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am 2. April 2017
"Ein Herz im Winter", oh welch mitnichten unliebsames, vielmehr zum Verlieben einladendes Kunstwunder, so schön wie die in ihm, diesem wundersamen Film, die heimliche Hauptrolle spielende Violine, wie sie im Klange stets von Neuem bearbeitet wird, wie auch an den menschlichen Beziehungen selbst stetig "Erneuerungsbedarf" zu existieren und zu bestehen scheint - doch was widerspräche kontinuierlicherer Lieb'?

Die sich erschöpft da nieder legende Emmanuelle Béart so stilvoll und von leisen Tönen begleitet in ein Meer aus Sanftmut eingebettet, schwimmt die Musik auf der leichten, im Sturme aber dennoch gefährlich werdenden Welle innerer Wallungen.
André Dussollier ("Marie Poupee", "Die schöne Hochzeit") wird zwar ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, hinsichtlich der eigentlichen Beziehung aber zunehmend an Bedeutung verlieren, sofern ich befugt bin, es derart drastisch auszudrücken.
Diesmal wird er von Lutz Riedel (Timothy Dalton) synchronisiert, Thomas Fritsch empfand ich in "Lemming" als die noch passendere Stimme, die Synchronfassung weiß aber durchaus zu gefallen und auch die etwas langsam-verträumt, andererseits doch sehr klar im Worte sprechende Stimme von Béart, verleiht der entsprechenden Rolle durchaus Profil.
Die Figur von Daniel Auteuil ("Dialog mit meinem Gärtner" u.a.), fungiert zu Beginn, vor unserem geistigen Auge und Ohre aber auch gerade in den späteren Passagen, als eine Art Erzähler, verschmilzt zumindest in dieser Hinsicht automatisch umso direkter mit Empfindungen im Rahmen unserer selbst, vollkommen gleich, ob wir es nun so betrachten möchten.
André verliebt sich verständlicherweise in Emmanuelle Béart (Camille), Daniel (Stéphane) ist von den Verhaltensweisen seines Vorgesetzten (und Kollegen zugleich) gelinde gesagt nicht allzu angetan, wenig entzückt zweifelsohne.
Der Film entwickelt sich äußerst langsam, zwischenzeitlich stellen wir uns gar, ähnlich wie etwa in "Naked" (1993), völlig anderes Beispiel allerdings, die Frage, ob sich der Film ÜBERHAUPT entwickelt, oder ob er nicht zeitweise eher als eine Art Porträt und Abbild eines nur sehr schwer, wenn nicht gar überhaupt nicht zu verändernden Zustandes wahrgenommen zu werden gewillt ist, teils auch Rückschritte macht.
Seine subtile Note träfe eigentlich ganz genau meinen persönlichen Geschmack, insbesondere wenn es um die einen gewissen Zauber ihr Eigen nennende Kunst französischen Kinos ginge, hier jedoch empfand ich jene Eigenheiten des dortigen Films, welche ich in anderen Produktionen zumeist zelebriere und lobpreise, stellenweise fast als eine Art "unbewussten Störenfried", gleichwohl natürlich in völlig unklar zu erläuternder Weise, wie ich sie selbst nicht nachvollziehe und ausschließlich auf einen subjektiven (welch einen auch sonst) Eindruck schieben kann.
"Ich glaube an die Beweglichkeit des Geistes", philosophiert jemandes Inneres im Rahmen eines zuweilen recht interessanten Gespräches in trautem Beisammensein, in welchem sich jedoch nicht jedermann wohlzufühlen scheint.
Die Richtung, welche die Unterhaltung tendenziell einschlägt, geht überwiegend, zumindest zu Beginn, in (pop?!-)kulturelle Richtungen, begibt sich aber auch in gänzlich andere Sphären.
Der vermeintlich "unsympathische", da kaum am Gespräch teilgenommen habende Stéphane, sagt in gewisser Weise, schenkt man seinen vergleichsweise wenigen Worten Gehör, neben Camille womöglich noch, mit die interessantesten Dinge, welche an ebendiesem Abend aufkamen, eines Tages wird es auch in einem anderen Zusammenhang Camille sein, welche seiner Seele beizuwohnen gewillt ist, ob er auch der ihren, läge einzig und allein im interpretatorischen Bereich.
Unaufdringlich singt die Geige ihr uns sanft durchdringendes Lied, spielt sich fast zeitlupenartig und doch in flinkem, sich vortastenden Takte, in Richtung Liebe..., das vielleicht metaphorischste Instrument, welches meine Ohren und Sinne jemals zu betören vermochte.
Sie schlägt die Töne unserer Sehnsüchte an, es handelt sich zweifelsohne um einen der leisesten Filme, selbst für französische Verhältnisse, welche ich jemals gesehen habe, er sei ausschließlich bekennenden Cineasten und frankophilen Gefühlsmenschen bedenkenlos empfohlen, anderswer könnte weder seinen Ohren, noch seinen Augen trauen.
Die Kommunikationsverbindung zwischen Camille und Stéphane, erweist sich alsbald als deutlich persönlicher, als es jene zwischen ihr und Maxime (Dussollier) jemals war, gleichwohl auch deren Bindung noch recht jung ist, er ihretwegen in egoistisch anmutendem "Irgendeiner-muss-immer-leiden"-Tone ankündigt, seine ehemalige, einstmals geheiratete und geehelichte Herzdame zu verlassen - was aber auch nicht bedeuten soll, dass es richtig wäre, eine nicht mehr auf einem Fundamente fußende Beziehung partout nicht auseinanderdriften zu lassen.
"Für mich ist es ganz neu, jemanden zu bewundern, den ich liebe", fügt Maxime in einem anderen, bezüglich Camille schwärmenden Zusammenhange hinzu, auch würde sie sich seiner Ansicht nach zu urteilen nur dann öffnen, wenn sie gerade Geige spielt, ich widerspreche dieser Auffassung vehement, denn zumindest Stéphane gegenüber öffnet sie sich durchaus auch außerhalb ihres musikalischen Kosmos, d.h. ganz und gar in Worten, womöglich ist ihr das bei Maxime tatsächlich nicht gelungen und das scheint er zunehmend zu spüren.
Wir vergöttern jene Welt, in welcher sie sich auf dem Altar der musikalischen Entfaltungskraft ausbreitet, ferner nehmen wir durchaus interessiert an weiteren Gesprächen zwischen ihr und Stéphane teil, thematisch betrachtet etwa darüber, ob Selbstkritik eine Stärke, oder aber eher das Gegenteil dessen darstellt, was wir als positiv empfänden.
In gewisser Weise verkörpert er die Kunst, mit nur wenigen Worten viele ihn bewegende Aspekte anzusprechen, etwas zu sagen und zu verdeutlichen wofür er stünde und auch lebt, doch er trägt seine Haltung auf eine Weise nach außen, welche nicht jedem zugänglich oder gar verständlich erscheint.
Die Stimmung, welche mit Bravour und inszenatorischer Perfektion erzeugt wird, resultiert aus gekonntem Einsatz schwermütiger Melancholie.
Eine kleine Randnotiz, die den Frankreichnostalgiker in mir, wenngleich eigentlich ein dt. Film, besonders aufblühen lässt:
Als sich die Charaktere zu einem öffentlichen Lichtspielhause begeben, sehen wir im Hintergrunde ein Plakat zu dem Meisterwerk "Malina" mit der unvergleichlichen Leinwandgöttin Isabelle Huppert (1991).
Stéphane sagt sinngemäß, Maxime sei nicht sein Freund, kränkt diesen zwar nicht direkt, da er es hinter dessen Rücken vielmehr Camille anvertraut, bringt aber auch diese in eine delikate Situation, versetzt sie in die Stimmung, zu viel zu verraten...
Stéphane's Verschlossenheit scheint einerseits in allgegenwärtiger Form präsent zu sein, andererseits spricht er in ihrer so feenhaften und engelsgleichen Gegenwart durchaus nicht allzu selten, vielmehr stünde er sich hinsichtlich der Hingabe in Sachen Liebe insofern selbst im Wege, als dass er sehr strikt und mit starker Betonung zwischen Musik und "Realität" trennt, was umso ironischer anmutet, wo er sich doch in einer ebensolchen (Realität) obendrein auch noch beruflich mit Musik auseinandersetzt beziehungsweise "Gefahr" läuft, sich ferner auch noch in eine begnadete Musikerin zu verlieben - und auch die Liebe ist "real", es sei denn, wir bilden uns unsere Gefühle nur ein und das wiederum bestreite ich.
Doch der innere Druck ließe in ihm einen unbeschwerten Umgang mit der Gesamtsituation offenbar nicht zu, das vorsichtig formuliert etwas "ungünstige" Dreiecksverhältnis, stellt schließlich eine seelische Belastung für alle drei "Herz- und Gefühlsparteien" dar, denn keine der Seelen schafft es, so kalt wie der Winter zu sein, obgleich es die Jahreszeit der vielleicht ausgeprägteren inneren Wärme ist.
Camille setzt alles auf eine Karte, spricht in aller Offenheit mit Maxime, offenbart Stéphane die komplexe Lage ihrer Gefühlswelt, betont aber auch wiederkehrend seinen Schutzpanzer, welchen er um sich herum aufgebaut habe, zwar sagt sie klar, sie sei bereit diesen zu erhalten und zuzulassen, doch es bliebe unklar inwieweit sie diesem Vorsatze folgen könnte, ihn wirklich als akzeptabel und tolerabel erachtet....
Er fühlt sich entweder nicht verstanden, oder aber bangt darum, er könne sehr wohl verstanden werden, denn auch das wäre nicht notwendigerweise von Vorteil, oder?
Schauspielerisch brillant, in den kleinen Spitzen und Details nur scheinbar kühl und zurückgenommen, im Kern dagegen äußerst ausdrucksstark und ein wahrlich interessantes Porträt einer (manchmal) hochsensiblen Künstlerin, von welcher aber dennoch stark abgelenkt wird, da Stéphane des Häufigeren zur Hauptfigur mutiert - klar, auf dem Cover wirbt man eben mit Emmanuelle, wem kann ich's denn verdenken...
Am Abgrunde angelangt, rät dem jungen Herrn sein Vater beziehungsweise spricht aus dessen eig'ner Seel':
"Gefühle kann man nicht entmystifizieren, so hochmütig zu sein, kann sich niemand zu eigen machen", ferner fügt er, versehen mit einem Fragezeichen, hinzu, Stéphane habe sich ihrer unter Umständen nicht würdig gefühlt, erwies sich nicht direkt als das, was sie im bestmöglichen Sinne ergänzen würde.
"Etwas in mir lebt nicht", gestünde er sich ein, d.h. in Gegenwart von Béart, deren derzeitige innere Leere aus dem Vorhandensein eines empfindsamen Kerns resultiert, welcher angeschlagener kaum sein könnte, Erholung benötigt, jedoch nur in Ansätzen heilen wird, wie ich vermute, denn zumindest eine Narbe wird uns allen erhalten bleiben...

"Ich bin froh, Sie wieder gesehen zu haben", sollten wohl die letztgesproch'nen Worte sein, so fuhr sie dahin und schlich von dannen, der Liebeskummer der ich bin, ließe sich nicht aus dem Leben verbannen...
Schauspielerisch betrachtet ein über jeden Zweifel erhabenes Meisterwerk, doch wie bereits angedeutet, sind all jene Wunder französischer Filmkultur, wie ich sie anderswo als Stärke wahrnehme, in diesem einen speziellen Falle wie verflogen und im Sande verlaufen, verflüchtigen sich auf mysteriöse Weise und das Werk hinterließ aus nicht näher zu definierenden, da schlicht und ergreifend unklaren Gründen "nur" einen gespaltenen Eindruck, so groß das Faszinosum auch sein mag, hier das Privileg zu genießen, einen der französischsten Filme überhaupt zu erleben.
88 Kommentare| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 21. Januar 2017
Zarte Magie und Behutsamkeit vom ersten Bild an, wenn " Herz im Winter" im warmen Halbdunkel die Umrisse einer Violine zeigt. Hände, die sanft über die geschwungenen Ornamente streichen. Die Stille ringsumher ist von spürbarer Feierlichkeit, die sich wie ein samtener Vorhang um den Zuschauer legt. Finger tasten über die Saiten, öffnen den Geigenkörper mit grosser Sorgfalt. Faszination eines Momentes, so klein und doch so eindringlich. Ein Geigenbauer und Reparateur, vertieft in seine Arbeit.
Da hat uns Regisseur Claude Sautet schon mit der Anmut und Schönheit dieses so unspektakulären Anblickes in Zauber versetzt. " Herz im Winter" wird eine unaussprechlich filigrane und dabei so berührende und universelle Sinfonie über Liebe, Begehren, die Zerbrechlichkeit von Träumen und die Verletztheit von Innenwelten werden, die von den grossen elementaren Irrungen der Gefühle , dem Wanken der Gewissheiten erzählt, wenn sich zwei Menschen erkennen, anziehen und dennoch auf verschiedenen emotionalen Bahnen bleiben werden. Wie zwei Planeten, die niemals in einer Umlaufbahn verschmelzen, niemals die Erlösung und Erfüllung erfahren, weniger wegen äusserer Komplikationen, sondern wegen komplett verschiedenen inneren Landkarten mit denen sie durch ihre eigene Wirklichkeit den Weg suchen und bei denen uns die gegenseitige Entfremdung, Zurückweisung und wieder Annäherung selbst tief bewegt , die bittersüsse Poesie der Vergeblichkeit unsere Seele streichelt und uns zugleich vor Trauer über den Verlust der Illusionen weinen lässt.

Die phantastische und sehr französische Kunst von " Herz im Winter " besteht nun in erster Linie darin, dass die labyrinthischen Widersprüchlichkeiten der Gefühle, die eigentlich nun in herkömmlichen ( amerikanischen) Liebesdramen mit Theatralik, Überschwenglichkeit und plakativer Dramatik ausgeschmückt würden um ihre Zerissenheit und Tragik zu verdeutlichen, hier äusserst subtil und fein gewoben sind, fast komplett in einen indirekten , inneren Gefühlsstrudel verlegt wurden. Totale Verinnerlichung der Bewusstheiten und wenig Veräusserlichung durch platte Handlung. Das ist meisterhaft. Das Unausgesprochene, Ambivalente , Begehrende, Hoffende und wieder sich Verschliessende bewegt uns hier, hervorleuchtend hinter den so vielsagenden Blicken, hinter unmerklichen Gesten, in atmosphärisch sich um Nuancen verändernden Stimmungen, dem Streichen durch eine Haarsträhne, der zufälligen Berührung der Haut , der Veränderung des Stimmtimbres, zu entdecken in einem nur zehntelsekunden währenden Schleier von Traurigkeit und Sehnsucht , der sich über die Augen legt oder durch gedankenverlorenes und doch so bewusstes Im Moment-Sein , dieser einen mystischen und flüchtigen Verbindung, die zwischen zwei Menschen aufwallen kann, ohne dass diese den Grund benennen könnten, warum dies jetzt geschieht und wieso. Und sie erkannten einander ! Zumindest immer wieder für diese Augen-Blicke , die so viele Hoffnungen nähren.

Wie verzweifelt schmerzhaft, wenn daraus dann doch nur stummes Leid , buchstäblich Enttäuschung und Resignation erwächst. Unter der Maske der äusseren Kühle und Reserviertheit wird die eigene Verletzlichkeit jedoch sorgsam verdeckt, bis zu einem finalen Eklat, der wie ein verzweifelter Befreiungsschlag wirkt, die innere Verkrampfung und Irritation offen erkennbar macht.
Zu erst war ein Verwundern über den Anderen , dann eine Blüte zart erwachender Zuneigung und Träume von Intimität und Leidenschaft kamen hinzu, später die uneingestandene Ahnung sich emotional ganz entblösst zu haben und dennoch gescheitert zu sein , und das Erkennen von der Unvereinbarkeit der Seelen und der Selbsttäuschung. Was tun, wenn der andere nun mal ganz anders tickt und wann besteht noch Möglichkeit sich selbst zu schützen ?
Regisseur Claude Sautet lässt diesen Sturm der Empfindungen bis auf wenige Momente verbal unausgesprochen Welch eine Magie, wenn ein Film so indirekt wirken und aufwühlen kann. Naturgewalten der Gefühle, die nach aussen lautlos bleiben und innerlich nagen und Fundamente durcheinanderrütteln. Nur der elegante Reigen von Blicken, Gesten, oder Körperhaltung zeigt die innere Befindlichkeit. Denn was ist , wenn nur der eine Part so tief fühlt und stolze Unnahbarkeit nur als schützende Maske benutzt , während beim anderen tatsächlich sich nichts Tieferes unter der Distanziertheit verbirgt und Leidenschaftslosigkeit wirklich Leidenschaftslosigkeit ist. Oder vielleicht doch nicht ? Hilft es zu warten, zu insistieren, zu beschwören oder zu kämpfen ? Da ist bald Verzweifelung , Zurückweisung und Schmerz, die nur noch das Herz zerreisen.
Das ewige Lied von Liebe, Trugschluss , Melancholie und Vergänglichkeit in allen Dingen. Das Herz im Winter, es bleibt vereist, und keine wärmenden Sonnenstrahlen der Hingabe und Zärtlichkeit vermögen es zu erwärmen.
" Ich schäme mich so ", und wie herzerreissend ist dieser Anblick, wenn jeder Stolz im Bitten und Flehen nach Erwiderung der Gefühle über Bord geworfen wird. Sagenhaft wird hier auf der Klaviatur der psychischen Zustände gespielt , dabei nicht mit festem Anschlag sondern in feenhaft leiser , genau beobachtender Raffinesse, in grosser Einfühlsamkeit und atemberaubender, als jede handlungsreiche Kitschdramolette es sein könnte.

" Einer leidet immer " wird in dem Film gesagt. Eigentlich leiden hier alle und arrangieren sich irgendwie in ihrem Theaterspiel, das sich Leben nennt. " Bist du glücklich ? ", " Ich glaube schon, ja ich denke". Überzeugtsein hört sich anders an.
Aber wer ist schon wirklich glücklich ? Weit entfernt ist " Herz im Winter" von jedem sentimentalen Happy End oder einer Auflösung.
" Ich bin immer zu spät dran. Und das mein ganzes Leben lang . Ich fühle, dass ich in erster Linie nicht die anderen kaputtmache, sondern mich "...
Doch da ist es wirklich zu spät. " Nun bin ich es, die leer ist!" . Und Augen, die tiefen Seen gleichen und kurz zuvor noch flehten, bettelten und vor Schmerz vergingen, sind nun gleichgültig und teilnahmslos. Der Zauber ist erloschen.

Mehr möchte ich zu dem Gezeigten und Gesagten gar nicht verraten . Auch Sie lieber Interessent sollen so weit wie möglich unvorbereitet versinken können in die Strahlkraft dieses zarten, weisen und virtuosen Filmjuwels .
Stephane , der Geigenbauer , still , nachdenklich und in sich verschlossen, fast gänzlich aus dem normalen Leben zurückgezogen ( Daniel Auteuil), sein Kompagnon Maxime ( Andre Dussolier) , und die fast überirdisch faszinierende Emanuelle Beart als Camille, eine aufstrebende Violinistin , die in beider sorgsam geordnetes Leben tritt. Alle sind sie auf ihre Weise verstrickt in ihren Projektionen, Prägungen , Missverständnissen, Manipulationen und ihrer Sicht auf das Sein und das Gegenüber und können auch nicht anders.
Was Claude Sautet hier aus dieser menage a trois an geschliffener Authentizität , intuitiv erspürbarer Tiefe und komplexer Wahrheit zwischen Menschen herausholt ist meisterhaft. Grossartig wie Sautet zudem wieder einmal in prägnanten Szenen gesellschaftliche Klassen, Milieus und Interaktionen in denselben fühlbar machen lassen kann, ohne sie durch einen vorgefertigten Kommentar zu be- oder entwerten. Die Schauspielleistungen suchen in ihrer Intensität und ihrer Ausdrucksfähigkeit in feinsten Facetten ihresgleichen .
In der letzten Einstellung wird einer der beiden für immer gehen, und der andere bleibt zurück in ( gewollter oder gezwungener ) Einsamkeit. Das Licht blendet langsam ab. Das Leben rauscht weiter auf den Strassen vor dem Cafe vorbei. Kurz haben wir innegehalten und gelauscht auf das Lied zweier verlorener Herzen und dem vergänglichen Leben, das oft aus so vielen verpassten Chancen besteht, das in sich so rätselhaft und willkürlich in seinen Fügungen ist , und dann wieder verzaubert wie die zarten Klänge von Musik, die uns auch immer wieder betört innehalten lassen , deren verhallender Schönheit wir nachtrauern, weil sich das Wunder der Töne nicht festhalten lässt und die Schwingungen , die eben noch den Raum unsichtbar erfüllten für immer fort sind und vergeblich lauschen wir noch in die grosse Stille, ohne dass wir es je begreifen könnten.
Sinnenkino für die Ewigkeit.
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am 18. Oktober 2016
... Musikinstrumente dieser legendären Saiteninstrumentenbauer, denen ihre Besitzer eine unvergleichliche Seele zuschreiben, sind schon oft durch die Hände von Stephane (Daniel Auteuil) gegangen. Von überall bringen Besitzer diese Pretiosen zu dem Geigenbauer, der mit seinem Partner Maxime (André Dusolier) ein Geschäft betreibt. Maxime ist der Kaufmann, reist durch die Welt, um Instrumente aufzutreiben, die wohl nur durch Stephanes Fähigkeiten wieder instandgesetzt werden können, der der Mann mit den goldenen Händen ist und ein Gehör für Musik hat, dass ihn als Musiker scheitern liess, da er nie seinen Anforderungen gerecht werden konnte.
Mit dem Thema Frauen hat er abgeschlossen, er hat eine gute Freundin, die Buchhändlerin Hélène (Élisabeth Bourgine), beide sind mit dem alten Lachaume (Jean-Claude Bouillard) und dessen Frau befreundet.
Im Gegensatz zum verschlossenen Stephane, zurückgezogen, bescheiden und zurückhaltend, ist Maxime offen, leutselig und lebensfroh, und seine neueste Eroberung ist die hoffnungsvolle Geigerin Camille (Émanuelle Béart). Beim ersten Zusammentreffen mit ihr ist auch Stephane fasziniert, und auch Camille wirft ihm einen Blick zu, der großartig ausdrückt, dass auch er ihre Aufmerksamkeit erregt hat. Man trifft sich hier und da, nach Proben von Camille, nach Reparatur des Steges ihrer Geige, bald ist es so . dass sie seine Anwesenheit im Tonstudio braucht, um das Beste aus sich herauszuholen. Sie plaudern beim Essen angeregt, Camille versucht mehr an ihn heranzukommen, an seine Seele, sein Gefühlsleben.
Doch Stephane zieht sich zurück, meidet sie, er äußert schließlich, das er nicht bindungs- oder richtig beziehungsfähig sei. Camille ist verzweifelt, es sei ihr egal, sie begehre ihn so wie er sei. Doch Stephan bleibt hart, worauf dann auch seine Partnerschaft mit Maxime zerbricht, der einer Beziehung zwischen Camille und seinem Freund - der er für Stepane nicht ist, nur der Partner - nicht im Wege gestanden hätte, aber Maxime nimmt es ihm übel, wie Stephane mit der Geigerin umgegangen ist.
Camille kehrt zu Maxime zurück, Stephane sucht sie auf und versucht, zu erklären, dass er an sich selbst verzweifele, aber Camille hat mit ihm abgeschlossen.
Stephane betreibt mit dem Lehrling inzwischen eine eigene Werkstatt, der Freund Lachaume stirbt, Hélène geht mit einem Mann in die Provinz.

Die bereits 37jährige Émanuelle Béart, die ich hier 10 Jahre jünger eingeschätzt hätte, und Daniel Auteuil, 5 Jahre älter, zeigen grandiose Leistungen, für die sie wie der Film Preise erhielten. Daniels Herz ist wie unter einer Schicht aus Eis, die manchmal durchbrochen wird, durch die es aber nie richtig frei wird und es ihm ermöglichen könnte, aus Zuneigung Liebe werden zu lassen. Manchmal sieht man es ihm an, wie er kurz darunter leidet, wünscht, er könne sich auf mehr einlassen, mehr empfinden, es will ihm aber einfach nicht gelingen, und so bleibt er der stets freundliche, aber leicht melancholisch-resignierende Einzelgänger, was ich ihm auch in Gesellschaft immer wieder ansehe, wunderbar gespielt.
Die wunderschöne Émanuelle Béart überzeugt als Geigerin, viele Schauspieler habe ich schon deutlich unglaubwürdiger fiedelnd gesehen, die Griffe sind natürlich nicht korrekt, wirken für einen Laien (ich habe selbst einige Jahre gelernt) aber durchaus gelungen, die Bogenführung ist gut geübt, glaubwürdig sehen die Pizzicati oder das Zupfen der Saiten aus. Eine Musikerin ohne ausgeprägtere Starallüren, gegenüber ihrer Agentin nicht immer feinfühlig, sich von ihr etwas begluckt fühlend, aber nie zickig oder gemein. Sollte Émanuelle erst für diesen Film etwas Geige gelernt haben, spielt sie großartig. Und auch die Frau, die sich in ihrer nicht richtigt erwiderten Zuneigung Stephane fast an den Hals zu werfen bereit ist, ihn so nehmen will, wie er ist und unter seiner Zurückweisung leidet, ist wunderbar gespielt.

Sautet sagt zur Figur Stephane, dass er selber an dieser Beschränktheit gelitten habe und sie nur durch seine Arbeit überwunden habe, ein vollkommenes In-Sich-Verschließen, um Frieden zu finden, selbst um den Preis einer Demütigung.

Ein bemerkenswerter offensichtlich in Vergessenheit geratener Film mit zwei wunderbaren Hauptdarstellern.

Doc Halliday
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am 3. Juli 2015
Mit den ersten Bildern zieht Meisterregisseur Sautet bereits den Zuschauer in den Bann, entführt ihn auf eine aufregende Reise in die Innenwelten seiner Figuren. Im Zentrum steht ein Mann, der seine Gefühle zunächst nicht spürt, sie aus Angst nicht zulassen kann. So entwickelt sich das Dreieck fast unterschwellig. Präzise Ästhetik, perfektes Handwerk, magische Musik von Ravel, die die eigentliche Geschichte der unterdrückten Emotionen erzählt. Tolles Kino, das unterhält, begeistert, berührt und nachwirkt. Außergewöhnlich.
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am 17. Juni 2015
Der Film ist leise und subtil und gerade dadurch wirken die Charaktere so zerbrechlich. Die Schauspieler sind intensiv, ohne aufdringlich zu sein.
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am 9. Januar 2012
Einerseits typisch französisch, andererseits typisch menschlich. Gefühle nicht zeigen, verbergen, ja sogar leugnen. Der Mann - zurückhaltend, verletztend, unehrlich - die Frau - seine anfangs gezeigten Avancen und sein Interesse an ihr erwidernd, nach einem schönen Konzert ihn um ein Rendez-vous bittend und sich ihm im Überschwang ihrer "schönen" Gefühle förmlich an den Hals werfend und anbietend, was ihn zurückschrecken lässt, wahrscheinlich vor den zu erwartenden Konsequenzen. Ob er an seinen Freund, der auch der Freund der Frau ist, dachte? Wohl kaum.

Erfreulich ist, dass die Frau recht schnell wieder auf die Beine kommt, nachdem sie eine Weile stark trauert, ihm eine Szene macht und erst mal in ihrem Kummer versinkt. Und auch dass er sich endlich den Zugang zu seinen Gefühlen erlaubt und langsam ehrlich wird zu sich selbst und zu den anderen.

Alles in allem ein sehr sehenswerter Film und anschließendes Nachdenken darüber, wie gehe ich mit meinen Gefühlen und denen anderer Menschen um.
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am 2. Oktober 2017
Eigentlich weiss ich gar nicht was ich zu diesem Film schreiben soll. Denn er hat mich sprachlos gemacht, sprachlos ob seiner Meisterhaftigkeit. Kaum zu fassen was Sautet in seinem vorletzten Film gelungen ist. Nun, ein klein wenig faellt mir doch ein:

Sautet ist ja auch einer von den Regisseuren dessen Filme oft als "Langweilig" abgetan werden, aehnlich denen von Eric Rohmer. Beide haben zwar einen sehr unterschiedlichen Stil, aber beide bieten manch Zuschauer nicht genug "Story". Sautet's Filme laufen ohne offensichtliche dramatische Hoehepunkte ab, er reisst seinen Charakteren nicht die Seele 'raus und schreit: "Seht ihr, so einer/eine ist das! Hats jetzt jeder kapiert?" Vieles erklaert er gar nicht, er laesst es einfach fliessen - und hier laesst er edlen Wein aus den feinsten Faessern fliessen. Die wichtigste Zutat die er braucht sind gute Darsteller. Denn die Story wird durch kleinste "Kleinigkeiten" erzaehlt. Sekundenlange Mimik, Blicke, Gesten. Das ist typisch fuer Sautet. Da sind also diese beiden Geigenbauer, Stephane und Maxime, die unterschiedlicher nicht sein koennten. Stephane ist ein stiller, zurueckgezogener Mensch mit nur wenig Sozialkontakten, Maxime ist extrovertiert und locker. Einer der sich leicht auf dem Parkett zurechtfindet. Eines Tages hat der verheiratete Maxime eine neue Freundin, eine Violonistin, Camille . Allein dieser Moment, die Szene im Cafe sagt schon so viel. Er sagts ihm, die Freundin sitzt hinten an einem anderen Tisch. Stephane ist peinlich beruehrt, lehnt einen Lebenstil wie den von Maxime ab. Gleichzeitig schein sein Interesse an der Violinistin auf der Stelle zu erwachen. Als Maxime und sie dann gehen schaut sie einmal kurz 'rueber zu Stephane der noch am Tisch sitzt. Das reicht schon, eine Basis ist da, wenn auch noch so eine vage und unbedeutende. In den kommenden Wochen wird die Verbindung staerker, durch seinen Job kommt er oefters mit Camille zusammen, ist sehr zurueckhaltend, sagt nich viel, aber wenn doch dann immer etwas sehr freundliches. Ausserdem blickt er sie voll Bewunderung an. Aber ist es die Bewunderung eines Lovers, oder die Bewunderung fuer ein Kunstobjekt? Obwohl sich nicht im Klaren ueber seine Gefuehle, auch deshalb weil er gar nicht weiss wie sich zwischenmenschliche Liebe anfuehlt, zeigt er "Symptome" der Liebe, insbesondere eine aufkeimende Eifersucht, den Wunsch, sie moege keinen Partner haben, deshalb die Hoffnung, das sie sich von Maxime trennt. Nichts von all dem ist offensichtlich! Man nur sehr genau zuschauen um die Entwicklung zu erkennen. Eine Schluesselszene ist der Moment als er ihre Geige erneut verbessert und ihr beim Spielen zuschaut, seine Gefuehle werden staerker, er rennt davon, aergerlich mit sich selbst. Camilles Besuch in der Werkstatt ist ein weiterer wichtiger Moment, Maxime ist beschaeftigt, sie geht zu Stephane, sie haben einen Drink zusammen, sie machen etwas Small-Talk, sie erzaehlt das sie Probleme hat. Erste Frage: "Mit den Aufnahmen?" (die Alibi Frage), zweite "Mit Maxime?" Das woraufs ihm wirklich ankommt, die Hoffnung sie sagt Ja. Er ist also bei weitem nicht frei von maennlichen Gefuehlen. Dann die Antwort, nein nur Probleme mit der Freundin. Die Enttaeuschung in Stephanes Gesicht dauert nur den Bruchteil eines Moments, dann wieder die hoefliche Maske. Seine Verliebheit ist da, wird jeden Tag staerker. Aber was damit machen wenn du dich nur in Enttaeuschung suhlst und zu nichts anderem faehig bist, nicht aus dir 'rausgehst. Als Maxime mit Camille zusammenziehen will, da ist es ein Schock fuer ihn, fuer ihr wirkt es wie etwas endgueltiges, wie als waere sie nicht mehr verfuegbar, das nichts mehr zwischen ihm und Camille kommen kann - ohne aber zu wissen was denn da ueberhaupt kommen soll. Ein Mensch ist nun mal keine Geige, ist keine Sonate von Ravel. Dinge die man bewundert, die dich aber nie in die Pflicht nehmen werden wie ein Mensch es tut. In der Zwischenzeit waechst Camilles Zuneigung zu Stephane allerdings ungemein, sie kann sich's mit ihm vorstellen. Sie sieht ihn nicht als Kunstobjekt, sondern hat sehr klare, einfache Vorstellungen einer Beziehung. Stephane mag sie als fleischgewordene Sonate sehen, sie aber ist nicht nur die Violinistin, sie ist eine Frau, und sie will einen Mann, einen Partner. Das sie Maxime nicht liebt, das sie und er eher eine Art von Partnerschaft leben wie es Maxime und Stephane tun (lediglich mit dem Unterschied das sie auch da Bett teilen), wird erneut an einer sehr kleinen Szene deutlich. Nachdem sie Stephane trafen, danach alleine sind, ihr etwas Mitleidiges Laecheln bevor sie Maxime liebevoll kuesst. Dieses kurze, mitleidige Laecheln - mit dem eine Frau sagt, hey, du bist echt nicht uebel, macht Spass mit dir, aber du bist leider nicht ganz das was ich will. Nun, und dann die Wendung, im Cafe nach dem Regenschauer. Mehr denn je ist Camille bereit, es mit Stephane zu versuchen. Die Dinge die er sagt zeugen entweder von Dummheit oder dem fehlen von Verantwortungsbewusstsein. Es sind Dinge die man nicht einfach sagt, man tut es nur wenn man "mehr" will. Sie geht drauf ein, zeigt erstmals klar Interesse an seiner Person, und augenblicklich verschliesst er sich. Panik kommt auf, er bekommt Feedback, zieht nicht mehr allein die Faeden, hat keinen leblosen Gegenstand vor sich. All das wird ihm bewusst. Und er taucht ab, aus Angst, aus Schuechternheit, wer weiss. Eine einfache Erklaerung gibt es nicht. Fuer Camille allerdings, die seinen Charakter etwas besser kennengelernt hat, ist es die Liebeserklaerung. Unkompliziert denkt sie sich: Okay, wenn er nicht in die Poette kommt, muss ichs eben allein machen. Sie machts ganz klar, faehrt mit ihm allein davon, seine Zwaenge sind bereits erdrueckend. Dann sagt sie ihm ganz klar das sie ihn will, das sie die Nacht im Hotel verbringen will, also ganz einfach das machen will, mit dem unter erwachsenen Leuten eine Liebesbeziehung beginnt. Seine innere Angst, seine Panik wird so ueberwaeltigend das er ihr kaltes, knappes Zeug antwortet. Ohne sich aeusserlich veraendert zu haben. In diesem Moment wirkt er wie ein gefuehlloser Typ. Auf sie wirkt es so wie es auf jede normale Frau wirken wuerde, das sein vorheriges Verhalten verantwortungslos war, und er nun kalte Fuesse bekommt. Ausserdem noch der Zweifel, ob sie seine kleinen Zeichen vielleicht Missverstanden hat. Erschuettert rennt sie davon, kann die Enttaeuschung und Zurueckweisung aber nicht ueberwinden, geht noch am selben Abend erneut zu ihm, trifft ihn im Cafe, aufgemotzt, nun komplett aus den Kontext gerissen in dem Stephane sie sieht. Eine gefuehlvolle, aufregende Frau, die mit der Brechstange versucht, seine Waende zu durchbrechen. Dafuer alles vergisst, es vor den Augen von Maxime, ihrem "Partner" tut. Man erhofft sich die grosse Wende, aber die kommt nicht. Stephane macht da weiter wo er aufgehoert hat, eine in die enge getriebene kleine Seele, ohne Courage, ohne sich um da zu kuemmern was er angerichtet hat. Und dabei genau die Person bleibt die er die ganze Zeit ueber war - das macht es so erschuetternd. Als dann Maxime, der mit ansehen musste wie "seine" Freundin so um Liebe bettelt, so eiskalt weggestossen wird zu ihm geht und ihm wie einem ungezogenen Kind eine runterhaut, ja, da sagte auch ich mir, irgendwann ist gut mit Verstaendnis, das hat dieses miese Kerl verdient. Vielleicht kann er nichts dafuer. aber egal wie du dazu geworden bist - am Ende bist du nur ein A-Loch, wen interessiert das Warum? Ich bekam da sogar feuchte Augen, mensch. Alles zerbricht, Stephanes kleine Welt loest sich auf, eben weil irgendwann keiner mehr Bock hat "warum's" zu suchen. Er selbst haelt niemanden fuer einen "Freund", spricht nur von "Geschaeftspartnern" und Leuten die er "schaetzt". Du bekommst nur Freunde wenn du selbst einer bist. Sautet bietet einige Erklaerungen fuer Stephanes Verhalten, das schon. Insbesondere warum er sich vor Beziehungen fuerchtet. Er nimmt nur das schlechte war, beispielsweise die vielen Streitereien in der Beziehung des alten Mannes, der fuer ihn und Maxime so etwas wie ein Mentor war. Er sieht nicht, das es zur Liebe dazugehoert. Erst nach diesem dramatischen Abend wird ihm das bewusst, zum ersten mal sieht er auch, wie viel zuneigung sich Liebende auch nach den schlimmsten Stunden wieder schenken. Nur das macht Liebe aus. Nur dann bist du mit vollem Herzen dabei. Wenn du nur den Schoenklang suchst, Sorge vor konflikten jeglicher Art hast, dann hast du wirklich ein Problem. Und wenn du sehr lange so lebst, dann erscheint koerperlicher Kontakt, oder auch nur das Teilen von Intimitaeten eh irgendwann als etwas unmoegliches. Es fuehrt dann zu einem relativ typischem Sautet Ende. Nach einer weile trifft man sich wieder, erst mit Maxime, dann auch kurz mit Camille. Die Stimmung ist kuehl, distanziert. Aber erneut spricht jede kleinste Geste Baende. Sie ist noch nicht drueber hinweg, und er wuenscht sie sich immernoch, sie laed ihn zu einem Konzert ein. Aber wird er sich soweit aendern koennen um zu einer Beziehung faehig zu sein? Wird es ueberhaupt irgendeine Zukunft geben? Am Ende bleibt er im Cafe zurueck, Maxime und Camille fahren davon. Aber - und als ich den Film zum ersten mal gesehen hab fragte ich mich gespannt: Wird sie die Tuer einen Spalt breit offen lassen? Bitte! - ja, sie schaut zu ihm. Das Gefuehl ist noch da. Wir sehen Stephane ruhig dasitzen, dann eine sehr langsame Abblende. Auch das kennt man von Sautet. Die Story des Lebens ist nicht zu ende, aber keiner weiss wohin sie fuehren wird.

Dieser Film hat mich sehr tief beeindruckt. Er ist von einer Meisterhaftigkeit die mich betoert, und auch vor Neid erblassen laesst. Ich schrieb frueher oft Stories (fuer den Hausgebrauch), sehe ich sowas, sehe ich solche Charakterzeichnungen, dann moechte ich alles was ich fabriziert hab auf den Muell werfen. Da sieht man wie gegensaetzlich Menschen etwas wahrnehmen. Fuer viele ist "Ein Herz im Winter" langweilig, vielen bietet er nicht genug "Story", viele haben ein Problem mit seinem sehr langsamen Tempo. Fuer mich gehoert der Film zum spannendsten und gefuehlvollsten Kino, unter der Oberflaeche glueht er wie ein Vulkan. Das so gut wie alles abhaengig von Gesten und Mimiken ist, muss man halt sehr genau hinschauen. Sautet waehlte seine Darsteller immer sehr genau aus, denn wirklich jeder Part muss perfekt sein, wie in einem Gemaelde. Und das gelang ihm immer. Ein grandioser Film mit grandiosen Darstellern - und wer sich hier nicht in Emmanuelle Béart verliebt dem ist nicht mehr zu helfen. Leute, lasst euer Herz nicht im Winter, schaut den Film immer wieder - bis es brennt.
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am 28. November 2011
"Wenn man sich äußert, geht man auch das Risiko ein, Unsinn zu erzählen. Schweigt man, riskiert man nichts und kann dabei einen intelligenten Eindruck hinterlassen." Das sagt die begabte und bildschöne Violinistin Camille zu dem zurückgezogen lebenden Geigenbauer Stephane. Camille lebt in einer Beziehung mit Maxime, dem smarten Geschäftspartner von Stephane. Stephane schenkt Camille viel Aufmerksamkeit; erst ist Camille irritiert, aber mehr und mehr fühlt sie sich zu ihm hingezogen.

Diese Dreierbeziehung ist Inhalt des mit viel klassischer Musik ausgestatteten Films von Claude Sautet. Camille redet ganz offen mit Maxime über ihre Gefühle zu Stephane - das ist in diesem Fall also nicht das Problem - aber Stephane reagiert anders als erwartet, als ihm Camille ihre Liebe gesteht.

Der in ruhigen Bildern inszenierte Film hat mich sehr angesprochen: hervorragende Schauspieler, intelligente Dialoge und eine nahegehende Geschichte liefern das Erfolgskonzept. Daniel Auteuil (Stephane), Emmanuelle Béart (Camille), André Dussollier (Maxime) und Elizabeth Bourgine (Hélène) sind in ihren Rollen toll besetzt. Der Film regt zum Nachdenken an, vielleicht weil er nicht alle Fragen beantwortet. Es geht nicht nur um emotionale Nähe, sondern auch um das Schreckgespenst Älterwerden. Auf der DVD findet man nur wenige Extras: den Filmtrailer, ein paar Trailer von anderen Filmen, Kapitelanwahl ist möglich. Sprachen: Deutsch und Französisch.

Für den Film nahm die Schauspielerin Emmanuelle Béart ein Jahr Geigenunterricht. Die schwierigen Ravel-Sonaten wurden indes nicht von ihr selbst gespielt, sondern Sautet hat für die Filmmusik eine Aufnahme ausgewählt, die im Januar und im Dezember 1973 in Paris in folgender Besetzung aufgezeichnet wurde: Jean-Jacques Kantorow (Violine), Philippe Muller (Cello), Jaques Rouvier (Klavier Steinway). Der Soundtrack zum Film Ein Herz im Winter ist separat erhältlich.
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am 30. März 2014
Daniel Auteuil - Emmanuelle Béart - Claude Sautet, welch ein hervorragendes Star -Trio für einen vergnüglichen und trotzdem anspruchsvollen (Heim-)Kinoabend.
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am 11. Mai 2010
HERRAUSRAGENDE Daniel Auteuil! Er verleiht seinen Rollen Tiefe und eine Unaufdringlichkeit, die fesselt! Dieser Film ist aber vermutlich nur für Menschen, die zwischen den Zeilen, oder "zwischen den Gesten" lesen können und auch wollen. Hier wird nicht mehr gesprochen, als nötig und alle Schauspieler überzeugen dabei! Man wird hin und her gerissen bei dem Versuch das Verhalten von Stéphan (D.Auteuil) verstehen zu wollen. Immer wieder habe ich gedacht, JETZT muss etwas mehr von ihm kommen......!
Am Ende bleibt ein wenig das Gefühl zurück, dass er SIE (wie immer wunderschön: Emmanuelle Béart)wohl irgendwie schon geliebt hat, eben halt auf seine "verkümmerte" Weise, die er selbst nicht wirklich verstehen und spüren kann. Fazit: Wer gute und tiefe Geschichten aus dem Leben gegriffen mag, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen!
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