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Romanvorlage für diesen Film ist Milan Kunderas Buch " Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins."

Seit ich diesen Roman gelesen habe ist zuviel Zeit ins Land gegangen, um mich detailliert an Einzelheiten erinnern und konkrete Vergleiche zum Film herstellen zu können. Von daher beziehe ich mich bei meiner Rezension nur auf das, was ich gesehen habe.
Die Spieldauer des Films von Philip Kaufmann beträgt 166 Minuten.

Die Handlungszeit ist der so genannte "Prager Frühling", dessen jähes Ende und die düstren Monate danach. Zwischen Januar und August 1968 gab es in der damaligen CSSR unter der Führung von A. Dubcek einen Liberalisierungs- und Demokratisierungsprozess. Durch die militärische Intervention der UdSSR und vier weiterer Staaten des Warschauer Paktes wurde dieser Prozess gewaltsam unterbunden. Man beklagte 94 Todesopfer. Diese wurden durch die Breschnew-Doktrin pseudo- legitimiert. Das, was sich auf den Straßen zutrug, wird teilweise durch Originaleinblendungen dargestellt.

Worum geht es? Der in Prag lebende Hirn-Chirurg Tomas (Daniel Day-Lewis), ein sehr hagerer, leicht unterkühlter Mann, dessen erotische Ausstrahlung mir erst - wenn überhaupt - auf den dritten Blick auffiel, ist polygam veranlagt und lebt seine diesbezüglichen Neigungen voll aus.

Mit seiner hocherotische, bildschönen Geliebten Sabina (Lena Olin), einer Künstlerin, die ähnlich wie er viele Affären hat, scheint er eine besonders zufrieden stellende körperliche Beziehung zu haben. Die beiden sind spürbar immer wieder sexuell voneinander in den Bann geschlagen. Sie haben Spaß am Moment und gehen anschließend stets erneut ihrer Wege. Bürgerliche Bande streben sie offenbar nicht an. Die beiden genießen die Leichtigkeit des Seins, wenn man so will.

Auf dem Land lernt Tomas durch Zufall Teresa (Juliette Binoche), ein hübsches, leicht melancholisches, introvertiertes Mädchen kennen. Als die beiden auf einer Parkbank miteinander sprechen, liest Teresa gerade Tolstois Anna Karenina.

10 Tage später steht sie bei Tomas in Prag vor der Tür und zieht zunächst vorübergehend zu ihm in die Wohnung. Sie sucht einen Job in der Stadt. Zwischen den beiden entspinnt sich - wie könnte es anders sein - eine sexuelle Beziehung, die Thomas keineswegs veranlasst seinem polygames Liebesleben ein Ende zu setzen. Seine sexuellen Eskapaden haben nichts mit seinem Liebesleben zu tun.

Teresa leidet unter dieser Polygamie und versucht ihre Hauptwidersacherin Sabina mittels Fotoaufnahmen körperlich zu studieren. Es kommt zwischen den zwei Frauen sogar zu körperlichen Annährungen, die allerdings seitens Teresa keine lesbischen Komponenten beinhalten. Teresa kann nur dann erfüllenden Sex haben, wenn sie liebt. Tomas ist ihre große Liebe, den sie mit anderen Frauen nicht teilen möchte.

Nach dem Ende des Prager Frühlings emigrieren die Protagonisten nach Genf, aber Teresa kehrt alsbald nach Prag zurück, weil sie sich für ein neues Leben zu schwach fühlt. Tomas folgt ihr, da er die Leichtigkeit des Seins, die er eigentlich genießt, ohne seine Frau nicht ertragen kann.

Er scheint sich ohne ihrer Nähe einsam zu fühlen. Ob das ein Indiz für Liebe ist, möchte ich allerdings bezweifeln. In Prag bekommt Tomas wegen eines Artikels, den er im Prager Frühling verfasste, Ärger und darf nicht mehr als Hirn-Chirurg tätig sein.
Seine amourösen Abenteuer sind nach wie vor Teil seines Lebensinhaltes.

Erst der Tod vereint Teresa und Tomas auf ewig miteinander, wobei nach meiner Ansicht Tomas bei Sabina besser aufgehoben gewesen wäre.

Beindruckende, aber auch gleichzeitig beklemmende Bilder von Prag aus lang zurückliegender Zeit. Sehr gute, sehr nachdenkliche Dialoge.

Empfehlenswert.
1616 Kommentare| 25 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. September 2009
Als dieser Film gedreht wurde ging es beim Kinofilmedreh nicht immer nur um schnell lebige Kost mit den neuesten Special Effects, neuem Rekordbudget und 30 Filmsequenzen pro Minute. Auch wurde nicht für die breite Masse gedreht, sondern für Filminteressierte, die sich vorher vielleicht sogar das Buch von Milan Kundera wenigstens schon mal ins Regal gestellt haben.

DIE GESCHICHTE: In diesem Fall sogar eine geschichtliche Geschichte, oder besser eine Filmhandlung mit geschichtlichem Rahmen, nämlich der Zeit des Prager Frühlings. In der Tschechoslowakei der Nachkriegszeit entspannt sich eine Liebesgeschichte zwischen dem sexuell leichtlebigen, in Prag arbeitenden Neurochirugen Tomas (Daniel Day-Lewis) und der vom Lande kommenden Kellnerin Teresa (Juliette Binoche). Sie lernen sich in einer Kurklinik kennen, in der Tomas eine Operaton durchführt. Tomas liebt die Frauen und den schnellen unkomlizierten Sex ohne Besitzansprüche. In Prag nutzt er gerne seine Stellung als Arzt und sein Charisma, um sich Befriedigung zu verschaffen. Seine einzige Vertraute und längerfristige Sexualpartnerin ist die Künstlerin Sabina (Lena Olin), die, wahrscheinlich auch in Tomas verliebt, seine Bindungsscheu akzeptiert. Teresa, die kleine Schüchterne vom Lande, folgt Tomas in die Stadt, und setzt Tomas Regel, nach dem Sex niemals bei einer Frau zu übernachten einfach ausser Kraft, indem sie bei ihm bleibt. Und Tomas lernt Teresa lieben, doch seine Spielereien kann er nicht lassen. Nach einer Zeit merkt auch Teresa die Untreue. Als sie vor dem Regime der russischen Besatzung und der damit einhergehenden Gängelungen in die Schweiz flüchten, beginnt Tomas fern der Heimat wieder eine sexuelle Beziehung mit Sabina. Teresa, die mit dem "leichten Leben" im freien Westen und Tomas "Freiheitsliebe" nicht mehr umgehen kann, kehrt Hals über Kopf in die unfreie Tschechei zurück. Da Tomas um die politische Gefahr weis, die von dem Land für Teresa ausgeht, kehrt auch er ihretwillen wieder nach Prag zurück und erlebt dort mit Teresa den Einmarsch der russischen Truppen. Da sich Tomas und Teresa politisch nicht dem Regime der russenfreundlichen Regierung unterwerfen wollen, verliert Tomas seine Stelle als Arzt und muß als Fensterputzer seinen Lebensunterhalt bestreiten. Schliesslich fliehen die beiden erneut vor den Schickanen der Partei aufs Land, wo sie für eine kurze Zeit das wahre Glück erleben und Teresa die ungeteilte Liebe von Tomas findet.

Eine wunderschöne Liebesgeschichte mit bitter-süßem Beigeschmack und talentierten Charakterdarstellern. Ein Muß für jeden Kino-Fan.
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am 30. Mai 2012
Ich habe den Film in den 80ern in einem kleinen OFF Kino in Berlin gesehen. Da das Buch von Milan Kundera meine gesamte Jugend geprägt hat und ich auch heute noch oft darin blättere (die für mich schönsten und wichtigsten Stellen sind markiert) bin ich eher mit gemischten Gefühlen ins Kino gegangen.
Ich wurde positiv überrascht.
Es ist für mich der einzige Film, der jemals einer Romanvorlage gerecht wurde! Von der Besetzung, Umsetzung, von den Bildern, der Stimmung und den Gefühlen bis hin in kleinere Details war alles perfekt. Es ist mein absoluter Lieblingsfilm!
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Tomas ist Gehirnchirurg und liebt es, viele Frauen zu haben. Er sucht ihre besonderen Gerüche, das Überraschende ihrer Körper oder ihre Ausdrucksweise, wenn er mit ihnen schläft. Er hat Sehnsucht nach dem Zufall und liebt eine sich ständig wechselnde Welt.

Sein weibliches Äquivalent ist die Künstlerin Sabina. Beide begehren sich ohne einander besitzen zu wollen. Mit der wunderbar erotischen Lena Olin ist Sabina hervorragend besetzt.

Doch eines Tages lernt Tomas auf seiner unentwegten Suche nach dem Neuen Teresa kennen. Teresa folgt ihm später nach Prag und drängt in sein Leben, das er eigentlich nicht mit nur einer Frau teilen wollte. Ihre uneingeschränkte wundervolle Liebe überrumpelt ihn. Aber Teresa passt nicht in seine Welt und er nicht in ihre. Tomas begreift das nicht und heiratet Teresa.

Als die Russen im August 1968 Prag besetzen, fliehen beide in die Schweiz. Weil er Arzt ist, fällt es Tomas leicht, eine Anstellung zu finden. Teresa jedoch hat schlechte Karten für ein Leben im Ausland. Sie wird sich ihrer vollständigen Abhängigkeit von Tomas bewusst, leidet unter seinem Verhältnis zu Sabina, die nun auch in Genf lebt, und kehrt in die Heimat zurück.

Oft genug gibt einem das Leben eine zweite Chance. Und noch öfter übersehen wir sie oder wollen sie nicht annehmen. Tomas folgt Teresa und verliert damit sein eigentliches Leben.

Natürlich kann man die Konsequenzen dieses Schrittes auch völlig anders interpretieren. Man kann von der wahren Liebe schwärmen, für die man alles aufgibt. In diesem Sinne wird dann auch das Ende der Geschichte gedeutet. Diese Deutung passt aber nicht in die Persönlichkeit von Tomas.

Auch bei der größten Liebe eines anderen für ihn, wird ein Mensch nicht glücklich werden, wenn er seiner ursprünglichen Bestimmung nicht mehr folgen kann.

Sabina steht vor der gleichen Entscheidung wie Tomas. Sie trifft die andere Wahl und bleibt sich treu, indem sie die aus ihrer Sicht fesselnde Liebe eines Mannes ausschlägt und verschwindet. Im Buch heißt es dazu, dass damit auf Sabina keine Last gefallen ist, sondern die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Beides ist nicht einfach. Sabina aber kann sein, was sie ist.

Die Binoche spielt die Rolle der Teresa mit einer faszinierenden Glaubhaftigkeit. Ich hätte nicht vermutet, dass eine Französin das Wesen eines tschechischen Dorfmädchens dieser Zeit so überzeugend darstellen kann. Auch der Film hat eine für eine ausländische Produktion überraschende Detailtreue in der Ausstattung und der Darstellung von kleinen Ansichten des Lebens in diesem Land zu dieser Zeit. Beispielsweise werden die Verspieltheit der Tschechen und ihr Hang zur Kaffeehausgesellschaft der früheren Jahre ganz nebenbei gezeigt, ebenso wie ihr eigentümlicher Humor.

Den Zeitgeist transportiert der Film allerdings nicht richtig. Vielmehr erleben wir nur die Sicht Kunderas. Das aber ist nicht die Sicht der damaligen Durchschnittsmenschen und der Grund für die geringe Beliebtheit des Buches und erst recht des Filmes in der Heimat des Autors.

Fazit.
Abgesehen von der etwas plakativen Darstellung der Ereignisse vom Sommer 1968 ist dies ein wunderbar genauer Film, der uns zwei Lebensentwürfe gegenüberstellt. Für mich jedenfalls formuliert er eine einfache Botschaft: Bleibe bei dir, sonst wirst du unglücklich.
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am 2. Mai 2015
Dieser Film 'Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins' ist sehr gefühlvoll dargestellt.
Die unterschiedlichen Charaktere bringen die richtige Mischung rein.
Der Film ist prickelnd, erotisch , sehr anmutig aber auch traurig.

Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte , der sollte den Film unbedingt kaufen.
Es lohnt sich !!
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am 11. Oktober 2014
Der Film ist „teilweise effektgeladen“, „sentimental ausgespielt“ und „technisch außerordentlich raffiniert“. Er zeigt nur am Rand den Zusammenhang zwischen den historischen Ereignissen und „persönlichem Schicksal“, aber weist ein „Gespür für Orte, Gegenstände und vor allem Körper“ auf, mit dem er „das Spannungsfeld von Sexualität und Gefühl“ thematisiere.
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am 24. November 2014
Ich bin tief beeindruckt. Kundera gelingt es, mit seinem Roman die Aufbruchsstimmung und soziale wie politische Gärung, die in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre ganz Europa aufrührte, in einen schmerzhaften Kontrast zur gewaltsamen Unterdrückung eines ganzen Volkes durch die Sowjetarmee zu setzen. Diese Gärung wird konkret und lebendig in den Protagonisten der Geschichte, die Moral und Tabus über Bord werfen und ihren teilweise wirren und schillernden Impulsen vor allem beim Ausleben ihrer sexuellen Bedürfnisse folgen. Die daraus entstehenden Konsequenzen und Konflikte werden stimmig vom Regisseur in Szene gesetzt und von den Darstellern überzeugend und sehr lebendig ausgedrückt. Die Binoche und Olin sind schön und sehr reizvoll. Diese Qualitäten ergänzen sie mit ihrem überzeugenden Spiel, das zumindest für die Binoche den Durchbruch in die Spitze der internationalen Darstellerriege bedeutete. Auch Day-Lewis bestätigt seine besondere Klasse. Die technische Geschicklichkeit, mit der dokumentarische Originalaufnahmen vom Einbruch sowjetischer Panzer in Prag und der Massenreaktion der Bevölkerung in den Film eingefügt wurden, verleihen ihm eine zusätzliche Authentizität und Glaubwürdigkeit. Die perfiden Machenschaften, mit denen die Mächtigen die Menschen einschüchterten und in ihren Netzen von Lüge und Heuchelei verstrickten, um sie gefügig zu machen, kommen schonungslos zum Ausdruck. Der enorme Druck, unter den sich das Ehepaar Tereza und Tomas gesetzt finden, führt bei ihnen zu einem Kärungs- und Läuterungsprozess, der ihnen zuletzt im persönlichen Bereich Frieden und Glück beschert. Ein Kunstwerk.
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am 28. November 2012
Viele wissen, wie schwwer es ist, einem Buch filmisch auch nur annähernd nachzukommen. Hier wurde Milan Kunderas Klassiker eindrucksvoll umgesetzt, sehr schön, unbedingt empfehlenswert für alle, die das Besondere mögen.
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am 13. März 2016
Der Film mit den wunderbaren Hauptdarstellern Juliette Binoche, Lena Olin und Daniel Day-Lewis aus dem Jahre 1988 spielt im Prag zur Zeit des Prager Frühlings 1968 , und leider auch danach, wobei sich das >leider< auf die grausame Okkupation durch die Sowjetunion bezieht, die hier nicht zum ersten Male Staaten zur "Raison" brachte, die aus der Ideologie und dem Einflussgebiet des Imperialismus der UdSSR auszubrechen drohten.
Der erfolgreiche Neurochirurg Tomas Day-Lewis wird für eine OP in die Provinz gerufen und hat dort eine Begegnung , die sein Leben verändert. Einigen Männern im Bade beim Schachspiel auf einem schwimmenden Tablet zusehend, schlägt das Wasser plötzlich Wellen, eine Frauengestalt ist in das Becken gesprungen, taucht bis zum anderen Ende und verschwindet danach in der Umkleide, fasziniert folgt er der Kellnerin Teresa (Juliette Binoche) und trifft sie später auf einer Parkbank, wo sie Anna Karenina von Tolstoi liest. Man unterhält sich angeregt, Teresa klagt, dass hier kaum gelesen und anspruchsvoll geredet werde, und einige Tage, nachdem Tomas nach Prag in seine Wohnung zurückgekehrt ist, steht sie vor seiner Wohnungstür.
Tomas hat eine lockere , überwiegend sexuelle Beziehung zu der Künstlerin Sabina (Lena Olin), für beide ist es nicht die einzige Liebelei. Tomas und Teresa erleben gemeinsam die Aufbruchstimmung des Prager Frühlings. Teresa, inspiriert durch Sabina, mit der Tomas auch weiterhin eine Liebesbeziehung unterhält, beginnt zu fotografieren. Sie leidet darunter, dass Tomas nicht treu ist, sie riecht den Duft des Schoßes einer anderen Frau in seinen Haaren.
Tomas veröffentlicht einen Zeitungsartikel, in dem der Mord des Ödipus, der zunächst nicht wusste, wer das Opfer war, mit den aktuellen politischen Verhältnissen vergleicht, und als im August 1968 sowjetische Panzer in eindrucksvollen, mit zitternden Gläsern auf einem Tisch eigeläuteten Bildern die Bewgung und Aufbruchstimung brutal unter ihren Ketten zermalmen, fotografiert Teresa unter Lebensgefahr wie wild mit einer guten alten >Practica<, bei den Besatzern und dem staatlichen Unterdrückungsapparat ist sie mit anderen Fotografen jetzt aktenkundig, besonders weil beobachtet wurde, wie sie ihr Filmmaterial einem ausländischen Journalisten übergeben hatte, um ihre Dokumentation nicht verschwinden zu lassen.
Sabina geht aus der Sowjetherrschaft bzw.der ihrer Marionetten in die Schweiz, nach Genf. Tomas und Teresa folgen bald, Tomas kann auch dort seinen Beruf ausüben, aber Teresa, die ihn inzwischen geheiratet hat und sich einen Karenin genannten Hund zugelegt hat, ist die Leichtigkeit, die sie auch als Oberflächlichkeit ansieht, unerträglich, sie kehrt zurück nach Prag, auf der Grenzstation ihrer Kamera verlustig, Tomas folgt ihr, sein Pass wird an der Grenze eingezogen.
Sabina, die einen netten, aber verheirateten Mann kennengelernt und während der Zeit in Genf die Beziehung zu Tomas fortgesetzt hat, flieht vor dieser drohenden Bindung über Nacht.
Tomas wird wiederholt aufgefordert, wegen seines damaligen Artikels einen Revers zu unterschreiben, seine Weigerung verschafft ihm eine Posten in einer kläglichen Praxis als Allgemeinarzt, später leben er und Teresa auf dem Hof eines ehemaligen Patienten, dessen Schoßtier ein Krawatte tragendes Schweinchen ist.
Haben Tomas und Teresa hier endlich wunschlos glücklich zueinandergefunden?

An dieser Frage scheiden sich die Geister auch der überwiegend positiven Rezensionen. Einige sehen es so, dass Tomas und Sabina mit ihrer "lockeren" Moral, sich gut verstehend, aber auch immer auf der Suche nach anderen Partnern, besser zueinandergepasst hätten und Tomas mit ihr glücklicher geworden wäre. Es gibt Indizien dafür, so zum Beispiel einen Blickwechsel zwischen ihm und einer jungen Frau auf einer Tanzveranstaltung, zu der Tomas, Teresa und weitere Bewohner des Hofes 40 km angereist sind.
Und wären sie in Prag geblieben, mit oder ohne die Okkupation, halte ich es für fraglich, ob er Teresas wegen die Beziehung zu anderen Frauen, speziell Sabina , aufgegeben hätte.
Um Teresas Liebe wegen folgt er ihr aber zurück in die Tschechoslowakei, wohl an der Grenze schon ahnend, was ihn eventuell erwartet, um ihrer Achtung und Liebe willen verzichtet er auch auf die Karriere. die er nach Unterschreiben des ihm vom Geheimdienst oder Innenministerium vorgelegten Widerrufs hätte fortsetzen können.
Teresa leidet mehr als er, mit hoher Wahrscheinlichkeit staatlich initiiert wird sie von einem jungen Mann in der Gaststätte provoziert, von einem Ingenieur(?) aus der brenzligen Situation gerettet, sie schläft auch sichtbar widerwillig einmal mit ihm, um dann bald zu erfahren, dass er wahrscheinlich alles andere als Ingenieur ist. Sie hält Prag nicht mehr aus, sie dürfte der Grund sein, dass Tomas jetzt nicht mehr als Fensterputzer in der Hauptstadt, sondern als Traktorfahrer fernab von jeglichen Vergnügungsmöglichkeiten und eroberungswilligen Frauen lebt.

Ich sehe ihn, wenn man das große Wort so benutzen will, als "geläutert", er braucht Teresa, Sabina flieht vor festen Bindungen, Tomas bewegte sich anfangs eher zwischen Teresa als geliebte Frau und Teresa mit Sabina als erotische Abwechslung, diese Möglichkeit hat er bewußt aufgegeben.
Das traurige Ende des Filmes mag man einen Moment als banal empfinden, aber ich weiß nicht, wie der Film hätte anders enden sollen.

Großartig sind, selbst wenn nicht nur in der Stadt gedreht, die Aufnahmen von Prag 1968 mit der engen, in eine Trppe mündenden Straße, an der sich die Wohnung von Tomas befindet, originell Wohnungs blöcke, die durch Außenteppen diagonal unterteilt erscheinen, das Leben auf der Straße mit Menschen, die den Frühling nicht nur meteorologisch, sondern auch politisch frühlingshaft genießen. Um Einwänden vorzubeugen: Ich habe das Buch nicht gelesen und will auch nicht behaupten, dass vorher alles grau in grau gewesen wäre und unter dem sowjetischen Joch leidende Menschen traurig durch die Stadt geschlichen wären. Und ob Tschechen, die den Film gesehen und über die Schilderungen der Verhältnisse und Stimmung gelacht haben, repräsentativ sind, kann ich nicht beurteilen. Die Szenen der Panzer, die sich unerbittlich durch schmale Gassen und auf Plätzen und großen Straßsén durch eine Menschenmenge schieben, zum Teil originale Schwarz-Weiß-Aufnahmen, und Blicke auf einzelne Gesichter von Menschen, die sich entsetzt und desillusioniert einer Hoffnung beraubt sehen, sind einfach emotional aufwühlend.
Ein Kapitel für sich sind die Darsteller:
Daniel Day-Lewis, inzwischen 3facher Oscar-Preisträger, strahlt schon hier ein gewisses Charisma aus, die Rolle fordert ihm aber vielleicht nicht das Letzte ab.
Lena Olin. die ich bisher nur aus "Mr.Jones" als Psychiater des bipolaren Richard Gere (der hier fantastisch spielt und nicht nur einer Schaufensterpuppe neben Julia Roberts, DER "Pretty Woman" gleicht) gesehen habe, zeigt hier eine wunderbare Darstellung. Nicht nur, dass sie eine der schönsten Schauspielerinnen der Filmgeschichte ist und mit damals 33 Jahren einen Traumkörper hatte, der seinesgleichen sucht, auch als gegensätzlicher Charakter zu Juliette Binoche spielt sie hervorragend. Und nicht nur wegen beider Nacktheit ist die Szene, in der sie und Juliette sich zwecks Erlernen von erotischen Aufnahmen nackt, aber diese Nacktheit nicht um ihrer selbst Willen demonstrativ ausreizend, gegenseitig filmen, ist wunderbar gespielt und inszeniert.
Am beeindruckendsten ist die 24jährige Juliette Binoche: Sie lebt die Rolle der verliebten, unter den Affären des Ehemanns leidenden Frau, ihr weiches, fast mädchenhaftes Gesicht mit großen Augen und bei Freude oder Verlegenheit rosarot gefärbten Wangen üben einen unvergleichlichen Zauber aus, wer sie als junge Schauspielerinn nicht kennt, stelle sich die "zauberhafte Amélie" Audrey Tatou vor, nur noch zauberhafter. Sie krönt ein wunderbares Trio von 3 beeindruckenden Darstellern in einem wunderbaren Film und geizt auch nicht mit ihren Reizen, aber alle Freizügigkeit der beiden Schönheiten in diesem Film ist nie Selbstzweck, solch nackte Darstellung sieht man heute auch schon in Filmen mit FSK 12 Freigabe, und ich habe keine Szene gesehen die das körperliche und seelische Wohl von 12jährigen beeinträchtigen könnte, was aber nicht das Problem des Filmes ist.

Realität hin oder her, was die Stimmung im Lande zur Zeit des Prager Frühlings und danach betrifft, in "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" sehen wir zwei sehr unterschiedliche Frauen und einen Daniel Day-Lewis, der sich zwischen zwei reizvollen Alternativen mit allen negativen Konsequenzen für die richtige entscheidet, und ich habe den Eindruck. das Tomas und Terese das große Glück kurz gefunden haben.

Doc Halliday
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am 4. Juni 2008
Nicht nur der Roman ist einzigartig gut, auch dieser Film ist in meinen Augen ein äußerst gelungenes Gesamtkunstwerk. Durch das großartige Zusammenspiel der Darsteller und eine stimmungsvolle, stilistisch fein am Zeitgeist orientierte Kulisse wird es zu einem wahren emotionalen Vergnügen, voll und ganz in den Film einzutauchen.
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