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am 24. Juli 2010
Wer im Mahler-Jahr 2010 mit bereits abwinkender Mimik durch die Musikabteilungen, Konzertsäle und feuilletonistisch anmutenden Artikeln in so mancher Intellektüllenzeitschrift stolpert, mag sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sich das Wähnen nach Formvollendung und Wiedergutmachung hinsichtlich des bis in die 2. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts stiefmütterlich behandelten Österreichers weniger zu einer Frage des guten Geschmacks, denn zu einem populären Trend entwickelt hat. Da steht neuerdings der Versuch einer auf Zelluloid gebannten Psychoanalyse von Mahler durch Siegmund Freud auf dem Programm, da jagt eine Subprominentenaussage zu Mahlerschen Musikerfahrungen die nächste - und da schickt sich ein Matthew Herbert an, der obskuren Recomposed" - Reihe der DGG, die durch Craigsche, Oswaldsche und Tenorsche Simplifizierung klassischer Musik bereits ihren Einstand bei einem komplexer Tonkunst eher ausweichenden Publikum gefunden haben dürfte, die monolithische Zehnte in seiner ganz persönlichen Interpretation hinzuzufügen. Doch halt, soviel muß an dieser Stelle dem Pedanten Spielraum gelassen werden; die unheils- bis bedeutungsschwangere Schwarzweißphotographie des Toblachschen Komponierhäuschen Mahlers, die auf der vorliegenden Einspielung prangt, lädt den Lauscher lediglich zu einer Bearbeitung des Kopfsatzes, des Adagios, ein - danach ist schon Schluß. So reduziert sich die transzendentale Erfahrung auf 37 1/2 Minuten, die aber - Mahlerianer werden es schon vermuten - über die übliche Einspielungslänge des Adagios hinausgeht. Dies liegt daran, daß Herbert den Satz regelrecht zerpflückt und, einem Puzzle mit dem Bildnis eines strahlend blauen Himmels gleich, das beim Zusammensetzen einige nicht passende, aber mit Gewalt in die Lücken gezwängte Versatzstücke aufzuweisen hat, re-konstruiert, re-komponiert. Insofern die erste CD der Reihe, die dem namentlichen Anspruch gerecht wird. Sicher, die Vorlage (verwendet wurde hier übrigens die großartige Sinopoli-Einspielung mit dem Philharmonia Orchestra) ist weiterhin -und glücklicherweise!- dominant. Doch alles ist auch irgendwie anders, ferner, toter, einsamer, schmerzhafter, strahlender, sanfter. Matthew gelingt im Folgenden nichts weniger als das Kunststück, das Adagio Mahlers 10. im Jenseits aufzuführen.

Logische, zur Satzstruktur passende Kniffe sind so behutsam in das Gefüge eingeflochten, daß die Homogenität eines im Sinn stets strebenden Flusses beibehalten wird. Da wird das kongeniale Anfangsthema beispielsweise mit einer Solobratsche neu eingespielt, während man irgendwo fern im Hintergrund dem sonoren Brummen eines Verbrennungsofens im Krematorium lauscht". Da werden in den Momenten der schmerzhaften Überdehnung in den hohen Violinstimmen die Noten auf einmal länger und länger, die Zeit scheint förmlich erstarrt, einer Kälte, dem Kayschen Eisklumpen im Herzen nicht ungleich, remonstrierend, schwach und immer schwächer gegen die Häßlichkeit der Realität ankämpfend, zuletzt verstummend - und abermals auflebend, diesmal von Herbert dumpf unter jenes Eis gelegt, hervorbrechend - verlöschend. Das stetige Auf und Ab der Musik des Adagios, das unstete Hasten des Un- oder Halbwissenden, wieder das eingangs erwähnte Wähnen von Erschütterndem, gleichzeitig aber der Wunsch nach Vollendung - all dies, das in jeder halbwegs guten Einspielung der Zehnten dem letzten Gelegenheitslauscher klar werden dürfte, wird hier zu einer Gigantomanie der Überspitzung exponiert. Die simple Formel heißt: Effekte, wann die Musik einen Effekt nahebringen möchte. Die Überlegung liegt nahe, daß Mahler, mit den technischen Möglichkeiten der heutigen Zeit ausgestattet, die ein oder andere Herbertsche Nuance durchaus selbst zur Erprobung ins Notengewebe gesponnen hätte - sei es auch nur aus Jux - gerade Mahlers Oeuvre strotzt vor solchen Späßen.

So bleibt Herbert dem riesenhaften Torso linientreu, markiert gewissermaßen in einem Sütterlin-Manuskript die wichtigsten Aspekte mit neonfarbendem Edding. Schade nur, daß er bei der Kulmination nach Satzmitte lediglich beim altbekannten Neuntonakkord die Sau rausläßt (da dann aber auch das einzige Mal unter Zuhilfenahme des vollen DJ-Equipments!), den vorherigen, die Katastrophe erst so richtig grausam einleitenden Ausbruch nach as-moll jedoch weitestgehend ignoriert, indem er ihn in den Hintergrund blendet, den ahnungsvollen Mahler-Kenner (und nur solche sollten sich die vorliegende Einspielung zulegen) also gewissermaßen Luft holen läßt. Hätte ich anders gemacht, weil ich Mahler anders verstanden habe / zu haben glaube. Hier -und nur hier- werden sich die Geister scheiden.

Ansonsten hat Herbert aber etwas errichtet, was ich einem sicher als Tonkünstler zu bezeichnenden Mitglied der heutigen Mischpultgattung nicht zugetraut hätte: Wie weiland Deryck Cooke rekonstruiert er aus Mahlers Hinterlassenschaft zur Zehnten eine spezielle Aufführungsversion. Seine jedoch ist postmortem, posttraumatisch, ein im schönsten Licht verkokelnder Schmetterling. Tod & Wiedergeburt, die diese Musik ausmacht, wurden nie aussagekräftiger dargestellt.

4 1/2 Sternchen, weil der as-moll - Effekt keiner ist und hier EINMAL wider die Partitur gehandelt wird. :-)
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VINE-PRODUKTTESTERam 30. Januar 2012
Den Musik-Kenner /innen möchte ich nichts weiter hinzufügen, etwas Anderes treibt mich:

Für Außenstehende ist da sicherlich von Bedeutung, dass es auch um das Nacherleben geht: M. Herbert ist ja zu dem kleinen Haus hingefahren, wo Mahler komponierte; er hat sich selbst auch dort aufgenommen und - im Booklet sichtbar - verschiedentlich fotografieren lassen. Es ging ihm auch um das Neu-Erleben dieser Musik, da ja, wie es auch im Booklet steht, alle Zeitgenossen und Zuhörer von Gustav Mahler längst tot sind. Daraus schließe ich, dass es (ihm) wichtig war, alles wieder zu hören und durch besondere, hinzugewonnene Geräusche (besonders in Abschnitt 4) weiter fort zu interpretieren. "Eigentlich könnten ja auch mal die Vögel da draußen (= vor der Hütte) singen" dachte ich, um neben der Musik nicht nur die Dramatik des nahenden Todes in Form von Sirenengeheul u.a. zu hören. ... Und siehe, auch Vögel singen! ...

Allein schon die Lektüre des Booklets schafft meiner Ansicht nach eine besondere Möglichkeit der Nähe und Auseinandersetzung mit der Mahlerschen Musik. Es ist sehr überzeugend und liebevoll gestaltet. Lassen Sie auch diese Bilder und Gedanken auf sich wirken! Und das ist sicherlich ebenfalls ein Zugang. ...
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am 30. Januar 2011
Es handelt sich weniger um eine "Rekomposition" (ist der Titel so zu verstehen?) als um die Rekonstuktion und Interpretation eines Torsos. Herbert arrangiert den unvollendet gebliebenen Adagio-Satz der 10. Sinfonie neu, indem er die Einspielung des Philharmonic Orchestra unter Giuseppe Sinopoli zerstückelt, an verschiedenen Orten (Mahlers Komponierhäuschen in Toblach, aber auch Krematorium, Sarg und Leichenwagen) abspielen lässt, wieder aufnimmt, neu zusammensetzt. Einzelne (wenige) Passagen wurden mit Soloinstrumenten neu eingespielt. Wenn man zunächst an diesem Verfahren seine Zweifel haben könnte: es ergibt sich ein geschlossenes, klanglich makelloses Stück, das in den berühmten neun-notigen Akkord (mit dem das Werk abbricht) eindrucksvoll kumuliert und endet. Laut Herbert sollte "kein düsteres Mausoleum" entstehen, dennoch ist diese Interpretation von weit mehr Morbidität durchzogen als das dafür bekannte Adagietto der Fünften (nach Viscontis Film). Einzig bedauerlich, dass die CD wegen dieser Konzentration auf ein Stück nur eine Spieldauer von 37:30 Minuten hat. Ansonsten ein überaus gelungener Beitrag zum Mahler-Jahr.
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am 28. Februar 2011
Als die CD herauskam, begegnete ich sie mit einiger Skepsis und zögerte den Kauf. Doch die neugier überwog und ich riskierte es. Nach anfänglichem hören musste ich mich an AndrewsŽKonzept gewöhnen. Doch was er aus dem kopfsatz der 10. Mahlers gemacht hat ist visionär und zukunftsweisend, und in der musikwelt recht neu.Neue klangräume werden geöffnet, die nur mit studiotechnik zu realisieren ist, phasing,equalizing, reverbs, distortion, ring und filtermodulationen, alles klangmöglichkeiten, die man aus pop, rock, elektro kennt. Matthews aber verändert die komposition nicht, er erhält sie original, nur er fokussiert und beleuchtet das vorhandene klangmaterial aus verschiedenen perspektiven und räume auch mithilfe von aussen- und umweltgeräusche. etwas was in der kunstwelt (malerei, fotografie) schon längst existiert, (siehe auch andy warhols Bildadaptionen...). Das ist in der musikwelt neu, das ist visionär (wie mahlers 10. es auch war) und wird in der musik der zukunft eine bedeutende rolle spielen. Hier beginnt eine neue Musikepoche, gratulation!! (ich bin froh dabei zu sein und es mitzuverfolgen), 5 Stars!!!
22 Kommentare| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. August 2012
Erstaunlich was manche da glauben hineindichten zu müssen !
Ich habe es einige Mal versucht und komme über den angewidderten Ersteindruck nicht hinaus.
Schade für MAHLER : das hat er nicht verdient.
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