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am 22. September 2017
Schon recht heftig dieser Film... Ja also was soll man sagen. Zunächst einmal - das ist kein Film den man sich mal eben so zwischendurch anguckt wie ich finde.
Die Stimmung ist sehr sehr düster. Dafoe als Therapeuth versucht seine Frau psychisch wieder fit zu bekommen nachdem ihr gemeinsames Kind gestorben ist. Dazu fahren sie raus in einen Wald zu einem Holzhaus wo sie offenbar Zeit mit ihrem Kind verbracht haben. Soviel zum Inhalt.
Wie schon angesprochen ist der Film sehr sehr düster und hat über verschiedene Kapitel immer wieder unterschiedliche Stimmungen zuerst traurig, dann fast schon beruhigend und dann wird es überraschend drastisch.
Die Szenen und Kameraaufnahmen sind sehr atmosphärisch und perfekt eingefangen um das Trauma der Frau darzustellen. Dazu kommt die Musik/Sounds welche die Stimmung der Bilder sehr gut untermalt, die wirklich häufig sehr surrealistisch und realitätsfehrn erscheinen.
So ziemlich nichts ist hier 08/15. Das Szenario die Bilder und die Musik erzählen eine intensive schon eher perverse aber dennoch fesselnde Geschichte. Sie ist durchsetzt mit Rätseln die sich in verschiedenen Szenen widergeben und sich am Ende logisch zusammenfügen.

Fazit: Ein Film der seinen Plot verdammt gut einfängt. Ob es jedem gefällt bezweifle ich ehrlich gesagt aber das was er macht macht er sehr gut. Wer bis zum Ende durchhält der wird rätselhafte Szenen vom Anfang schließlich verstehen. 4 Sterne da die permanente dunkle Stimmung für mich tatsächlich sehr intensiv und erdrückend war.
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am 4. August 2017
Nun was soll man sagen ... mir fehlen, nach diesen 100 Minuten die Worte.

Lars von Trier hat hier ein Kammerspiel für 2 Darsteller inszeniert, das sich endlich mal wieder die nötige Zeit für die Figuren nimmt. Das was von so vielen als langweilig empfunden wird, ist nichts anderes als eine Errungenschaft von Hollywood. Schnelle Schnitte, austauschbare Charaktere und schlechte, alles erklärende Dialoge. Nichts anderes wird jeden Tag produziert.
All das sucht man in Antichrist (Gott sei Dank) vergebens. Trier nimmt sich Zeit für seine 2 namenlosen Protagonisten. Und das obwohl Zeit in unserer Gesellschaft mehr und mehr zur Ressource und zum Luxusgut verkommt. Viel zu selten nimmt man sich Zeit für sich oder einen anderen Menschen, dabei macht gerade das den Menschen und das Leben aus.
Durch dieses Mittel und die Arbeit mit assoziativen Bildern schafft es Trier eine Geschichte zu erzählen, die einen auf sich selbst zurückwirft und mit der Bewertung alleine lässt.

Wieso genau nicht verstehen von den meisten Menschen immer zu einer schlechten Bewertung eines Films führt werde ich nie verstehen. Mir bleiben auch einige Fragezeichen, aber genau das ist doch das spannende an einem Film und sorgt doch dafür das man nachdenkt. Viel zu oft wird einem das abgenommen.

Was ist hier gut und was böse?
Der Therapeut der seine Frau von der Trauer über den Verlust des Sohnes heilen will? Die Frau, die an Depressionen leidet und sich im Zuge der Konfrontationstherapie in das Thema ihrer Desertation reinsteigert und schlussendlich an der (nicht) Bewältigung der ganzen Situation zerbricht, sich selbst die Schuld gibt und alles was weiblich (böse?) an ihr ist auslöschen will?

All das sind Fragen, die sich mir gestellt haben, aber nicht von Trier beantwortet werden. Und so begibt man sich, wenn man sich den darauf einlassen will, selber ein Stück in sich rein.

Ein Kritikpunkt, den man in den Bewertungen öfters zu lesen bekommt ist die pure Darstellung von Gewalt. Und auch wenn ich sonst ein Freund der Zeichenhaftigkeit bin, so macht genau dieser rohe Umgang damit die Figuren so stark. Plötzlich sieht man das animalische. Immer stärker werden diese 2 Menschen die sich in den Wald zurückziehen ein Teil der Natur und werden auf das ursprüngliche zurückgeworfen auf das Tier im Menschen.

Bei all den Bildern, darf man nicht die 2 grandiosen Hauptdarsteller vergessen. Dafoe und Gainsbourg spielen differenziert. Mal verletzlich, mal animalisch, mal liebevoll. Ein auf und ab. Und nur bei dem bloßen Gedanken die Abgründe dieser Frau zu erfassen und sich darin fallen zu lassen, kann ich nur sagen Hut ab!

Fazit:
Ein Film abseits des Mainstreams, der durch grandiose, assoziative Bilder besticht und versucht die Gedanken einer depressiven Frau zu erfassen. Ganz klar nichts für schwache Nerven. Der Film ist keine leichte Kost und wohl eher nichts für einen Samstagnachmittag mit der Familie. Aber wer sich darauf einlässt und nicht abschrecken lässt, der wird einen Film erleben der sich Zeit lässt und endlich mal wieder einen Schritt in Richtung Kunst wagt und nicht nur zum Popcorn. Denn eine Sache ist sicher, seinen Kopf ausschalten kann währenddessen und auch danach nicht.
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am 1. August 2017
Sagenhafte Schauspieler. Alle beide. Ich habe den Film gerade zu Ende gesehen und bin noch etwas benommen. Der Film fällt aus Norm. Er ist von Anfang bis Ende spannend, wird immer spannender. Er ist auch teilweise brutal und häßlich. Dennoch bleibt für mich das Gute zurück und siegt. Und nochmal, die Schauspieler sind hervorragend und überzeugend in ihren Rollen.
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am 10. August 2017
Nach " Antichrist" ist nichts mehr wie es war!
Zumindest wenn der Zuschauer zeitlebens bestimmte Assoziationen, die innerlich im Verlauf des Films erzittern ließen nun auf ewig mit dem nachtschwarzen Filmmonolith verbinden wird. Eicheln, die mit dumpfen Klackern von Bäumen über ein Holzdach kullern , sie werden zum Synonym für ausweglose Angst und erstickende Einsamkeit. Ein moderiges Holzhaus im Dickicht von feuchten Nebelschleiern umhüllt, es wird für immer an " Eden", das Zentrum von psychischer und physischer Zerstörungskraft , von entfesselten Dämonen in uns und in der Natur im tiefen grausamen Märchenwald erinnern und Händels wehmütiges melancholisches Rinaldo, für alle Ewigkeit wird es uns jetzt das Herz für Augenblicke in tiefen Wunden aufreissen, weil es in der Erinnerung mit den bestürzenden Visionen und poesievollen Schmerzenstableaus von " Antichrist" verbunden ist.

Ist Lars von Trier der interessanteste und aufregendste lebende Filmregisseur, einer der uns mit auf bestürzende unvergessliche Seelenwanderungen nimmt, dorthin wo im innersten Labyrinth der Emotionen und des Unterbewusstseins das Unaussprechliche, das urbane, finstere und Unwägbare lauert ? Wer kann nach " Antichrist" und jedem anderen seiner aufwühlenden Innenwanderungen noch daran zweifeln. Ein Film wie ein apokalyptisches Donnergrollen der ungeheuerlichen menschlichen und göttergleichen Erschütterungen.
Gott gibt es ihn überhaupt ? Teufel, ja dich spüren wir und wir ahnen von dem lichtlos unendlichen Universum da draussen und in uns . Fürwahr diese Natur der Welt ist Satans Kirche und in dem ewigen Strudel das Häuflein Mensch, das rettungslos nach einem Ankerpunkt in dem Chaos des Daseins sucht.

Mit hypnotisierenden Schwarz /Weiß Kompositionen beginnt " Antichrist". Die Klänge von Händel , die kunstvolle Montage der einzelnen Eindrücke, sie sind es schon, die bereits in den ersten fünf Minuten fast jedes cineastische Werk in über einem Jahrhundert Filmgeschichte an emotionaler Suggestivkraft in den Schatten stellen.
Was für ein barockes , seelenzerfaserndes und überwältigendes Ende bereits im Anfang. Ein Paar beim Sex. Phallus stösst in Zeitlupe in Vagina , Körper verschlingen sich traumwandlerisch verlangsamt in Exstase. Ein kleines Kind klettert derweil im Nebenzimmer langsam aus seinem Gitterbettchen. Bei der klagenden bittersüssen Melodie von Händels Rinaldo verschmelzen gleichzeitig Mann und Frau in Lust und berauschender Entgrenztheit. Märchenhafter, so dass wir selbst mit grossen Kinderaugen staunen, fielen in diesem Moment noch nie weisse Schneeflocken vor dem Fenster eines Kinderzimmers. Magisch strahlende kleine Kristalle, schwebend vom geheimnisvollen schwarzen Nachthimmel. Zum offenen Fenster zieht es den kleinen Sohn, wie ein kleiner Häwelmann klettert er unbeholfen und neugierig auf den Fensterrahmen, blickt in das Licht des Mondes. Der Abgrund unter ihm so sanft und still, das Strassenpflaster so weich verhüllt von daunenhaftem Schnee und in der feierlichen Trance der Bilder stürzt das Kind aus dem Fenster, während Mutter und Vater sich im Orgasmus verströmen.
In zärtlicher Unausweichlichkeit stürzt mit ihm auch das Leben und die Welt zusammen. Absurdität der parallel montierten Szenen in einer teuflischen Dialektik zwischen einem archaischen Akt der Lust , des Ursprungs, des Leben erschaffens und gleichzeitig dem brutalen Erlöschen eines so zarten kindlichen Herzschlags auf dem schneebedeckten Asphalt der Strasse . Eros ,Vereinigung und Befruchtung contra Thanatos , Trennung und Vernichtung .
Wie weiterleben mit der zu Boden drückenden Schuld, das eigene Kind unbeaufsichtigt gelassen zu haben mit tödlicher Folge während man sich hingab in die Exstase ?
Auf dem Beerdigungszug , suggestiv beklemmend gefilmt aus dem Blickwinkel des kleinen Sarges, stürzt kraftlos die schuldig gewordene nun verwaiste Mutter auf den Gehweg . Der Vater des toten Kindes wird sie aufrichten, wie einst Jesus aufgerichtet wurde und das marternde Kreuz weitertrug bis zur Hinrichtung auf der Schädelstätte...

Nach wenigen Minuten sind wir schon mit allen Sinnen in das finstere, so soghafte Universum des Lars von Trier eingetaucht. Was jetzt folgt ist an schockierender Tiefgründigkeit, komplexer formvollendeter dunkler Faszination nicht zu überbieten. Schauspielerisch nicht und auch nicht in einer zermürbenden, klaustrophobischen Inszenierungskraft, die uns völlig in den Bann schlägt und die in ihrer furchterregenden Schönheit , epischen Grausamkeit und kryptischen Märchenmystik verstört und verzaubert . Wir sind viele und nur die wenigsten unserer Gesichter und inneren Abzweigungen in das Dunkel kennen wir bereits . In den grotesken Bildern von "Antichrist" atmen und flüstern alle Rätsel in uns und der wilden Natur im ewigen, zermürbenden Spiel der Geschlechter. Intuitiv beunruhigende Ahnungen von uralten kosmischen Zusammenhängen wirken in diesem Werk , deren unheilvolle transzendente Macht wir spüren , vor denen wir in feierlicher Ehrfurcht und Angst erzittern, die wir aber als Mensch niemals mit Händen greifen können.
Der Mann ( Harvey Keitel) ist ganz der bodenständige Psychotherapeut und fühlt sich in selbstherrlicher Arroganz berufen, die entsetzlichen seelischen Verwerfungen seiner Frau nach dem Unfalltod des gemeinsamen Kindes alleine auffangen und lindern zu können.
" Du musst den Mut haben in der Situation zu bleiben, die dir Angst macht. Dann wirst du feststellen, dass Angst nicht gefährlich ist", beschwört er die verzweifelt in der Nacht vor Trauer und Hoffnungslosigkeit um sich Schlagende. " Wir gehen zu dem Ort, der dir am meisten Angst macht " .
Die schwer traumatisierte Mutter heilen durch eine abstruse Konfrontationstherapie?
Die Tabletten gegen die tiefe Depression werden in der Toilette heruntergespült. Der Mann, als nüchterner, rationaler Macher, ganz seiner tumben , einfühlungsschwachen, männlichen Geschlechterrolle verpflichtet , der die Situation und die schwache Frau kontrollieren und in einer Radikalkur heilen will und doch so wenig wirklich von dunklen emotionalen Verstrickungen , feinnervigen unterschwelligen Schwingungen in den Sinnen und den (femininen) Seiten der archaischen Natur der Seele versteht.
" Die meiste Angst hatte ich vor einem Jahr in unserem Waldhaus Eden. Dort hörte ich zum ersten Mal das Weinen und Schreien von all den Dingen, die sterben müssen".
Eden, in diese abgelegene Waldhütte wird sich nun das einsame innerlich verbrannte Paar zurückziehen, um die Dämonen der Seele zu heilen.
Welch ein vermessener Trugschluß und die vernichtende Katastrophe ist vorprogrammiert. " Szenen einer Ehe" als seelenzerfleischender Alptraum , der den Atem stocken lässt, in dem Wirklichkeit, archaische Legenden, Paranoia und Wahnsinn verschwimmen.
" Das Chaos regiert", wird ein sprechender Fuchs im Fabelwald mit hochgezogenen Lefzen sagen. Die drei Bettler , mythische schicksalshafte Wesen ähnlich den drei Reitern der Apokalypse werden sich in den Zeichen einer bedrohlichen Natur ankündigen und am Ende ist sie da, wie ein alttestamentarischer Sturm aus Blut und Vernichtung, die Hölle aus Selbstverstümmelung, Hass und Qual.

"Antichrist" ist bestürzende, grotesk zermürbende Partnerschaftshölle , die sich in ausuferndem Grauen entlädt. Triers Opus Magnum ist in seinem unbeschreiblichen Facettenreichtum , in seinen brillanten Metaphern, Anspielungen und Symbolen vor allem auch ein erstickendes, nervenzerreissendes und explizites Horrordrama, das tief in uns gärt und wühlt und zu dem jeder seinen eigenen Zugang finden wird, wenn er sich völlig den schauerpoetischen Martyrienbildern ergibt.
Die Natur des Bösen oder das Böse und urbane Wilde in der Natur ist allgegenwärtig, und Mann und Frau letztendlich zwei Raubtiere ,die mit reissenden Zähnen und Klauen , um die Vormachtsstellung , das Überleben kämpfen . Mehr und mehr verwischen Trugbild und Wirklichkeit, Überlieferung und finsterer Naturglauben vermengen sich mit destruktiver psychologischer Abgründigkeit. Sprechende Tiere, uralte Überlieferungen von Hexen und Hexenverfolgung. Draussen vor der Hütte eine schwere , giftgrün satte, undurchdringliche Naturidylle hinter der die Dimension des Horrors lauert. Erlösung ist nicht vorgesehen. In einer Welt in der kleine Kinder mit zerschmetterndem Schädel auf dem Asphalt liegen, muss der Satan regieren und Dämonenkult ist nicht weit.
Leicht nervös, fast unmerklich zittert oft der Bildausschnitt, denn labil und brüchig ist das, was wir glauben als Realität zu erkennen.
" Gut und böse haben nichts mit Therapie zu tun" sagt der Mann einmal. Dummes Gutmenschen - Therapeutengeschwafel. Denn was, wenn es das Böse als elementare Ur-Macht wirklich gibt ? Was wenn die Hexenverbrennungen aus Sicht des naturentfremdeten Mannes berechtigter Selbstschutz waren, weil die archaische originäre Wucht des ewig Weiblichen als wilde ungebändigte Leben spendende und Leben nehmende Allmacht der Mutter (!) Natur existiert, der die Männlichkeit in ihrer stumpfen Abkehr von allem spirituellen und dem maskulin verblendeten Glauben an Fortschritt und Rationalität in finaler Konfrontation nichts entgegenzusetzen hat ?

Der Mann, der glaubte sich über die Psyche der Frau altklug erheben zu können, und die Geheimnisse der weiblichen, den Naturelementen verbundenen Psyche in schlaue vorgefertige Therapieformeln packen zu können; er wird lernen müssen. Auf bitterste, schockierendste Weise wird er auf den nackten Überlebenswillen reduziert sein , wie ein Vieh. Erde zu Erde und Fleisch zu Fleisch. Ein Stück reissendes Tier mit Instinkten und Trieben, das der Mensch im Kern nun einmal ist , und was vergessen scheint in den arroganten Bestrebungen von Psychotherapie in einer vordergründig erfolgreichen Domestizierung in den Korsetts der Zivilisation.
Von seiner eigentlichen Natur entfernter Mann, ihm gegenüber die Frau , für immer viel feinnerviger verbunden mit selbiger und der Teufel als Ausdruck des Chaos der Natur, Herrscher über Fressen und Gefressen werden, Ausdruck des Irrationalen, der Anarchie. Der Antichrist, ist er zu finden in der unberechenbaren , viel intuitiveren weiblichen Natur ? Bis in die griechische Mythologie könnte man die Janusköpfigkeit der Frau als Schicksalsgöttin sowohl Schöpferin als auch Vernichterin zurück verfolgen. Allein schon durch die Fähigkeit gebären zu können und den Monatszyklus ist sie viel mehr Teil bilogischer Naturprozesse. Demgegenüber steht die Angst der Männer, die nicht willens oder fähig sind von diesem femininen Wissen zu partizipieren, weil sie Macht und Kontrolle verlören und deshalb diese Urkraft von Natur, weiblicher Sexualität, weiblicher Intuition seit Jahrhunderten in die Schranken weisen wollen. Diese Thesen so geschickt und hintersinnig in eine mythologisch, dunkle Horrorfabel zu packen , macht unter anderem " Antichrist" zu einem wirklich ernsthaft durchdachten emanzipierten Werk.
Doch Trier glaubt nicht an eine Neuordnung raus aus dem zerstörerischen Geschlechterkrieg. Ganz im Gegenteil, womöglich ist alles genauso im ewigen Kreislauf des Bösen vorherbestimmt. Am Ende wird sie brennen, die Hexe und der Mann, der den Scheiterhaufen entzündet , hat seine gesamten wohlgeordneten, so aufgeklärten und fortschrittlichen Lebensüberzeugungen verloren. Ein wildes , verwundetes , impotent geschlagenes Tier ist er nun, das sich von Wurzeln und Beeren ernährt. Fast höhnisch blickt der Film auf den derart qualvoll zur Natur Bekehrten.
Lars von Trier schlägt in diesem Kammerspiel der Eigen- und Fremdzerfleischung radikale , finstere und auch überaus gallige Töne an.
Womöglich ist der immer als Frauenhasser ( völlig unverständlich für mich ) verschrieene Regisseur viel mehr wirklicher (!) Frauenversteher, als viele meinen und dennoch ist die wahre funkelnde Grösse von " Antichrist" ,dass man all dies so sehen KANN, aber auch jede andere Deutung möglich ist. Das macht ein wahres Meisterwerk aus.

Schmerz, Verzweifelung und Gram , so heissen in der Aufschrift drei Spielzeugfiguren, die zu anfang auf dem Tisch des kleinen Jungen stehen, der so tragisch sterben muß. Die Synonyme finden sich wieder in den drei Bettlern, die sowohl als Sternenkonstellation wie auch als Tiere aus dem Fabelreich den Tod verheißen. Unfassbar in wie vielen aufregenden und unheilvollen Denkebenen sich " Antichrist" verknüpfen lässt. Surreal und verstörend, sodaß es uns die Kehle vor Beklommenheit und Irritation zuschnürt ,werden Angstzustände, dunkle Ebenen von Sexualität, verstecktem und offenem Sadismus und Masochismus in hypnotischer Bild-und Tondramaturgie bildhaft gemacht.
Draussen im dunklen Wald ertönt dazu das Wehklagen eines Säuglings und aus einem riesigen Holzstumpf unter dem die nackten Körper lustvoll keuchend verschmelzen, ragen in Fieberträumen bleiche Körperteile von Leichen.
" Antichrist" wird zu einem furchterregenden , archaischen Amoklauf der Geschlechter. Allein im Wald, da gibt es nur noch du oder ich, im Todesringen Mann/ Frau . Es zählt ausschließlich das Überleben und Vernichten, Macht oder Ohnmacht des anderen. Unüberbrückbar sind die Unterschiede zwischen Adam und Eva geworden, oder waren sie es zu allen Zeiten ? Schockierend wie Trier Kastratationsängste und Selbstbestrafung auch durch Verstümmelung der Geschlechtsorgane hier zu einem unbeschreiblich grausamen, lyrischen Todescreszendo vereint. Menschheitsdämmerung ; Friedrich Nietzsche trifft auf De Sade in blutbesudeltem Grand Guignol Mysterienspiel.
Der Mann, der die Ordnung und das Funktionieren der Partnerin wieder herstellen wollte , er war sich der Gefahr nicht bewusst, die in Natur und Frau erweckt werden kann.

" Antichrist" ist ein virtuoser, expliziter und unheilvoller Ausnahmefilm, der das Denken und Fühlen noch tagelang beschäftigt. Harvey Keitel und Charlotte Gainsbourgh in einer schauspielerischen Tour de Force, die sprachlos macht. " Antichrist" beschreibt in erster Linie weder ein Trauma noch die Stadien einer Depression, sondern Trier scheint mit " Antichrist" die Bösartigkeit und Destruktivität der gesamten menschlichen Schöpfungsgeschichte im Blick zu haben. " Antichrist" wirkt wie ein biblischer Sündenfall . Geburt und Tod, Vertrauen, Kontrolle und Zivilisation , alle Regeln, Formeln und Sicherheiten sind ausser Kraft gesetzt. Was bleibt ist das Wilde, Dunkle, Organische, Widersprüchliche, Naturmächtige in schauerpoetischer Faszinationskraft , die in Endlosschleifen zur Eigeninterpretation einlädt in einem dunkel verführerischen Meisterwerk, das alle Sinne berauscht. Wie schon anfangs erwähnt , man wird Händel anders hören nach diesem Film und auch der Wald, als Kultstätte des Verborgenen und Unterbewussten wird uns noch lange erschaudern lassen.
Lars von Trier lädt uns in sein Seelenlabyrinth und wir folgen gebannt in die Dunkelheit. Wo es uns hinführt , das ist offen , denn bei Gott oder dem Satan, derlei überwältigendes Sinnenkino sah man selten, das in derart dichter Atmosphäre mit zittrigen Knien schlussendlich aus dem Sitz wanken lässt. " Antichrist " ist dunkel schimmernde Kinomagie für die Ewigkeit.
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am 18. November 2014
Wer einen gemütlichen und leichten Film für Sonntag Abend sucht ist hiermit falsch....Dieser Film ist nur etwas für Independent Film Fans, die ein bisschen Grips haben. Ansonsten hält man die fast 2 h voller Metaphern und Bildnissen nicht durch!
Wie realistisch altertümliche Besessenheit erscheinen kann, wenn man sie so subtil in unsere Welt einbaut. Von Trier arbeitet dezidiert heraus wie Kult und Aberglaube mit einfachen psychiatrischen Erkrankungen zu erklären sind. Trotzdem wirklich nicht immer einfach zu folgen....für meinen Geschmack trotzdem ein sehr gelungener Film!
4 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 3. Oktober 2016
Aufgeladen mit irritierender Symbolik und erschreckender Gewalt, konfrontiert Trier den Zuschauer mit einem Film, der schonungslos das Entgleisen menschlicher Abgründe zeigt. Schwer verdaulich, nicht selten verstörend - ein Meisterwerk.
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am 2. August 2017
Der Versand dieser DVD ging sehr schnell und die DVD ist in einem tadellosen Zustand, spielt gut ab. Ich konnte keinerlei Kratzer sehen, bin sehr zufrieden und würde wieder bei dem Verkäufer bestellen. Fünf Sterne.
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am 1. September 2017
ich muss ganz ehrlich gestehen meine art von Film war es nicht gerade aber ich bin positiv überrascht da es doch ein toller und gelungener film war!
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am 25. Juni 2012
... sofern man sich die Mühe macht und den Film verstehen will bzw. die vielen Informationen am Rande deuten kann.

Ich will einfach nur ergänzen, dass ich froh bin, diesen Film hier gefunden zu haben. Er ist wirklich etwas anderes und ich hoffe, dass es noch viel mehr dieser Filme gibt.

Da ich hier nichts wiederholen will, was bereits geschrieben wurde - möchte ich nur anmerken, dass der Rezesion vom User "S. Neukamm " nichts hinzuzufügen ist. Perfekte Rezession, als hätte er geschrieben, was ich gedacht habe ;-)
Daher bitte seine Rezession lesen, wenn man an diesem Meisterwerk interessiert ist!
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am 27. Juli 2015
"Antichrist" vom berühmt-berüchtigten Lars von Trier spaltet die Gemüter. Kritiker bemängeln vor allem den provokanten Einsatz von Sex- und Gewaltszenen sowie eine angebliche frauenfeindliche Botschaft. Sollte man sich hiervon abschrecken lassen oder einen Blick riskieren?

Klare Antwort: Man sollte sich abschrecken lassen. Während die Penetrationsszenen bereits für Einige zu viel des Guten sein könnten erreichen Zartbesaitete spätestens mit den wenigen aber heftigen Gewaltszenen ihre Grenze. Des Weiteren bewältigte von Trier mit diesem Film seine depressive Erkrankung. Entsprechend düster ist sein Werk gehalten. Ob von Triers Film frauenfeindliche Aussagen hat sollte jeder für sich selbst entscheiden. Als schöne Feierabendsunterhaltung dient dieser Film definitiv nicht. Also schaut diesen Film nur wenn ihr keine Probleme mit oben genanten Dingen habt. Ansonsten Finger weg!

Zum Film: Bereits der herausragende Prolog zeigt uns dass man kein alltägliches Filmchen sondern etwas Besonderes zu sehen bekommt. Ehrlich gesagt habe ich noch nie solch eine faszinierende Einleitung gesehen. Faszinierend trifft allgemein auf diesen Film zu. Die Personenkonstellation, die Traumsequenzen, die atemberaubenden Nachtaufnahmen im Wald und der Einsatz von Symbolik und Metaphern. Mein Hirn war während der gesamten Laufzeit am Rattern, ständig hatte ich wilde Interpretationen im Kopf. Wer eine vorgekaute Story erwartet wird enttäuscht.

Die Schauspieler Gainsbourgh und Daffoe liefern eine außerordentlich gute Leistung ab und gehen offensichtlich an ihre Grenzen. Meinen Respekt für diese Darsteller!

Fazit: Obwohl mir das Bewerten sehr schwer fällt muss ich hier die volle Punktzahl geben. Selten zuvor war ich so fasziniert, angewidert und unterhalten zugleich. Selbst wenn man von Triers "Antichrist" verabscheut muss man dennoch aberkennen, dass er hier etwas Einzigartiges geschaffen hat, was sich von der grauen Masse abheben kann.
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