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Kundenrezensionen

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am 28. März 2007
Als langjähriger Neal Morse und Spocks Beard Fan habe ich nat. auch eine gewisse Erwartungshaltung an neue Alben dieser eben genannten Kollegen.

Ich kann jede Kritik nachvollziehen, die hier gepostet wurde. Allerdings frage ich mich, ob die Kritiker, die Morse vorwerfen, seit Jahren dieselbe Platte zu produzieren, selbst schon mal Musik gemacht haben.

Ich bin Berufsmusiker und leidenschaftlicher Progrocker.

Auch ich finde, dass Morse sich mit einigen Passagen auf der neuen CD (z.B Long Nights Journey - Long timer suffering von Snow und die obligatorische Flamenconummer) selbst kopiert hat und somit auch bei mir einige verwunderte Blicke verursacht hat.

Allerdings kann man nicht erwarten, dass er sich jedes Jahr neu erfindet.

Man kann es eben nicht allen recht machen.

Auch ich fand die CD bei den ersten Durchläufen im Player nicht so stark wie One oder ?. Doch nun, nach ca. 12 mal durchhoeren, habe ich immer mehr Gefallen an ihr gefunden. Geile,harte Gitarrenriffs, vertrackte Rhythmen, eben alles das, wofür ich (und viele andere) diesen Mann (musikalisch) lieben.

Da er in den vergangenen Jahren, insbesondere bei Spocks B. ausserordentlich gute Arbeit abgeliefert hat, ist die Erwartungshaltung

jedes mal nat. riesengroß. Andererseits macht ein Phil Collins seit 1989 keine gute Platte mehr und keiner scheints zu merken.Da lobe ich mir alle Morsescheiben, wo meiner Meinung nach, noch keine den Status "unterirdisch" verdient hat.

Aber es ist eben alles Geschmacksache.

Fazit: Alles in allem ne Top-Scheibe! Über die christl. Texte sage ich nix, darüber wurde schon zuviel geschrieben.Für die meisten ist die Musik ausschlaggebend und nicht die Texte.

Aufgrund der Selbst-Kopie an der ein oder anderen Stelle gibts nur 4 Sterne.
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am 21. März 2007
Dieser Mann ist einfach unwirklich. Jahr für Jahr erscheint ein neues Album und seit einigen Jahren werden sie zudem immer besser. Damit ist klar, ich liebe dieses Album. Denn wenn schon der Vorgänger "?" großartig war, so ist "Sola Scriptura" eine Rückbesinnung auf alte Stärken. Das Werk, das sich thematisch sehr lose um das Leben und Werk von Martin Luther dreht, weist sowohl vom Sound, der Instrumentierung als auch vom Songwriting Parallelen zu den frühen Werken von Neals alter Band Spock`s Beard auf (dabei erinnern die Stücke vor allem an "The Light" oder "At The End Of The Day").

Nun mögen dies einige Kritiker hier als ewige Wiederholung verpönen, aber diese sollten sich fragen, ob man anderen Künstlern ähnliche Vorhaltungen machen würde? Meines Erachtens ist die ehrliche Antwort darauf ein Nein! Denn letztendlich ist es doch so, dass es etwas Positives ist, auch vom Sound her ein Markenzeichen zu haben. So ist es bei den Gebrüdern Young von AC/DC und so ist es -wenn auch auf einer anderen musikalischen Ebene- bei Neal Morse.

Der Sound verleiht dem Album ein wohliges vertrautes Gefühl, dass sich da - obwohl es neu ist - was Bekanntes abspielt. Der Wiedererkennungswert ist extrem hoch und das gilt auch für die Qualität - sowohl in instrumenteller als auch in kompositorischer Hinsicht. Zudem es bei den ersten Solo-Werken nach dem Ausstieg von Morse bei Spock`s Beard eine bewussten Abkehr vom SB-Sound (den Neal nun mal maßgeblich geprägt, wenn nicht gar erschaffen hatte) gab und dafür musste er auch Häme und Kritik einstecken. Es scheint, dass er es seinen Kritikern auch gar nicht Recht machen kann, so er das denn je wollte.

Neal Morse gehört sicherlich zu den besten Songwritern im Bereich progressive Rockmusik. Wo andere Bands alleine auf die Stärke an ihren Instrumenten vertrauen, darüber aber leider viel zu häufig vergessen, dass alldem ein guter Song zu Grunde liegen muss, denkt Morse zuerst in Songstrukturen und Melodiebögen, ehe er sich der instrumentellen Ausgestaltung widmet. Das ist kein Hindernis sondern der einzig richtige Weg. Und diesen beschreitet Morse auch auf Sola Scriptura konsequent.

Zudem ist es nicht so, dass die beteiligten Musiker ihr Handwerk nicht verstünden, ganz im Gegenteil: Mike Portnoy (Dream Theater) gehört zu den besten Schlagzeuger, die man in diesem Bereich Musik auftun kann, dementsprechend grooven die Aufnahmen auch sehr schön, die Breaks sitzen und die Fills versüßen die Songs noch weiter. Bassist Randy George ist wie Mike Portnoy bei allen Solo-Aufnahmen von Neal seit dem Split von SB dabei. Und auch wenn er sicherlich nicht zu den bekanntesten Namen des Business gehört, so ist er ein überaus begnadeter Instrumentalist, der sich nie in den Vordergrund spielt, aber alle Unisono-Passagen mitgehen kann und auch das ein oder andere Mal mit einer schönen Melodie im Hintergrund brilliert. Als Solo-Gitarristen hat sich Neal Morse dieses Mal Paul Gilbert (ex-Mr.Big, Racer X) ins Studio geladen, der drei der vier Songs mit kurzen, knackigen aber technisch versierten Soli auf der E- und Akustik-Gitarre (im Flamenco-Stil) verziert. Den Hauptanteil der Arbeit übernimmt natürlich wieder der Meister selber: Gesang, Keyboards, Gitarre. Unterstützt werden die Musiker zudem von mehreren Streichern und einem Hornisten, die der Musik eine zusätzliche Tiefe geben.

Nun mögen einige bemängeln, dass Neal Morse auf seinen Solo-Werken fast ausschließlich über seine Bekehrung zum Christentum und seinen Glauben singt. Daran kann ich erst einmal nichts Schlimmes entdecken, es ist mir im Gegensatz zu den Texten zahlreicher Deutsch-Rapper, bei denen die Wörter Schlampen, Schwänze und ähnliches zum Repertoire gehören, immer noch lieber über spirituelle Erfahrungen zu hören. Oder sollte er immer wieder die gleichen Schnulzen über Liebe singen, wie es andere Rockbands tun? Dann doch lieber jemand, der aus Überzeugung von dem singt, was ihn bewegt.

Zumal es nicht so ist, dass es ständig Choräle von "Hosianna", "Amen", "Jesus", oder "O Lord" gibt auf diesem Album. Man kann es auch leicht überhören, dass es sich hier um ein Glaubensbekenntnis handelt. Auch hier steht - wie immer bei Neal Morse - die Musik im Vordergrund. Natürlich ist sie das Vehikel, um eine Botschaft zu transportieren, aber im Gegensatz zu vielen anderen hat er eben auch eine Botschaft.

Auch über die vorkommende Kritik, in ein Stück, das sich lose textlich mit einer Person des Mittelalters beschäftigt eine Flamenco-Gitarren-Passage einzubauen kann ich aber nur schmunzeln. Angesichts dessen, dass Neal Morse auch ansonsten bei diesem Werk recht wenig auf mittelalterliche Musik setzt, entbehrt dieser Vorwurf nun wirklich jeder Grundlage, denn ansonsten müsste er sich schon generell Chorälen und geistlicher Musik dieser Zeit bedienen, um nicht kritisiert zu werden.

Aber im allgemeinen scheinen mir das meist doch ideologische Grabenkämpfe zu sein, denn was man auf "Sola Scriptura" zu Hören bekommt sind 76 Minuten hervorragender progressiver Rock-Musik, die sich doch sehr an den guten alten Spock`s Beard-Zeiten und Sounds orientieren, ohne dabei aber wie ein billiger Abklatsch alter Ideen zu klingen. Vielmehr präsentiert sich Neal Morse hier wieder voller Elan und Kreativität und das macht "Sola Scriptura" zu einem wahren Hochgenuss und Fest für jeden Freund progressiver Rockmusik.
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am 28. März 2007
Mit Sola Scriptura liefert Morse sein sechstes Soloalbum: handelte es sich bei dem Vorgängeralbum Questionmark weitestgehend um ein Rockalbum mit einigen Prog-Elementen, so bei Sola Scriptura um das Gegenteil.

Das Album teilt sich insgesamt in vier Tracks, wovon drei Longtracks zu je 30min, 25min und 17min sind.

Wie in den Vorgängeralben werden auch hier bekannte Stilmittel wieder aufgegriffen, die Morsens Musik charakterisieren: die Verwendung eines Grundmotivs, einer Hookline; die häufigen, schnellen Taktwechsel, wodurch die Tracks dynamisch und spannungsreich strukturiert werden; die Instrumentierung aus Streich-, Zupf-, Schlaginstrumenten und Elektrophonen wie Geige, Gitarre, "klassisches" Schlagzeug und sonstige Percussions wie Congas, Bongos etc., und Synthesizer; dann der Wechsel und das Zusammenspiel von komplexen, technisch versierten Instrumental- und Gesangspassagen mit Lead- und BackingVocals.

Auch der von den Vorgängeralben One und Questionmark bekannte konzeptionelle und thematische Rahmen wurde bei Sola Scriptura wieder aufgegriffen, ungefähr in der Reihenfolge: die Entfremdung des Menschen von seinem Schöpfer Gott; die daraus resultierende Pervertiertheit, innere Leere, Verzweiflung und Sinnsuche des Menschen; die Hinführung zu Gott durch den christlichen Glauben; und schließlich die Versöhnung und Zusammenkunft mit Gott durch bewährten Glauben und Gottes Gnade. Nur daß sich dieser Themenverlauf dieses Mal innerhalb des von der römisch-katholischen praktizierten christlichen Glaubenssystems erstreckt.

Im Mittelpunkt des Albums steht der Kirchenreformator Martin Luther, der mit seinen Thesen die theologischen Grundfesten der katholischen Kirche erschüttert und dadurch (ungewollt) ihre Spaltung herbeiführt. In diesem Konflikt zwischen Luther und der Kirche ist Sola Scriptura auf der Suche nach der allumfassenden christlichen Wahrheit und erhebt sich damit zynischerweise selbst zum Dogma. So beschreibt Morse im Booklet zu Sola Scriptura das von ihm intendierte Konzept: "My purpose in making this album is to open people's eyes to the idea that the church that started out in the full light [...] went into darkness and is now in the process of coming back into the light. [...] Also, I am not trying to point to only one church that needs to be reformed, but rather that we should ALL look at the scriptures afresh to see what truth God wants to restore in THIS generation!"

Der Ausgangspunkt bei der thematischen Gestaltung dieses Albums ist also die Idee einer Gott beglaubigten Wahrheit, die im Urchristentum gepflegt, dann im Verlauf der mittelalterlichen Kirchengeschichte weitestgehend ignoriert worden ist und seit dem Beginn der Neuzeit wieder mehr und mehr ins Bewußtsein der Menschen gerückt wird. Damit führt Morse die Linie der Schwarz-Weiß-Malerei in seinen Texten fort und übersieht dabei das Wesensmerkmal von Licht, brechbar und spektral wandelbar zu sein. Das ist überhaupt die größte Schwäche an Morsens Lyrics, daß in ihnen die Kontroverse eindimensional, also als eine bereits an ein christliches Glaubenssystem behaftete Kontroverse stattfindet. Die Texte in Sola Scriptura sind also letztendlich bloße Glaubenskontroversen, die von einem neuprotestantisch und freikirchlich geprägten Glaubenschristentum ausgehen, in dem sich Morse heimisch fühlt.

Nichtsdestotrotz kann mich das Album mit geistreich ausgeklügelter Musik vollauf begeistern. Seine technische Komplexität, seine enorme Dynamik und sein homogenes Geflecht aus Härte und Sensibilität machen es für mich zum Primus in Neals Oeuvre.
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am 27. Februar 2007
Na, im Lateinunterricht auch immer schön aufgepasst? Nicht? Macht nix, denn Luther sei dank muss ja nicht mehr in Latein gesungen werden. Neal Morse textet auf seinem Konzeptwerk rund um den Kirchenreformer Martin Luther wie gehabt auf Englisch. Die ersten sechs der 95 berühmten Thesen gibt es im lateinischen Original in einem düster schön gestalteten Booklet als Zugabe, sodass man das schulische Wissen doch noch mal ein bisschen testen kann.

Musikalisch knüpft Neal Morse nahtlos an das fantastische "?" an und präsentiert ein 76 Minuten langes Progrock-Epos. Im Sound, Songwriting und Aufbau gibt es wenig Überraschungen. Glücklicherweise, denn warum sollte der Meister seines Fachs nicht für weitere Meisterwerke sorgen. Auch kaum überraschend, aber bemerkenswert: "Sola Scriptura" ist eines geworden, fällt qualitativ gegenüber ?" keinen Deut ab. Schon wieder hat Morse aus bekannten Einzelteilen ein neues Giganten-Puzzle zusammengesetzt. Und immer wieder schafft er es, die alten Puzzle-Stücke doch irgendwie auf magische Weise zu etwas Neuem zu verschmelzen.

Aus einem dramatischen Instrumental-Intro, gespickt mit allerlei rhythmischer Finessen aus der Schlagzeug-Trickkiste des Herrn Mike Portnoy und furiosen Gitarren- und Keyboard-Läufen kristallisiert sich rasch die erste von zahlreichen Ohrwurm-Melodien heraus: "In the Name of God". Und ewig weiter geht es im ausgewogenen Verhältnis zwischen Instrumentalpassagen - komplex und vertrackt, technisch zum Zungeschnalzen - und Gesangs-Parts, spannungsgeladen und effektverzerrt oder balladesk, in wunderbar klingenden mehrstimmigen Arrangements.

Der gut dosierte Balladenanteil ist außer dem frei stehenden "Heaven in my Heart" in den epischen Fluss des Albums eingebaut. So erlebt "All I Ask For" aus dem ersten von nur vier teils extrem langen Tracks gegen Ende eine Reprise in gesteigerter, atmosphärisch intensiver Form. Neal Morse weiß eben ganz genau, wie man ein musikalisches Finale schreibt. Auch das instrumentale Anfangsthema greift er ein paar Mal wieder auf und gibt seinem Konzeptwerk so den unerlässlichen roten Faden. Um sich an diesem durch die vier Tracks, aber zusammengenommen 19 Unterteilungen, hangeln zu können, braucht es schon ein paar Hördurchläufe. Und jeder einzelne vertieft aufs Neue den Genuss am schier unbeschreiblichen musikalischen Potpourri. Zu den Anleihen ganz frühen Genesis-Progrocks, Hammond-getriebenem Bluesrock, einem Gospeltouch mit Hintergrundsängerinnen und jazzigem Bar-Piano erinnert noch ein ausgedehnter Latin-Einschub ("Two Down, One to Go") ein wenig an "The Light". Gastsolist Paul Gilbert legt dabei ein paar "lovely fast flamenco bits" aufs Parkett. Ein weiterer Gilbert-Auftritt sorgt bei "Do You Know My Name?" trotz aller Morse'schen Routine für eine Überraschung: Heavy Metal! Die Frickelsoli erinnern vor allem an die Racer-X-Taten des früheren Mr.Big-Klampfers.

Morse hat auch dieses Mal den Aufwand nicht gescheut, klassische Instrumente auf seinem Album spielen zu lassen. Während die Bläser für ein bisschen Dramatik gut sind, sorgen die Streicher nicht nur für hintergründige Klangteppiche, sondern spielen zum Finale hin auch immer mehr Melodien mit - ein Touch von Kansas. Insgesamt wird wieder einmal deutlich, dass Morse für den genauen Gegensatz zu seinen mit straighteren und ausgefalleneren Kompositionen tendieren Ex-Kollegen Spock's Beard sorgt. So wird die Musikwelt quasi gleich doppelt bereichert. Qualitativ liegt Morse aber vorn. Wenn man "Sola Scriptura" mit etwas vergleichen will, dann am ehesten mit "Snow", wegen der großartigen Mischung aus wilden Instrumentalpassagen und (Balladen-)Melodien aus einer anderen Welt. "All I Ask For" und "Long Night's Journey" sorgen für die schönste Gänsehaut Morse'schen Songwritings seit "Open Wide the Flood Gates" und "Long Time Suffering".

Man kann ewig hin und her diskutieren, ob Neal Morse mit "Sola Scriptura" nun alten oder neuen Wein in neuen oder alten Schläuchen fließen lässt. Das Rad ist ja bekanntlich auch nur einmal erfunden worden - alle paar Jahrhunderte wurde lediglich aus Stein mal Holz mal Eisen mal Gummi. Zu den Weinen des Jahrgangs 2007 lässt sich definitiv sagen, dass der Morse-Keller reichlich gefüllt wurde mit allerhand, was ein sehr überdurchschnittliches Sonnenjahr zu bieten hat: trocken und lieblich, fruchtig und herb, rot, rosé und weiß, und auch der exklusive Eiswein mit hohem Öchslegrad. Alles handverlesen - nix für den Supermarkt, direkt vom Weingut ins Feinkost-Restaurant.
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Ich bin ja seit "Testimony" ein Neal Morse- Fan... gerade WEIL er seinen Glauben an Jesus in kreativer Musik verpackt. Aber auf "Sola Scriptura", einer Konzept- CD über den deutschen Reformator Martin Luther, höre sogar ich es: Langsam gehen dem guten Neal die musikalischen Ideen aus.

Dabei ist der halbstündige Opener "The Door" für meine Ohren noch das gelungenste Stück der ganzen CD. Der Konflikt des jungen Luther gegenüber der amtskirchlichen Machtpolitik wird in Grundzügen herausgearbeitet und gipfelt am (wahrscheinlich legendären) Aushang seiner Glaubensthesen am Wittenberger Kirchentor, untermalt von einem superstarken Gitarrensolo von Gastmusiker Paul Gilbert. Dann sollte die CD eigentlich vorbei sein...

...denn die Ideen, die Morse auf dem nun folgenden "The Conflict" verbrät, sind bestenfalls halbgar. Abgesehen vom fetzigen Anfangsriff (wieder Paul Gilbert) findet sich musikalisch wenig Hörenswertes, und textlich kommen auch nicht mehr viele neue Impulse. Peinlich und unfreiwillig komisch klingt für mich die Flamenco- Passage "Two down, one to go" - was hat das in einer CD über das europäische Mittelalter zu suchen? Vor meinem inneren Auge sehe ich den Cover- Mönch seinen Besen wegwerfen, um flamenco- style durch die Klostergemäuer zu tanzen - ich weiß nicht, ob ich lachen oder mich gruseln soll. Wäre es für dieses Thema nicht viel passender gewesen, gregorianische Gesänge und Kirchenorgel zu verwerten? Diese Chance wurde leider vertan. Danach folgt "Heaven in my Heart" - das ist eine gefällige Rockballade ohne besonderen Proganteil, ganz nett.

Das abschließende sechsteilige "The Conclusion" ist bedauerlicherweise der kreative Tiefpunkt der CD, beginnend bei "Randy's Jam", dessen Grundstruktur man von "?" schon kennt. "Long Night's Journey" ist mehr oder weniger "Long Time suffering" von "Snow" - bloß mit anderem Text... der Rest des Longtracks könnte auch von "Testimony" stammen. In "Clothed with the Sun" wird nochmal eine Passage aus "The Door" wiederholt, kurz darauf ist Schluss. Geschenkt und unnötig. Musikalisches Recycling. Hätte man weglassen können. Ohne "The Conclusion" wäre die CD immer noch 60 Minuten lang und etwas weniger ärgerlich.

Was bleibt? Morses Stimme ist immer noch klasse, die Musik ist hochprofessionell komponiert und eingespielt, die Produktion gewohnt fett und transparent, die "üblichen Verdächtigen" Randy George (Ajalon) am Bass und Mike Portnoy (Dream Theater) am Drumkit liefern souveräne Arbeit ab, neben Streichern, Bläsern und BackgroundsängerInnen sticht Gastgitarrist Paul Gilbert bei seinen Einsätzen positiv heraus. Und "The Door" ist echt starker Stoff. Zu wenig für die Höchstpunktzahl. Als Morse- Fan vergebe ich noch knappe vier Punkte.

Anmerken möchte ich noch, dass Morse in den Liner Notes schreibt, Luthers negative Eigenschaften, z.B. manche antisemitische Äußerungen, seien ihm erst während und nach den Aufnahmen richtig bewusst geworden - er habe kurz darüber nachgedacht, das Projekt einzustampfen, habe sich dann aber doch entschieden, ihn als Beispiel für aufrechten und lebendigen Glauben gegenüber einer erstarrten Kirche zu verwenden. Diesen Disclaimer finde ich gut - vielleicht wäre aber eine Überarbeitung des Projekts die bessere Entscheidung gewesen. Vor allem aus musikalischer Sicht. Vielleicht entstand "Sola Scriptura" einfach zu früh und zu schnell... es ist immerhin Morses elfte Studio- CD seit seiner Bekehrung vor sechs Jahren. Zählt mal mit: It's not too late, Bridge across forever, Snow, Testimony, One, Lead me Lord, God won't give up, ?, Send the Fire, Cover to Cover, Sola Scriptura... Morse sollte sein Tempo etwas drosseln.
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VINE-PRODUKTTESTERam 3. April 2007
Wer meint, dass sich Neal Morse wiederholt (wieder ein Konzept-Album, wieder eine christliche Thematik, wieder extrem filigran, himmlisch-melodisch, toll eingesungen, auf den Punkt & mit Über-Musikern produziert etc.), dem kann ich nur zustimmen. Und hinzufügen: BITTE, Neal, wiederhol Dich noch viele Male ! WER SOLCHE SONGS schreibt, darf das immer wieder tun. In diesem Fall zwar etwas härter, aber das lässt die episch-melodischen Teile nur noch intensiver wirken. Und sein Gesang steht (mal wieder ...) über allem. Das Album braucht mindestens fünf Durchläufe, dann entfaltet es langsam seine Magie, seinen Glanz, seine Schönheit. Mr. Morse ist - trotz Wiederholung - ein Luther-Epos in vier Akten modernster Rockmusik gelungen.
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TOP 1000 REZENSENTam 4. Februar 2013
Daumen hoch für eine richtig gute CD von Neal Morse. Da ich fast alle Tonträger von Neal Morse, Transatlantic, Spock's Beard und Flying Colors besitze, ist meine Einschätzung dieser CD im positiven Sinne nicht ganz vorurteilsfrei. Sola Scriptura kommt bei einigen Renzensionen nicht so gut weg. Wenn es sich hierbei um Neal Morse Religiosität handelt, kann ich diese negativen Urteile nachvollziehen. Wenn es aber um die Musik geht, bin ich der Meinung, dass es sich um ein äußerst gelungenes Album von Neal Morse handelt. Auch wenn sich Neal Morse oft selbst kopiert, wäre doch manch ein Progressive Rock Musiker froh mal solche Ideen zu haben. Dieses Album wurde im Vorlauf der Jahre zu einem meiner Lieblingsalben und deshalb gebe ich hierfür gerne 5 Sterne.
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am 10. Juni 2011
Sola Scriptura - betitelt Neal Morse sein 2007er-Album, wobei er auf diesem Werk, meiner Meinung nach, weniger durch die Schrift, als vielmehr durch die vier großartig arrangierten Songs glänzt. Ganz im musikalischen Stile von - Transatlantic - verwöhnt uns Neal zu Beginn an gleich mal mit dem 30-minütigen Epos - The Door - das in sechs Kapitel unterteilt ist. Sowohl - The Door - als auch das darauffolgende 25-minütige - The Conflict - sind für mich zwei der besten Long-Songs jenseits der 20-Minutenmarke. Was Neal und seine Band hier abliefern ist in jeglicher Hinsicht absolut großartig, um nicht zu sagen einmalig.

Heaven in my heart - ist dann, wenn man die Assoziation zu Transatlantic beibehält, das sogenannte - Brdge Across Forever - eine exzellente, ruhige Ballade, wunderschön gesungen und auf emotionaler Ebene fabelhaft inszeniert.

Mit dem fast 17-minütigen - The Conclusion - das ebenfalls alle Stärken und Fassetten eines großartigen Long-Songs enthält, kommt Neal zu der textlichen (schriftlichen) Konklusion - Sola Scriptura - dass Gott mit seinem Willen die Welt verändern könnte, aber dazu dich (den Hörer) benötigt, um sein Ziel zu erreichen.

Da ich das, was Neal - oder Gott - hier forderen schon gut 20 Jahren vergeblich in meinem Beruf als Sozialpädagoge versuche, und dabei regelmäßig - ohne etwas ändern zu können - mit Anschauen muss, wie sehr viele Kinder von ihren Eltern oder von professionellen Verantwortlichen in Erziehungseinrichtungen zugrunde gerichtet werden, fehlt mir am Ende, trotz der hervorragenden Musik, der Glaube an die Richtigkeit dieser Konklusion, und vor allem der endgültige Beweis dafür, ob es tatsächlich einen Gott auf, oder über dieser schrecklichen Welt gibt.
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am 7. Juli 2007
In Zeiten von kurzlebigen MTV-Produktionen, in denen sich die Interpreten vorwiegend auf sexlastige Videos, vulgären Sprachgebrauch und ewige 4-Takt-Wiederholungen verlassen, um ihre Machwerke auch am gesättigten Einheitsmarkt abzusetzen, sind Scheiben wie die hier rezensierte das Salz in der Suppe.
Das weitläufige Genre des Prog-Rock hat es durch Künstler wie Herrn Morse, Dream Theater, Devin Townsend etc. nicht notwendig, sich selbst immer tiefer ins eigene Klischee zu graben. Sola Scriptura ist keine Scheibe, die stückerlweise im 64 kbyte/sec-Format die MP3-Player in der U-Bahn füllt. Man legt sie abends gemütlich in den CD-Spieler und taucht ohne Anstrengung in eine achzigminütige Atmosphäre voller Musikalität ein. Es ist von allem etwas dabei: Ungerade Takte, Gitarrensoli, Balladen, kraftvolle Stimmen, die einen nicht mit nutzlosem Motherfucker-Gelaber reizen, sondern sich gut ausbalanciert einem uralten Thema widmen. Kritikern von religiösen Texten muss ich in diesem Fall entgegenhalten, dass es sich bei den dargebrachten Kompositionen nicht um Kommerz-Gospel-Halleluja handelt. Es ist im Gegenteil recht erfrischend, mit welchem Selbstverständnis Herr Morse seinen Glauben musikalisch auszudrücken vermag.
Für Musiker ist das ohnehin meist zweitrangig, denn die schätzen es, wenn einer ihrer Zunft sein Handwerk so bunt und ausgewogen beherrscht. Herr Jon Bon Jovi oder Herr Jagger könnten sich jede Menge davon abschauen, wären sie zu einer anderen Zeit ist Rock-Business eingestiegen.
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am 21. März 2007
Dieser Mann ist einfach unwirklich. Jahr für Jahr erscheint ein neues Album und seit einigen Jahren werden sie zudem immer besser. Damit ist klar, ich liebe dieses Album. Denn wenn schon der Vorgänger "?" großartig war, so ist "Sola Scriptura" eine Rückbesinnung auf alte Stärken. Das Werk, das sich thematisch sehr lose um das Leben und Werk von Martin Luther dreht, weist sowohl vom Sound, der Instrumentierung als auch vom Songwriting Parallelen zu den frühen Werken von Neals alter Band Spock`s Beard auf (dabei erinnern die Stücke vor allem an "The Light" oder "At The End Of The Day").

Nun mögen dies einige Kritiker hier als ewige Wiederholung verpönen, aber diese sollten sich fragen, ob man anderen Künstlern ähnliche Vorhaltungen machen würde? Meines Erachtens ist die ehrliche Antwort darauf ein Nein! Denn letztendlich ist es doch so, dass es etwas Positives ist, auch vom Sound her ein Markenzeichen zu haben. So ist es bei den Gebrüdern Young von AC/DC und so ist es -wenn auch auf einer anderen musikalischen Ebene- bei Neal Morse.

Der Sound verleiht dem Album ein wohliges vertrautes Gefühl, dass sich da - obwohl es neu ist - was Bekanntes abspielt. Der Wiedererkennungswert ist extrem hoch und das gilt auch für die Qualität - sowohl in instrumenteller als auch in kompositorischer Hinsicht. Zudem es bei den ersten Solo-Werken nach dem Ausstieg von Morse bei Spock`s Beard eine bewussten Abkehr vom SB-Sound (den Neal nun mal maßgeblich geprägt, wenn nicht gar erschaffen hatte) gab und dafür musste er auch Häme und Kritik einstecken. Es scheint, dass er es seinen Kritikern auch gar nicht Recht machen kann, so er das denn je wollte.

Neal Morse gehört sicherlich zu den besten Songwritern im Bereich progressive Rockmusik. Wo andere Bands alleine auf die Stärke an ihren Instrumenten vertrauen, darüber aber leider viel zu häufig vergessen, dass alldem ein guter Song zu Grunde liegen muss, denkt Morse zuerst in Songstrukturen und Melodiebögen, ehe er sich der instrumentellen Ausgestaltung widmet. Das ist kein Hindernis sondern der einzig richtige Weg. Und diesen beschreitet Morse auch auf Sola Scriptura konsequent.

Zudem ist es nicht so, dass die beteiligten Musiker ihr Handwerk nicht verstünden, ganz im Gegenteil: Mike Portnoy (Dream Theater) gehört zu den besten Schlagzeuger, die man in diesem Bereich Musik auftun kann, dementsprechend grooven die Aufnahmen auch sehr schön, die Breaks sitzen und die Fills versüßen die Songs noch weiter. Bassist Randy George ist wie Mike Portnoy bei allen Solo-Aufnahmen von Neal seit dem Split von SB dabei. Und auch wenn er sicherlich nicht zu den bekanntesten Namen des Business gehört, so ist er ein überaus begnadeter Instrumentalist, der sich nie in den Vordergrund spielt, aber alle Unisono-Passagen mitgehen kann und auch das ein oder andere Mal mit einer schönen Melodie im Hintergrund brilliert. Als Solo-Gitarristen hat sich Neal Morse dieses Mal Paul Gilbert (ex-Mr.Big, Racer X) ins Studio geladen, der drei der vier Songs mit kurzen, knackigen aber technisch versierten Soli auf der E- und Akustik-Gitarre (im Flamenco-Stil) verziert. Den Hauptanteil der Arbeit übernimmt natürlich wieder der Meister selber: Gesang, Keyboards, Gitarre. Unterstützt werden die Musiker zudem von mehreren Streichern und einem Hornisten, die der Musik eine zusätzliche Tiefe geben.

Nun mögen einige bemängeln, dass Neal Morse auf seinen Solo-Werken fast ausschließlich über seine Bekehrung zum Christentum und seinen Glauben singt. Daran kann ich erst einmal nichts Schlimmes entdecken, es ist mir im Gegensatz zu den Texten zahlreicher Deutsch-Rapper, bei denen die Wörter Schlampen, Schwänze und ähnliches zum Repertoire gehören, immer noch lieber über spirituelle Erfahrungen zu hören. Oder sollte er immer wieder die gleichen Schnulzen über Liebe singen, wie es andere Rockbands tun? Dann doch lieber jemand, der aus Überzeugung von dem singt, was ihn bewegt.

Zumal es nicht so ist, dass es ständig Choräle von "Hosianna", "Amen", "Jesus", oder "O Lord" gibt auf diesem Album. Man kann es auch leicht überhören, dass es sich hier um ein Glaubensbekenntnis handelt. Auch hier steht - wie immer bei Neal Morse - die Musik im Vordergrund. Natürlich ist sie das Vehikel, um eine Botschaft zu transportieren, aber im Gegensatz zu vielen anderen hat er eben auch eine Botschaft.

Auch über die vorkommende Kritik, in ein Stück, das sich lose textlich mit einer Person des Mittelalters beschäftigt eine Flamenco-Gitarren-Passage einzubauen kann ich aber nur schmunzeln. Angesichts dessen, dass Neal Morse auch ansonsten bei diesem Werk recht wenig auf mittelalterliche Musik setzt, entbehrt dieser Vorwurf nun wirklich jeder Grundlage, denn ansonsten müsste er sich schon generell Chorälen und geistlicher Musik dieser Zeit bedienen, um nicht kritisiert zu werden.

Aber im allgemeinen scheinen mir das meist doch ideologische Grabenkämpfe zu sein, denn was man auf "Sola Scriptura" zu Hören bekommt sind 76 Minuten hervorragender progressiver Rock-Musik, die sich doch sehr an den guten alten Spock`s Beard-Zeiten und Sounds orientieren, ohne dabei aber wie ein billiger Abklatsch alter Ideen zu klingen. Vielmehr präsentiert sich Neal Morse hier wieder voller Elan und Kreativität und das macht "Sola Scriptura" zu einem wahren Hochgenuss und Fest für jeden Freund progressiver Rockmusik.
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