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am 14. September 2017
Interessantes Buch für Umsonst, da muss ich zugreifen. Wenn, wie bei diesem, der Inhalt noch zu begeistern bleibt, grosse Klasse!
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am 8. März 2014
Der Hessische Landbote

Während seines Medizinstudiums in den Jahren 1831 bis 1833 in Straßburg wurde Georg Büchner von der revolutionären Stimmung, die von der Julirevolution 1830 in Paris ausging, inspiriert. Nach Beendigung seines Studiums, kehrte er ins Großherzogtum Hessen zurück und absolvierte ein Examen-Semester in Gießen. Büchner trat der ‚Gesellschaft der Menschenrechte’, einer revolutionären, gewaltbereiten „Guerilla“-Bewegung - um in der Sprache Heines zu reden -, bei. Aus dieser Zeit stammt die Flugschrift ‚Der Hessische Landbote’, in der der Schriftsteller der herrschenden Schicht mit dem berühmten Ausruf: „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ den Kampf ankündigt.

Akribisch stellt Büchner die Einnahmen des Staates den Ausgaben gegenüber und nennt die Steuern und Abgaben der Bauern den „Blutzehnten“. Für die Vornehmen ist jeder Tag ein Sonntag, für die Bauern hat die Woche sieben Werktage. Büchner deutet die Genesis um: „… als würde die Bibel Lügen gestraft … Es sieht aus, als hätte Gott die Bauern und Handwerker am fünften Tage, und die Fürsten und Vornehmen am sechsten gemacht, und als hätte der Herr zu diesen gesagt ‚Herrschet über alles Getier, das auf Erden kriecht’ und hätte die Bauern und Bürger zum Gewürm gezählt“. Die Gesetzte schützen nicht die einfachen Bürger, sondern sind „Eigentum einer unbedeutenden Klasse“; die Justiz tituliert er als Hure der Fürsten. Während Räte, Sekretäre und „Fettwänste“ das Volk melken und „sich von eurem Schweiße mästen“, wissen die „Ackergäule des Staates“ oft nicht, wie sie ihre Familie ernähren sollen. Aber, „wer die Wahrheit sagt, wird gehängt“.

Ähnlich wie sein Zeitgenosse Heinrich Heine träumt Georg Büchner in seiner Kampfschrift von einem freien Deutschland mit gewählter Obrigkeit. Nur so kann das wegen seiner Sünden von Gott in Fürstentümer zerstückelte Vaterland wieder auferstehen. Er bezeichnet es als Götzendienerei, den Monarchen wie einen Gott zu verehren. Keine Regierung sei von Gott bestellt und „wer das Schwert erhebt gegen das Volk, der wird durch das Schwert des Volkes umkommen“. Wahrlich starker Tobak!

Lenz

Von der Polizei verfolgt floh Büchner im Jahre 1835 aus dem Großherzogtum Hessen wieder nach Straßburg. Dort sammelte er nach eigenen Angaben „…allerhand interessante Notizen über einen Freund Goethes, einen unglücklichen Poeten namens Lenz, der sich gleichzeitig mit Goethe hier aufhielt und halb verrückt wurde…“. Büchners Bearbeitung des Stoffes wurde nach seinem Tod unter dem Titel „Lenz, eine Reliquie von Georg Büchner“ veröffentlicht.

Jakob Reinhold Michael Lenz dramatische Werke, wie ‚Der Hofmeister’ und ‚Die Soldaten’, finden heute nur noch wenig Beachtung. Während der Sturm und Drang Zeit suchte der Dichter den Kontakt zu Goethe, den er bewunderte und dem er von Straßburg nach Weimar folgte, doch Goethe brach den Kontakt bald aus nicht näher bekannten Gründen ab.

Ausgangspunkt für Georg Büchners Werk ist die psychische Erkrankung von Lenz und infolgedessen ein Aufenthalt bei dem elsässischen Pfarrer Johann Friedrich Oberlin in Waldersbach. Bei ihm hielt sich der Dichter vom 20. Januar 1778 bis 8. Februar auf. Aus Sympathie für den sozialkritischen Dichter verfasste Büchner eine psychologische Studie, lange bevor Siegmund Freud den Gegenstand wissenschaftlich aufbereitete.

Das Werk beginnt mit dem Aufbruch von Lenz nach Waldersbach: „Den 20. ging Lenz durchs Gebirg“. Es folgt eine Beschreibung der Berglandschaft, mit Übergang zum Gemütszustand der Hauptperson: „…er meinte, er müsse den Sturm in sich ziehen, alles in sich fassen, er dehnte sich aus und lag über der Erde, er wühlte sich in das All hinein, es war eine Lust, die ihm wehtat…“. Dem himmelhoch jauchzenden Eindruck folgt das Gefühl der Einsamkeit. Eine Leere überkommt ihn, er fühlt sich gehetzt und verfolgt, „als jage der Wahnsinn auf Rossen hinter ihm her“. In Waldersbach angekommen, wird er freundlich von der Familie des Pfarrers Oberlin aufgenommen.

Oberlins Ruhe und die Stille des Tals wirken beruhigend auf Lenz. Doch immer häufiger überfallen ihn Angstzustände, immer heftiger sind die Schmerzen, die er empfindet und immer aufdringlicher die Stimmen, die ihn verfolgen. Er fürchtet sich vor der Nacht, schläft schlecht und wenn ihn die Unruhe befällt, nimmt er draußen ein Bad im Brunnen. Er streut sich Asche ins Gesicht und zieht ein Büßerkleid an. „Oft schlug er sich den Kopf an die Wand, oder versetzte sich sonst einen heftigen physischen Schmerz“. Er fühlt sich zu Toten hingezogen und glaubt, sie erwecken zu können. Oberlins gottesfürchtige Erbauungen vermögen ihn nicht mehr zu trösten, er empfindet sie als „religiöse Quälereien“.

Nach wiederholten Suizidversuchen wird er „scharf bewacht“ nach Straßburg transportiert. „Er schien ganz vernünftig, sprach mit den Leuten; er tat alles, wie es die anderen taten, es war aber eine entsetzliche Leere in ihm, er fühlte keine Angst mehr, kein Verlangen; sein Dasein war ihm eine notwendige Last – So lebte er hin.“ Mit diesen Worten endet Büchners Erzählung.

Im Fragment ‚Woyzek’ griff Büchner das Thema der Geistesverwirrung wieder auf.
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HALL OF FAMEam 8. November 2004
Mit dem Sturm-und-Drang-Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz hat Georg Büchner einen ebenso genialen wie tragischen Literaten zum Helden seiner Erzählung gemacht. Büchners Lenz durchlebt in beispielhafter Form das Scheitern des Individuums in der Restaurationszeit - also in jenen Jahrzehnten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in denen die politische Liberalisierung bekämpft und der Adel wieder in seine alten Machtpositionen eingesetzt wurde. Büchner lässt Lenz aber nicht etwa ein unmittelbares Opfer adeliger Repression werden. Vielmehr teilt der fiktive Lenz das Schicksal der Figuren, wie es der echte Lenz 50 Jahre zuvor in seinen Dramen beschrieb: Als überaus sensibler Mensch zerbricht er an den Anforderungen des Alltags. Büchner zeichnet ein für seine Zeit sehr modernes Menschenbild: das des innerlich zerrissenen Menschen, der vergeblich nach Sinngebung sucht. Indem er seinem Helden die Gestalt des Verlierers gibt, schreibt Büchner gegen die idealistisch geprägte Vorstellung vom Menschen an. Die psychogrammatische Dichte, die der erst 22-jährige Dichter in "Lenz" erreicht, ist einzigartig. Sie verleiht dem schmalen Werk des jung Gestorbenen eine Bedeutung, die andere große Schriftsteller wie Grillparzer oder Heine erst in einem viel späteren Lebensabschnitt erreichten.
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am 4. Februar 2014
Anno 1835 schrieb Georg Bücher (1813 - 1837) seine "Lenz" betitelte einzige Novelle. Diesen Namen übernahm Büchner von dem Sturm- und Drang-Schriftsteller Jakob Michael Reinhold Lenz (1751 - 1792), der vermutlich an Schizophrenie gelitten hatte. Büchner fand im Leiden dieses ich- und weltdeutungskranken Menschen Lenz eine andere Variante des Leidens der Menschen, nachdem er zuvor schon den "Hessischen Landboten" und "Dantons Tod" geschrieben hatte, die das Leiden und den Kampf des Menschen gegen das politische System als vermeintlichen Grund des Leidens darstellten. Dieser Lenz nun aber leidet gänzlich unpolitisch an seinem Sein ohne klar liebenden Geist.
Aber weder Büchner noch der echte Lenz sagen uns dies mit solchen Worten. Büchner beschreibt einen Lenz, der Theologie studiert und bereits einige Dramen und Schriften verfasst und veröffentlicht hat. Im Détail ist schwerlich zu bestimmen, welcher Teil der Novelle historisch real war und welcher in der Phantasie Büchners entstand. So erscheint dieser Lenz als ein in die Berge Getriebener, der Angstanfälle erleidet, zunächst nur in der Dunkelheit der Nacht, später auch am lichten Tage. Diese Angst ist namenlos, vor keiner bestimmten Bedrohung. Eine "nach Rettung dürstende Angst", die so umfassend wirkt, dass die Stille eines friedlichen Tales etwa wie eine "entsetzliche Stimme" gehört wird, "die um den ganzen Horizont schreit". Wie kommt Lenz zu diesem Angsterleben?
"Gott" gilt ihm (durchaus üblich in jener Zeit) als der "Schöpfer der Welt", deren Leiden Lenz nicht erträgt. Wenn er allmächtig wäre, bekennt er dem Pfarrer Oberlin, würde er nur "retten, retten". Was Gott nicht tut. Gott lässt ein junges Mädchen sterben. Lenz besucht wie ein Büßer in Sack und Asche den Leichnam und bittet Gott "mit dem Jammer der Verzweifelung", dass Gott "ein Zeichen an ihm tue und das Mädchen beleben möge". Als nichts geschieht, ergreift Lenz des Mädchenleichnams kalte Hände und spricht laut und fest: "Steh auf und wandle!". Als die Leiche kalt bleibt, stürzt Lenz "halb wahnsinnig nieder" und wird anschließend wieder in die Berge getrieben, wo er in seiner Brust einen "Triumph-Gesang der Hölle" vernimmt und den Wind als ein "Titanen-Lied" anhört. Später bekennt er Oberlin, er sei ein Mörder. Weil er das Mädchen nicht zu beleben vermochte, deutet Lenz sich als ihren Mörder. So kommt der eigentlich böse Geist allmählich hervor: die Schuld. Wenn das als "das Leben" gedeutete sterbliche In-der-Welt-Sein als bewegter Körper nicht gelingt, dann brüllt die Schuld nach Rache. Obwohl Lenz ja nichts darfür kann, betrifft ihn dies Sterben so innig, als sei es gerade seine Aufgabe gewesen, es zu verhindern.
Büchner erzählt Lenzens Gänge durch die Berge in phantastischer Sprache und beschreibt dessen Anfälle und Leidensschübe mit bewegender Nachempfindbarkeit. Er erzählt all dies lediglich, ohne dem Leiden auf den Grund zu kommen. Aber so spannend, wie die Novelle dargereicht wird, stellt dem bewegten Leser diese Frage sich um so dringender: Was ist der Grund eines solchen Erlebens?
Eine zweite Frage gesellt sich leise hinzu, nämlich: Wieso ist die Religion so trostlos? Jener Pfarrer Oberlin wird als gütiger, nachsichtiger und auch im Praktischen als verständiger Mann dargestellt. Er bietet dem Lenz ein materielles Obdach, weist ihm keine Schuld zu und droht mit keiner Hölle, sondern verweist auf die Gnade Gottes. Dennoch reicht er ihm keinen Trost und kein spirituelles Obdach, denn die Hölle der Angst und Schuld ist schon in Lenzens Kopf und wütet ihn haltlos zu Grunde.
Mit der Theologie ist es ähnlich wie mit der Psychologie: beide Fakultäten tragen in ihrem Namen, sie wüssten etwas. Aber weder weiß der Theologe Gott noch der Psychologe die Seele. Weder weiß der Theologe eine ganze Heilung zu erklären noch der Psychologe die ganze Schizophrenie (siehe Heinz Häfner: "Schizophrenie"). Der in seiner Ich-Bildung und Seelenfindung leidvoll verhinderte Schizophrenie-Patient ist eigentlich viel ehrlicher als die normalen Menschen, denn er erlebt, dass er nichts weiß, hingegen sie nie bemerken, dass sie nichts wissen, sondern sich gegenseitig vormachen und versichern, sie wüssten beinahe Alles. Die vorliegende erstaunliche Novelle verdeutlicht dies in bestürzender Abgründigheit. Wann beginnen Theologie und Psychologie endlich, die ganze, umfassende Vergebung zu thematisieren und als die wenn auch enge Pforte aus der wirklich erlebten Hölle des das Glück der Welt vergeblich suchenden Menschen hinaus zu öffnen?
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am 18. Dezember 2005
Die Titelfigur Lenz, die auf Jakob Michael Reinhold Lenz verweist, befindet sich zum Beginn der Geschichte auf Wanderschaft. Er ist auf dem Weg zu einem Pfarrer, der laut Hörensagen in der Lage sein soll dem Protagonisten zu helfen, da dieser psychische Probleme hat. Für kurze Zeit scheint er auch gefestigt zu sein, er hält sogar eine bewegende Messe, jedoch scheint ihm etwas zu fehlen. Als Kaufmann, ein Freund, ihn besuchen kommt und von seinen Vater ausrichtet, dass er zurückkommen möge, wehrt Lenz heftig ab. Der Pfarrer begleitet anschließend Kaufmann in die Schweiz, während Lenz alleine zurückbleibt. Er versucht zwar durch Spaziergänge sich abzulenken, erfährt aber wieder neue Unruhe, als er ein krankes Mädchen in einer Hütte findet. Seine Unruhe verstärkt sich wieder. Bei einem erneuten Besuch liegt das Mädchen tot auf dem Bett und er irrt anschließend darauf durch die Nacht und badet in einem kalten Brunnen.
Den Tag darauf klagt er über Langeweile und möchte zuerst nicht vom Bett aufstehen, später stürzt er sich aus dem Fenster, wobei sein Arm verrenkt wird. Der Pfarrer lässt ihn nun bewachen. Lenz lässt sich jedoch nicht beruhigen und stürzt sich abermals aus dem Fenster, sodass der Pfarrer keine andere Möglichkeit sieht, als ihn abzutransportieren.
Büchner zeichnet die Natur als ein Spiegelbild des Protagonisten: „Den 20. Jänner ging Lenz durchs Gebirg. Die Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee, die Täler hinunter graues Gestein, grüne Flächen, Felsen und Tannen.“ Bereits bei diesen einführenden Sätzen kann man erahnen, dass der Geisteszustand von Lenz ebenso offen und ersichtlich daliegen, wie die Täler; die grünen Flächen, Felsen und Tannen. Man verharrt nicht an der Oberfläche, sondern dringt sofort in die Psyche der Figur ein. So wie alles unbedeckte sich von Lenz betrachten lässt, ist er der mikroskopischen Betrachtung des Lesers ausgeliefert. Die Natur ist dem Innenleben des Protagonisten ist ein Spiegel, jeder Gemütsveränderung schlägt sich auf natürliche Phänomene nieder.
„Am Himmel zogen graue Wolken, aber alles so dicht - und dann dampfte der Nebel herauf und strich schwer und feucht durch das Gesträuch, so träg, so plump.“ Lenz fühlte sich ebenso. Und der Verlauf der Geschichte zeigt den kontinuierlichen Verlust von Realitätswahrnehmung. Der Protagonist verliert sich immer mehr und steuert auf völligen Fatalismus zu.
Dies scheint auch das Ende der Geschichte zu bestätigen: „Er schien ganz vernünftig, sprach mit den Leuten; er that Alles wie es die Andern thaten, es war aber eine entsetzliche Leere in ihm, er fühlte keine Angst mehr, kein Verlangen; sein Dasein war ihm eine nothwendige Last. - - So lebte er hin."
Eine Geschichte die von unveränderlichen Begebenheiten, wie die Natur beginnt und auch wieder darin mündet: in das Unveränderliche. Fatum, das Schicksal ist nun mal vorherbestimmt und es gibt keine Möglichkeit, dem zu entrinnen.
Die Figuren scheinen im Text blass im Gegensatz zu den ausführlichen Beschreibungen der Psyche und der Natur. Der Autor hätte zwar zum Kontrast der Lenzschen Psyche andere Figuren noch farbenreicher erscheinen lassen können, da diese im Text nicht den Stellenwert erreichen können, den sie eigentlich haben müssten.
Die Hauptfigur scheint alle angesteckt zu haben und Büchner schreibt somit dem Schicksal tatsächliche Unabänderlichkeit zu. Das Schicksal kann man nicht ändern, man kann nur damit Leben. Es bleibt zu hoffen, dass wir nicht alle nur mehr so hin Leben.
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am 4. November 2015
Genau das richtige für graue Herbsttage, wenn man sich ein bisschen nach Weltschmerz sehnt. Büchner hat eine wunderbare vorzeitige Beschreibung von manischer Depression abgeliefert, die auch ein bisschen ansteckend wirkt. Also nicht lesen, wenn man hinterher noch auf eine Party gehen will! Aber lesen: unbedingt. Die Kindle-Version ist nicht gerade berauschend, aber bei dem Preis auch nicht anders zu erwarten. Der fehlende 5. Stern geht allein auf das Konto der Kindle-Ausgabe.
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am 16. März 2005
Eine atmosphärisch sehr dichte und unterhaltsame Aufnahme, die durch die dunkel-warme Stimme Pavels zum entspannten Zuhören lockt, durch die distanziert-deskriptive Erzählweise wiederum an die Handlung fesselt.
Sehr empfehlenswert für alle, die ungerne lange deskriptive Passagen lesen, auf die Faszination von Büchners tiefgründigen (abgründigen) Erzählungen dennoch nicht verzichten wollen.
Der Sprecher ist hervorragend gewählt, man fühlt sich der originalen Intention Büchners auf Anhieb sehr nahe.
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am 5. Dezember 2012
Leider fasst Amazon hier sämtliche Hörbuchrezensionen zu "Lenz" zusammen, dabei gibt es sicher gut zwei Hände voll verschiedener Aufnahmen mit unterschiedlichsten Sprechern, gekürzte und ungekürzte Fassungen, mit und ohne Musik.

Ich beziehe mich auf das von Wanja Mues gelesene Hörbuch aus dem Hörgut!-Verlag. Und möchte vom Kauf abraten. Der Sprecher hat eine angenehme Stimme und liest fehlerfrei alle Worte in der richtigen Reihenfolge, sonst ist über ihn nichts Positives zu berichten. Wohl ein Synchronsprecher und routinierter Prima-Vista-Leser, lässt er sich zu keinem Zeitpunkt wirklich auf diese große Erzählung ein, lässt sie nicht an sich heran. Schade. So bleibt das Hörerlebnis blass, der Text verliert sich, ehe er Hirn und Herz erreicht. Man hat das Gefühl, die Erzählung gleich noch einmal hören zu müssen, weil man so viel verpasst hat. Aber dazu fehlt dann die Lust...
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am 13. Februar 2008
Was Büchners "Lenz" uns heute zu sagen hat

Büchners Lenz, das ist die Geschichte eines verrückten, früh verstorbenen Dichters aus dem 18. Jahrhundert, erzählt von einem anderen früh verstorbenen Dichter aus dem 19. Jahrhundert. Warum nur sollten wir eine solche Geschichte lesen? Haben wir nicht genug zu tun mit Terrordrohungen, Debatten um Mindestlohn und kriminelle ausländische Jugendliche, mit Dieter Bohlens telegenen Pöbeleien, mit Uri Gellers telepathischen Nachfolgern und unerwarteten Krankheitsfällen im Dschungelcamp? Bei einer Straßenumfrage jedenfalls würden die meisten mit dem Namen "Lenz" (und wohl auch mit dem Namen "Büchner") kaum etwas anzufangen wissen, einigen würde vielleicht noch ein alter Klassiker der Comedian Harmonists einfallen ("Veronika, der Lenz ist da"), und wohl nur ein paar niedersächsische Oberschüler würden an eine der wichtigsten Erzählungen der deutschen Literatur denken - in Niedersachsen nämlich gehört der Text zu den Vorgaben für das Zentralabitur.
Aber warum überhaupt "eine der wichtigsten Erzählungen"? Was hat uns, den Bürgern und Bürgerinnen des 21. Jahrhunderts, dieser Text zu sagen?
Auffällig ist, bei unbefangenem Lesen, zunächst einmal, mit welcher Genauigkeit und Selbstverständlichkeit Büchner von einem psychischen Verfallsprozess erzählt. Da wird keine schnelle Diagnose gestellt ("Der junge Mann leidet offensichtlich unter schizophrenen Schüben." - "Nein, Herr Kollege, es liegen eindeutig Symptome einer Borderline-Störung vor."), und es werden auch keine plakativen politischen Thesen formuliert (so wie es einst, nämlich in den 60er und 70er Jahren, modisch war zu behaupten, verrückt gemacht würden Menschen nur durch die Gesellschaft). Der Erzähler begleitet einfach den jungen Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz bei seinem historisch verbürgten Aufenthalt beim fürsorglichen Pfarrer Oberlin in den Vogesen und berichtet davon nüchtern, stellenweise fast lakonisch ("So lebte er hin" ist der berühmte letzte, ebenso sachliche wie niederschmetternde Satz des Textes). Auf Oberlins Bericht wiederum stützt sich Büchner in seiner Erzählung, greift also auf eine schon vorliegende Fallstudie zurück.
"Der liebe Gott hat die Welt wohl gemacht wie sie sein soll, und wir können wohl nicht was besseres klecksen, unser einziges Bestreben soll sein, ihm ein wenig nachzuschaffen." So formuliert Lenz in Büchners Erzählung sein dichterisches Credo, und für Büchner ist er damit zugleich ein Sprachrohr. Denn der klingt in einem Brief an die Familie (vom 28. Juli 1835) fast genauso wie sein Protagonist: "Wenn man mir übrigens noch sagen wollte, der Dichter müsse die Welt nicht zeigen wie sie ist, sondern wie sie sein solle, so antworte ich, daß ich es nicht besser machen will, als der liebe Gott, der die Welt gewiß gemacht hat, wie sie sein soll." Was das bedeutet, das lässt Büchner wiederum seinen Lenz erklären, wenn dieser über seine Stücke "Der Hofmeister" und "Die Soldaten" spricht. Idealistische Gestalten (wir können hier an Schillers Figuren denken) seien nur Holzpuppen, die Menschen in seinen eigenen Stücken jedoch seien "die prosaischsten Menschen unter der Sonne; aber die Gefühlsader ist in fast allen Menschen gleich, nur die Hülle mehr oder weniger dicht, durch die sie brechen muß. Man muß nur Aug und Ohren dafür haben."
Was Büchner hier seinen Lenz formulieren lässt, diese dichterische Leitlinie einer strikten Wahrheits- und Wirklichkeitstreue, ist also zugleich Ausdruck eines tiefen Respekts vor dem Leben von Menschen. Auch und gerade die sozial Deklassierten (so wie Lenz' Hofmeister oder Büchners Marie), auch die Ver-rückten (so wie Lenz selbst oder Büchners Woyzeck) sind würdige literarische Gestalten, sie haben ihren eigenen Wert.
Im Vergleich mit der ernsthaften, humanen Wahrheitsverpflichtung Büchners wird uns heute augenfällig, wie sehr es bloß hohle Attitüde ist, wenn in Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar" unbedarfte Kandidaten vorgeführt, lächerlich gemacht und beschimpft werden und wenn der am lautesten attackierende Juror dies auch noch schlankweg damit begründet, dass den Menschen eben "die Wahrheit" gesagt werden müsse. Bei Büchner steht Wahrheitstreue nicht im Widerspruch zur Mitmenschlichkeit, sondern ist eine Bedingung dafür.
Das ist auch der Grund, weshalb er nicht einfach eine Geschichte imaginiert, sondern auf die Geschichte eines realen, unglücklichen Menschen zurück greift.
Wie er dies tut, das ist bei näherem Hinsehen hochaktuell. "Es war ihm dann, als existiere er allein, als bestünde die Welt nur in seiner Einbildung..." Der junge, hochbegabte Dichter Lenz ist so isoliert, dass er keinen tragfähigen Kontakt mehr zu der Welt hat, in der er lebt. Er findet keinen Platz in ihr. Die einzige intime Beziehung zu einem Menschen, von der er berichtet, ist die zu Friederike, die zuvor Goethes Geliebte war. Doch gerade diese Beziehung ist von massiven Schuldgefühlen geprägt, von der fixen Idee, der Mörder der jungen Frau zu sein. Zudem wird uns, die wir den Text lesen, niemals klar, ob diese Beziehung nicht insgesamt nur in der Phantasie des Lenz existierte.
In seiner Isolation kippt es ihm sogleich in religiöse Größenphantasien um, wenn er aus Mitleid, aus Liebe zu den Menschen seiner Umgebung agiert. Er versucht - die Auferweckung des Lazarus vor Augen - ein junges Mädchen, das gestorben ist, wieder zum Leben zu erwecken, und fällt in tiefe Verzweiflung, als ihm diese Jesus-Kopie misslingt.
Was aber isoliert ihn so sehr?
Einen Hinweis gibt die Ankunft eines Bekannten, der den jungen Lenz im Auftrag des Vaters nach Hause zurück holen soll. Er solle doch einsehen, "wie er sein Leben hier verschleudre, unnütz verliere, er solle sich ein Ziel stecken und dergleichen mehr." Lenz gelingt es nicht, sich in eine geordnete bürgerliche Existenz einzupassen, und er versucht es nicht einmal.
Tragisch ist dies vor allem deshalb, weil er zugleich an ein Versprechen glaubt, das ein zutiefst bürgerliches ist - nämlich an das Versprechen des Aufstiegs durch Bildung. Der historische Lenz hat, ganz wie seine Theaterfigur des Hofmeisters Läuffer, die Erfahrung gemacht, dass ihm all seine Bildung, seine Begabung, seine Arbeit an sich selbst nichts nützt, dass ihm all dies keine sichere bürgerliche Position garantieren kann. Wie Läuffer hat auch Lenz als Hofmeister gearbeitet, nämlich als Lehrer in der Position eines Bediensteten in einer adligen Familie.
Er hat also ein großes Bildungskapital angesammelt, kann mit diesem Kapital aber eigentlich nichts anfangen. Die Ständegesellschaft, in der er lebt, hält keinen angemessenen Platz für ihn bereit. Mit all seinem Wissen, mit all seiner literarischen und philosophischen Bildung kreist er am Ende allein um sich selbst.
Und dies ist auch heute noch eine Provokation. Auch heute noch gilt das Versprechen, durch Bildung, durch jahrelange gewissenhafte Arbeit an sich selbst und den eigenen Fertigkeiten sei es möglich, eine gesicherte und angemessene bürgerliche Existenz aufbauen zu können. Auch heute noch aber machen viele Universitätsabgänger die Erfahrung, dass sie eigentlich nicht gebraucht und bestenfalls für schlechtbezahlte Praktikumstätigkeiten benötigt werden. Und aus allen Statistiken wissen wir, dass Bildungserfolg keineswegs nur von Intelligenz, Fleiß oder Leistung, sondern in erster Linie von der sozialen Position des Elternhauses abhängt.
So ist Büchners Lenz ein bemerkenswert aktueller Text. Wir können bei Büchner lernen, wie Wahrheitsliebe und Respekt vor den Menschen Hand in Hand gehen - und wir können lernen, wie es Menschen ergeht, denen zwar beachtliche Bildungsmöglichkeiten geboten werden, die aber zugleich in der Angst leben, dass sie womöglich keinen Platz finden in der Gesellschaft, in der sie leben und sich bilden.
Büchner hat also gerade uns sehr viel zu sagen.
Doch um zu erfahren, ob dies wirklich so stimmt, müssten wir vielleicht einmal ein paar niedersächsische Abiturienten fragen.
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am 9. Dezember 2006
"Obwohl die Menschen inzwischen viel mehr wissen, als in der Zeit, als die Religionen entstanden, verlieren diese Religionen ihre Kraft immer noch nicht."

Lenz ist im Jahre 1839 veröffentlicht, posthum und gilt als eines der großen Werke Büchners. Büchner, 1837 gestorben, widmet sich dem Leben des Jakob Michael R. Lenz (1751 - 1792)
Lenz, der Dichter, war ein kranker Mensch, wie man den Briefen und Stücken Goethes entnehmen kann. Büchner hat sich an dieser Krankheit und inneren Zerrissenheit Lenzes sehr orientiert, nicht zu letzt in der Auswahl des Titels. Vorlage war ein Bericht des Pfarrers Oberlin über den Dichter.
Lenz, Namensgeber und Protagonist dieser Erzählung, wird wandernd in der Natur eingeführt. Er ging durchs Gebirge und Büchners Beschreibung zeigt den offensichtlichen inneren Zustand Lenzes direkt. Oben, sprich äußerlich harmlos, normal wie die schneebedeckten Höhen, das Innere wie die Täler, zerklüftet, graues Gestein, Felsen. Lenz ging gleichgültig, "es lag ihm nichts am Weg [...], nur war es ihm manchmal unangenehm, dass er nicht auf dem Kopf gehen konnte." Wie man dem Purzelbaum schlagenden Don Quijote als unsinnig, als ein Narr nun kannte, war für Büchner mit dieser Anspielung Lenz von gleichem Sinn. Wie Lenz so ging, "die Erde wich unter ihm, sie wurde klein" deutet sich der Realitätsverlust Lenzes wiederum an, der sich der Erde in andere Sphären entfernte. Eigentlich ging er ins Alles. Der Begriff Alles spielt bei Büchner in diesem Werk eine herausragende Rolle, da immer als Subjekt gebraucht. Der Wunsch, "Alles mit ein paar Schritten ausmessen zu können" zeigt, dass Lenz die Welt als die Seinige sieht, bzw. seine Welt des Denkens in den Vordergrund nur stellen kann. Für ihn war es so, "als ging ihm etwas nach, als müsse ihn etwas Entsetzliches erreichen, etwas das Menschen nicht ertragen können, als jage der Wahnsinn auf Rossen hinter ihm."

Auf diesem Wege erreichte er den Ort, das Waldhaus und Oberlin, den Pfarrer. Und in der Pfarrstube wurde er aufgenommen und in den Gesprächen wechseln Phantasie und Realität, die Gesichter, die aus den Schatten hervortraten, beruhigten ihn, doch "er war sich selbst ein Traum" und die Gedanken die ihn hielten, hielt er fest, "es war ihm, als müsse er immer >>Vater unser<< sagen". Bei Oberlin blieb er, seine Schlafstatt wurde ein großer Raum einer nahe liegenden Schule. Und die Größe erschien ihm, als wenn Schatten vorbeihuschten, Schatten, die wie aus ihm entwichenes Leben waren, so dass er starr wurde. Und so fühlte er Gott eingekehrt in ihm, so als wenn dieser ihm Lose in die Tasche gab, der Text darauf sein Leben zu bestimmen schien, mit einem Glauben eines ewigen Himmels im Leben, als Sein in Gott. Vergnügt, Aufgabe und Ziel zu erkennen als er predigen durfte, wurde Lenz ruhig und gelassen. Seine Schmerzen in einem Starrkrampf nahm er beinahe mit Lust. Verfiel in Angst, ängstliche Träume und las in der Apokalypse.

Als Gegenstück dieser schweren Welt und Zäsur in der Handlung ist das Erscheinen des Herrn Kaufmann, der den Idealismus beschwört, der seine Philosophie zu der umgewandelten Theodizee macht, im Idealismus die beste aller möglichen Welten zu offenbaren. Doch Büchners Kritik am Idealismus wird spätestens da deutlich, wo er diesen als "die schmählichste Verachtung der menschlichen Natur" bezeichnete. Kaufmann fordert Lenz auf sich ein Ziel zu stecken, so wie Shakespeare Hamlet sagen lässt, dass derjenige der seine Gottesgaben der Vernunft nicht nutzt, einem Tier gleich kommt. Lenz wendet sich angewidert ab. Er wird damit von Büchner als eigenständiger Mensch von Fleisch und Blut dargestellt, nicht nur als Holzpuppe, wie man anfangs glauben mochte.

Büchner verfolgt mit der Erzählung die Begegnung des Innen und Außen. Konzentrierte Innenansichten begegnen den Leser über die Sätze wie "Es ist ihm als ...", "Es war ihm als ..." Hier vermischt sich die Außenwelt in der Umdeutung oder fraglichen Realität mit der im Subjekt bereits veränderten Innenwelt. Büchner beschreibt das Wahre wie das Ganze gem. Hegel, das Hässliche wird nicht dem Schönen erspart, sondern beides ist Teil des Lebens. Damit ist er, obwohl in der Tradition und Zeit des Idealismus und Naturalismus eines Eichendorffs gänzlich anders positioniert. Leben wird im wirklich realen dargestellt, ohne Verklärung wie es vielleicht bei Fontane noch zu finden ist. Seine Kritik an der Kirche lässt er nur indirekt verlauten. Er möchte nicht in den direkten Strudel einer möglichen Feindschaft gezogen werden, sodass der Wahnsinnige sich kritisch äußert, dem man es qua mentaler Beschaffenheit gleichzeitig verzeihen muss. "Und mit dem Lachen griff der Atheismus in ihn und fasste ihn ganz sicher und ruhig fest."

Büchner lebt in der Zeit der Postaufklärung. Das Gottesbild hat sich gewandelt, die Kenntnisse der Naturwissenschaften sind deutlich verbessert. Das Eingangs erwähnte Zitat hätte gut aus dieser Zeit stammen können, letztendlich ist es gültig in jeder Zeit. Es stammt jedoch aus dem Jahre 2004 von Martin Walser. (Die Verwaltung des Nichts)
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