20% Rabatt Hier klicken Duplo studentsignup Cloud Drive Photos OLED TVs Learn More HI_PROJECT Hier klicken Learn More Fire Shop Kindle PrimeMusic GC HW16

Kundenrezensionen

3,3 von 5 Sternen
25
3,3 von 5 Sternen
Format: DVD|Ändern
Preis:7,99 €+ 5,00 € Versandkosten
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 4. Januar 2009
Zunächst einmal vorweg: Brian de Palma musste seine Filmhandlung fiktiv nennen. Das hatte vor allem rechtliche Gründe. Der Film ist stark angelehnt an ein tatsächlich begangenes Verbrechen im Irak. Verübt von US-Soldaten. Jetzt de Palmas Film sozusagen als "Märchen" hinstellen zu wollen, ist nicht nur falsch, sondern mehr oder weniger unverantwortlich.

US-Soldat Salazar will seinen Irak-Aufenthalt in einer Art Video-Tagebuch festhalten. So hat er die Kamera ständig im Einsatz, wenn seine Gruppe Dienst schiebt. Ihre primäre Aufgabe ist es, einen Kontrollpunkt zu betreiben. Bei einer Razzia werden die Soldaten Flake und Reno auf ein 15jähriges Mädchen aufmerksam. Eines Abends, betrunken und vielleicht auch high, beschließen sie, dem Haus des Mädchens noch einen Besuch abzustatten. Sie haben von vornherein den Plan, das Mädchen zu vergewaltigen. Ihr Gruppenführer McCoy begleitet sie, weil er verhindern will, dass etwas passiert. Aber dann gerät die Situation außer Kontrolle. Es gibt jede Menge Tote und anschließend setzen Flake und Reno die anderen Soldaten unter Druck, um das Verbrechen zu verschleiern. Damit kann McCoy nicht leben. Aber wer wird ihm glauben?

Brian De Palma ist ein Fuchs hinter der Kamera. Unberechenbar, hochkreativ und immer für eine Überraschung gut. Redacted ist in keiner Art und Weise als De Palma Film erkennbar. In einer Art Videospecial lässt De Palma verschiedene Sequenzen ablaufen, die Salazar aufgenommen hat. Sozusagen Schlaglichter des Krieges. Dabei verliert er nicht den roten Faden und hält die Kamera schonungslos auf das gesamte Drama. Mit Flake und Reno zeigt er uns den größten Ausbund an Abschaum in Uniform, den wir uns vorstellen können. Genau in diesem Punkt liegt, meiner Meinung nach, die einzige kleine Schwäche in De Palmas Film. Man muss den US-Truppen gewiss kein Loblied singen, aber De Palma ist in seinen Bildern gnadenlos mit der Army. Wenn der Einsatz im Irak und das Verhalten der Soldaten auch nur annähernd realistisch dargestellt ist, dann ist es unvorstellbar. So glaube ich persönlich, dass es ganz sicher zu menschlichen Verfehlungen der schlimmsten Art kommt, aber ein pauschales moralisches Gesamturteil über alle Soldaten würde ich nicht fällen. De Palma schrammt an so einem Urteil denkbar knapp vorbei.

Redacted ist ein guter und ein wichtiger Film. De Palma zweifelsohne ein Meister seines Fachs. Sind die Bilder teilweise auch nur schwer zu verdauen, sie scheinen nötig zu sein, um Augen zu öffnen. Ein Urteil über den Sinn und Unsinn dieses Krieges sollten wir uns allerdings nicht nur aus Filmen ziehen. Ein paar weitere Informationsquellen abzuchecken halte ich da für besonders sinnvoll. Redacted wird nicht jedermanns Geschmack sein. Ich ziehe in jedem Fall den Hut vor De Palmas Kamerakunst und seinem Mut für eine klare Position. Sie sollten sich ihr Urteil selbst bilden.
0Kommentar| 25 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 19. März 2009
Irak 2006: Sam Peckinpahs berühmte Skorpion Szene aus "Wild Bunch" ist Auftakt einer furiosen Medien-Bilderflut. Die Szene deutet an, wie stark sich markante Bilder einprägen. Wir erleben eine französische Reportage über den Kontrollposten, denn an diesem Checkpoint in der irakischen Stadt Sammarah vertreiben sich die Soldaten die Langeweile beim Wacheschieben, Kartenspielen, Saufen und beim Filmen.
Wir sehen ausserdem verschiedene Nachrichtenprogramme - US und Arabische - Blogs und eine terroristisches Hinrichtungsvideo, Aufzeichnungen von Verhören etc. Palma fügt sämtliche dieser Kamera-Stilmittel in seinen Film ein und schafft mit all diesen Versatzstücken ein interessantes Ergebnis.
Ein Soldat der Alpha Company, Angel Salazar (Izzy Diaz), ist wie viele andere Soldaten der Gegenwart mit einem handlichen Camcorder unterwegs und filmt seine persönliche Chronik des Kriegsdienstes im Irak. Salazar will sich mit seinen Aufnahmen nach dem Krieg bei einer Filmschule bewerben. Immer wieder thematisiert De Palma in seinem Filmschaffen die Verfänglichkeit des Beobachtens und die moralische Verantwortung des Voyeurs. Sehr oft sind seine Helden ohnmächtige Zuschauer, die Zeugen eines Verbrechens werden.
In seinem neuen Film nutzt er die Ästhetik der von Laien gemachten Videoclips, um sein Irakkriegsdrama authentischer wirken zu lassen. Mehr Nähe durch die verwackelte Kameraperspektive. YouTube als Vorbild für Kinofilme. Es finden sich dort einige dieser echten Videoclips von Soldaten im Irak. Die bedrohliche bis feindlich gesinnte Fremde des Krisengebietes hat Auswirkungen: Von Herumalbern bis zu Beschimpfungen bis zum...Töten.
Genauer genommen ist der dokumentarisch wirkende "Redacted", der nie im deutschen Kino lief und wegen seiner selbstkritischen Haltung in den USA kein Erfolg wurde, eine neue Variante, eine Art "next Generation" seines "Die Verdammten des Krieges", der eine sehr ähnliche Geschichte von einer grausamen Vergewaltigung eines jungen Mädchen in Vietnam zeigt.
Er zeigt einmal mehr die nackte Hässlichkeit charakterlicher Facetten der Täter. Jahrzehnte später in diesem Irak-Krieg ist de Palmas übergeordnte Analyse allerdings weitaus bitterer ausgefallen.
Der Fall wird zwar aufgerollt und das kriegsgericht bemüht, aber er scheint für uns abgestumpfte Voyeure genauso uninteressant zu sein wie für die Ermittler. Interessiert uns das Schicksal des Opfers über diese 87 Minuten hinaus ?
Es herrscht der oberflächliche Blick aufs Bild des Augenblicks und sekundenschnell wandern wir zum nächsten Bild..ein Zapping des Todes. Eine hohe Dimension der Abgestumpftheit aufgrund einer Übersättigung durch die Medien...dies ist der Spiegel, den de Palma uns offenlegt.
Angelehnt ist die "fiktive" Geschichte an das tatsächlich stattgefundene Massaker von Mahmudja, bei dem eine 14-jährige Irakerin von US-Soldaten vergewaltigt und ermordet wurde; auch die Eltern des Mädchens und dessen jüngere Schwester wurden dabei getötet. Dieser vielfach als Kriegsverbrechen gewertete Vorfall führte insbesondere im Irak zu Empörung und zu Racheakten militanter Aufständischer.
0Kommentar| 9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. Februar 2015
Zum Inhalt ist in der vorhergehenden Rezessionen bereits alles gesagt worden.
Meines Erachtens ist es ein Film der zum Nachdenken anregen soll, was er auch tut, wenn man sich darauf einlässt. Man kann an dem einen Ereignis erkennen was dies aus den Beteiligten macht und wie unterschiedlich die Umgebung der Beteiligten auf die Ereignisse reagiert. Außerdem erkennt man unweigerlich Parallelen zu den kurzen Nachrichten, die man in der damaligen Zeit im Fernsehen gesehen hat und sieht viel deutlicher, dass es eigentlich nur Opfer in einem solchen Krieg geben kann. Und wie aus Opfern Täter werden. Junge Soldaten die Kameraden verlieren und aufgrund ihres Alters und ihrer Einstellung dann wiederum leicht zu Tätern oder Mitläufern mutieren. Ein Kreislauf von Wut, Hass und Gewalt, der sich wiederholt.

Es ist kein Film um gemütlich Popcorn zu essen oder den Feierabend ausklingen zu lassen und die Art des Films ist gewöhnungsbedürftig, da großteils Amateurhaft, weil er ja von den Beteiligten selbst als Dokumentation gedreht wird. Dadurch keine steigende Spannung, Spezialeffekte, überraschende Wendungen oder sonstige dramaturgischen Elemente.

Wer einen oder zwei Sterne vergibt hat sicherlich unter anderen Kriterien den Film geschaut und beurteilt.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
allen negativen Bewertungen zum Trotz kaufte ich den Film, wenn auch mit gemischten Gefühlen, da meine positiven Zweifel bei einem anderen Produkt auch schon mal unberechtigt waren und ich besser auf die Meckerer hätte hören sollen. Diesmal wurde ich positiv überrascht. Zwar gibt es tatsählich Passagen, in denen viel gesprochen wird, wer nen Action-Film sucht wird also vermutlich herb enttäuscht werden und mich hassen, doch diese erwähnten Passagen finden nicht wie in der Lindenstrasse ständig am selben trostlosen Ort statt und auch nicht, wie ich aus einer Bewertung vermutete, in einem amerikanischen Gerichtssaal, sondern eben an verschiedenen Plätzen, mal im Camp, mal unter freiem Himmel mit Fahrzeugen, Ziegen, örtlicher Bevölkerung etc., eben an ganz normalen Orten. Ich fand den Film jedenfalls an keiner einzigen Stelle langweilig.
Leider muß ich feststellen, daß sogar Sympathie für einige amerikanische Soldaten in mir aufkeimt. Diejenigen, die sterben, sind nämlich gerade die guten Kerle, während der Abschaum zu überleben scheint, keine Reue zeigt und auch nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Interessanterweise fühlte ich mich erinnert an ein GST-Lager, in dem Vertreter dieser Weltanschauung mit unter uns weilten, Leute, die im richtigen Umfeld wohl ebenso vor keinem Verbrechen zurückschrecken würden, unter günstigen Voraussetzungen aber in Schach zu halten sind oder sich sogar für die Gesellschaft nützlich machen können. Der Krieg entfesselt die böse Seite, indem er erworbene, von der Gesellschaft gesetzte Hemmschwellen senkt. Diesen Prozeß konnte der Film glänzend vermitteln, genau wie er mahnte, daß nicht jeder Mann auf der falschen Seite ein Verbrecher sein muß. Trotzdem sähe ich den Feind lieber außerhalb des Landes
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 14. Januar 2009
Mit diesem Film hat Brian De Palma sicher nicht alle Amerikaner zu seinen Fans gemacht.
Er zeigt in seinem Film den alltäglichen hirnverbrennenden Wahnsinn, der die Soldaten wie auch die irakische Bevölkerung quält.
Die dauernde Monotonie in den Camps, gefolgt von blutpumpendem Stress bei Einsätzen, die ständige Gefahr welche von Scharfschützen und Bombenfallen ausgeht, die sexuelle Frustration bei Langzeiteinsätzen, die anhaltende Hitze sowie das unterschwellige Wissen um die Sinnlosigkeit des gesamten Einsatzes machen viele der Soldaten schier verrückt.
Der Film zeigt den Alltag einer kleinen Gruppe von Soldaten, die einen Kontrollpunkt an einer Brücke bewachen. Dieser zusammengewürfelte Haufen besteht aus Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist der übergewichtige Fiesling, der dürre Kerl der seinen Hass auf alles und jeden loslässt, der Bücher lesende Nerd, der immer gutgelaunte Typ welcher von einer Karriere als Filmemacher träumt und der nette Kerl von nebenan.
Diese unterschiedlichen Typen sind zusammengepfercht in einer Beahausung welche nicht gerade Trost spendet. Andauernde Reibereien zwischen den Männern gehören zur Tagesordnung und bringen zusätzlichen Stress für die Männer.

Bei einem Routineeinsatz bei dem ein Haus durchsucht und eine irakische Familie in Angst und Schrecken versetzt wird, bekommt der Zuschauer die Brutalität der US-Soldaten zu sehen, wie sie tatsächlich täglich stattfindet. Wer das Vorgehen des US-Militärs für angebracht hält sollte sich nach diesen Szenen mal vorstellen was in ihm vorginge, sollten einmal Soldaten so in seinem Haus einfallen und seine Familie derart verängstigen und demütigen.
Kurz darauf beschließen 2 der Soldaten noch einmal das Haus aufzusuchen, welches sie am Tag zuvor durchsucht hatten. Zu der verdächtigen Familie gehören auch eine Frau und ein Mädchen welche einem der Soldaten gefallen haben.

An dieser Stelle eskaliert der Film.

Es gibt bereits einige Filme, welche das Thema Irak-Krieg behandeln.
Die meisten sind hirnlos und leider eher Pro-US, auch wenn es Ausnahmen gibt.
Brian De Palma geht einen völlig anderen Weg. Der Zuschauer ist im Film mit dabei. Dies schafft De Palm durch die verwendete Film-Technik. Er nutzt zum einen HD, zum anderen werden viele Szenen durch die Kamera des Soldaten gezeigt, welcher mit seinen Aufnahmen eine Dokumentation seines Einsatzes filmt. Durch eben diese Darstellung bekommen viele Situationen einen viel persönlicheren Touch als es mit herkömmlichen filmischen Techniken erreichbar wäre. Ob es nun ein kurzer Moment ist, welcher einen der Männer auf seiner Pritsche beim lesen zeigt oder die abendliche Pokerrunde, bei der die Kamera nebenher mitläuft. Es wirkt wesentlich authentischer durch diese Änderung des Betrachtungswinkels.

De Palma hat Recherchen im Internet angestellt - unter anderem ist Youtube eine Fundgrube für dieses Thema - wo er haufenweise Material für seinen Film finden konnte.
Auf besagter Film-Plattform stehen unzählige Filme von US-Soldaten online, die auf verstörende Art zeigen, was im Irak vor sich geht.
Redacted zeigt, trotz seiner Brutalität, nur einen kleinen Auszug dessen, zu was Menschen fähig sind.

Wer von dem Film viel Geballer erwartet, wird enttäuscht sein. Der Film verzichtet fast komplett auf solche Szenen. Selbst wenn mal geschossen wird, bekommt man quasi nur das Ergebnis zu sehen. Dieser Film ist also auch für Menschen geeignet die einen (Anti)-Kriegsfilm ohne literweise Blut sehen wollen.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Juni 2016
Als ob De Palma selbst sein CASUALTIES OF WAR-Missverständnis rückblickend mit Reue betrachtet, erzählt er in REDACTED eine sehr ähnliche Geschichte, kehrt sie aber auf formeller Ebene, und das ist eine willkommene Überraschung, ins Gegenteil um. Statt Spannung und Thrill zu inszenieren oder sklavisch einer Dramaturgie zu folgen, hangelt De Palma sich oberflächlich an realen Geschehnissen entlang, filmt dokumentarisch mit Handkamera und fügt der Handlung tatsächliche wie fiktive Reportagen und Videos bei. Sean Penn und Michael J. Fox machen Platz für Patrick Carroll und Rob Devaney (Ja, genau... wer?). Das Ziel einer für sensible Thematiken unerlässlichen Annäherung einer (nie wirklich gegebenen) Objektivität, erreicht dieser Film exzellent. Und das ist in Anbetracht des beteiligten Regisseurs wirklich erstaunlich.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. August 2015
Ich kannte den Titel nicht und habe unvoreingenommen den Film geschaut und war sehr überrascht wie gut er zum schauen war. Wer sich für Soldaten interessiert oder selbst schon mal im Auslandseinsatz war und weiß wie es da unten abgeht, sollte den Film mal gesehen haben.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. März 2016
Diesen Müll sollte keiner der gern anspruchsvolle Filme schaut, sich antun. Die Handlung primitiv und die Qualität sehr nervend. Der ganze Film wird von einer Videokamera gefilmt und aus diesem Blickwinkel dem Zuschauer angetan. Es geht nur um den primitiven einfachen Soldaten im Irak der sich nicht unter Kontrolle hat und mit eklatanten Sprüchen den Zuschauer quält. Jeder Cent ist zu schade für diesen Müll.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 21. September 2012
Ein Herr schickte seinen Diener in Bagdad auf den Markt. Dort erschien ihm der Tod; er kehrte angsterfüllt zu seinem Herrn zurück und bat um ein Pferd, um nach Samarra zu reiten; dort würde ihn der Tod nicht finden. So geschah es. Der Herr ging selbst zum Markt, erkannte dort den Tod und warf ihm vor, wie er denn seinen Diener so erschrecken könne. Darauf entgegnete der Tod: "Aber ich wollte ihn gar nicht erschrecken. Ich war nur erstaunt, ihn in Bagdad zu sehen. Ich hatte nämlich heute Abend mit ihm eine Verabredung in Samarra."

Was sagt uns diese Geschichte? Sie wird vorgetragen im Kreise von US-Soldaten in - Samarra, Irak. Am Ende wird einer von ihnen ziemlich deutlich aussprechen, dass es keinen guten Grund gäbe, aus dem die USA im Irak einen Krieg führten. Alles also ein Missverständnis ("der Irak hat Massenvernichtungswaffen"), das aber doch den Hintersinn hat, dem tödlichen Schicksal nicht zu entgehen? "Mit jedem Tag kommen wir der Verabredung näher", wird der Soldat sagen, der das Buch "Verabredung in Samarra" (Auszug siehe oben) tagtäglich liest. Die Terroristen von 9/11 hatten die USA erschreckt, um sie dann in den Irak zu locken und dort zu erwarten. Möglicherweise. Die Parabel vom Tod und dem Diener eines Herren (Soldaten als Diener ihres Landes vielleicht) lädt zu vielfältigen Interpretationen und Spekulationen ein. Und das ist schon einmal gut, in einem Film des großen Brian de Palma, der zumindest teilweise extrem ungewöhnlich und interessant ist.

Von den GIs rücken vier in den Vordergrund. Angel Salazar (Engel! Tod!! Man hat hier wohl keine zufälligen Namen) ist der Chronist, der sämtliches Geschehen mit der Videokamera dokumentiert; er möchte sich damit an der Filmhochschule bewerben. McCoy ist der etwas zurückhaltendere Typ, an Gerechtigkeit interessiert, ein Anwalt der Schwachen, darum heißt er mit Vornamen tatsächlich "Lawyer". B.B. Rush und Reno Flake sind die ungehobelten (Front-)Schweine. Reno ist nach einem Ort des Glücksspiels benannt, sein Bruder heißt "Vegas". Dies zeigt nicht nur, dass Reno in einer Welt für sich lebt und das Verbrechen, das er begehen wird, nicht nach außen dringen dürfe (so sei dies bei Geschichten, die in Las VEGAS passierten, sagt er einmal). Dies hat auch mit einer seltsamen Art von Glücksrittertum zu tun. Daddy nannte Reno und Vegas immer seine Joker. Vegas ward, wie Reno erzählt, einmal als Trumpfkarte eingesetzt, als andere nicht den Mumm hatten, einen Mord zu begehen. Doch das Glück hatte Vegas danach verlassen; er wurde erwischt, ging ins Gefängnis und starb dort. Reno überschreitet nun ebenfalls eine rote Linie: Unsere vier wollen bzw. sollen ein fünfzehnjähriges irakisches Mädchen vergewaltigen. Reno und B.B. Rush schreiten zur Tat und erschießen dabei noch gleich einen Gutteil der Familie des Opfers. McCoy kommt zwar mit, aber als er merkt, dass seine Kameraden es tatsächlich ernst meinen, möchte er sie vergeblich von der Tat abhalten. Bei Salazar siegt die Lust am Dokumentieren über die Skrupel und er filmt die Tat. Später wird er von Verwandten der Opfer entführt und vor laufender Kamera (ausgerechnet Salazar, der selbst immer die Kamera laufen ließ) enthauptet - dies ist ein Bild, das wir aus der Realität kennen. Um dieses Enthauptungsvideo herum baut Brian de Palma seine ansonsten weitgehend fiktive Geschichte auf.

Dennoch hat "Redacted" etwas Dokumentarisches. De Palma hat in HD statt auf Zelluloid gefilmt. Die ansonsten bei ihm übliche optische Opulenz ist deutlich zurückgenommen. Bei uns kam der Film gar nicht erst in die Kinos; vielleicht ist er auch eher fürs Fernsehformat geeignet. Die Ästhetik erinnert an Reportagen. Dokumente aus dem Internet oder geschwärzte Akten (eben "redacted", also editiert, wie schon der Vorspann eindrucksvoll zeigt) werden immer wieder eingeblendet. Wir haben hintereinander geschnittene, aber nicht ineinander übergehende Szenen. Diese erzählen zusammengenommen zwar eine geschlossene Geschichte, aber den Fluss dieser Geschichte müssen wir uns selbst im Kopf zusammenbasteln. De Palma zeigt Momentaufnahmen; ein Szenenwechsel bedeutet auch einen Stilwechsel. Vieles ist mit (Salazars) Handkamera oder mit festinstallierten (Überwachungs-)Kameras gefilmt, oder wir sehen Internetvideos, die als solche erkennbar sind, oder (fiktive) Kriegsreportagen. Halt Dinge, die es auch in der Realität gibt. Beispielsweise kommt ein paarmal ein irakischer Internetkanal vor - ein feststehendes Bild mit arabischem Design und Schriftzeichen am Rand und einem Videobildschirm in der Mitte. Dort sehen wir einmal, mit Nachtsichtkamera aufgenommen, ein paar Wache schiebende US-Soldaten und ein paar unerkennbare Männer, die dort herumschleichen, anscheinend unbemerkt. Beim ersten Sehen ist kaum klar, worum es geht. Es folgt eine Szene im Vollbildmodus, von Salazar gefilmt und daher fast ohne die üblichen Farbbearbeitungen, sondern mit gleißendem und kaltem Licht, wie man das von Dokumentationen statt von Spielfilmen kennt (dieser Effekt kommt häufiger vor). Wir sehen, wie ein Soldat Opfer einer Mine wird. Nun ist klar, dass die voranstehende Szene gezeigt hatte, wie Iraker diese Mine gelegt hatten. Immer wieder kommt es zu solchen Ellipsen, wechselt der Film die Perspektiven.

Hierdurch bleiben einige Dinge offen; wir müssen uns selbst Gedanken machen. Ob Flake und Rush belangt werden ist so wenig klar wie die Frage, ob McCoy sein Trauma überwinden wird. Irritierend ambivalent verhält sich der Film ferner zu der Frage, ob Filmen (Salazar) und Dabeisein, aber Nichtverhindern (McCoy) genauso schlimm ist wie die aktive Begehung der Tat. Am Ende sehen wir in einem Internetvideo eine wütende junge Frau, die die Täter beschimpft und ihnen wünscht, Opfer einer archaischen Selbstjustiz zu werden. Man weiß nicht genau, ob sie alle oder nur die beiden aktiven Täter meint. Jedenfalls Salazar betreffend gibt es deutliche Anzeichen, dass De Palma ihn in der Mitschuld sieht. Hier hat "Redacted" De-Palma-typische Stärken; bei dem Regisseur ging es immer um Voyeurismus und die Macht der Bilder. Die Kamera als Waffe; diese uralte Metapher passte selten so gut wie hier. De Palma zeigt ja zu einem Großteil Filme im Film und macht schon am Anfang klar, dass Bilder ein Eigenleben bekommen und die Realität machen statt nur abbilden können. Salazar filmt so viel, dass er irgendwann nur noch einen anderen Filmer filmt; und die Soldaten schwadronieren darüber, ob das jetzt schwachsinnig sei, wenn "ich nen Film von einem drehe, der nen Film von mir dreht." Aber genau darum geht es: Filmen als selbstbezügliche Angelegenheit, die sich im Kreis dreht und auf sich selbst zurückwirft; die Realität kann hier schon einmal ausgeschlossen sein und unter den Tisch fallen (sozusagen deleted scenes from the cutting room floor). Auf diese Weise hatte De Palma auch in seinen großen, anscheinend ganz anderen, durchgestylten Thrillern über die Bilder und den Voyeurismus nachgedacht.

De Palma geht nun einen Schritt weiter und macht seine Aussagen auch zum Stil. "Was ihr hier sehen werdet, ist kein Hollywoodfilm mit durchgehender Handlung", so Salazar am Anfang über seine Doku - das könnte auch De Palma über "Redacted" gesagt haben. "Film ist vierundzwanzigmal Wahrheit pro Sekunde"; das berühmte Godard-Zitat gibt Salazar leicht abgewandelt wieder, und auch hier spricht De Palma. Im einen wie im anderen Fall lädt er uns zu kritischen Reflexionen ein, denn "Das erste Opfer des Krieges [und also auch des Filmens] ist immer die Wahrheit", so heißt es an anderer Stelle. Und wie sehr der Dokumentarist in Wirklichkeit mitmischt, wird bei "Redacted" mehr als deutlich. Bezeichnenderweise entgleiten dem Filmer Salazar genau nach seinem 24-Sekunden-Spruch die Dinge, denn just dann wird er entführt und später enthauptet. Die Kamera aber überlebt. Es findet sich immer ein anderer, der sie bedienen wird.

Dem Zuschauer etwas über die Bildermacht zu erklären, aber ihn nicht mit selbiger zu verführen: Das ist aller Ehren wert, aber De Palma geht damit ein Teil seiner emotionalen Kraft verloren. Es ist fast wie eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, zum Beispiel zu "Murder à la Mod" (1968), wo er zwar kunstvoll zeigte, wie man den Zuschauer mitnehmen kann, aber dies nicht tat. Wie in dem alten Film haben wir nun ebenfalls wieder eine maximale Fülle an Stilmitteln von einem Extrem ins andere. Den nüchtern ausgeleuchteten Aufnahmen steht paradoxerweise gegenüber, dass ausgerechnet in einer eingeschobenen fiktiven französischen Dokumentation die Bilder ganz anders sind: Alles ist in warmen Brauntönen gehalten, entsprechend der Hitze, den staubigen Straßen und der Bauweise in Samarra. Doch auch hier gibt es unspektakuläre Chronistenaufnahmen, die eine Durchsuchung an einem Kontrollpunkt zeigen - sehr streng, zwar kontrolliert, aber irgendwie demütigend für die Iraker, obwohl ihnen nichts passiert und sie schließlich weiterfahren dürfen. In einer Zeitrafferszene sehen wir, wie dies zum Alltag der Soldaten und der Iraker gehört. Andererseits ist der Dienst in der Fremde teilweise so quälend langweilig, dass das Knacken beim Drücken einer leeren Plastikflasche zum ohrenbetäubenden Geräusch in der Ödnis werden kann. Zeitlupe des Tons gegen Zeitraffer des Bildes. Und dann Chaos gegen Routine, Handkamera, andere Ausleuchtung, wenn es zu einem dramatischen und blutigen Zwischenfall an diesem Kontrollpunkt kommt. Sicherlich nicht von ungefähr wegen eines Missverständnisses. Gleichsam erfreulich wie verstörend ist, dass man dem handelnden Soldaten nach Betrachten der Bilder kaum einen Vorwurf machen kann - aber dann vermischt der Film die Ebenen schon wieder: Einer der Soldaten der französischen Dokumentation ist Flake; er hat eine schwangere Frau erschossen, was man ihm nicht einmal vorwerfen kann - aber sehr wohl die Art, wie er damit umgeht. Man kann sich in "Redacted" nie ganz sicher sein in seinem moralischen Urteil.

Was allerdings ein bißchen bedauerlich ist, ist die meines Erachtens zu enge Anlehnung De Palmas an seinen eigenen Film "Die Verdammten des Krieges" (1989). Weniger störend ist, wenn jemand in unterschiedlichen Varianten stilistische Wiederholungen betreibt wie etwa Hitchcock oder De Palma selbst, die dergestalt eine künstlerische Meisterschaft variier(t)en und perfektionier(t)en. Hier geht es aber um inhaltliche Übereinstimmungen bei stilistisch großen Unterschieden. "Die Verdammten des Krieges" war die typische De-Palma'sche große Oper; vielen zu sentimental. Man kann verstehen, dass der Regisseur an dasselbe Thema ("Mord bleibt Mord, auch im Krieg") noch einmal heranwollte, aber den Plot betreffend klaut er entschieden zuviel von sich selbst. Wir haben die frustrierten Soldaten, die murren, dass ihr Einsatz verlängert wird (im alten Film: dass sie noch kurz vor Einsatzende auf eine beschwerliche Mission müssen). Ein farbiger Soldat (im alten Film dito) nimmt den Gutmenschen McCoy (Rob Devaney, im alten Film Michael J. Fox in ähnlicher Rolle) an die Kandare, etwas misstrauischer gegenüber der vermeintlich freundlichen einheimischen Bevölkerung zu sein. Ausgerechnet dieser Farbige muss wenig später Opfer einer Gewalttat werden, die von den Einheimischen ausging. Die anderen Soldaten sind gerade deshalb so frustriert, weil die gesamte Dorfbevölkerung von der Falle gewusst haben muss. Im alten Film ein Hinterhalt des Vietcong, in "Redacted" eine Mine, die aber an anderer Stelle im alten Film auch noch vorkommt. Das Opfer hat jeweils einen Namen, der "süß" klingt, im alten Film "Brownie" (oder zeigt dies auch einen latenten Rassismus?), im neuen "Sweet". Für beide Filme gilt: Nach der Gewalttat ist der Mann, der nicht mitmacht, Einschüchterungen ausgesetzt. Er stößt zunächst auf taube Ohren, als er den Vorfall melden will. Am Ende setzt er aber doch eine Untersuchung in Gang. Beide Filme enden mit einem Bild, in welchem klar ist, dass dieser Mann an seinen Traumata noch knabbern muss. Die Übereinstimmungen sind teils sehr detailliert, bis hin zu Dialogen à la "Jeder hier hat es gewusst" (dass eine Mine gelegt wurde / dass der Vietcong wartet). Bei aller Meisterschaft im Übrigen: Man hätte sich hier ein bißchen mehr Kreativität des Regisseurs und Autors De Palma gewünscht.

Im Übrigen liegt aber ein weitgehend guter Film vor, zu dem noch gesagt werden sollte, dass er eben nur scheinbar semidokumentarisches Kino bietet. Wie eben auch in seinen großen Opern überlässt De Palma nichts dem Zufall, ist alles genau durchkomponiert. Opernhaft wird Musik von Händel und am Ende Puccini eingesetzt; wobei ich mich schon fragte, ob die Schlussbilder einen Verrat am vorher gesehenen Film darstellen. Zu Puccini sehen wir grausam verstümmelte Leichen als "Kollateralschäden" des Krieges; teilweise offenbar Originalaufnahmen (da die Augen geschwärzt sind, aber bei De Palma kann man nie ganz sicher sein, ob dies nicht auch nur simulierte Originale sind). Oftmals Kinder mit abgetrennten Gliedmaßen, viel Blut und schmerzverzerrtem, hilfeschreiendem Ausdruck. "Das erste Opfer des Krieges ist immer die Wahrheit"; der Voyeur, der Chronist, der Kameramann beteilige sich wie ein Kämpfer und erzeuge seine eigene Wahrheit. Wollte De Palma am Ende noch einmal genau dies zeigen, indem er offen auf große Gefühle setzt? Mir scheint es gerade auch angesichts des gegenüber dem Restfilm völlig anderen Musikeinsatzes eher so, als verrate der schlaue Fuchs seine eigene Idee. Er instrumentalisiert diese (Kinder-)Leichen fürs große Gefühl und hinterfrage alles, was er vorher eindrucksvoll demonstriert hatte. Vielleicht hätte er besser bei seinem nüchterneren Ansatz bleiben sollen. Der emotionsgeladene "Die Verdammten des Krieges" ist ebenfalls nicht schlecht, aber bei einer Mischung aus beidem entsteht eine Reibung, die sich nicht auflöst. Die letzte Szene ist in einem Film wie diesem Sand im Getriebe, und das ist schade. De Palma hätte mit dem irritierten Bild McCoys schließen sollen, das den Leichenbildern vorangeht. McCoys Freunde geben eine Party für den heimgekehrten "Kriegshelden", aber er und seine Freundin können nicht glücklich sein. Das Bild friert ein; wieder ist es ein Bild im Film, genauer: ein Foto, das Freunde von den beiden schießen ("Bilder schießen"; diese im Amerikanischen noch häufiger gebräuchliche Metapher passte selten so gut wie in diesem Film). Der verstörte Gesichtsausdruck der beiden brennt sich ein, bleibt lange haften. Ein Foto zeigt endlich einmal mehr Wahrheit als das, was vorher immer nur eine vermeintliche Wahrheit war. Dies wäre ein gutes Schlussbild gewesen, aber De Palma (der sich im Interview wünscht, sein Film möge wütend machen) setzt noch einen drauf. Nichtsdestoweniger ein ungewöhnlicher, interessanter und wichtiger Film, der zum Nachdenken und zum Überdenken des Schauens an sich einlädt und vier Sternchen wert ist.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. Februar 2010
Die Handlung des Filmes lehnt sich erschreckend genau an das Massaker von al-Mahmudiyya an, obwohl die Handlung zu Filmbeginn als fiktiv deklariert wird. Er zeigt in teilweise drastischen Bildern das Geschehen und versucht gar nicht erst zu rechtfertigen sondern er stellt einen ernsthaften Versuch dar die Gewaltspirale zu entwirren. Der halbdokumentarische Stil (wie bei Cloverfield oder Blair Witch) bringt noch ein Stück mehr Authentizität in den Film.
Fazit: Middle-Budget-Produktion von Brian de Palma mit einer anderen, nicht-amerikanischen Sichtweise der Geschehnisse im Irak.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

4,99 €

Benötigen sie kundenservice? Hier klicken