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am 16. Januar 2010
"La Berma dans Andromaque, dans les Caprices de Marianne, dans Phèdre, c'était de ces choses fameuses que mon imagination avait tant désirées."
(A l'ombre des jeunes filles en fleur, p. 15)

An Marcel Proust habe ich mich lange nicht herangetraut, ein Versuch, ihn auf Deutsch zu lesen, befriedigte nicht; erst als mir vor ein paar Tagen zwei französische Taschenbücher in die Hände fielen, fing ich versuchsweise an, ein paar Seiten in "A l'ombre des jeunes filles" zu lesen, dem zweiten Teil der "Recherche", und wider Erwarten hatte ich mit dem französischen Text keine große Schwierigkeiten, weder mit der Länge der Sätze noch mit dem Wortschatz, der mir bisher keine unüberwindlichen Hindernisse in den Weg legte.
Um mir schnell einen Überblick über die (bei Proust eigentlich nicht vorhandene) Handlung zu verschaffen, griff ich zu einem Bändchen aus der Reihe "Meisterwerke kurz und bündig" (im Piper-Verlag), in dem ein quidam Philipp Reuter verspricht, in Kürze "die wichtigsten Daten, Fakten und Informationen zusammenzustellen".
Etwas irritiert war ich dann aber, als ich dorten auf S. 42 den Anfang von Band 2 folgendermaßen referiert fand: "Ein Operbesuch des Erzählers endet enttäuschend. Er hatte so sehr für die Sängerin Berma geschwärmt, daß er von ihrer dramatischen Kunst "Enthüllungen über gewisse Aspekte jenes Adels erwartete, der im Schmerz liegen kann". Aber die leibhaftige Berma ist nicht die Frau seiner träumerischen Erwartungen." Oper? Sängerin? Habe ich mein Französisch verlernt? Wieso steht denn bei Proust kein Wort von Oper? Und die Stücke, von denen da die Rede ist, allen voran Racines "Phädra", sind doch bekannte Repertoirestücke des französischen Theaters, aber ganz sicher keine Opern? Und der Arzt, den Marcels Eltern befragen, rät von einem THEATERBESUCH ab:
"Le médecin qui me soignait - celui qui m'avait défendu tout voyage - déconseilla à mes parents de me laisser aller au théâtre (...) J'implorais mes parents, qui, depuis la visite du médecin, ne voulaient plus me permettre d'aller à Phèdre. Je me récitais sans cesse la tirade: On dit qu'un prompt départ vous éloigne de nous..." (17)
Die Berma soll außerdem auch, wie ich einen anderen Werk entnehme, ein Abbild der Sarah Bernhardt sowie der Gabrielle-Charlotte Réju sein (ein Photo der Bernhardt als Phädra gibt es auch noch, s. Abbildung bei Renate Wiggershaus, Insel 1992, S. 256).
Endgültig verspielt hatte Philipp Reuter bei mir mit seiner ignoranten, selbstgefälligen Bemerkung über Stéphane Heuets bemerkenswerten Versuch, aus Proust einen Comic zu machen: "Nicht mehr ganz so ernst zu nehmen wie die Adaptionen ist die wohl literaturpädagogische Idee, den Roman in die Form eines Comicbuches zu bringen... hat sich nun ein neuer Zeichner, Stephane Heuet, gleich den ganzen Roman vorgenommen... Zwangsläufig geht dabei der Zauber der Romanprosa verloren (sehr viel Platz für lange Sätze ist nicht in einer Sprechblase), zumal der Strich des Zeichners den scharfen und vereinfachenden Duktus von Tim und Struppi aufweist. Heuet hat sich immerhin Mühe gegeben" (S. 97).
Philipp Reuter sollte unbedingt zum Fernsehen, mangelnde Sachkenntnis und Selbstgefälligkeit sind ja die besten Voraussetzungen für eine Karriere als TV-Literaturkritiker.
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