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Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen
2
Die wundersame Welt der Waschkraft
Format: DVD|Ändern
Preis:9,79 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 17. April 2012
Dank der Globalisierung sowie des liberalen EU-Arbeitsmarktes ist sowas möglich.
Ob das ein Segen oder ein Fluch ist muss jeder für sich entscheiden ;)
Polnische Waschkraft für Berliner Hotels !
Absolut sehenswert !
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am 28. Juni 2011
"Die wundersame Welt der Waschkraft" ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2007, der ziemlich lang gebraucht hat, um endlich als DVD zu erscheinen. Das verwundert um so mehr, als ihm an den Kinos nur wenig Erfolg beschieden war. Er enthält wenig bis gar keine Dramaturgie, sondern kommt sehr puristisch daher. Untermalt wird er allenfalls durch dezente Klaviermusik. Außerdem enthält er keinerlei Kommentar von Seiten seiner Macher. Diese überlassen das Urteilen lieber dem Zuschauer. Zu Wort kommen nur die im Film gezeigten Menschen selbst. Diese Machart ist zwar manchmal anstrengend, aber dafür erfährt man hier viel über das wahre Leben echter Menschen in einer globalisierten und konsequent durchökonomisierten Welt.

Wer in Berlin in einem Hotel im Vier- oder Fünfsternebereich übernachtet, dessen Bettwäsche wurde wahrscheinlich kurz zuvor in Polen gereinigt. Und zwar vom "Fliegel Textilservice", einer Deutschen Wäscherei, die kurz nach der Wende in der polnischen Grenzstadt Widuchowa aufgebaut wurde. Innerhalb von 24 Stunden wird die gebrauchte Wäsche vom Hotel dorthin transportiert, gewaschen und wieder zurück gebracht. Der hohe Transportaufwand lohnt sich, denn polnische Arbeitskraft ist billiger als deutsche. Ein günstiger Wechselkurs, niedrigere Lebenshaltungskosten und nicht zuletzt auch der schlechtere Lebensstandard, der den Menschen in Polen zugestanden wird, machen das möglich. Bettwäsche reinigen ist eine personalintensive Arbeit, denn noch gibt es keine Maschinen, die Kopfkissen und Bettlaken voneinander unterscheiden können. Hinzu kommt im Fall von Widuchowa das örtliche Kohlekraftwerk, das die Wäscherei mit kostengünstigem Strom und Dampf versorgt. Abgesehen vom Kraftwerk lebt die Stadt vor allem von ihrer Grenzlage. Die Bauern verkaufen ihre Produkte an deutsche Touristen und die Einwohner gehen zum Geldverdienen entweder ins Ausland oder eben in die Wäscherei Fliegel.

Portraitiert werden im Film vor allem die beiden Wäschereiarbeiterinnen Beata und Monika sowie ihre engsten Angehörigen. Beide sind - trotz jeweils mehrerer Kinder - geschieden und wiederverheiratet. Der Schichtdienst in der Firma reißt die Familien auseinander. Die Frauen kommen von der Arbeit müde und schlecht gelaunt nach Hause. Bevor sie das Firmengelände verlassen dürfen, werden ihre Taschen kontrolliert. Manchmal wird ihnen noch von der Arbeitsstelle hinterher telefoniert, weil ein Wäschestück nicht aufzufinden ist. Die Arbeit ist aufreibend und nicht allzu gut bezahlt. Kann man den Arbeitgebern einen Vorwurf machen? Filmemacher Christian Schmid bleibt auch hier neutral und überlässt das Urteil dem Zuschauer. Im internationalen Wettbewerb können die Firmeninhaber nur am Ball bleiben, wenn sie möglichst kostengünstig produzieren und mit ihrem 24-Stunden-Service in einer Sieben-Tage-Woche ein attraktives Angebot machen. Sonst überleben sie nicht angesichts einer internationalen Konkurrenz. Letztlich reichen sie einen allgemein herrschenden Wettbewerbsdruck nur weiter.

Die Dokumentation beschränkt sich nicht nur auf die Wäscherei. Auch das Umfeld der von Beata und Monika wird beleuchtet. Gezeigt werden ganz alltägliche Sorgen: Die Renovierung der Wohnung, der Besuch beim Kinderarzt usw. Der Realismus des Filmes macht auch vor härteren Bildern nicht halt. Gezeigt wird unter anderem auch die Schlachtung eines Schweins einschließlich der Tötung des Tieres. Die neuen Ehemänner der Frauen darf man in ihrem Ort wohl eher zu den Privilegierten zählen: Janusz ist der Ortsvorsteher von Widuchowa und Andrzey hat eine sichere Stelle im Kraftwerk. Andrzey wohnt allerdings noch zwangsweise mit seiner Exfrau zusammen (die allerdings bekommt man nicht zu Gesicht - die Kamera zeigt nur eine verschlossene Zimmertür) und Janusz hat als Ortsvorsteher ein so geringes Einkommen, dass er einem Zweitjob in der Geldwechselstube an der Grenze nachgehen muss.

Die wirtschaftliche Lage beherrscht das Leben der Menschen und hat sie fest im Griff. Das ist auch den Betroffenen selbst klar, wie an vielen Zitaten deutlich wird. Janusz: "In Polen dreht sich zur Zeit alles nur ums Geld. Das Familienleben bleibt dabei auf der Strecke." Monika: "Überall fehlt es an Geld und den Armen geht auch immer schlechter. Wir sind froh über diesen Job." Während die Männer mit ihrer Arbeit relativ zufrieden sind (allerdings nicht mit der Bezahlung), würden die Frauen viel lieber etwas ganz anderes machen. Sie träumen davon, zu machen was sie WOLLEN, nicht was sie MÜSSEN. Sie denken, dass irgendwo anders das Glück liegt und dass man sich nur klug genug verhalten müsste, um dorthin zu gelangen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob das Glück sich in einer ökonomisch durchrationalisierten Welt wirklich noch irgendwo befindet, oder ob sich nicht schon längst angesichts von Konkurrenzdruck und ökonomischen Kennzahlen verflüchtigt hat. Selbst die Arbeitgeber machen keinen glücklichen Eindruck. Überall herrschen Produktionsdruck und Konkurrenzhetze. Im Abspann erfährt man übrigens, dass Fliegel kurz vor der Fertigstellung des Filmes eine Wäscherei in Leipzig eröffnet hat, in der die LKW-Fahrer noch weniger verdienen als ihre Kollegen in Polen.

Im Film wird überwiegend Polnisch gesprochen, nur selten kommen Deutsche zu Wort. Da in der Standardeinstellung keine deutschen Untertitel vorgesehen sind, müssen diese vor dem Start des Films über das Disk-Menü aktiviert werden. Ein netter Einfall besteht darin, dass die Cursor-Zeichen im Hauptmenü aus den Symbolen besteht, wie man sie aus den Waschanweisungen auf Wäschestücken kennt.

Alles in allem ist "Die wundersame Welt der Waschkraft" ein lohnender Film für Leute, die sich für die Menschen hinter den täglich konsumierten Produkten und Dienstleistungen interessieren. Daher fünf Sterne. Der Film erfordert allerdings ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration. Wenn einem gerade eher nach leichter Unterhaltung zumute ist, dann sollte man lieber zu einer anderen Scheibe greifen.
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