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Kundenrezensionen

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am 19. Oktober 2011
Irgendetwas stimmt nicht mit Konrad (Gérard Depardieu): Er fackelt ein Landhaus ab, er legt seine Geldbörse in den Kühlschrank, er setzt sich im Lehnstuhl aufs Dach eines Krankenhauses und schaukelt wie ein Lebensmüder darin herum: Konrad leidet an Alzheimer. Sein Jugendfreund Thomas möchte den in die Jahre gekommenen Bediensteten am liebsten in ein Heim stecken, doch Thomas' Stiefmutter hängt auf rätselhafte Weise an dem zunehmend von Aussetzern heimgesuchten Ex-Dienstboten. Er verbleibt in der Obhut der begüterten Familie und freundet sich mit Simone (Alexandra Maria Lara) an, Thomas' frisch gebackener, allerdings von ihrem Gatten sogleich betrogener Schwiegertochter. Sie entdeckt, dass eine mysteriöse Venedig-Reise der Kinder Thomas und Konrad in Begleitung der Stiefmutter, von der weder diese noch Thomas etwas wissen wollen, tatsächlich stattfand und der Schlüssel zu einem dunklen Familiengeheimnis ist.

Ein Thema und Protagonisten, bei denen man sofort Altmeister Claude Chabrol auf dem Regiestuhl vermuten würde, wäre er noch unter uns. Aber Bruno Chichi bewegt sich mit ebenso sicherem Gespür im großbürgerlichen Milieu wie die verstorbene Regie-Legende, indem er sich wie Chabrol auf atmosphärenreiche Interieurs und die Seelenabgründe konzentriert, die diese mit diskretem Charme verbergen. Außerdem konzentriert er sich auf seinen überragenden Hauptdarsteller Gérard Depardieu, der viel mehr zeigen kann als im letzten Chabrol-Film, dem enttäuschenden Kommissar Bellamy. Leider drängt jedoch dieser Fokus die von Martin Suter raffiniert ersonnene Familientragödie sträflich an den Rand. Zu beiläufig werden die Charaktere anlässlich von Simones Hochzeit mit dem verwöhnten jüngsten Spross der Familie eingeführt; zu blitzlichtartig und ohne wirkliches Interesse an der Vergangenheit, die alle Hauptakteure zu dem gemacht hat, was sie heute sind, wird enthüllt, was Thomas und Konrad verbindet; zu vieles bleibt schemenhaft. Und das mindert die Fallhöhe des Finales beträchtlich.
Alexandra Maria Lara stakst seltsam steif durch die Geschichte und wirkt, als habe sie bis zum letzten Drehtag mit der richtigen Interpretation ihrer Rolle gerungen. Auf die Rolle von Thomas' Ex-Frau (Nathalie Baye) hätte der Film im Grunde gleich ganz verzichten können.

Fazit: "Small World" eignet sich für alle, denen Süßes Gift und Der Hals der Giraffe gefiel. Das bewegend gespielte Familiendrama punktet vor allem durch die Wahl seines Hauptdarstellers, bei dem jede Nuance stimmt, und verbucht als besonderes Verdienst, das Phänomen Alzheimer in eindringlicher Form fürs große Publikum anschaulich gemacht zu haben.
Das Zusatzmaterial ist geradezu ausufernd (Dreharbeiten, Featurette, Hintergrund zur Adaption des Romans; auch Autor Martin Suter kommt zu Wort).
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am 19. Mai 2011
Eine gelungene Literaturverfilmung. Ein Gesellschaftsporträt aus der Welt des Geldadels. Hier geht es um Verdrängen und Vergessen, um eine geraubt Jugend und um den berühmten Teppich, unter den alles Unangenehme gekehrt wird oder wenigstens solange unter Verschluss gehalten wird, wie irgend möglich. Dabei geht man innerhalb des Senn-Clans nicht zimperlich miteinander um. Aber das ist nur der Hintergrund. Im Vordergrund steht Konrad, der großartige Gèrard Depardieu, der trotz seiner Körperfülle einer sensiblen Figur Format verleiht. Und er hat Alzheimer! Selten wurde dieses Thema so humorvoll und mit so unendlich viel Herz dargestellt. Es gibt Momente, da werden die Augen feucht. Ihm zur Seite, die nicht minder hervorragende Simone, Alexandra Maria Lara. So eindeutig klar vorgeben wie Depardieus Weg ins Vergessen ist, so ambivalent sind ihre Möglichkeiten, ihre Erkenntnisse in konsequentes Handeln umzusetzen. Depardieu entwickelt sich mit seinen Langzeiterinnerungen rückwärts in seine Kindheit, Simone hingegen gestaltet ihre Zukunft. Und hier kommt genialerweise noch eine dritte Komponente hinzu, an der Konrad und Simone beteiligt sind: die Aufdeckung eines tödlichen Familiengeheimnisses, das viele Jahrzehnte zurückliegt. So kommt auch noch Spannung auf, die mitunter von wunderschönen, lyrischen Bildern retardiert wird. Einfach ein Muss!
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am 18. Dezember 2014
Spannender dichter Handlungsverlauf! Die beiden Hauptdarsteller - Alexandra Maria Lara und Gérard Depardieu bürgen für gute Schauspielerei. Der Film ist wohl eine Literaturverfilmung, gute Qualität.
Empfehlenswert!
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am 5. April 2011
(Kinoversion)

Gérard Depardieu ist scheinbar wie eine Flasche gut gelagerten Weins... er wird mit den Jahren immer besser. Es ist faszinierend mitanzusehen, wie Dépardieu wirklich jede ihm zugeschriebene Rolle so perfekt ausfüllt, als wäre er der Charakter, den er im Film gerade zum Besten gibt. Der Mann ist mit einem so großen Talent gesegnet, dass es einem die (Freuden)tränen in die Augen treibt. Meine Bewunderung für Depardieu ist nicht neu und mir ist auch bewusst, dass ich mich wiederhole, aber ich kann einfach nicht anders, als sinnbildlich vor diesem Schauspieler auf die Knie zu gehen ob seines begnadeten Könnens. Auch in "Small World" beweist Depardieu erneut, dass es nichts gibt, was er nicht darstellen könnte und haut einen erneut um mit seiner physischen Präsenz und seiner grandiosen Schauspielkunst.

Konrad (Gérard Depardieu) ist in den 50ern und wohnt allein in einem Ferienhaus der reichen Familie Senn, die ihn mit der Instandhaltung beauftragt hat. Konrad ist ein bisschen schusselig und vergesslich, kommt aber ansonsten noch ganz gut alleine klar. Bis er eines Abends versehentlich das Haus abfackelt und bei Familie Senn auf der Matte steht. Früher einmal waren er und Thomas Senn (Niels Arestrup, "Ein Prophet") die besten Freunde und wohnten sogar zusammen auf dem riesigen Anwesen der Senns. Heute jedoch scheint Konrad ein eher ungebetener Gast zu sein, was nicht nur Thomas, sondern auch seine Stiefmutter Elvira (Françoise Fabian, "Belle de Jour") deutlich zum Ausdruck bringen. Neben Thomas' Ex-Frau Elisabeth (Nathalie Baye, "Die Blume des Bösen") scheint einzig Simone (Alexandra Maria Lara, "Der Untergang"), Thomas' Schwiegertochter, Konrad offen und freundlich entgegenzutreten. Sie beginnt, sich ein wenig um den vergesslichen, aber liebenswerten Kerl zu kümmern, besonders, als bei ihm Alzheimer festgestellt wird. Konrad wird in das Gästehaus der Familie Senn einquartiert, erstaunlicherweise auf Elviras Geheiß. Woher kommt die plötzliche Barmherzigkeit der matriarchalischen alten Dame und warum sind die Senns so beunruhigt über Konrads wiederkehrende Erinnerungen an die Zeit, in der er noch bei den Senns lebte? Welches Geheimnis soll hier nicht ans Tageslicht gezerrt werden und warum sollte gerade Konrad es lüften können?

Regisseur Bruno Chiche hat sich in seinem dritten Spielfilm einen Roman von Martin Suter vorgenommen und diesen wirklich grandios in bewegte Bilder umgesetzt. Hier stimmt einfach alles, angefangen beim fantastischen Cast über die wunderbar französischen Settings, wunderschöne Musik, die den Film perfekt untermalt bis hin zur dichten Geschichte, die einen über ihre ganze Dauer von 93 Minuten gefangen nimmt. Kameramann Thomas Hardmeier fängt die Stimmung des Films perfekt ein und weiß immer genau, wann er mit der Kamera auf Distanz gehen oder ganz nah an den Darstellern dran bleiben muss. So gelingen ihm einzigartige Bilder des französischen Anwesens der Familie Senn und großartige Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten, wenn er ganz nah an ihre Gesichter heranfährt, in denen sich Trauer, Verbitterung, Enttäuschung, Verwirrung, Ärger, Wut und Hilflosigkeit widerspiegeln.

Neben einem Charaktermimen wie Depardieu zu bestehen, gelingt wohl nur den Wenigsten, hier schaffen es nur Françoise Fabian als Familienvorstand Elvira und Nathalie Baye als alte Liebe Konrads. Die mittlerweile 77jährige Françoise Fabian ist eine wunderschöne Frau mit großer Ausstrahlung, die die herrische Familienälteste mit Würde und Unnachgiebigkeit spielt. Auch Nathalie Baye, 62, ist eine beeindruckende Frau, deren Elisabeth viel Sanftmut und Bedauern ausstrahlt. Im Gegensatz dazu lässt sich über Alexandra Maria Lara nur das sagen, was man immer über sie sagen kann: sie spielt durchschnittlich gut, bleibt einem aber nie über den Abspann hinaus in Erinnerung. Ich habe selten eine so konturlose, langweilige und schematische Darstellerin erlebt, und dass, obwohl sie nachweislich schauspielern kann.

Doch spätestens, wenn man Depardieus differenziertem Spiel zusieht, hat man Lara sowieso gänzlich vergessen. Depardieus Darstellung eines an Alzheimer Erkrankten ist facettenreich, bewegend und schlicht ergreifend. Wenn er sich wie ein kleines Kind über ein paar Schneeflocken freut, gänzlich orientierungslos auf der Straße steht, die Verzweiflung in den Augen oder seine große Liebe Elisabeth sehnsuchtsvoll "meine Schöne" nennt, nur, um sie im nächsten Moment nicht mehr zu erkennen, zeugt das von ganz großer Schauspielkunst. Depardieu hat offensichtlich nie die Fähigkeit verloren, sämtliche Emotionen voll auszuleben, seien es nun fröhliche oder tieftraurige. Kleinste Stimmungsveränderungen spiegeln sich in seiner Mimik so treffend wider, dass er mühelos zwischen allen denkbaren emotionalen Stimmungen wechseln kann, ohne dabei nur einen Hauch an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Ich glaube, es gibt nur drei Schauspieler, denen ich das zubillige, was man im Musikalischen wohl das absolute Gehör nennt. Neben Sean Penn und Robert deNiro ist Depardieu einer der Menschen, denen ich darstellerisch alles zutraue und die mich noch nie enttäuscht haben, zumindest nicht mit ihren schauspielerischen Qualitäten.

Neben dem angestrebten Drama gelingt es Regisseur Chiche aber auch, in seinen Film krimitechnische Elemente einfließen zu lassen. Die Frage um das Geheimnis der Familie Senn kann man sich als halbwegs intelligenter Zuschauer zwar schon einige Zeit vor Ende des Films beantworten, nichtsdestotrotz ist die Geschichte spannend und wird nur langsam durch Konrads aufkeimende Erinnerungen mit Nahrung gefüttert. Konrads durch Alzheimer immer kleiner werdende Welt (ich vermute einfach mal, dass der Titel des Films dies andeuten will) birgt ein über Jahrzehnte wohl gehütetes Geheimnis, welches auch nach all den Jahren nichts an zerstörerischer Kraft verloren hat. Als die Büchse der Pandora dann endlich geöffnet ist, bleibt kaum ein Stein auf dem anderen und dennoch gelingt Chiche ein Ende, das den Zuschauer mehr als zufrieden aus dem Kino kommen lässt. Ein paar kleine Längen und die an manchen Stellen etwas verwirrend erzählte Geschichte fallen dabei zum Glück nur marginal ins Gewicht.

"Small World" ist ein wunderbar französischer Film (und das ist diesmal durchaus als Kompliment zu verstehen) mit bewegender Geschichte und einem großartigen Cast. Spannend, berührend und einfühlsam und wie immer mit einem fantastischen Gérard Depardieu, der die hohe Erwartungshaltung des Zuschauers mühelos auf seinen breiten Schultern trägt. Somit mehr als gerne vier von fünf dunklen Geheimnissen, die nun endlich gelüftet werden.
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Konrad, der 'Hausmeister' der wohlhabenden Familie Senn fackelt deren Ferienhaus ab. Spätestens hier wir klar, dass er nicht mehr alleine bleiben kann. Fortan lebt er auf dem Schloss der Familie, auf dem er auch seine Kindheit verbracht hat. Sein ehemaliger Spielkamerad Thomas distanziert aber eindeutig von ihm und auch dessen Mutter Elvira wartet mit zunehmenden Bedenken und Misstrauen auf. Was läuft hier verkehrt? Konrads Demenz schreitet fort. Er ist nicht mehr Herr seiner Sinne und Handlungen und lebt zunehmend in der Vergangenheit. Doch diese birgt gefährliche Geheimnisse.
Simone, die frisch angetraute Gattin des Juniors der Familie kümmerst sich um Konrad und beginnt in detektivischer Arbeit die Vergangenheit zu rekonstruieren.....

Wenn ich mir so manche der Rezensionen durchlese, war es vielleicht ganz gut, nicht bereits die Romanvorlage von Suter zum Film im Vorfeld gelesen zuhaben. So kann ich das grandiose Spiel von Gerard Depardieu als Konrad einfach nur genießen, ohne Vergleiche ziehen zu müssen, wie die Rolle im Buch ursprünglich gedacht war. Auch Alexandra Maria Lara als Simone ist ein Schatz.
Weshalb aber keine 5 Sterne? Weil der Handlungsverlauf mir holprig bzw. stockend und der Spannungsbogen nicht 100%tig glaubwürdig und schlüssig erscheint.

Extras: Interviews mit Lara und Suter;
Featurette von der Weltpremiere
6 Making of-Featurettes

Fazit: Der Film lohnt sich vor allem wegen Depardieu und Lara
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am 30. Januar 2015
Das markante Gesicht von Gerard Depardieu blickt staunend aus dem Fenster in den nächtlichen Sternenhimmel.
Kleine Schneeflocken beginnen, wie in einem filigranen Tanz an den Fensterscheiben vorbeizuwehen.
Mit kindlicher Verzückung schaut Frankreichs schwergewichtiger Mime entrückt auf die weiße Zauberpracht, die sich auf dem stillen Park vor dem Gutshaus ausbreitet.
Jede Schneeflocke wird von ihm betrachtet, als sähe er dieses Schauspiel zum ersten Mal.
Bei leisen wehmütig herzergreifenden Geigenklängen hebt er die grobschlächtigen Hände in den Nachthimmel, geht wie magisch angezogen von der winterlichen Glitzerwelt barfuß nur im Morgenmantel nach draußen und entschwindet in die Nacht.
Wo er sich befindet, wie nahe ein kalter Erfrierungstod in der eisblauen Kälte ist, weiß er nicht mehr.
Verblasst sind Erinnerungen, vergangen ist die Empfindung für seine Umgebung.
Im Tanz der Schneeflocken verirrt sich die riesige vollkommen von dem Schneegestöber faszinierte bärige Gestalt mehr und mehr in dem Parkgelände.
Gerard Depardieu spielt diesen altersverwirrten, so warmherzigen, doch zunehmend unzurechnungsfähigen Konrad Senn, ungeliebtes schwarzes Schaf der reichen, herrschaftlichen Senn Familie, der zunehmend mit den Problemen des Alltags, mit der Orientierung in einer Welt kämpft, die für ihn immer mehr unter dem Schleier der Demenz versinkt.
Erinnerungen sind eine seltsame Sache.
Das Kurzzeitgedächtnis, das Konrad beispielsweise davor bewahrt zu vergessen, daß man ein Kaminfeuer nicht mit Benzin entfacht, noch weniger seine nassen Kleidungsstücke unbeaufsichtigt über diesem ausufernden Flammenherd trocknen lässt ist ausgeschaltet. Und während Konrad noch die in der Kindheit erlernten klassischen Gedichte fehlerlos rezitieren kann, merkt er nicht wie sein ganzes Haus in Flammen steht.
Oft wird die Brieftasche im Kühlschrank vergessen, der Weg nicht mehr nach Hause gefunden, Personen nur noch sporadisch wiedererkannt .
So könnte man meinen "Small World" , die Verfilmung des Erfolgsromans des Schweizer Schriftstellers Martin Suter könnte vornehmlich eine bedrückende Krankenstudie sein doch das betörende, warmherzig sensible, und gleichzeitig giftig hintergründige Familiendrama ist viel mehr als das ,gehört zu den ungewöhnlichsten ,weil verschiedene Genres vermischenden Kinoerlebnissen der letzten Jahre.
Vor allem ist es in erster Linie ein Gerard Depardieu Film, und man kann immer nur andächtig vor diesem so leichtfüssig unangestrengten, so facettenreichen und ausdrucksstarken Schwergewicht niederknien, ob seiner Darstellerleistung.
Gerard Depardieu gibt man eine Charakterrolle, und er spielt diese nicht, er verkörpert sie, und mag sie noch so ausgefallen sein, jedes Mal mit einer Brillanz, und einem umwerfenden Charme und einer Authentizität, die wahrhaft selten zu finden ist.
So anrührend, augenzwinkernd, unaufdringlich, voller Charme und Würde diesen Demenzkranken Konrad zu verkörpern ist grosse Kunst.
Und sofort schließt man diesen teils unbeholfenen, dann wieder angstvoll, stets kindlich verspielten Kindmann dessen Welt langsam vor seinem geistigen Auge schwindet tief ins Herz.
Wenn Konrad vom Dach eines psychatrischen Krankenhauses fällt, weil der dort wie verzückt auf dem Dachfirst herumalberte, und dann Gott sei dank in der Rettungsmatte der Feuerwehr landet; dann gelingt es Depardieu einen filigranen Balanceakt zwischen der Bitternis einer unheilbaren Krankheit, und der einhergehenden Unbeschwertheit und Selbstironie eines für Konrad " lustigen Abenteuers" zu meistern.
Voller Rührung sehen wir diesem Riesen bei seinem tapsigen, unsicheren Gang durch den Alltag zu.
Und das Schicksal will es das Konrad trotz seiner Krankheit das sympathischste, fröhlichste, unbefangenste Familienmitglied des mondänen Industriellenclans Senn ist.
Denn zwischen rauschenden Ballnächten, zwischen gediegen eleganten Treppenaufgängen, Bibliotheken, und Speisezimmern lauern in dieser verzweigten Familie dunkle Geheimnisse der Vergangenheit, die wie eine grosse schwermütige Last über all dem Luxus und Prunk liegen.
Die Geschichte setzt ein, als die junge Simone nun den Sprössling der Dynastie, den arroganten Phillippe heiratet.
Alexander Maria Lara spielt diese junge Frau in ihrer unwiderstehlich reinen, elfengleich anmutigen Art, die nun mehr und mehr in die verborgenen , alles andere als koscheren Familiengeheimnisse eindringt.
Bald wird sie die einzige mitfühlende Bezugsperson des dementen Konrad, der eigentlich eher als unliebsamer Hausmeister, vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen in einem angrenzenden Dienstbotenhaus wohnt.
In genialer unaufdringlicher Weise schafft es der Film nun die stilvolle Geschichte mehr und mehr in ein Claude Chabrol ähnliches Drama voller Gift und versteckten Abgründen zu entwickeln.
Merkwürdige Unerklärlichkeiten hinsichtlich der Vergangenheit der Familie lassen Simone nun immer mehr eigene Erkundigungen über diese nur vordergründig intakte Großfamilie anstellen.
Eine Welt voll Dekadenz, Intrigen und tiefen Abgründen offenbart sich leise flüsternd hinter dem in umschmeichelnd prächtigen Bildern inszenierten Familienkokon.
Welche Geheimnisse verbirgt das weibliche Familienoberhaupt Elvira Senn (eiskalt, distinguiert: Francoise Fabian) hinter ihrem stets akkuraten Mienenspiel, welche unergründlichen Ängste scheint sie hinsichtlich vergangener Ereignisse zu plagen ?
Thomas Senn ihr alkoholsüchtiger Stiefsohn scheint nicht weniger unter innerfamiliären Konflikten zu leiden, und zunehmend entpuppt sich auch Simones frisch angetrauter Ehemann als unangenehmer Schürzenjäger, der Simone schon sehr schnell betrügt.
Lästig und in einer besonderen Form eine Gefahr darstellend scheint der Außenseiter Konrad zu sein.
Und als Simone in ihren Nachforschungen immer mehr die mitfühlende Nähe zu dem verwirrten Sonderling auf dem riesigen herrschaftlichen Landsitz sucht, werden einige Familienmitglieder merklich nervös.
Als Demenzerkrankter stehen Konrad die Erinnerungen an die Kindheit, an die Zeit ,als er als Bub mit dem jungen Thomas Senn noch unbeschwert im Schnee oder auf einer Venedigreise kindliche Abenteuer erlebte noch klar vor Augen.
Als Findelkind wurde Konrad schon als Säugling in die Familie aufgenommen, und er und Thomas später beste Kameraden, bis der Kampf um die Gunst einer Frau sie entzweite.
Auch die kurzen traumatischen Flashbacks an eine unheilvolle Nacht, (an einen Mord ?), die das Schicksal der Familie Senn maßgeblich verändern sollte, tauchen immer wieder vor Konrads innerem Auge auf.
Die Erinnerung an eine verhängnisvolle Tat, die mitnichten in seiner Erinnerung ausgelöscht wird.
Die Aufdeckung einer schicksalshaften Verbrechens (und damit der Verfall einer ganzen Dynastie), die urplötzlich durch die treuherzig, unbedachten Äußerungen eines Demenzkranken für die Familie droht.
"Small World" ist ein schwebender, überragend schöner und dichter Kinogenuß.. Jedes Bild exquisit, mit Gerad Depardieu und Maria Lara als Identifikationsfiguren hervorragend besetzt, emotional bewegend und die Spannungsschraube stetig andrehend .
Doch wünschte man sich doch noch mehr Laufzeit als knapp 100 Minuten.
Obwohl ich die Buchvorlage nicht kenne, und nicht vergleichen kann, ist der Eindruck gegeben, daß Regisseur Bruno Chiche die Auflösung etwas überhastet.
Hat er sich sich so wunderbar poesievoll viel Zeit für die Figurenkonstellationen genommen, überschlagen sich zu schnell am Ende die Rückblenden, Erinnerungen und die letztendliche Erklärung wirkt etwas bruchstückhaft, überladen und wenig tiefgreifend.
Trotzdem eine absolute Empfehlung für einen melancholisch warmherzigen Filmgenuß mit phantastischen Landschaftspanoramen, prächtigem Interieur, leise dichter Intensität und vor allem mit einer Glanzleistung des französischen Schauspielheroen Depardieu, der alleine schon jeden Film sehenswert macht.
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am 19. Mai 2015
WARNUNG : Bloß nicht díe Beschreibung auf Wikipedie lesen, sonst ist ein Großteil der Spannung weg !!!

Typisch für einige Demenz-Formen, hier Alzheimer, rücken bei Konrad (P.Dépardieu) Kindheitserinnerungen mehr und öfter in den Vordergrund, während die Kompetenzen im Alltag und das Kurzzeitgedächtnis zunehmend schlechter werden. Er fackelt ein tolles Anwesen ab, als er das Kaminfeuer mit Hilfe von Benzin anzündet. Früher war er von Kindesbeinen an mit Firmenchef Thomas befreundet und fast wie ein Mitglied der Famile, später kam es zu Gegnerschaft, Konnie verfiel dem Alkohol und war jetzt nur als Verwalter des verbrannten Hauses tätig.
Die Patriarchin der Industriellenfamile Senn setzt durch, daß der Aufsicht und Betreuung brauchende Konni ins Schloß der Familie zieht,
entgegen den Wünschen von Firmenchef Thomas und seinem Sohn, der gerade die schöne Simone (A.M.Lara) geheiratet hat. Auch andere sind wenig begeistert. Die Exfrau von Thomas und Mutter des Erben Phillipe ist ebenfalls anwesend und verbringt eine Nacht mit Konnie!?

Schon bald bemerkt man, daß es in der Familie und den Beziehungen Unstimmigkeiten gibt. Die gelangweilte Simone beschäftigt sich zunehmend mit Konnie und rettet ihn mehrfach aus brenzligen Situationen, in die er durch seine Alltagsdefizite geraten ist, Verlaufen, fast Erfrieren im Schnee und Weitere. Durch die Gespräche und Konrad vorgelegte Fotos werden Erinnerungen geweckt, die Patriarchin (toll gespielt von Francoise Fabian), wird zunehmend nervöser, und die Familie wird zu einer Gruppe von Menschen, von denen einige , z.T. bewußt, eine falsche Rolle spielen. Auch wir werden auf falsche Spuren geführt, plausibel, nicht aus dem Hut gezaubert.
Erst kurz vor Schluß erfahren wir von der Patriarchin Elvira, was in der Kindheit von Konni und Thomas passiert ist und wie es zu der jetzigen, zerbrechenden Konstellation kam.
Simone hat sich von dem jungen Senn, der den Eindruck eines Schürzenjägers macht und sie wohl nur zu Repräsentationszwecken geheiratet hat, getrennt, wohnt zum Schluß einem Begräbnis aus der Distanz bei, Konni scheint der einzig glückliche Mensch nach dem Desaster zu sein.

Aus Suters Roman wurde eine spannende und berührende Filmvorlage gemacht und zu einem begeisternden Film verarbeitet.
Neben dem großartigen Dépardieu macht Alexandra Maria Lara - nicht nur wegen ihrer Schönheit!- eine gute Figur, und hevorheben möchte ich auch Francoise Fabian als Patriarchin Elvira und Nils Arestrup als Thomas.

In den Extras gibt es u.a. Interviews mit Alexandra.M.Lara und dem Romanautor.
Lara schildert die Zusammenarbeit mt den großen Depardieu und wie sie zu der Rolle kam. Sie lernte den Regisseur des 2012 auf den Markt gekommenen Films bereits 2010 in Berlin kennen und zeigte Interesse an dem Projekt, nützlich war ihr sicher ihre Schulzeit auf einem französischen Gymnasium in Berlin.

Suter beschreibt sein Verhältnis zum eigenen Roman und dem Film. Er lobt A.M.Laras sinngemäß stilles und elegantes Spiel, danach bemerkt auch er, daß sie eine sehr schöne Frau sei, und sie stelle ihre Verbundenheit mit Konnie gelungen dar, beide seien von der Familie benutzt, aber auch ausgestoßen worden. Das ist doch insgesamt ein berechtigtes und großartiges Kompliment an diese Darstellerin.

Bezüglich Depardieu stellt er fest, daß dieser auf der Besetzungsliste für ihn nicht an erster Stelle gestanden hat. Nicht unlogisch, er hatte ja beim Schreiben einen bestimmten Thomas vor Augen. Er lobt aber Dépardieu ausdrücklich, man würde ihn am liebsten in die Arme nehmen, obwohl er so ein großer Mann sei (auch an Körperumfang - füge ich der Aussage hinzu).

Dann folgt noch ein wichtiges Statement, welches sich viele Rezensenten und Kommentatoren "hinter die Ohren schreiben" sollten:
Ein Buch und einen nach dem Buch verfaßten Film kann man nicht miteinander vergleichen. Es sind völlig verschiedene Medien. Ein Buch ist (hier füge ich auch Eigenes hinzu) kein Drehbuch für einen Film, nach dem Buch wird ein Konzept und ein Drehbuch erarbeitet, naturgemäß wird ein Buch nicht 1 zu 1 filmisch umgesetzt.
Ich gehe sogar so weit zu behaupten, daß ein Film die Kernaussage eines Buches verändern darf, Ereignisse dürfen geändert werden, wegfallen, neue dazukommen.
Suter bemerkt, sein Buch sei nicht Vorlage für einen Action-Film, vieles spiele sich im Kopf ab, das muß ein Film natürlich ganz anders vermitteln,als ein Buch es kann.

"Small World" ist ein toller Roman. Und ein gelungener Film, beide UNABHÄNGIG von einander.

Doc Halliday
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am 12. Juni 2011
Schade - ich habe mich sehr auf den Film gefreut.
Aber wer das Buch gelesen hat, das für mich zu einem der faszinierendsten, bewegendsten und schönsten Bücher gehört, das ich in den letzten Jahren gelesen habe, der wird enttäuscht sein.
Fraglos - Depardieu ist ein großartiger Schauspieler, leider für die Rolle des Konrad Lang völlig ungeeignet (Der ist nämlich ein feiner älterer Herr, der sehr viel Wert auf sein Äußeres und seine Umgangsformen legt...).
Aber nicht nur das - der Film geht mit der Geschichte des Buches sehr sehr frei um, was dazu führt, dass die wesentlichen Inhalte nur mehr sehr schwer wieder erkennbar sind.
So macht der Film der Eindruck, eine Aneinanderreihung von einzelnen Sequenzen zu sein.
Jeglicher Tiefgang, der die schleichend wachsende Demens spüren lässt, ist dem Film abhanden gekommen. Die Zwischentöne, die Suters Buch so stark machen, fehlen dem Film völlig.
Personen und deren Charaktere wurden verändert - leider nicht zum Guten.
Wirklich schade - eine völlig missglückte Verfilmung.
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am 9. März 2014
Ein herausragender Gérard Depardieu. Zu keiner Zeit spielt er den Alzheimer Patienten, den man bemitleiden müsste. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber der Film hat mich begeistert. Ein Film, der fesselt und unter die Haut geht. Man fiebert mit Konrad und Thomas. Was sich hinter den Charakteren verbirgt, welche Vergangenheit sie teilen. Ob die Erinnerungen von Konrad nur "Hirngespinste" sind und welches Geheimnis sie verbindet.
Eine tolle Literaturverfilmung, die man gesehen haben muss.
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Umgeben von bezaubernden Darstellerinnen läuft Gérard Depardieu in der Literaturverfilmung "Small World" zu ganz großer Form auf. Auch wenn der Autor der Buchvorlage, Martin Suter, sich seinen Konrad optisch etwas anders vorgestellt haben mag, spricht er in einem Interview von der berührenden Darstellung des berühmten französischen Schauspielers. Es ist schon etwas ungewöhnlich, einen Alzheimerpatienten in den Mittelpunkt einer Geschichte zu stellen, die obendrein als Kriminalfall bezeichnet werden kann. Bruno Chiche hat diese ungewöhnliche Idee des Romans aufgegriffen und die Struktur der Vorlage für seinen intelligenten und warmherzig gespielten Film erhalten.

Der Film beginnt mit einer Hochzeit. Alexandra Maria Lara (Doktor Schiwago) steht im warmen, goldfarbenen Licht des Tanzsaales in einem wunderschönen Hochzeitskleid. Doch die Frischvermählte, die sich nun Simone Senn nennen darf, wirkt an ihrem großen Tag etwas fehl am Platze. Während sie ihren Ehemann (Yannick Renier) beobachtet, der mit der gefürchteten Großmutter Elvira Senn (Francoise Fabian) tanzt, wirft das Tanzpaar seinerseits einen Blick auf die Eltern des Bräutigams, Thomas (Niels Arestrup) und Elisabeth Senn (Nathalie Baye), die vor kurzem die Scheidung beantragt haben. In das Idyll der Hochzeitsszene platzt der ungelenke Konrad (Gérard Depardieu), ein langjähriger Freund der Familie, der unlängst das Feriendomizil der Familie Senn auf Korfu abgefackelt hat. Nun ist er entschlossen in den Schoß der Familie zurück zu kehren, aber sein ehemals bester Freund Thomas reagiert eher gereizt auf das Erscheinen Konrads. Simone entwickelt ein großes Interesse an der Person des ungeliebten Freundes der Familie, der wie eine lästige Fliege abgeschoben wird. Sie stellt fest, dass Konrad große Probleme zu haben scheint und tatsächlich leidet der charmante Mann schon seit einiger Zeit an der Alzheimerkrankheit. Als sich sein Zustand verschlimmert, beschließt Elvira, die Grande Dame der Familie Senn, Konrad, den sie wie ein eigenes Kind aufgezogen hat, im Gästehaus aufzunehmen und dort privat betreuen zu lassen. Simone misstraut dieser Geste der Großmütigkeit. Die alte Dame scheint sehr beunruhigt zu sein, dass Konrads Kindheitserinnerungen immer stärker in den Vordergrund seines Gedächtnisses drängen. Welches Geheimnis verbirgt sich dahinter und könnte Konrads Reise in seine eigene Vergangenheit eine Gefahr für ihn selbst darstellen?

Man hat Lust, ihn in den Arm zu nehmen - obwohl er so groß ist. Diese Aussage von Martin Suter beschreibt sehr gut das Gefühl, welches Gérard Depardieus Darstellung des liebenswerten Konrads auslöst. An seiner Seite ist es vor allem Alexandra Maria Lara, die ebenfalls die Herzen berührt. Ihre Simone zeigt eine unglaubliche Anteilnahme an dem Schicksal des Mannes, welchen sie als Seelenverwandten begreift. Beide Darsteller beeindrucken durch das intensive Spiel, welches durch die Leistung der passend gewählten Nebendarsteller perfekt unterstützt wird. Da verzeiht man gerne, dass mit der Romanvorlage etwas freier umgegangen wurde.

Die DVD Ausgabe präsentiert sich sehr großzügig mit wunderschönen Extras und einem übersichtlichen Menü, welches mit stimmungsvoller Musik untermalt wurde. Das Making of wird in verschiedene Kapitel, die man einzeln wählen kann, aufgeteilt. Außerdem gibt es einen informativen Ausschnitt der Weltpremiere am 01.12.2010 in Berlin. Die Interviews mit Martin Suter und Alexandra Maria Lara haben genau die richtige Länge und verraten viel über die Gefühle der Beteiligten zum Film. Natürlich ist die Frage, wie den Autor die Umsetzung des eigenen Romans berührt hat. Außerdem ist es interessant zu erfahren, wie die deutsche Schauspielerin die Herausforderung gemeistert hat, in französischer Sprache zu drehen. Die Filmtrailer auf Französisch und Deutsch dürfen ebenfalls bei den Extras nicht fehlen. Abgerundet werden die Extras durch eine schön gestaltete Bildergalerie mit den schönsten Momenten des Films.
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