzer stellt fest, dass diese Puppen genau einen Schwerpunkt haben; an diesem ihre Linien und Kurven ziehen und so in höchster Einfachheit tanzen, weil alle Glieder wie tot dem Schwerpunkt folgen. Selbst der Mechanist, der die Marionette hält, wird ein Teil dieses Schwerpunktes. Er lässt sich ein auf die Führung seiner selbst.

Diese Gegebenheit lässt sich übertragen auf den Menschen, dem es gelingt, seiner Natürlichkeit zu folgen und ohne weitere Beachtung dieses natürlichen Seins, mit sich im Einklang zu stehen. Er folgt, wenn man so will, seiner Seele, wie die Marionette in der Bewegung der Linie des Schwerpunktes folgt, sich auf den "Weg der Seele des Tänzers" begibt. Im Gegensatz dazu berichtet der Erzähler wie der Tänzer jeweils von Begebenheiten, in denen die natürliche Anmut einer Bewegung verloren geht, wenn man sie kontrollieren möchte. So erlebt der Jüngling die Krisen des Selbsterlebens vor dem Spiegel in der unnatürlichen Wiederholung einer an sich natürlichen Bewegung. Selbst in der fabelhaften Welt des Bären, von dem berichtet wird, er würde einen hervorragenden Fechter allein mittels seinem Gleichmut und seiner Ruhe bezwingen können, wird deutlich, dass sich aus den inneren Fähigkeiten und der Natürlichkeit des Einsatzes höchste Wirkung entfaltet. Zu dem geht mit den verzweifelten Versuchen des Fechters, sich beste Strategien zu überlegen, die natürliche Anmut und Sicherheit der Bewegungen verloren.

Wenn die Marionetten, Elfen gleich, schwebend den Boden streifen, um erneut Fahrt und Bewegung aufzunehmen, um "sich neu zu beleben", so gilt für den Menschen, dass er den Boden braucht, um zu ruhen. Kein Element des Tanzes ist diese Ruhe, es ist ein Moment, den man gern verschwinden lässt. Diese Gegensätzlichkeit von ursprünglicher Natürlichkeit und erarbeiteter Kunstfertigkeit führt Kleist zurück ins Paradies, wo vom Baum der Erkenntnis gegessen wurde. Diese Erkenntnis nimmt die Natürlichkeit und damit verwandelt sie die Leichtigkeit in Schwere. Nur ein Gott kann sich mit Materie messen, nur ein Gott kommt dieser Haltung des IN-Der-Welt-Seins gleich den Puppen, die sich an ihrem Schwerpunkt orientieren, dass heißt an der Bewegung ihrer Seele. Solange es dem Menschen nicht gelingt, die Seele zu seinem Schwerpunkt zu machen, ist sein Ich verzerrt, ihm bleibt das Suchen oder wie Kleist postuliert, dass erneute Essen vom Baum der Erkenntnis, um zu dem Punkt zu kommen, "wo die beiden Enden einer ringförmigen Welt in einander greifen".

Die Spannung zwischen dem Streben nach Perfektion und der Erfahrung, sie einlösen zu können, bringt nur eine andere Art existenzieller Zerbrechlichkeit hervor. Diese Spannung ist auch für das 21. Jahrhundert ein aktuelles Thema, zumindest dann, wenn die natürliche Lebenswirklichkeit zunehmend von lebensveränderten Maßnahmen wie Doping, Lifting, etc beeinflusst wird. Wieder in den Stand der Unschuld zu verfallen, ist seine Botschaft und diese Botschaft ist nicht mehr, als "das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt".

Und so schließt Kleist: wenn die Erkenntnis durch ein Unendliches gegangen ist, sich Grazie und Anmut neu bilden und diese Grazie zu gleicher Zeit im reinsten Körperbau erscheint, der entweder gar keins oder ein unendliches Bewusstsein hat, d.h. in der Marionette oder in Gott. Letztendlich wird so die Gliederpuppe als eine Allegorie für einen vollkommenen Menschen verstanden, der er war vor dem Verlust der Anmut durch die Vertreibung aus dem Paradies. Und doch bleibt die Marionette ein Paradoxon, wie Kleist selber schreibt. Er drängt mit diesem Essay zur Auflösung vorgefasster Wertungen, insbesondere stellt er die Überlegenheit des menschlichen Denkens oder des menschlichen Bewusstseins (gegen Kant) in Frage. Und er spricht gegen den Schmerz der Gegenwart, die allgegenwärtige Coolness, die nach Blamberger nicht mehr als eine Trägheit des Herzens wie des Kopfes ist.

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am 4. Januar 2012
Von Kleist zu lernen, heißt auf der Suche nach seinem Ich zu sein.

Wie häufig wurde Kleist herangezogen, wenn es um narzisstische Störungen geht. Schmidbauer hat gerade ein Buch darüber entlang des Kleist-Lebens verfasst. Doch hier geht es nur um ein sehr kleines Essay, ein Zwiegespräch über Marionetten und Puppen und ihrer Grazie und Anmut. Was macht dieses Gespräch für die heutige Zeit so lesenswert, wird man zurecht fragen.

Der Erzähler trifft auf einen Tänzer eines Theaters, den er jedoch schon vorher im Marionettentheater angetroffen hat. Dieser versichert, dass ein Tänzer viel von der Pantomimik dieser Puppen lernen könne. Und hier setzt die Erzählung ein. Der Tänzer stellt fest, dass diese Puppen genau einen Schwerpunkt haben; an diesem ihre Linien und Kurven ziehen und so in höchster Einfachheit tanzen, weil alle Glieder wie tot dem Schwerpunkt folgen. Selbst der Mechanist, der die Marionette hält, wird ein Teil dieses Schwerpunktes. Er lässt sich ein auf die Führung seiner selbst.

Diese Gegebenheit lässt sich übertragen auf den Menschen, dem es gelingt, seiner Natürlichkeit zu folgen und ohne weitere Beachtung dieses natürlichen Seins, mit sich im Einklang zu stehen. Er folgt, wenn man so will, seiner Seele, wie die Marionette in der Bewegung der Linie des Schwerpunktes folgt, sich auf den "Weg der Seele des Tänzers" begibt. Im Gegensatz dazu berichtet der Erzähler wie der Tänzer jeweils von Begebenheiten, in denen die natürliche Anmut einer Bewegung verloren geht, wenn man sie kontrollieren möchte. So erlebt der Jüngling die Krisen des Selbsterlebens vor dem Spiegel in der unnatürlichen Wiederholung einer an sich natürlichen Bewegung. Selbst in der fabelhaften Welt des Bären, von dem berichtet wird, er würde einen hervorragenden Fechter allein mittels seinem Gleichmut und seiner Ruhe bezwingen können, wird deutlich, dass sich aus den inneren Fähigkeiten und der Natürlichkeit des Einsatzes höchste Wirkung entfaltet. Zu dem geht mit den verzweifelten Versuchen des Fechters, sich beste Strategien zu überlegen, die natürliche Anmut und Sicherheit der Bewegungen verloren.

Wenn die Marionetten, Elfen gleich, schwebend den Boden streifen, um erneut Fahrt und Bewegung aufzunehmen, um "sich neu zu beleben", so gilt für den Menschen, dass er den Boden braucht, um zu ruhen. Kein Element des Tanzes ist diese Ruhe, es ist ein Moment, den man gern verschwinden lässt. Diese Gegensätzlichkeit von ursprünglicher Natürlichkeit und erarbeiteter Kunstfertigkeit führt Kleist zurück ins Paradies, wo vom Baum der Erkenntnis gegessen wurde. Diese Erkenntnis nimmt die Natürlichkeit und damit verwandelt sie die Leichtigkeit in Schwere. Nur ein Gott kann sich mit Materie messen, nur ein Gott kommt dieser Haltung des IN-Der-Welt-Seins gleich den Puppen, die sich an ihrem Schwerpunkt orientieren, dass heißt an der Bewegung ihrer Seele. Solange es dem Menschen nicht gelingt, die Seele zu seinem Schwerpunkt zu machen, ist sein Ich verzerrt, ihm bleibt das Suchen oder wie Kleist postuliert, dass erneute Essen vom Baum der Erkenntnis, um zu dem Punkt zu kommen, "wo die beiden Enden einer ringförmigen Welt in einander greifen".

Die Spannung zwischen dem Streben nach Perfektion und der Erfahrung, sie einlösen zu können, bringt nur eine andere Art existenzieller Zerbrechlichkeit hervor. Diese Spannung ist auch für das 21. Jahrhundert ein aktuelles Thema, zumindest dann, wenn die natürliche Lebenswirklichkeit zunehmend von lebensveränderten Maßnahmen wie Doping, Lifting, etc beeinflusst wird. Wieder in den Stand der Unschuld zu verfallen, ist seine Botschaft und diese Botschaft ist nicht mehr, als "das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt".

Und so schließt Kleist: wenn die Erkenntnis durch ein Unendliches gegangen ist, sich Grazie und Anmut neu bilden und diese Grazie erscheint zu gleicher Zeit im reinsten Körperbau, der entweder gar keins oder ein unendliches Bewusstsein hat, d.h. in der Marionette oder in Gott. Letztendlich wird so die Marionette als eine Allegorie für einen vollkommenen Menschen verstanden, der er war vor dem Verlust der Anmut durch die Vertreibung aus dem Paradies. Und doch bleibt die Marionette ein Paradoxon, wie Kleist selber schreibt. Er drängt mit diesem Essay zur Auflösung vorgefasster Wertungen, insbesondere stellt er die Überlegenheit des menschlichen Denkens oder des menschlichen Bewusstseins (gegen Kant) in Frage. Und er spricht gegen den Schmerz der Gegenwart, die allgegenwärtige Coolness, die nach Blamberger nicht mehr als eine Trägheit des Herzens wie des Kopfes ist.
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11 Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. April 2013
Muß man mehrmals lesen, um zu erkennen, in welch knapper Form hier spätere Werke von Hermann Hesse z.B. vorweggenommen werden.
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