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Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
37
4,6 von 5 Sternen
Mercenario - Der Gefürchtete
Format: DVD|Ändern
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TOP 500 REZENSENTam 23. Dezember 2015
Sergio Corbuccis (Django, Leichen Pflastern Seinen Weg) Revolutionswestern Il Mercenario aus dem Jahr 1968 gehört bestimmt in die Top 10 der besten und wegweisendsten Italo-Western. Neben der guten Besetzung (Nero, Musante, Palance, Ralli) sind es vor allem die gewitzte aber im Gegensatz zum Nachfolger Companeros nicht alberne Story um den Söldner Kowalski (Nero) und Revolutionär Paco (Musante) während der mexikanischen Revolution im Jahre 1910, die perfekt inszenierte Action mit einem grandiosen Duell am Ende und eine von Morricones besten Soundtrack-Arbeiten, die den Film aus der Masse im Genre herausragen lassen. Mit der von Giovanna Ralli dargestellten Columba gibt es sogar eine der wenigen Frauenrollen im Italo-Western, die mehr als nur hübsches Beiwerk ist.

Zum Film wurde schon in anderen Rezensionen genug geschrieben, so dass ich mich hier auf den Vergleich von DVD und Blu-ray konzentriere. Auf DVD kam der Film ziemlich weichgezeichnet und dadurch unscharf rüber. Die Blu-ray hat zwar immer noch hier und da leichte Unschärfen, trotzdem ist das Bild im direkten Vergleich zur DVD in Sachen Schärfe ein Quantensprung und besser habe ich den Film zumindest noch nicht gesehen. Wunder sollten aber trotzdem nicht erwartet werden. Der Film wurde auf Techniscope-Film gedreht, das im Vergleich zum Cinemascope zumeist weniger detailreich wirkt. Leichtes Filmkorn ist zu erkennen, was aber für die gute Neuabtastung spricht. Dafür sind jetzt aber auch mehr Bildfehler und Abnutzungserscheinungen des Ausgangsmaterials zu erkennen. Eine aufwendige Restaurierung gab es anscheinend nicht.

Für mein Empfinden wurde die Tonhöhe beim Blu-ray-Transfer nicht optimal angepasst. Der Film läuft jetzt 4 Minuten länger, wodurch die Stimmen etwas langsamer und vor allem dunkler klingen. Das ist vor allem in langsam gesprochenen Passagen auffällig.
Von den drei Tonspuren ist die italienische die beste. Laut Nero sei der Film aber als US-Co-Produktion auf Englisch gedreht worden. Der deutsche Ton ist etwas dumpf und qualitativ wechselhaft.
Das mit der DVD identische Bonusmaterial ist vor allem wegen des 40-minütigen Specials interessant, in dem sich einige Beteiligte und Corbuccis Frau zum Film und (vor allem Franco Nero) auch darüber hinaus äußern. Es ist ein Wendcover enthalten. Ein Booklet gibt es nicht.

Fazit:
Bis auf die fehlende Tonhöhenkorrektur ist an der Blu-ray dieses Klassikers nichts auszusetzen. Knappe 5 Sterne.
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am 13. November 2009
Italo-Western-Klassiker von Sergio Corbucci erstmals als deutschsprachige DVD.

Mexiko 1910: Der Söldner Kowalski, genannt "der Pole" (Franco Nero), wird vom Minenbesitzer Garcia (Eduardo Fajardo) zur Begleitung eines Silbertransports beauftragt. In der Silbermine angekommen, muss Kowalski jedoch feststellen, dass diese von aufständischen Minenarbeitern unter Führung von Paco (Tony Musante) übernommen wurde. Paco engagiert kurzerhand Kowalski damit er ihnen gegen Garcia samt anrückenden Federales beistehen möge. Unter dem Einfluss seiner idealistischen Geliebten Columba (Giovanna Ralli) entwickelt sich Paco zum Freiheitshelden. Dies geht jedoch nicht ohne die Hilfe von Kowalski der Paco erst zeigen muss wie erfolgreiche Revolution funktioniert und ihm auch auf ungewöhnliche Weise, nämlich anhand eines nackten Frauenkörpers das kapitalistische System erklärt: "Der Kopf, die herrschende Ausbeuterschicht. Der Arsch, das Proletariat. Frage: warum kommen Kopf und Arsch nicht zusammen?" Im Gegensatz zu den engagierten Revolutionären nutzt Kowalski seine Beraterfunktion, bei der er sich buchstäblich für jeden Handgriff fürstlich entlohnen lässt, um sich persönlich zu bereichern. Während ihrer revolutionären Umtriebe kreuzen sie immer wieder den Weg des amerikanischen Söldners Ricciolo (Jack Palance) und seiner Gesellen, die wiederum mit den Federales kooperieren. Kowalski und Ricciolo sind von früher her verfeindet. Und als Ricciolo Kowalski eine Falle stellt, ist es Paco mit seinen Revolutionären der ihm beisteht und rettet. Ricciolo wird jedoch nicht getötet, aber auf eine Weise gedemütigt die er den beiden niemals vergeben wird und ihnen tödliche Rache schwört. So wie die Revolutionäre immer erfolgreicher werden, so werden Kowalskis Forderungen immer dreister. Paco, nach den Erfolgen selbstbewusster werdend, enteignet schließlich Kowalski und steckt ihn als Feind der Revolution ins Gefängnis. Ihrer militärischen Führung beraubt haben die Revolutionäre gegen die wenig später anrückenden Federales, die von Garcia und Ricciolo begleitet werden, keine Chance. Paco, Columba, einige wenige Revolutionäre, aber auch Kowalski können dem Gemetzel entkommen. Monate später begegnet Paco in einer Stierkampfarena, wo er nun als Clown untergetaucht ist, Ricciolo und Kowalski, die ihn beide aus unterschiedlicher Motivation aufgespürt haben. "So sehen wir uns wieder, vielleicht zum letzten Mal." Die Begegnung mündet in eines der am besten inszenierten Italo-Western-Duelle.

Revolutionswestern aus dem Jahr 1968 von Sergio Corbucci der einige Klassiker des Italo-Western (Django, Navajo Joe, Leichen pflastern seinen Weg) geschaffen hat. Bekannt entweder unter "Mercenario - der Gefürchtete" (Original: Il Mercenario) oder "Die gefürchteten Zwei". Deutschsprachig nun erstmals als DVD veröffentlicht gilt der Film als eines der Hauptwerke des Italo-Western.

Corbucci ist im Vergleich zu Leone oder Sollima der gewalttätigere und kompromisslosere Regisseur. Mercenario ist natürlich auch gewalttätig und zynisch, er nähert sich dem Thema Revolution aber nicht so ernsthaft wie Damiano Damiani's sicher enger an der Realität liegenden Klassiker "Töte Amigo". Er ist satirisch, verspielt, fast ein wenig geschwätzig und bei weitem nicht so düster und hoffnungslos wie "Django" oder "Leichen pflastern seinen Weg." Dialoge sind zum Teil recht pointiert, die Bildgestaltung optisch opulent, insgesamt sorgfältig konstruiert und inszeniert, mit einem herrlichen Soundtrack Morricones untermalt.

Neben der Musik Morricones in Erinnerung bleibend sind beispielsweise die dumpfen ungläubigen Blicke der Revolutionäre während sich Kowalski mit deren letzten Wasser in der Wüste duscht sowie die Arroganz des als Gentlemans auftretenden Ricciolos, bemerkenswert von Palance dargestellt.

Gegen Ende des Films, nicht jedoch als dessen Abschluss (!), erlebt der Zuseher eines der am stimmigsten inszenierten Italo-Western-Duelle, kongenial von Morricones Musik untermalt. Konsequenterweise findet dieses Duell in einer Arena statt. Von der Konstellation der Beteiligten erinnert es ein klein wenig an Leones "Für ein paar Dollar mehr"-Endduell.

Bemerkenswert ist wie Corbucci gegen Ende des Films hin mit den Sehgewohnheiten und der Erwartungshaltung des Publikums spielt. Das Duell in der Arena wäre klassischerweise das Ende eines Films. Nicht jedoch hier. Die Handlung nimmt noch eine unerwartete Wende die dann in einem kleineren Massaker und einer weiteren klassischen Schlussszene mündet. Aber noch immer ist der Film nicht zu Ende, denn Corbucci hat noch eine Kleinigkeit zu erzählen bevor er mit den an Paco gerichteten Worten "... träume weiter, aber träume mit offenen Augen ..." seinen Film enden lässt.

1970 hat Corbucci dann mit "Zwei Companeros" (mit Franco Nero und Thomas Milian) eine Art Remake (eher mehr eine Variation von Motiven aus Mercenario) gedreht, das jedoch in direktem Vergleich zu Mercenario bei weitem nicht so stimmig und sorgfältig inszeniert wirkt.

Bild der DVD wurde überarbeitet, ist gut, manchmal wirkt es jedoch ein wenig weichgezeichnet und nicht ganz so scharf wie sonst von KOCH-MEDIA gewohnt, was wohl am Ausgangsmaterial liegen wird, immerhin ist der Film über 40 Jahre alt. Trotz allem ist es akzeptabel und man wird den Film wahrscheinlich auch künftig nie in einer besseren Bildqualität zu sehen bekommen. Das Filmvergnügen wird also nicht getrübt.

DVD Extras:
*Featurette (etwa 40 Minuten) mit Interviews und Archivmaterial. Sehr Interessant!
*Informatives und unterhaltsames Booklet
*Trailer
*Bildergalerie

Resümee: Highlight der Italo-Western-Veröffentlichungen 2010. Genre-Klassiker aus dem Jahr 1968 von Sergio Corbucci der einige weitere Klassiker des Italo-Western (Django, Navajo Joe, Leichen pflastern seinen Weg) geschaffen hat, erstmalig als deutschsprachige DVD. Der Revolutionswestern ist es wert angesehen zu werden. Gegen Ende des Films erlebt der Zuseher eines der am stimmigsten inszenierten Italo-Western-Duelle, kongenial von Morricones Musik untermalt.
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am 2. Mai 2017
well, what to say? It's a classic. a perfect mix of adventure, revolution, a bland political message, lot of fun and packed with action. Franco Nero at his best, Jack Palance in one of his most famous roles as a villain....Tony Musante is the weakest side, not the charisma of a Tomas Milian or whoever, but who cares? It's just pure fun
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am 11. Oktober 2010
(Leichte Spoiler)

Für einen Western sind diese Worte, die der eine der beiden Protagonisten dem anderen zum Abschied mit auf den Weg gibt, geradezu kongenial, denn geträumt wird dort immer - vom Mythos der Frontier, jenem ungeographischen Grenzland, wo aus der Kraft wagemutiger Individuen (meist Männer) im Kampf mit dem Land und seinen Gefahren der Grundstein für eine neue, gerechte Zivilisation geschaffen wird. Und wenn der Western gut ist, dann träumt er mit offenen Augen, indem er die Schattenseiten dieses Mythos zeigt: Wie das Land den Indianern weggenommen wurde, wie die einfachen Siedler von Banken, Eisenbahngesellschaften und großen Ranchern übervorteilt wurden, wie hinter dem Heldentum des einsamen Reiters die Unfähigkeit, sich Regeln unterzuordnen, oder die Angst, sich menschlich zu binden, steckt.

Sergio Corbuccis "Il mercenario" (1968) ist sicher einer der Filme, die zu den Juwelen des Subgenres Italo-Western gehören, und neben "Il grande silenzio" aus demselben Jahr Corbuccis beeindruckendster Genrebeitrag. Vor dem Hintergrund der Mexikanischen Revolution wird die Geschichte des Bauern Paco Roman (Tony Musante) erzählt, eines schlicht gestrickten, zunächst nur von seiner Gier getriebenen Mannes, der mit Hilfe des zynischen Polen Kowalski (Franco Nero), eines Söldners, der seine Dienste dem Meistbietenden anträgt, unter dem Deckmantel der Revolution eine Banditenbande anführt. Erst der Einfluß der idealistischen Columba (Giovanna Ralli - einfach bildschön) bringt Paco dazu, sich wirklich auf die Seite der Revolution zu stellen. So kommt es zwischen den beiden Männern, die recht eigentlich nie auf derselben Seite standen, zu einem Zerwürfnis, doch gibt es da auch noch den skrupellosen Gangster Ricciolo (Jack Palance), den sich beide zum Feind gemacht haben und der nun auf Rache sinnt.

Um vieles leichtherziger und witziger als "Il grande silenzio", ist doch auch in "Il mercenario" der zynische, desillusionierte Grundton unübersehbar. Zwar spart Corbucci hier nicht an Kapitalismuskritik - etwa in der Szene, in der sich aus dem Schlund eines gebratenen Schweins während eines Gelages ein Pistolenlauf direkt auf den Kopf des menschenverachtenden Minenbesitzers richtet, oder in der Person Ricciolos, eines gewissenlosen Verbrechers, der gleichwohl immer perfekt gekleidet ist, von Paco allerdings im wahrsten Sinne des Wortes entblößt und gedemütigt wird -, doch zeichnet Corbucci, mit Ausnahme Columbas, hier keine idealistischen Revolutionäre, sondern für den Moment lebende Rauhbeine. Unvergeßlich bleibt in diesem Zusammenhang die Szene, in der Kowalski seinem "General" Paco anhand des nackten Körpers einer Hure, mit der sich Paco eben noch vergnügt hat, soziale Ungleichheit erklärt, indem er die Reichen als den Kopf, das Proletariat als den A**** identifiziert. Selbst Karl Marx hatte hier eine leidlich komplexere Sicht auf die Dinge. Dem Zuschauer wird spätestens hier klar: Paco hat keine Ahnung von Politik, und es geht ihm eigentlich auch nur darum, sich seine eigenen Taschen zu füllen und zu tun, wonach ihm gerade der Sinn steht. Bezeichnend ist auch, daß es stets Kowalski, der nihilistische Söldner, ist, der Pacos Kopf wieder und wieder aus der Schlinge zieht - freilich um den Preis von 200 Dollar pro Tag. Zusätzlich läßt er keine Gelegenheit aus, seine Macht über die "Revolutionäre" zu demonstrieren, beispielsweise indem er sie zwingt, inmitten einen glühenden Wüste ihre letzten Trinkwasservorräte zu opfern, damit er ein kühles Bad nehmen kann. Will uns Corbucci hier sagen, daß man mit Idealismus allein keine Politik, auch keine Revolution machen kann, und daß letztlich jede Utopie und jede Gesellschaftsform von einigen Menschen dazu instrumentalisiert wird, sich ihren eigenen Vorteil zu sichern?

Ganz gleich, was uns der Regisseur da sagen will, "Il mercenario" ist ein ansehnliches Westernkunstwerk geworden. Dazu trägt nicht zuletzt der subversive Soundtrack von Ennio Morricone bei, der neben einer schmissigen Revolutionshymne auch manche ironischen Töne zu bieten hat. Auch die witzigen Dialoge und die stereotypen Figuren - der Zynismus Kowalskis kommt beispielsweise dadurch zum Ausdruck, daß er eben mal an den Stiefeln eines Gehängten sein Zündholz anreißt - tun ihr Übriges. Des weiteren ironisiert Corbucci auch die eine oder andere Westernsituation, etwa indem er den schließlich zum Helden gewordenen Paco hinter der Maske eines Clowns vor der Staatsmacht Zuflucht suchen läßt oder indem er das Duell zwischen diesem Protagonisten und Ricciolo in eine Stierkampfarena verlegt und somit uns als Westernzuschauer des Voyeurismus zu zeihen scheint. Die Arena könnte allerdings auch eine sachte Hommage an Budd Boetticher bedeuten, den Westernregisseur, dessen Faszination durch den Stierkampf auch immer wieder Ausdruck in der Gestaltung seiner Showdowns - etwa in "Seven Men from Now" (1956) - gefunden hat. Wenn dann aus der weißen Blume, die sich der Schurke ans Revers geheftet hat, Blut fließt, scheint sich Corbucci zum einen vollends über den Tod idealistischer Unschuld zu mokieren, zum anderen dekonstruiert er jegliche Form von visueller Symbolik - die Blume zierte ja den Schurken -, von der der Film als Kunstform lebt.

Fragen über Fragen. Diese Fragen muß man sich allerdings nicht stellen, denn "Il mercenario" ist ein Film, den man auch einfach genießen kann und der bestimmt an keiner Stelle langweilig wird.

Koch Media hat diesen Film in einer überaus würdigen Edition herausgebracht. So ist der Disk ein 12seitiges Booklet beigefügt, in dem u.a. beschrieben ist, wie es Corbucci gelang, sich den Respekt Jack Palances zu verschaffen (eine sehr lustige Episode), und sie enthält auch ein 45minütiges Extra, in dem sich Nero, Musante, Corbuccis Frau und andere an den Dreh erinnern. So müssen DVDs vermarktet werden!
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am 19. März 2017
"Mercenario - Der Gefürchtete" gehört mit Damiano Damianis "Töte Amigo" und Sergio Leones "Todesmelodie" zu den großen Italo-Western mit Revolutions-Szenario.
So wie Damiani - und anders als Leone - verstand sich Sergio Corbucci als politischer Filmemacher, was insbesondere bei "Mercenario" seinen Niederschlag fand.

Corbucci stand dem turbulenten Geschehen, das Italien Ende der 60er Jahre in der Zeit der Entstehung dieses Films an den Rand einer Revolution brachte, ambivalent gegenüber. Einerseits sympathisierte er öffentlich insbesondere mit den sozialen Forderungen der Demonstranten, stand den kommunistischen Tendenzen und der zunehmenden Gewalt aber ablehnend gegenüber.
Seine kritische Ambivalenz gegenüber, oder besser: seine differenzierte Betrachtung von, Revolutionen einerseits und sein außerordentlicher Humor andererseits spiegeln sich in „Mercenario“.

Geradezu legendär geworden ist Kowalskis (gespielt von Franco Nero) Erklärung der Revolution anhand der entblößten Rückseite einer Hure: der Hintern als Symbol der Armen kommt demnach auch bei einer revolutionären Erhebung nicht mit dem Kopf = den Reichen / Herrschenden zusammen, da der Rücken = die Mitteschicht dazwischen steht. Ein unsterbliches Bild, aber auch eine interessante Haltung: sollte etwa die Mittelschicht soziale Gerechtigkeit verhindern?

Am Anfang ist Paco (Tony Musante) ein Revolutionär aus Verlegenheit mit egoistisch-pragmatischen Motiven. Er hat keinerlei Ambition, einen größeren Aufstand anzuzetteln, wie er Kowalski auf dessen Frage erläutert: „Revolution bedeutet für mich, die Besitzenden umzubringen und ihnen das Geld wegzunehmen. […] Ich bin nicht gewohnt große Worte zu machen. Mein Vater ist in der Silbermine krepiert. Mein Bruder ist in der Mine krepiert. Der einzige, der überlebt hat, bin ich. Also mache ich Revolution. Verstanden?“
Später wandelt sich Paco unter dem Einfluss seiner Compañera Columba (wunderschön anzusehen und dazu mit beachtlichem schauspielerischen Talent gesegnet: Giovanna Ralli) und – ziemlich unfreiwillig – durch den Kapitalisten Kowalski zu einem Aufständischen, der tatsächlich an die vage formulierten Ideale der Revolution glaubt.
Kowalski verleitet das zu dem zynischen, wenngleich hellsichtigen Kommentar: „Armer Paco. Er war dabei ein Idealist zu werden. Leider habe ich vergessen, ihm zu sagen, dass Idealismus der Dünger für Friedhöfe ist.“
Die finale Szene verdichtet die Kernaussage des Films, als Kowalski seinem Gefährten Paco zum Abschied hinterherruft: „Träum weiter, aber träum mit offenen Augen.“

Diese zitierten Dialoge / Monologe zeigen schon: die deutsche Übersetzung des Films ist sehr gut gelungen. Sie blieb Gott sei Dank von dem klamaukhaften „Humor“ eines Rainer Brandt, der so vielen anderen Italo-Western mit seinen Übersetzungsbemühungen das Genick brach, verschont. Auch die Sprecher überzeugen, ihre Stimmen passen zu den Charakteren.

Die bereits erwähnten Hauptdarsteller Franco Nero und Tony Musante erledigen ihren Job ausgezeichnet und verleihen ihren Figuren die nötige Coolness, wie sie für italienische Western stilbildend ist. Aber sie erreichen auch eine beachtliche Tiefe bei der Darstellung ihrer vielschichtigen Charaktere. Das stimmige Drehbuch macht es ihnen auch einfach, bietet es doch neben einem gelungenen Spannungsbogen sorgfältig ausgearbeitete Dialoge und Charakterzeichnungen.
Aus der Riege der Nebendarsteller ragt Giovanna Ralli heraus. Neben ihrer südländischen Schönheit überzeugt sie in der nuancierten Darstellung der Revolutionärin Columba, die der Männergesellschaft die Stirn bietet und lautstark ihre eigene Meinung vertritt: „Aus der Gewalt der Regierungstruppen in die Hände von Banditen zu geraten, ist kein Grund vor Freude zu weinen.“
Weniger gefallen hat mir die schauspielerische Leistung von Jack Palance als Bösewicht Ricciolo. Seine Figur wirkt eher unfreiwillig skurill-dämlich als gefährlich, was sicher auch an der albernen Dauerwellen-Frisur liegt. Aber das mag Geschmackssache sein (seine Mitwirkung am Film war jedenfalls eine große Nummer, wie Franco Nero im beigefügten Interview erzählt) und tut dem überaus positiven Gesamteindruck keinen Abbruch.

Die Filmmusik von Ennio Morricone ist ein weiteres Mal hervorragend, das stimmungsvolle Hauptthema gehört zu meinen persönlichen Genre-Favoriten.

Das Bild und auch der Ton wurden für diese Blu Ray-Veröffentlichung auf ein in Anbetracht des Filmalters sehr gutes Niveau gebracht. Die Extras, insbesondere das ausführliche Interview mit u.a. Franco Nero und dem Cutter Eugenio Alabiso, sind gut gemacht und aufschlussreich.

Sergio Corbucci, ohne Zweifel einer der herausragenden Vertreter des Italo-Western, verlegte sich in späteren Jahren auf eher simpel gestrickte Komödien. Dabei scheint er zwar seinen (politischen) Anspruch in seinen Filmen, nicht aber seinen typischen Humor aufgegeben zu haben, wie folgende (bei Wikipedia zu findende) Anekdote zeigt. Auf die Frage nach der schlechten künstlerischen Qualität seiner späteren Filme antwortete er: „Ja, ich schäme mich, aber wenn ich zur Bank gehe, mein Geld abholen, schäme ich mich nicht mehr.“

Was bleibt sind eine Handvoll Filmklassiker, die Sergio Corbucci der Nachwelt geschenkt hat. Zu diesen zählt „Mercenario – Der Gefürchtete“.
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am 4. Februar 2010
endlich hab ich sie - so lange mußte man auf diese veröffentlichung warten und nun ist sie da!!! hier haben die köche wieder mal gute arbeit abgeliefert - uncut im richtigen bildformat digital aufbereitet und mit einigen interessanten extras im schönen digipack mit schuber sowie 16 seitigem booklet mit teilweise witzigem inhalt!!! einfach klasse - zum bild muß man gerechterweise sagen es ist das bestmöglichste herausgeholt worden und kann nicht ganz mit den topveröffentlichungen mithalten, aber trotzdem noch sehr gut!!! die musik ist einfach der hammer, die wird mir wieder tagelang durch den kopf geistern!!! die köche sind mitlerweile zu meinem lieblingslabel geworden, da sie einerseits viele gute western bringen und andererseits andere genres mit guten veröffentlichungen belegen, das es einem die wahre freude ist!!! ich hoffe das egal aus welchem genre veröffentlichungen kommen, diese auf diesem hohen niveau bleiben und noch lange weitergehen!!!

diese veröffentlichung sollte der gepflegte italofan sein eigen nennen - klasse film - klasse mucke - klasse veröffentlichung - zugreifen und erfreuen!!! da können andere labels wieder nur neidvoll auf die köche blicken!!!

mfg ein italofan
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am 9. September 2011
Sergio Corbucci drehte im Lauf seines Schaffens drei berühmte Western, nämlich "Django", "Il grande silenzio" (deutsch: "Leichen pflastern seinen Weg") und eben auch diesen Film, "Il Mercenario" (deutsch "Der Gefürchtete").

Die Handlung ist angesiedelt im Mexiko der Zeit um die Jahrhundertwendet vom 19. zum 20. Jahrhundert. Das Land wird regiert von mächtigen, geldgierigen und grausamen Magnaten, unter ihnen Großgrund- und Minenbesitzer, die aus der wehrlosen Bevölkerung die letzten Pesos herauspressen. Einer der leidtragenden ist der Minenarbeiter Paco, dem die tägliche Schinderei irgendwann einmal zu viel wird: Zusammen mit einigen Leidensgenossen überwältigt er die Aufseher des Bergwerks und reißt die Kontrolle über die Anlage an sich.

Da er selbst aber nur relativ wenig Ahnung von militärischen Dingen hat, engagiert er einen polnischen Söldner namens Kowalski (der Originaltitel des Films im Italienischen lautet "Il Mercenario", was auf Deutsch "Der Söldner" heißt). Dieser Mann führt von dieser Zeit an die Geschicke der stetig wachsenden Schar an Revolutionären; für seine Dienste verlangt er aber auch übermäßig viel Geld, was zu einer wachsenden Spannung zwischen Paco und Kowalski führt.

Schließlich lässt Paco Kowalski festnehmen; er will ihn in einem Scheinprozess (wegen Habgier) verurteilen. Da der Söldner nicht mehr das Kommando über die Streitkräfte der Revolution hat, bricht der Widerstand gegen das herrschende Regime zusammen und Paco muss vor seinen Verfolgern fliehen. Doch die - und der immerzu nach dem Kopfgeld gierende Pole - spüren ihn eines Tages auf...

Der Film ist nichts weniger als ein geniales, anarchistisches Meisterwerk, voller schwarzem Humor und mexikanischer Feurigkeit; man spürt beim Zusehen richtiggehend den Spirit der Revolution, die Ausgelassenheit und den charakteristischen Überschwang, der noch durch die großartige Musik Morricones gesteigert wird. Jede Szene ist genauestens durchdacht, etwa, wenn Paco und der Pole sich in einen Zug voller regierungstreuer Soldaten einschleusen, um dann den General gefangen zu nehmen, der sich rühmt, ein besonders heldenhafter Vaterlandsverteidiger aus der Militärakademie von Acapulco zu sein; nach einem Entführungsritt von dreißig Meilen entlässt der Pole anschließend den General mit den lapidaren Worten: "Der Fußmarsch, der auf sie wartet, dürfte eine Kleinigkeit sein für einen ehemaligen Zögling von Acapulco."

Auch das Schlussduell (der "Arena- Fight") dürfte Filmgeschichte geschrieben haben, doch es fällt wirklich schwer, festzustellen, was die beste Szene des ganzen Films ist, denn, wie bereits erwähnt, gibt es keine Minute der Langeweile in diesem makaber- humorvollen, anarchistischen, brutalen Meisterwerk.

Zusammenfassend also: Wer einen Italo- Western der alten Schule sehen will, sollte guten Gewissens zugreifen. Absolut sehenswert.
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VINE-PRODUKTTESTERam 8. Juli 2015
Der ebenso idealistische wie hinterlistige Minenarbeiter Paco (Tony Musante) lässt sich zum Revolutionsgeneral ausrufen. Und so trifft er auf den Polen Kowalski (Franco Nero), der für gutes Geld alles tut und keinerlei Ideale hat. Dem Duo Infernale ist bald als Kopfgeldjäger der ehemalige Falschspieler Ricciolo (Jack Palance) auf den Fersen...

Zwei Jahre nach dem Sensationserfolg mit DJANGO drehte Sergio Corbucci (1927-1990) diesen Revolutionswestern, der im unruhigen Jahr 1968 durchaus zeitgemäße Fragen stellte und in einigen Szenen wie eine Vorab-Studie zu Sergio Leones' TODESMELODIE (1971) wirkt. Mit einer Jugendfreigabe ab 18 erschien der Film unter dem Verleihtitel DIE GEFÜRCHTETEN ZWEI in den deutschen Kinos. Nach erneuter Prüfung erhielt IL MERCENARIO 2009 ungekürzt eine Freigabe ab 16.

KOCH MEDIA legt die bereits 2014 in der "Franco Nero Italo-Western-Box" veröffentlichte Blu-ray nun als Einzel-Disc vor. Bild- und Tonqualität sind hervorragend. Einige kleinere Bildfehler sind angesichts des Alters absolut akzeptabel. In einem Feature (2010, 42 min) erinnern sich einige Beteiligte an die Randbedingen der Produktion. Mehrere Trailer sowie heutige Ansichten von den Drehorten ergänzen das Material. Ein Wendecover ohne FSK-Logo ist vorhanden.

Für Sammler von Italo-Western in jedem Fall ein Pflichtkauf!
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am 6. Februar 2010
Viele Jahre haben Fans auf eine Veröffentlichung von Sergio Corbuccis Revolutionswesternklassiker gewartet. Nun hat Koch Media, der Lieblings-DVD-Hersteller von Italowesternfans, diesen tollen Film mit Franco Nero veröffentlicht.

Die DVD kommt im hübschen Digipack, das schlicht, aber dennoch hübsch aussieht. Das FSK-Logo ist übrigens abziehbar und verschandelt damit nicht die Verpackung. Der Film wird im 2,35:1-Format, sehr farbenfroh, leider aber etwas unscharf präsentiert, und ist auf Deutsch, Englisch und Italienisch enthalten, wobei ich die englische Version empfehle, da in dieser Franco Nero sich selbst spricht. Bei den Extras gibt es die übliche, diesmal aber sehr umfangreiche, Bildergalerie, den englischen & deutschen Trailer und ein exklusives 40-minütiges Featurette mit Franco Nero, Luciano Vincenzoni und dem Cutter des Films. Drehortvergleiche befinden sich auch noch auf der Scheibe. Beigelegt zur DVD wurde ein 12-seitiges Booklet mit Bildern und einem unterhaltsamen Text von Mike Siegel.

Koch Media hat zwar schon Filme in besserer Qualität veröffentlicht, doch man sollte sich hiervon nicht abschrecken lassen: Der Film sieht immer noch toll aus, und hat vermutlich noch nie besser ausgesehen. Durch die hübsche Digipack-Aufmachung und die netten Specials komme ich zu folgendem Fazit: Die DVD ist ein absoluter Pflichtkauf für jeden, der gute Filme mag. Möglicherweise die Top-Veröffentlichung des Jahres!
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am 15. Mai 2016
Dieser Film hat doch einige Elemente, die sich von den üblichen Western-Klischees unterscheiden: unser Revolverheld kommt diesmal aus Polen und die zunehmende Technisierung verändert auch die Gestalt der Colts und der Fortbewegungsmittel. Auch ein Hauch Django - siehe Schnellfeuergewehr - fließt in den Film hinein und wer glaubt, dass nur Amerikaner für Geld arbeiten, der irrt sich: der Pole arbeitet auch nur für "eine Handvoll Dollar" oder etwas mehr. Seine blauen Augen und sein grinsender Witz samt Klamotten lassen mich an Terence Hill erinnern. Doch am schönsten finde ich die Art und Weise, woran der "Pole" sich seine Streichhölzer anzündet. So nimmt sich der Western selbst wohl nicht so ganz ernst, aber gerade das macht ihn amüsant und kurzweilig. Einen Stern Abzug gebe ich, weil er aus meiner Sicht nicht wirklich Tiefgang besitzt. Wie üblich werden die Würfel ständig neu gemischt , aber es gibt halt eben diejenigen, die "sauschnell" am Drücker sind und jene, deren Tageslohn es zu sein schien, die Waffe zu heben und möglichst schnell umzufallen. Mit solchen Soldaten hätte man kaum einen Krieg gewinnen können, auch in Mexiko nicht. Trotzdem, guter - wenn auch nicht sehr guter Texanerschinken mit viel Witz. Gute Unterhaltung.
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