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Kundenrezensionen

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am 18. Februar 2011
Tschakka ' Du schaffst es !!! Was für die einen die Phrase für die Überwindung des Unmöglichen ist, stellt für andere blanker Hohn da. Geirr ist seid einem Motorradunfall querschnittsgelähmt und quasi an den Rollstuhl gefesselt. Überfordert von der neuen Lebenssituation, stellt er doch mehr oder minder eine Last für seine Frau da, flüchtet er sich in seine Depressionshöhle. In ihr kifft er, trinkt, zieht sich Kriegsfilme oder Johnny Cash rein.

Ingvild, seine Frau, weiß weder ein noch aus. Auch sie kommt mit der Situation nicht mehr klar und bittet eine Selbsthilfegruppe für Behinderte um Hilfe. Geleitet wird die Gruppe von Leiterin Tori, die ihren durchaus kranken Haufen mit Psycho-Pushing-Phrasen immer wieder aufs Neue zum positiven Denken konditioniert. 'Kleine Veränderungen bringen große Veränderungen mit sich'. Wie sehr das Gruppenmotto im Verlaufe des Therapieabends, der sich über 79 Filmminuten erstreckt, greifen sollte, war hier noch gar nicht abzusehen.

Die durchaus bunt gemischte Behindi ' Gruppe schlägt alsbald bei Geirr und Ingvild zu Hause auf. Der Schlaganfallgeschädigte Asbjörn, der sich nur schwerlich artikulieren kann, die hübsche, intelligente Marte, die nach einem Kletterunfall, den ihr Mann zu verschulden hatte im E-Rolli landete. Gard, zerfressen ob dieser Schuld gleicht mit seinem weinerlichen Narzismus ebenso einem Pflegefall wie die altersegozentrische, Hypochonderin Lillemor. Nach einer anfänglichen Phase der bittersten Ablehnung lässt Geirr die Truppe in sein Haus und findet sich in die Gesprächsrunde bestens ein. Mit seiner derben, unverblümten Art gelingt es ihm innerhalb kürzester Zeit die rosaroten Brillen der Gruppe zu verschmettern und ihre wattene Schutzhülle abzustreifen. Tori, die die Gruppe eher als Karrieresprungbrett sieht, missfällt das Scheitern des Projekts natürlich und als die Situation zu eskalieren droht, verlässt sie die Gruppe.

Was nun folgt sind Dramen, die das Leben fernab von Hollywood schreibt. Das ist, was 'Die Kunst des negativen Denkens' zu einem besonderen Film macht. Die Nähe zur Realität. Ein Thema auf das lange der Mantel des Schweigens gehüllt wurde und immer noch wird. Behinderung und Emotion, Beziehung und Sexualität. Letztlich hinterfragt sich der Zuschauer sicher selbst, wie er, wäre er Protogonist dieser obskuren Possè, seine Entscheidung treffen würde. Die Figuren im Film zerstreiten sich untereinander, nachdem die Gruppe auf sich allein gestellt ist. Auf jeden Handlungsstrang einzugehen würde den Überraschungseffekt und das Momentum des Filmes zerstören.

Doch der schwarz-derbe Humor, der aufgrund seiner Realitätsnähe oft an der harten Schmerzgrenze ist, aber auch den Flair ausmacht, zieht sich wie ein Faden durch den Film.

Natürlich gehört zu einem ordentlichen Selbstfindungstrip eine gehörige Portion bewusstseinsverändernte Substanzen wie Alkohol und Hasch in rauen Mengen. Das man auf dem Gipfel des Geschehen in den Rollstühlen die Hauseinrichtung verwüstet, um anschließend russisches Roulette zu spielen, erscheint da wie ein Nebenkriegsschauplatz.

Wie in jedem Film findet auch 'Die Kunst des negativen Denkens' ein (fast) versöhnliches Ende, allerdings, ernüchternd, geläutert. Politisch korrekt mag er nicht sein, greift aber viele Themen auf, die Behinderte betreffen, um sie darzustellen, verständlich zu machen und zu unterstreichen. Ein Schlag ins Gesicht für jeden Gutmenschen, der sich auch am zweiten Arm offenkundig freut, wenn er den ersten verloren hat. Harte Dinge muss man auch mal nüchtern sehen. Die schwärzeste Komodie seit 'Harold & Maude' ' mit echten Kultfaktor.
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TOP 1000 REZENSENTam 5. Juli 2016
Geirr, Anfang dreißig, sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl. Aus der Welt hat er sich zurückgezogen. Seine teure Villa am Meer bedeutet ihm nichts. Von seiner Freundin Ingvald sucht er Abstand, da er nun auch impotent ist und sich nutz-und wertlos vorkommt. Stattdessen schaut er Weltuntergangsfilme, hört Musik, überwiegend Johnny Cash, trinkt dazu, und es kommt auch schon mal vor, dass er mit Wäscheklammern an den Brustwarzen und einer Knarre in der Hand einschläft.

Um Geirrs Lebensgeister wieder zu wecken, wendet sich Ingvald an eine Therapiegruppe, die aus körperlich und psychisch behinderten Menschen sowie einem nicht behinderten Angehörigen als Begleitperson besteht. Beim Besuch dieser Selbsthilfegruppe rund um die Leiterin Tori, die alle Teilnehmer wie Pawlow'sche Hunde aufs Positiv-Denken und Immer-Lächeln abgerichtet hat, um aus ihnen "Vorzeigebehinderte" samt vorbildlichen Angehörigen zu machen, gibt sich Geirr alle Mühe, die Luft zu verpesten, beißt mit seiner Verbitterung um sich und lässt sarkastische Sprüche vom Stapel, bis er so viel Unruhe gestiftet hat, dass unter den Menschen mit Behinderungen und zwischen den Nicht-Behinderten und Behinderten, also letzten Endes zwischen allen, ein Wettkampf ausbricht, wer denn nun am schlechtesten dran sei.
Damit ist der geordnete, besonnene Therapieansatz aus Toris Lehrbuch gescheitert. Stattdessen läuft das Treffen aus dem Ruder, donnern reinigende Klartext-Gewitter mit gegenseitigen Vorwürfen, Schuldzuweisungen und Frustabbau herab, wird ordentlich Alkohol getrunken, Inventar zerdeppert, Russisch Roulette gespielt und werden Joints geraucht. Kurz: Mit der "Selbsttherapie-Party" wird gewaltig befreiend aufgearbeitet.

"Die Kunst des negativen Denkens" versprüht schroffen bis brachialen Charme, ist vollkommen unsentimental und tatsächlich herzerfrischend. Der Seitenhieb auf herkömmliche, muffige, um Verständnis bemühte, kontrollierte Therapiesitzungen anhand von Verhaltensformularen und heuchlerisch angehauchter Phrasendrescherei als Denkanstoß tut gut. Wie nachvollziehbar erscheint das Bedürfnis Betroffener, im Rahmen des ihnen Möglichen einmal anarchisch auszubrechen und sich abzureagieren. Schön, bei diesem erfolgreichen therapeutischen Kontrollverlust dabei zu sein!
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am 22. Juni 2016
Kurzweiliger Film, macht es einem einfach möglich, sich in die Charaktäre und ihre Situationen hineinzuversetzen. Ideal für Leute, die manchmal glauben, es ginge ihnen am schlechtesten auf der Welt :)
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am 3. Juli 2012
Ich bin ja sowieso ein Fan des skandinavischen Kinos.
Die schaffen es einfach so derartig grandios Zynismus, Sarkasmus, Misanthropie und Trostlosigkeit mit beinhartem tiefschwarzen Humor zu paaren, dass es für mich schon fast ein eigenes Subgenre ist.
Es gehört schon viel dazu, einen Film zu erschaffen, der so ein tragisches Thema wie körperliche Behinderungen, Depressionen und Hoffnungslosigkeit behandelt und dabei noch so positiv und witzig rüberkommt, ja man fragt sich oft, soll ich jetzt lachen oder weinen, aber die Handlung ist perfekt inszeniert und es verschwimmen von Minute zu Minute die Grenzen zwischen Tragik & Komik immer mehr zu einem Strudel aus Chaos und Anarchie.
Für mich einer der besten Filme, die ich in meinem Leben je gesehen habe.
Und für jeden der an einem anspruchsvollem Film mit Aussagekraft und Message interessiert ist, greift zu, der Film ist der Hit.
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am 14. Oktober 2009
"Die Kunst des negativen Denkens" ist eine rabenschwarze Komödie, die viele kleine Einzeltragödien liebevoll aber auch extrem sarkastisch auf die Schippe nimmt.
Zu Anfang amüsiert man sich schlicht über die Leute, die zwanghaft positives Denken praktizieren und den Protagonisten zu bekehren versuchen, nach kurzer Zeit bleibt einem aber das Lachen im Halse stecken und weicht einer leichten Beklemmung, ob der Abgründe die hinter den positiven Fassaden lauern.
Hier wird auf äußerst humorige und intelligente Weise einer populären psychologischen Methode der Spiegel vorgehalten, daß es einem eine Freude ist.
Freunde plattgebügelter Hollywood Komödien werden mit diesem Film nicht viel anfangen können, Liebhaber von skurrilen, tiefsinnigen und beißend humorigen skandinavischen Filmen wie z.B. "Adams Äpfel", "Dänische Delikatessen", etc werden ihre Freude haben.
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am 10. April 2009
Seit einem Unfall vor zwei Jahren ist Geirr (hart: Fridjov Saheim) querschnittsgelähmt. Seine Frau Invild (hinreißend: Kirsti Eline Torhaug) lädt für ihn, inzwischen zum zynischen Misanthropen geworden, eine Therapiegruppe in ihrer beider Haus ein. Die Patienten, alle behindert oder Partner eines Behinderten, stehen unter dem Regiment von Psychotherapeutin Tori (Kjersti Holmen), sind darauf gedrillt, statt von Problemen von Lösungen zu sprechen und negative Äußerungen in einen Kotzbeutel zu sprechen. Toris Strategien prallen von Geirr ab, innerhalb weniger Stunden hat er ihr Therapiegebäude zum Einsturz gebracht, und unter seiner nun schonungslos ehrlichen Leitung veräußern die Gruppenmitglieder ihren Seelenmüll. Es kommt zu selbstzerstörerischen Exzessen und Verwüstungen, an deren Ende jedoch vieles aufgeräumter ist.

Der norwegische Regisseur Bard Breien zeichnet wunderbare Figuren, konzentriert sich auf einen Schauplatz, auf das Gegenspiel der Charaktere und untermalt dies mit fein ausgesuchter LSD-Musik. So gelingt es ihm, Identifikation mit Geirr zu schaffen, der nüchtern betrachtet wenig Potential dafür bietet. Zwar kommt die Therapeutin etwas sehr schlecht weg, und das Ende könnte origineller sein. Dennoch ist "Die Kunst des negativen Denkens" eine rundum gelungene Rache am gute Laune-Terror unserer Tage, am naiven Glauben, man könne unangenehme Wahrheiten mit einfachen Techniken ausblenden. Warum gelingen den Skandinaviern so viele komische Problemfilme mit verbindlicher Tiefe wie "Hawai - Oslo", "Die Idioten" oder "Elling"? Vielleicht liegt in der Trostlosigkeit vieler kurzer, trüber Tage, ein großes komisches Potential.
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am 4. Mai 2009
Die Norweger an sich' machen fast so gute Filme wie die Dänen. Was ist da bloß los im hohen Norden, wieso zeichnen sich gerade die Dänen, Schweden und Norweger durch so eine absurde Art von Komik aus, dass man ihren Regisseuren und Drehbuchautoren beinahe ständig applaudieren möchte? Liegt es an der Mittsommernacht, an der hohen Mehrwertsteuer oder vielleicht an den vielen hübschen Däninnen, Schwedinnen und Norwegerinnen? Ich weiß es nicht, aber ich bin froh, dass es so ist, denn dadurch hat das titelgebende Negativdenken gar keine Chance, sich durchzusetzen. Also, mal sehen, was uns die Norweger hier anbieten...

Auch in Norwegen gibt man Regie-Neulingen offenbar gerne eine Chance. Gut, wenn sie dann so prima genutzt wird wie von Regisseur Bård Breien, dem hier eine grandiose Mischung aus Drama und schwarzer Komödie gelungen ist, bei der einem mehr als einmal das Lachen im Halse stecken bleibt.

Geirr ist mies drauf, ganz mies sogar. Seit einem Unfall vor zwei Jahren ist er an den Rollstuhl gefesselt, und damit kommt er überhaupt nicht klar. Er verschanzt sich zu Hause, hört stundenlang Johnny Cash oder sieht sich Kriegsfilme an und ist zu einem übellaunigen, maulfaulen Grantler mutiert, der es Ehefrau Ingvild schwer macht, ihn nicht zu verlassen. Doch bevor Ingvild diesen letzten Schritt gehen will, versucht sie, Geirr mit Hilfe der Therapiegruppe der nervig optimistischen und redefreudigen Tori aus seinem mentalen Loch zu befreien. Da Tori somit das krasse Gegenteil von Geirr ist, stehen die Chancen nicht allzu gut. Tori wird begleitet von der dauerlächelnden, vom Hals abwärts gelähmten Marte samt Ehemann Gard, der einst Martes Unfall verschuldet hat, von der depressiven und ständig jammernden Lillemor sowie vom Schlaganfall gezeichneten Asbjørn. Dann kann's ja losgehen mit der Gruppensitzung bei Geirr zu Hause. Dumm nur, dass sich der diesem behinderten Optimistenpack gänzlich verweigert und überhaupt keine Lust hat, positive Motivationsphrasen nachzuplappern. Also wird Tori im wahrsten Sinne des Wortes in die Flucht geschlagen und Geirr bläst zur Therapiestunde der anderen Art: sagen wir doch einfach alle mal die Wahrheit, und zwar so lange, bis es richtig weh tut. Herbeigeschaffte Drogen und Alkoholika tun ein Übriges, um aus unseren pseudo-fröhlichen Behinderten Menschen zu machen, die sich endlich mal trauen, das zu sagen, was sie wirklich denken. Das wird schmerzhaft, sowohl psychisch als auch physisch. Erst als alle, nicht nur bildlich gesehen, am Boden liegen, zeichnet sich ein kleines Licht am Ende des Tunnels ab. Es war eine lange, harte, brutal ehrliche, witzige, erregende, deprimierende, gefährliche und lebensbejahende Nacht. Von wegen negative thinking...

Breien setzt sich hier völlig selbstverständlich über jegliche Art von political correctness hinweg. So werden Behinderte ohne Rücksicht auf ihre Behinderung wie ganz normale Menschen behandelt, ohne diese pseudo-behutsame Art, hinter der sich sowieso nur Hilflosigkeit verbirgt. Sie werden beschimpft, sie werden Ziel von Spott und Hohn und auch körperliche Gewalt wird hier ganz unverblümt angewendet. Von Sex ganz zu schweigen. Denn warum sollen eine depressive alte Frau und ein halbseitig Gelähmter, der kaum sprechen kann, keinen Sex haben? Eben! Manches Mal ist man doch ein wenig erschrocken, wie wenig Breien sich hier um gängige Konventionen oder gar Höflichkeit schert. Andererseits gibt ihm diese Handhabung die Möglichkeit zu vielen brüllkomischen Situationen. Trotzdem gelingt ihm das Kunststück, seine Protagonisten nie der Lächerlichkeit preiszugeben, egal, ob sie mit verrutschter Perücke halbnackt herumstehen oder, da komplett gelähmt, hilflos auf dem Boden liegen. Man kann sich einfach des Gefühls nicht erwehren, hier einen ungeschminkten, realen und richtigen Einblick in das Leben körperlich Behinderter zu bekommen, Seelenstriptease inklusive.

Die Schauspieler machen ihre Sache großartig. Man empfindet für jeden von ihnen Sympathie, so schlecht und daneben sie sich auch benehmen mögen. Das Drehbuch strotzt vor witzigen One-Linern, die einen mehrmals mitten im Lachen verschreckt innehalten lassen, nur, um dann innerlich zu applaudieren ob der unglaublich wahren Aussagen. Es gibt viele kleine, berührende Momente, die Einblick in die ganze Tragik des Lebens der Protagonisten gewähren und die Hoffnung nähren, dass selbst so ein sturer, grantiger und verbitterter Bock wie Geirr aus seiner schlimmen Depression wieder herausfindet. Perfekt abgerundet wird das Ganze von einem sehr individuellen Soundtrack, dessen Liedern man aufmerksam zuhören sollte, denn hier verbergen sich neben den scharfzüngigen Dialogen weitere interessante Texte. Mit 79 Minuten kommt der Film erfrischend kurz daher, somit bleibt für Langeweile gar kein Platz. Einen kleinen Abzug würde ich für den Look vornehmen, der mit Handkamera und leicht verwaschenen Farben etwas laienhaft daherkommt, was ja aber heutzutage gern auch als Kunstgriff ausgelegt wird. Ich hätte mir auf der technischen Seite aber doch ein klein wenig mehr Professionalität gewünscht. Ansonsten gibt's an diesem Film absolut nichts auszusetzen. Vier von fünf gruppendynamischen Therapiesitzungen auf Krankenschein.
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am 21. September 2015
Geirr(Fridtjov Sahelm) sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl. Seitdem hasst er das Leben. Seine Frau Ingvild(Kirstie Eline Torhaug) wagt den Versuch Geirr mit einer Selbsthilfegruppe zu konfrontieren. Die Gruppe wird von der resoluten komplett undemokratischen Tori(Kjerste Holmen) geleitet. Tori duldet grundsätzlich keinen Widerspruch. Das wissen auch der im Rollstuhl sitzende Asbjörn(Per Schaaning), die gelähmte Marte(Marian Saastad Ottesen), ihr Freund Gard(Henrik Mestad) sowie die depressive Lillimor(Kari Simonsen). Als die Gruppe in Geirrs Haus zum Besuch erscheint, rastet der vollkommen aus. Tori versucht ihre harte Tour durchzuziehen, doch an Geirr beißt sie sich die Zähne aus. Es dauert nicht lange, bis das komplette, selbstzerstörerische Chaos sich einen Weg bahnt'

Was für ein Film! Regisseur Bard Breien lässt eine Woge von dunkelschwarzem Humor auf den Zuschauer los, die sich gewaschen hat. Im Mittelpunkt des Chaos hockt Geirr in seinem Rollstuhl und sorgt dafür, dass die Welt der Gruppenmitglieder in Tausend Scherben zerspringt. Geirr beherrscht die Kunst des negativen Denkens. Aber genau diese Kunst sorgt dafür, dass am Ende jede der gescheiterten Existenzen der Gruppe wieder einen Lichtstreif am Horizont sieht. Der Film hat einige Preise eingeheimst und geht einen schonungslos geraden Weg. Mir hat das gut gefallen.

Das absolute Highlight der Produktion, jedenfalls wenn sie mich fragen, ist der Soundtrack. Der vereint Songs von Johnny Cash, den Backstreet Girls, Steppenwolf, den Cardigans, Nina Simone, den Ricochets und Fairpoint Convention. Die Lieder passen zu den Bildern wie die Faust aufs Auge.
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am 1. November 2014
.......einer meiner Favoriten der skandinavischen, stillen
und doch so lautstarken, aussagekräftigen Produktionen.
Es braucht etwas Zeit, bis man hineingezogen wird- in das Drama.
Aber wer sich in etwa mit diesen kleinen Filmkunstwerken auskennt,
der weiß eigentlich, daß da Spannung aufkommen WIRD.

Sei stark. Sei optimistisch. Sei stets politisch korrekt.
Und tolerant. Ach, du bist behindert!? Nicht so tragisch. Lächle.
Dann gibt es auch für dich einen Platz in unserem Zirkus der heilen Welt.
Erste Reihe natürlich- höher kommst du mit deinem Rollstuhl eh nicht.
Sieh`es positiv.

********************************************************

Story:

Geirr, 33 Jahre jung, steht auf "Apocalypse Now", Knarren und fette, fette
Joints. Dazu dröhnt düster Johnny Cash aus den Boxen,- denn Geirr sieht
die Welt in schwärzesten Farben, seit er nach einem Unfall auf den Rollstuhl
angewiesen ist.
Seine Freundin Ingvild hält die üble Laune bei aller Liebe kaum noch aus.
Darum lädt sie die Gruppentherapeutin Tori samt ihrer Truppe vorbildlicher
Behinderter ein.
Als das Feelgood- Kommando gegen Geirr`s Willen die Villa entert, dreht er
den Spiess um.......
...und bald kommt es zum Aufstand gegen die Sozialdompteuse und alle verordnete Heuchelei.
Die Stunde der bissigen Wahrheiten,- eine Nacht voller Sex, Drugs& Rock`n Roll.....
und.......;-)!!

__________________________________________________________

Fazit:

Sei wütend. Sei frustriert und verzweifelt. Und sei echt.
Denn ob behindert oder nicht- du wirst es nie schaffen, Probleme
zu lösen, wenn du nicht " die Kunst des negativen Denkens " erlernst.

Schwarzer, stoischer Humor- mal wieder vom Allerfeinsten- eben Skandinavien!!
Der Aufbau der Story hätte ( vielleicht) etwas anders, (noch) spannender
gestaltet werden können. Sicher.
Deswegen aber noch lange kein Sternabzug.
-----------------------

FÜNF Sterne, sarkastisch geschwärzte- für dieses anspruchsvolle Spektakel.
Bei dem einem so manches Mal das Lachen im Hals stecken bleibt.

Kaufempfehlung!!
Jap!!
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TOP 1000 REZENSENTam 13. November 2012
(Vorsicht, Spoiler nicht ausgeschlossen!)

Es ist sicher kein Zufall, daß die zielstrebige Psychologin Tori (Kjersti Holmen) gerade dieses Lied anstimmt, als sie merkt, daß ihr neuester Patient Geirr (Fridtjov Såheim) so ziemlich alle Platten von Johnny Cash hat, und eigentlich meint sie wohl eher „Why don’t you come to my senses?“, denn genau darin liegt ja die Tyrannei des positiven Denkens – während das negative Denken einfach in Ruhe gelassen werden will.

So ist denn der Film „Die Kunst des negativen Denkens“ (2006) des Norvegers Bård Breien eine schonungslose Abrechnung mit dem dummdreisten und dabei doch auch so berechnenden Optimismus, den man vor Jahrzehnten zwischen Buchdeckel mit der Aufschrift „How to Stop Worrying and Start Living“ oder „Anleitung zum Unglücklichsein“ gepreßt auf die Menschheit losgelassen hat und der seitdem aus der Küchenpsychologie nicht mehr wegzudenken ist. [1] Zur Geschichte: Nach einem Unfall ist der 33jährige Geirr an den Rollstuhl gefesselt und verbringt sein Leben vornehmlich damit, Johnny Cash zu hören, zu kiffen und Kriegsfilme zu sehen, während er sich von seiner Frau Ingvild (Kersti Eline Torhaug) zusehends entfremdet, da er – obwohl sich beide, wie immer wieder deutlich wird, eigentlich noch lieben – darunter leidet, sie sexuell nicht mehr befriedigen zu können. Um ihre Ehe zu retten, wendet sich Ingvild an die Psychologin Tori, die gerade dabei ist, ein Buch über ihre Form der positives Denken verwendenden Gruppentheorie zu promoten, und mit ihrer Gruppe macht sich die Karrierefrau dann auch auf den Weg zu Geirr und Ingvild.

Ein kurzer Überblick über die Gruppenmitglieder: Da sind die vom Kopf ab völlig gelähmte Marte und ihr Ehemann Gard, der sie bei einer Bergtour nur unzureichend abgesichert und dadurch ihren Unfall verschuldet hat; ebenfalls im Rollstuhl sitzt der durch einen Schlaganfall sprechunfähig gewordene Asbjørn, und mit einer Halskrause, einer tiefsitzenden Depression über ihr Alleinsein sowie einer häßlichen kleinen Wohnung gestraft ist die schon etwas ältere Lillemor. All diesen Menschen hat Tori schon durch die Kunst des positiven Denkens geholfen, und wenn doch einmal unangenehme Gedanken auftauchen, dann werden diese einfach in einen Kotzbeutel gesprochen und dem Vergessen anbefohlen. Hurra! Nun allerdings trifft Tori auf Geirr, und sofort fallen, ausgelöst durch sein mehr als abweisendes Verhalten, die Masken. Sehr schnell entpuppt sich Tori als eigentlich nur am Erfolg ihres Buches interessierte Egoistin, die die Gruppe in der entscheidenden Phase im Stich lässt, und zudem offenbart sie einen Charakterzug, der eigentlich jedem Menschen, der mit geistig oder körperlich Behinderten arbeitet, möglichst fremd sein sollte: Sie hat Freude daran, oder zumindest keine Skrupel, ihre Gruppenmitglieder aufs schamloseste zu manipulieren. Geradezu primitiv lächerlich sind ihre Versuche, sich über Bemerkungen zu „Apocalypse Now“, den sich Geirr gerade ansieht, oder über Johnny Cash bei ihrem neuen Klienten lieb Kind zu machen, um sein Vertrauen zu gewinnen. Als diese Versuche nichts fruchten, verlegt sie sich aufs Drohen. Später dann instrumentalisiert sie Asbjørn, indem sie eindeutig gegen dessen Willen seine Lebensgeschichte zum besten gibt, um Geirr zu beeindrucken, und kurz vor ihrer Nemesis schnappt sie sich den scheinbar wehrlosen Geirr, um mit ihm zu Cashs „Cry, Cry, Cry“ einen spöttischen Tanz aufs Parkett zu legen. Alles, was sie in der Gruppe aufgebaut hat, beruht auf Verdrängung der eigentlichen Probleme und Konflikte, mit denen sich die Betroffenen auseinanderzusetzen hätten, und darauf, mittels der Tyrannei der Zuversicht Macht über ihre Klienten auszuüben. Ganz böse auf den Punkt gebracht, vollendet sie im Falle Martes deren Lähmung, indem sie der jungen Frau auch noch die Macht über die letzten Muskeln, über die Marte eigentlich noch Gewalt hätte, nimmt – nämlich ihre Gesichtsmuskeln, die unter Toris Gute-Laune-Dogmatik zu einem krampfhaften Dauergrinsen gefrieren.

Was hat demgegenüber Geirr zu bieten? Nicht viel, abgesehen davon, daß er die Mitglieder der Selbsthilfegruppe ernst nimmt, was sich darin äußert, daß er sie zunächst ziemlich grob anpöbelt, um einmal auszutesten, wie sehr sie dem positiven Denken schon verfallen sind. Dann folgt ein wahrer Selbstfindungshöllentrip, bei dem endlich, endlich auch das Kotzbeutelchen seiner richtigen Bestimmung zugeführt wird und der in einer an die Schlüsselszene in „The Deer Hunter“ (1978) erinnernden makabren Runde endet. Ein bißchen platt scheint dieses Ende auf den ersten Blick zu sein, aber dennoch wirft es jede Menge Fragen auf. Soll Geirrs Selbstfindungskurs schlicht bedeuten, daß jemand, der den Tod in Kauf genommen hat, am Ende so frei ist, daß ihm alle Zwänge nun nicht mehr als ernsthafte Hindernisse erscheinen – ungefähr so, wie es schon Kirillow in Dostojewskis „Die Dämonen“ propagierte? Oder bedeutet das Ende ganz einfach, daß man in manchen Situationen ganz im Keller angekommen sein muß, um wieder einen Schritt nach oben unternehmen zu können?

Man sieht, „Die Kunst des negativen Denkens“ ist ein Film, der recht lange nachwirkt, auch wenn der Zuschauer während des Filmgenusses nicht unbedingt mit geschliffenen Dialogen überhäuft wird. Denn hier wird ganz lakonisch mit dem Hammer philosophiert, Heuchler demaskieren sich in ihrer nackten Erbärmlichkeit, und so manche Grobheit erscheint im nachhinein als gutgemeinter Rat. Auch wenn „Die Kunst des negativen Denkens“ sich in eine Reihe skandinavischer Komödien mit schwarzem Humor einreiht, ist dieser Film eher eine Komödie im dramentheoretischen als im modernen Sinne, denn das Lachen erfolgt hier ganz oft mit einer gewissen Zeitverzögerung, dafür aber umso befreiender. Wer schon so auf Hollywoodhumor konditioniert wurde wie Toris Gruppe auf positives Denken, der wird allerdings an Breiens Film wenig Freude haben, denn trotz einiger Überzeichnungen bleibt der Film sehr stark der ungeschminkten Realität verhaftet – und letzten Endes auch ziemlich ernst. Schaut man „Die Kunst des negativen Denkens“ mit den richtigen Leuten, wird man im Anschluß sicher angeregte Gespräche führen.

„Die Kunst des negativen Denkens“ ist ganz gewiß keine seichte Komödie, auch keine bissig-witzige Satire, sondern eines jener seltenen, scheinbar dürren, doch kraftvollen Kino-Gewächse, die nur in skandinavischer Luft gedeihen können.

[1] Als Gegengift empfehle ich übrigens den Klassiker „Candide ou l’optimisme“, der vielleicht ein wenig angestaubt wirken mag, aber immer noch seinen Zweck erfüllt.
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