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am 10. Mai 2014
Das ist natürlich der Tatsache geschuldet, das der Film rückwärts erzählt wird. Der Vorteil hierbei: Dadurch erlangt die Story eine Spannung, wie der Film sie beim Vorwärtserzählen wohl nie erreicht hätte. Der Nachteil: Wirklich alle sehenswerten Szenen spielen sich in der ersten Hälfte des Filmes ab. Die erste Hälfte des Filmes ist unfassbar spannend, verwirrend und abstoßend. Vor allem die Handlung im "Rectum" fesselt und schockiert.

Gaspar Noe schafft es, ähnlich wie in "Menschenfeind" eine Atmosphäre aufzubauen, die seinesgleichen sucht. Brutal, dreckig und ausweglos. Zartbesaitete sollten die Finger von diesem Film lassen, da einige Szenen harter Tobak sind (SPOILER: Feuerlöscher, Vergewaltigung).

Den Sternabzug gibt es für das bereits erwähnte quälend langweilige und unnötig lange Ende. Vor allem die Fahrt mit der U-Bahn war wirklich überflüssig lang. Hier hätte der Film mehr Potenzial gehabt. Gelungen ist, das man die augenscheinlich funktionierende Beziehung der Protagonisten ständig unter den nachfolgenden schrecklichen Ereignissen betrachtet. Man denkt ständig: "Wenn die nur wüssten was noch passiert...". Dennoch hätte man sich hier kürzer fassen sollen.

Insgesamt aber hat mir "Irreversibel" sehr gut gefallen. Aber es ist ein sehr gewöhnungsbedürftiger Film, aufgrund der verwirrenden Kamerafahrten und der blanken Gewalt, die diesen Film aber erst sehenswert macht.
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am 14. Februar 2014
Ein sehr grausamer Film. Meine Freundin und ich haben ihn zusammen auf Empfehlung von Freunden angesehen. Haben den Film bestellt und natürlich den Text auf der Rückseite der DVD gelesen. Das war ein fataler Fehler denn so wird man um ein noch verstörenderes Ende (Anfang) des Filmes gebracht. Es grenzt beinahe schon an Frechheit das die komplette Geschichte in dem Infotext rausposaunt wird. Eigentlich hätten wir diesen Film nicht mehr über uns ergehen lassen müssen. Sollte sich jemand den Film kaufen dann Bedenken sie das sie den Text nicht lesen.
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am 20. September 2008
Jedem Filmliebhaber, der bereits Gaspar Noes misanthropischen Schocker "Menschenfeind" gesehen und für gut befunden hat, wird auch in diesem extremen Film auf "seine Kosten kommen." Thematisch durchaus mit seinem Vorgänger vergleichbar - es geht anscheinend darum, männliche Gewalt zum Sujet zu machen - muss man diesen Streifen wohl primär als visuelles und formales Meisterwerk bezeichnen. Der Film beginnt mit einer längeren alptraumhaften Sequenz, in der die Freunde Marcus und Pierre einen auf SM-Praktiken spezialisierten Pariser Gay-Nightclub aufsuchen, um Rache an einem Gast dieses Klubs zu nehmen, den beide für den Vergewaltiger von Marcus' Freundin Alex halten. Der unschuldige Gast bricht zunächst Marcus, dem Freund von Alex, den Arm, um daraufhin von Pierre, der ebenfalls einst mir Alex liiert war, in extrem brutaler Weise mit einem Feuerlöscher zu Tode geprügelt zu werden, während der eigentliche Täter dem Geschehen beiwohnt und als Zuschauer seine sadistischen Gelüste ausagieren kann. Vom Zeitpunkt des Mordes an dem Klubgänger arbeitet sich der Film in einzelnen Episoden immer weiter zurück und präsentiert auf diese Weise eine Art Rekonstruktion dieses verhägnisvollen Abends und porträtiert die Lebensweisen der involvierten Akteure. Dabei sind die beiden Freunde von Alex als ungleiche "Brüder" gezeichnet. Ihre Gemeinsamkeit besteht in ihrer Liebe zu Alex, während sie sich ansonsten wenig gleichen. Pierre ist ein zurückhaltender, weltabgewandter Intellektueller, während der koksende Marcus eher den extrovertierten Lebemann gibt, dem sein Hirn bisweilen in die Hose rutscht. Filmisch sind die Szenen in großartiger Weise aufgenommen und inszeniert, komplexe merhminütige Kamerafahrten mit verfremdenden Perspektiven ohne sichtbare Schnitte, begleitet von einem hypnotischen Soundtrack, vermitteln einen verstörenden Eindruck von der psychotischen Dimension, die der Abend annimmt. Die Gewaltszenen des Films sind extrem schockierend und so explizit, dass man allerdings die Frage stellen muss, ob nicht wirklich sadistisch veranlagte Zuseher die einzigen sind, die den Streifen in voller Länge ertragen. Allerdings wird man auf der Beziehungsebene doch mit einer durchaus interessanten Dreiecksgeschichte konfrontiert, in der allerdings sozial wieder einmal Hormone über den Geist triumphieren (komisch nur, dass letztlich doch der Mensch als denkendes Tier die Natur nach seinen Wünschen formt, nicht umgekehrt - allen Tsunamis, Tornados und Erdbeben zum Trotz). Außergewöhnlich ist durchaus, dass nicht der als "Gorilla" apostrophierte Marcus zum Mörder mutiert, sondern der so distanzierte und abgehobene Pierre, der im Grunde die These verköpert, dass ein hoher Grad an Intelligenz unter bestimmten ungünstigen Umständen zu besonderen Grausamkeitsexzessen führen kann, ohne das notwendigerweise komplizierte Rachepläne geschmiedet werden müssten. Diese bedeutsame Fragestellung hätte man allerdings auch ohne die extrem direkte Darstellung physischer wie sexueller Gewalt zur Darstellung bringen können. Andererseits vermittelt der Film durch diese Explizitheit ein Gefühl der wahren Tragweite solch brutaler Verbrechen, die mir Rücksicht auf das Publikum im Allgemeinen verharmlost werden müssen. Und genau das ist die Stärke dieses Werks von Gaspar Noe: Gewalt als Erfahrung wird nicht ästhetisiert oder sonstwie verbrämt, sondern in ihrer nackten Rohheit technisch anspruchsvoll in Szene gesetzt - ganz unromantisch und trotzdem zutiefst berührend. Und das ruft natürlich bei jedem halbwegs friedliebenden Menschen Abscheu hervor. Ein kontroverser Film, der trotz seines wenig alltagstauglichen SM-Appeals aber auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinerlässt.
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am 19. Juli 2012
Vorweg:

Meine Rezension bezieht sich ausschließlich auf den Film - wer Informationen zum beworbenen Film-Paket und den enthaltenen Extras sucht, kann meine Rezension einfach überspringen.

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Einstieg
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Ein mulmiger Vorspann aus verdrehten Lettern, rotierenden und fallenden Texten, unterlegt mit dumpfem, monotonem, hämmerndem Bass. Ein düsterer, dreckiger Underground-Club, der sich uns mit jedem aufgezwungenen, flackernden Bildeindruck immer mehr als abstoßender Sündenpfuhl bizarrer homosexuell-sadomasochistischer Auswüchse aufdrängt. Die Kamera ein Wechsel aus Ich- und Beobachterperspektive, stets wie auf einem albtraumhaften Drogentrip, gewährt uns unfreiwillige Einblicke auf nackte Körperteile, Genitalien, maskierte Schänder und absonderliche sexuelle Praktiken. Eine aggressiv höchst aufgeladene, verzweifelte Suche, gleich dem Stochern in einem Hornissennest und letztlich ... unkontrollierte, bestialische Gewalt.

Chronologie
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Schnell merkt man, dass sich "Irreversible" szenenweise rückwärts bewegt. Mit jeder vorwärts ablaufenden Szene erhalten wir den vorherigen Ereignisbaustein. Aber nicht nur der Inhalt, auch die Progressivität des Films bewegt sich umgekehrt. In den ersten gefühlt 45 min des Films hämmern Bilder, Töne, Licht und Aktion nahezu unerträglich verstörend, erschreckend, grausam und vertiert auf uns ein, beruhigen sich dann aber Schritt für Schritt und lassen uns nach und nach wieder zu Atem kommen. Alles was fortan passiert, wird durch den dunklen Schleier der anfänglichen Grausamkeiten überschattet, und durchtränkt die vorangegangene (im Film erst noch folgende) relativ nüchterne Entwicklung mit einem schmerzlichen und bitteren Beigeschmack.

Wirkung
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"Irreversible" ist ein anfangs wahrlich bestialisch-verstörender, konfuser und anstrengender Film, der die Schmerzgrenze des Zuschauers permanent missachtet, den Finger in die Wunde legt, zudrückt und sich fast schon am Leid des Betrachters zu weiden scheint. Nur so erklärt sich mir, wie ausdauernd und schamlos die Gewaltszenen und Misshandlungen in diesem Film vorgeführt werden. Hat man die abscheulichen Höhepunkte erst einmal überstanden, so klärt sich langsam der Blick für die Geschichte, wobei ich das mulmige Gefühl erst nach dem Ende des Films und einigen langen Minuten des Sacken lassens wirklich loswurde. Was bleibt ist eine zwar grausame, dennoch aber nicht wirklich "ausgebuffte" oder überraschende Ereignisfolge, die fast schon allein aufgrund der aggressiven Inszenierung zu provozieren weiß. Obwohl, auch die zwei glänzenden Schauspieler in den Hauptrollen (Bellucci und Cassel) wissen sowohl optisch als auch schauspielerisch absolut zu überzeugen und tun der zweiten, doch recht "faden" Hälfte des Films wahrlich gut.

Ein Film, der absolut schmerzhaft und beschämend, gleichzeitig auch ein wenig sinnarm unter die Haut geht und dadurch masslos provoziert. Insbesondere die darstellerische Authentizität des Gezeigten hat mich schockiert. Sehenswert ja, abweichend ja, nachhaltig ja, schön nein.
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am 16. Juli 2007
Wenn ich hier so die letzten Rezensionen lese, bekommt man den Eindruck, dass manche nach der Vergewaltigungsszene entweder den Film abgeschaltet haben oder zumindest nur noch halb wahrgenommen haben.

Das böse Erwachen, das diesen Film noch eine Spur dramatischer macht, als er sowieso schon ist, kommt ja erst am Schluss (also der eigentliche Anfang der Geschichte).

Am Anfang des Films sieht man die berühmte Feuerlöscher-Szene und ab da ist man neugierig: Was ist bloß passiert?
In der Mitte des Films gibt es dann die Antwort: Die Vergewaltigung. Das ist alles sehr schrecklich und unmenschlich. Aber arg dramatisch? Dafür wirkt es einfach zu abgeklärt und brutal.

ALLE, DIE DEN FILM NOCH NICHT GESEHEN HABEN UND SICH VOM ENDE ÜBERRASCHEN LASSEN MÖCHTEN, AB HIER BITTE NICHT WEITERLESEN!

Am Ende des Films das wahre Drama, das einen doch irgendwie rührt und traurig macht, während die Szenen vorher einfach nur geschockt haben.
Die Schwangerschaft. Sie war schwanger. Ein bitteres, trauriges Ende mit äußerst brutalem Vorspiel. Mich hat es zumindest gerührt und einen faden Nachgeschmack hinterlassen. Insoweit ist der Film gelungen.

Fazit: Man sollte sich den Film zumindestens mal angesehen haben.
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am 6. August 2010
Ich möchte mich distanzieren von Wertungen wie gut oder schlecht, gut oder böse etc. Dieser Film ist traumatisch und absolut verstörend. Ich habe bereits sehr viele Horrorfilme gesehen (dieser ist jedoch/zwar keiner), es ist sozusagen mein Hobby - dennoch saß ich im Anschluss 20 Minuten einfach nur da und war außerstande etwas zu tun oder an etwas anderes zu denken als das, was ich soeben gesehen hatte. Ein wenig ist diese Rezension für mich nun auch ein Ventil für den gestrigen Fernsehabend um mir das von der Seele zu reden. Ich hatte Angst, beschleunigten Puls und konnte nichts essen, trinken oder auch nur das Zimmer verlassen.

Man regt sich hier darüber auf, dass bestimmte verwendete Stilmittel nicht neu sind - niemand erhebt hier Anspruch auf Neues - das zeigt deutlich, dass der Film seine volle Wirkung entfaltet hat. Er ist nicht da, um zu gefallen. Wenn je ein Film den Titel Schocker verdient hat, dann dieser. Alles passt sehr gut zum Gesamtbild - die irren Kamerafahrten, der psychedelische Sound, der einen schon im DVD Menu ahnen lässt, wie derbe es gleich werden wird, die Farben etc.

Viele meiner Vorgänger hier haben schon gesagt, was auch ich denke und die Handlung beschrieben. Man sollte tatsächlich schon Erfahrung mit krassen Filmen haben um nicht anschließend eingeliefert zu werden. Leuten mit schwachen Nerven ist es wirklich nicht zu empfehlen sich diesen Film anzusehen. Selbst als ich in der Nacht und am nächsten Morgen aufgewacht bin, dachte ich an die Szene im Club. Ich assoziierte das Weck-Lied im Handy mit dem Film. Es wird einige Zeit dauern, bis diese harte Kost verdaut ist. Man muss schon sagen, dass es angesichts dieser Tatsachen ein heftiger Streifen ist. Kein anderer hat mich bislang so derart lange schockiert. Wie bereits jemand sagte, dieser Film ist einer von den wenigen, die man wohl wirklich nie mehr vergessen wird.

Was mich besonders schockt, ist die Tatsache, dass im Grunde jeder Mensch zu solchen Taten fähig wird, wenn ihm nur selbst wiederfährt, was de Protagonisten wiederfahren ist. Im Grunde handelt der Film von Liebe, Gerechtigkeit und der Wahrheit, dass es manchmal den Falschen trifft. Das Letztere wird sehr extrem deutlich.

Ich finde, man darf diesen Film nicht als gut oder schlecht hinstellen. Da jeder Film Kunst ist, so auch dieser und Kunst eben einfach das ist, was es ist. Sie ist nicht kritikfähig. Auch in Anbetracht der ganzen Rezensionen hier wird schon deutlich, dass der Produzent wohl erreicht hat, was beabsichtigt war. Daher verdient er fünf Sterne.
5 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 30. April 2014
ACHTUNG :SPOILER !

"Man denkt immer , es passiert nur den anderen. Und wenn es einen selbst trifft, dann verliert man jeglichen Boden".

Das zentrale Zitat umfasst in etwa die niederschmetternde Erkenntnis, die "Irreversible" durchzieht.
"Irreversible" ein Film wie ein Donnerschlag, der in die Knie zwingt, der unvergesslich drastische Bilder, Farbexplosionen und nie erlebte ,fassungslos die Kehle zuschnürende Szenen beinhaltet. "Irreversible" kein Film um ihn für zwischendurch zu erleben.Ein Film den man vielleicht allein erdulden muß, denn fürwahr ein Martyrium muß hier auch der Zuschauer durchstehen.
Denn dieser Film gehört zu denen , die Viele wahrscheinlich nur einmal im Leben ertragen, den man als zutiefst abstoßend empfindet, und, das schließt sich nicht aus,von dessen hochintelligenter, einmalig präzise durchdachter Inszenierung man am Ende schwindelnd und vollkommnen zerrüttet hoch begeistert ist. Caspar Noes Name ist Synonym für Filme, die nur in guter psychischer Verfassung zu erleben sind. Denn das Enfant Terrible der französischen Filmkunst erspart uns in seinen bisherigen drei grossen Werken "Menschenfeind", Irreversible" und Enter the Void" nichts. Schwelgen in Extremen, seien es die hypnotisch fiebernde Kameraführungen, die wabernd, grellen Farben, die zerrütteten Charaktere, das zutiefst pessimisische Menschheits- und Lebensbild.
Erschütternd, erschreckend mit der Wucht eines Dampfhammers so läßt der Regsseur in "Irreversible" keine Gnade walten, läßt uns Zeuge werden von tiefsten, unmenschlichsten Charakterseiten.

Caspar Noe ist ein Regiseeur der unumwunden seine eigenen Ängste in schockierend ehrlicher Weise auf die Leinwand bringt. Deshalb kommt er uns so nahe, denn seine Ängste sind unsere zutiefst erlebten oder verdrängten Befürchtungen. Es ist die Angst vor der Unausweichlichkeit, vor der entsetzlich belanglos, zufälligen und dabei unausweichlichen Macht des Schicksals, des hilflosen Ausgeliefertseins, der Möglichkeit jeder Zeit am falschen Ort zur falschen Zeit sein zu können, Opfer zu werden von nicht kontrollierbaren Einflüssen. Es ist die Unfähigkeit, die uns allen eigen ist , die Zukunft zu beherrschen, zu planen oder wirklich sein Leben eigenbestimmt führen zu können.
Ängste, die jeder denkende Mensch kennt. Mich schaudert immer persönlich ,wenn Menschen zu sehr Projekte in der Zukunft planen oder selbstherrlich genau wissen, wo sie in ein paar Jahren hin verschlagen werden. Ich halte dann immer die Luft an und denke wie fragil ein eigens geschaffener Lebensentwurf wird, sollte nur ein Rädchen im grossen, verplanten Zukunftsgetriebe einmal nicht nach Gebrauchsanweisung laufen. So unwahrscheinlich es klingt ,"Irreversible" lehrt den so rational denkenden, so überheblichem Menschen wieder eine Demut vor der Irrationalität der Zukunft, vor der Erhabenheit des diffusen Schicksals, (oder Zufalls wie man es umschreiben will).
Einmal zu einer falschen Zeit den nächtlichen Club verlassen, einmal zu falscher Zeit eine blutrot erleuchtete, dunkle Unterführung genommen, und all deine geplanten, zuversichtlichen Lebenskonzepte werden in den Staub getreten, von der erbarmungslosen Grausamkeit der Willkürlichkeit des Lebens. Diese Erkenntnis läßt einen nach "Irreversible" erzittern, und sie ist in ihrer glasklaren, bestürzend ausgearbeiteten Umsetzung ein vielleicht heilsamer Schlag ins Gesicht.

"Irreversible" beginnt mit einem eigenwilligen Abspann ; Titel, Darstellernamen, Danksagungen seltsam verdreht, laufen rückwärts durchs Bild. Hektisch pulsierend flammen die Namen auf : Noe, Bellucci, Cassel.
Der Geniestreich des Films ist die Tatsache, daß die schockierenden Ereignisse chronologisch rückwärts gezeigt werden.
Das versetzt den Zuschauer in die Lage, Zeit und Raum in der Filmillusion aushebeln zu können, macht ihn aber andererseits hilflos gegenüber den im Moment nicht verstehbaren, erruptiven Gewaltexzessen, läßt ihn jedoch mit zunehmender Laufzeit die Puzzelteile zusammensetzen, was zu höchstmöglicher Verstörung und Erschütterung führt.
Ganze Abhandlungen könnte man über die Genialität dieses cineastischen Geniestreichs schreiben, erleben, durchstehen muß man ihn selbst um die ganze Monströsität zu begreifen.
Ein Beispiel , die phantastische Kamera: Sie ist stets Ausdruck der Gefühlswelten des Zuschauers . Ihre Dynamik spiegelt immer exakt das Empfinden des Auditoriums wieder. Am Anfang ein flirrender, schwindelerregnder Strudel an grellen Bildern.
Rastlos, ruhelos irrt der Bildauschnitt genauso orientierungslos wie der Zuschauer durch schwindelerregende Räume. Die subjektive Haltlosigkeit als Ausdruck des Gefühlswirrwarrs.
Schwingend und gleitend, blickt sie alsbald zu Anfang in ein karges Zimmer. Zwei nackte Männer sitzen dort auf einer schmierigen Liege.
Der eine ist der Pferdemetzger (Philippe Nahon) aus dem Vorfilm "Menschenfeind", der hier über die Begierde zu seiner Tochter philosophiert. Noe verbindet hier den Vorgängerfilm mit dem aktuellen "Irreversible" , läßt die schockierend trostlosen Handlungen, Personen von "Menschenfeind" noch einmal aufleben.
Für den weiteren Verlauf von "Irreversible" ist dieser Anfang weniger wichtig, doch Nahon weist hier schon in einer Dialogzeile auf das Credo des Films hin : "Le temps detruit tout", -die Zeit zerstört alles .Die Kamera schwenkt , rotiert durch das schmutzstarrende Fenster in die tiefschwarze Nacht, eine leuchtende Neonschrift: Der Nachtclub "Rectum" taucht im Bild auf.
Und hier beginnt rückwärts erzählt "Irreversible" mit der amoklaufenden Rache eines jungen Mannes, vollgepumpt mit Drogen, von dessen Beweggründen wir bisher nichts wissen. Erst hinterher werden wir schlauer sein, werden Ereignisse richtig einordnen können.
So entzieht uns Noe konsequent die Möglichkeit Szenen richtig zu bewerten oder nachvollziehen zu können. Sie stürzen quasi ungefiltert auf uns ein, und reissen uns jeglichen Boden unter den Füssen weg.

Der erste Gewaltakt in dem rot erleuchteten Kellerclub mit stroboskobartig ausgeleuchten SM- Szenerien trifft uns deshalb mit einer Wucht, die im Kino fast unvergleichlich ist in seiner beispiellosen Grausamkeit.Der vollkommen rasende junge Mann Marcus sucht einen gewissen El Tenia .Vage geht das Gerücht um eine Frau wurde vergewaltigt. Als er einen Verdächtigen findet, kommt es zum Handgemenge.
Mit einem Feuerlöscher schlägt Marcus unzählige Male auf das Gesicht seines Opfers ein.
Die Kamera schwenkt jedes mal mit, scheint selbst zum Schlag auszuholen.Ohne Schnitt in einer einzigen Einstellung zeigt uns Noe wie hier ein Mensch durch die banale und destruktive Kraft zu einer blutigen Masse wird. Keiner der Umstehenden greift ein.
Die Meisterschaft wie Noe Gewalt, Aggression und die furchtbaren ekelhaften Auswirkungen in authentischster Weise zeigt ist beeindruckend und schockierend bis in Mark. Nie mehr wird man diese Szene vergessen. Nahezu physisch scheinen uns die Schläge selbst zu treffen.
Noe gibt der Gewalt das Häßliche wieder, die niemals zu rechtfertigende oder konsumierbare Destruktion, die sie scheinbar zwischen all den überall goutierbaren bunten Gewalt- Computerspielen oder Actionfilmen an wirklichem Ausmaß verloren hat.
Das Entsetzliche, das furchtbar Belanglose, das hilflose Krepieren, Schreien, Wimmern, die grosse übelkeiterregende Sinnlosigkeit.
Wer Noes Filme als gewaltverherrlichend sieht, hat keinen einzigen Zusammenhang verstanden. Einer schonungslosen inneren Reinigung gleich läßt uns Noe von Gewalt wieder zutiefst betroffen sein.
Auch in dieser absolut überfälligen Darstellung von Brutalität als furchtbaren verhängnisvollen Menschheitssündenfall ist der Film so wichtig, so ehrlich und niederschmetternd.

Filmisch blättern wir jetzt ein Kapitel zurück.
Wir werden Zeuge davon wie es überhaupt zu diesem apokalyptisch grausamen Szenario kam. Erst jetzt erlaubt uns zunehmend Noe eine Möglichkeit diesen Tötungsakt teilweise nachzuvollziehen. Erst bekommen wir den Exzess, und wissen nicht warum, jetzt erst lichtet sich das Dunkel.
Marcus Freundin Alex (die atemberaubend ,sinnlich anmutige Monica Belucci) verlässt nach einem belanglosen Streit eine gemeinsame Party. Wie in einem grossen undurchschaubaren Schicksalsspiel werden ihr Zukunftskarten auf verhängnisvolle Weise durchmischt.
Zur falschen Sekunde, die falsche Bahnunterführung durchschritten (ein unvergessliches Bild, dieser in blutrote Neonfarben getauchte Zementschlauch, einem Tor zur Hölle gleich), trifft sie dort auf den bisexuellen Zuhälter El Tenia.
Provoziert von ihrem eleganten, reizvollen Äußeren, in Wut über eine "Dame der Oberschicht" wird er sie dort elf quälend lange Minuten erbarmungslos vergewaltigen, erniedrigen, bis zur Unkenntlichkeit schlagen. Ein ganzes Leben, ein ganzer filigraner Mensch in wenigen Minuten auf erbarmungsloseste Weise zerstört.
Hier geht es nicht im wesentlichen um sexuelle Befriedigung, hier zeigt Noe die willentliche und fassungslos machende Willkür, die Lust am psychischen und pysischen Zerfetzen, der Vernichtung eines erniedrigten Organismus, der vor ein paar Minuten noch ein hoffnungsvoll, unbekümmerter junger Mensch war. Ein Zeuge kommt kurz hinzu, schaut und geht die Treppe wieder hoch.
Noes Blick auf den Homo Sapiens ist hier in seiner schockierenden Umbarmherzigkeit unvergleichlich. Wieder bemerkenswert und suggestiv ist hier ein weiteres Mal die Kamera
Diesmal bleibt sie bei dem unmenschlichen Vergewaltigungsakt regungslos ohne Schnitte auf gleicher Höhe wie die am Boden liegende junge Frau.Wir werden selbst somit zum teilnahmslos kalten Beobachter.
Unser eigener Voyeurismus, als würden wir selbst beobachtend ohne Einzugreifen dabeistehen, wird uns gnadenlos vor Augen geführt.
Dieser radikale Inszenierungskniff zwingt den Zuschauer in ein moralisches Dilemma, splittet seine Aufmerksamkeit in beunruhigend sich widersprechende, elementar verstörende Empfindungen. Voyeurismus, Sensationslust, Wegschauen, Gaffen. Der Mann, der wieder weggeht, der irre Vergewaltiger, das bemitleidenswerte gequälte Etwas am Boden, die starre Unbewegtheit der subjektiven Kamera.

Das Ende ist der Anfang würde man den Film chronologisch erzählen, und nun befinden wir uns im letzten Drittel auf besagter Party. Sehen Monicca Bellucci ganze betörende Schönheit, erleben die banalen, kokettierenden Dialoge mit ihrem Freund und ihrem Ex -Freund.
Eine Gruppe junger Menschen vielleicht so unbekümmert und im alltäglichen Auf und Ab verhaftet wir wir alle, die wir auch nicht in die nahe Zukunft schauen können.Die Genialität des Films ermöglicht uns jedoch dieses.
Wir wissen im Gegensatz zum normalen Leben wie sich alles entwickeln wird. Noe schockiert uns mit diesem Zukunftswissen bis zum Schluß. Die Bilder werden nun zunehmend ruhig, in grosser zärtlicher Harmonie erleben wir den schönen nackten Körper von Alex in den Armen ihres Liebsten, am Morgen im Schlafzimmer erwachend.
Eine vertraute Sicherheit, die trügerisch glauben läßt über kommende Eventualitäten des Schicksals triumphieren zu können.
Neckereien über sexuelle Spielereien . Das Wissen über die gesehenen zukünftigen Szenen lassen bei solch erotisch unschuldigem Geplänkel den Zuschauer vor Grauen erstarren. Ein Film-Poster hängt an der Wand ; "2001- A Space Odyssee" von Kubrick, ein Verweis an ein Werk in dem ebenfalls Zeit und Raum verschwimmen.
"Ich hatte einen Traum von einem grossen dunkelrot, erleuchteten Tunnel, Man sagt die Zukunft sei vorherbestimmt"- surreale Träume als kurze weissagende Ahnung des Unaufhaltsamen. Doch alles scheint so zukunftsgewandt. Mit letzter niederschmetternder Konsequenz erfahren wir das Alex schwanger ist. Nicht nur ein Leben wird bald zerstört werden.
Auf einer blumenübersäten hellen, idyllischen Frühlingswiese liegt Alex friedlich, um sie herum spielende Kinder. Zeichen des Aufbruchs , Zeichen der Hoffnung auf ein schönes Leben. Die Kamera schwebt hoch in einem wahnsinnig machenden kreischend, stroboskophaftem Geflacker donnert der Film uns die letzten Sekunden für immer in das Gedächtnis.

Begeisterung trifft es angesichts dieser Gefühlsaufwallungen nicht, was man für den Film empfindet.
Es ist das bare Erstaunen über eine cineastische Leistung jedwede herkömmliche Konstruktion eines Films zu sprengen, den Zuschauer zu manipulieren, jede narrative Konvention zu durchbrechen.
Kino pur und ein einmaliges Kunstwerk. Unbequem, fassungslos machend, kompromisslos, unvergesslich. Worüber handelt der Film also: Vielleicht von dem elementarsten Menschheitsthema überhaupt: Zeit, Sein, Wirklichkeit und Schicksal.
Auch von der elementaren Menschheitsangst, der Unsicherheit über das Kommende,die uns stets begleitet. Wir haben unser Leben eben nicht im Griff, können nur in engem Rahmen Kontrolle ausüben. Nie zuvor hat uns ein Film so intelligent, so radikal und existenzialistisch verstörend uns das vor Augen geführt.
Kein Leben gibt es ohne die vielleicht kleine aber jederzeit mögliche Option alles jederzeit verlieren zu können. Das gibt den Dingen und Menschen ihren Wert, macht demütig und im Augenblick lebend. Der Film zwingt uns ,wenn wir uns schwindelig aus unserem Fernsehsessel erheben , uns genau damit auseinanderzusetzen.
Ein phantastisches, einmaliges Meisterwerk und eine cineastische Extremerfahrung ohnegleichen. Keine Handlung, kein Wort können wir im normalen Leben wieder ungeschehen machen. Der Blick in die diffuse Zukunft konnte uns hier nur ein Filmemacher einmal gestatten.
Die einzige Möglichkeit: Sorgsamkeit und Erfüllung finden im einzig bestimmbaren Moment ,diesem Augenblick hier und jetzt.
Diese scheinbar so einfache Erkenntnis peitscht uns in schmerzhafter, bestürzend überwältigender Weise Caspar Noe hier in jeder Minute ein.
22 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 12. Januar 2007
Als ich diesen Film das erste mal gesehen habe, dachte ich an einen Film mit extrem heftigen Bildern. Bis auf eine Scene im Klub namens "Rectum" ist dieser Film in seinen Bildern nicht grausamer, als es andere Filme sind. Aber die Härte eines Films lässt sich nicht nur an blutigen Szenen festmachen. Irreversibel zeigt speziell in der Vergewaltigungsszene extreme Grausamkeit, ein Potential der Vernichtung. Aber das ist scheinbar das Ziel des Films, die Grausamkeit der menschlichen Seele und der Gesellschaft ohne Scham darzustellen. Es wird aber auch genau das Gegenteil gezeigt, die schönen Seiten des Lebens und wie nah beide Seiten zusammen liegen. Dieser Film ist so grausam, weil er versucht genau diesen Zusammenhang darzustellen. "Alles passiert nur den anderen, aber nicht mir" und "nur die anderen sind böse, aber ich niemals". Beides wird ad absurdum geführt. "Und man kann nichts rückgängig machen, weil es schon längst passiert ist", dies suggeriert zumindest die rückläufige handlung; Oder doch das Gegenteil? Interessanter Film, aber sehr schwer verdaulich. Teilweise etwas langatmig und extrem verstörend.
11 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 16. Januar 2015
Eine ausgefallene Erzählstruktur und grandiose Darsteller machen diesen Film unvergesslich.
natürlich ist er sehr brutal, und definitiv nichts für zartbesaitete Menschen, aber die Gewalt ist ein Mittel, das genau wie die anstrengende Kameraführung und die intensive Musik, dazu beiträgt, dass sich der Film dem Zuschauer auf die Seele brennt und nicht mehr loslässt.
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am 10. Februar 2014
Diesen Film sollten sich nur einigermaßen hartgesottene Cineasten anschauen. Insbesondere Vincent Cassel strahlt wieder eine einzigartige "Ruhe" und "Gelassenheit" aus...
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