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TOP 500 REZENSENTam 31. Oktober 2013
Freud zu lesen ist ein sprachliches und ein intellektuelles Vergnügen und bei seinem Buch über den Witz auch noch ein allgemeines. Für ihn entfalten Witz, Komik und Humor ihre lustvolle Wirkung durch eine Ersparung. Die Lust des Witzes käme aus erspartem Hemmungsaufwand, die der Komik aus erspartem Vorstellungsaufwand und die des Humors aus erspartem Gefühlsaufwand.

Siegmund Freud führt mit Beispielen durch seine Theorie. Sehr schön eines, wo sich Witz und Humor verbinden: "Der Spitzbube, der am Montag zur Exekution geführt wird, äußert: Na, diese Woche fängt gut an. Das ist eigentlich ein Witz, denn die Bemerkung ist an sich ganz zutreffend, anderseits in ganz unsinniger Weise deplaciert, da es weitere Ereignisse in dieser Woche für ihn nicht geben wird. Es gehört aber Humor dazu, einen solchen Witz zu machen, d. h. über alles hinwegzusehen, was diesen Wochenbeginn vor anderen auszeichnet, den Unterschied zu leugnen, aus dem sich Motive zu ganz besonderen Gefühlsregungen ergeben könnten." Freud spricht von Seelengröße, in solchem Festhalten seines gewohnten Wesens und Abwenden von dem, was dieses Wesen umwerfen und zur Verzweiflung treiben sollte. Diese Art von Großartigkeit des Humors trete dann unverkennbar in Fällen hervor, in denen unsere Bewunderung keine Hemmung an den Umständen der humoristischen Person fände. Freud erklärt: "Die Situation, die den Delinquenten zur Verzweiflung treiben sollte, könnte bei uns intensives Mitleid erregen; aber dies Mitleid wird gehemmt, weil wir verstehen, daß er, der näher Betroffene, sich aus der Situation nichts macht. Infolge dieses Verständnisses wird der Aufwand zum Mitleid, der schon in uns bereit war, unverwendbar, und wir lachen ihn ab. Die Gleichgültigkeit des Spitzbuben, von der wir aber merken, daß sie ihn einen großen Aufwand von psychischer Arbeit gekostet hat, steckt uns gleichsam an." Erspartes Mitleid sei eine der häufigsten Quellen der humoristischen Lust, der Mechanismus, mit dem gewöhnlich Humor Mark Twains arbeite.

Sehr feinsinnig ist Freuds Religionskritik, wenn er von Heinrich Heine erzählt: "Einen direkt blasphemischen Witz soll Heine in der Situation des Sterbenden gemacht haben. Als der freundliche Priester ihn auf Gottes Gnade verwies und ihm Hoffnung machte, daß er bei Gott Vergebung für seine Sünden finden werde, soll er geantwortet haben: Bien sûr, qu’il me pardonnera; c’est son métier. Das ist ein herabsetzender Vergleich, technisch etwa nur vom Werte einer Anspielung, denn ein métier, Geschäft oder Beruf, hat etwa ein Handwerker oder ein Arzt, und zwar hat er nur ein einziges métier. Die Stärke des Witzes liegt aber in seiner Tendenz. Er soll nichts anderes sagen als: Gewiß wird er mir verzeihen, dazu ist er ja da, zu keinem anderen Zweck habe ich ihn mir angeschafft (wie man sich seinen Arzt, seinen Advokaten hält). Und so regt sich noch in dem machtlos daliegenden Sterbenden das Bewußtsein, daß er sich Gott erschaffen und ihn mit Macht ausgestattet hat, um sich seiner bei Gelegenheit zu bedienen. Das vermeintliche Geschöpf gibt sich noch kurz vor seiner Vernichtung als den Schöpfer zu erkennen."

FAZIT
Zusammen mit Der Witzableiter oder Schule des Lachens und dem Witzkapitel in Quirkologie: Die wissenschaftliche Erforschung unseres Alltags, m.E. das wichtigste und beste, was man über Witze lesen kann.
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am 27. Februar 2013
Jeder weiß, wer Freud war und was er entdeckt und verkündet hat - aber ich gestehe: das ist das erste seiner Bücher, das ich tatsächlich gelesen habe. Anschaulich, gut lesbar, sachlich, aber nicht trocken, vor allem, weil ja (notwendigerweise) auch Beispiele für die verschiedenen Witztechniken und Tendenzen ihren Platz finden. Darunter ausgezeichnete jüdische Witze, die natürlich aus der Feder von Freud nie den Verdacht des Antisemitismus aufkommen lassen und nebenbei auch die Fähigkeit zur Selbsironie dieses Volkes zeigen.
Beim Lesen ist mir die - tragisch-witzige - Geschichte von Freud und der Gestapo eingefallen: als er mehr oder weniger freiwillig abtransportiert wurde, musste er (damals schon weltberühmt, daher heikel ...) einen Revers unterschreiben, dass er gut behandelt wurde. Er hat nach seiner Unterschrift hinzugefügt "Ich kann die Gestapo jedermann empfehlen!" ...
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am 13. November 2013
Was soll ich schreiben? Ich bin ein Sigmund Freud Fan. Das Verständnis vorausgesetzt, dass alle diese Bücher um 1900, 1920 geschrieben würden und eine ganz andere Gesellschaftsform bestand. Es aber schon einige Denker diese Zusammenhänge der Seele und Körper verstanden finde ich beeindruckend. Was haben wir dazu gelernt? Geht es nicht immer noch um die gleichen Dinge? Abgrenzung! Hier und jetzt? Ich lese die ganzen Werke.
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am 28. Juni 2014
Enthält schlaue Analysen und zeitlos gute Witze. Ein Spaß der Sonderklasse, der selbst trübe Psychoanalytiker aufzuhellen vermag. Mein Lieblingswitz: Der Delinquent.
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am 25. November 2014
Toller Artikel, genau wie bestellt, Prei-Leistungs-Verhältnis war gut, bin sehr zufrieden, Lieferung wie immer bei Amazon sehr schnell, alles bestens!
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