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HALL OF FAMEam 6. November 2002
Alvin Straight lebt mit seiner gehandicapten Tochter in einem Häuschen irgendwo in einem verschlafenen, amerikanischen Nest. Er ist alt, sein Körper verbraucht und nicht mehr bei bester Gesundheit. Das Gehen fällt ihm schwer, sehen kann er auch nicht mehr so gut, das Rauchen, so sein Arzt, wird ihn eines Tages umbringen.
Eines Tages erhält der Alte Nachricht über seinen Bruder, von dem er sich vor zig Jahren im Streit getrennt hat und den er seither weder sah noch sprach. Diesem geht es wohl noch schlechter als ihm selbst, man rechnet mit seinem baldigen Ableben. Die letzte Chance also für Alvin, sich mit seinem Bruder zu versöhnen. Doch der wohnt in einem anderen Bundesstaat. Für die wenigsten wäre die Distanz ein Problem, doch für Alvin, der aufgrund seines schlechten Augenlichts selbst kein Auto mehr fährt und der auch in die öffentlichen Verkehrsmittel kein Vertrauen legt, stellt sich die Frage, wie am besten dorthin kommen. Der verschrobene Alte kommt auf eine ebenso verschrobene Idee: Er will die Strecke auf seinem Rasenmäher zurücklegen, nachts am Straßenrand in einem Anhänger campieren. Gesagt, getan. Und was nun folgt, ist eine beschauliche Reise im Schneckentempo eines alten Mannes. An vielen Orten macht er Station, trifft dabei auf Menschen und deren Schicksale, reflektiert über sein Leben, tauscht Erfahrungen und kleine Lebensweisheiten aus.
Viele Anhänger seiner düstereren Leinwandvisionen hat David Lynch mit diesem Film vor den Kopf gestoßen. Es ist tatsächlich sein "anderster" Film, kommt ganz ohne die sonstige Doppelbödigkeit anderer Lynch-Stories aus. Er ist ruhig, beschaulich und sonst nichts - dies jedoch in aller Konsequenz und Perfektion.
"Straight Story" weist insgesamt zwei "Action"-Szenen auf: Die erste, als Alvin seinen alten Rasenmäher "erschießt", weil dieser seinen Geist aufgegeben hat, die zweite, in der er mit flotten dreißig Meilen die Stunde eine abschüssige Straße hinunter "rast". Diese "Exzesse der Adrenalinjonglage" mögen als Beispiel für das Tempo des Films dienen, das für Filme unserer Zeit beinahe einzigartig ist.
Ich persönlich mag diesen Film sehr, er war für mich einer der Highlights der letzten Jahre. Ich kann aber auch durchaus nachvollziehen, das viele mit ihm nichts anfangen können.
Wer sich diesen sicherlich ungewöhnlichsten Lynch-Film zu Gemüte führen möchte, der mache es sich am besten bei einem doppelten Jack Daniels auf dem Sofa bequem und lasse sich von Alvin Straight, der übrigens wirklich lebte und dem dieser Film gewidmet ist, mitnehmen auf einer Reise, bei der Zeit keine Bedeutung zu haben scheint.
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Über die Arbeiten von David Lynch lässt sich trefflich streiten. Hier hat er einen wundervoll ruhigen Film geliefert, der im wahrsten Sinne des Wortes ein "Roadmovie" ist, denn er spielt nahezu ausschließlich auf der Straße.

Ein Film über das Älterwerden, über Freundschaft, über Beharrlichkeit und über Hoffnung. Viele tolle Aspekte bieten sich dem Zuschauer an, während er den alten Mann auf dem Rasenmäher begleitet. Hat mir gut gefallen.
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am 16. Januar 2014
...es ist eine schöne, langsam erzählte Geschichte mit sehr viel Tiefe. Ist man sonst von David Lynch so nicht gewohnt. Wenn Sie jemanden haben, mit dem Sie sich versöhnen möchten, ist das hier vielleicht ein zauberhafter Wink mit einem Zaunpfahl - und es ist letztendlich total egal, wer den Streit angefangen hat.
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am 31. Juli 2009
Ein 73 Jahre alter Mann möchte seinen kranken Bruder besuchen, mit dem er wegen eines Streits seit zehn Jahren kein Wort geredet hat. Er selbst ist körperlich alles andere als fit. Er braucht zwei Spazierstöcke, die er als Gehhilfen benutzt, und weil die Augen auch nicht mehr so gut funktionieren, kann er nicht mehr mit dem Auto fahren. Da es aber für ihn nicht in Frage kommt, sich fahren zu lassen, macht er sich mit seinem fahrbaren Rasenmäher auf den Weg, die Strecke von mehr als 400 km zu überwinden. Unterwegs hat er interessante Begegnungen.

Der Film, der auf einer wahren Geschichte beruht, ist langsam erzählt und wunderschön fotografiert. Knallige Gags und Actionsszenen gibt es gar nicht. Alles geschieht still und leise, aber ungemein atmosphärisch. Auch der durchaus vorhandene Humor kommt leise daher. "The Straight Story" ist ein poetisches Meisterwerk, geschaffen von Kultregisseur David Lynch. Lynch, der sonst eher komplexe Filme dreht, die wohlmöglich nicht mal er selbst bis ins letzte versteht, und der durchaus auch einen Hang zu Gewaltszenen hat, überrascht hier mit einem kleinen Filmjuwel, das einige Momente der Rührung zu bieten hat und durchaus auch als Parabel auf das Leben gesehen werden kann. Einen solchen Überraschungsfilm würde ich mir von Quentin Tarantino auch mal wünschen.
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am 19. Juni 2010
Im Universum des David Lynch stellt "The Straight Story" die große Ausnahme dar. Dort, wo Lynch normalerweise darauf abzielt, beim Zuschauer mit einer stilisierten Flut an Schockszenen aus alptraumhaften Delirien und rätselhaften Metaphern ohne Regeln und ohne jegliche Logik für ein beklemmendes Unbehagen zu sorgen und den Betrachter mit dem komischen Horror seiner exzessiven Figuren und deren innersten Fantasien zu konfrontieren, macht er in diesem Road Movie einen Abstecher in den fragilen Kosmos der amerikanischen Provinz. Abseits von der modernen Gesellschaft, die Lynch sonst beleuchtet, wenn er in Filmen wie "Lost Highway" oder kurze Zeit später in "Mulholland Drive" das Scheinwerferlicht auf die toten Punkte von sexuellen Beziehungen und die aberwitzigen Windungen der Autoritätsfiguren richtete.

In dieser von der Weisheit eines milden Alterswerkes gekennzeichneten lyrischen Studie des amerikanischen Landlebens sattelt der 73-jährige verschrobene Witwer und sture Individualist Alvin Straight den Anhänger seiner Rasenmähermaschine, um sich mit diesem archaisch anmutenden Vehikel gegen die Ratschläge seiner Freunde sechs Wochen lang mit Schrittgeschwindigkeit auf den 500 Kilometer langen Weg von Iowa nach Mt. Zion in Wisconsin zu machen. Alvin, der geh- und sehbehindert ist, hat noch eine Rechnung offen. Er möchte sich mit seinem Bruder versöhnen, mit dem er sich vor mehr als 10 Jahren zerstritten hat und der nach einem Schlaganfall nur noch kurze Zeit zu leben hat. Auf dieser Reise in die Vergangenheit, die zur Standortbestimmung und biblischen Suche nach dem richtigen Weg im Leben wird, begegnen ihm allerlei skurrile Figuren.

In der Wiederentdeckung der Langsamkeit reflektiert Lynch basierend auf einer wahren Geschichte eigene Kindheitserinnerungen. Frei von Nostalgie entdeckt die Kamera verführerische Scope-Bilder einer malerischen Landschaft, die zugleich aufregend und gefährlich ist. Mitten in dieser pittoresken Schönheit jenseits aller Metropolen existieren bizarre Gestalten und die traumatischen Erlebnisse der dunklen Seiten des menschlichen Lebens. Da gibt es Dinge, die sich unausweichlich ihren Weg unter die Oberfläche bahnen. Kaputte Ehen, die Schatten des Krieges, ungewollt schwangere Teenager und die existenzielle Aussichtslosigkeit der Einsamkeit. Seelische Abgründe, die diesen Film dann eben doch zu einem gar nicht mal so untypischen Werk für Lynch machen. Mit traumwandlerischer Sicherheit verknüpft er die einzelnen Handlungsstränge und verziert die Härte des Daseins mit den Weihen der Groteske. Haarscharf schrammt er manchmal in messianischer Inbrunst an der einen oder anderen Plattitüde vorbei. Stuntlegende Richard Farnsworth gibt dem Sturkopf Alvin Straight diese gebrechliche Erscheinung, die mit ausdruckstarkem, weißbärtigem Gesicht und sprechenden Augen in stoischem Eigensinn und ohne angepasste Resignation ein Plädoyer für die inneren Werte, die Würde des Alters und den Gleichklang von Mensch und Natur hält. Insofern ist "The Straight Story" der ruhende und geradlinige Gegenpol zu den geheimnisvollen, traumähnlichen Welten vorangegangener Lynch-Werke wie etwa "Eraserhead" und "Blue Velvet", wo Lynch noch unter der Oberfläche des netten Mittelklasse-Amerika nicht gerade subtil Abartigkeit, Grausamkeit und Entsetzen hervorkehrte. Oft erinnert der Film gerade von den Landschaftsaufnahmen her an Terrence Malicks "Badlands" und "In der Glut des Südens". Sissy Spacek glänzt in der Rolle von Straights Tochter Rose, die sprachlich zurückgeblieben ist und wegen Verletzung der Aufsichtspflicht bestraft wird. Die akustische Sogkraft des Scores stammt erneut aus der Feder von Angelo Badalamenti.

Außer dem 11-seitigen Booklet und ein paar Trailern ist kein Bonusmaterial auf dieser Veröffentlichung aus der Reihe "Große Kinomomente" vorhanden. Das Booklet umfasst neben Produktionsnotizen, die Biografien von David Lynch, Sissy Spacek und Richard Farnsworth. Die Tonspur liegt jeweils in Englisch und Deutsch in Dolby Digital 5.1 vor. Das Bildformat ist 2,35:1 bzw. 16:9 anamorph codiert.
11 Kommentar| 10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
"WAS IST DAS SCHLIMMSTE AM ALTSEIN?" fragt ein junger Rennradfahrer mit viel überschüssiger Energie den alten, am Ende seiner Kraft angekommenen Alvin Straight. Er ist auf einem John Deere-Rasenmäher aus dem Jahr 1966 mit max. 5 Meilen pro Stunde von Laurens in Iowa nach Mt. Zion in Wisconsin unterwegs. Da lebt sein Bruder, mit dem er nach einem durch Alkohol verschärften Streit vor zehn Jahren kein Wort mehr gewechselt hat. Alvin weiß, dass ihm und dem engsten Gefährten einer kargen, armen Jugend in Minnesota nur noch wenig Zeit bleibt in dieser Welt. Er will Lyle unbedingt noch einmal sehen, sehen und sich mit ihm aussöhnen, bevor sie gehen müssen. Aus gesundheitlichen Gründen darf er kein Auto mehr fahren, aber diese Reise muss er aus eigener Kraft schaffen. Es ist seine Mission, keiner wird ihn davon abbringen - und für seinen Sitzrasenmäher braucht er keine Fahrerlaubnis. "DAS SCHLIMMSTE IST DIE ERINNERUNG AN DIE JUGEND" antwortet er den jungen Mann im Radfahrercamp.

Sehr unterschiedliche Menschen kreuzen Straights Weg in den rund sechs Wochen quer durch einen goldenen, lichtdurchfluteten Mittleren Westen zur Erntezeit. Meile um Meile nichts als schnurgerade Landstraßen durch wogende Weizenfelder; plattes Land, in denen die weißen, hohen Getreideheber wie fremdartige Kathedralen die höchsten Erhebungen darstellen. Lynch lässt uns und Alvin viel Zeit, diese Landschaft im vielleicht langsamsten Roadmovie der Filmgeschichte zu erleben. Und Alvin genießt die Stille und weite Einsamkeit seiner Heimat. Auch von ihr nimmt er Abschied. In seinem Alter bestimmt loslassen (bitte, bitte in Würde) das Leben. Ob er Angst habe, so allein unterwegs? Nein, ein Kriegsveteran, der den Koreakrieg und den Zweiten Weltkrieg überlebte, fürchtet sich nicht vor ein paar Nächten im Kornfeld! Er kommt noch gut klar, lässt sich nicht über die Ohren hauen und schreibt zwei stets streitenden Brüdern, die dies versuchen, tiefe Weisheiten hinter deren: "Ein Bruder ist ein Bruder. Keiner weiß mehr über dich, als ein Bruder in deinem Alter."

Am Ende wird Alvin Straight sein Ziel erreichen und nicht zu spät kommen. Die Angst, es nicht mehr rechtzeitig zu schaffen, hat ihn die ganze Reise begleitet und findet ihren Höhepunkt in einem einzigen Wort: "Lyle!?". Setz' dich, Alvin," sagt Lyle, als sie sich auf der Veranda seines windschiefen Häuschens gegenüber stehen. Auch hier Verfall. Seine Augen weiten sich, seine Gesichtsmuskeln zucken, als sein Blick auf den kleinen Mäher mit seinem großen Anhänger fällt, der seinen Bruder zu ihm brachte. Was für ein Ende und was für ein Film!

Der Gebrauch von Superlativen ist inflationär, sie sind daher mit Vorsicht zu genießen. Hier aber ist eins angebracht: Dieser Film gehört zu den schönsten, eindringlichsten Filmen überhaupt. Getragen wird er von Richard Farnsworth, einem Schauspieler, der zwar in vielen Filmen namhafter Regisseure mitspielte und auch zweimal für den Oscar nominiert wurde; ein kalifornisches Urgestein, das aber nie die Stufe eines Megastars erreichte. Schwer krebskrank und von Schmerzen gezeichnet spielt er, ist er, fast achtzigjährig, Alvin Straight. Die Intensität mit der er seine Rolle ausfüllt, berührt tief. Es ist seine letzte, seine beste, mit der er sich in die Herzen von Filmfans "spielte". Wenige Monate nach der Iowa-Premiere 1999 im Pocahontas' Rialto Theater erschoss er sich auf seiner Farm in New Mexico. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in seiner Heimatstadt Los Angeles, wo er 1920 geboren wurde. Er kannte die goldenen Zeiten Hollywoods. Er war ein Teil davon.

Die "Straight-Story" ist in ihren Grundzügen wahr. Nachlesen kann man das zum Beispiel bei "DesMoinesRegister.com" unter "Famous Iowans". Alvin Straight (nomen est omen) lebte von 1921 bis 1996 das gewöhnliche Leben eines Kleinen Mannes in Iowa. Dass er durch diese ungewöhnliche Reise zu einem Volkshelden wurde, konnte er nie verstehen. Das Interesse an seiner Person fand er irritierend. Seine Geschichte aber passt zu Iowa. Sein Leben war einfach und hart. Viel Arbeit, viele Kinder, wenig Geld, sein Leben lang. Die beiden Kriege, in die er als Soldat verwickelt wurde, hatten tiefe Spuren hinterlassen, wie bei so vielen. Aber darüber sprechen sie so gut wie nie, die alten Männer. Nicht in Iowa und anderswo auch nicht.

Ein Hoch auf David Lynch darf hier am Ende auch nicht fehlen (recht so - nur in keine Schublade stecken lassen, das schadet der Kreativität!), genauso wenig wie auf Sissy Spacek, die im Film die leicht zurückgebliebene (von was?) Tochter von Alvin Straight verkörpert. Wie immer große Klasse, die unvergessene "Nashville Lady". Sie hat die Schauspielerei eben im Blut. Und noch ein Toast: Auf Angelo Badalamenti und seine wundervolle Musik.

Helga Kurz
33 Kommentare| 58 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Februar 2003
Als Iowa- und Wisconcin-Kenner kann ich bestätigen, daß dieser Film den Mittelwesten und seinen unspektakulären, aber sehr bodenständigen Charme perfekt trifft. Leider kennen USA-Touristen in der Regel den Mittelwesten nicht oder nur oberflächlich - dieser Film bietet eine gute Chance, ein Gefühl für diesen Landstrich und seine Menschen zu erhalten.
Die Bilder des Films und die Aneinanderreihung der einzelnen Erlebnisse von Alvin Straight auf seiner Reise ergänzen einander perfekt. Die schauspielerischen Leistungen sind hervorragend. Die Schlußszene mit den beiden Brüdern ist berührend, ohne im geringsten kitschig zu sein. Übrigens ein Muß für alle Harry Dean Stanton-Fans; dessen Auftritt als Alvins Bruder Lyle ist zwar nur kurz, aber sehr beeindruckend.
Berührend - wenn nicht sogar bedrückend - ist auch die Szene in der Bar zwischen Alvin und einem etwa gleichalten Gast, als die beiden sich gegenseitig darlegen, daß sie über ihre Weltkrieg 2-Erfahrungen nie hinwegkommen werden und sehr darunter leiden.
Wer eine gute, unspektakuläre, ruhige Geschichte mit Niveau liebt, auch mal ohne Special Effects auskommt und stattdessen auf gute Schauspieler und Kameraleistung Wert legt, ist mit diesem Film bestens bedient.
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am 31. Juli 2009
Ein 73 Jahre alter Mann möchte seinen kranken Bruder besuchen, mit dem er wegen eines Streits seit zehn Jahren kein Wort geredet hat. Er selbst ist körperlich alles andere als fit. Er braucht zwei Spazierstöcke, die er als Gehhilfen benutzt, und weil die Augen auch nicht mehr so gut funktionieren, kann er nicht mehr mit dem Auto fahren. Da es aber für ihn nicht in Frage kommt, sich fahren zu lassen, macht er sich mit seinem fahrbaren Rasenmäher auf den Weg, die Strecke von mehr als 400 km zu überwinden. Unterwegs hat er interessante Begegnungen.

Der Film, der auf einer wahren Geschichte beruht, ist langsam erzählt und wunderschön fotografiert. Knallige Gags und Actionsszenen gibt es gar nicht. Alles geschieht still und leise, aber ungemein atmosphärisch. Auch der durchaus vorhandene Humor kommt leise daher. "The Straight Story" ist ein poetisches Meisterwerk, geschaffen von Kultregisseur David Lynch. Lynch, der sonst eher komplexe Filme dreht, die wohlmöglich nicht mal er selbst bis ins letzte versteht, und der durchaus auch einen Hang zu Gewaltszenen hat, überrascht hier mit einem kleinen Filmjuwel, das einige Momente der Rührung zu bieten hat und durchaus auch als Parabel auf das Leben gesehen werden kann. Einen solchen Überraschungsfilm würde ich mir von Quentin Tarantino auch mal wünschen.
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am 26. Januar 2017
Eine Filmbeschreibung haben schon andere geliefert. Ich möchte nur alle David-Lynch-Fans auffordern, ihren Lieblings-Regisseur nicht zu zensieren, indem sie diesen großartigen Film ignorieren. Denn wenn auch der "dunkle Lynch" hier kaum erkennbar ist, ist es doch eine großartige Leistung, eine scheinbar schlichte, einfache, geradlinige Geschichte (straight story) so gekonnt umzusetzen.
Am Ende der Geschichte liefert einer der größten Nebendarsteller des amerikanischen Films eine Meisterleistung ab - in einer einzigen, kurzen Szene berührt Harry Dean Stanton mit wenigen Worten und ganz großem Spiel jeden, der diesen Film anschaut, bis ins Innerste.
Und der "dunkle Lynch" hat sozusagen einen kurzen Cameo-Auftritt - in der "deer scene", der Szene mit dem angefahrenen Reh.
Trotz aller Andersartigkeit ein echter Lynch. Einer seiner ganz großen Filme, der verdient, gesehen zu werden.
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Ein Film mit Zeit ...Wann gibt es das heute noch, dass den Zuschauern im Film nicht die Fetzen um die Ohren fliegen? Dass man zwei Stunden Zeit hat, einen Mann zu sehen, der nichts anderes macht als mit dem Rasenmäher durch die Gegend fahren?Und doch kein langweiliger Film.Denn man kann nachfühlen, dass es sich lohnt, die Mühe auf sich zu nehmen, um am Ende einfach nur auf einer Bank neben seinem Bruder zu sitzen, vielleicht das letzte Mal.Es ist etwas Besonderes, im Film nicht nur Typen, sondern richtige Menschen vorgeführt zu bekommen. Richard Farnsworth gibt seiner Figur alle Gleubwürdigkeit und Lebendigkeit, die er braucht.Schön, dass es solche Filme gibt.
P.S.: Bild ist gut, Ton auch (aber unwichtig). Der Film lebt nicht von seinen Effekten, sondern von den Menschen.
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