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am 13. März 2015
Es mag mit der Jahreszeit zusammenhängen, dass sich ausgerechnet dieser Komponist in letzter Zeit ganz besonders häufig auf dem Plattenteller (bzw. unsichtbar unter dem Laser bzw. digitalerweise überhaupt nicht) drehte. Oratorien, Partiten, Suiten, Motetten, Violin-, Cembalo- und Klavierkonzerte – das über 1000 Nummern umfassende Werkverzeichnis des Leipziger Barock-Stars kann beglücken und überfordern zugleich, weshalb es Sinn macht, sich lediglich einer bestimmten Schaffensphase oder einem Genre des Komponisten zu widmen.

Der schon seit einigen Jahren zum größten Deutschen aller Zeiten (mindestens!) aufgestiegene, seit Jahrzehnten (mindestens!) in einem Reihenhaus in Hamburg-Langenhorn lebende und Generationen von Reihenhaus-Wachpersonal überlebende und vermutlich erste Unsterbliche in der Geschichte der Menschheit, der nicht nur die Hamburger vor den schlimmsten Folgen einer Jahrhundert-Flut bewahrte und später die Umwandlung unserer schönen Republik in einen Hammer-und-Sichel-Staat verhinderte, dieser mittlerweile längst Heiliggesprochene, der den Tabakkonsum in einem an Regulierungswut zu ersticken drohendem Land wieder salonfähig machte und für hübsche Geschichten wie jene vom Hamsterkauf und im heimischen Keller eingelagerter hunderter Stangen Menthol-Zigaretten kurz nach Bekanntgabe von deren Verbot sorgte und der nebenbei bzw. später das Weltgeschehen in zahllosen Büchern, Artikeln und Interviews, stets bestimmt aber unter Vermeidung von Einmischung in die Tagespolitik, kommentierte und aufgrund des Verlustes eines Großteils seines Gehörs vom Klavierspiel und jeglichem Musikgenuss zu lassen Gezwungene, dieser durchaus Streitbare, in seinen Ansichten oft genug Starre, sozio-kulturell hoffnungslos Konservative und von all dem Huld und Lob, das ihm zuteil wurde, bei allem demonstrativen Understatement, sicher nicht unangenehm Berührte, dieser Mann war – angesichts einer solchen Lebensbilanz musste es wohl zwangsläufig in Vergessenheit geraten – auch ein formidabler Tastenkünstler!

Nun, Ähnliches hat nicht einmal der ‚Künstler‘ selbst von sich behauptet und einen Ex-Politiker als Gastmusiker für eine professionelle Aufnahme mit renommierten Solisten zu rekrutieren stellt auch kein Sakrileg dar, erfordert der Part des Konzertes für 4 Klaviere doch sogar den eines Laien. Den erfüllt der Altkanzler souverän – wäre eine Jahrhundert-Interpretation das Ziel dieser Darbietung, so böte sein Part auch bei allerfeinstem Spiel keine Gelegenheit, dazu den entscheidenden Beitrag zu leisten.

Bach starb vor über 250 Jahren. Sein Ruf als vielleicht großartigster Komponist aller Zeiten war im Laufe der Jahrhunderte keineswegs durchgängig. Erst das Engagement Felix Mendelssohns im 19. Jahrhundert verhalf ihm zu seiner Wiederauferstehung, nach etlichen Jahrzehnten in Vergessenheit. Sollte, was wahrlich schwer vorstellbar ist, Helmut Schmidt nach seinem Tod – so dieser denn eines Tages tatsächlich eintreten sollte – ein ähnliches Schicksal ereilen, würde es aufgrund dieser Aufnahme, soviel ist sicher, nie und nimmer eine Schmidt-Renaissance als Musiker geben. Mit seinen Schriften, Reden und (Groß-)Taten verhielte es sich da möglicherweise anders.

Nein, das schönste an dieser Aufnahme (es gibt sogar noch eine frühere, zu seinen Kanzler-Zeiten aufgenommene, mit Klavier-Werken Mozarts) ist vielleicht die Tatsache, dass es sie gibt. Freundlich und ernst blicken die vor dem Flügel positionierten Männer in ihren karierten, mit Einstecktüchern versehenen Altherren-Sakkos (Schmidt und Eschenbach) bzw. im Performance-Dress weißer Hemden unter schwarzen Anzug-Jacken (Frantz und Oppitz) aus dem Bild (bis auf Frantz, der bewundernd zu Schmidt hinüberblickt). Hier gilt’s der Kunst, so die Botschaft. Ein irgendwie rührendes Bild, dessen Entstehung jenseits der Mitte der 1980er Jahre kaum denkbar wäre. Kein anderer Spitzenpolitiker hätte in diesem Quartett eine so stimmige Figur abgegeben, jedem seiner Nachfolger hätte es – selbst bei vergleichbaren oder gar ausgeprägteren Fähigkeiten am Instrument – an der nötigen Authentizität gefehlt. Namen wollen wir hier gar nicht erst durchgehen.

Es ist schwer zu sagen, ob im Rahmen einer Straßenumfrage mehr Menschen mit dem Namen Helmut Schmidt oder dem Namen Johann Sebastian Bach etwas anfangen könnten. Man möchte es eigentlich auch gar nicht wissen, vermutlich kämen abenteuerliche Ergebnisse dabei heraus („Schmidt? Digga, war das nicht so‘n Komiker?“). Der Besitz dieser CD trägt praktisch dazu bei, beide – den Komponisten sowie den Klavier spielenden Politikmenschen, sollte dieser wider Erwarten doch nicht unsterblich sein – in bester Erinnerung zu behalten.
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am 4. August 2005
Im Gegensatz zur Einspielung des Konzertes für drei Klaviere von Mozart mit dem Gespann Eschenbach - Frantz - Schmidt (auf EMI) empfinde ich die Aufnahme des Konzertes für vier Klaviere, bei dem sich bei dieser Einspielung Gerhard Oppitz hinzugesellt, etwas holprig. Sie zählt nicht zu meinen Lieblingsaufnahmen.
Wer jedoch Sinn für Bach'sche Klavierwerke hat, wird im Ganzen sicher mit den anderen drei Werken des Komponisten auf dieser CD gut bedient. Sie wirken frisch und plastisch durchgespielt.
Ich gebe zu, sie steht wegen Helmut Schmidt in meinem Regal. Der Vollständigkeit wegen...
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am 21. Dezember 2015
Er war nicht nur als Kanzler der beste Vertreter seiner Zunft. Auch hier macht er eine gute Figur am Klavier.
Damit ist ein Stück von ihm in der Musik festgehalten.
Qualität, was sonst:
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am 18. August 2012
In der Vergangenheit habe ich das eine oder andere dieser BWV-Klavierkonzerte schon mal im Klassikradio gehört. Jetzt läuft die CD mit diesen von den Künstlern hervorragend interpretierten Konzerten sehr häufig bei mir zu Haus.
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