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am 18. März 2010
1959 war das Jahr der Jahre im Jazz. Davis (Kind Of Blue), Coleman (Shape Of Jazz), Coltrane (Giant Steps) und Mingus (Mingus Ah Um) überwanden mit ihren Meisterwerken endgültig die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation. Was Mingus individuell als Jazzmusiker so einzigartig machte, war der Umstand, dass er wie kein anderer in der Lage war, seinen Empfindungen und Gefühlen einen akustischen Ausdruck zu verleihen. Ob das nun Wutausbrüche, Anflüge von Zärtlichkeiten, seelische Störungen oder psychische Spannungen waren - für Mingus, der sein temperamentvolles Gemüt selten zu kontrollieren wusste, war die Musik immer ein Mittel zur selbst disziplinierenden Läuterung und ein Weg zum eigenen inneren Gleichgewicht zurückzufinden. So finden sich auf Mingus Ah Um zahlreiche solcher extrem expressionistischer Stücke, die eben genau diese evokativen Bilder in einer Assemblage aus Post-Bop, Blues, Gospel Shouts, Avantgarde und treibenden Basslinien von Mingus Seelenzustand zeichnen. Das balladeske "Goodbye Pork Pie Hat" ist ein musikalischer Nachruf in f-Moll an den im März 1959 (7 Wochen vor den Ah Um-Sessions) verstorbenen Lester Young, der eben immer einen solchen flachen und runden Filzhut trug und als Erster das Tenorsaxophon sanft und kühl spielte. Mingus wählt eine von Traurigkeit geprägte bluesige Variante der Interpretation, deren 12-taktige Form die geschmeidige Eleganz des Menschen und Musikers Young imaginiert, über den Mingus sagte: "Wenn ich ihn in einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es Sensitivity. Er überragte die meisten Musiker, aber er benahm sich dabei nicht wie ein Gorilla." Worte, die für einen sardonischen und aggressiven Bassisten wie Mingus, der zu dieser Zeit sehr ausschweifend lebte, verblüffend sind, die aber die liebevolle Zuneigung zu dem sehr verletzlichen Saxophon-Lyriker Young gut beschreiben. Entsprechend leise flüstern die beiden Tenorsaxophone auf dem Stück das Thema. Zwei Solo-Chorusse gab er an John Handy. Die 24-Takte-Improvisation wurde zum Klassiker, insbesondere das zitternde Flatter-Tremolo eingangs des zweiten Chorus. Joni Mitchell nahm 20 Jahre später das Thema und Handys Solo als doppelte Hommage an Young und Mingus mit Betextung ("When Charlie Speaks Of Lester") neu auf. Der Opener "Better Git It In Your Soul" besticht durch die typisch stöhnenden gospelartigen Wa-Wa-Dämpfertechniken der Bläser (veredelt mit markanten Shouts) und zeichnet eine warme Sonntagmorgenatmosphäre, die den Geist der Methodistenlehre seines Elternhauses mit reichlich Diatonik erwecken lässt. Aufgenommen wurde das Stück in Reminiszenz an Art Tatum und die modale Kirchenmusik der Schwarzen, mit der er aufgewachsen war. Solche verehrenden Gedenkstücke, die Mingus ausdrücklich und mit Stolz zu seinen Jazz-Ahnen verfasste, bilden das Grundkorsett von Mingus Ah Um. "Open Letter To Duke" ist eine Komposition, die wieder mal seiner Bewunderung Duke Ellingtons entspringt. "Jelly Roll" ist ein Porträt des sehr einflussreichen Pianisten und Komponisten Ferdinand "Jelly Roll" Morton La Menthe, der seinen Spitznamen Jelly Roll seinen zahlreichen Affären zu verdanken hatte. Entsprechenden Spass hat Mingus beim Spielen des Stückes, das in seinen lockeren Rhythmen und dynamischen Tempowechseln die charmante Sprunghaftigkeit Mortons beschreibt. In "Pussy Cat Dues" verbeugt er sich vor dem klassischen New Orleans Jazz der 20er Jahre. Auf "Bird Calls" nimmt er den Avantgarde-Jazz der 60er vorweg. Ungewöhnlich swingende Töne schlägt er im "Boogie Stop Shuffle" an. "Fables of Faubus" ist eine sarkastische Verhöhnung des damaligen rassistischen Gouverneurs von Arkansas Orvel Faubus. Es war das erste Mal, dass Mingus seinem Protest gegen die Segregation der Schwarzen mit stark betonten Noten freien Lauf ließ. Das Stück entwickelte er über Jahre hinweg und schrieb es mehrmals um. Zwar regte sich in ihm auch schon früher Widerstand gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse, wie etwa auf dem "Haitian Fight Song", den er 1955 im Cafe Bohemia spielte, eine derart klare Positionierung bezog er vorher allerdings noch nicht. Zusätzlich gibt es auf dieser Edition noch zahlreiche Bonustracks dieser Sessions, wie das neu interpretierte "Girl Of My Dreams" von Jimmy McHughs Bostonians, sowie einige Alternate Takes. Das Werk ist ein unruhig brodelnder und nervöser Dampfkessel an Emotionen und Intuitionen. Das Außergewöhnliche an der Platte ist die Verbindung zwischen den beiden Revolutionen des Jazz: dem Bop der 40er und dem Free Jazz der 60er bzw. zwischen modalen und frei improvisierten Jazz. Über stehende Skalen wird minutenlang drüberimprovisiert. Den Bop verewigt er quasi, während er zugleich den Free Jazz als einer der Vorreiter mit vorwegnimmt. Auch Mingus Ah Um ist, wie alles was seit 1956 von Mingus veröffentlicht wurde, von dieser aggressiven Polyphonie gekennzeichnet, die sämtliche aufgestellten Konventionen über Bord warf, ja sogar verhöhnte. Er fühlte sich zwar immer den Boppers und Coolsters am nahesten. Aber seine Vorliebe für dissonante Kollektivimprovisationen, die diese typischen angstvollen, schreienden, aggressiven und schockierenden Motive seiner Musik transportierten, machten ihn zu einem der Vorreiter der Free Jazz Welle, deren Höhepunkt in den 60ern folgte und mit deren Musikern Mingus später dennoch überhaupt nichts anfangen konnte, die ihm auch letztendlich völlig fremd blieben.
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am 28. August 2013
Ein starkes Album in technisch guter Qualität; die Jazz-Klassiker klingen frisch und unverbraucht. Dazwischen immer der Ruf "Yes, I know! - I Know, Lord!"
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