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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
3
Young and Innocent [UK Import]
Format: DVD|Ändern
Preis:3,54 €+ 3,00 € Versandkosten

am 1. April 2012
Leider ist der Film auf DVD derzeit nicht mehr in deutscher Fassung zu kriegen. Aber egal, da ich den Film liebe und meine VHS an Altersschwäche eingegangen ist, hab ich mir nun die DVD geholt. Es ist einer meiner liebsten Hitchcock Filme. SPannende Handlung und gute Musik. Sehr zu empfehlen. Läuft leider auch sehr selten im TV.
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am 18. August 2014
[Vorsicht, Spoiler!]

So ein verschwundener Mantel kann schon sehr viel Ärger mit sich bringen, besonders wenn ein kreativer Regisseur wie Alfred Hitchcock ihn als MacGuffin in einem Mordfall verwendet und ein junger Mann, dessen Mantel in einer Kneipe gestohlen wurde, plötzlich als der Mörder verfolgt wird, findet man doch den zum Mantel gehörenden Gürtel neben einer erdrosselten Frau.

„Young and Innocent“ aus dem Jahre 1937 ist ein frühes Beispiel für Hitchs unverwechselbare Handschrift, auch wenn die Krimihandlung nicht wirklich trägt. Alles beginnt mit einem lautstarken Streit – stilgerecht mit einem Gewitter unterlegt – zwischen der Schauspielerin Christine und einem ihr nahestehenden, im Film aber nie namentlich identifizierten Mann (George Curzon), der sowohl durch seine Eifersucht als auch durch ein nervöses beidseitiges Augenzucken auffällt. Der Mann verläßt schließlich das Haus und tritt ans Gestade eines tosenden Ozeans, wobei er sich in die heranzoomende Kamera umblickt, um uns Gelegenheit zu geben, seinen nervösen Tic wahrzunehmen. In der nächsten Einstellung sehen wir dann den Strand bei Tag, und eine Frauenleiche treibt im Wasser. Es ist niemand anderes als Christine, die auch von dem zufällig dort vorbeispazierenden jungen Autor Robert Tisdall (Derrick De Marney) erkannt wird. Allerdings gerät Tisdall dann unversehens unter Mordverdacht, als zwei Damen ihn von der Leiche weglaufen – für ihn ist es ein Laufen, um Hilfe zu holen – sehen. Allerdings kann Tisdall eine Unachtsamkeit seiner Bewacher zur Flucht ausnutzen, und bald schon jagt er seinem verschwundenen Mantel hinterher, um mit seiner Hilfe seine Unschuld zu beweisen, wobei er von Erica Burgoyne (Nova Pilbeam), der Tochter des Polizeichefs begleitet wird.

Man fragt sich wirklich, welche Beweiskraft Tisdalls Mantel denn haben könnte, denn ein etwaig dort vorhandener Gürtel hätte doch auch nachträglich gekauft werden können. Aber wir haben es hier eben mit einem typischen Hitch-MacGuffin zu tun, der nur dazu dient, Tisdall und Erica auf ihre Odyssee zu schicken, in deren Verlauf sich die beiden besser kennenlernen und allerlei kuriose Abenteuer bestehen. Vor allen bei den letzteren läßt Hitchcock wieder einmal seinen Sinn für skurrilen Humor und seine Neigung, unvergeßliche Nebenfiguren und Situationen zu kreieren, ins Kraut schießen. Besonders freuen dürfen wir uns hier auf Ericas Tante (Mary Clare), eine ziemlich dominante Matrone, die gerade einen riesigen Kindergeburtstag ausrichtet und dabei keinesfalls die Zügel aus der Hand geben will. Wann immer ein Kind in naivem Leichtsinn ruft, daß es als erstes Blindekuh oder etwas anderes spielen möchte, wird es mit einem hoheitlichen „That is not for you to decide“ abgespeist. Um nicht den Verdacht der Tante zu erregen, müssen sich Erica und Tisdall an den Kinderspielen beteiligen und auch Konversation betreiben, was recht schwierig ist, da die beiden so gut wie nichts voneinander wissen. Freilich verwickeln sich die beiden nach kurzer Zeit in Widersprüche, was den Verdacht der Tante erregt, daß hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Es sind Figuren und Situationen wie diese, die den Zuschauer für die mehr als holprige Krimihandlung entschädigen, welche sich vor allem durch die völlig auf Zufall basierende Auflösung – auch wenn diese mit einer beeindruckenden Kamerafahrt verbunden ist – diskreditiert.

Als großes Plus des Filmes sei auf jeden Fall auch auf die weibliche Hauptrolle hingewiesen: Nova Pilbeam spielt Erica als eine selbstbewußte und tatkräftige Frau, während Tisdall alles in allem ein wenig arg blasiert wirkt und an manchen Stellen mit einer Ruhe und Arroganz auftritt, die jemand, der unschuldig wegen eines Mordes gesucht wird, wohl schwerlich aufbringen würde.

Typisch für Hitchcock ist neben dem Humor auch die Bedrohlichkeit, die von der Polizei ausgeht. Zwar haben wir es in diesem leichtfüßigen Werk mit zwei selten dummen Polizisten zu tun, deren Tun fast schon slapstickartige Züge annimmt, doch läßt uns Hitch ganz am Anfang durchaus das Gefühl des Umzingeltseins spüren, das sich Tisdalls bemächtigt, wenn der junge Mann zusammen mit einigen Polizisten und Schaulustigen um die Leiche herum steht und sich der Verdacht der Ordnungshüter mehr und mehr auf ihn zu richten beginnt. Hier gibt es eine schnelle Abfolge von head-and-shoulder-close-ups, die abwechselnd Tisdall und die Polizisten bzw. mißtrauisch dreinblickende Gaffer zeigen, und wir spüren recht bald, daß es für den jungen Mann kaum noch ein Entrinnen gibt. Auch während des Verhörs gibt Hitchcock Hinweise auf die Übermacht der staatlichen Ordnungsgewalt, wenn der Uniformierte Tisdalls Aussage, er habe von Christine Geld für diverse Drehbücher bekommen, perfiderweise mit den zweideutigen Worten zu Protokoll nimmt: „I received money from her on former occasions“. Im gleichen Ton geht es dann weiter, wenn Erica den unter dem Verhör das Bewußtsein verlierenden Tisdall mit sanften Schlägen auf die Wange wieder aus seiner Ohnmacht holt. Der vernehmende Inspektor fragt sie, ob sie diesen „slapping trick“ bei den Pfadfinderinnen gelernt habe, woraufhin sie keck entgegnet, sie habe ihn sich bei diversen Polizeiverhören abgeguckt.

Hier scheint sicher die traumatische Erfahrung des fünfjährigen Jungen durch, der von seinem Vater mit einem Zettel zum nächstgelegenen Polizeirevier geschickt und dort von dem Beamten, der die Notiz des Vaters las, für einige Minuten in eine Zelle gesteckt wurde. Was von dem Vater als heilsame erzieherische Maßnahme gedacht war, die seinen Sohn von kriminellen Handlungen abschrecken sollte, ließ den Regisseur zeit seines Lebens ein unbändiges Mißtrauen gegen die Polizei empfinden. In „Young and Innocent“ leistet sich Hitch denn auch einen besonders derben – aber dennoch, wie ich finde, guten – Scherz: Die zwei tolpatschigen Polizisten halten auf ihrer Suche nach Tisdall einen Bauern an, um auf dessen Wagen mitzufahren, und müssen zu ihrem Entsetzen hinten bei den Schweinen Platz nehmen, wobei der Bauer auf ihre Beschwerden, wie eng und unbequem es dort bei den Tieren sei, immer wieder ungerührt sagt: „Well, there’s just room for ten pigs.“ [1]

„Young and Innocent“ versagt zwar als Kriminalgeschichte in vielerlei Hinsicht – nicht zuletzt, weil er viel zu sehr auf Zufälle setzt –, doch ist er ein schönes Beispiel für Hitchcocks Fähigkeit – ähnlich wie heutzutage die Coens –, mit interessanten Nebenfiguren und skurrilen Situationen seine eigene Handschrift in einen Film einzubringen.

[1] „Pig“ ist eine abwertende Bezeichnung für einen Polizeibeamten, die schon im 19. Jahrhundert im Schwange war.
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VINE-PRODUKTTESTERam 22. November 2009
Das ist das Schöne an den frühen Hitchcocks - sie kommen oftmals gleich zur Sache und erzählen mit flotter Leichtigkeit eine meist auch noch spannende Geschichte. Auch für "Jung und unschuldig" trifft das größtenteils zu. Die etwas konventionell-belanglose Kriminalgeschichte eines jungen unschuldigen Pärchens auf der Flucht erzählt Hitchcock mit feiner Beobachtung, jeder Menge Hitchcockismen und einer Prise Humor. In auffällig vielen kleinen netten Details am Rande entfaltet sich bereits Hitchs komplexes Universum, diesmal angenehm leicht und beiläufig serviert. Man muss die ganzen Querverbindungen zum Rest seines Werkes gar nicht entschlüsseln können, um sein Vergnügen zu haben, es seien nur zwei genannt:

1. Hitch hat eine gewisse Vorliebe für makabere Gespräche von Nebenfiguren, die sich etwas sensationslüstern über ein Verbrechen unterhalten, hier ist er ein genauer Beobachter menschlicher Neugier und kostet das halbwegs sardonisch aus. Ein derartiges Gespräch führen hier, ausgerechnet nach einem Tischgebet, die kleineren Brüder von Erica, der Helferin und Freundin des mutmaßlichen Mörders. (Dass der sich auf den "Freund und Helfer" mal wieder nicht verlassen kann und dass er selbstverständlich titelgebend unschuldig ist, verwundert im Hitch-Universum nicht...) Solche Gespräche gibt es beispielsweise auch in "Frenzy" und - dort gerade in der Familie der Täterin - in "Blackmail".

2. Hitch war nie um ein zynisch-pessimistisches Statement zur Ehe als solcher verlegen. Vor dem Mordprozess nutzt der Verdächtige eine eigentlich absurd einfache Gelegenheit zur Flucht, aber Hitch, der schlaue Fuchs, lenkt uns genauso geschickt ab wie der Verdächtige die Polizei: Im Gerichtssaal findet gerade noch eine Ehescheidungssache statt, die Richter kungeln à la Dorfrichter Adam ein Moratorium aus, und die Ehefrau faltet ihren Mann beim Herausgehen schon wieder so zusammen, dass man sich fragt, ob die Gerichtsentscheidung weise war. Ähnliches gibt es bei "Frenzy" als komischen Einschub, wenn die Leiterin eines Eheanbahnungsinstituts ein Pärchen verkuppelt, bei dem der Mann keine Chance haben wird.

Die Liste ließe sich um viele Punkte ergänzen. Unsere beiden Flüchtigen stolpern von einer Situation in die nächste, Komik und Dramatik sind immer recht nah beieinander, es ist ein sprühendes Feuerwerk voller origineller und skurriler Ideen bzw. Situationen, durch die der Meister die beiden hetzt. Der Film ist ähnlich straff und leichthändig und pointiert inszeniert wie "Die 39 Stufen", wobei mir eines bei "Jung und unschuldig" noch besser gefallen hat: Die Chemie des Pärchens stimmt (zu den "Stufen" indes s. meine Rezension, wenngleich man natürlich anderer Ansicht sein kann). Nova Pilbeam als Erica steht im Mittelpunkt, sie ist wirklich noch sehr jung und höchstens eines Verbrechens unschuldig, aber ansonsten ist sie keß und mit allen Wassern gewaschen. Ihr herausfordernder Blick und ihre zupackende Art ergänzen sich, die Darstellerin kann die Rolle so mit Leben erfüllen, wie sie geschrieben ist. Und sie wird nicht etwa "gezähmt", sondern darf frech bleiben, ihre letzte Großaufnahme sagt sehr deutlich, dass es so ist. Doch bei ihrem Co-Star ist sie damit auch ganz gut aufgehoben - interessanterweise darf er ihr auch einmal in einer an "Der unsichtbare Dritte" erinnernden Szene das Leben retten, aber ansonsten ist sie es, die ihm hilft, ihn verarztet, für ihn spioniert, seinen Hals aus der Schlinge zieht. Die beiden werden eine wirkliche Partnerschaft im Wortsinne bilden können und wissen das auch. Immerhin, der Beziehungszyniker Hitchcock bietet mit diesem jungen, erstaunlich modernen Pärchen eine tatsächliche Alternative zu seinen ansonsten eher kritisch unterlegten vorgeblichen Liebes-Happy-Ends (z.B. in "Über den Dächern von Nizza").

Warum trotzdem nur vier Sterne? Der Krimi funktioniert zu schlecht. Mit den diesmal besonders dusselig geratenen Hilfspolizisten und dem wieder einmal kauzigen netten Alten (wie z.B. auch in "Die rote Lola") kann man vielleicht noch leben, aber wenn Hitch am Ende eine Riesen-Suspense-Szene hinlegt, verpufft die und geht in die Hose. Da viele das anders sehen, sei sie verraten. Die Helden suchen als wahren Mörder einen Mann, von dem sie zwei Dinge wissen: Er zwinkert nervös mit beiden Augen, und er hält sich im "Grand Hotel" auf. In einer technisch brillanten Fahrt nähert sich die Kamera dem Schlagzeuger einer Band, es dauert wirklich lange, und als seine Augen ganz groß im Bild sind, blinzeln sie - natürlich!!! Denn die Kamera hat das so intensiv vorbereitet, dass man es schon weiß, bevor es geschieht. Was ein Schockeffekt sein soll, geht ins Leere. Außerdem ist die Tatsache selbst extrem unspannend. Man kann mit solchen Effekten arbeiten, wenn von dem ins Bild Gerückten eine große Gefahr ausgeht, das ist der berühmte Hitchcocksche Suspense durch Informationsvorsprung gegenüber den Protagonisten. Doch diese Gefahr gibt es nicht, der Musiker kann kaum weg, er weiß nicht einmal, dass ein paar Hobbydetektive ihn suchen, warum sollte er sie beispielsweise angreifen? Der Informationsvorsprung lässt uns nicht um die Helden bangen. Zwar entdeckt der Mörder schließlich einen seiner Gegner. Aber die Kamera lässt keinen Zweifel: Er ist derart mit den Nerven fertig, dass er nicht ernsthaft gefährlich werden wird. Konsequenterweise ist das Finale auf unverschämte Art antiklimaktisch. Hitch hat perfektes Kino abgeliefert, als er beiläufig inszeniert hat, aber als er am Ende doch noch großes Kino wollte, hat er sich total verhoben und aus meiner Sicht alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Er selbst hatte diese Suspense-Szene übrigens immer gerühmt, während man ihm ansonsten mangelnde Selbstkritik überhaupt nicht vorwerfen kann. Vielleicht war ich deshalb - diese Aussagen als Vorwissen mit mir herumschleppend - beim ersten Sehen schier entsetzt über diesen Film. Heute sage ich: Alles nicht so wild, der Rest ist wirklich klasse, das laue Ende kostet einen Stern, aber unterm Strich ein wirklich sehenswerter Hitchcock.
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