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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
36
4,1 von 5 Sternen
Der Leopard
Format: DVD|Ändern
Preis:7,79 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 20. September 2015
Einführung:

Als sich Italiens Starregisseur Luchino Visconti vornahm, Giuseppe Tomasi-Herzog von Palma-Fürst von Lampedusa's einzigen Roman-Welterfolg "Il Gattopardo" zu verfilmen, mußte er zuerst einen bekannten Hollywoodstar, der die Besetzungsliste anführen sollte, verpflichten, damit der amerikanische Verleih für das vorgesehene verschwenderische Epos genügend Interesse bekundete. Für ihn kam, nachdem er "Der Gefangene von Alcatraz" gerade gesehen - und "Verdammt in alle Ewigkeit" noch im Kopfe hatte, nur Weltstar Burt Lancaster in Frage!
Gerade auch durch ihn, wurde Viscontis filmisches Meisterwerk ein monumentales Epos von atemberaubender Schönheit, das die Zeit der italienischen Befreiungskämpfe wieder aufleben lässt.

Die Geschichte:

Prinz Don Fabrizio Salina von Sizilien (Lancaster) ist der zentrale Charakter, ein Aristokrat alter Prägung, der seinen Lebensstil im Angesicht neuer Zeiten aufrecht erhalten will. Er hat mehr Kämpfe durchzustehen als Garibaldis revolutionäre Eindringlinge. In dem Aufstieg der Arbeiterklasse sieht er jedoch eine Bedrohung dieses Lebensstils. Der Fürst ist aber auch ein schlauer Fuchs, der die Zeichen der neuen Zeit erkennt: "Es muß sich alles ändern, damit alles so bleibt, wie es ist." Es geht darum, sich geschickt den neuen Verhältnissen anzupassen, um die alten Privilegien soweit es geht zu erhalten. Der alte Fürst von Salina ist sich dabei bewußt, dass die Zukunft nicht ihm gehört, er vielmehr einer abtretenden Klasse angehört.
Zum hoffnungsvollen Nachwuchs zählt vielmehr sein junger Neffe Tancredi (Alain Delon, mit großer Rolle). Dieser hat sich bereits zukunftsträchtig auf die Seite der "Rothemden" geschlagen und weiß durch die Zuneigung zu einer Bürgerlichen, Angelica (die wunderschöne Claudia Cardinale), Tochter des neuen Bürgermeisters Don Calogero (hervorragend Paolo Stoppa), die Zeichen der Zeit für sich geschickt zu nutzen.
Don Fabrizio ist jedoch so scharfsinnig, dass er der Heirat seines gutaussehenden Neffen mit Angelica zustimmt. Der stolze Prinz läßt es jedoch nicht zu, dass althergebrachte Werte und Traditionen von den Wellen einer neuen Zeit hinweggespült werden. Daher verzichtet er auch keinesfalls auf einige seiner gewohnten Freiheiten. Z.B. was das Jagen mit Freunden in wundervoller Landschaft angeht, oder wenn er mit dem ihm sehr ergebenen Pater Pirrone mit der Kutsche mal wieder einen Ausflug nach Palermo macht, wobei er den Pater unterwegs am Kloster absetzt, während er für ca. 2 Stunden eine noch ziemlich junge, (im Verhältnis zu ihm) aber schon länger Bekannte, mit dem vielversprechenden Namen Mariannina aufsucht. Schließlich war seine Frau Stella, mit der er, meist im Dunkeln, sieben Kinder zeugte, ohne, wie er Pater Pirrone einmal erzählte, was eigentlich einer ungeschickten Beichte gleichkam, jemals ihren Bauchnabel gesehen zu haben...
Doch zurück zum Film - der gipfelt in der rund 40 Minuten dauernden Schilderung des finalen, so noch nie gesehenen, im alten Herrschaftsstil abgehaltenen Tanz-Balls, vom Fürsten und Tancredi in die feudale Gesellschaft eingeführt.Der Höhepunkt ist zweifellos der Tanz des Paares Anjelica - Don Fabrizio. Sie geben eine prächtige Figur ab. Die Füße des Fürsten bewegen sich mit überraschend zarter Leichtigkeit - nie bringen sie die Atlasschuhchen seiner Dame in Gefahr gestreift zu werden. Aller Augen sind auf die Beiden gerichtet und die Kamera bietet uns unglaubliche Bilder, in allen Einstellungen, von diesem prachtvollen unvergesslichen Ereignis. Als das Orchster in dem ganz in Gold gehaltenem Saal den Walzer beendet, bricht der Beifall nur darum nicht gleich los, weil Don Fabrizio einfach zu löwenhaft aussah, als daß man solche Unziemlichkeit wagen würde.
Am Ende, nach der berühmten Ballszene im Palazzo Ponteleone, folgt man dem alten Fürsten Fabrizio Salina, wenn er in die morgendliche Kühle tritt und durch das dämmernde, in seinen letzten Träumen liegende Palermo den Heimweg antritt. Er weiß, sein Geschlecht ist am Ende, die Herrschaft der Löwen. Die neue Zeit ist angebrochen, die bürgerliche Gesellschaft hat sich etabliert - die der Kaufleute und Kleinkrämer...

Anmerkungen:

Gespielt wird der "Leopard" von Burt Lancaster, dem hier vielleicht seine eindringlichste Karriereleistung gelang. Mit Stolz und Würde verkörpert er einen mächtigen Mann, der mit seiner zu Ende gehenden Zeit langsam alt und überflüssig wird. Seine Präsenz als Familienoberhaupt ist fast erdrückend. Er spielt den stilbewußten, stattlichen und am Ende zutiefst melancholischen Fürsten von Salina, als habe er nie etwas anderes getan, als durch sizilianische Sommerresidenzen zu schreiten.

"Ein Film, von dem ich lebe", hat einmal der große Regisseur Martin Scorsese erklärt, "Ein Film, ohne den es eine Zukunft des Kinos nicht gegeben hätte"!

Diese überarbeitete Blu-ray-Neuauflage des ewigen Spielfilmklassikers von Luchino Visconti durch Koch Media, in der Langfassung von ca.186 Minuten, besitzt eine hervorragende Bild und Tonqualität.
Bild in 2.35:1 (16:9) und Ton DTS HD Master 2.0
Sprachen Deutsch-Ilalienisch, UT: Deutsch
Hervorragende EXTRAS u.a. ein Interview mit Produzent Goffredo Lombardo!

Empfehlung an alle Filmfreunde !
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am 27. August 2017
Ich habe das Buch mehrfach gelesen und wollte nun den Film.
Er ist eindrucksvoll ,um ehrlich zu sein käst das Buch mehr Raum
für die Phantasie
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am 29. Juli 2017
war in Sizilien - genau so könnte es gewesn sein und dazu noch die zauberhafta C.C.- das Verhältnis Geld und Moral, wie heute
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VINE-PRODUKTTESTERam 18. März 2012
Sizilien um 1860. Der alternde Fürst Don Fabrizio (Burt Lancaster) stellt sich zur Überraschung seiner Standesgenossen auf die Seite der bürgerlich-liberalen Kräfte. So hat er auch keine Einwände gegen die Hochzeit seines Neffen Tancredi (Alain Delon) mit der Tochter des opportunistischen Bürgermeisters Calogero Sedara (Paolo Stoppa), da eine Vermischung der begüterten Bourgeoisie mit der zum Abstieg verurteilten Aristokratie ohnehin nur eine Frage der Zeit ist. Gleichzeitig verweigert er aber seine Mitarbeit am neuen Königreich Italien: "Wir waren die Leoparden. Unseren Platz werden Schakale, Hyänen und Schafe einnehmen." Bei einem Ball begegnen sich schließlich alte und neue Gesellschaft zu einem grandiosen Totentanz.
Luchino Visconti (1906-1976) schuf ein bewegendes historisches und gesellschaftliches Panoramabild von faszinierender Schönheit und analytischer Schärfe. Seine Sympathie gilt der überlebten Herrschaftsschicht, die dem Volk näher steht als die bürgerlichen Emporkömmlinge, die für Visconti eine direkte Verbindungslinie zum Mussolini-Faschismus darstellen. Dieser Dialektik entsprechend bewegt sich der Stil des Films zwischen blühender Pracht und morbidem Glanz.
Viscontis Film war in Deutschland jahrelang nur in gekürzter Fassung (161 min) zu sehen. Die Blueray enthält die vollständige, 26 Minuten längere Fassung, die bereits ab 1993 mehrfach im ZDF zu sehen war und 2004 erstmals auf DVD von Koch-Media veröffentlicht wurde. Im Gegensatz zur DVD wurden die eingefügten Passagen nunmehr nachsynchronsisiert, wobei die Wahl der Sprecher wohl nicht immer glücklich war.

Bild- und Tonqualität sind dem Alter des Films angemessen gut. Im Vergleich zur DVD-Edition von 2004 wurde das Bildmaterial sichtbar verbessert. Die neue Qualität des Mediums Blue-ray kommt sichtbar zur Geltung.
Als Bonusmaterial enthält die Blue-ray ein 2003 geführtes Interview mit dem Produzenten Goffredo Lombardo (1920-2005 /deutsch untertitel), den französischen und italienischen Kinotrailer, Wochenschauaufnhamen von der Premiere sowie eine Bildergalerie mit Werbematerial.
Leider wurde auf das informative 16seitiges Booklet mit einem Text des Münchner Filmhistorikers Robert Fischer, dass der DVD-Special-Edition beilag, verzichtet. Auch eine Dokumentation über Luchino Visconti wäre wünschenswert gewesen.
Fazit: DER LEOPARD sollte in keiner filmhistorisch orientierten Sammlung fehlen und ein Austausch der DVD ist durchaus emfehlenswert.
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am 30. November 2011
Ein anschauliches Porträt der italienischen Gesellschaft aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, einer Zeit, die für Italien besonders wichtig ist, weil am Ende die nationale Einheit steht. Die überaus prächtige Ausstattung und das detailgenaue Ambiente innen wie außen atmen förmlich diese untergegangene Welt. Die Einrichtung, die üppigen Stoffe, die Bilder an den Wänden und selbst das Licht schaffen diese unvergessliche Atmosphäre. Die Sprache und der Habitus der Akteure passen ins Bild. Frauen sticken, Männer rauchen. Von den zahllosen Weltstars glänzt Burt Lancaster als Titelfigur. Er ist der Leopard, der den Untergang beobachtet und mit einem Trauerflor in der Stimme kommentiert. Der Zuschauer sympathisiert mit seiner Sicht der Dinge und betrauert vielleicht ebenso das Verschwinden dieser schönen alten Welt.
Anders Alain Delon, der als junger, strammer Soldat die Zeichen der Zeit erkennt. Ihm gehört die Zukunft. Claudia Cardinale verkörpert das schöne, liebeshungrige Dummchen vom Lande, das wie er nach oben will und ihn bezirzt. Ihr Versteckspiel sowie der große Ball bleiben wegen der gegensätzlichen Räumlichkeiten unvergessen. Hier verschwindet der Einzelne im Großen und Ganzen. Andere Glanzlichter sind Sergio Reggiagni, der wie immer eher im Verborgenen wirkt und Terence Hill hieß 1962 noch Mario Girotti.
Allein dieser Film verschafft Visconti einen Platz im ewigen Olymp des Films. Ein Klassiker und Evergreen.
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am 9. Juli 2016
Der Film ist ein äußerst interessantes Portrait der Zeit, als traditioneller Monarchismus gegen Nationalismus kämpfte. Im 19. Jahrhundert wurden mit der erzwungenen Einigung Italiens und Deutschlands die Weichen für die Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts gestellt. Um eben diesen Konflikt der damaligen Zeit - ob man tut was modern ist oder seinen Prinzipien treu bleibt - geht es in diesem Film in der Person des Fürsten von Salina, einem einflussreichen Landadeligen auf Sizilien, genial verkörpert von Burt Lancaster.
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am 8. Februar 2009
Oftmals ist es ja so, daß die Filmfassung hinter ihrer literarischen oder historischen Vorlage aufgrund von Ungenauigkeiten und mehr als freier Interpretation seitens des Regisseurs zurücksteht. Dies kann man im Bezug auf Viscontis dreistündiges Werk absolut nicht behaupten. Im Gegenteil, durch die fast peinlich genaue Visualisierung der literarischen Vorgabe sowie die fast immer wiederkehrenden Zitate aus dem Roman wird selbiger erst zum Leben erweckt. Selbst kleinste Details kann man wiedererkennen: die Gemälde der Familiengüter im Arbeitszimmer des Fürsten von Salina, die "kräftigen biscotti di Monforte", die Padre Pirrone, Salinas Beichtvater, so gern zum starken Kaffee genießt, den Palast in Donnafugata mit seinen vielen unbewohnten Gemächern, die Tancredi und Angelica neugierig durchstreifen, ganz abgesehen von den nicht nur wunderschönen sondern vor allem auch historisch korrekten Kostümen und Frisuren. Auffallend ist auch die sorgfältige und typgerechte Auswahl der Schauspieler, allen voran natürlich Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon. Doch auch alle Nebenfiguren sind glaubwürdig und romangerecht besetzt. Nur das Ende des Films wurde im Bezug auf den Roman insofern verändert, als er nicht mit dem Tod des Fürsten und der Jahre danauf folgenden Beschreibung des traurigen Daseins der einsamen Concetta und ihrer unverheirateten Schwestern endet - sondern in der letzten Szene den Fürsten seine Sehnsucht nach der Ewigkeit der Sterne ausdrücken läßt, während nur wenige Minuten zuvor Deserteure aus der neuen italienischen Armee erschossen werden. Im Roman wird davon nichts erwähnt, doch es erscheint nicht als störender Zusatz, da dies sich durchaus so zugetragen haben könnte. Einzig und allein die Darstellung des Generals Pallavicino ist nicht ganz korrekt. Pallavicino ist im Film nur ein geschwätziger Prahlhans, der im Kreise der Damen von seinen Heldentaten berichtet. Im Roman hingegen hält Fabrizio di Salina den General nach dessen erstem Auftreten zunächst wirklich nur für einen eitlen und hirnlosen Fatzke, revidiert sein Urteil später am Abend während eines interessanten Zwiegesprächs jedoch sehr gründlich. Doch diese kleine Ungenauigkeit sei angesichts des Gesamtwerks gern verziehen, denn der ganze Film - wie übrigens auch seine Opernregien - zeugt von Viscontis Perfektionismus, mit dem er an diese nicht leicht zu bewerkstelligende Aufgabe heranging, und es wäre heutigen Film - und vor allem "Opernregisseuren" zu wünschen, daß sie auch nur ein Fünftel dieser Liebe zum Detail und dieses Respekts vor der Vorlage aufweisen könnten.
Absolut stimmig ist auch die Filmmusik, die von keinem geringeren als Nino Rota komponiert wurde, der für die Ballszene einen bis dahin unveröffentlichten Walzer Giuseppe Verdis bearbeitete.Tomasi di Lampedusa, der als Sproß eines altes sizilianischen Adelsgeschlechts sicherlich auch einen Teil seiner eigenen Geschichte in seinem Roman verarbeitet hat, konnte weder diese grandiose Verfilmung noch die Veröffentlichung seines Romans miterleben, da er schon 1957 an Lungenkrebs starb. Uns bleiben heute beide Werke, die eine ganze Epoche mit ihren Umbrüchen und Neuanfängen glaubwürdig und poetisch schildern.
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am 10. Februar 2004
Hoffentlich dauert es nun nicht mehr lange bevor "Il Gattopardo" auf DVD erscheint. Es ist mir unklar warum die DVD-Industrie so wenig Interesse hat an die Filme von Luchino Visconti. So ist
"Senso" in 1998 in der USA erschienen und jetzt nicht mehr zu
bekommen. Und warum wird - auch bei die wichtigen klassische Filme- noch immer nachsynchronisiert. Das ist doch vollkommen altmodisch und unartvoll. Ich glaube, das wird im Westen nur noch
in Deutschland gemacht! Das wird doch auch nicht mehr bei Opern gemacht! Stellen Sie sich vor: eine Mozart oder Wagneroper auf englisch. Wir wissen, das die Hauptdarsteller Burt
Lancaster und Alain Delon sich alle Mühe gegeben haben um Italienisch zu lernen und zu sprechen. Überdies ist das Italienisch in "Il Gattopardo" sehr flüssig und klangreich.Bei so eine
bedeutsame Film,der in Italien kulturgeschützt ist brauchen wir Untertitel in alle Weltsprachen: Englisch, Spanisch, Französisch,
Deutsch, Russisch, Chinesisch, Arabisch.

Seit man der originale Negativfilm von "Il Gattopardo" in London
wieder hat gefunden brauchen wir nicht mehr die gekürzte und in
Farbe geänderte Version aus der USA zu sehen. Die Original-Länge
ist ungefähr 180 Minuten.
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am 17. Januar 2017
Visconti ist ein großer Meister. Habe mir den Film gekauft und schon mehrfach angeschaut. Werde alle erhaltbaren Filme von ihm kaufen. Großartige Bildgestaltung - sagenhaft tolle Schauspieler. Eine intelligent und spannend aufgearbeitete Geschichte.
Wo ist der Visconti von heute?
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am 2. August 2015
Erstmal: in seiner hervorragenden BD-Bildqualität erfreulich, kommt dieses opulente Visconti-Werk daher.

Doch wiedereinmal muss ich gestehen: ich tue mich schwer! Schwer, über die gesamte Filmlaufzeit des "Leoparden" einen Spannungsbogen aufrecht zu (er)halten.
Wie schon in Viscontis "Sehnsucht" und als ausgesprochener "Bayernfan", in "Ludwig II" (mit Berger, und der Schneider als eine "authentische" Sissy), ist die Dramaturgie des Film, gegenüber seinem zu enthaltenden Spannungsbogen, mehr als mühselig zu folgen. Was nicht heißen soll, dass nichts geschieht vor der Kameralinse. Auch ist des Regisseurs hantieren mit Symbolik und dessen Gesten für mich verständlich. Nur eben diese Umsetzung zum aufgehenden Spielfluss ist behebe; versöhnlicher ausgesprochen: gewöhnungsbedürftig, daher nicht jedermanns Sache.

Die geschichtliche Aufarbeitung in seinen Werken ist natürlich ohne jeden Zweifel kinematografisch excellent eingefangen. Ebenso seine hervorgebrachte Melancholie löst sich in mir. So auch Kostüme, Location, die liebevollen Details etc. werden von der immer hervorragend geführten Kamera prachtvoll genial eingefangen.
Und doch stochert Visconti mühselig, fast schon umständlich zu nennen, in den Dekaden der geschichtsträchtigen Italienzeit umher. So bleibt denn auch das Abhandeln des Vergehens des Fürstenhauses Salina mehr als anstrengend zu folgen. Der Gedanke grübelt daher in mir, dass nur die Illusion des Bildes Viscontis angestrebten Plot aufrecht erhält.
Seine Idee Kino zu zeigen ist also großartig, jedoch die Art, seine Art des Erzählen, unausgegoren (zumindest seit er in Farbe drehte; zeigt er evtl. mit der Überfrachtung des Farbigen "zuviel" ?).
Dabei setze ich auch in meiner Kritik nicht voraus, dass er sich, eben durch seinen Stil der Erzählens, dem Hollywoodkino -der damaligen Zeit- angleichen soll(te). Irgendwie tat er sich, so glaube ich, mit der einen Sache schwer. Was zum Beispiel ein Billy Wilder, ein Frank Capra oder z.B. sein Lanzmann Leone im Blute hatten, nämlich einer Geschichte spielerischen Rhythmus zu geben, ertrinkt bei Visconti im schwerfälligen Dreivierteltakt.
Das Bild hier, mit seinem enormen Reichtum, erdrückt also die gezeigte Handlung zu einem rudimentären dramaturgischen Gesamtwerk, so dass ich als Fan des italienischen Kinos (von "Fahraddiebe", "Bitterer Reis", von Fellini, Leone bis zu Tornatore) immer ein ambivalentes Gefühl bei Viscontis Werken beschleicht.

Geschichtenerzähler fürs Kino ist -für mich- Visconti insofern, da er der bessere -all überwachende- Produzent ist, mit einem außerordentlichen Gespür fürs Bild, wie gesagt, mit dessen eingefangenen Reichtum an visuellen Ideen. Jedoch als Regisseur des künstlerischen Erzählkinos (in Farbe)?
Will er natürlich etwas in seiner Geschichte erzählen, kommt aber nicht über den Fauxpas meiner gestellten These hinweg.
So versanden dann auch oft die guten Dialoge (zumindest in der deutschen Synchro) zu lauen Metaphern, werden dabei nicht "weiter gesponnen" und bleiben haltlos, manchmal ratlos gegenüber dem Abgelichteten (was evtl. auch die Dialoge erdrückt, da das Bild immer bombastisch daher kommt).
Am rande noch, sind die "Actionszenen" mehr als semiprofessionell umgesetzt (erinnern an das jährlich erscheinende, sommerliche Aufgebot laienhafter Junker im touristisch erschlossenen Ritterspektakel auf hiesigen Burgen) und für mich immer störend in der Welt des Visconti (hier versucht er dann also doch den Spagat, sich dem Hollywoodkino anzunähern; welches eindeutig in die Hose geht).

Ein Schade mit 2,5 Sternen
... und für mich einzig sehenswert durch die tolle Kamera und des Schauspiels eines Burt Lancaster; der hier, mit der seltenen deutschen Synchronsimme des Carl Raddatz (Lancaster sonst von Niendorf, Lukschy, Borchert u. Hagen veredelt) seinen eigenen, einen weiteren Reiz entwickelt.
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