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TOP 500 REZENSENTam 20. Juli 2016
…Welt als Geschichte gibt es ein ewig wechselndes Wahrsein" (894). Es muss etwas dran sein an einem Buch, dessen Titel idiomatisch in den Sprachgebrauch eingegangen ist. Spengler, der Privatgelehrte, der Einzelgänger, 1936 völlig vereinsamt und von der Öffentlichkeit vergessen gestorben, veröffentlichte zwischen 1918 und 1922 sein monumentales Werk "Der Untergang des Abendlandes: Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte“ und traf damit den Zeitgeist einer durch die Kriegsniederlage in ihrem Selbstbewusstsein erschütterten Nation, die sich durch den Versailler Vertrag noch zusätzlich gedemütigt sah und somit ständig das Ende einer Epoche, eines Zeitalters vor Augen hatte. Doch Spengler dachte in viel größeren Maßstäben; es war sein Ziel, ein allgemeingültiges Strukturschema – im Untertitel des Buches "Morphologie" genannt – vom Entstehen, Erblühen und Untergang von Kulturen zu entwerfen. Neben dem Abendland – darunter versteht Spengler die Geschichte Westeuropas seit 900 n. Chr. und später auch noch die Nordamerikas – identifiziert der Autor Indien, China, Babylon, die aztekische, die ägyptische, die arabische und die antike (damit meint er den griechisch-römischen Kulturkreis seit 1100 v. Chr.) Kultur als organische Einheiten, die allesamt wesentliche Strukturmerkmale teilten: "Ich sehe statt jenes öden Bildes einer linienförmigen Weltgeschichte, das man nur aufrecht erhält, wenn man vor der überwiegenden Menge der Tatsachen das Auge schließt, das Schauspiel einer Vielzahl mächtiger Kulturen, die mit urweltlicher Kraft aus dem Schoße einer mütterlichen Landschaft, an die jede von ihnen im Verlauf ihres Daseins streng gebunden ist, aufblühen, von denen jede ihrem Stoff, dem Menschentum, ihre eigne Form aufprägt, von denen jede ihre eigne Idee, ihre eignen Leidenschaften, ihr eignes Leben, Wollen, Fühlen, ihren eignen Tod hat" (29).

Nietzsches Einfluss auf Spengler – die ewige Wiederkunft des Gleichen – ist in dieser Kulturmorphologie deutlich zu spüren. Doch worin besteht dieses Gleiche, was so unterschiedliche Kulturen wie die der Chinesen und der Azteken verbinden soll? Spenglers Sprache, seine organische Herangehensweise an Kulturen, an Geschichte, ist für uns Heutige stark gewöhnungsbedürftig und entfaltet doch, oder vielleicht auch gerade deswegen, eine argumentative Kraft, der man sich nur allzu gerne hingibt. Er vergleicht Kulturen mit dem Lebenszyklus einer Pflanze, welche mit einem Samenkorn beginnt, langsam wächst, schließlich erblüht, verwelkt und am Ende stirbt. Konkret identifiziert Spengler Phasen wie die Reformation oder die Renaissance in jeder der von ihm verorteten Kulturen. Zudem erkennt er in jedem Zeitalter die Tendenz zur Versachlichung, zur Entzauberung der Welt, was dann aber immer zu einer Respiritualisierung führen würde: "Aber die Geschichte lehrt, daß der Zweifel am Glauben zum Wissen führt und der Zweifel am Wissen nach einer Zeit des kritischen Optimismus wieder zurück zum Glauben" (887).

Und doch gebe es etwas, so Spengler, was den Abendländer von allen anderen Kulturen unterscheide: Dies sei der faustische Menschentyp, der immer zweifelnde, ewig strebende Geist, der niemals ruht. Demgegenüber stellt Spengler den apollinischen Menschen der Antike, der eher sinnlich orientiert sei, nur in der Gegenwart lebe und dem das faustische Streben fremd sei. Daraus ließen sich auch die wesentlichen Unterschiede in den morphologischen Entsprechungen der einzelnen Bereiche erklären. Die antiken Götter, körperlich und sinnlich orientiert, der abendländische Gott, allmächtig, allwissend und immer fordernd. Der antike „Staat“ war am überschaubaren Maßstab der Polis orientiert, der abendländische hingegen raumgreifend, expansiv.

Zu Beginn des zweiten Teils der Darstellung konzentriert sich Spengler auf die aktuelle Situation des Abendlandes, welches er zu Beginn des 20. Jahrhundert im Stadium des Verblühens sah. Einige seiner Beobachtungen sind von bemerkenswerter Aktualität und entsprechen damals wie heute dem Lebensgefühl eines wachsenden Teils der Bevölkerung. Über das Treiben der Presse schreibt er: "Was sie will, ist wahr. Ihre Befehlshaber erzeugen, verwandeln, vertauschen Wahrheiten. Drei Wochen Pressearbeit und alle Welt hat die Wahrheit erkannt [...]. Man will nur noch denken, was man wollen soll, und eben das empfindet man als seine Freiheit" (1139+1141). Besser als jeder heutiger Zeitgenosse hat Spengler damit das aktuelle Wesen des Erziehungs- und Gesinnungsjournalismus auf den Punkt gebracht. Presse, Technisierung und Rationalisierung sieht Spengler als Zeichen von Zivilisation, die Stufe, die jede Kultur kurz vor ihrem Untergang durchlebe.

Schon seine Zeitgenossen bezeichneten Spengler als Kulturpessimisten, eine Bezeichnung, die sich bis heute gehalten hat. Er selbst hat sich vehement gegen diese Einordnung verwahrt, und in der Tat liegt seiner Geschichtsphilosophie ein zutiefst optimistischer Impetus zugrunde. Ja, alles, was ist, geht zugrunde, doch es entsteht auch immer etwas Neues, womit das Leben und Sterben von Kulturen dem ewigen Leben und Sterben in der Welt der Natur entspreche. Etwas Altes geht unter, etwas Neues entsteht – das ist nichts Fröhliches, nichts Trauriges, es ist schlicht das Gesetz des Lebens und wir Menschen können nur entscheiden, ob wir diesen ewigen Wandel passiv über uns entgehen lassen oder versuchen, ihn aktiv zu beeinflussen. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Fazit: Bis heute überwältigt "Der Untergang des Abendlandes" durch den universellen Anspruch, das Wesen von Leben, Tod, Kultur und Geschichte entschlüsseln zu wollen, seine unglaubliche Gelehrsamkeit und eine Sprachgewalt und ein Sprachniveau, welches man keinen heute Lebenden mehr zutraut zu erreichen. Das Denken und Schreiben Oswald Spenglers ist ein zentraler Teil deutscher Kultur- und Geistesgeschichte – völlig unabhängig von heute gültigen Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens – und wird auch weiterhin die Jahrzehnte überdauern.
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am 22. Februar 2014
Eins der wichtigsten Bücher überhaupt. Ein Schlüssel zum Verstehen der Weltgeschichte und der eigenen Zeit, in der man lebt. Man sollte sich damit auseinandergesetzt haben.
Hier eine tolle, preiswerte Ausgabe, die es ermöglicht, das Buch immer dabei zu haben.
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am 25. Mai 2017
Bin noch nicht ganz durch, aber ich kann jetzt schon sagen, daß dies eines der besten Werke ist, die ich je gelesen habe. Hier bekommt man die zwei ursprünglichen Bände in einem Buch vereint. Dann auch noch gebunden. Preisgünstiger geht es eigentlich nicht mehr.
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am 21. März 2016
Den Spengler nehme ich mir eigentlich seit Jahrzehnten jedes Jahr, vornehmlich in den starken Jahreszeiten (Mittwinter oder Hochsommer), zur Brust. Meist lande ich beim zweiten Teil, lese ein wenig von hier nach da, und bin glücklich!!

Meine Leseerfahrung zu Spengler ist mir noch von keinem Leser vergleichbar geschildert worden. Normalerweise fehlt mir aber die Originalität, um allzu idiosynkatisch zu reagieren. Komisch! Manchmal denke ich, den hat ja keiner mehr seit den zwanziger Jahren unvoreingenommen zur Hand genommen!

Anders als meine Vorredner und die üblichen Wertungen empfinde ich das Buch als heiter, lebenszugewandt und optimistisch. Dass nichts bleibt wissen wir ja nun wirklich mitlerweile alle. Da singt man am besten mit Hannes Wader:

"So vergeht Jahr um Jahr
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt, dass nichts bleibt,
wie es war."

Wenn schon aber nichts bleibt, dann ist der Ansatz von Spengler pure Menschenliebe, Epikuräer ohne die Strenge Epikurs!

Nun aber zum eigentlichen Kern: Das Buch ist, gerade im zweiten Teil, hochpoetisch, fast lyrisch, mit wundervollen Sprachbildern und Metaphern überreich ausgestattet, ein Bilderbuch, Herodot in Goethes Sprache und Nietzsches Originalität. Und Spenglers Sensibilitäten sind oft neu, d.h. sie ermöglichen es uns, etwas mit neuen Augen zu sehen, was noch kein Mensch zuvor geschaut hat.

Rundheraus: Der eine geniale Wurf der Jugend, zur vollen Reife gelangt um 1920 wärend der Arbeit am Band zwei. Danach aber leider nur Schweigen und politischer Unfug!

Na gut, manchmal klingt dann auch mal eine Passage aus dem Untergang wie Rudolf Steiner, aber es gibt ja nun wirklich Schlimmeres ...! Na ja, es gibt auch einiges an inhaltlichen Detailfehlern für den geübten Erbsenfinder, aber spielt das bei diesen hunderten von echten Innovationen irgendeine Rolle? Es bleibt die ungeheure Fundgrube!

Hier der Anfang des zweiten Bandes als kleines Textbeispiel:

"Betrachte die Blumen am Abend, wenn in der sinkenden Sonne eine nach der anderen sich schließt: etwas unheimliches dringt dann auf dich ein, ein Gefühl von rätselhafter Angst vor diesem blinden, traumhaften, der Erde verbundenen Dasein. Der stumme Wald, die schweigenden Wiesen, jener Busch und diese Ranke regen sich nicht. Der Wind ist es, der mit ihnen spielt. Nur die kleine Mücke ist frei; sie tanzt noch im Abendlichte; sie bewegt sich, wohin sie will.
Eine Pflanze ist nichts für sich. Sie bildet einen Teil der Landschaft, in der ein Zufall sie Wurzeln zu fassen zwang. Die Dämmerung, die Kühle und das Schließen aller Blüten - das ist nicht Ursache und Wirkung, nicht Gefahr und Entschluß, sondern ein einheitlicher Naturvorgang, der sich neben, mit und in der Pflanze vollzieht. Es steht der einzelnen nicht frei, für sich zu warten, zu wollen oder zu wählen.
Ein Tier aber kann wählen. Es ist aus der Verbundenheit der ganzen übrigen Welt gelöst. Jener Mückenschwarm, der noch am Wege tanzt, ein einsamer Vogel, der durch den Abend fliegt, ein Fuchs, der ein Nest beschleicht - sie sind kleine Welten für sich in einer anderen großen.
(...)
Verbundenheit und Freiheit: das ist der tiefste und letzte Grundzug in allem, was wir als pflanzenhaftes und tierhaftes Dasein unterscheiden. Doch nur die Pflanze ist ganz, was sie ist. Im Wesen eines Tieres liegt etwas Zwiespältiges. Eine Pflanze ist nur Pflanze, ein Tier ist Pflanze und noch etwas außerdem. Eine Herde, die sich zitternd vor einer Gefahr zusammendrängt, ein Kind, das weinend seine Mutter umklammert, ein verzweifelter Mensch, der sich in seinen Gott hineindrängen möchte, sie wollen alle aus dem Dasein in Freiheit zurück in jenes verbundene, pflanzenhafte, aus dem sie zur Einsamkeit entlassen sind."
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am 30. Januar 2014
Wer sich mit der Geschichte des Teiles der Welt, in der er lebt, beschäftigt, sollte diesen "Klassiker" lesen und bei der Bewertung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit zu Rate ziehen (können),
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VINE-PRODUKTTESTERam 12. April 2013
Dieses Buch hat mich schon angezogen, bevor ich es zum ersten mal in die Hand nahm: 1195 Seiten in kleinem Druck durch 6000 Jahre Geschichte. Dann, als ich es las, hat es mich abgestoßen, als ob ich mich an etwas Schwerem, Buttrigem überfressen hätte. Und dennoch habe ich es immer wieder zur Hand nehmen müssen, wollte wieder eintauchen in diese Gedankenwelt, die vor allem eines ist, nämlich weitab vom akademischen Konsens, vom gesellschaftlichen Mainstream, vom Alltagsdenken des modernen Menschen.
Was an Spengler so fasziniert, ist, dass er offen anspricht, nein ausbreitet, was jedem Menschen in den hinteren Winkeln des Bewusstseins schon einmal aufgeschienen ist, was aber bewusst und öffentlich, zumindest in der Moderne, nicht behandelt wird. Es ist seine These vom Widerspruch von Kultur und Zivilisation, von Seele und Verstand, oder, um es in der eigentümlichen und eigensinnigen Art Spenglers zu sagen: Dasein und Wachsein. Tatsächlich erinnert die Lektüre manchmal entfernt an den - als solchen diffamierten - "Jargon" Heideggers. Spengler nutzt oft Worte, die schon qua Konvention mit einer bestimmten Bedeutung besetzt sind, und wendet sie beinahe in ihr semantisches Gegenteil. Er tut dies ohne argumentative Begründung; Spengler "schaut", wie einst Platon, und erkennt, das ist sein eigener Anspruch, zwar nicht die Gesetzmäßigkeiten der Geschichte, aber die "Morphologie" des Lebens, des Entstehens und Vergehens der Völker, der Hochkulturen, also der Weltgeschichte.
Spengler meint zu erkennen, dass dem "Geist", dem Wachsein, Religion und Wissenschaft, "Wahrheiten" (im Plural), Moral, und letztlich die Dualität von "Gut und Böse" (als Urteilskategorien) entspringen. Dem "Leben" aber, das heißt quasi dem "Leib" eines Volkes, - entspringen das "Dasein", Wirtschaft und Politik, Tatsachen, Sitte, der ursprünglichere Dualismus von "Gut und Schlecht". Und hier erkennt man das, was beim Lesen so buttrig, so schwer wirkt: Die ganze Anschauung Spenglers besteht aus endlosen Reihen von Dichotomien, vor allem eben jene von Dasein und Wachsein, aber dann wird im Wachsein noch einmal zwischen Religion und Wissenschaft unterschieden, et cetera. So geht es in einem fort, und der Leser gewinnt den Eindruck, dass dieses ständige Entzwei-Spalten der Wirklichkeit eben nicht der Natur der Wirklichkeit entspricht sondern der Phantasielosigkeit, vielleicht sogar geistigen Enge des Autors.
Was bleibt also, das an Spengler fasziniert? Nun, zunächst einmal bürstet er, wie schon gesagt, dem Zeitgeist gegen den Strich. Warum soll die Religion näher beim Verstand angesiedelt sein denn bei Leib und Seele, also beim Dasein einer Kultur? Allein diesen Gedanken zu denken, ist auf eine Art erfrischend, weil vollkommen ungewohnt. Dann wiederum mag es ja wirklich sein, dass ein Volk auf der Stufe der Kultur, auch wenn seine Erzeugnisse roher, unfertiger wirken, tatsächlich ein Mehr an innerem Reichtum, an echter Seele und Beseeltheit besitzt als eine voll entwickelte Zivilisation, die quasi nur noch abwickelt, nur noch ein Programm runterspielt, das in besinnlicheren Zeiten geschrieben, geschaffen wurde. In der mittelalterlichen Kultur des christlichen Abendlandes, von Spengler die "faustische" Kultur genannt, wurde also womöglich, ohne beeindruckenden äußeren Glanz das ganze Kapital des Ausdrucks, des Sinnes und der Semantik gesammelt - wir, in den letzten Ausläufern der daraus hervorgegangenen Zivilisation, verpulvern im Prinzip alles nur noch in einem großem, letzten Feuerwerksspektakel...-
Aber ob das wirklich so ist?
Nun, Spengler scheint etwas Wesentliches erkannt zu haben. Andererseits, und dies ist meine persönliche Ansicht, liegt er bei der Zuordnung von Wachsein und Religion vollkommen falsch. Er übergeht dort leichtfertig eine prinzipielle Unterscheidung aller religiösen Lehren, nämlich die zwischen jenseitiger und diesseitiger Wahrheit. Dies tut er ohne jede Not. Es gibt eine Weisheit der Welt und eine Weisheit vor Gott, sagt da die bedeutendste Schrift des Abendlandes. Und die weltliche Wahrheit ist Torheit vor Gott - und wiederum, das war eben schon immer so, in jedem Volk, gilt auch die göttliche Wahrheit als *Torheit vor der Welt*, oder in den Worten der Schrift, ist wie "Perlen vor die Säue" geworfen. Das klingt eben nicht nach der Sphäre des "Wachseins", der Verstandeswelt, des Berechenbaren, des zur Verhandlung stehenden, in Worte zu fassenden!
An dieser Stelle folglich ist der "Seher" Oswald Spengler seiner eigenen Weltlichkeit, seiner Modernität erlegen. Er kann eben die Seele des europäischen oder irgendeines anderen Mittelalters nicht nachfühlen, sonst hätte er dieses klar erkannt. Als moderner Mensch lässt er den Menschen mit dem Leib beginnen, ein Gedanke, der dem mittelalterlichen Menschen vollkommen fremd gewesen wäre - und kommt dadurch zu einer Morphologie, die bloß ein Zerrbild ist.
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am 9. April 2014
Wer sich gedanklich auch mal mit "Übergeschichte" beschäftigen möchte,wird einige Anregungen finden.Am besten lesen und auf Übereinstimmungen mit den heutigen "globalen" Entwicklungen entdecken.Ich bin durch Julius Evola Werke auf Spengler gestossen.Solche Werke sollten allerdings mit Vorsicht und Umsicht gelesen werden,um nicht in eine üble Richtung gelenkt zu werden.ebe 26
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am 6. April 2018
nur die einleitung von 120 seiten macht schon klar, dass der titel fakt ist,
man kann dem zustimmen oder nicht, man kann daran mitarbeiten oder nicht, individuelle entscheidung
enthält etliche tiefschürfende gedanken zum persönlichen sein und zum kollektiv
viele entwicklungen auf der erde, die als irrational erscheinen, werden plausibel
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am 19. Februar 2006
In seinem Nachwort schreibt Detlef Felken, Oswalds Spenglers Kulturkritik sei „ein ebenso anregendes wie bedrückendes Werk“. Dem ist nichts hinzuzufügen. Schon der Titel „Untergang des Abendlandes“ klingt bedrohlich. Spengler verneint den blinden Fortschrittsglauben, etwa eines Turgot, der eine stete Weiterentwicklung der Kultur und des Denkens unterstellt. Statt dessen entwickelt er ein Epochenkonzept von der Frühzeit einer Kultur bis zum Winter der Zivilisation, welches mit „innerster Notwendigkeit“, ja „Schicksal“ aufeinander folgt: „In diesem Buch wird zum erstenmal der Versuch gewagt, Geschichte vorauszubestimmen“.
Um es vorwegzunehmen, die abendländische Zivilisation befindet sich nach seiner Einschätzung in der Spätphase der Zivilisation. Dieses Stadium kann jedoch „vom Umfang mehrere Jahrhunderte“ andauern, „in deren Anfang wir gegenwärtig stehen“.
Viele seiner konservativen Gedankengänge mögen aus heutiger Sicht befremden. Er heiligt den Krieg als „Schöpfer aller großen Dinge“ und lehnt den Parlamentarismus als „bürgerliche Revolution mit anderen Mitteln“ ab. Äußerungen wie „Das dritte Reich ist das germanische Ideal“ wurden ideologisch missbraucht. Sicher, Spengler hat sich von den Nationalsozialisten blenden lassen, aber nachdem die braue Flut ihre wahre Gesinnung zeigte, distanzierte er sich von den „geistig Minderbemittelten“. Er nennt Goethe und Nietzsche als diejenigen, denen er alles verdankt. Eine Beurteilung seiner Gedanken kann nur vor dem Hintergrund der konservativen Bewegung des 18. und 19. Jahrhunderts verstanden werden. Mir hat die Vor-Lektüre Martin Greiffenhagens „Das Dilemma des Konservatismus in Deutschland“ sehr geholfen.
Betrachten wir nun seine Morphologie der Geschichte. Spengler unterscheidet vier Kunstepochen: die ägyptische, die antike, die arabische und die abendländische Epoche. Jede Epoche besitzt ihre eigene Zahlenwelt, ihre eigene Wissenschaft und ihre eigene Philosophie: „Es gibt keine ewigen Wahrheiten. Jede Philosophie ist ein Ausdruck ihrer und nur ihrer Zeit...“. (Wie kann Spengler aber dann andere Kulturen vergleichen?). Spengler unterscheidet innerhalb einer Epoche die Kulturphase und die Zivilisationsphase: „Kultur und Zivilisation – das ist wie der lebendige Leib eines Seelentums und seine Mumie... Kultur und Zivilisation – das ist ein aus der Landschaft geborener Organismus und der aus der Erstarrung hervorgegangene Mechanismus. Der Kulturmensch lebt nach innen, der zivilisierte nach außen, im Raume, unter Körpern und Tatsachen.“ Kultur ist Seele, ist Zeit; Zivilisation ist Geist, ist Raum.
Für die antike Epoche bildet Griechenland die Kulturnation, während das römische Reich die Zivilisation verkörpert. Ein Kulturvolk wie das der Griechen ist beseelt. Es denkt an den Augenblick, nicht an die Zukunft: „Die dorische Säule war eine Holzsäule. Darin spricht sich die tiefe Feindseligkeit der antiken Seele gegen die Dauer aus“.
Im Abendland begann die Kultur mit der Gotik und trat im 19. Jahrhundert in die Zivilisation ein: „Die Gotik ergreift das ganze Leben bis in seine geheimsten Winkel. Sie hat einen neuen Menschen, eine neue Welt geschaffen.“ Den Gipfel der abendländischen Kunst erblickt Spengler in der Kammermusik. Über die Renaissance spottet Spengler, dass sie „die wirkliche Antike nicht einmal berührt, geschweige denn verstanden und wiederbelebt“ habe. Ihr kommt lediglich der „Charakter einer bloßen Gegenbewegung“ zu. Hart sind auch Spenglers Wort über die zeitgenössische Kunst: „Es ist ein Spiel mit toten Formen ... Was heute als Kunst betrieben wird ist Ohnmacht und Lüge.“
Die Großstadt ist für Spengler Ausdruck der Zivilisation und Born allen Übels. Dieser unfruchtbare „Steinkoloss Weltstadt steht am Ende des Lebenslaufes einer jeden großen Kultur“. In ihr haust der heimatlose, zivilisierte, freie Mensch, der „intellektuelle Nomade“. Nur der Kulturmensch zählt zum menschlichen Typus, der Rest ist geschichtslos.
Eng verwoben mit den Begriffen Kultur und Zivilisation sind die Vorstellungen der „apollinischen“ Seele und des „faustischen“ Geistes. Die sinnliche, den Augenblick genießende Seele bezeichnet Spengler als „apollinisch“. In der Kunst spiegelt sich diese Haltung in der Skulptur und dem Akt wider. In der Malerei dominieren die Farben des Vordergrundes gelb und rot. Apollinisch ist auch das antike Drama, in dem die Einzelperson nicht zählt, die Masse alles bedeutet. Die Schauspieler trugen Masken „persona“, um ihre individuellen Gesichtszüge zu verbergen.
Im Gegensatz dazu steht die esoterische Weltanschauung des vergeistigten Menschen. Spengler gibt diesem nach Erkenntnis ringenden Geist die Bezeichnung „faustisch“. Der Verstand beherrscht seine Überlegungen. Sein Handeln ist sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit gerichtet. Der Augenblick bedeutet ihm nichts. Die Tiefenwirkung der Ölmalerei mit ihren blauen und grünen Hintergrundfarben und die Instrumentalmusik sind Ausdrucksweise dieses Lebensgefühls.
Den Unterschied zwischen Seele und Geist erblickt Spengler auch in den beiden Geschlechtern. „Der Mann erlebt das Schicksal und begreift die Kausalität, die Logik des Gewordenen nach Ursache und Wirkung. Das Weib aber ist Schicksal, ist Zeit, ist die organische Logik des Werdens selbst.“
Auch in den gesellschaftlichen Ständen erkennt er diese Polarität. Der Adel verkörpert die Seele, das Priestertum den Verstand. Spengler gerät ins Schwärmen, wenn er von ritterlichen Tugenden wie Ehre und Sitte spricht oder die adeligen Grundwerte Blut, Boden und Rasse rühmt. An der Spitze des Adels steht ein unumschränkter Herrscher wie Napoleon, der sich „zugleich als Träger einer Sendung fühlt ... Wie macht man Politik? – Der geborene Staatsmann ist vor allem Kenner ... Er hat den Blick der ohne Zögern, unbestechlich den Kreis des Möglichen umfasst. Das Richtige zu tun, ohne es zu wissen.“ Dem Kaufmanns- und Kriegsadel folgt der Grund- und Geldadel der Wirtschaft: „Um in ihr Erfolg zu haben, muss man Kenner sein ... und braucht kein Wissen“. Er beschreibt aber auch die Gefahr der Diktatur des Geldes in der großstädtischen Zivilisation.
Im Unterschied zum Adel ist das Priestertum der Stand der „Gelehrsamkeit“. Frei, zeit- und geschichtslos nennt Spengler den Priesterstand. Die Kosterschulen waren der Ursprung der abendländischen Wissenschaft und damit auch der modernen Technik, die den Menschen ins Joch spannt. Der bejahenden Ethik des Rittertums steht die verneinende christliche Moral entgegen. „Ehrlos“ ist dem Adligen das Schlimmste, „sündig“ dem Gläubigen. Spengler ist überzeugt, dass kein Glaube und keine Worte die Welt verändern oder gar Frieden bringen können: „Nicht die christliche Predigt, der christliche Märtyrer hat die Welt erobert, und dass er die Kraft dazu besaß, verdankt er nicht der Lehre, sondern dem Vorbild des Mannes am Kreuz.“
Mein Urteil: In einem geistreichen Plauderton geschrieben, aber zu langatmig.
22 Kommentare| 30 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 26. September 2015
Dies ist eine erstklassige und objektive historische Dasrsterlung fuer DSchuler so wie rege Akademiker due die Vergangenheit kennen wollen . Das ist besonders interessant wahrend unsren Zeiten

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