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Zehn Jahre nach der Nacht zum neuen Jahrtausend wird ein Tondokument zugänglich gemacht, das diesem Jahrhundertwechsel angemessen ist. Die US-amerikanische Rockband Government Mule hatte am 31.12.1999 zu einem Konzert geladen und sich mit Pomp und Glorie vom 20. Jahrhundert und der in ihr gelebten Rockmusik verabschiedet. Die Band um Warren Haynes und Allen Woody, beide ehemalige Mitglieder der Allman Brothers Band, ist mit diesem geschichtlichen Hintergrund genügend prädestiniert gewesen, um in Form eines Konzertes Bilanz zu ziehen.

Im treffendsten Sinne eines Hardrockspektakels tischte Government Mule dem Publikum Titel auf, die aus der Rockgeschichte des 20. Jahrhunderts stammten und interpretierte sie in einer Weise, die die authentischen Akteure wie King Crimson, The Beatles, Led Zeppelin in der Erinnerung wie ein Ensemble von Buchhaltern erscheinen lässt. Natürlich durfte an jenem Abend ein Stück wie 21st Century Schizoid Man nicht fehlen. Und hatte man die Version von King Crimson noch im Kopf, konnte man sich an elektrisierende, rockige Schläge und Impulse erinnern, die eine synthetisch anmutende Stimme trugen. Bei Government Mule wird daraus der Schrei der bezwungenen Bestie, der die Gewissheit zu entnehmen ist, dass es kein Entrinnen der Psychischen Zerrissenheit mehr gibt.

Dazed an Confused, der Led Zeppelin Song, der von seiner Thematik in eine ähnliche Richtung weist, ist in seiner hier inszenierten Dramatisierung noch einmal ein dumpferer Schlag auf das Unterbewusste. Man hat bei dem gesamten Konzert den Eindruck, dass Government Mule bei diesem Auftritt deutlich machen wollte, wie gut die Diagnostik des Zeitgeistes durch die Rockszene des letzten Jahrhunderts funktioniert hat.

Bei der Beatles Stück Helter Skelter ist es nicht anders, die Orientierungslosigkeit und ihre Steigerung ins Unerträgliche durch Beschleunigung wird auch in dieser Inszenierung manifest und lässt keinen Zweifel zu: Am Vorabend des 21. Jahrhunderts war das filigrane Gewebe der humanen Sensibilität bereits geschreddert und kaum eine Band hat dieses drastischer zum Ausdruck gebracht wie Government Mule.

Hoch interessant sind die Bluesparts, die so etwas darstellen wie die Refugien im Orkan der Auflösung. Da sind Titel wie Blues Is Alright und The Power Of Soul nahezu eine programmatische Aussage. Schon das 20. Jahrhundert hat die menschliche Psyche technokratisch zerlegt, das 21. wird sie, so könnte man meinen, noch mehr zerfasern, wären da nicht Sphären wie Blues und Soul, die mit einer nicht messbaren Spiritualität ein Gegengift gegen die Zerstörung sind. Wirklich, mehr als nur ein Konzert!
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am 22. Februar 2015
Die Musik ist toll. Eine gute Liveband. Man merkt die jahrelange Erfahrung und das die Musiker die Musik leben.
Natürlich muss man immer abstriche bei Liveaufnahmen machen. Aber andere Musiker zeigen ja auch, dass es geht. Von der guten Musik hätte ich gerne mehr, aber die Qualität der Aufnahmen halten mich doch davon ab. Das finde ich schade. Man könnte den Fans wirklich einen gefallen tuen, wenn man sich damit mal mehr beschäftigen würde. Technisch ist das überhaupt kein Problem. Deshalb gibt es auch nur 4 Sterne.
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