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Kundenrezensionen

2,8 von 5 Sternen
67
2,8 von 5 Sternen
Die Buddenbrooks
Format: DVD|Ändern
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am 27. Dezember 2010
Wie froh war ich, diesen Film nicht im Kino gesehen zu haben - 7 Euro gespart. Ich liebe das Buch und lese es regelmäßig wieder, und ich habe 1978 atemlos den Wirth-Mehrteiler, der glänzend besetzt und wunderbar und fesselnd werksnah gespielt ist, im Fernsehen verfolgt. Aber die Breloer-Verfilmung? Ich weiß noch gar nicht, ob Ärger oder Langeweile überwogen haben. Kürzungen sehe ich ein, aber Verfälschungen? Änderungen im Charakter? Nein, das ärgert mich dann doch, zumal die Notwendigkeit einfach nicht einzusehen ist. Warum aus der sanften Konsulin eine stählerne, ehrgeizige Zicke machen? Warum Gerdas rätselhafte Fremdartigkeit einfach plattbügeln in ein keckes Bürgertöchterlein komplett ohne Größe? Armin Müller-Stahl, der in "Die Manns" den Thomas Mann so herausragend gespielt hat, versagt auf ganzer Linie als Johann Buddenbrook ohne Höhen und Tiefen. Die Darsteller von Tony, Thomas und Christian sind farblos und hinterlassen keinen anderen Eindruck als den der Fehlbesetzung. Über das Drehbuch wollen wir gar nicht erst reden. Früh macht sich Langeweile breit. Und warum die ganzen Änderungen? Ist die Handlung im Buch nicht ausreichend "antörnend" und muss "gepimpt" werden? Meiner Ansicht nach ist das einfach unnötig und (für Liebhaber des Buches) schlicht ärgerlich - als ob das Buch das nötig hätte! Ein Stern nur deswegen, weil null nicht möglich sind.
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am 17. Juli 2013
Armin Mueller-Stahl ist ein lebendes Gesamtkunstwerk, was der studierte Musiker, der Schauspieler, Maler und Schriftsteller mit der beeindruckenden Biographie auch mit dieser imposanten Ausgabe der "Buddenbrooks" unter Beweis stellt. Die Zeichnungen Mueller-Stahls im Drehbuch zeigen nicht nur seine emotionale Auseinandersetzung mit dem Stoff, sondern auch ein grandioses, malerisches Können, Phantasie und eine absolute intelligente Verarbeitung des Inhaltes. Das große und schwere Gesamt-Paket, bestehend aus der Film-DVD und dem im wahrsten Sinne des Wortes durch Armin Mueller-Stahl ausgezeichneten Drehbuch ist sehr schön und hochwertig zurecht gemacht. Wer sich ein etwas umfassenderes Bild zu einem der größten und darüber hinaus bescheidensten Künstler machen möchte, den Deutschland je haben durfte und der auch ein wirklicher international höchst angesehener Botschafter der Kunst, aber auch seines Landes ist, sollte hier unbedingt zugreifen.
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am 27. März 2011
Nach dem Lesen und gemeinsamen Bearbeiten des Romanes "Buddenbrooks" in meinem heißgeliebten Deutschleistungskurs habe ich mich besonders auf das Sahnebonbon am Ende dieser Unterrichtsreihe gefreut: Der Film zum Buch.
Vor Vorfreude platzend konnte ich es kaum erwarten, dass sich der Titel über den staubigen Bildschirm schiebt. Doch dann kam das böse Erwachen. Von Minute zu Minute gefiel mir die Verfilmung des Romans, welchen ich regelrecht verschlungen habe, weniger. Sofort drängt sich einem die Frage auf, mit welcher Sorgfalt der Regisseur Heinrich Breloer den Roman gelesen hat.
Wofür Breloer jedoch ein Händchen besaß war die Besetzung der Charaktere. Mark Waschek und August Diehl brillieren in den Rollen der Brüder Thomas und Christian. Mit Armin Müller-Stahl konnte kein besserer Jean Buddenbrook gefunden werden. Ebenfalls eine Augenweide sind die opulenten Köstume. Tonys Kleider sind von einer Schönheit, die einen Staunen lässt.
Ansonsten ist die Verfilmuung eine bodenlose Entäuschung für jeden, der den Klassiker Thomas Manns gelesen hat.
Bereits zu Anfang wird das Verhältnis zwischen Tony Buddenbrook und Herman Hagenström verdreht dargestellt. In der Verfilmung scheint es, dass Tony und Herman Sympathien füreinander empfinden und es bereuen, in jungen Jahren nicht zueinander gefunden zu haben. Im Roman hingegen hegen Buddenbrook und Hagenström weniger zärtliche Gefühle füreinander. Die beiden Familien begegnen sich mit Hass und Verachtung und Tony verfeindet sich bereits als Kind mit Herman Hagenström.
Auch fehlt am Anfang der alte Johann Buddenbrook und der Konflikt zwischen dessem erstgeborenen Sohn Gotthold. Dabei ist Gotthold nicht die einzige Person, welche Heinrich Breloer kurzerhand unter den Tisch fallen lässt. So fehlt Clara Buddenbrook, welche unbewusst den Erbschleicher Sievert Tiburtius heiratet und der Familie somit einen weiteren, finanziellen Schlag versetzt. Dennoch steht der ausgestopfte Bär, ein Geschenk Claras, in der Eingangshalle des buddenbrookschen Haus.
Auch bleibt Tony in der Verfilmung kinderlos, obwohl aus der Ehe mit Bendix Grünlich Tochter Erika hervorgeht. Dieses Fehlen Erikas erzürnt mich, da somit Erikas Ehe mit dem Betrüger Hugo Weinschenk fehlt, obwohl dieses Element von großer Bedeutung ist, da es verdeutlich, dass Erika ebenso schlechte Verbindungen eingeht wie ihre Mutter zuvor.
Darüber hinaus wird meines Erachtens nach Tony nicht kindlich genug dargestellt. Sie wirkt die meiste Zeit stets bedachter und beherrschter als im Roman. Welche Schhultern tragen Tonys störrischen Kopf? Und Bendix Grünlich? Wo bleibt seine hinterhältige Theatralik und seine unkontrollierten Wutausbrüche, wenn er seine Absichten nicht verwirklichen kann?
Man hat das Gefühl, dass man in der Verfilmung von einem Ereignis zum anderen hastet und dies ohne jeglichen Zusammenhang.
Tonys "Kurzausflug" nach Travemünde, die sachnelle Hochzeit mit Grünlich und dessen Scheitern, das plötzliche Anbändeln Thomas mit Gerda, das Beziehen des neuen Hauses in der Fischergrube, die Wahl Thomas zum Senator, der Tod der einzelnen Familienmitglieder. Alles scheint eine Aneinanderreihung wichtiger Ereignisse, gespickt mit Originaldialogen aus dem Roman.
Besonders entäuschend ist die Darstellung Hanno Buddenbrooks. Die Entwicklung des Jungen wechselt mit den Kameraeinstellung und lässt ihn binnen Sekunden um Jahre altern. Sein kurzes Leben wird nur grob angeschnitten, das schlechte Verhätlnis zu seinem Vater Thomas beinahe besänftigt. Seine Zartheit und Verletzlichkeit kommen nur schwach zur Geltung, die tiefe Verbundenheit zu seinem einzigen Freund Kai Mölln ist nur am Sterbebett zu erahnen und wird jemanden, der den Roman nicht gelesen hat nicht wirklich klar. Auch die im Roman beschriebene Schulzeit Hannos wird mit keinem Wort erwähnt.

Am Ende der Verfilmung fragt man sich, ob der Regisseur Heinrich Breloer sich tatsächlich dem Roman oder wohle eher einer schlechten Zusammenfassung aus dem Internet als Vorlage bedient hat.
Alles in allem ist die Verfilmung ein schlechter Versuch den Roman von Thomas Mann vom Papier zu reißen und seinen Figuren Leben einzuhauchen.
Für jeden, der den Roman gelesen hat und dabei vor allem auf seine Kosten kam, ist die Verfilmung ein einziges Ärgernis.
Also denkt infolge dessen an eure Gesundheit und meidet den Film.
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am 4. Januar 2014
Die Handlung
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Familie Buddenbrook ist eine angesehene in Lübeck lebende Kaufmannsfamilie. Johann Buddenbrook ist der allseits beliebte, weise Vorstand der Familie, der für den Getreidehandel ein gutes Händchen hat und damit die Erfolgsgeschichte der alteingesessenen Buddenbrooks weiterführt. Das Geschäft der Buddenbrooks kann also schon auf einige erfolgreiche Generationen zurückblicken, konkurriert aber gleichzeitig ständig mit den anderen wohlhabenden Kaufmannsfamilien, die ebenfalls mit Getreide handeln. Einen politischen und sozialen Vorteil kann Buddenbrook Senior für sich verbuchen, als er vom Stadtrat Lübeck zum Konsul ernannt wird. Seine beiden Söhne sind unterschiedlicher wie es nicht sein könnte: Thomas hat von seinem Vater nicht nur den Geschäftssinn, sondern auch den Ergeiz geerbt die Familie auch in Zukunft zu den Honoratioren der Stadt zählen zu können. Der jüngere Christian hingegen hat nur das Vergnügen im Kopf: Lieber raucht er mit seinen Freunden im Ballsaal während sie über die anderen reichen Familien lästern, oder er macht - ganz unstandesgemäß - einer armen Schauspielerin von der Tribüne schöne Augen. Antonia, genannt Tony, ist die durchsetzungsstarke, fröhliche Schwester der beiden. Da sie schon im heiratsfähigen Alter ist, soll für sie eine gute Partie gefunden werden, welche die Reputation und den Reichtum der Familie mehren wird.

Aber revolutionäre Umschwünge im Land, Missernten und opportunistische Heiratsschwindler bringen das Vermögen in Gefahr und stürzen die Familie in schwere Krisen. Jetzt liegt es an jedem einzelnen Familienmitglied, das Steuer herumzureißen um das Familienschicksal zum Positiven zu wenden.

Der Film
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Aus der bekannten Schauspielerriege möchte ich vor allem Armin Müller-Stahl (dessen letzte Rolle es vor seinem Rückzug aus dem Filmgeschäft war) als Konsul Johann Buddenbrook , August Diehl als Christian Buddenbrook und Justus von Dohnanyi als Heiratsschwindler Bendix Grünlich hervorheben. Die Kostüme und Requisite sind toll gemacht, sodass die Lebensumstände der Familie, sowie die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen im 19. Jahrhundert recht gut dargestellt werden.

Das größte Manko dieses Films ist für mich aber die Länge. Eine an manchen Stellen etwas gestrafftere Handlung hätte dem Gesamtwerk sicherlich gut getan. So zieht sich vor allem im zweiten Teil, wenn mit Thomas Buddenbrook die nächste Generation die Familiengeschicke in die Hand nimmt, der Film sehr in die Länge. Oder anders gesagt: Der auch schon im ersten Teil manchmal etwas behäbige Film wird nun sehr langatmig und langweilig. Auch wenn mir einiges am Film gefallen hat - ich habe im Kino gesessen und irgendwann nur noch darauf gewartet, dass der Film bald vorbei ist.

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FAZIT

Ein an sich guter, streckenweise belanglos vor sich hinplätschernder Film, von dem man sich nicht zuviel erwarten darf. Wer darauf aus ist, sich angenehm unterhalten zu lassen, das Buch nicht kennt und etwas Sitzfleisch, sowie geschichtliches Interesse mitbringt kann an "Die Buddenbrooks" sicher für 90 min seine Freude haben. Ein großer Wurf ist diese Verfilmung jedoch beileibe nicht.
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am 16. Januar 2011
Es gibt ja viele Verfilmungen, ich kenne zwei, eine aus den fünfzigern, die im Stil jener Zeit - also sehr melodramatisch - gemacht wurde und die Fernsehserie von 1979 (mit Volker Kraeft als Thomas und Ruth Leuwerik als Konsulin). Da die Buddenbrooks zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehören war ich auf den Film eingermaßen gespannt, obgleich ich nicht wirklich viel erwartet habe - und das war gut so, denn sonst wäre ich bitter enttäuscht worden...

Außer Armin Müller-Stahl, Iris Berben und Nina Proll (als Aline Puvogel in einer Mini-Rolle) kannte ich keinen der Schauspieler - das hat aber nichts zu heißen, da mir die zeitgenössischen deutschen sogenannten Stars fast gänzlich unbekannt sind.

Meine Erwartungen an den Film waren vor allem deshalb nicht zu hoch, weil ich mir nicht vorstellen konnte, einen riesigen Stoff mit derart vielen Facetten in einem zweieinhalbstündigen Spielfilm so zu bewältigen, daß er dem Original auch nur annähernd gerecht wird. Leider hatte ich recht: die Ereignisse wurden so aneinander gereiht, als wolle man die Dinge wie anhand einer Checklist abarbeiten und abhaken. Der Film hinterläßt bei mir keinerlei Emotionen, es gab niemanden, für den ich Gefühle - positive oder negative - entwickeln konnte (nicht einmal für die patscherte Tony), keine Episode, die mich wirklich in die Geschichte hineingezogen, kein Schicksal, an dem ich Anteil genommen hätte. Es gibt keinen Höhepunkt, die Figuren haben keine Kanten und Ecken, sie sind austauschbar und belanglos wie soviele andere Dinge heutzutage. Eine Ausnahme: als Thomas Buddenbrook sich einen Zahn ziehen lassen mußte und ihm der Angstschweiß auf der Stirne stand, habe ich fürchterlich mit ihm gelitten; aber das ist etwas wenig für einen ganzen Film...

Um den Stoff in Spielfilmlänge zu pressen sparte man am Personal:
die zweite Buddenbrook-Tochter Clara fehlt (die im Roman den Pastor Tiburtius heiratet und mit ihm nach Riga geht, dort bald stirbt, worauf die Konsulin dem Witwer - dem Wunsch der Tochter folgend - das Erbteil auszahlt, was zu einem scharfen Konflikt zwischen Thomas und seiner Mutter führt);

Tonis Tochter fehlt (die im Roman den Versicherungsdirektor Hugo Weinschenk heiratet, der kurz darauf wegen Betrugs im Gefängnis landet);

Übervater Johann Buddenbrook der Ältere und sein Einfluß über seinen Tod hinaus fehlt;

Da fallen ganze Episoden unter den Tisch, die vielleicht nicht essentiell, aber zum Verständnis der Charaktere wichtig sind (z.B. die zunehmende Religiosität der Konsulin, der Gefängnisaufenthalt von Tonis Schwiegersohn, Verstoßung von Gotthold Buddenbrook {Sohn des Firmengründers, Bruder von Jean} wegen unstandesgemäßer Heirat, die Aussöhnung von Christian und Thomas an der Ostsee; etc.)

Außderdem hält sich die Handlung nicht wirklich an die Vorlage. Im Film scheint es, als ob Tony den Emporkömmling Hermann Hagenström gegen ihren Willen lieben und sich zu den unteren Klassen hingezogen fühlen würde. Im Roman ist sie das genaue Gegenteil, sie betont immer wieder die Besonderheit der Buddenbrooks und ihre Überlegenheit über die Hagenströms und hat nicht im mindesten Lust, sich mit jemandem abzugeben, den sie als unter sich stehend erachtet. Sie läßt sich - im Roman - denn auch relativ widerstandslos von ihrem Vater in die Ehe mit Bendix Grünlich treiben, obwohl sie sich in Morten Schwarzkopf (den Sohn des Lotsenkommandanten an der Ostsee, also gesellschaftlich "unmöglich") verliebt und ihm sogar die Ehe versprochen hat. Im Film wird Christian Buddenbrook von seiner Familie ins Irrenhaus gebracht und nicht von seiner "Halbweltdame" Aline Puvogel, die ihn anscheinend nur wegen seines zu erwartenden Erbes bei sich duldete. Noch einige andere Dinge scheinen mir nicht werkgetreu, da bin ich mir aber nicht so sicher...

Die größte Enttäuschung war für mich die Konsulin Elisabeth "Bethsy" Buddenbrook. Im Roman ist die Konsulin eine sittenstrenge und sehr religiöse, eine sanfte, lebendige und gefühlsstarke Frau, die aber trotz aller Liebe zu ihren Kindern diese immer wieder an ihre Pflicht als Buddenbrooks erinnert und das schwarze Schaf - Christian - am meisten zu lieben scheint, sich das aber nicht so recht eingestehen will. Die Konsulin kommt aus der alten Zeit und versucht alles, um den Schein zu wahren und den Niedergang der großen Kaufmannsfamilie zu kaschieren. In ihrer Religiosität und ihrem Standesdünkel umgibt sie sich ständig mit - z.T. weltfremden - Geistlichen (einer davon heiratet bekanntlich die jüngste Tochter Clara), sodaß sie zunehmend den Kontakt zur Realität verliert. Iris Berben spielt diese Frau, deren Charakter ihr jede Chance zum Brillieren gäbe, als kalte und herzlose Person, die anscheinend überhaupt keine Gefühle hat und ihren Kindern in einem Tonfall, der besser in einen Kasernenhof paßt, Befehle erteilt. Der Todeskampf der vitalen Konsulin, das zum stärksten und eindrucksvollsten gehört, das Mann je geschrieben hat, ist im Film bestenfalls angedeutet (ein bißchen Husten, ein bißchen Stöhnen, das wars....). Keine Ahnung, ob Berben an ihre Grenzen als Schauspielerin gestoßen oder der Regisseur ein Schwachkopf ist...

Auch bei "Jean" Buddenbrook fehlt alles, was Anteilnahme, Mitleid oder sonstige Gefühle auslösen könnte. Dabei sollte ein Charakterdarsteller angesichts einer solchen Figur zu Hochform auflaufen: der Mann wird von seinem Schwiegersohn, dessen Bankier und Gläubigern aufs widerlichste und schamloseste betrogen, er verliert mehr und mehr Boden an die aufstrebenden Hagenströms und läßt sich von ihnen - vor der versammelten "Businss Community" von Lübeck - gute Geschäfte vor der Nase wegschnappen, die Revolution bedroht sein Unternehmen und seine persönliche Sicherheit, er übergibt seine Firma, an der er mit Leib und Seele hängt, an seinen ältesten Sohn Thomas, etc. Der Jean auf der Leinwand wirkt so, als hätte er beim Pferderennen fünfzig Euro (pardon: Courantmark) verloren. Irgendwann stirbt er dann und ward im Film nicht mehr gesehen....

Die beiden Brüder Thomas und Christian, die sich ähnlicher sind, als sie sich eingestehen wollen, hinterlassen ebenfalls keinen nachhaltigen Eindruck. Beide sind Dandys (im Sinne von Oscar Wilde), wobei Christian seinen Trieben nachgibt, während Thomas sie mit äußerster Disziplin zurückdrängt. Ich habe beim Lesen des Romans immer das Gefühl gehabt, daß Thomas Christian beneidet (und nicht umgekehrt), geistig unabhängig, das Herz auf der Zunge tragend und jede Menge Unsinn von sich gebend, seine Krankheiten beinahe mit Wollust zelebrierend, sich in die "falschen" Frauen (Schauspielerinnen, Prostituierte, etc.) verliebend {Thomas mag dabei an sein Blumenmädchen gedacht haben, mit dem er vor seiner Ehe mit Gerda Arnoldsen ein Verhältnis hatte}, etc. Davon ist im Film nichts zu spüren, da gibt es einige heftige Wortgefechte und das wars dann auch. Die stillschweigende Art von Versöhnung der Brüder an der Ostsee kurz vor Thomas' Tod fehlt komplett...

Wie in anderen Verfilmungen wird auch hier der gute Trick angewendet, Tony Buddenbrook als zentrale Figur nicht oder kaum altern zu lassen. Tony, die Naive, die Optimistische, die von allen Schicksalsschlägen überwältigt zu werden scheint, aber als einzige überlebt. Die, die sich durch alle Widrigkeiten des Lebens irgendwie durchwurschtelt. Sie ist ein Lichtblick in diesem Film ohne Höhepunkte, was aber nicht viel bedeutet: der Einäugige ist unter den Blinden König! Auch sie hat keine Ecken und Kanten. Daß sie sich in Morten Schwarzkopf verliebt hat, weiß ich aus dem Roman, hätte ich nur den Film gesehen, wäre mir das verborgen geblieben.

Was mich noch gestört hat, sind drei kleine Sexszenen (eine davon frei erfunden, da von Mann nie erwähnt), irgendwie in den Film hineingeschnitten wurden, um dann im Trailer noch ein paar Voyeure ins Kino zu locken. Die Szenen bringen die Handlung überhaupt nicht weiter und was Thomas und sein Blumenmädchen machen, wenn sie alleine in ihrem Zimmer sind, kann ich mir auch ohne nackte Brüste auf der Leinwand vorstellen...

Fazit: Die Buddenbrooks sind nicht verfilmbar, wie auch Verbrechen und Strafe oder Dorian Gray nicht verfilmbar sind! Der beste Beweis ist dieser Film, von dem außer prächtigen Kostümen und guten Bildern nicht viel geblieben ist. Der Roman hat derartig viele Facetten und Ebenen, daß er einfach nicht auf Leinwand zu bannen ist. Das was die Figuren tun ist halb so wichtig wie das, was sie denken und fühlen, lieben und hassen, hoffen und bangen womit sie ringen, wie sie siegen oder untergehen.
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TOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 9. Januar 2011
Die Familie von Konsul Buddenbrooks ist eine angesehene Lübecker. Die älteste Tochter Antonie erhält einen Heiratsantrag des Kaufmanns Bendix Grünlich, den sie jedoch abstoßend findet und daher ablehnt. Um wieder zu Sinnen zu kommen, geht sie an die See und verliebt sich in den Studenten Morten. Diese Liebe hat jedoch keine Chance, sie wird von ihrem Vatr und der Familienehre dazu gezwunden Bendix Grünlich zu ehelichen.
Ihren Brüdern ergeht es nicht besser. Christian liebt eine Theaterschauspielerin und wird daher nach England geschickt, Thomas, der ein Blumenmädchen liebt nach Holland.
Allgemein leidet die Familie unter der Revolution von 1848, in welcher Jean Buddenbrook umkommt, so dass der älteste Sohn Thomas das Familienunternehmen übernimmt.
Von da an geht es abwärts mit der Familie und dem Geschäft. Pleite, Pech und Scheidungen, Skandale über Skandale und Fehlinvestitionen führen nach 100 Jahren zum Niedergang der Familie Buddenbrook.

Buddenbrooks ist das Frühwerk Thomas Manns und begründete wohl das Genre des Gesellschaftsromans. Vier Generationen Niedergang einer wohlhabenden Familie sind heute nichts womit man noch einen Blumentopf gewinnen könnte, damals jedoch war die Geschichte durchaus innovativ, da sich der Roman als Literaturform noch immer in Entwicklung befand.

Ich hatte große Hoffnungen in diesen Kinofilm von 2008. Ich dachte, das wäre eine Chance nach den vielen seichten Verfilmungen, die sich nur um Tony Buddenbrooks Ehen und Leiden drehten endlich einmal einen neuen Blick auf das Buch zu werfen, andere Szenen zu wählen und neue Wege zu gehen. Leider wurde ich enttäuscht. Dieser Film ist ein Remake des Klassikers mit Liselotte Pulver von 1959 (Die Buddenbrooks). Selbe Szenen (ganz besonders fällt das Gegen Ende des Films auf), wieder einmal eine Verfilmung der Leiden der armen Tony, nur noch kürzer, noch geraffter und noch gehetzter als 1959. Wenn man das Buch nicht kennt dürfte man teils fast Probleme haben der Handlung zu folgen, so extrem und teils schlecht wurde gekürzt. Viele Dinge werden angerissen, stehen teils eher verloren im Kontext, da hätte man sie gleich ganz streichen können.
Die Besetzung fand ich teils eher unglücklich und unpassend, die Kulissen zu sauber, zu perfekt, zu modern. Da hatte die Verfilmung von 1959 mehr Tiefgang und Charme als dieses neue, leblose massentaugliche Produkt.

Hier wurden eine Menge Chancen vertan Neue Wege zu gehen und das Werk neu zu betrachten und zu interpretieren. Man entschied sich lieber dafür die alten Pfade neu zu beschreiten, wieder einmal. Enttäuschend.
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VINE-PRODUKTTESTERam 9. Januar 2011
Auch wenn die Fernsehfassung hochgelobt wurde, kann ich mich diesen Lobesworten nicht anschliessen. Es ist und bleibt eine Verfilmung mit Unterschlagungen und Verfälschungen.
Tochter Klara wird z. B. überhaupt nicht erwähnt, ebenso Tonys Tochter Erika, später verheiratete Weinschenk. Die Konsulin war niemals eine kalt anmutende Grande Dame, sondern ihren Kindern herzlich zugetan. Es gibt da eine Frühstücksszene, an die ich mich gut erinnere. Der Konsul liest Tony den Antrag Bendix Grünlichs vor, worauf Tony fürchterlich zu weinen beginnt. Und von ihrer Mama wird sie getröstet, doch noch ein wenig Honig zu nehmen..............denn essen muss man hinlänglich. Und in dieser Verfilmung wird Tony von ihrem Vater eine Tasse Schokolade gebracht!
Thomas Buddenbrook war ganz bestimmt nicht der Schwächling, als der er hier dargestellt wird. Und man kann auch eine Sesemie Weichbrodt nicht unterschlagen, indem man der Senatorin Möllendorpf ihre Worte in den Mund legt. Im übrigen fürchterlich dargestellt von S. Melles!
Es gibt eine grandiose Fernsehfassung mit Ruth Leuwerik und Martin Benrath. Schauen Sie sich diese an oder lesen Sie das Buch!
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am 9. März 2011
Wer Freude an den Buddenbrooks haben möchte -sollte einen grossen Bogen um diesen oberflächlichen,kitschigen,
den Roman verhöhnenden ,verkrüppelnden Film machen ,mit seinen vielen mediokren Schauspielern
Die Verfilmung durch Breloer ist eine Beleidigung des Romanes
Alles Skurrile ist weggebügelt,wesentliche Gestalten sind gestrichen ,wie Sesemi Weichbrodt,Klara ,....etc.etc.
die Zusammenhänge oft gefälscht und amputiert.
Nur durch das Lesen des Buches lernt man Buddenbrooks kennen.Und das Genie Thomas Manns schätzen
Ich hatte mir den Film der Kostüme und Environements aus der geschilderten Zeit wegen angeschafft,
als Illustration zum Buche.
Mit tut es indessen um die vergeudete Zeit und die paar Euro leid die mich der Film gekostet hat.
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am 30. Mai 2009
Es heißt zwar, wenn man über eine Sache nichts Gutes zu sagen habe, dann solle man lieber schweigen, aber so groß war meine Enttäuschung, dass ich nicht einfach über diese Neuverfilmung von Heinrich Breloers Buddenbrooks hinweggehen kann und möchte. Hätte irgend jemand anderes diesen Film abgeliefert, nun ja, es wäre mir wohl der Mühe nicht wert gewesen, mich weiter damit zu befassen. Aber gerade von einem Breloer, der mit den "Manns" ja eine wirklich ganz außergewöhnliche Film-Doku zustande gebracht hat, von einem Menschen, der sich rühmt, Thomas Mann so gut zu verstehen wie kaum ein anderer und der sich den Anspruch gestellt hat, eine ordentliche Literaturverfilmung vorlegen zu wollen, von so einem Breloer hätte ich dann schon irgend etwas Repräsentables erwartet.

Vorweg sei gesagt: Man kann natürlich in 2,5 Stunden nicht das ganze Buch darstellen. Man kann und muss Kürzungen vornehmen. Und gekürzt wurde, gnadenlos: Die erste Generation, Sesemi Weichbrodt ("Sei glöcklich, du gutes Kend"), Clara, Tiburtius, Erika Grünlich und Elisabeth, Weinschenk, Schwarzkopfs, Krögers (die die "Verfallsymptome" ja noch deutlicher zeigen als Buddenbrooks), Klothilde, die drei Damen Buddenbrook, die "Dunkelmänner", die Religiosität, die Jerusalemabende, die langen Sterbeszenen, usw...

Aber damit kann man leben. Obwohl alles oben Genannte wesentliche und wunderbare Bestandteile des Buches sind, kann man sie streichen und sich auf ein paar wenige, einzelne Charaktere beschränken. Und hier ist der Punkt, in dem Breloer in meinen Augen völlig versagt hat. Bis auf Christian, das Blumenmädchen Anna und Morten hat er meines Erachtens keinem seiner Charaktere die Eigenschaften zukommen lassen, die Thomas Mann ihnen in liebevoller Detailtreue das ganze Buch hindurch zugedacht hat. Das soll nicht heißen, dass dieser Film an schlechten Schauspielern krankt. Sämtliche Darsteller haben die ihnen vorgelegten Rollen sehr gut dargestellt. Das Problem liegt, wie gesagt, in der Konzeption der Rollen, die auf mich einfach flach, oberflächlich und wenig differenziert wirken:

Konsul: Armin Müller-Stahl ist zweifelsfrei ein begnadeter Schauspieler aber für diese Rolle einfach zu alt; der Konsul war bei seinem Tod gerade Mitte 50. Außerdem werden ihm plötzlich viele Attribute des alten Buddenbrook zugedacht: Die erste Ehe, die Geschäftsübergabe an den Sohn, die Worte "Kurios, kurios..." beim Sterben. Nun waren Vater und Sohn aber grundauf verschieden und sind per se in einer Person einfach nicht vereinbar. Der Vater war ein dem weltlichen zugewandter Gentleman, der das Leben zu genießen wusste, der Sohn von hoher Religiosität. Auf die Ehe mit Grünlich drängt der Konsul ja letzten Endes nur, weil letzterer mit Selbstmord droht und der Konsul als guter Christ eine solche Schuld nicht auf sich nehmen will. Und der christliche Konsul, als Grünlich sich Tonys überdrüssig erklärt, geht auf Grünlich zu, klopft ihm auf die Schulter und meint, "Fassen Sie sich. Beten sie." In dieser Handlung steckt viel mehr Ironie als in dem rohen Schlag nach Grünlich mit dem Stock. Und was ist mit dem tiefen Verständnis, das den Konsul und Tony durch diese Affaire miteinander verbunden hat?

Konsulin: Thomas Mann beschreibt sie folgendermaßen: helle, besonnene Stimme, ruhige, sichere und sanfte Bewegungen. Iris Berben jedoch hat, was die Anmut und Erhabenheit der Konsulin betrifft, nichts weiter anzubieten hat als ein sich ständig wiederholendes "Wie beliebt?". Die ganze Haltung und Sprache der Konsulin, all die vielen französischen Wörter, derer sie sich so elegant bedient, nichts ist geblieben, kein einziges "Assez, dies interessiert uns durchaus nicht" (so daß sie demnach konsequenterweise ihren Mann auch nicht beim Kosenamen "Jean" hätte nennen dürfen). Iris Berben wirkt in der gesamten Konzeption der Rolle viel zu hart. Sowohl in der Konfrontation mit Tony bezüglich Grünlichs Antrag (im Buch fragt sie lediglich sanft verwundert "Wozu dieses Echauffement?") als auch nach Tonys Rückkehr aus München. Es ist die Konsulin, die ihr mehr oder weniger verständnisvoll zuhört. Das harte "Tony, du machst uns keinen Skandal" sind Toms Worte (der hier im Film allerdings vollstes Verständnis für Tony aufzubringen scheint). Auch von der tiefen Religiosität der Konsulin und den "Dunkelmännern", mit denen sie immer ihr Haus bevölkert ist nichts geblieben.

Tony: Sie ist der Charakter, der einen das ganze Buch hindurch durch ihre Wichtigkeit, ihr Überlegenheitsgefühl gegenüber Hagenströms, das übersteigerte Würdegefühl zu Firma und Familie, ihr "Kinderweinen" und ihre Ansichten dem Leben gegenüber immer wieder zum Lächeln bringt. Unvergessen ihre vielen Redewendungen, die ihr Thomas Mann in liebevoller Weise und wiederholtem Maße das ganze Buch hindurch zugedacht hat: "Ich bin keine Gans mehr", "Wie es im Leben so geht", "Ich habe das Leben kennen gelernt", "Dieser Filou"", "Auf den Steinen sitzen" sowie Mortens Ansichten - über die Rangordnung der Stände, die Bedeutungslosigkeit der Anzeigenblätter und den Scheibenhonig, dem man vertrauen kann - die sie in bestimmten Lebenslagen immer wieder zum besten gibt. Ein durch und durch liebenswerter Charakter, ein wenig naiv, ein wenig kindlich, eben einfach Tony. Die neue Tony wirkt dagegen völlig beherrscht und vernünftig. Sowohl das Heiratsersuchen Grünlichs als auch die Tatsache, dass er bankrott gemacht hat, nimmt sie mit erstaunlicher Gelassenheit, ja teilweise schon Keckheit, entgegen. Man kann kaum nachvollziehen, warum die neue Tony die erste Ehe überhaupt eingegangen ist. (Abgesehen von Grünlichs Selbstmorddrohung hätten im Buch auf jeden Fall Mortens Eltern diese unstandesgemäße Ehe zu verhindern gewusst.) Im Film hätte man den beiden Freidenkern es Mangels obiger Fakten durchaus zugetraut, sich über die Konventionen hinwegzusetzen. Aber gar nicht nachvollziehen kann man, wie diese vernünftige Tony die zweite Ehe mit Permaneder eingehen konnte. Keine langen Zweifel, sie heiratet ihn einfach. Punktum. Und welch Verschwendung, eine der schönsten Szenen des Buches, wenn Tony aus München zurückkehrt und in die Rockfalten der Mutter nach und nach die ganze Geschichte mit Babette schildert, gipfelnd in "dem Wort". Im Film wirkt sie auch in dieser Szene gelassen und sachlich. Sicher, Jessica Schwarz spielt die ihr zugedachte Rolle sehr gut. Nur leider hat diese Rolle für mich mit Tony Buddenbrook nicht mehr viel zu tun.

Christian: Einer der wenigen Charaktere, die vom Prinzip her gut angelegt sind, dessen ganze Marotten aber nie richtig zur Geltung kommen: "Ich kann es nun nicht mehr", "Es ist eine Qual", "Du lieber Gott", "Die Nerven in der linken Seite, sie sind alle zu kurz", das Pulver und der Fächer, die Notwendigkeit, mit einem Streichholz zu Bett gehen, kein Geld zu haben für Zahnpulver, der winkende Mann auf Sofa, der Drang, aus dem Fenster springen, das plötzliche Verstummen während der Darbietung einer Geschichte, all das wird mit keinem Wort erwähnt. Er klagt nur ein einziges Mal über Schmerzen im Bein. Entsprechend kann sich Thomas durch die nicht vorhandene "widerliche Selbstbeobachtung" auch nicht brüskiert sehen. Die Konfrontationen der beiden Brüder schöpfen ihr Potential bei weitem nicht aus. Und der des Buches unkundige Filmzuschauer muss sich fragen, hinter was für Gitter Christian am Ende des Films geraten ist.

Thomas: Was ist geblieben von diesem Mann, der ständig mit sich selbst zu kämpfen hat? All die Korrektheit, die Selbstzweifel, die innere Seelenqual, der Drang, mehrmals täglich die Kleider zu wechseln, die russischen Zigarren, mit denen er sich beständig zu betäuben versucht, Schopenhauer? Der neue Thomas ist farblos und in der Charaktergestaltung wenig differenziert. Er wirkt von Anfang bis Ende extrem homogen. Lediglich seine Haare werden gegen Ende unordentlicher, was allerdings mit dem "echten" Thomas, der gerade gegen Ende auf sein Äußeres um so mehr Wert legt, nicht mehr viel zu tun hat. Seiner Anna gegenüber war Thomas im Buch zum Abschied sehr korrekt, einfühlsam und offen ("Wirf dich nicht weg"). Zu allem Übel wirkt er auf mich auch noch dermaßen unattraktiv, dass es sehr schwer nachzuvollziehen ist, wie Gerda für diesen Mann ihr Amsterdam hat verlassen können. Jedenfalls, wenn man die Gerda Thomas Manns vor Augen hat.

Gerda: Im Buch hat sie schweres, dunkelrotes Haar und ist von einer fremdartigen, introvertierten Erscheinung. Die neue Gerda? Ein junges, rothaariges Mädel, das an Rätselhaftigkeit nicht viel zu bieten hat, dafür aber stellenweise recht keck wirkt. Im Buch lässt Gerda Thomas nicht lange auf das Jawort warten, im Film wird das Kennenlernen vorverlegt auf eine Zeit, in der Tom noch mit Anna zusammen ist und der Vater noch lebt. Wozu? Gerdas Verhältnis Thomas gegenüber, das im Buch all die Jahre hindurch mit "respektvoller Höflichkeit" oder "gegenseitiger Vertrautheit und Nachsicht" beschrieben wird, wirkt zu Ende des Films von Gerdas Seite aus nur noch hart und zynisch. Sie ist eine der wenigen, die im Buch für Christian Verständnis aufbringen kann, im Film nimmt sie nun von ihm kaum Notiz. Und was soll bitte der holländische Akzent? Thomas Mann, der in seinem Buch nicht nur Platt auf Platt schreibt und Bayerisch auf Bayerisch sondern jegliche sprachlichen Eigenheiten hervorhebt ("... er sagte ,Achung` statt ,Achtung`", "...er sagte ,Infamje` statt ,Infamie`") hätte es uns schon wissen lassen, wenn Gerda, deren Familie ja ursprünglich aus Dresden stammt und die mit Tony zusammen im Lübecker Pensionat war, einen solchen Akzent gehabt und ständig "Dony" gesagt hätte.

Hanno: Eine Figur, die in den neuen Film eingeführt wurde, so scheint es, weil man sie eben nicht ganz weglassen kann. Hanno ging völlig unter. Weder seine sensible Persönlichkeit kam zur Geltung, noch sonst irgend etwas. Seine Albträume? Seine Urlaube am Meer? Seine Unterrichtsstunde? Sein Klavierspiel? Die intensive Freundschaft mit Kai? Die Todessehnsucht? All diese Dinge, die Thomas Mann so detailgereu geschrieben hat. Umsonst. Lediglich ein Satz Schopenhauers, der im Buch allerdings ganz dem Senator zueigen ist, wird nun Hanno zugedacht. Und in großen Strecken des Films ist Hanno einfach zu alt.

Grünlich: Auf die Frage, warum Breloer ihm den goldgelben Backenbart genommen hat, antwortete dieser, man müsse ja glaubhaft machen, warum Tony ihn zum Mann genommen habe. Ich persönlich finde diese ihm im Film anhaftende prominente Warze jedoch als wesentlich widerwärtiger als der Backenbart es gewesen wäre (und der im Buch im Gegensatz zur Warze dann ja auch immer wieder beschrieben wird). Sein Auftritt wirkt, wie so viele Szenen im neuen Film, viel zu gehetzt, als ob man bewusst Zeit einsparen wolle. Da Grünlich so typische Redewendungen wie z.B. "Das putzt ganz ungemein" fehlen, was kann sich der Zuschauer der Neuverfilmung dann unter der "Putzsucht" vorstellen, die Grünlich Tony vorwirft (was im Buch übrigens nicht geschieht)? Vom "regen und findigen" Filou ist leider nicht viel geblieben.

Kesselmeyer: Im Buch eine sehr lustige Person, genau das richtige Maß an Humor in die Szene bringend, die hier aber mit dem wiederholten, affenartigen Gegackere so völlig und über alle Maßen überzogen wird, dass man nicht lachen sondern peinlich berührt lächeln muss.

Permander: Breloer will ihn nicht "peinlich" darstellen, da man sonst nicht verstünde, warum Tony ihn geheiratet hat. Von der modernen Tony versteht man es aber ohnehin nicht. Nur der "echten" Tony wird man die Motive - der bedingungslose Wunsch, Tom und der Firma zuliebe die Schande der ersten Ehe wieder gut zu machen - abnehmen. Und im Übrigen: Wenn Breloer Permaneder nicht peinlich erscheinen lassen will (was er im Buch nun einmal ist, und zwar ganz gezielt), warum lässt er ihn dann in Gegenwart der Konsulin von selbst aus Platz nehmen? Im Buch wartet er immerhin auf eine Aufforderung.

Hermann Hagenström: Auf die Frage, warum in aller Welt Tony plötzlich für Hagenström zärtliche Gefühle hegt, meint Breloer, er habe den (Halb)Juden menschlicher darstellen wollen. Nun, dann hätte er ihn ja blond lassen können, wie im Buch (auch seine Schwester Julchen gleicht im Film eher einer Spanierin). Im Buch kommt Hagenström aber gar nicht so schlecht weg (er wird nur als "dick" beschrieben, wogegen der neue Hagenström zur attraktivsten Person des ganzen Filmes avanciert), lediglich in der Weidenmann Verfilmung von 1959 ist er ein kleiner Fiesling. Aber zärtliche Gefühle sind bestimmt das letzte, was Tony für dieses "dahergelaufene Geschmeiß" empfindet. Im Film nicken die beiden sich dann und wann immer verhalten lächelnd zu. Und als das Haus der Mutter dann ausgerechnet an Hagenström verkauft wird, ist es wohl die tiefste aller Demütigungen, die Tony in ihrem ganzen Leben widerfährt. In der Neuverfilmung erinnert sie sich stattdessen rührselig des Tanzes auf dem Ball (den es ja gar nicht gab). Schade, denkt man sich da als Zuschauer, dass sie ihn damals nicht einfach geheiratet hat. Vieles wäre erspart geblieben.

Andere Charaktere werden zwar kurz eingeführt, aber welchen Sinn sieht Breloer darin, Grobleben (bzw. hier Corl Smolt) sturzbetrunken an die Wiege des jungen Hanno zu schicken? Wer kann verstehen, was es mit Gosch eigentlich auf sich hat? Was soll die Szene, in der der Konsul am Grab seines Schwiegervaters steht, wenn dieser bis dahin gar nicht in dem Film eingeführt war? Was haben wir uns unter der "priesterlichen Kopulation" vorzustellen, die uns im stolzem Ton wiederholt aus der Familienchronik entgegen geflüstert wird? Und Weihnachten bei Buddenbrooks, eine im Buch so detailliert beschriebene Schlüsselszene, sie wird hier degradiert zu einem kurzen In-Szene-Setzen des Hustens der Konsulin, der dann nach einer noch kürzeren Sterbeszene schon an deren Sarg endet.

Und dass Breloer, bei all seinen Kürzungen und Entfremdungen nun auch noch Dinge in die Handlung einführt, die es bei Thomas Mann gar nicht gibt, das ruft nun mein größtes Unverständnis hervor. Vor allem, da die Zeit sowieso schon begrenzt ist und man im Schweinsgalopp von einer Szene in die nächste gejagt wird. Die Leiterwagenjagd zu Beginn? Gut, sie macht Sinn, wenn man - entgegen dem Buch - die Handlung auf einer Freundschaft zwischen Buddenbrooks und Hagenströms ansetzt. Aber kostbare Zeit nimmt sie dennoch ein. Was noch? Nun ja, immerhin darf man nun als Zuschauer teilhaben an der Hochzeitsnacht von Gerda und Thomas, die trotz unbeholfenem Hin-und-Her-Schiebens der nackten Körper aber dennoch ekstatisch höchst beglückend zu sein scheint (was immer Breloer uns dadurch mitteilen will, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis), ebenso an dem Liebesleben zwischen Thomas und seinem Blumenmädchen, dem von Christian und Aline Puvogel, und natürlich dem Permaneders und Babettes. Auch wird uns Gerdas schöner Busen dargeboten, wenn Tony sie pflegt. Ich bin weiß Gott nicht prüde, aber gehören solche - der Handlung völlig unzuträgliche - Szenen heutzutage in einen Film, wenn man ihn bereits ab 6 Jahren freigeben will...? Oder anders gefragt: Hätte irgend jemand den Film schlechter gefunden, wenn er diese Szenen nicht gehabt hätte..? Wir dürfen Senator Möllendorpf beim wiederholten Kuchenessen beobachten bis hin zu dem Zeitpunkt, als Tony (!) ihn totgefressen in seiner kleinen Absteige entdeckt (wobei sich jeder, der das Buch nicht kennt, fragen muss, warum die Möllendorpfs in einer solchen Absteige hausen, denn soviel Zeit im Film auf das Hinarbeiten zu dieser Szene verwandt wird, so wenig werden die Umstände, unter denen der Senator aufgefunden wird, hinterher geklärt). Und wir dürfen der Senatorin beim wiederholten Beobachten der Gesellschaft und ihren bissigen Kommentaren über die Schulter blicken. Im Buch erscheinen die beiden Charaktere nur drei Mal kurz in Nebensätzen. Nun werden sie zu Running Gags aufgebauscht, währenddessen der Humor und die Ironie, die Thomas Mann seinen Protagonisten zugedacht hat, völlig unter den Tisch fällt.

Viele Anleihen, die im Buch ebenfalls nicht vorkommen, hat Breloer übrigens bei Weidenmann gemacht: Christians Clubrechnung, die er über die Firma laufen lässt, die Verlegung der Hochzeit von Tom und Gerda, die im Buch nur mit einem Satz erwähnt wurde, von Amsterdam nach Lübeck, Tonys Rückkehr aus München während eines rauschenden Balles, Christians Gespräch mit der Konsulin über Aline, Toms und Annas Begegnung auf der 100-Jahr-Feier, der Verkauf des Hauses in der Mengstraße (der eigentlich schon direkt nach dem Tod der Konsulin stattfindet) ganz am Ende des Films mit Tony, Gerda und Ida um den halb gedeckten Tisch. Sicher: Weidenmann selbst geht mit der Handlung noch "gnadenloser" um, aber schließlich maßt sich der alte Film ja auch nicht an, eine "ordentliche Literaturverfilmung" zu sein sondern nennt sich im Vorspann "frei nach Thomas Mann" Und obwohl auch der alte Film sich nicht viel der Mann'schen Sprache bedient, benutzt er aber dennoch viele der dem Roman so typischen Redewendungen, und die meisten der Charaktere sind sehr gut getroffen.

Bei aller Schelte, will ich aber gerne einräumen, dass es auch in der Breloer Verfilmung einige sehr gute Momente gibt: Die Szene, in der Tony ihre Füße im Sand ausstreckt und sich ganz dem Zauber der See hingibt (ähnlich wie Hanno es bei Wirth tut), der Abschied von Christian an Thomas Sarg (ebenfalls eine Anleihe bei Wirth) und vor allem die Schlussszene. Die letzten Worte, in denen Tony an der Welt zu verzweifeln droht und (in diesem Falle) Idas Es ist so!" mit der Kamerafahrt, die zeigt, wie das Leben weitergeht, diese Szene finde ich bei Breloer intensiver und besser gelungen als in den vorigen Versionen. Kostüme und Kulisse sind grandios (obwohl 6 Mal Holstentor vielleicht ein wenig viel des Guten ist...), Kamera, Licht, Farben und Musik vermitteln einen ganz zauberhaften Eindruck. Hätte Breloer den Geist, der über diesen wenigen Szenen schwebt, auf den ganzen Film erstrecken können, es hätte vielleicht ein kleines Meisterwerk werden können. Leider war dem nicht so.

Breloer meint, all seine Änderungen seien notwendig gewesen, um Buddenbrooks für die moderne Zeit verständlich zu machen. Hält er uns Deutsche inzwischen für so niveaulos, dass wir Thomas Mann in der Sprache Thomas Manns nicht mehr verstünden? Was erwartet uns in den nächsten 20 Jahren? Eine Tony, die meint "Ey, Grünlich, isch find disch voll unkrass, Alder."? Ich bin sicher, da Kulisse und Kostüme deutlich machen, in welcher Zeit wir uns befinden, hätte das Publikum die Original-Sprache wohl verkraftet. Es gibt ein gewisses kulturelles Erbe, das wir uns gerade in der heutigen Zeit der allgemeinen Volksverblödung bewahren sollten. Wirklichen Mut hätte Breloer zeigen können, indem er - wenn das Streben nach Aktualität ihm so wichtig ist - die Handlung auf unsere heutige Zeit angepasst hätte. (John von Düffel z.B. ist es extrem gut gelungen, seine Theateradaption von Buddenbrooks relativ zeitlos mit minimalem Bühnenbild (5 Stühlen und einem Tisch) und modernen Kostümen - jedoch in der schönen Sprache Manns - in ganz brillanter Weise umzusetzen.) Oder aber, Breloer wäre an Buddenbrooks herangegangen wie an die "Manns", indem er verfilmte Szenen des Buches den tatsächlichen Gestalten gegenüber gestellt hätte, auf denen Buddenbrooks ja basieren. Aber die künstlerische Freiheit", den Geist des Buches nach eigenem Gutdünken einfach derart umzugestalten, das hätte ich gerade von einem Breloer nicht erwartet.

Bis jetzt hat Breloer seinen Film nur an der Weidenmann Verfilmung von 1959 gemessen. Die 11-teilige Fernsehserie von Franz Peter Wirth hat er bisher nur einmal angesprochen, und zwar in Zusammenhang mit seinem Kameramann Gernot Roll, der bereits an der Fernsehserie mit gewirkt hatte und seine neuerliche Arbeit als "Wiedergutmachung" betrachte. Dies zitiert Breloer mit einem leicht süffisant anmutenden Lächeln, so dass es fast den Eindruck erweckt, er benutze Rolls Worte um seinerseits die Fernsehserie in einem nicht so guten Licht dastehen zu lassen.

Wenn allerdings Breloers Buddenbrooks demnächst in verlängerter Fassung im Fernsehen gezeigt werden, wird er sich an gerade diesem Maßstab messen müssen. Der 11-Teiler von Franz Peter Wirth ist in meinen Augen nicht nur die beste Buddenbrooks-Verfilmung, nicht nur die beste Thomas-Mann-Verfilmung, sondern eine der besten Literaturverfilmungen überhaupt. Sicher, auch dort gab es Kürzungen und kleinere Änderungen. Aber die Serie lebt durch die Kurzweiligkeit und die Sprache - entweder den 1:1 Dialog in den Worten Thomas Manns, die herrliche Erzählform Caninenbergs oder auch die Bilder, die sich einfach Zeit lassen und auch ohne Worte die Stimmung des Romans so wunderschön einzufangen vermögen. Sämtliche Protagonisten - von Martin Benrath und Ruth Leuwerik als Konsul und Konsulin, Reinhild Solf, Volkert Kraeft und Gerd Böckmann als Tony, Tom und Christian, Michael Degen als Grünlich - bis in die kleinste Nebenrolle (Klaus Schwarzkopf als Kesselmeyer, Heinz Baumann als Weinschenk) sind einfach ideal besetzt, und das Gesamtkunstwerk, das sich einem präsentiert, ist einfach von überwältigender Genialität.

Von Leuten, die das Buch kennen, hört man über Breloers Neuverfilmung fast durchweg stark enttäuschte Worte. Von Leuten, die das Buch nicht kennen, hört man, auf Nachfrage, wie sie den Film denn fanden, ein "nett". Die wenigsten werden nach Sichtung dieses Films also den Ansporn haben, die Romanvorlage kennen zu lernen. Schade, denn dies hatte ich mir durch die Neuverfilmung erhofft.
1818 Kommentare| 185 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. September 2015
Wer das Buch gelesen hat wird sehr enttäuscht sein. Man kann halt ein 730-Seiten Buch
nicht in 145 Minuten nacherzählen. Vielleicht hätte man eine Trilogie daraus machen sollen,
wie bei Herr der Ringe. Wirklich sehr vieles wurde weggelassen. Alles wurde gerafft und gekürzt
um in die Spielfilmlänge hineinzupassen. Von Manns erzählerischer Genialität merkt man im Film
natürlich nichts. Der Film ist ganz sicher kein Ersatz für das Buch. Wer ihn gesehen hat sollte trotzdem
noch das Buch lesesn.
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