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Kundenrezensionen

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am 23. Juli 2013
Der Plot dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein, daher werde ich mich zu ihm nicht weiter äußern. Ohnehin geht es 'Irreversibel' um die Wirkung der Ereignisse und nicht darum, eine Geschichte zu erzählen; sehr gut zur Geltung bringt der Film, wie plötzlich, gnadenlos und durch scheinbar unbedeutende Zufälle das Verbrechen in das Leben der Opfer platzt.

Es gilt zu erwähnen, dass die vielzitierte Vergewaltigungsszene wirklich äußerst brutal und kaum mitanzusehen ist. Dieser Film ist keine Unterhaltung, er ist aber auch nicht so voyeuristisch, wie oftmals behauptet wird.
Vielmehr ist er ein Lehrstück über das Leid der Opfer, die wütende Machtlosigkeit der Angehörigen und die Aussichtslosigkeit von Rache.
Sogar wer sich an den Anblick von Leid und Gewalt gewöhnt glaubt, durch welche Form von Sensibilisierung auch immer, wird feststellen, dass er am Ende besagter Szene ganz klein und still dasitzen wird, mochte er zu Beginn des Streifens auch noch so lässig in seinem Fernsehsessel gelümmelt haben.
Gleichwohl ist die Szene wichtig. Das Wort "Vergewaltigung" ruft bei den meisten Menschen eine gewisse Scham hervor, als ginge es trotz der negativen Konnotation des Begriffs wirklich um Sex, der eben "nur" nicht gewollt ist. 'Irreversibel' stellt auf drastische Weise klar, dass es in Wahrheit um die Ausübung von Macht geht, Macht durch Demütigung, die das Opfer nicht nur körperlich, sondern auch seelisch auf das Schwerste beschädigt. Die Gesellschaft sollte diese Lektion im Hinterkopf behalten, in einer Zeit, in der Vergewaltiger mitunter sogar mit Bewährungsstrafen davonkommen.

Die schauspielerischen Leistungen des Ensembles sind hervorragend, vor allem, wenn man bedenkt, welche Art von Darstellung sie abliefern mussten. Was meiner Ansicht nach weit mehr thematisiert werden sollte als die s.g. "Skandalszene", ist die technische Umsetzung des Films. Das viele Gewackel und Geflacker stört gewaltig und verhindert, dass Emotionen sich wirklich setzen können. Als Stilmittel ist es ein Fehlgriff und hat weltweit sicher für den ein oder anderen epileptischen Anfall gesorgt.

Fazit: Eigentlich gibt es keinen Grund, sich diesen Film anzutun, man sollte es aber dennoch tun. Einzelschicksale berühren bekanntlich mehr als das Leid der gesichtslosen Masse, so oder so stellt sich nach 'Irreversibel' aber ein Gefühl ein, wie man es nach 'Hotel Ruanda' oder 'Schindlers Liste' hatte -- eine Art innerer Leere, ein Entsetzen, dass man selbst genauso wie die Täter zur Gattung Homo Sapiens gehört.
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am 22. Juli 2014
Was mir in den letzten Jahren deutlich aufgefallen ist, ist dass Franzosen ein Händchen für Filme haben, ganz besonders in Bezug auf Spannung, Horror und Andersartigkeit. Die oft sehr drastischen, aber zugleich ästethischen Darstellungen in Filmen wie "Martyrs" oder "High Tension", haben mir oft den Atem geraubt, gaben dem Film aber immer die gewisse Ernsthaftigkeit, die nötig war, um die stets gute Atmosphäre zu erzeugen und zu erhalten. So auch in "Irreversibel":
Von diesem Film hatte ich eigentlich nicht viel erhofft. Eigentlich... BOOM ! Er hat eingeschlagen wie eine Bombe. Um ehrlich zu sein, ich wusste erst nicht so recht wie ich den Film finden soll. Aber dadurch dass alles so authentisch wirkt und sich (aus diversen Gründen) von anderen Filmen ganz stark abhebt, bin ich der Meinung dass "Irreversibel" ein kleines Meisterwerk geworden ist.
Die wirklich sehr heftigen Sequenzen im Film sind nichts für schwache Nerven und sorgen dafür, dass einem die Spucke wegbleibt, tragen jedoch zu einem gehörigen Teil der Spannung bei.
Ich möchte hier nichts von der Story oder eben angedeutet Sequenzen verraten, deshalb schaut euch den Film selbst an.
"Irreversibel" erzeugt einfach extrem viel Nachdruck, so wie ich es nur von (wenigen) anderen französichen Filmen kenne, und sorgt aufjedenfall für ordentlich Diskussionsstoff.
Der Streifen kriegt von mir 5 von 5 absolut verdiente Sterne!
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am 30. April 2014
ACHTUNG :SPOILER !

"Man denkt immer , es passiert nur den anderen. Und wenn es einen selbst trifft, dann verliert man jeglichen Boden".

Das zentrale Zitat umfasst in etwa die niederschmetternde Erkenntnis, die "Irreversible" durchzieht.
"Irreversible" ein Film wie ein Donnerschlag, der in die Knie zwingt, der unvergesslich drastische Bilder, Farbexplosionen und nie erlebte ,fassungslos die Kehle zuschnürende Szenen beinhaltet. "Irreversible" kein Film um ihn für zwischendurch zu erleben.Ein Film den man vielleicht allein erdulden muß, denn fürwahr ein Martyrium muß hier auch der Zuschauer durchstehen.
Denn dieser Film gehört zu denen , die Viele wahrscheinlich nur einmal im Leben ertragen, den man als zutiefst abstoßend empfindet, und, das schließt sich nicht aus,von dessen hochintelligenter, einmalig präzise durchdachter Inszenierung man am Ende schwindelnd und vollkommnen zerrüttet hoch begeistert ist. Caspar Noes Name ist Synonym für Filme, die nur in guter psychischer Verfassung zu erleben sind. Denn das Enfant Terrible der französischen Filmkunst erspart uns in seinen bisherigen drei grossen Werken "Menschenfeind", Irreversible" und Enter the Void" nichts. Schwelgen in Extremen, seien es die hypnotisch fiebernde Kameraführungen, die wabernd, grellen Farben, die zerrütteten Charaktere, das zutiefst pessimisische Menschheits- und Lebensbild.
Erschütternd, erschreckend mit der Wucht eines Dampfhammers so läßt der Regsseur in "Irreversible" keine Gnade walten, läßt uns Zeuge werden von tiefsten, unmenschlichsten Charakterseiten.

Caspar Noe ist ein Regiseeur der unumwunden seine eigenen Ängste in schockierend ehrlicher Weise auf die Leinwand bringt. Deshalb kommt er uns so nahe, denn seine Ängste sind unsere zutiefst erlebten oder verdrängten Befürchtungen. Es ist die Angst vor der Unausweichlichkeit, vor der entsetzlich belanglos, zufälligen und dabei unausweichlichen Macht des Schicksals, des hilflosen Ausgeliefertseins, der Möglichkeit jeder Zeit am falschen Ort zur falschen Zeit sein zu können, Opfer zu werden von nicht kontrollierbaren Einflüssen. Es ist die Unfähigkeit, die uns allen eigen ist , die Zukunft zu beherrschen, zu planen oder wirklich sein Leben eigenbestimmt führen zu können.
Ängste, die jeder denkende Mensch kennt. Mich schaudert immer persönlich ,wenn Menschen zu sehr Projekte in der Zukunft planen oder selbstherrlich genau wissen, wo sie in ein paar Jahren hin verschlagen werden. Ich halte dann immer die Luft an und denke wie fragil ein eigens geschaffener Lebensentwurf wird, sollte nur ein Rädchen im grossen, verplanten Zukunftsgetriebe einmal nicht nach Gebrauchsanweisung laufen. So unwahrscheinlich es klingt ,"Irreversible" lehrt den so rational denkenden, so überheblichem Menschen wieder eine Demut vor der Irrationalität der Zukunft, vor der Erhabenheit des diffusen Schicksals, (oder Zufalls wie man es umschreiben will).
Einmal zu einer falschen Zeit den nächtlichen Club verlassen, einmal zu falscher Zeit eine blutrot erleuchtete, dunkle Unterführung genommen, und all deine geplanten, zuversichtlichen Lebenskonzepte werden in den Staub getreten, von der erbarmungslosen Grausamkeit der Willkürlichkeit des Lebens. Diese Erkenntnis läßt einen nach "Irreversible" erzittern, und sie ist in ihrer glasklaren, bestürzend ausgearbeiteten Umsetzung ein vielleicht heilsamer Schlag ins Gesicht.

"Irreversible" beginnt mit einem eigenwilligen Abspann ; Titel, Darstellernamen, Danksagungen seltsam verdreht, laufen rückwärts durchs Bild. Hektisch pulsierend flammen die Namen auf : Noe, Bellucci, Cassel.
Der Geniestreich des Films ist die Tatsache, daß die schockierenden Ereignisse chronologisch rückwärts gezeigt werden.
Das versetzt den Zuschauer in die Lage, Zeit und Raum in der Filmillusion aushebeln zu können, macht ihn aber andererseits hilflos gegenüber den im Moment nicht verstehbaren, erruptiven Gewaltexzessen, läßt ihn jedoch mit zunehmender Laufzeit die Puzzelteile zusammensetzen, was zu höchstmöglicher Verstörung und Erschütterung führt.
Ganze Abhandlungen könnte man über die Genialität dieses cineastischen Geniestreichs schreiben, erleben, durchstehen muß man ihn selbst um die ganze Monströsität zu begreifen.
Ein Beispiel , die phantastische Kamera: Sie ist stets Ausdruck der Gefühlswelten des Zuschauers . Ihre Dynamik spiegelt immer exakt das Empfinden des Auditoriums wieder. Am Anfang ein flirrender, schwindelerregnder Strudel an grellen Bildern.
Rastlos, ruhelos irrt der Bildauschnitt genauso orientierungslos wie der Zuschauer durch schwindelerregende Räume. Die subjektive Haltlosigkeit als Ausdruck des Gefühlswirrwarrs.
Schwingend und gleitend, blickt sie alsbald zu Anfang in ein karges Zimmer. Zwei nackte Männer sitzen dort auf einer schmierigen Liege.
Der eine ist der Pferdemetzger (Philippe Nahon) aus dem Vorfilm "Menschenfeind", der hier über die Begierde zu seiner Tochter philosophiert. Noe verbindet hier den Vorgängerfilm mit dem aktuellen "Irreversible" , läßt die schockierend trostlosen Handlungen, Personen von "Menschenfeind" noch einmal aufleben.
Für den weiteren Verlauf von "Irreversible" ist dieser Anfang weniger wichtig, doch Nahon weist hier schon in einer Dialogzeile auf das Credo des Films hin : "Le temps detruit tout", -die Zeit zerstört alles .Die Kamera schwenkt , rotiert durch das schmutzstarrende Fenster in die tiefschwarze Nacht, eine leuchtende Neonschrift: Der Nachtclub "Rectum" taucht im Bild auf.
Und hier beginnt rückwärts erzählt "Irreversible" mit der amoklaufenden Rache eines jungen Mannes, vollgepumpt mit Drogen, von dessen Beweggründen wir bisher nichts wissen. Erst hinterher werden wir schlauer sein, werden Ereignisse richtig einordnen können.
So entzieht uns Noe konsequent die Möglichkeit Szenen richtig zu bewerten oder nachvollziehen zu können. Sie stürzen quasi ungefiltert auf uns ein, und reissen uns jeglichen Boden unter den Füssen weg.

Der erste Gewaltakt in dem rot erleuchteten Kellerclub mit stroboskobartig ausgeleuchten SM- Szenerien trifft uns deshalb mit einer Wucht, die im Kino fast unvergleichlich ist in seiner beispiellosen Grausamkeit.Der vollkommen rasende junge Mann Marcus sucht einen gewissen El Tenia .Vage geht das Gerücht um eine Frau wurde vergewaltigt. Als er einen Verdächtigen findet, kommt es zum Handgemenge.
Mit einem Feuerlöscher schlägt Marcus unzählige Male auf das Gesicht seines Opfers ein.
Die Kamera schwenkt jedes mal mit, scheint selbst zum Schlag auszuholen.Ohne Schnitt in einer einzigen Einstellung zeigt uns Noe wie hier ein Mensch durch die banale und destruktive Kraft zu einer blutigen Masse wird. Keiner der Umstehenden greift ein.
Die Meisterschaft wie Noe Gewalt, Aggression und die furchtbaren ekelhaften Auswirkungen in authentischster Weise zeigt ist beeindruckend und schockierend bis in Mark. Nie mehr wird man diese Szene vergessen. Nahezu physisch scheinen uns die Schläge selbst zu treffen.
Noe gibt der Gewalt das Häßliche wieder, die niemals zu rechtfertigende oder konsumierbare Destruktion, die sie scheinbar zwischen all den überall goutierbaren bunten Gewalt- Computerspielen oder Actionfilmen an wirklichem Ausmaß verloren hat.
Das Entsetzliche, das furchtbar Belanglose, das hilflose Krepieren, Schreien, Wimmern, die grosse übelkeiterregende Sinnlosigkeit.
Wer Noes Filme als gewaltverherrlichend sieht, hat keinen einzigen Zusammenhang verstanden. Einer schonungslosen inneren Reinigung gleich läßt uns Noe von Gewalt wieder zutiefst betroffen sein.
Auch in dieser absolut überfälligen Darstellung von Brutalität als furchtbaren verhängnisvollen Menschheitssündenfall ist der Film so wichtig, so ehrlich und niederschmetternd.

Filmisch blättern wir jetzt ein Kapitel zurück.
Wir werden Zeuge davon wie es überhaupt zu diesem apokalyptisch grausamen Szenario kam. Erst jetzt erlaubt uns zunehmend Noe eine Möglichkeit diesen Tötungsakt teilweise nachzuvollziehen. Erst bekommen wir den Exzess, und wissen nicht warum, jetzt erst lichtet sich das Dunkel.
Marcus Freundin Alex (die atemberaubend ,sinnlich anmutige Monica Belucci) verlässt nach einem belanglosen Streit eine gemeinsame Party. Wie in einem grossen undurchschaubaren Schicksalsspiel werden ihr Zukunftskarten auf verhängnisvolle Weise durchmischt.
Zur falschen Sekunde, die falsche Bahnunterführung durchschritten (ein unvergessliches Bild, dieser in blutrote Neonfarben getauchte Zementschlauch, einem Tor zur Hölle gleich), trifft sie dort auf den bisexuellen Zuhälter El Tenia.
Provoziert von ihrem eleganten, reizvollen Äußeren, in Wut über eine "Dame der Oberschicht" wird er sie dort elf quälend lange Minuten erbarmungslos vergewaltigen, erniedrigen, bis zur Unkenntlichkeit schlagen. Ein ganzes Leben, ein ganzer filigraner Mensch in wenigen Minuten auf erbarmungsloseste Weise zerstört.
Hier geht es nicht im wesentlichen um sexuelle Befriedigung, hier zeigt Noe die willentliche und fassungslos machende Willkür, die Lust am psychischen und pysischen Zerfetzen, der Vernichtung eines erniedrigten Organismus, der vor ein paar Minuten noch ein hoffnungsvoll, unbekümmerter junger Mensch war. Ein Zeuge kommt kurz hinzu, schaut und geht die Treppe wieder hoch.
Noes Blick auf den Homo Sapiens ist hier in seiner schockierenden Umbarmherzigkeit unvergleichlich. Wieder bemerkenswert und suggestiv ist hier ein weiteres Mal die Kamera
Diesmal bleibt sie bei dem unmenschlichen Vergewaltigungsakt regungslos ohne Schnitte auf gleicher Höhe wie die am Boden liegende junge Frau.Wir werden selbst somit zum teilnahmslos kalten Beobachter.
Unser eigener Voyeurismus, als würden wir selbst beobachtend ohne Einzugreifen dabeistehen, wird uns gnadenlos vor Augen geführt.
Dieser radikale Inszenierungskniff zwingt den Zuschauer in ein moralisches Dilemma, splittet seine Aufmerksamkeit in beunruhigend sich widersprechende, elementar verstörende Empfindungen. Voyeurismus, Sensationslust, Wegschauen, Gaffen. Der Mann, der wieder weggeht, der irre Vergewaltiger, das bemitleidenswerte gequälte Etwas am Boden, die starre Unbewegtheit der subjektiven Kamera.

Das Ende ist der Anfang würde man den Film chronologisch erzählen, und nun befinden wir uns im letzten Drittel auf besagter Party. Sehen Monicca Bellucci ganze betörende Schönheit, erleben die banalen, kokettierenden Dialoge mit ihrem Freund und ihrem Ex -Freund.
Eine Gruppe junger Menschen vielleicht so unbekümmert und im alltäglichen Auf und Ab verhaftet wir wir alle, die wir auch nicht in die nahe Zukunft schauen können.Die Genialität des Films ermöglicht uns jedoch dieses.
Wir wissen im Gegensatz zum normalen Leben wie sich alles entwickeln wird. Noe schockiert uns mit diesem Zukunftswissen bis zum Schluß. Die Bilder werden nun zunehmend ruhig, in grosser zärtlicher Harmonie erleben wir den schönen nackten Körper von Alex in den Armen ihres Liebsten, am Morgen im Schlafzimmer erwachend.
Eine vertraute Sicherheit, die trügerisch glauben läßt über kommende Eventualitäten des Schicksals triumphieren zu können.
Neckereien über sexuelle Spielereien . Das Wissen über die gesehenen zukünftigen Szenen lassen bei solch erotisch unschuldigem Geplänkel den Zuschauer vor Grauen erstarren. Ein Film-Poster hängt an der Wand ; "2001- A Space Odyssee" von Kubrick, ein Verweis an ein Werk in dem ebenfalls Zeit und Raum verschwimmen.
"Ich hatte einen Traum von einem grossen dunkelrot, erleuchteten Tunnel, Man sagt die Zukunft sei vorherbestimmt"- surreale Träume als kurze weissagende Ahnung des Unaufhaltsamen. Doch alles scheint so zukunftsgewandt. Mit letzter niederschmetternder Konsequenz erfahren wir das Alex schwanger ist. Nicht nur ein Leben wird bald zerstört werden.
Auf einer blumenübersäten hellen, idyllischen Frühlingswiese liegt Alex friedlich, um sie herum spielende Kinder. Zeichen des Aufbruchs , Zeichen der Hoffnung auf ein schönes Leben. Die Kamera schwebt hoch in einem wahnsinnig machenden kreischend, stroboskophaftem Geflacker donnert der Film uns die letzten Sekunden für immer in das Gedächtnis.

Begeisterung trifft es angesichts dieser Gefühlsaufwallungen nicht, was man für den Film empfindet.
Es ist das bare Erstaunen über eine cineastische Leistung jedwede herkömmliche Konstruktion eines Films zu sprengen, den Zuschauer zu manipulieren, jede narrative Konvention zu durchbrechen.
Kino pur und ein einmaliges Kunstwerk. Unbequem, fassungslos machend, kompromisslos, unvergesslich. Worüber handelt der Film also: Vielleicht von dem elementarsten Menschheitsthema überhaupt: Zeit, Sein, Wirklichkeit und Schicksal.
Auch von der elementaren Menschheitsangst, der Unsicherheit über das Kommende,die uns stets begleitet. Wir haben unser Leben eben nicht im Griff, können nur in engem Rahmen Kontrolle ausüben. Nie zuvor hat uns ein Film so intelligent, so radikal und existenzialistisch verstörend uns das vor Augen geführt.
Kein Leben gibt es ohne die vielleicht kleine aber jederzeit mögliche Option alles jederzeit verlieren zu können. Das gibt den Dingen und Menschen ihren Wert, macht demütig und im Augenblick lebend. Der Film zwingt uns ,wenn wir uns schwindelig aus unserem Fernsehsessel erheben , uns genau damit auseinanderzusetzen.
Ein phantastisches, einmaliges Meisterwerk und eine cineastische Extremerfahrung ohnegleichen. Keine Handlung, kein Wort können wir im normalen Leben wieder ungeschehen machen. Der Blick in die diffuse Zukunft konnte uns hier nur ein Filmemacher einmal gestatten.
Die einzige Möglichkeit: Sorgsamkeit und Erfüllung finden im einzig bestimmbaren Moment ,diesem Augenblick hier und jetzt.
Diese scheinbar so einfache Erkenntnis peitscht uns in schmerzhafter, bestürzend überwältigender Weise Caspar Noe hier in jeder Minute ein.
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am 7. Januar 2015
Der in seiner Darstellungsweise bewusst auf das Innere der menschlichen Abgründe abzielende und umso tiefer in des Betrachters Mark treffende Film "Irreversibel" setzt bereits visuell Maßstäbe, so haben wir es mit ungewöhnlichen Farben, sehr direkt auf die Personen gerichteter Kamera und einer mit wenigen Schnitten auskommenden Höllenfahrt durch eine Umgebung zu tun, die nächtens noch trostloser erscheint als am hellichten Tage. Wer sich diesem einen wie ein Gewitter treffenden Bild verbunden fühlt, sollte sich wohl auch "Enter the Void" vormerken.

Mit Monica Bellucci ließ sich eine Darstellerin finden, die ihrer komplexen Rolle gerecht werden kann, die im Zuge ihrer professionellen Arbeit also auch die "unwissende" Seite ihrer Protagonistin glaubhaft erscheinen lässt, eine Frau nämlich, die das Verhalten ihres auf den ersten Blick freundlichen ehemaligen Lebensgefährten zunächst nicht ansatzweise einschätzen kann. Kristallklar als solche zu erkennende Donnerschläge auf unser Gehirn, werden wohl überwiegend durch die rückwärtige Erzählweise hervorgerufen, dieser Film durchbohrt unsere Gedankenwelt wie von Gift geprägt, lässt uns vor unserem geistigen Auge Sichtweisen aufbauen, die wir neben der eigentlichen Anstrengung des Den-Bildern-folgens kaum betreuen und erweitern können, da wir zu sehr damit beschäftigt sind die einzelnen im Rückspulverfahren präsentierten Eindrücke einem Zeitpunkt zuzuordnen. Der neue Partner von Bellucci, ihr altbekannter Drehkollege Vincent Cassel, scheint szenenweise nicht gerade mit dem ehemaligen Gefährten ihrerseits zu kollidieren oder aneinanderzugeraten, vielmehr spart sich der gegenwärtig allein seiende Mann seinen Zorn für einzelne Momente mit Monica auf, was wiederum jene Szene beinhaltet, die über die Jahre wohl in ausreichendem Maße - kritisch, aber hoffentlich nicht auf die falsche Art über den Regisseur richtend - kommentiert worden sein dürfte. Dass ich dem Film nur vier Sterne verleihe, ist genau genommen ungerechtfertigt, fünf hätte er zweifelsohne verdient, nur konnte ich mich nicht gänzlich dazu überwinden, zu gespalten bleibt der im Inneren meiner selbst abgespeicherte Endeindruck eines zwar aussagekräftigen, aber wohl nicht so schnell erneut anzusehenden Films, wie man ihn in Anbetracht der behandelten Situationen zwar als moralisch anerkennen kann, diesen aber dennoch nur bedingt vertragen dürfte.
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am 6. Juni 2017
Ich habe keine Ahnung, woher Amazon die VÖ-Daten zaubert, denn auch Studiocanal ist nichts von einer Bluray bekannt.

Ärgerlich, wenn man wieder einmal mit Freude vorbestellt hat und nichts kommt!
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TOP 1000 REZENSENTam 16. Dezember 2009
"Irreversibel" bedeutet Nichtumkehrbarkeit. Gaspar Noe wählt aber für seine Erzählung den Rückwärtsgang, also eine umgekeherte Chronologie wie sie bereits in "Memento" erfolgreich und innovativ eingesetzt wurde.
Noe wählt diesen dramaturgischen Schachzug um das Thema des Film "Zeit zerstört alles" zu untermauern.
Der Film beginnt bereits mit sehr eigenwilligen und gewöhnungsbedürftigen Vorspann: Die Titel und Namen ziehen rückwärts durchs Bild, manche Buchstaben sind spiegelverkehrt geschrieben.
Dann monotone Geräusche, jeder dieser Schläge präsentiert einen Nachnamen: Cassel, Dupontel, Bellucci und Noe.
Die drei Hauptdarsteller und der Macher.
Dann beginnt die Geschichte an ihrem Ende. In einem Zimmer unterhalten sich zwei Männer, der eine schon etwas betagt, graues Haar und nackt. Er erzählt dem anderen vom Mißbrauch an der eigenen Tochter.
Dann schwenkt die Kamera aus dem Fenster, nach unten - ein Blick auf den schwulen S/M-Club "Rectum", es ist Nacht und Blaulicht ist zu sehen. Ein verletzter Mann auf einer Krankenbahre und ein weiterer werden von der Polizei abgeführt.
Es handelt sich um den cholerischen Marcus (Vincent Cassel) und den ruhigen Pierre (Albert Dupontel), beide wohl befreundet.
Dann schildert der Film, was alles passierte: In den dunklen Gängen des rot geleuchteten Kellerclubs macht der Zuschauer eine höchst eigenwillige Seherfahrung: Nur gelegentlich wird die Szene klar erkennbar sein. Kleine Personengruppen, nackte Körper, sexuelle Szenen, die der Film für Sekunden offenbart. Darüber liegt ein pulsierend rhythmiserter Techno-Klangteppich, der zum ständigen Stöhnen vieler Männer passt.
Marcus sucht den Mann namens El Tenia (Bandwurm). Der Mann, der seine Freundin Alex (Monica Bellucci) in einer Straßenunterführung anal vergewaltigt hat und sie danach aggressivst ins Koma prügelte...
Tatsächlich ist "Irreversibel" ein extrem krasser Film, denn die beiden Gewaltszenen, die der Film in schonungsloser Offenheit zeigt, haben es in sich.
Die nächtliche Metropole Paris wird gezeigt als die reinste Hölle.
Noch habe ich mich nicht erholt von der mit dem Feuerlöscher bearbeiteten undefinierbaren Masse von Gesicht, da schockiert der Film nachdrücklich mit einer 9-minütigen, nahezu endlos wirkenden, fast statischen Einstellung einer Vergewaltigung, die als Zerstörungsakt und grösste Erniedrigung für das Opfer angelegt, den Zuschauer wie ein Schlag in die Magengegend trifft.
Eine vergleichare Szene im Film kenne ich nicht, diese Sequenz brennt sich unmittelbar ins Unterbewusste.
Kein Film, den ich mir wieder mal ansehen möchte. Aber als radikaler und existenzieller Kommentar zu den Themen Leben, Liebe, Hass, Zeit und Zerstörung sehr nachdenklich stimmend.
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am 10. Oktober 2013
Was ist Zeit? Wahrscheinlich geht es den meisten Menschen wie einst Augustinus. Wir meinen zu glauben, was es ist, aber wir könnten es keinem erklären. Zeit ist immanent und permanent. Zeit war vor der Materie, und wenn keine Materie mehr existiert, würde die Zeit noch immer dasein. Zeit ist Fluss, und so wie man nie zweimal in den selben Fluss steigen kann, kann man der Zeit nicht entkommen. Warum bemühe ich diese philosophischen Fragen, um einen Film zu rezensieren. Nun, weil dieser Film von Gaspar Noé direkt auf das Thema Zeit eingeht, indem er nämlich den realen Ablauf der Handlung entgegen der Zeitentwicklung darstellt. Er beginnt mit dem Ende und endet mit dem Beginn. Naiv gedacht, könnten man vermuten, Noé wollte auf diese Art in irgendeiner Weise Trost spenden, und uns berichten, dass die Zeit alle Wunden heilt. Aber das tut sie nicht. Die Wunden bleiben dieselben, und der Trost, der uns das Herz leichter macht, ist nichts als unser Vergessen oder die verblassenden Erinnerung an den Schmerz. Noé weiss das, und er beweist, dass die rückwärts erzählte Handlung doch immer noch die Handlung bleibt, und nur den Schein der Redention erweckt.
Der Film, zusammengefasst, erzählt die uralte Geschichte der Rache. Einer bestialischen Vergewaltigung einer jungen, lebensfrohen und verliebten Frau, folgt der parforce-Ritt zweier Männer (der Freund des Opfers, und dessen Kumpel) durch die düstere Nacht der Pariser Subkultur, lechzend nach Rache und Vergeltung. Aber der Wahn erblindet beide, und am Ende müssen sie feststellen, dass sie sich ebenso von der Ethik und Moral abgewendet haben, wie die Schuldigen, die sie verfolgen. Die Moral ist: nichts ist zurückstellbar, vielmehr ist alles, was passiert, irreversibel. Die Liebe, der Hass, das Leben und der Tod, die Schuld und die Rache. Ein grosser Film über grosse Dinge. Für mich einer der besten Filme der Geschichte.
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am 8. Juni 2014
Den Kameramann würd ich feuern. Was ein grottenschlechter Mist. Und damit mein ich weniger den Inhalt als vielmehr die Umsetzung. Cassel/Bellucci - eigentlich kann man da nicht viel falsch machen. Sollte man meinen. Weit gefehlt. Weiter als die ersten 15 Minuten bin ich nicht gekommen. Die Kameraführung ist dermaßen schlecht und dilettantisch, mir fehlen die Worte. Bereits zu Beginn dreht sich das Bild, ohne dass sich dem geneigten Zuschauer erschließen würde, warum. Die erste Dialog-Szene macht nach französischer Manier an und für sich Lust auf mehr, doch mal ist ein Protagonist am linken unteren Bildrand, dann wird zwischendurch wieder die Wand völlig uninspiriert ins Bild gerückt, ehe es wieder endlose Kamera-Drehorgien gibt. Keine Ahnung was das soll. Wenn das ein Stilmittel ist, bin ich wahrscheinlich zu konservativ. Zwei Punkte gibt's für die Besetzung (und dafür, dass zahlreiche andere Zuschauer länger durchgehalten haben, was mich selbstkritisch stimmt...).
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am 28. Dezember 2014
Ich glaube wichtig ist, dass man sich ein wenig informiert, bevor man einen Gaspar Noe Film anschaut.
Wer einfach in einen solchen Film stolpert, wird am Ende schockiert sein.
Irreversibel ist nämlich kein Sonntagmittag Spaziergang.

Es ist schwierig ihn weiter zu empfehlen, denn er ist nicht eine Sekunde schön oder freundlich und dennoch glaube ich, dass er eine gewisse Bedeutung und Wichtigkeit verdient.

Ich mag die bewegte Kamera in diesem Film, denn sie lässt die Geschichte an vielen Stellen noch realistischer wirken, als sie ohnehin schon ist. Die Handlungsstränge werden rückwärts erzählt und verdeutlichen dadurch, wie "irreversibel" die Schicksalsschläge sind, welche den Protagonisten während der Handlung widerfahren. Am Ende des Films das Leben der Charaktere vor den Ereignissen zu sehen wirkt dadurch sehr, sehr ernüchternd.

Irreversibel ist kein Film der Gewalt verherrlicht - das Gegenteil ist der Fall.
Er ist unglaublich bedrückend und düster und lässt die Gewaltszenen dadurch so abschreckend-realistisch und verstörend wirken, dass man bestimmt NICHT von Verherrlichung sprechen kann.
Wer das so sieht, um den würde ich mir an der Stelle Sorgen machen.

Man kann kontrovers darüber diskutieren, ob man so was zeigen muss, oder nicht.
Ich persönlich finde den Film genau richtig so, denn sonst hätte er das entsprechende Gefühl verfehlt.
Ein Meisterwerk!!! - aber eben nicht für jeden.
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am 12. März 2017
Schon lange hat mich kein Film mehr so gepackt, verstört, angewidert, zur Übelkeit gebracht, aber dennoch so fasziniert wie Noés "Irreversible"!

Probleme beim einschlafen und durchschlafen sind garantiert, da dieses Werk einen bis in die Knochen erschüttert! Desweiteren wird der Magen gereizt, der Verstand an seine Schmerzgrenze gebracht, das Gehirn mit Bildern und Sequenzen bombardiert, dass es fast raucht und der Körper vor Spannung zittert!

Was ich ganz vergas, waren die Achterbahnfahrten mit der Kamera! War das erste Mal das ich so etwas sah und war einfach nur begeistert!

Fazit: Auf jedenfall KEINE leichte Kost! Aber wenn man sich diesen Film einmal antut, wird man ihn nie wieder vergessen, dass ist garantiert!
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