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Kundenrezensionen

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Max wohnt in Amsterdam und ist Astronom, extrem ordentlich und ein notorischer Schürzenjäger. Sein Vater war ein deutscher Nazi und Kriegsverbrecher, der seine eigene Frau, Max Mutter, als Jüdin nach Auschwitz hat schicken lassen. Onno ist der exzentrische Spross einer großbürgerlichen Familie, beredt, geistreich, ein Sprachgenie und ebenso unförmig wie unordentlich. . Beide laufen sich zufällig über den Weg und schließen miteinander die Freundschaft ihres Lebens, die auch durch die gemeinsame Liebe zur schönen Ada, der Tochter eines Anitquariatshändlers, nicht beeinträchtigt wird. Von wem Quinten, der rätselhafte Sohn Adas ist, von Max oder von Onno bleibt so lange unklar, bis Ada nach einem Verkehrsunfall ins Koma fällt und siebzehn Jahre lang als menschliche Pflanze dahinvegetiert, eine Zeit, in der Max zusammen mit Adas Mutter, der rätselhaften Sophie, den kleinen Quinten aufzieht, während der agile Onno in der niederländischen Politik aufsteigt und Karriere macht, ehe er nach einem weiteren Schicksalsschlag verschwindet. Der sechszehnjährige Quinten, der im Stile früherer Bildungsreisen durch Italien vagabundiert, aber findet seinen verschwundenen Vater in Rom, wo sie sich die beiden zusammen tun und nicht nur die Wunder der Renaissance sondern auch die Originaltontafeldoukmente der Zehn Gebote entdecken, rauben und mit ihnen nach Jerusalem fliehen, wo Quinten nun seinerseits auf Nimmerwiedersehen verschwindet. So weit, so ungenau. Denn der Reiz dieses 800 Seiten-Romans erschließt sich nicht durch die Handlungsführung, sondern durch unzählige meisterhafte Miniaturen und Detailschilderungen, am Anfang auch in einer umwerfenden Situationskomik, in der Mulisch den selbstverliebten Sechziger und Siebziger Jahren einen Narrenspiegel vorhält. Die holländische Linksszene inklusive einem Auftritt von Rudi Dutschke, eine Agitpropveranstaltung auf Kuba, in der die naive Che- und Castrobegeisterung der damaligen Jugend nachbebt, die Niederlande als ein Zoo der Exzentriker, diese und andere Thematiken bieten Mulisch Gelegenheit, sich als Epiker und Erzähler der Sonderklasse auszuweisen. Je weiter man liest, desto mehr wird das Buch zu einem Zeitroman, in dem man wie in einem Meer versinken kann, auch wenn die Erziehungsgeschichte des keinen Quinten im zweiten Teil etwas langatmig wirkt und das Buch am Ende mit der Suche nach den Originaltafeln der Zehn Gebote einen starken Schlag ins Fabulöse erhält. Auch die Intermezzi, in der sich höhere Wesen über die Romangfiguren auf der Erde unterhalten, haben bestenfalls etwas Befremdliches - offenbar hatte der Autor eine noch viel weitergehende Komposition vor Augen, eine Art Faustepos des 20. Jahrhunderts, in dem gleich drei Romane verborgen sind: ein Erziehungsroman, ein Freundschaftsroman und ein Liebesroman. Keines dieser Motive prägt den Roman als Ganzes, alle stehen nebeneinander, mitunter nur durch eine hier und da etwas willkürliche Handlungsführung vereinigt. Alles in allem ein gewaltiger Torso mit allerdings mehr brillanten Passagen als viele andere berühmte Romane. Ein Buch, das zuerst verzaubert, dann befremdet und am Ende etwas irritiert.
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am 4. Dezember 2004
Wäre es nicht "Die Entdeckung des Himmels" gewesen - ich hätte das Buch schnell weggelegt ohne es zu Ende gelesen zu haben: Ein Meterorit, der exakt einen Menschen trifft und ihn in Staub auflöst? Menschen, die sich zufällig irgendwo auf der Welt wiedertreffen ohne jeglichen Hinweis auf den Aufenthaltsort des anderen? Unsinn. Zu viele Zufälle. Schlecht komponiert, wenig durchdacht, weglegen.
"Die Entdeckung des Himmels" darf das, darf alles und noch viel mehr. Schließlich sind die Götter im Spiel, oder nein, nicht die Götter, sagen wir Wesen, die über dem Menschen stehen, sich aber wie Menschen verhalten - und alle Zufälle zu etwas Vorherbestimmten machen. Was für ein genialer Schachzug des Autors!
Selten habe ich so eine aufs Beste konstruierte Story gelesen, geschrieben von der Hand eines Meisters seines Faches: Eine Geschichte, die nur so strotzt von Lebendigkeit und tiefen Einsichten in das Leben, eine Geschichte, in der man sich sicher ist, dass sie irgendwann passiert ist, dass die Charaktere in ihrer feingliedrigen Charakterisierung, mit ihren ganzen Marotten und Fehlern real existieren und dir irgendwo bestimmt einmal über den Weg laufen werden.
Aber "Die Entdeckung des Himmels" ist weit mehr als ein in allen Facetten hochwertiges literarischer Werk, das man eben mal gelesen hat. Diesen Roman werde ich nicht vergessen, er wird mich begleiten und immer wieder von mir zur Hand genommen werden.
Man lese und staune.
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am 28. September 2015
Wollten Sie sich das Weltwissen nicht schon immer in kleinen leicht verdaulichen Brocken aneignen ohne dicke Bücher und Folianten zu wälzen ? Dann machen Sie mit dem Roman aus dem Jahre 1992 vom niederländischen Autor Harry Mulisch auf unterhaltsame Art und Weise einen guten Anfang. Eingebettet in das Spannungsfeld Schicksal und Vorsehung stellt sich aber ein Problem beim Lesen: Was ist wirklich überliefert, was Mythos, was Fiktion ' ?

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt. Gott ('Der Chef') und seine Diener haben vor dem Teufel resigniert und deshalb beschlossen, Moses Zehn Gebote dem Menschen wieder zu entziehen. Hierzu schmieden sie einen Plan mit göttlicher Fügung und bedienen sich dem Jungen Quinten Quist, der zwei mögliche Väter hat und von seiner im Koma liegenden Mutter Ana Brons entbunden wird, gewissermaßen der skurrile Gegenpol einer jungfräulichen Geburt. Der Roman ist voll von derart aberwitzigen, aber nicht unrealistischen Konstellationen

Im ersten Teil des Romans nimmt die enge Freundschaft zwischen seinem potenziellen Vater Max Delius (Astronom und Kosmologe) und seinem offiziellen Vater Onno Quist (Sprachwissenschaftler und Politiker) breiten Raum ein. An diesen beiden so vollständig verschiedenen Menschen exerziert Mulisch eine Tour de Force durch die Geistes- und Naturgeschichte der Menschheit. Ein Schuss Zahlenmystik verbindet alles miteinander. An der Situation Ana Brons macht der Autor aber auch sehr eindringlich hochbrisante Themen wie Sterbehilfe und Euthanasie deutlich.

„War es vielleicht so, dass primär nicht die Dinge existierten, sondern die Beziehungen zwischen den Dingen ? Schuf etwa die Liebe Verliebte, und nicht umgekehrt ?“

Im zweiten Teil des Romans rückt die Aufgabe von Quinten zur Heimführung der Tafeln mit den Zehn Geboten in den Vordergrund der Handlung. Quinten bricht auf, um seinen Vater Onno zu suchen, der enttäuscht und resigniert aus dem Leben ausgestiegen ist. Nach ihrer schicksalshaften Begegnung nimmt der Roman Fahrt auf und liest sich streckenweise wie ein spannender Plot von Dan Brown mit Quinten in Gestalt des hochintelligenten Artemis Fowl aus den Romanen von Eoin Colfer.

Am Ende mutiert der Roman leider von einer zwar unwahrscheinlichen, aber trotzdem noch realistischen Handlung zu einer phantastischen Handlung (einschl. Himmelfahrt). Diese Umwertung des von höheren Mächte gelenkten 'Menschen Quinten' zum übernatürlichen (messianischen) Wesen hat mich enttäuscht und nimmt der Gesamtgeschichte seine Würze und Bodenhaftung. Auch stilistisch wird der Erzählfluss das ein oder andere Mal zu abrupt durch belehrende und dozierende Erläuterungen unterbrochen. Beim Umfang des Romans von fast 800 Seiten sind diese Einwände aber zu relativieren. Insgesamt habe ich deshalb den langen, weil kurzweiligen Roman mit Freude und Spannung gelesen.
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am 25. Oktober 2012
Das Buch schlug alle meine Erwartungen. Ich kann mich nicht entsinnen, in letzter Zeit so "gefesselt" gelesen zu haben. Die intelligenten Dialoge, die etwas spinnerten Handlungen und die spannende Erzählweise haben mich total begeistert. Von mir dringend empfohlen, wenn die Literatur etwas anspruchsvoller, aber nicht ganz ernst sein soll - eines der wenigen Bücher, die ich mehrmals lesen werde
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Harry Mulischs gleichnamiges Buch musste ich zwei Mal lesen um zu verstehen, was Cherubin seinem Engel da für ein Unterfangen in Auftrag gab. (Sie, liebe interessierte Hörspielfreunde haben es da einfacher, denn der Inhalt ist ohne Umschweife im Klappentext nachzulesen. )

"Die Endeckung des Himmels" handelt - grob gesagt - davon, dass Gott die Faxen dick hat mit diesen verflixt umtriebigen Menschen. Darum möchte er die in Stein gemeißelten Zehn Gebote zurückhaben, die er dem guten Moses seinerzeit anvertraut hat. Ein Engel heckt dann einen - wie er wohl findet - zeitgemäßen, wie unterhaltsamen Plan aus. Einer ménage à trois (Onno + Anna + Max) entstammt schließlich der Spross, der die verlustig gegangenen Gesetzestafeln finden soll; sein Name ist Quinten Quist. Er hat zwei Väter und eine Mutter, die allerdings noch vor seiner Geburt verunglückt. Zudem ist der außergewöhnliche Junge blitzgescheit und gebildet bis in die letzte Hirnwindung. Schließlich findet auch der Engel, dass er da den perfekten Kandidaten kreiert hat. Schließlich bestätigen sich aber Vorurteile, die man bezüglich Überheblichkeit hegt.

Das Hörspiel "Die Entdeckung des Himmels", ist eine mordsmäßig gut gelungene, intelligente und unterhaltsame Umsetzung von Harry Mulischs Roman. Die Besetzung mit namhaften Stimmen wie Udo Samel (Engel), Jochen Striebeck (Cherubin), Christian Baumann (Onno Quist), Jaques Breuer (Max Delius), Lisa Wagner (Ada Brons) ... ist eine klanghafte Komposition für sich, die bei genauem Hinhören ihre betörende Wirkung entfaltet.
Schade nur, dass die Reise auf die uns die Hörspiel-Bearbeiterin (Valerie Stiegele) da mitgenommen hat, nach zirka 130 Minuten schon zu Ende ist. - Macht nix, das darf man sich auch öfter anhören und vielleicht neue Facetten an der von Ironie und Hintersinn strotzenden Geschichte entdecken und sich davon berauschen lassen.

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auf meiner persönlichen Horchlatte: *****
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am 21. Februar 2008
"Die Entdeckung des Himmels" erzählt vom prallen satten Leben mit all seinen Lichtern und Schatten.

Harry Mulisch zeichnet darin zahlreiche, einzigartige Charaktere, die vor dem lesenden Auge lebendig werden. Einzelne Charakterzüge, isolierte Merkmale, begegnen uns vielleicht in der einen oder anderen Person in unserem Leben und wirken vertraut. Aber in ihrer Einmaligkeit und Zusammensetzung sind sie eine vollkommene Mulisch`sche NeuSCHÖPFUNG und ich bin glücklich, sie über Mulisch kennen zu lernen und habe zugleich das Gefühl, sie schon lange zu kennen. Anderseits bin ich traurig, dass sie mir in meinem echten Leben nicht begegnet sind und niemals begegnen werden.

Zum Beispiel Onno:
Onno ist stets ganz im Hier und Jetzt und das ausschließlich. Onno liebt Wort und Schrift. Er ist fasziniert vom geschriebenen Wort längst vergangener Kulturen, er liebt Hieroglyphen, seine Arbeit macht ihn glücklich und lässt ihn nicht los. Onno befindet sich permanent in einer Schaffensphase oder einer Schaffenskrise, die alles dominiert, seinen Alltag, seine Beziehungen und sein vernachlässigtes Äußeres. Sprachen und Schriften sind sein Leben. Onno beherrscht aber auch das gesprochene Wort. Er ist ein begnadeter Rhetoriker und es ist ein Vergnügen, ihm zuzuhören. Dieses Talent befähigt ihn nicht nur zum eigenbrötlerischen Forscherdasein, sondern auch zum Politiker. Seine familiale Herkunft, seine übergroße, allmächtige, weit verzweigte Verwandtschaft, sein Standesbewusstsein und die sich daraus ergebenden (beruflichen) Möglichkeiten durch Netzwerke unterstützen seine politische Karriere. Aber wer weiß - vielleicht sind Aufstieg und Fall seiner Forscher- und Politiker-Karriere nur Teil eines göttlichen Plans?

So sehr Onno Wort und Schrift bewegen, so emotionslos bleibt er beim Musikhören. Ganz anders Ada, die Cellistin. Ada ist zunächst in Max verliebt und später in Onno und mit beiden nacheinander zusammen. Ihre konzentrierte Art, Musik zu machen, erinnert an ihre reflektierte Art, Beziehungen zu leben und zu beenden, wenn es für sie an der Zeit ist. Ihr Kinderwunsch um des Kindes, und nicht um der Beziehung willen, sind Ada ` sche Charakterzüge, aber wer weiß - vielleicht ist dieser Kinderwunsch nur Teil eines göttlichen Plans?

Max ist ein erfolgreicher, ehrgeiziger und leidenschaftlicher Astronom und Onnos bester Freund. Im Unterschied zu Onno ist Max heimat-, beziehungs- und familienlos. Er lebt mit dem Gefühl, als einziger von der Familie - letztlich infolge des Holocausts - übrig geblieben zu sein und kann dauerhafte Beziehungen am besten dann leben, wenn sie keinen gemeinsamen Alltag haben. Das erklärt seine vielen kurzen Frauenaffären. Max ist stets gerührt und bewegt beim Hören von Musik, das wiederum erklärt seine Liebe zu Ada, aber wer weiß - vielleicht ist diese Liebe nur Teil eines göttlichen Plans?

Mulischs gesamtes Werk ist durchzogen von einem permanenten Zusammentreffen des Jetzt - Früher und Morgen. Diese Gleichzeitigkeit der Zeiten spiegelt sich in jedem einzelnen Protagonisten wider: besonders in Max, aber auch in Quinten, von dem wir Lesende - im Unterschied zu seinen beiden Vätern Onno und Max - wissen, wer der "Leibliche" ist und bei dem wir schon vor seiner Geburt ahnen, dass große Aufgaben auf ihn warten. Das Göttliche, die Metaebene, schwingt permanent mit und schaut aus dem JETZT heraus von oben auf uns, auf die Gegenwart. Die Pro- und Epiloge, die Intermezzi, die Perspektive des himmlischen "Chefs" und seines Assistenten sind literarische Kunstgriffe, die uns immer wieder der Gegenwart entreißen und eine Draufsicht auf die Ereignisse ermöglichen, inklusive Rückblenden und Ausblicken.

Das Buch fasziniert und macht ein bisschen neidisch auf die Freundschaft zwischen Onno und Max und auf die niederländische Lebensweise. Manchem Kind wäre zu wünschen, dass es in einem nur halb so anregenden Umfeld groß wird, wie Quinten. In einem Mehrgenerationen-Schloss auf dem Lande wächst Quinten mit Adas Mutter und Max auf. Verteilt auf mehrere Etagen und Wohntrakte leben dort die inspirierendsten Individualisten dieser Welt unter einem Dach, die es verstehen, ihrem Leben eine inhaltliche Bedeutung, ein Thema zu geben, die leidenschaftlich ihren jeweiligen, ganz unterschiedlichen Aufgaben nachgehen und ihr gemeinsames Leben in Schloss und Hof in respektvollem, wohltuend distanziertem Mit- oder Nebeneinander teilen, in gemeinschaftlicher aber nicht einengender Weise. Und der Mittelpunkt allen Schlosslebens ist Quinten, der von allen erzogen wird und der seinerseits alle erzieht.

Auch unabhängig von der konkreten Rahmenhandlung ist Mulischs Himmel ein Lesegenuss. Gespickt mit zahlreichen Essays, Nebensträngen und Seitenarmen erfahren wir ganz nebenbei etwas über alte Sprachen, Astronomie, Theologie, Architektur- und Kunstgeschichte und setzen uns mit den Themen Euthanasie, der Rolle Kubas in der 68-er Bewegung oder der Quantentheorie auseinander. Diese Exkurse sind für sich genommen literarische und intellektuelle Höhepunkte. All das macht den "Himmel" in meinen Augen zu einem literarischen Meisterwerk der Gegenwart und seit vielen Jahren zu einem meiner unangefochtenen Lieblingsbücher.
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am 15. November 2012
Über den Inhalt des Romans wurde hier ja bereits schon genug geschrieben.
Zur Bewertung ist nur so viel sagen: es ist einer der besten Romane die ich je gelesen habe. Eine sehr konstruierte und unglaubliche Story und gleichzeitig sehr gut und glaubhaft erzählt; einfach himmlisch. Regt zum Nachdenken an. Sehr zu empfehlen, man muss es einfach gelesen haben.
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am 1. Oktober 2002
Ich habe dieses Buch gern gelesen, es ist kurzweilig und spannend. Man wartet ständig auf neue, abrupte Hakenschläge in der Handlung. Alles kann jederzeit passieren. Wenn wir uns ehrlich sind, ist es auch im wirklichen Leben so. Beinahe grausam zerstört Mulisch die Illusion, das Leben könnte ein langer ruhiger Fluß sein. Zynisch sind die Spiele, die die personifizierte Vorsehung mit den Menschen als seinen Marionetten spielt. Vielleicht ist es gerade diese Schicksalsverwoben, welche uns zu den Hauptpersonen der Handlung eine enge Beziehung, ja geradezu eine Vertrautheit herstellen lässt. Man gewinnt Freunde in diesem Buch, gerade weil die Charaktere keine Idealtypen, sondern Menschen aus Fleisch und Blut sind.
Trotzdem behält man nach Ende des Buches einen schalen Nachgeschmack. Zu sehr erkennt man die Willkürlichkeit des Autors, zu wenig scheint das Buch komponiert, zu sehr auf Zufall aufgebaut, als das man eine klare Botschaft erkennen könnte, außer der, dass eben immer alles möglich ist.
Auch geriet der Schluss der Handlung für mich fragwürdig, im Spannungsfeld von Traum und Wirklichkeit entscheidet sich Mulisch letzendlich für das Imaginäre und nimmt so dem Buch viel von seiner erfrischenden Bodenständigkeit.
Trotzdem haben wir aber einen Roman vor uns, der in seiner epischen Konstruktion auch einen Blick auf die Geschichte der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts eröffnet. Beiläufig werden historische Ereignisse eingestreut, die uns die Orientierung erleichtern.
Alles in allem ein sehr gut lesbarer, auch gut übersetzter umfangreicher Roman, der nie langweilig wird. Über die vielfach enigestreuten philosophischen Reflexionen man man geteilter Ansicht sein - bei Bedarf kann man ja auch darüber hinweglesen.
Ich würde den Roman ohne Bedenken an Leseratten weiterschenken, die keine Angst vor klassischer Bildung haben.
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am 10. September 2011
Dieses Buch ist einmalig. Ich kann es keinem Genre zuordnen, es ist philosophisch, ein oberflächlicher Liebesroman, eine tiefgehende Freundschaftsgeschichte, oft spannend wie ein Krimi. Die Protagonisten stellen Fragen an das Leben, die jeder Leser ganz für sich selber beantworten kann. Der Autor provoziert, aber man kann als Leser selber entscheiden ob man darauf eingeht.

In anderen Rezensionen wurde bemängelt, es werde zu sehr mit Stereotypen gearbeitet- natürlich ist das so! Aber wer genau hinliest, erkennt auch die Kritik an der Kategorisierung von Menschen.
Die Handlungsstränge verlaufen plump, die rethorischen Mittel sind nicht fein genug? Genau darum geht es doch, die vermeintliche Fremdbestimmung der Menschen wird durch die Protagonisten so plump missachtet dass dem Himmel nix anderes übrig bleibt als Steine und Bäume vom Himmel zu werfen.

Wer dieses Buch liest sollte seine eigene philosophische Denkweise nicht zwischen sich und die Geschichte stellen, sondern im bottom- uo und top- down Schema vorgehen: Sein Wissen mit dem des Buchen ergänzen, das Wissen des Buches mit dem eigenen verknüpfen, und so für sich ganz persönlich als Leser dieses Buch zum individuellen Meisterwerk machen.
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am 21. Mai 2010
Es gibt natürlich schon ausreichend Rezensionen zu diesem Buch, aber ich kann's einfach nicht lassen, weil dieses Buch so schön ist!

Dieses Buch hat mich für viele Tage sehr in seinen Bann gezogen! Was mir besonders gut gefällt, ist Mulischs Talent, mit Humor die komplexesten philosophischen Gedanken religiöser, politischer, moralischer und ethischer Art mit einem dazu noch äußerst spannenden Roman zu verbinden. Mulisch besitzt ein herausragendes Talent, mit Worten umzugehen und Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Eine große Kunst! Es ist eine Saga, ein Familienepos im Stile Thomas Manns, mit sehr liebevoll und gut gezeichneten Charakteren, die auch Ecken und Kanten haben.

Die Freundschaft zwischen Max und Onno ist sicherlich ein Hauptthema (ihr Freundschaftspakt entsteht, weil sie beide am gleichen Tag geboren wurden und doch unterschiedlicher nicht sein könnten) und die philosophischen, politischen Gespräche zwischen den beiden mögen zwar manchmal etwas künstlich wirken, sind aber absolut großartig. Pointiert, ironisch, interessant! Klasse! Diese Seiten habe ich geliebt und oft laut gelacht beim Lesen.

Zum Inhalt muss ich wohl nicht mehr viel sagen, das ist schon ausführlich beschrieben worden.

Dieses Buch gehört inzwischen zu meinen Lieblingsbüchern, weil die Geschichte einfach so skurril und schön ist, so vollgepackt (aber nicht überfrachtet) mit Liebe, Drama, Humor und Spannung, dass ich mich über das etwas schwache Ende hinwegtrösten kann. Das Ende ist meiner Meinung nach der einzige Schwachpunkt des Buches. Es ist vorhersehbar, was noch nicht so schlimm wäre, aber es wirkt aufgesetzt und unausgegoren. Als wenn Mulisch die Lust vergangen wäre und er die Geschichte irgendwie endlich zu ende bringen wollte. Das fand ich etwas schade. Und leider bleiben die Frauenfiguren etwas schwach im Vergleich zu den Männern. Ada hat im Prinzip nie eine Chance, charakterlich auf gleicher Höhe mit Max und Onno zu gelangen. Sie spielt im Prinzip nur als Mutter von Quintin und zur Abhandlung des Themas Sterbehilfe eine Rolle.
Aber: Diese Schwächen werden durch den Gesamteindruck allemal aufgewogen!

Am besten hat mir die Figur des Max gefallen! Seine Biografie ist so ungewöhnlich, dass man es kaum glauben mag. Der Vater ein holländischer Nazikollaborateur, der letztendlich seine jüdische Frau (Max' Mutter) ins Lager bringt und nach dem Krieg erhängt wird. Max ist somit früh Vollwaise und erfährt erst spät die Wahrheit. Das schafft in Max eine unglaubliche Zwiespältigkeit, er sagt an einer Stelle, er wäre Opfer und Täter zugleich durch seine Eltern. Diese Ambivalenz zieht sich durch sein ganzes Leben und gibt der Figur ihre gut nachzuvollziehende Tragik, aber schafft auch Empathie. Ich habe gelesen, dass Mulisch einen ähnlichen Hintergrund hat. Da hat er wohl in Max einiges aus seiner eigenen Biografie verarbeitet.

Bewegend, berührend, intelligent, breit gefächert, philosophisch. Lesenswert!
Auch ein wunderbares Geschenk!
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