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am 27. März 2016
Der Film des Regisseurs Rouven Blankenfeld aus dem Jahr 2006 ist kein Horrorfilm, Slasher oder was auch immer.
Er zeigt Boris (Karsten Dahlem), einen unauffälligen jungen Mann, der nach einer Haftstrafe (er habe den Zuhälter seiner Freundin getötet) in einer Fabrik am Band defekte Flaschen aussortiert, auch ausgeht und seinen Kollegen, eine Familienvater mit 2 kleinen Kindern besucht, ehrenamtlich für eine Essensausgabe an Bedürftige tätig ist.
Aber: Boris Gehirn ist krank, abartig. Nur tote Frauen kann er körperlich lieben, und das ist nicht nur eine Phantasie, wie sie vielleicht gar nicht ganz selten ist, er setzt sie auch in Taten um, er benutzt keine toten Frauen, er tötet sie selber. In diesen Jungen Mann verliebt sich die ca 50jährige Mutter deines Opfers, da er sich aufmerksam und empathisch gibt.
Erst durch ein unbedachtes Geschenk, das sie auf einem Polizeifoto wiedererkennt, während man ihr auch mögliche Verdächtige, so wie auch ihn, präsentiert hat, lässt in Mariet einen schlimmen Verdacht aufkommen. Mit einer Pistole in der Handtasche sucht sie Boris in seiner Wohnung auf, zum denkbar "passendsten Zeitpunkt", die Waffe kommt zum Einsatz.
Sicher sind die Tötungsszenen abstoßend, aber da hat man auch in Filmem mit Jugendfreußigabe schlimmeres Gesehen, und die Sexszenen sind zwar explizit, aber nicht genitaldetailliert, hätte es sich um Lebende als Partnerinnen gehandelt, hätte auch kaum einHahn nach Zensur gekräht.
Die Abartigkeit des Geschehens ist der Grund für FSK 18. Diese Handlungen werden aber nicht genüsslich für Voyeure ausgewalzt, und vor allen Dingen geht aus dem Film, und das wird meiner Meinung nach ein Anliegensein, dass Boris nur mit toten Frauen sexuelle Befriedigung erreichen kann, und neben dieser Abartigkeit (Irrtum der Evolution?) fehen ihm auch moralische Hemmungen, er benutzt nicht irgendwelche weiblichen Leichen, sondern tötet selber, aber ohne Lust am Töten. Er ist nicht thanatophil, des Tötens, des Sterbens begierig, sonderne er braucht tote Frauen, weil sie für sein krankes Hirn die einzige Möglichkeit sexueller Befriedigung bieten. Das soll nicht im Geringsten eine Rechtfertigung sein, neben der Nekrophilie fehlt ihm die Hemmschwelle, zu töten, aber nicht der Akt des Tötens befriedigt ihn.
Ein weiteres Thema ist auch das, was Hannah Ahrendt mit der "Banalität des Bösen" beschrieb, als sie den Prozess gegen Adolf Eichmann vrerfolgte. Boris sagt einmal beieinem Essen mit Mariet und deren Bekannten, dass der Tod nicht schlimm sei, er scheint sich auch evenzuell als Erlöser tu fühlen, aber er "erlöst" ja nur ganz bestimmte Menschen, es handelt sich hier am ehesten um eiinen Selbstschutz- oder rechtfertigungsmechanismus, den sich die Seele um seine Taten gebastelt hat.

Umwerfend Neues bietet der Film also nicht, neu ist vielleicht , dass der Psychopath hier im Sinne eines Tabuthemas dargestellt wird, wie z.B. auch Pädophilie. Und da nicht heilbar, allerhöchstens behandelbar durch chirurgische oder medikamentöse Kastration, bleibt zur Zeit außer Wegsperren von Menschen, denen die Hemmung fehlt, solche Triebe auszuleben, keine Option. Man muss sich dann aber auch fragen, was man mit einem Vergewaltiger macht, der eine oder mehrere Opfer am Leben lässt, aber sie seelisch schwer schädigt oder ihre Seele tötet.

Bewundernswert der Mut des Darstellers des Boris, fiese Rollen sind ja oft sehr dankbar, diese wahrscheinlich eher nicht, Das Spiel war etwas hölzern, schauspielerisch hat mit Stefanie Mühle mehr gefallen. Interessant wäre gewesen, wie seine Kindheit und Jugend verlaufen ist.

So richtig gepackt hat mich der Film nicht, ich habe nichts Neues gesehen außer einer besonderen Art von Psychopathie, die so filmisch eher die große Ausnahme sein dürfte.

Doc Halliday
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am 14. Januar 2016
Mikroskopisch nahe fährt die Kamera über nackte Haut.
So dicht, dass wir die kleinsten Strukturen erkennen können. Lippen in Grossaufnahme, eine Brustwarze von hektischen Fingern geknetet. Ein Mund, der unangenehm nahe gefilmt über einen anmutigen Nacķen gleitet, eine blonde Haarsträhne, die sich um Unterarme kräuselt.
Dazu ein Keuchen, Rascheln.
Wenn das Bild etwas zurückfährt sehen wir in die totenstarren Pupillen eines Mädchens. Noch weiter zurück und während der ganze zierliche Frauenkörper unter den Stössen der Penetration ruckt, uns das blasse verdrehte Gesicht immerzu mit gebrochenen Augen anblickt, erkennen wir die ganze makaber schockierende Szenerie. Eine entkleidete Mädchenleiche rücklings über das eiserne Bettgestell drapiert. Ein nackter schlanker Mann, der vor ihr stehend sich an der Toten vergeht.
Mit dem nächsten Cut wechselt schlagartig die Szenerie. Der junge Mann, den wir eben noch voyeuristisch bei seinem Tun beobachteten, sitzt gedankenverloren vor hunderten auf einem Fliessband vorbeiratternden Glasflaschen. Ein ohrenbetäubender Lärm herrscht in der Fabrik. Ab und zu beugt er sich vor, sortiert die ein oder andere defekte Flasche aus. Anschliessend sehen wir ihn in der Umkleidekabine seines Arbeitsplatzes. Kollegenplausch, ein Feierabendbierchen. Der nette, etwas schüchterne und nachdenkliche Kollege von nebenan.
Sehr zurückgezogen lebt Fabrikarbeiter Boris, in sich gekehrt, aber freundlich, hilfsbereit, ein gern gesehener Mitarbeiter und wohl ein Mensch , dem man vertrauen kann.
" Schau, die steht auf dich?" witzelt ein Freund abends in der Kneipe, als die Kellnerin Boris zweideutige Flirtblicke zuwirft. Einen Schlag bei Frauen hat er mit seiner gutmütigen Art und dem ruhigen Auftreten auch.
Nur wir Zuschauer wissen bereits aus der ersten Szene von dem kühl berechnenden Monster, dem Mörder, dem nekrophilen Verbrecher.
Jekyll und Hyde, Norman Bates und Jeffrey Dahmer und hier dieser introvertierte Mann in der Kneipe. Das unergründliche Böse, die Perversion, die Einsamkeit und Empathielosigkeit, die sich hinter dem gewinnenden freundlichen Lächeln verbirgt, verstört und beunruhigt immer aufs Neue .
Auf dem Nachhauseweg wird Boris bereits wieder zum unsichtbaren Verfolger. In der Menschenmenge des Feierabends hat er bereits ein neues Opfer im Visier. Wie ein schleichendes Raubtier folgt er einer jungen Drogenabhängigen, die ziellos durch die Strassen geht.

Mensch und die Bestie im Menschen und die Schrecklichkeit, wie schnell sie regelmässig Oberhand gewinnt und die Fährte aufnehmen kann. Schockierend vor allem die Alltäglichkeit, die Banaliät des Grauens.
Boris, ist der gepflegt unauffällige , nicht unattraktive Durchschnittsmensch, der genau Ihnen gerade eben im Gewühle, die Tür aufgehalten haben könnte, oder der sie in der Buchhandlung bediente, oder sie vielleicht so hinreissend schüchtern zu einem Tässchen Cafe im Supermarkt einlud.
Das Irrationale in uns, die Dämonen, die in der menschlichen Seele unberechenbar hausen, sie sind immer das Thema der eindringlichsten Thriller und Horrorfilme gewesen.
Ganz weit oben in der Liste reiht sich da " Lieben" ,diese intensive Studie eines Mörders und nekrophilen Täters ein.

Nekrophilie, das vielleicht letzte Tabuthema neben Kannibalismus bei dem die Filmemacher heute noch zurückzucken, denn wie schwierig ist es hier eine ernsthafte, glaubwürdige und komplexe Herangehensweise zu finden.
Der junge Regisseur Rouven Blankenfeld hat diesen Drahtseilakt mit Bravour gemeistert.
Bravour heisst in dem Fall, das " Lieben" niemals in den Sleaze des Exploitation Kinos abgleitet, von hoher künstlerischer Raffinesse, einem grandiosen Schauspieler ( Karsten Dahlem) getragen ist, ein intelligentes, packendes Drehbuch hat und eine schleichende Intensität erzeugt , die lange nach dem Abspann noch einmal so richtig unter die Haut kriecht. So gefesselt ist man von der nüchtern, fast spröden, gleichwohl niederschmetternden Story von " Lieben" , dass das nackte Grauen über die bodenlose Schwärze des Gesehenen noch Stunden später das Bewusstsein umfängt. Diesen Boris, den Mann aus der Menge, einer von uns, den werden wir so schnell nicht mehr los in den Gedanken.

Horror in Film und Literatur ist künstlerisch überhohter Ausdruck der Hilflosigkeit im Begreifen zweier fundamentaler Mysterien unseres Daseins. Eros und Thanatos, die Liebe und der Tod, die beiden irrationalen Pole bei denen die Kontrollwut des Menschen versagt und die massgeblich unsere Existenz bestimmen , sich jeglicher Spielregeln entziehen, und die immer wieder aufs neue in kulturellen Ausdrucksformen bearbeitet werden müssen, um sich ihnen anzunähern.
Das Thema Nekrophilie vereint nun offensiv fast unerträglich aufwühlend genau diese beiden Gegensätze.
Warmer, atmender Organismus verschlungen in kaltem verfaulendem Körper, dem Jenseits angehörig.
Lust und Angst, Ekel und Sehnsucht, Hingabe, Entsetzen, Vergehen und Unentrinnbarkeit.
Jede kunstvolle Statue auf alten Friedhöfen umschmeichelt und verklärt den Tod. Jedes Werk der Schauerromantik von Sacher Masoch über den Vampirmythos bis zu Edgar Allan Poes Nachmahren beschäftigt sich im Wesen genau mit dem Clash dieser menschlichen Mysterien und dem Versuch die Grenzen zwischen beiden durchlässiger zu machen . Aus Liebe und Tod speisen sich alle weiteren Verzweigungen der menschlichen Emotionen.
Horrorfilme müssen Grenzen übertreten, müssen auch einmal ( nicht immer) Tabubilder sichtbar machen und organisch zeigen. Joe D' Amato widmete sich der Nekrophilie in den siebzigern mit " Sado- stoss das Tor zur Hölle auf" auf typische italienisch sleazige Art. Einen bewegend ernsthaften Beitrag lieferte der Spanier Nacho Cerda mit " Aftermath" und zurecht die grösste Aufmerksamkeit wurde dem deutschen Independent Regisseur Jörg Buttgereit mit seinem unglaublich aufwühlenden " Nekromatik" und " Nekromantik 2" zuteil.
" Lieben " jedoch geht in eine etwas andere Richtung als Buttgereits versponnen blutige, oft surreale Todessinfonie.
Rouven Blankenfeld, dessen " Lieben" übrigens seine hochprofessionelle Abschlussarbeit an der Filmhochschule darstellt , inszeniert eher in der klaustrophischen Dichte und klaren naturalistischen Distanziertheit eines Michael Haneke , frühen Volker Schlöndorff oder Martin Glasner.
Tatsächlich hat " Lieben" mehr etwas von der unerbittlichen Hoffnungslosigkeit von Glasners " Der freie Wille" oder Hanekes " Bennys Video" als von Buttgereits experimentell expressionistischen Bilderfluten.

Wieviel unterschwellige Drastik und Tiefgründigkeit man eben durch das Weglassen von Effekthascherei erreichen kann, dafür ist " Lieben" ein gelungenes Beispiel. In " Lieben" geht es tatsächlich in schmerzhaft, bestürzend tragischer Konsequenz für alle Beteiligten um die Liebe, um die unerfüllte Sehnsucht nach der Erlösung, nach Angenommen sein und dem pervertierten, zum Scheitern verurteilten krankhaften Versuch Nähe, Zärtlichkeit und Verschmelzen mit einem anderen Individuum zu erfahren.
Karstem Dahlem spielt Boris so beängstigend authentisch mit unzähligen kleinen Facetten, dass dieser Charakter uns sehr nahe kommt in seiner Ambivalenz. Boris engagiert sich sozial beim Ausschank in einer Suppenküche für Obdachlose und Drogenabhängige. Gleichzeitig findet er hier auch immer wieder seine weiblichen Opfer, die er nach Hause einlädt. Er ist gern gesehener Gast bei Einladungen im Freundeskreis, verunsichert aber gleichzeitig die anderen am Abendtisch ,wenn er plotzlich sinniert : "Ich habe keine Angst vor dem Tod. Der ist für mich Freiheit. Die meisten Menschen leben doch sowieso in der Hölle, oder nicht ?!"
Von aussen betrachtet könnnte seine Annäherung an eine etwas ältere vom Schicksal schwer getroffene Frau, vielleicht beider Erlösung aus der Destruktivität und Tristesse sein, doch gerade diese Frau, Mariet mit Namen, ist die Mutter , eines der von ihm getöteten Mädchen, nach dem die Polizei noch immer ergebnislos sucht.
Welch eine Perfidie.
Doch zunehmend setzt die Kripo die Puzzleteile richtig zusammen. Als Mariet ahnt, dass der Mann den sie liebt und der ihr so einfühlsam in der schweren Zeit zur Seite steht in Wahrheit der Verursacher all ihren Leides ist, kommt es zur letzten tragischen Konfrontation.

Die beiläufige, fast reportagehafte Machart weiss gekonnt zu verschleiern ,wie radikal finster " Lieben" in Wirklichkeit ist. Hoffnung auf das Finden eines Auswegs ist für alle Beteiligten nicht vorgesehen. Boris kann nur mit gerade getöteten Mädchen sexuell verkehren, die er auch nur zu dem Zweck erwürgt, auszieht, badet, penetriert, sich mit ihnen ins Bett legt oder Fernsehen schaut.
" Ich bin wieder zu Hause" , ruft er jedesmal wenn er abends seine Haustür aufschliesst in seine dunklen Räumlichkeiten. Niemand wird ihm antworten. Nur kalte Mädchenkörper mit glasigen Augen und verdrehten Gliedmassen warten hier auf ihn.
Sobald die Verwesung einsetzt, zertrennt er Haut , Innereien und Knochen mit einem elektrischen Fleischermesser und wirft die sterblichen Reste des nachts in einen Gully. Alltäglich, routiniert ohne Erbarmen und Anteilnahmne.
Als eine junge gekidnappte Studentin in einer der spannendsten Szenen , während Boris neue Präservative am Automaten auf der Strasse holt wieder unvermutet in der Wohnung erwacht und nackt und benommen aus dem Zimmer in den Hausgang flieht, beten wir sie möge entkommen, doch " Lieben" kennt keine Gnade.
Blankenfeld erspart uns Gott sei Dank halbseidene psychologische Erklärungen für die Motivationen des Mörders. Es ist so wie es ist, so wie auch das Böse oft eben grundlos in der Welt existiert . Auch das macht " Lieben" so absolut glaubhaft und damit ungewöhnlich. Verständnis für den Täter wird nicht erzeugt und doch werden wir manipulativ in die teuflisch ambivalente Komplizenrolle gedrängt, die schon Hitchcocks " Psycho" zu eigen war. Geschickt splittet Blankenfeld beispielsweise unsere Emotionen in der oben geschilderten Fluchtversuch-Szene. Hin und her schneidet die Szenerie ,wenn das Mädchen wieder bei Bewusstsein im Zimmer nach der Türklinke tastet und auf den Gang herauskriecht, und Boris draussen auf der nächtlichen Strasse am Kondomautomaten hantiert. Insgeheim hoffen wir auch im Stillen , Boris möge rechtzeitig zurückkehren , um die Flucht zu vereiteln, damit seine Verbrechen nicht auffliegen. ( Insider können übrigens in dieser speziellen Szene auch zwei Reminiszenzen erkennen, einmal an " Texas Chainsaw Massacre" und an " Frenzy") .

Fazit: " Lieben" ist brillantes deutsches Kino, wie man es so mutig, abseitig und intensiv leider viel zu selten erlebt.
Ein Film der Angst macht. Angst vor dem Monster, das so menschlich normal ist, dass wir es niemals auf der Strasse erkennen könnten.
Angst vor den Untiefen des Begehrens und der psycholgischen Abgründe, die in uns als Homo Sapiens angelegt sind und vor allem Angst vor der selbstverständlichen Allgegenwart des Schreckens.
Von Regisseur Rouven Blankenfeld wird man noch viel Aufregendens erwarten können .
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am 4. Mai 2009
Gleich vorweg: ,Lieben' aus der Kameraspule von Rouven Blankenfeld zählt zu den unangefochtenen (Independentfilm-) Pflichttiteln des Jahres 2009.

Wer Gerald Kargls brillanten ,Angst', Jörg Buttgereits Wegweisende ,Nekromantik' und ,Nekromantik 2 - Die Rückkehr der liebenden Toten', aber auch Johan Vandewoestijnes No Budget-"Bluterguss" ,Lucker - The Necrophagous' und/oder Marian Doras (True Crime- beeinflusstes) Kannibalenepos ,Cannibal' verehrt, sollte, nein, muss Blankenfelds packende Darstellung menschlicher Abgründe einfach gesehen haben.

Dieses morbide und gleichzeitig beklemmende Meisterwerk, das zum Glück nie billig oder gar "C-Movie"-like aussieht (im Gegenteil - so professionell wie hier, wurde das Tabubrechende Thema Nekrophilie wohl noch nie angegangen), rockt das Wohnzimmer, ohne dabei die Gore-Schraube zu überdrehen.

Doch damit nicht genug: Das Acting der hier vertretenen SchauspielerInnen ist sensationell gut. Glaubhaft wird jede Rolle bis zum (frei interpretierbaren) Open End gemeistert, um nicht zu sagen zelebriert. Klasse!

Doch um was geht es eigentlich?

Nun, Boris ist ein sozial verwahrloster Zeitgenosse, der sich tagsüber seiner stupiden Arbeit als Flaschensortierer ergibt, ehe er sich Abend für Abend auf die Pirsch nach jungen Frauen begibt. Die (Mitleiderregenden) Objekte seiner kranken Begierde sind (überwiegend) gescheiterte Existenzen, die sich meist in der Kölner Drogenszene tummeln und deren Verschwinden folglich (zuerst) nicht sonderlich auffällt. Was sich so banal liest, entwickelt sich von der ersten Minute an zu einem albtraumhaften Psychogramm eines ausgewiesenen Triebtäters, der mit Frauen nur dann schlafen kann, wenn er diese zuvor erdrosselt oder anderweitig umgebracht hat.

Die Mutter eines der Opfer kann die Ungewissheit, was den Verbleib ihrer Tochter angeht, nicht mehr ertragen und ermittelt fortan auf eigene Faust. Eines Tages läuft sie Boris über den Weg; dieser bietet ihr seine Hilfe an...

Fazit: Großes Independentkino, das von seinen Darstellern lebt und eine fesselnde Geschichte zu erzählen weiß.

Beifall gibt es außerdem für den äußerst kurzweiligen Audiokommentar, der von Regisseur Blankenfeld und dessen Bruder im Geister Jörg Buttgereit eingequatscht wurde.

Last but not least gibt es neben einem Interview der Beiden, noch den Kurzfilm ,Tag der Umkehr', den ,Lieben'-Trailer und ein paar unveröffentlichte Szenen des Films zu beklatschen.

Alles in Allem: Two Thumbs Up!
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am 19. März 2014
... wenn man bedenkt, dass in Deutschland kaum Horrorfilme produziert werden.

Hier hat man einen ebenso emotionalen, wie abstoßenden Film abgeliefert, der nicht immer überzeugend, aber trotzdem nie langweilig wird (meine Meinung).
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am 25. Februar 2012
In diesem Psychogramm wird Nekrophilie als die Unfähigkeit, eine (liebende) Bindung zu lebenden Personen aufzubauen dargestellt. Der Protagonist Boris geht seiner Arbeit nach und nimmt mit einem Kollegen am gesellschaftlichen Leben teil. Eine sexuelle Bindung ist für ihn nur möglich, wenn die Frau bereits tot ist. Es wird nicht gezeigt, was diese nekrophile Neigung ausgelöst hat. Weder das Sammeln von toten Tieren, noch irgendein Hinweis in seiner Wohnung weisen auf Boris' Neigung hin. Der Film "Kissed - Todeskuss" weis bei diesem Punkt besser zu überzeugen.

Mariet, die Mutter eines Mädchens, das Boris getötet hat, wendet sich hilfesuchend an ihn. Durch den Verlust ihrer Tochter und die seelische Störung von Boris, geben sich die beiden gegenseitigen Halt. Da Mariet nicht weiß, dass Boris der Mörder ihre Tochter ist, sowie die hilfsbereite, zuvorkommende Art von Boris bringen sie dazu, sich in ihn zu verlieben...

Das Problem dieses Film ist, dass ihm durch die ruhige Erzählweise, das fesselnde Element fehlt. Szenen, in denen Boris seine Nekrophilie auslebt, bieten einen kurzen Reiz, aber ansonsten bleibt nicht viel an dem Film zurück. Die Geschichte wird reibungslos weitererzählt und verliert sich in dem Versuch, Tristesse einzufangen.
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am 27. Januar 2013
Wie ein Eremit lebt Boris inmitten der Gesellschaft. Sein Einkommen verdient er als Flaschensortierer. Ansonsten lebt er seine diabolischen Neigungen aus, in dem er junge Mädchen tötet und sich anschließend an ihnen vergeht.

So kommt es, dass Mariet verzweifelt ihrer verschwundene Tochter Nike sucht und dabei auf Boris stösst. Dieser bietet Mariet seine Hilfe an. Mariet nimmt diese Hilfe dankend an und verliebt sich in den deutlich jüngeren Boris. Doch dann kommt der Punkt, an dem Mariet hinter Boris Geheimnis kommt.

Die skurrile Geschichte ist ganz sicher nicht jedermanns Geschmack. Es sind die schlüssige Handlungen, die über manch fehlende Dialoge dominieren und das Unaussprechliche sichtbar machen. Nebulöse, in schwarzgrau gezeichnete, Figuren geben ihr Profil nur fragmental preis. Die Story bietet wenig an Überraschungen. Die Wendepunkte werden eher herbeigesehnt. Asketisch ausgestattete Szenenbilder lenken nicht von den Protagonisten ab, die jederzeit im Fokus der Kamera stehen. Regie und Schauspielern berühren eine Tabuzone, die so reizvoll ist, wie eine heiße Herdplatte.
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am 1. August 2009
Bei der filmischen Umsetzung eines derart abseitigen Themas wie Nekrophilie bieten sich wohl am ehesten absurd-übersteigerte Exploitation-Exzesse, experimentierfreudiges Arthouse-Kino oder - man denke an Jörg Buttgereits "Nekromantik"-Filme - eine Kombination dieser beiden Ansätze an. Rouven Blankenfelds "Lieben" überrascht gerade deshalb mit einer unerwarteten Zugänglichkeit: Statt inszenatorischer Mätzchen wird hier ein ruhiger Erzählfluss angestrebt, und statt bekannter Genre-Konventionen erwartet den Zuschauer eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Figuren, die - fernab jeglicher Klischees - Interesse verdienen.

Um nicht falsch verstanden zu werden: "Lieben" ist in den Händen geübter Horror- und Independentfilm-Gucker mit Sicherheit besser aufgehoben als beim Freund deutscher TV-Krimis; aber weil menschliches Drama hier sichtlich höher als oberflächlicher Genre-Thrill priorisiert wurde, wäre es dem Film nur zu wünschen, dass er trotz seiner für Viele bestimmt abschreckenden Thematik ein Publikum jenseit der genannten Kreise finden und beeindrucken kann.
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am 15. September 2009
In der ersten Hälfte des Films kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da ist ein deutscher Film, der es mühelos schafft, soziale Wirklichkeit in emotional erschreckendem Maße abzubilden und eine wahrhafte Atmosphäre zu schaffen, wie ich es noch von keinem deutschen Film der letzten Jahre gesehen habe. Bis, ja bis zu der Filmminute, in denen die Dialoge die Oberhand bekommen, in diesem Fall der des Hauptdarstellers mit seinem altenheimkasernierten Filmvater. Was hier über den sensibilisierten und zuvor atemlos staunenden Zuschauer heinbricht ist schlimmstes Oberammergauer Laienspiel, unterstützt durch ein unglaubliches Drehbuch. Bitte: So redet hier in diesem Land kein Mensch, nicht mal im Berliner Bundestag, nicht einmal beim Finanzamt. Solch hölzerne und realitätsferne Dialoge gehören nicht in einen ansonsten großartigen Film. Und da sind wir schon bei der Crux dieses Streifens. Die sorgfältig gestaltete Seifenblase der Bildebene wird radikal und tödlich vom Speer des dialogischen Unvermögens zum Platzen gebracht und läßt sich auch während des restlichen Films nicht mehr reparieren.
Sehr sehr schade.
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am 25. Januar 2011
Der Nette Junge von neben an hat zwei Gesichter.
Auf der einen Seite ist er Nett, höflich, geht einem Job nach und ist eher schüchtern, auf der anderen tötet er Mädels um sich danach an ihnen zu vergehen.
Er verliebt sich in die Mutter eines seiner Opfer, diese tötet er nicht und verhält sich ihr gegenüber absolut vorbildlich.
Allerdings braucht er zur sexuellen Befriedigung immernoch Leichen, daher lassen noch weitere Mädels ihr Leben.
Das wars auch schon zur Story, irgendwie ist alles Vorhersehbar und unlogisch.
Der Typ wohnt in einem Hochhaus, schleppt dort Mädels rein, die schreien um Hilfe, es wird gesägt, geschossen und keiner bekommt was mit?
Eines seiner Opfer ist nicht tot und wacht im Zimmer auf, sie schleppt sich in den Hausflur und will mit dem Fahrstuhl abhauen.
Warum zum Henker schreit sie nicht, nutzt das Telefon oder klopft an die Türen der anderen Bewohner?
Naja ist im Endeffekt auch egal, denn der Streifen taugt absolut nix, einmal anschauen ist im Grunde schon zuviel.
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am 7. Juni 2015
Ein einzigartiges Filmmaterial nix für Leute die psychisch labil sind Schockierend und fesseld aber die wandeln unter uns hat was .
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