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am 13. August 2010
Qualitativ hochwertiges Fernsehen ist man ja vom amerikanischen Bezahlsender HBO gewohnt. "The Wire" nimmt selbst hier noch eine Sonderstellung ein. Diese Serie als Krimiserie zu bezeichnen ist zu kurz gegriffen, sie befasst sich mit der Kehrseite des Amerikanischen Traums und liefert eine Menge Fragen ohne klare Antworten zu geben.
Das gängige Krimiformat, bei dem pro Folge ein bis zwei Fälle gelöst werden, wird hier auf den Kopf gestellt. Hier dauern die Fälle ganze Staffeln oder länger. Ganz nebenbei ist die Serie ein Portrait der Stadt Baltimore.

Handelt die erste Staffel noch hauptsächlich von dem Versuch eine Gruppe von Drogendealern zu zerschlagen, geht es in der zweiten Staffel um den Hafen und zeigt einen Wirtschaftszweig im Niedergang, Gewerkschaften die mit allen Mitteln ums Überleben kämpfen und einzelne Mitglieder die dabei in die Kriminalität abrutschen. Die dritte Staffel nimmt die Stadtpolitik mit an Bord und zeigt die Konsequenzen einer Legalisierung von Drogen. Die vierte Staffel beschreibt den Zustand an Schulen in sozialen Brennpunkten sowie einen schmutzigen Wahlkampf ums Amt des Bürgermeisters. Die letzte Staffel betrachtet die Rolle der Presse im all diesem.
Das das Ganze nicht in eine dröge soziologische Studie abdriftet, verdankt die Serie einem Darstellerensemble, das den Figuren Leben einhaucht und den brillanten Dialogen mit schauspielerischen Können Nachdruck verleiht.

Da die DVDs keine deutschen Untertitel aufweisen, sind gute Englischkenntnisse von Nöten und selbst mit diesen ist der Code der Straße nicht immer einfach zu verstehen.

Während die ersten zwei Staffeln bis auf vereinzelte Audiokommentare keine Extras aufweisen, sind bei den anderen interessante Featurettes dabei, in denen die Macher der Serie ausführlich zu Wort kommen.
22 Kommentare| 35 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. November 2008
Die fünfte und leider auch letzte Staffel von "The Wire" führt die Geschehnisse aus den vorangegangenen Staffeln fort. Nachdem in der 4. Staffel das Hauptaugenmerk auf das marode amerikanische Schulsystem gelegt worden ist, wird in der aktuellen Staffel ein entlarvender Blick hinter die Zeitungsindustrie geworfen.

Um endlich Marlo Stansfield und seine Gang hinter Schloss und Riegel zu bringen, überschreiten McNullty und Freamon sogar die gesetzlich erlaubten Grenzen und setzen somit eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die ganz Baltimore von der politischen Spitze bis hin zu den Obdachlosen berührt. Mehr soll hier nicht verraten werden.

"It's All Connected!" (alles ist miteinander verbunden) lautet einer der Werbeslogans für dieses Meisterwerk. Besser kann man es wirklich nicht auf den Punkt bringen. Irgendwie hängen alle Figuren zusammen. Wie und warum zeigt erneut die 5. Staffel in einer atemberaubenden Art und Weise.

Wie gewohnt, begeistert "The Wire" mit überragenden Darstellerinnen und Darstellern, die die genialen Drehbücher und deren Dialoge optimal umsetzen. Erneut wird auf Realismus und Details anstatt auf platte Action gesetzt.

Wer bereits die 4 ersten Staffeln bei sich zu Hause stehen hat, braucht meine Rezension eigentlich nicht mehr zu lesen, da er diese Staffel sowieso blind kaufen wird. An alle anderen, die vielleicht durch Zufall auf diese Kritik zur 5. Staffel gestossen sind, kann ich nur appellieren: Kauft Euch alle 5 Staffeln und erlebt ein Stück TV-Geschichte. Denn nichts Geringeres ist "The Wire".

Noch kurz zu den technischen Details: Bild und Ton sind für eine TV-Serie wirklich sehr gut ausgefallen. Englische UT sind sowohl für die 10 Episoden als auch für die Extras anwählbar. Als Extras winken diverse Audiokommentare sowie 2 knapp halbstündige Dokumentationen. Im ersten Stück kommen Cast, Crew sowie einige Kenner der Medienlandschaft zum Thema Zeitungen und deren Einfluss zu Wort. Die abschliessende Dokumentation wirft einen Blick zurück auf alle 5 Staffeln. Auch hier kommen wieder viele Beteiligte zu Wort.
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am 9. April 2009
Was bin ich froh, dass ich in den Genuss dieser grandiosen Show gekommen bin. Hätte ich vor ein paar Wochen sicherlich noch "Die Sopranos" als das Non plus ultra aller TV-Serien bezeichnet, so muss ich dieses Urteil nach Ansicht von "The Wire" revidieren.

Nie zuvor habe ich im Fernsehen eine derat komplexe Geschichte gesehen. Jede noch so kleine Handlung der Figuren kann in diesem (mehr oder weniger) fiktiven Universum weitreichende Konsequenzen haben. Und die Folgen bestimmter Taten offenbaren sich dabei nicht notwendigerweise in der gleichen Episode. Nein, manchmal nicht einmal in der gleichen Staffel. Großartig auch, wie die verschiedensten Gesellschaftsschichten Baltimores einander gegenüber gestellt werden. "The Wire" arbeitet die wahren Probleme der Stadt dabei auf höchst subtile Art heraus, verzichtet fast gänzlich auf reißerische Effekte.

Das größte Kunststück gelingt der Serie jedoch indem sie auf klare Hauptfiguren verzichtet, von Staffel zu Staffel das ohnehin gewaltige Ensemble vergrößert und dennoch stets tiefgründige Charaktere etabliert, die allesamt eine Geschichte haben.

In den ersten vier Staffeln war ich immer davon beeindruckt, mit welcher Beiläufigkeit sich die Geschichten entspinnen. In der fünften Staffel wirkt alles ein bißchen konstruierter. Insbesondere die Storyline um McNultys Serienkiller hat mich ein wenig befremdet und mochte für meine Begriffe nicht ganz zum Ton der Serie passen. Auch der Blick auf die "Baltimore Sun" war längst nicht so spannend und interessant wie erwartet.

Aber selbst eine "The Wire"-Staffel mit kleinen Schwächen ist immer noch grandios und verdient nichts anderes als 5 Sterne. Die Schlussmontage der finalen Folge (untermalt vom "Way down in the hole" in der Version aus der ersten Staffel) zählt zum Schönsten und gleichzeitig Bittersten, was ich je gesehen habe. Perfekter Schlusspunkt für eine perfekte Serie.
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Mit der insgesamt fünften Variation von Tom Waits Way Down In The Hole kommen die in der bisherigen Dramaturgie gewobenen Handlungsstränge zu einer weiteren Beschleunigung. Zu den Gangsternetzwerken, Polizeifraktionen und politischen Schachspielern gesellt sich jetzt noch die Tagespresse, die einen beträchtlichen Beitrag zu dem tatsächlichen Verlauf der Handlung beiträgt, auch wenn sie ebenso wie alle anderen Lebenswelten knallhart mit dem Schein operiert.

An unterschiedlichen Orten wie aus unterschiedlichen Motiven kommen sowohl Mordermittler McNulty als auch der junge, aufstrebende Journalist Templeton auf die Idee einer inszenierten Mordserie. McNulty wie Templeton wählen sich die Obdachlosenszene zur fiktionalen Implementierung eines Serienkillers aus. McNulty, um Fahrzeuge und Ermittler zur Verfolgung des Drogenbarons und Massenmörders Marlo Stanfield zu bekommen, Templeton , um bei seiner Zeitung The Sun die reißerischsten Storys zu platzieren und Karriere zu machen.

Beide reüssieren mit ihren Täuschungsmanövern, was im ersten Falle dank der großen Dechiffrierungskünste Freamons bei einer Abhöraktion zur Verhaftung Marlos und seiner Komplizen führt und im zweiten Fall, als dass Templeton in der hauseigenen Hierarchie an gestandenen, noch mit einem Berufsethos ausgestatteten Redakteuren vorbeizieht.

Und wieder liefert The Wire diametrale Entwicklungen und Botschaften: Bubbles gelingt der Drogenentzug und die allmähliche Wiedereingliederung ins bürgerliche Leben, der rankünewillige Omar Little, der gestenreiche Cowboy aus dem afroamerikanischen Milieu, wird durch einen Kopfschuss in die ewigen Jagdgründe befördert, ausgelöst von einem Kind vor einem Kiosk, der ausgemusterte Polizist Colvin führt den Sohn eines Drogendealers zu akademischen Würden und behält seine Selbstachtung, der ehemalige Polizist Presbo stabilisiert seine Position als Mathematiklehrer in einer Problemschule und sein ehemaliger Lieblingsschüler, der sich so lange von einer Entwicklung zum Kriminellen fernhalten konnte, hängt zum Schluss doch an der Nadel. Nach der Festnahme des Drogenbosses Marlo bricht dessen Imperium zusammen und die noch epigonal wirkende Nachwelt steckt die neuen Claims ab.

Die Täuschungen McNultys und Freamons fliegen auf, werden aber nicht geahndet, weil Oberbürgermeister Carcetti noch Gouverneur werden will. The Wire bleibt sich von seiner her Dramaturgie treu: Die alten Köpfe werden abgeschnitten wie die Zöpfe und an deren Stelle wachsen neue nach, die das Grundschema aufs Neue bedienen: Verbrechen, Korruption und politische Machtkämpfe bilden ein Konglomerat, das sich nicht mehr eindeutig entflechten lässt. Die Verlierer sind überall, auch wenn es einige Individuen schaffen, sich unbeschadet zu halten. Sie zahlen den hohen Preis der Bedeutungslosigkeit, während andere für kurze Zeit am Firmament erstrahlen, um dann als schwarze Asche auf den Boden zu rieseln. Eine großartige Inszenierung der Inszenierung: Bewegend, schauderhaft, mit liebenswerten Zügen, hässlichen Fratzen und schlummernder Schönheit. Wie das Leben eben.
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Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert versuchten zwei Bewohner der damaligen Weltmetropole Paris, die Komplexität der dortigen Gesellschaft in großen, viele Bände umfasenden Romanzyklen zu erfassen. Der erste war Honoré de Balzac mit seiner fast 40 Bände umfassenden Comedie Humaine, der zweite war Emile Zola mit dem 20 Bände zählenden Werk Rougon Marquard. Beide drangen mit einzelnen Romanen in verschiedene gesellschaftliche Subsysteme vor und die handelnden Personen tauchten immer wieder an anderen und neuen Schnittstellen auf.
Die beiden großen schriftstellerischen Auftaktprojekte der metropolitanen Moderne sollten die einzigen bleiben, die es mit diesem Ansatz versuchten. Zu groß war wohl die Last der Produktion für ein isoliert schreibendes Individuum.

The Wire aus dem Hause HBO hat am Beispiel des heutigen Baltimores das Konzept wieder aufgegriffen und den Versuch durchgeführt, die gesellschaftliche Komplexität einer ehemaligen maritimen Metropole, deren Abstieg bereits Vergangenheit ist, zu erfassen. In den Staffeln 1 bis 5 werden verschiedene Subsystem der urbanen Gesellschaft durchleuchtet, es beginnt mit einem Drogenkartell, geht über die Gewerkschaft zurück zu einer generellen Überlegung der Funktionsweise von Imperien, betrachtet dann die Schulen, um in der letzten Folge bei der Presse zu landen. Den Roten Faden bilden eine Handvoll Polizisten, die gegen die Auswirkungen der Kriminalität ermitteln und in der Wahl ihrer Mittel erfinderisch und skrupellos sind, weil ihnen der legale Rahmen keinen Erfolg ermöglicht. Eskortiert wird ihre Geschichte von korrupten Politikern, die ihre Wahlkämpfe von Drogenbossen bezahlen lassen und einer Justiz, die zwischen Auftrag und politischer Opportunität ins Wanken geraten ist.

Kriminalität als Folge von Arbeitslosigkeit, Armut, Perspektivlosigkeit und miserabler Bildung führt letztendlich dazu, dass die systematische Zerstörung der nachwachsenden Generationen durch Drogenkonsum und Drogenhandel zur einzigen volkswirtschaftlich relevanten Geldquelle einer maroden Stadtgesellschaft wird. So unsäglich die kriminelle Verrohung auch immer wieder erscheinen mag, irgendwie wird man bei der Betrachtung der einzelnen Folgen nie das Gefühl los, einem Schauspiel beizuwohnen, das so fern gar nicht liegen muss. Die Quintessenz mag sein, dass die mögliche politische Steuerung einer wirtschaftlichen Abwärtsentwicklung den kritischen Punkt verschlafen kann, nach dem keine sinnvolle Intervention mehr möglich ist.

Das dramaturgisch ausgewählte Ensemble der Figuren ist nahezu genial, vom versoffenen, manischen irischen Police Officer McNulty über den schwarzen Politdemagogen Davies, den afroamerikanischen Cowboyverschnitt Omar Little, Stringer Bell, den CEO eines Drogenkartells, den es zum Bildungsbürgertum treibt, den jüdischen Anwalt, der die Kartelle abzockt, die Polizistin Kima, die mit ihrer gleichgeschlechtlichen Familie schlingert, Bubbles, der den eigenen, aussichtslosen Kampf gegen die Drogen zu gewinnen scheint, Proposition Joe, den fetten Boss der East Side, der wie viele mit einem Kopfschuss dahin sinkt, die vielen zähen Afroamerikanerinnen, die ihren Weg machen und ihren männlichen Pendants wie ein schlechtes Gewissen die Sicht am Horizont verderben und und und. Großes Kino, mit der Dimension eines vielbändigen Romans.
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am 6. März 2011
Vom US-Sender HBO stammen Erfolge wie The Sopranos und Sex and the City. Die Polizeiserie The Wire erzählt vom aussichtslosen Kampf zwischen Gut und Böse in der amerikanischen Großstadt - und bricht dabei mit allen Konventionen. Nachdem die Öffentlichkeit die Serie vier Jahre lang ignoriert hatte, brach nach dem Ende der fünften und letzte Staffel beim amerikanischen Bezahlsender HBO ein Hype aus, der sogar den Wirbel um The Sopranos in den Schatten stellt.

The Wire ist mehr als eine Polizeiserie, sie ist ein Epos über den Niedergang der amerikanischen Großstadt. Drogendealer und Polizisten, Hafenarbeiter und Lehrer, Eltern und Immobilienmakler, Politiker und Journalisten - etwa drei Dutzend Hauptfiguren - begleitet die Serie bei ihrem täglichen Überlebenskampf. Es gibt keine hektischen Schnitte, keine Großaufnahme von Schusswunden wie bei CSI, das klassische Gut-Böse-Schema funktioniert nicht und am Ende ist auch kein Fall gelöst. Erzählt wird die Geschichte von Polizisten, Drogendealern, Gewerkschaftern, Politikern, Lehrern und Journalisten in Baltimore. Jede dieser Gruppen will ihren Platz in der Stadt behaupten, die Idealisten wollen sie verändern, die anderen sie beherrschen. Doch mit jeder Folge geht die Stadt ein bisschen mehr zugrunde. Keiner entkommt diesem System aus Kriminalität, Korruption, sozialem Abstieg und der düsteren Zukunftsaussicht.

Fazit: Wer sich einmal auf das epische Erzähltempo einlässt, dem eröffnet sich eine neue Welt des Fernsehens. Wie bei einem guten Roman kann das kann ein bisschen dauern, danach lässt es einen aber nicht mehr los!
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am 4. März 2012
Wie erklärt man, was The Wire ist? Vielleicht am besten darüber, was es nicht ist - nämlich eine Krimiserie im klassischen Tatortstil, in der die Freunde und Helfer von der Polizei in schöner Regelmäßigkeit den bösen Buben das verbrecherische Handwerk legen und damit zugleich dem Guten zum Sieg über das Böse verhelfen und die soziale Ordnung, die einzelne Individuen kurzzeitig durchbrachen, zum Wohle aller wieder herstellen. Zwar kreist auch The Wire um einen Konflikt zwischen der Polizei und Verbrechern im Drogenmilieu, aber die restlichen Merkmale der genrekonventionellen Krimiserie spielen keine Rolle, es sei denn als die Asche, aus der der Phönix zu Höherem empor strebt.

Wenn aber The Wire keine Krimiserie ist, was ist es dann? Kurz und knapp lautet die Antwort: Ein episches Sozialdrama, das anmutet, als habe jemand einen guten Roman Szene für Szene verfilmen dürfen, anstatt die Handlung in kinotaugliche zwei bis drei Stunden quetschen zu müssen. Ort der Handlung ist zuallermeist die im Verfall begriffene amerikanische Großstadt Baltimore, wo ganze Stadtviertel in der Hand krimineller Banden sind - wobei der Gedanke, ob man die Staatsmacht nicht dazu zählen sollte, im Verlauf der Serie Stück für Stück seine anfängliche Absurdität verliert. Die fünf Staffeln legen den Schwerpunkt jeweils auf einen anderen Aspekt der Stadt und ihrer Institutionen, namentlich in der ersten Staffel einen sozialen Brennpunkt, in dem das Leben ganz von den Aktivitäten einer Dealer- und Mörderbande geprägt ist, anschließend der zunehmend prekären Lage der traditionellen Arbeiterschicht. In den beiden letzten Staffeln widmet sich die Serie der "doppelten Vergesellschaftung" ganzer Generationen von Menschen als Schüler und Nachwuchs-Kriminelle sowie abschließend den Beziehungen zwischen Politik, Polizei, Medien und Gangstern in einer Situation, in der ein allgemeine Sparzwang nur vor letzteren halt zu machen scheint. Ein sozialer Brennpunkt ganz eigener Art steht dazwischen in der dritten Staffel im Mittelpunkt, mehr kann an dieser Stelle jedoch nicht verraten werden, ohne einen zentralen Wendepunkt im Plot vorwegzunehmen.

Durch alle Staffeln hinweg ist The Wire eine zutiefst sozialkritische Serie, die jedoch nie in einen schwarz-weiß-malerischen, moralisierenden Law-and-Order-Diskurs verfällt, sondern im Tonfall nicht der moralischen Entrüstung, sondern des interessierten Sozialforschers und Psychologen fragt, wie es nur so weit kommen konnte, und wieso es immer wieder dazu kommt: Dazu, dass die Polizei keinesfalls mehr in erster Linie daran interessiert ist, jeden Fall aufzuklären; dazu, dass Menschen, die den Willen und die Fähigkeiten mitbringen, die man braucht, um dem Dunstkreis von Drogen und Verbrechen zu entkommen, dies dennoch so selten schaffen; dazu, dass auf beiden Seiten des Gesetzes eine perverse Evolution nach dem Muster "survival of the worst" stattfindet, die integre und wohlmeinende Personen auf der Strecke zurück lässt - schließlich aber auch dazu, dass es in einer derart schlechten Welt trotz allem bisweilen Platz für Liebe, Vergebung, Hoffnung und Wenden zum Besseren geben kann.

Damit zeigt sich auch, dass es in The Wire um weit mehr geht als um das, was vordergründig auf dem Bildschirm zu sehen ist. Letztendlich dringt The Wire zu den großen Fragen der Sozialphilosophie und -forschung vor: Wieso gestaltet sich unser gesellschaftliches Zusammenleben gerade so und nicht anders? Und wie kann eigentlich eine Gesellschaft bestehen, anstatt in völlige Anarchie auseinander zu fallen, wenn das Leben viel mehr vom hobbesschen Krieg aller gegen alle hat als von Adam Smiths Idee, dass es allen gut geht, wenn nur jeder seine eigenen Interessen verfolgt? Was hält unsere Gesellschaft zusammen, wenn der Arm des Gesetzes langsam vor sich hin fault, und wenn ein allgemeiner Wertekonsens höchstens darin besteht, dass man Menschen selbstredend als bloße Mittel zu anderen, nämlich den eigenen, Zwecken benutzen darf? Und zuletzt: Wem nützt all das Elend und Leid, das mit dem Status quo verbunden ist, und lässt sich etwas an der Lage ändern? Seien Sie versichert: Simple Antworten auf komplexe Fragen wird Ihnen diese Serie nicht geben, sie beschränkt sich darauf, die Welt zu zeigen, die all diese Fragen aufwirft. Und das ist auch gut so.

Nach den beiden vorigen Absätzen sollte klar sein, dass The Wire keine Serie zum Sich Wohlfühlen, Nebenbei Schauen oder zum Abschalten nach einem harten Arbeitstag ist. Sie verlangt vom Zuschauer einiges - die Bereitschaft, sich in eine Welt führen zu lassen, die alles andere als heil ist, ist darunter ebenso wie die Fähigkeit, den Überblick über ein gutes Dutzend dynamische, facettenreiche Hauptcharaktere und unzählige Nebenpersonen zu behalten, und schließlich die Bereitschaft, am Ball zu bleiben, obwohl klassische Spannungsbögen meist ebenso fehlen wie klare Protagonisten, mit denen man sich vorbehaltlos identifizieren mag, oder Antagonisten, an denen man nichts Gutes findet.

Wer also nach leichter, wohlschmeckender, en passant genießbarer Kost sucht, der suche anderswo weiter. Wer aber bereit ist, sich auf The Wire einzulassen, wird belohnt mit einer (zumindest in der Originalsprache) atmosphärisch extrem dichten, intellektuell fordernden wie auch anregenden, bei aller Komplexität nie wirren oder sich in Details verlierenden Serie, die ganz ohne Schwarz-Weiß-Malerei und reißerische Bilder von Grausamkeiten auskommt, dabei aber auch nichts beschönigt, und in der wohl jeder Zuschauer zwischen all den Charakteren ein, zwei Sympathieträger finden wird, die ihm - ganz wie echte Menschen - ans Herz wachsen, obwohl (oder weil) sie so unvollkommen sind. Kann man noch mehr verlangen? Ich glaube nicht.

Daher lautet mein Fazit: Bei manchen Filmen wünscht man sich nach einer Stunde, dass es vorbei sein möge. Nach 60 Stunden The Wire - so lange dauern die fünf Staffeln zusammen ungefähr - fand ich es schade, dass keine sechste Staffel existiert. Aber ein Wiedersehen irgendwann in der Zukunft wird es geben, denn ich bin gespannt, was die Serie noch an Entdeckungen für denjenigen bereithält, der als Kenner des Plots die Landschaft am Straßenrand betrachten kann, ohne auf den Verkehr achten zu müssen. Dass da nur Ödnis ist, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Nicht bei diesem Meisterwerk.
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am 10. Juni 2011
Was David Chase mit den Sopranos gelungen ist, hat David Simon mit The Wire vollbracht - ein Serien-Meisterwerk, das in seinem jeweiligen Genre Maßstäbe setzt. Bei den Sopranos fesseln den Zuschauer stärker Setting und Charaktere, im Falle von The Wire ist es die extrem differenzierte Beschreibung gesellschaftlicher Zustände, ihrer Ursachen und ihrer Wirkung auf die in ihnen gefangenen Menschen.

Neben der technischen Ausführung der polizeilichen Überwachung beleuchtet Simon jedesmal aufs neue den Prozess der Sammlung und Aufbereitung von Beweisen für die Beantragung der Maßnahmen, das Ringen von Exekutive und Judikative sowie die Lernprozesse beim Einordnen der Ergebnisse. Bisweilen trägt all das die Züge eines Dokumentarfilms, ist aber dennoch spannend und natürlich essenzieller Bestandteil als Rahmenhandlung. In jedem Falle trägt dieses Element die unverkennbare Handschrift des früheren sozialkritischen Polizeireporters David Simon.

Die Sopranos thematisierten, teils auch drastisch, eher primetime-untypische Themen wie Rassismus oder Homophobie. Allerdings spielte sich all das im Mob-Mikrokosmos sowie an seinen Rändern ab. The Wire erforscht dies im viel größeren Maßstab und aus unterschiedlichsten Blickwinkeln, wobei die Beschreibung der Lebenswirklichkeit der hoffnungslos abgehängten, armen Schichten besonders breiten Raum einnimmt.

Deshalb Hut ab vor HBO, denn die Verkaufsaussichten dieser Serie gerade in nicht englischsprachigen Märkten dürften verheerend sein. Bei uns versendet es derzeit ZDF.neo, natürlich in sychronisierter Fassung (die sicherlich perfekt gemacht ist, der Serie aber prinzipbedingt nicht gerecht werden kann). Daher: DVD-Set kaufen und lieber die ganz schwer verständlichen Folgen ein zweitesmal anschauen oder englische Untertitel zuschalten.
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am 3. Januar 2010
Dieses Stück an Monumentalkunst ist eine TV-Serie die alle Regeln bricht: Die einstündigen Episoden haben keine Spannungsbögen, sondern funktionieren wie Kapitel in einem Buch, die Handlung geht unfassbar langsam voran.

"The Wire" verzichtet auf comichafte Heldenfiguren wie den Agenten Jack Bauer in "24" oder ein seine Umwelt überstrahlendes Kraftzentrum wie Tony Soprano. Mehr als dreißig gleichberechtigte Charaktere führen vor, wie ein gescheitertes System Menschen in verheerende Abhängigkeiten treibt. Oftmals scheinen Mörder und Dealer menschlichere Vorstellungen von Moral zu haben als die Amtsinhaber, die für Recht und Ordnung sorgen sollen.

Der Star ist das verfallende Baltimore, und jede Staffel lenkt die Aufmerksamkeit auf einen Aspekt des Lebens in der Stadt: wie eine Spezialeinheit der Polizei versucht, Beweismaterial gegen eine Drogengang zu sammeln; wie der Niedergang des Hafens die weiße Mittelschicht zerstört; wie Hierarchien und persönlicher Ehrgeiz in den Institutionen jeden Fortschritt verhindern; wie die Schulen versagen; wie die Medien versagen. Kein Zuschauer könnte diesen Schwall deprimierender Vorgänge ertragen, wären Proposition Joe, Omar, The Bunk, McNulty und alle anderen Figuren nicht beseelt von einem Sinn für Humor, so trocken und herzerfrischend, wie man ihn noch nie im TV gesehen hat.

Die Kritiker schwärmen: "Beste Serie seit Jahrzehnten" (New York Times); "beste Show in der Geschichte des amerikanischen TV" (Philadelphia Inquirer); "wird als das beste Drama, seit es Fernsehen gibt, erinnert werden" (San Francisco Chronicle); "HBOs Meisterwerk - eine TV-Revolution" (Entertainment Weekly).

Quelle: FAZ
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am 28. April 2015
Die allererste Szene dieser fünfteiligen Serie hat weder besonders viel mit dem Inhalt der ersten Staffel- noch viel mit der kompletten Geschichte hinter The Wire zu tun. Und dennoch besitzt sie Symbolcharakter. Umhüllt vom nächtlichen Blaulicht der Streifenwagen sitzt Detective Jimmy McNulty gemeinsam mit einem schwarzen Jugendlichen auf einer Hauseingangstreppe irgendwo in Baltimore und beobachtet mit ihm das Szenario rund um den Tatort eines Mordes. Die beiden kommen ins Plaudern. Auch über den Mord. Der Junge erzählt, dass der Tote regelmäßige mit seiner Clique gewürfelt- und dass er den Einsatz immer wieder gestohlen hätte. Jetzt ist er tot, weil es einem der Spieler reichte und ihn einfach erschoss. Als McNaulty von ihm wissen möchte, warum er immer wieder mitspielen durfte, obwohl er doch stahl, bekommt er nur trocken als Antwort serviert: 'Er gehörte zu uns. Das ist Amerika, man''. Sieben Jahre ist es her, dass die fünfte und letzte Staffel von The Wire im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Doch erst in den letzten Jahren ertönte der immer lauter werdende Kanon des Lobliedes, welches die Presse auf diese Serie sang. Von prominenten Fans wie US-Präsident Barack Obama bis hin zu überschwänglichen Urteilen der Marke 'beste Serie aller Zeiten' reicht die Resonanz von The Wire. In den sechs Jahren, in denen die Serie in den USA ausgestrahlt wurde, taten sich die Zuschauer schwer, sie anzunehmen. Nicht viel anders verhielt es sich in Deutschland, wo The Wire sogar erst 2008 seine Free-TV-Premiere feierte. Dabei müsste eigentlich besonders das Qualitätslabel HBO Garant genug sein, um auch eine Serie wie diese erfolgreich zu etablieren. Doch für die allabendliche Unterhaltung in der Flimmerkiste war The Wire einfach zu sperrig. Autor und Produzent David Simon erschuf mit The Wire weitaus mehr, als nur die viel zitierte kurzweilige Unterhaltung mit Niveau und Tiefgang. Sein erschütterndes Portrait der Drogen-verseuchten Viertel Baltimore`s ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern real nachempfunden, hoch politisch und immer noch aktuell. Er zeigt, wie Polizei, Politik und Medien einen nahezu aussichtslosen Kampf führen und die ärmsten Bürger der Stadt mit ihrem Schicksal im Stich gelassen werden. Unsereiner, der in einem System mit einigermaßen sicherer Rente und Sozialhilfe aufgewachsen ist, kann sich Zustände in einem so wohlhabenden Land, wie sie hier beschrieben werden, nur schwer vorstellen. Seine intensive Studie der sogenannten 'Projects' und die genaue Durchleuchtung der Polizeibehörde und des Rathauses zeigen aber den enormen künstlerischen Mehrwert der Serie auf, in dem man jedes System und jede Gesellschaft der westlichen Welt wiedererkennen kann. Über die enorme Vielfalt an großen und kleinen Figuren könnte man schon fast einen eigenen Roman schreiben. Egal ob minderjährige Dealer, eiskalte Gangster, brilliante Mordermittler, korrupte Stadträte oder bequem gewordene Polizeipräsidenten. Sie alle sind ehrlich, authentisch und schnörkellos gespielt. Besonders erwähnenswert ist Idris Elba in seiner Rolle des 'Stringer Bell', Partner des Drogenkönigs von West-Baltimore Avon Barksdale. Domenik West spielt den gerissenen Mordermittler Detective Jimmy McNaulty, Michael K Williams einen homosexuellen Gangster, der seinen Unterhalt mit dem Ausrauben von Drogenverstecken bestreitet und Aidan Gillen verkörpert den ehrgeizigen, aber naiven Politiker Tommy Carcetti, der das Amt des Bürgermeisters übernehmen will. Seit dem Ende von The Wire wurde immer wieder der Wunsch nach einer Fortsetzung laut, die David Simon aber bisher ablehnte. Er ließ ausrichten, es erst zu tun, wenn die USA ihre Drogenpolitik ändern würde. Wenn das mal nicht eine Ansage ist....
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