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Kundenrezensionen

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am 29. Mai 2006
Auch wenn der Name Domingo werbeträchtiger auf dem Cover winkt, ist doch Thielemann der Mittelpunkt dieser Aufnahme. Wie kaum ein Dirigent heute spaltet Thielemann, wobei viele Gründe im außermusikalischen zu sehen sind - sein unglückliches Verhalten in Berlin, seine Schnoddrigkeit, sein angeblicher Konservativismus. Als Klassikhörer bin ich niemandens Fan, Thielemanns Parsifal-Sicht begeistert mich aber so, dass ich dafür schon mal 5 Sterne gebe, auch wenn manches nicht perfekt ist. Dabei ruhen ja einige Parsifal-Aufnahmen in meinem Schrank (der Kna, Solti, Barenboim, Levine, Boulez, Kubelik), wobei in der letzten Zeit Boulez (Bayreuth 1970) und Kubelik (Symphonie-Orchester des BR - allein Kurt Moll lohnt schon die Aufnahme) meine Favoriten waren und die langsamen Aufnahmen mich nicht mehr so begeistern. Die neue Aufnahme wird die Boulez und Kubelik nicht verdrängen, ergänzt sie aber durch wirkungsvollen Kontrast.

Das wichtigste für mich: Thielemann vertreibt jede Heiligkeit, das ist kein Bühnenweihfestspiel (allein bei diesem Wortungetüm möchte ich wieder zu Wagner sagen "si tacuisses...")sondern eine spannnende, hochdramatische Oper. Der Klang aus dem offenen Wiener Orchestergraben ist geradezu diametral gegenüber dem Bayreuther Mischklang. Hier mischt sich fast nichts, die Partitur gewinnt an Härte und bohrender Expressivität. Debussy ist da weit weg, der späte Bruckner und Mahler näher. Thielemann treibt den Parsifal auch rhythmisch konsequent voran, ohne an den Höhepunkten dann noch schneller zu werden und die Konturen zu verwischen. Atemberaubend die Verwandlungsmusik im 1.Akt und das Vorspiel zum 2., niederschmetternd die Verwandlungsmusik im 3.Akt, wo er an die Grenze des akustisch erträglichen geht. Kaum Schön- und Schwelgklang, sondern holzschnitthaft durchgezeichnet. Die Klasse der ja durchaus schwierigen Wiener zeigt sich, dass sie sich voll auf dieses Konzept einlassen, intensiv bis zur Wildheit spielen und weihevoller Schönklang vermieden wird.

Das Klangbild ist dazu recht orchester- und bassbetont.

Da liegt denn auch die Gefahr dieses Mitschnitts: Auch wenn sie nicht zugedeckt werden, haben es die Sänger viel schwerer als in Bayreuth, sich durchzusetzen und eindrucksvoll zu profilieren. Wie Michael Wersin schon schreibt, sind es wirklich auch nicht die jungen frischen Sänger. Die gibt es schon, z.B. im Berliner Parsifal in der Lindenoper mit Burkhard Fritz und Rene Pape. Aber wer kauft schon einen Parsifal mit Burkhard Fritz? Dabei macht Altstar Domingo seine Sache noch ordentlich, von seinen üblichen Sprachproblemen wollen wir garnicht mehr reden. Hat man Rene Pape als Gurnemanz im Ohr, ist man aber von Selig schon enttäuscht, in der Tiefe noch ganz ordentlich, bei der grandiosen Stelle (auf die alle warten) "So wart es uns verhießen.." kann er sich am Ende nur noch in die Höhe hauchen.

Selbst das Riesenorgan von Struckmann hat auf der CD Probleme mit der Durchschlagskraft, was live ja nicht der Fall gewesen sein soll. Dabei bemüht der sonst so rauhbeinige Sänger sich um Differenziertheit. Über Waltraud Meier lasse ich auch nach vielen Dienstjahren nichts kommen, an ihrer Gestaltung und Artikulation sollten sich jüngere ein Vorbild nehmen (z.B. deYoung in Bayreuth).

Also kein Parsifal für Stimmfetischisten und Karfreitagshörer. Das Drama lebt dank Thielemann und den Wienern. Wers dann doch ein bisschen weihevoller und klangschöner mag, dem empfehle den immer unterschätzten Kubelik (Arts) mit dem grandiosen Kurt Moll und einer ansonsten sehr soliden Sängerbesetzung.
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Gleich mit dem ersten Auftritt der Staatskapelle Dresden bei den Salzburger Osterfestspielen zeigten die Musiker unter ihrem Chef, Christian Thielemann, was in ihnen steckt. Nach 45 Jahren lösten sie das "Stammorchester", die Berliner Philharmoniker, ab. Und ihr Einstand kam einer Erlösung gleich.

Nicht, weil die Berliner als Ausnahmeklangkörper in Salzburg nicht geglänzt hätten, nein, es war die gespannte Erwartungshaltung, was die Dresdner, Wagners "Wunderharfe", mit ihrem Chef, dem gefeierten Wagner-Dirigenten, wohl bieten würden. Für Thielemann selbst schloss sich der Kreis, hatte er doch zu Ostern 1980 als Assistent Karajans an dessen Salzburger Parsifal mitgewirkt.

Musikalische Brillanz

Dem klaren Spiel der Staatskapelle entlockt Thielemann ein intensives Glühen, einen Klang von solcher Wahrhaftigkeit, eine Farbpalette von solcher Reichhaltigkeit, daß man sich kaum vorstellen kann, wie diesem Werk passender gedient sein könnte. Das berauschende Klangbild unterfüttert er mit einem vitalen Ausdruck von unbeschreiblicher Natürlichkeit. Man hat das Gefühl, es könne nur einen Parsifal geben, nur eine Sicht der Oper, die Sicht dieses Abends. Musikalisch ein wirklich singuläres Ereignis

Thielemann und das Orchester haben aber auch das Glück, mit hervorragenden Sängern musizieren zu können. Dabei erweist sich der Maestro abermals als geschickter Begleiter. So ausdrucksstark das Orchester auch spielt, die Sänger werden niemals überdeckt. Vielmehr mischen sich Musik und Gesang zu einer musikalischen Einheit, die handwerklich nicht selbstverständlich ist.

Bestechende Sängerriege

Gurmenanz, der ruhende Pol im Parsifal, wird von Stephen Milling sehr passend ausgefüllt. Gesanglich wie darstellerisch bietet er Stabilität in dieser Aufführung. Als nächstes betritt Michaela Schuster die Bühne. Sie ist in ihrer Darstellung eine perfekte, in sich zerrissene, leidende Kundry von herber, aber betörender Weiblichkeit. Stimmlich macht sich ihre Sache ebenso mitreißend, ihre Verständlichkeit leidet jedoch etwas im Verlauf des zweiten Akts. Dann erscheint Parsifal - optisch: ein singender Busch. Johan Bothas Körperfülle verleiht dem Sänger bedauerlicherweise eine sehr statische Präsenz auf der Bühne. Eine Präsenz die nicht nur in ihren Gesten und Mimiken einschränkt ist, sondern auch Bothas Sangesleistung ein wenig karikiert. Die ist wie immer herausragend. Gleich doppelt tritt Wolfgang Koch auf, er ist Amfortas sowie Klingsor. Stimmlich glänzt der Bariton in beiden Rollen, aufwühlend und bestechend ist sein Spiel. Er läßt Amfortas wahrlich leiden. Hinreißend auch die Blumenmädchen. Schließlich zeigt der Chor der Bayrischen Staatsoper sein überzeugendes Können und rundet die gesangliche Erfahrung mit diesem Parsifal ab.

Szenische Überladung und Widersprüche

Was sich zunächst zu Beginn der Oper mit zahlreichen Säulen als interessanter bühnenbildlicher Ansatz darstellt, bleibt jenseits des ersten Aufzugs ungenutzt. Michael Schulz' Regie hilft dem Zuschauer nicht sonderlich beim Erschließen des Bühnenweihfestspiels, das textlich nicht gerade als leichte Kost bezeichnet werden kann. Vielmehr wurde die Inszenierung inhaltlich überladen: zwei Tänzerinnen bei der Gralsenthüllung im ersten Aufzug, Jungen und junge Männer, die Parsifal zu doppeln scheinen, ein zweiter Klingsor, ein doppelter Heiland – einer schmutzig, einer sauber. Doch was soll das heißen? Dem Genuß der Musik, dem einige Konzentration forderndem Folgen des Gesangs gesellte sich das Rätselraten "Was mag das nun bedeuten?" hinzu.

Ergreifenden Momenten, wie der während der bewegenden Verwandlungsmusik, als die träumend und leidend zuckende Kundry, am Boden liegend, vom "schmutzigen" Heiland tröstend die Hand auf die Stirn gelegt bekommt, stehen seltsam aggressive Momente gegenüber: Da stopft beispielsweise Amfortas grundlos einem der Gralsritter ein zusammengeknülltes Papier in den Mund. Kein einheitliches Bild auch bei den Kostümen, besonders die Gralsritter durchbrechen das künstlerisch Konzept mit ihrer Maler-Gesellen-Kleidung, die sich nicht wirklich ins Bild fügt.

Am Ende honorierte das Publikum den szenischen und qualitativ hochwerten Aufwand wenig: Der Buh-Sturm, der Schulz und sein Team entgegenschlug, war aussagekräftig genug. Bei der Veröffentlichung ist die Deutsche Grammophon dann auch den diplomatischen Weg gegangen und hat das, was man bei der Fernsehübertragung noch erleben "durfte", durch einen vorzeitigen Übergang in den Abspann ausgeblendet.

Fazit

Ein musikalisch frenetisch gefeierter Parsifal, der szenisch nicht unbedingt überzeugt. So muß man leider sagen, daß die Veröffentlichung als CD es auch getan hätte, denn das, was dem Ohr an sinnlichem Rausch geboten wird, entbehrt das Auge. Dennoch bleibt auch festzustellen, daß das, was dargeboten wurde, bei allen geschmacklichen Differenzen in sich sehr hochwertig und professionell war.

Dirigat und Orchesterleistung: 5/5
Sänger und Chor: 5/5 Sterne
Inszenierung: 3,5/5 Sterne (Den halben Stern gibt es ausnahmsweise für den faszinierenden Einsatz der Röhren im ersten Aufzug.)

Die DVDs

Laufzeit: 242 Minuten (DVD 1: 1. Aufzug, DVD 2: 2. & 3. Aufzug)
Bild: 16:9, NTSC, Farbe
Audio: PCM Stereo, DTS 5.0
Sprache: Deutsch / Menü: Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch, Koreanisch, Japanisch

(Das Begleitheft ist in englischer, französischer und deutscher Sprache.)
88 Kommentare| 16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. Juni 2011
Ich bin zu dieser Aufnahme sehr gespalten, fange aber mit der positiven Seite an:
Großes Lob für den Dirigenten Christian Thielemann, er hat eigentlich alles richtig gemacht. Orchestral ist diese Aufnahme wirklich so etwas wie eine "Sternstunde", wie auf dem Cover vermerkt.
Stimmlich hat sie mich dagegen wenig überzeugt. Ich finde sowohl Falk Struckmann als Amfortas, als auch Wolfgang Bankl als Klingsor überhaupt nicht überzeugend, der Gesang wirkt auf mich fast etwas atemlos, vielleicht auch eher ambitionslos. Zum Parsifal Placido Domingo stehe ich (als bekennender Domingo-Fan) ebenfalls gespalten. Es ist als hätte er mit der deutschen Sprache etwas von seiner schönen Stimme verloren.
Einzig Waltraud Meier als Kundry (obwohl es mit ihr noch bessere Aufnahmen dieser Rolle gibt) und Ain Anger als Titurel finden meinen sicheren Zuspruch.
Letztlich gibt es keine kompletten Aufnahmen, aber diese hier ist, zumindest Gesanglich, weit von diesem Ziel entfernt.
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am 29. April 2006
Zunächst einmal sei meiner Rezension vorangestellt, dass ich die zweite der drei Aufführungen im Juni 2005 (aus denen die vorliegende Aufnahme entstanden ist) als Zuschauer erleben konnte und ich somit eine ganz spezielle Beziehung zu dieser Aufnahme habe. - Und so weckt diese Aufnahme unvergessliche Erinnerungen an dieses großartige Ereignis: Alles beginnt mit einem unvergleichlich dichten und flexiblen musikalischen Bogen im Vorspiel, aus dem sich der Geist der Gralsritter erhebt. Thielemann gelingt es wie keinem anderen Dirigenten unserer Zeit den Geist Wagners Oper zum atmenden Leben zu erheben und dabei gleichzeitig seine eigene Note als Dirigent hervorzubringen. Und dabei braucht er den Vergleich mit den größten Aufnahmen dieses Werkes nicht zu scheuen (Für wie viele Wagner-Gesamtaufnahmen der letzten 10 Jahre könnte man Vergleichbares sagen?): Aus meiner Sicht übertrifft nur die Aufnahme unter Boulez der Bayreuther Festspiele aus den 1970er Jahren mit Jones und King das Dirigat Thielemanns, was die Geschlossenheit und Phrasierung des musikalischen Bogens angeht; bei Boulez allerdings auf Kosten eines z.T. überaus raschen Tempos. Thielemanns Stärke ist sein unmittelbarer, emotionaler Zugang zu Wagners Werk - eine Form emotionaler Offenbarung, wie ich sie zuvor in der Treffsicherheit nur bei Carlos Kleiber (man denke an seinen unvergleichbar bewegenden Tristan von 1982) und dem großen Furtwängler gehört habe. Zu Thielemanns persönlicher Note gehört der vortreffliche Einsatz von Sinnpausen bei lang gehaltenem Fermate, besonders eindrucksvoll eingesetzt nach Kundrys trotzigem Schrei: "...und lachte!" im 2. Akt der vorliegenden Aufnahme, zudem ein besonders intensives Hervorheben der Streicher zur Betonung der inneren Spannung, aber auch im Sinne einer "atmenden Linienführung", die die menschlich-emotionale Dimension des Werkes in einer Weise offenbart, wie sie im Wagnerischen Geiste nur als idealtypisch bezeichnet werden kann. Besondere Genugtuung empfindet der Zuhörer bei diesem ersten großen Offenbarungswerk eines neuen großen Dirigenten durch die feste Gewissheit, in der nahen Zukunft noch viel vom Ausnahmetalent Thielemann hören zu werden.

Freilich weckt auch diese Aufnahme eine gewisse Wehmut bezüglich der so oft beklagten derzeitigen Situation fehlender stimmgewaltiger Nachwuchssänger im hochdramatischen Wagner-Fach. Wo bleiben die Melchiors, Flagstadts und Nilssons des 21. Jahrhunderts, die der Einzigartigkeit des orchestralen Werks ein stimmliches Gegengewicht bieten könnten? Aber dies ist nur der erste Blick. Sieht man einmal von gewissen Abstichen bezüglich der gesanglichen Durchschlagskraft, der Klarheit der Diktion und der Treffsicherheit in den hohen Lagen der Gesangspartien in der vorliegenden Aufnahme ab (alles z.T. bedingt durch die "Seniortät" der Rollenbesetzung), so zeigt sich, dass auch in Bezug auf die Sänger hier eine Aufnahme vorliegt, die für unsere heutige Zeit durchaus Ausnahmecharakter besitzt.

Meier, die die Partie der Kundry zum ersten mal bei den Bayreuther Festpielen 1985 unter James Levine (vor 21 Jahren also!) auf Platte gebannt hat, muss man bei allen deutlich zu Tage tretenden Alterserscheinungen ihrer Stimme im Vergleich zu ihren früheren Aufnahmen der Kundry (anders als z.B. bei ihrer letzten Isolde in Paris 2005 im Vergleich zu früheren Isolde-Interpretationen)zugestehen, dass die Ausdrucksstärke und dramatische Reife ihrer Darstellung der Kundry über die letzten 20 Jahre auf beeindruckendste Weise sogar noch zugenommen hat! Wer würde den ein oder anderen scharfen Ton, das ein oder andere veschluckte Wort oder die ein oder andere verrutschte hohe Note kritisieren, wenn er dafür durch die Erfahrung, Einfühlsamkeit und Größe der Interpretation einer "Grande Dame" des Wagnerfachs überkompensiert wird, die in dieser Aufnahme mit einer dramatischen Ausdruckkraft und in einer Bandbreite von höchsten Wutausbruch bis zu zärtlichem Einfühlvermögen singt, wie es eine Maria Callas nicht hätte besser machen können. War der legendäre Furtwängler-Tristan von 1951 das eindrucksvolle Altersvermächtnis der großen Kirstin Flagstad in ihrer Paraderolle der Isolde, so gilt gleiches für diese Aufnahme des Parsifal in Bezug auf Meiers Darbietung ihrer Paraderolle der Kundry. So ringe ich mich zu der mutigen (und für heutige Wagneraufnahmen gänzlich untypischen) Aussage durch, dass ich Meiers einzigartige Darstellung der Kundry in dieser Aufnahme als eine der größten Interpretationen dieser Rolle überhaupt bewerte. - In Placido Domingos Fall ist das Urteil durchaus problematischer. Unklarheiten in der Diktion sind typisch für seine Interpretationen deutschsprachiger Opern, die gerade bei Wagner-Interpretationen besonders schmerzlich hervortreten, da der Sinnverbund von Wort und Ton gerade bei Wagner so wichtig ist. Was jedoch den letztern Punkt "Ton" für sich betrachtet betrifft, so muss man Domingo eingestehen, dass ihm - v.a. in Anbetracht der hohen Anforderungen des Wagner-Fachs an die dramatisch-forcierte Ausdruckskraft der Stimme - auch mit 65 Jahren noch kein anderer Tenor das Wasser reichen kann. Wie anders könnte man sich sonst erkären, dass der gealterte Marathon-Mann der Oper letztes Jahr selbst für die schwere Partie des Tristan und sogar für Mitschnitte der jungendlichen Partie des Siegfieds (beides unter Antonio Pappano in London) herhalten musste, um so - derzeit richtungsweisend - die Tradition der Produktion neuer einschlägiger Wagner-Interpretationen auch im 21. Jahrhundert fortzuführen. Beeindruckend ist dabei (im Gegensatz zu meinen Eindrücken bei der Aufführung in Wien), dass Domingos Leistung kaum gegenüber frührern, z.T. über 15 Jahre alten Aufnahmen, abfällt. Dies beweist wieder einmal die hervorragende Eignung von Domingos Stimme für die Plattenaufnahme. Seine Stimme klingt immer voll, treffsicher und zeugt von gleißender Intensität - egal ob wir gerade seines Radames aus den 70er Jahren unter Leinsdorf hören, eine Interpreation von diversen Arien, die er an irgendeinem frühen morgen in irgendeinem Studio in London oder New York irgendwann in den letzten 20 Jahren aufgenommen hat, oder eben seinen neusten Parsifal, live aus Wien vom letzten Jahr. Und wer würde sich bei solch einer übermenschlichen Leistung und in Anbetracht der konstant hohen Qualität seiner Aufnahmen schon darüber beschweren, dass mit zunehmendem Alter wohl auch zunehmend aufnahmetechnische Hilfen bei seinen Aufnahmen in Anspruch genommen werden müssen?

Leider fällt das Urteil in Bezug auf die beiden weiteren wichtigen Rolleninterpretationen des Gurnemanz und Amfortas bei der vorliegenden Aufnahme etwas magerer aus. Selig, der mir noch im neusten Tristan an der Pariser Bastille letztes Jahr (ebenfalls im Ensemble mit Meier) so beeindruckend als König Marke aufgefallen ist, machte bereits bei der Aufführung des Parsifal in Wien als Gurnemanz einen weniger herausstechenden Eindruck auf mich - zu ruppig, undifferenziert und anstrengend-forciert wirkte seine Interpretation im Vergleich mit den ganz großen Interpretation dieser Rolle (z.B. eines Josef Greindl oder Hans Sotin). Leider treten diese Defizite in der vorliegenden Aufnahme noch etwas deutlicher zu Tage, wenngleich man sich fragen muss, ob es heute einen anderen Sänger gibt, der es hätte besser machen können - auch einem Robert Holl gelang in Bayreuth in den letzten Jahren in der Schlingensief-Inszenierung keine neue richtungsweisende Darbietung der Rolle. Sehr enttäuschend fällt das Urteil für Falk Struckmann bei dieser Aufnahme aus, zumal er mir bei der Aufführung in Wien als einer der klangstärksten Interpreten des Abends aufgefallen war. Seine Stärke scheint im Live-Auftritt zu liegen; für die Aufnahme hätte sich allerdings vielleicht die Wiener Standard-Besetzung des Parsifal (mit dem jüngst mit dem Grammy ausgezeichneten Thomas Quasthoff) besser geeigent, oder die ursprünglich geplante Thielemann-Besetzung mit Thomas Hampson, der dem Amfortas wahrscheinlich eine neue, ungewohnt lyrische Färbung verliehen hätte. Mit Spannung wird zu erwarten sein, wie Falk Struckmanns Wotan bei der diesjährigen Neuinszenierung des Ring des Nibelngen (ebenfalls unter Thielemann) gelingen wird.

Trotz aller (für den Gesamteindruck unerheblichen)Abstriche bleibt der vorliegende Parsifal für mich ein großer Hoffnungsschimmer für den Versuch, auch heutzutage die Tradition vorzuführen, historisch einzigartige Wagner-Interpretationen zu produzieren, die das gegenwärtige Jahrzehnt überdauern. Diese Hoffnung richtet sich konkret auf das Ausnahmetalent Thielmann, der diese exzellente erste Wagner-Gesamtaufnahme hoffentlich als einen Anstoß sieht, seine Interpreation von Wagners Gesamtwerk auf Platte zu bannen. Auf dieses Vorhaben dürfen wir uns alle schon jetzt freuen!
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TOP 500 REZENSENTam 8. September 2012
Diese Gesamtaufnahme ist die Aufnahme von C. Thielemann - was er an Farben, an Dynamik aus der Partitur herausholt, ist sehr beeindruckend. Er findet eine kongeniale Mischung aus Weihevollem auf der einen Seite und Musikdrama auf der anderen Seite. Da gibt es dann schon eigenwillige Temporückungen und Akzentverschiebungen, aber diese sind für mich immer schlüssig und dienen dem Gesamtkonzept. Thielemann findet eine ganz eigene Klangsprache für Wagner, die etwas Mitreißendes hat. Das Orchester der Wiener Staatsoper ist dabei natürlich ein Luxusklangkörer, der all das umzusetzten versteht, was Thielemann will (nicht umsonst ist Thielemann ja so geschätzt bei den Musikern). Von der gestalterischen Seite her also ein absoluter Gewinn für den Kanon.

Was nun die Sänger angeht, ist meine Begeisterung leider deutlich kleiner, denn die meisten unter ihnen können das Niveau des Dirigat nicht halten. Einzig W. Meier ist und bleibt eine großartige Kundry mit ungeheurer Ausdrucksintensität. Ihre Darstellung ist überwältigend. Die übrigen Sänger sind eher ordentlich, denn außerordentlich - was ein Stück weit auch für Domingo gilt. Er hat zwar die Stimme für den Parsifal (und alleine das ist verblüffend, wenn man bedenkt, wie alt Domingo bei dieser Aufnahme schon war und wieviele Partien er gesungen hat), aber er bleibt ein Stück weit unidiomatisch im deutschen Fach, sprachlich sowieso, aber eben auch von der musikalischen Linie her, die immer etwas "zerhackt" wirkt, weil er offenkundig mit der Sprachmelodie zu kämpfen hat. Er gefällt mir hier allerdings besser als in der Studioaufnahme unter Levine. Selig ist ein ganz guter Gurnemanz (v.a. im ersten Akt), kommt aber deutlich hörbar an stimmliche Grenzen und kann nicht mit großen Rollenvertretern konkurrieren (L. Weber, G. Frich, K. Moll, um einige Beispiele zu nennen). F. Stuckmann ist live ein beeindruckender Amfortas, auf Platte hört man allerdings seine Neigung zum Distonieren und man hört, dass er einen gehörigen "wobble" in der Stimme hat, was unter dem Mikroskop einer Plattenaufnahme störend wirkt, auch wenn er ein intensiver Gestalter ist.

In der Summe ist das nicht der Parsifal für die einsame Insel, dazu sind die Sängerleistungen nicht einheitlich genug (da halte man sich an die alte Knappertsbusch-Aufnahme, oder an Solti oder Kubelik, die bessere Sängerbesetzungen aufzuweisen haben). Vom Dirigat her würde ich diesen Parsifal aber in der allerersten Liga ansiedeln.

Noch ein Wort zur Tonqualität. Es handelt sich um einen Live-Mitschnitt, der im Prinzip ganz gut eingefangen ist, allerdings hört man relativ stark Bühnengeräusche, die etwas störend wirken.
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am 22. August 2008
Ich legte mir die Einspielung als Vergleich zu verschiedenen anderen zu; auch im Hinblick auf des neueren Datums und der Besetzung mit Domingo und Meier.

Nun ist es ein Schweres, diese grandiose Musik kritisch betrachten zu müssen. Sie entfaltet sogar ihre Wirkungen, wenn sie weniger gut (oder gar schlecht) gespielt wird. Ihre Größe zeigt sich, würde sie selbst von einer Spieluhr erklingen.

Daher ist es stets etwas besonderes, einen Parsifal in neuer Einspielung zu hören.

Zeigte sich das Vorspiel I noch sehr vielversprechend und gewaltig im Klang, zeigt die Aufnahme schon bald starke Schwächen. Das Dirigat zeigt kein einheitliches Tempomaß. "Flüssige Stellen" werden abrupt ausgebremst und Musik und Text unnatürlich gedehnt. Oftmals werden auch Instrumente des Orchesters so deutlich hervorgehoben, wie dies keinesfalls in der Partitur so vorgesehen ist. Es entsteht so häufig ein sonderbarer Klang, wenn jene besonders betont, andere wichtige hingegen im Hintergrund verschwinden. Insofern fehlt häufig die Transparenz dessen, was zur Darstellung der Leitmotive wichtig ist.

Gurnemanz Artikulation lässt oft zu wünschen übrig. Intonation, aber auch die sprachliche Gestaltung seines Textes bereiten öfter Probleme. Da wird schon einmal aus einem "Amfortas" ein "Am-for-ha-tas". Ganz anders im III. Aufzug, zu dessen Beginn er wirklich sehr überzeugend ist.

Amfortas selbst viel zu schwach gegen das Orchester. Selbst wenn man seinen Text gut kennt, sollte man das wichtige, das er zu sagen hat, auch verstehen können.

Leider zeigen sich auch die Nachteile von Live-Aufnahmen. Wer es auch mag, aber nach Titurels Ausspruch "Enthüllet den Gral" im I. Aufzug sollte die musikalische Stille nicht durch ständiges Gerumpel gestört werden.

Klingsor leider nur ganz "dünn", ohne wirklich Dämonie.

Völlig im Gegensatz dazu hingegen die (auch auf vielen anderen Aufnahmen) wunderbare, überragende Waltraut Meier, die diese Rolle schier völlig durchdrungen hat und es vermag, die Vielgestaltigkeit der Kundry in unglaublicher sängerischer Leistung darstellen zu können. Sie ist um Klassen besser, als die übrige Aufnahme.

Domingo als Parsifal füllt die Rolle durchaus gut aus. Sprachlich/textliche Probleme sind eigentlich nicht festzustellen. Er hebt sich deutlich aus dem Orchester hervor (leider z.T. nicht im II. Aufzug nach dem Kuss) und bringt (trotz älteren Semesters) eine angenehme warme Stimmlage hervor, die den "Parsifal" authentisch und überzeugend darzustellen vermag.

Eine nicht uninteressante Aufnahme, doch hätte sie angesichts der mitwirkenden "Kaliber" wesentlich mehr hervorbringen können. Daher kann sie im Gegensatz zu den Einspielungen von Boulez (1970) und Barenboim (1991) nicht an diese heranreichen. Diese sind ihr absolut vorzuziehen.
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am 19. Juli 2013
Auch ich habe die TV-Übertragung gesehen und war sehr enttäuscht.
Aber die Blue-Ray (gestern bekommen) ist echt der Wahnsinn! Der Klang, besonders Mehrkanalton: Erste Sahne! Ich dachte ich bin direkt im Kontzertsaal, eine plastische Räumlichkeit, so noch nicht gehört. Und was Christian Thielemann aus diesem Klangkörper hervorzaubert ist wirklich (für mich) hervorragend. Habe da neue Details gehört, es haben sich mir neue Zusammenhänge erschlossen, die mir vorher noch nicht aufgefallen waren. Auch die Kameraführung ist anders (als TV, hab ich noch auf Rekorder:konnte vergleichen), hier wirken die einzelnen Scenen stimmig und dem Werk angemessen. Mir persönlich gefällt die Inszenierung sehr gut, würde sagen modernisiert-traditionell im positiven Sinne. Nicht ganz so überfrachtet wie Herrheim, (aber auch diese habe ich sehr genossen und warte schon sehnsüchtig darauf: sollte doch dieses Frühjahr erscheinen?).
Das Bild der Bue-Ray: gestochen Scharf, tolle Farben. Der Ton: mit das beste was ich auf Klassik-Blue-Ray habe (ähnlich gut wie Strauß, Salome (Nadja Michael/ Royal Opera House, Covent Garden in March 2008/ Blue-Ray 2010).
Also von mir 5 Sterne, Kaufempfehlung
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am 6. Juni 2006
Falls es auf der Welt Perfektion gibt, ist sie dann, was in dieser Aufnahme zu hören ist. Die Stimmung in den Aufführungen war unbeschreiblich gut. Alle spielten und sangen ungeheuer gut und Thielemanns Leitung lud die Zuschauer dazu ein, an einer 4-stundigen Reise nach der Vergangenheit teilzunehmen. Das Alter, das ein Problem bei Domingo oder Meier hätte sein können, wird wegen der Erfahrung der Sänger zu Weisheit und beschenkt uns mit einer glanzvollen Interpretation, die man nur nach solchen erfolgreichen Karrieren erwarten könnte. Wie üblich fehlt der Aufnahme das, was nur im Theater gespürt werden kann. Trotzdem, etwas Einzigartiges.

ALFONSO LOMBANA
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am 8. August 2013
Die hier vorliegende, maßstabsetzende Inszenierung des Werkes "Die Frittöse" von Michael Schulz wird in ihrem Rang nur dadurch beeinträchtigt, dass die ganze Zeit jemand singt und eine ganze Bande von Unruhestiftern auch noch irgend etwas fiedelt.

Intensive Recherchen (Wikipedia) haben ergeben, dass als Verursacher dieses Lärmes ein gewisser Richard Wagner festzumachen ist. Allerdings hat sich dieses Subjekt der strafrechtlichen Verfolgung durch Wegsterben entzogen. Daher ließe sich allenfalls sein Komplize, ein gewisser Thielemann, belangen. Doch auch hier dürfte der Ruf nach Gerechtigkeit ungehört verhallen. Soviel zum angeblichen Rechtsstaat.

Aber kommen wir zum Kern dieser Blue Ray, der epochalen Frittöse von Schulz. Sie gilt zurecht, neben dem Literaturklassiker "Feuchtgebiete" der Nobelpreiskanidatin Charlotte Roche, als herausragende Repräsintantin des vakuonösen Bürokratismus. Diese ganz unserer Zeit entsprunge Kunstrichtung vernetzt genialisch die bezaubernd stille Hohlheit des Nichts mit der zart monetären Faszination des Vakuums. Das grobe Nichts der Existenzialsten wird entlarft, indem man ihm einen federleichten Spiegel vorhält. Verkehrt herum, aus Prinzip.

Schulz Meisterwerk handelt von den Nöten einer Gruppe nach den Dreharbeiten arbeitslos gewordener Spermiendarsteller aus Woody Allens Fim "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten". Diese lustigen weißen Kerlchen vernetzen sich mit einem gewissen Gurnemanz. Herr Gurnemanz befindet sich auf der Flucht vor seinem Kostümschneider, da dieser, die Nadel noch in der Hand, beim Sterben vor Langeweile, auf Gurnemanz zu stürzen drohte. Zunächst war Gurnemanz noch der Meinung gewesen, es sei zu seinem Schutz ausreichned, sich Blechplatten auf den Second Hand Anzug (Kleiderkammer, sehr preiswert) zu kleben. Dann jedoch erkannte er, dass nur sofortige Flucht Rettung versprach. Schulz weiß wohl, was er uns empfiehlt.

Auf ihrem Weg durch ein Geflecht von Glasröhren (Schulzes Anklage gegen die konventionelle rundheit von Kreisen?) treffen Gurnemanz und seine Gonaden-Gang keinen Geingeren als - Papageno! Dieser hat infolge der Kochkünste seiner Papagena erstens das Stimmfach zum Tenor gewechselt und zweitens geringfügig Gewicht zugelegt. Außerdem ist besagter Vogelfänger, der rechtsirrümlichen Meinung, der bloße Besitz eines Schwanes berechtige zur Tierquälerei. Als er von Gurnemanz eines Besseren belehrt wird, steht eine Weile lang unmotiviert herum, um sich dergestalt den Tatbestand der Verjährung zu erschleichen. Außerdem gibt er wahrheitswiderig an, sein Name laute Parsifal und überhaupt wisse er von nichts. Man vergleiche diese müden Schutzbehauptungen mal mit der genialen Versterbetaktik des flüchtigen Wagner. Eine Alternative im übrigen, die auch bei Hennig mit zunehmender Betrachtungsdauer dieser Blue Ray immer verlockender wurde.

Sei es drum. Während gerade auch Gurnemans und seine Keimdrüsen-Sprösslinge mal wieder versuchen, ob die alte Standbein-Spielbeinnummer noch funktioniert, erscheint eine - Frau. Und jetzt zeigt sich Schulzes ganze Genialität, das Spiel mit Erwartungshaltungen. Bislang bewegte sich das Gezeigte nämlich absichtlich auf dem darstellerischen Niveau gewisser Filme aus dem Bereich der Erwachsenenunterhaltung. Das Publikum denkt ergo, jetzt ginge es endlich zur Sache. Man erwartet den Auftritt etwa eines stattlichen Klemtners. Und warum auch nicht, der Entzug vom Inzest wiegt schwer auf der Bühne seit dem letzten ersten Walkürenakt. Ein Opernbesucher ist doch auch nur ein Mensch, irgendwie...

Nichts da! Schulz lässt einfach weiter herumstehen und schreiten und reisst so nicht nur dem Sexismus zusammen mit den Theaterkonventionen die Maske vom Gesicht, er betreibt virales Gender Mainstreaming. Herrlich.Das trennt den wahren Komatösen vom Pöbel.

Der zweite Aufzug. Pure Ökologie. Claudia Roth soll hinterher geweint haben und das macht die sonst nie. Statt der Wegwerfgesellschaft zu fröhnen, stellt Schulze endlich alles, was in der Requisitenkammer zu finden war, auf die Bühne. Dann geht es auch gleich handlungsmäßig weiter. Neben Papageno und der Roten treten weitere Herren auf. Einer ist Jesus. Er war auch schon im ersten Aufzug zugegen, da aber nicht weiter von Relevanz. Jetzt aber plädiert er nachdrücklich für hygienische Toleranz, indem er ungewaschen Joga macht.

Nachdem einige unerfreulich schnieke Damen in Stiefeln aus der Beatles-Aera sich erfolglos um Papageno bemühten, muss gleich wieder die Rothaarige ran. Sie versichert dem angeblichen Parsifal, ihre Zuneigung grundsätzlich unabhängig vom Body Mass Index zu verschenken. Außerdem weisst sie darauf hin, dass bei all dem Gerümpel auf der Bühne Übergewicht sowieso nicht weiter auffalle. Die Beiden kommen sich näher, sollte vielleicht jetzt? Nein, im allerletzten Augenblick fällt Papageno ein, dass Gurnemanz ja noch von seinem Kostümbildner bedroht wird. Er enteilt zu dessen Rettung.

Im dritten Aufzug ist der World War Z ausgebrochen und deshalb liegen überall Zombies herum. Sie sind aber ziemlich träge, weil es kein Hirn zu essen gibt und im weiteren Verlauf auch kein Hirn mehr erwartet werden kann. Gurnemanz ist dem Bühnenschneider entkommen. Er vergewissert sich mit einem Blick auf den Kalender: Mist, Ostern naht. Konkret ist es gerade zufällig Karfreitag und dieser Tatbestand gibt zu schlimmsten Befürchtungen Anlass. Eine radikale Sekte namens Wagnerianer bedroht, dem Grabe zombifiziert entstiegen, die Welt mit Vegetarismus. Gottseidank naht Papageno und hat auch noch im zweiten Akt einen Speer aus der Requisite mitgehen lassen. Die beiden Jungens eilen, noch immer die aufdringlche Rote im Schlepptau, zu einem gewissen Amfortas, der schon im ersten Aufzug nicht weiter auffiel. Vorsicht, ein kleiner Spoiler: wer sich fragt, wo Woodys Spermiozyten aus dem ersten Aufzug hin sind, hat den (zu unappetidlichsten Mutmaßungen Anlass gebenden) weissen Flecken auf Amfortas Stirn übersehen. Schön ist das jetzt nicht, aber wer die ganzen Sauigeleien in der Walküre beklatscht, dem darf zu Recht aberkannt werden, sich überhaupt noch zu entrüsten.

Also. Am Ende wird alles gut. Amfortas hat nämlich nicht nur einen Fleck, sondern auch eine alte Frittöse. Diese nutzt Parsifal alias Papageno nun, um dem Wagnervegetariertum endgültig den Garaus zu machen. Und auch Jesus ist wieder da! Da Papageno jetzt ganztägig mit der Frittöse zugange ist, verlustiert sich die Rothaarige als selbstbestimmtes Wesen alternativ nicht nur mit dem attraktiven Migranten aus dem nahen Osten, sondern auch noch mit zwei von Gurnemanz Keimlingen, die den Gang an irgendjemandes Stirnen nicht mitmachten. Als es die drei Burschen jedoch übertreiben und sich Jesus, inspieriert von Kim Basinger im Filmklassiker 9 einhalb Wochen mit Ketchup aus Papagenos Fritöse beschmieren lässt, hat selbst die rothaarige Dame keinen Bock mehr auf Beten. Und das kann ich verstehen.

Wann fragt man sich, kommt Schulz endlich im Serie auf RTL? Wenn dann nur nicht dieser Thielemann mit seinen Kumpanen Wind von der Sache bekommt, und wieder mitmachen will, dann wird es ein Erlebniss, genau so, wie es die Schulz-Fans verdienen. So schön kann Oper sein.
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am 12. Juni 2015
Diese CD ist einfach ein muß für Klassische Musik Liebhaber. Würde ich mir immer wieder kaufen. Denn über Geschmack läßt sich bekannter weise nicht streiten.
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