UHD TVs Mehr dazu TDZ Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle MusicUnlimited Fußball wint17 CM CM Hier klicken Jetzt informieren Xmas Shop 2017 Cloud Drive Photos



am 1. Januar 2017
.. ob man diesen Film wirklich weiterempfehlen kann. Wer beim ansehen auf tolle Kameraführung und emotionale Filmmusik achtet ist hier möglicherweise falsch beraten, hier gäbe es viel platz nach oben. Dieser Film ist auch nichts für einen gemütlichen Filmabend, meiner Meinung nach.
Nun, wie passt das zu den vergebenen 5 Sternen? Naja ich habe den Film gesehen - 3 Minuten bevor ich diese Bewertung nun schreibe. Möglicherweise fasziniert mich an diesem Film genau das, das er einzig durch die Schauspielerische Leistung seine Botschaft und seine Spannung vermittelt. Interessanterweise macht für mich nicht Jürgen Vogel diesen Film sehenswert, sondern vielmehr das interessanteste Gesicht das ich bisher in einem Film gesehen habe, Sabine Timoteo's.

Also:
Der Film ist absolute Geschmackssache - entscheidet selbst. Von mir bekommt er 5 Sterne!
11 Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. September 2017
Der Film macht einen Sprachlos weil er so nah am Wesen des Menschen bzw. der dargestellten Personen ist. Es gibt in diesen Film, so wie im Leben selbst keine Täter sondern nur Taten und Opfer. Die Schauspieler samt Regie bringen dies Eindrucksvoll rüber, sodass ich hier einfach 5 Punkte geben muss, auch wenn der Film teils als sehr anstrengend erlebt wird.

Grosses Kino!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. Mai 2017
Wichtige Thematik mit einer sehr guten schauspielerischen Leistung umgesetzt. Sehr sehenswerter Film der viele Tabus bricht. Eine sicherlich herausfordernde Rolle für Jürgen Vogel und eine nicht mindere für den Zuschauer.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. Mai 2015
Von der Thematik und dem Inhalt waren wir sehr beeindruckt. Jürgen Vogel hat wieder eine Glanzleistung abgeliefert. Leider ließ die Tonqualität der DVD sehr zu wünschen übrig. Wir überlegen sogar noch eine von einer anderen Firma zu kaufen.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Dezember 2012
Man kann den Film nicht kommentieren, ohne die schauspielerische Leistung Jürgen Vogels und seinem weiblichen Gegenpart Sabine Timoteo zu loben, die mir bis dato völlig unbekannt war.

Deutsche Schauspieler, die ernst genommen werden wollen und sich für eine Rolle mehrere Monate Vorbereitungszeit und eisernen Willen nehmen, findet man heute nur selten. Obwohl der Regisseur Matthias Glasner auch gute Filme macht, würde man es Jürgen Vogel wünschen, mal mit einem wirklich guten Regisseur wie Lars von Trier zu arbeiten, um die Provinz Deutschland zu verlassen.

Zum Film ist nicht viel zu sagen. Die Story wirkt zwar banal, aber authentisch. Sie zeigt den Konflikt eines Vergewaltigers, seinen Drang (durch eine OP) bekämpfen zu müssen, aber auch nicht sein Wesen bzw. Liebe aufgeben zu wollen, ohne klischeehaft zu wirken.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. Januar 2008
...aber absolut sehenswert! Schon die ersten 10 Minuten von Matthias Glasners Film erfordern den Mut hinzusehen. Dieser Mut sollte auch bei den folgenden 130 Minuten nicht nachlassen. Glasner reiht, fasst kommentarlos, einen Schnitt an den anderen und hält die Kamera gnadenlos drauf. Was es da, trotz überwiegend blasser und grauer Farben, an bildgewaltigem Handeln zu sehen gibt, dass sucht im deutschen Kino zweifelsohne seines Gleichen. -Der freie Wille- ist, und will vermutlich auch nicht, unterhaltend und belebend wirken. Aber der Plot zwingt uns, am Handlungsstrang dran zu bleiben. So schwer es auch fällt. Man muss einfach sehen, wie sich diese Geschichte entwickelt.

Theo(Jürgen Vogel) hat über 9 Jahre in der Psychiatrie gesessen. Er hat drei Frauen auf bestialsiche Weise vergewaltigt und sie dabei krankenhausreif geschlagen. Jetzt soll er wieder in die Gesellschaft integriert werden. Theo weiß selbst, wie schwer das wird, aber die Wirklichkeit erschlägt ihn fast. Im Kampf gegen sich selbst erkennt er, dass der Trieb, der ihn für Jahre hinter Gitter brachte, noch immer am Leben ist. Theo versucht dagegen anzukämpfen, ergattert einen Job, sucht verzweifelt nach einer normalen Beziehung. Aber er realisiert in eigenen Worten: "Es geht nicht. Es ist noch immer da. Es hört nicht auf." Dann lernt er Nettie(Sabine Timoteo) kennen. Sie hat sich von der beherrschenden Liebe ihres Vaters befreit und verliebt sich in Theo. Eine zerbrechlich, romantische Liebesgeschichte scheint ihren Anfang zu finden...scheint...bis Theo völlig außer Kontrolle gerät.

Michael Glasner und Jürgen Vogel riskieren den Balanceakt auf dem Seil. Mit Bravour schaffen sie es, dass der Zuschauer zwar Verständnis aber weder Mitgefühl noch Mitleid für den Charakter Theo aufbringt. Glanzvoll spielt Vogel den verzweifelten Triebtäter, erlaubt uns einen Blick in sein Innerstes und schreit uns fast zu: "Ihr könnt verstehen, wieso das passiert, aber ihr könnt es nicht ändern! Genau so wenig wie ich!" Das Vogel zu solchen Glanzleistungen fähig ist, wissen wir schon seit langem. An seiner Seite zeigt Sabine Timoteo, dass sie Vogels schauspielerischem Talent in nichts nachsteht. Nettie ist die Figur des Film, mit der wir leiden und hoffen können; dank Timoteos wunderbarem Spiel.
-Der freie Wille- ist konsequentes, teilweise brutal hartes Kino, am Rande des Erträglichen. So traurig und leidvoll es auch sein mag, Glasner zeigt uns, dass es Kräfte gibt, die wir nicht beherrschen können. Das gerade Jürgen Vogel, der uns in so vielen Rollen den sympathischen Verlierer und netten Kerl von nebenan präsentierte, hier den gemeingefährlichen Theo spielt, der, koste es was es wolle, von der Gesellschaft ferngehalten werden muss, ist geradezu ein Geniestreich des Regiseurs. Auch wenn Überwindung dazugehört: Unbedingt anschauen!
0Kommentar| 66 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. Juli 2017
Küchenhilfe Theo Stöhr (Jürgen Vogel) rastet aus, verlässt den Arbeitsplatz und fährt in die Dünen. Er lauert einer jungen Frau auf, zerrt sie vom Fahrrad und vergewaltigt sie brutal, nachdem er ihr mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen hat.
Gut 9 Jahre später in der forensischen Psychiatrie, wohin er wegen 3facher Vergewaltigung und schwerer Körperverletzung verbracht worden war, sitzt vor Theo einer Kommission, die über seine Freilassung entscheiden soll. Er meint, seinen Trieb im Griff zu haben, als Rettungsanker habe er die Psychiatrie, ehe er wieder rückfällig werde. Er kommt in einer WG mit dem Sozialarbeiter Sascha (André Hennicke) in Müjheim/Ruhr unter und findet Arbeit in der Druckerei von Claus Engelbrecht (Manfred Zapatka), wo wir auch dessen knapp 30jährige Tochter Netti (Sabine Timotei) erleben, die völlig unter der Fuchtel ihres Vaters zu stehen scheint.
Um Druck abzubauen geht Theo mit Sascha in einen Kampfsportverein oder onaniert. Abends geht er durch die Stadt, mehrfach in ein Lokal, die Kellnerin spricht er später zaghaft an, aber sie hat kein Interesse, mit ihm auszugehen.
Eines Tages lernt er Nettie kennen, ehe es aber zu einer engeren Beziehung kommt, geht sie zu einem Praktikum nach Belgien. Theo reist ihr nach, und da er kein Hotel findet, übernachtet er in ihrem Zimmer aiuf der Bettcouch, als Netti erwacht. liegt er neben ihr, schlafend. Abends holt er sie ab, und in einer leeren Kirche singt eine Sopranistin das "Ave Maria".
Zurück in Mülheim zieht Theo zu Netti, Sascha hat seinen Job verloren und ist nach Berlin gegangen.
Als Netti eines Abends mit anderen Leuten ausgeht, irrt Theo durch die Stadt und vergewaltigt schließlich in einem Parkhaus eine Frau ähnlich brutalst wie zu Beginn.
Er beichtet die Tat Netti und beendet seine Beziehung zu ihr - und sein Leben.

Musste der Film so lang (ca.160 Min.) und insbesondere der Beginn derart drastisch brutal sein, dass mancher ihn nach der Szene nicht weiter angesehen hat? Unbedingt, die Szene ist kein Selbstzweck und dient nicht der Befriedigung von Gewaltphantasien entsprechend veranlagter Zuschauer. Der Film zeigt in zahlreichen Szenen und Begegnungen Theos Bemühen, Kontakte zu knüpfen, seinen Trieb in den Griff zu bekommen, gipfelnd darin, dass er in die Wohnung einer schlafenden Frau, die er verfolgt hat, eindringt, die Bettdecke langsam wegzieht, seine Hand nähert sich dem halb entblößten Körper - und er zieht wieder ab! Man kann Mitleid mit ihm bekommen, die Anfangsszene ruft uns immer wieder drastisch in Erinnerung, welch grausamen Taten er begangen hat. Mit Netti hat er sowas wie einen Halt gefunden, aber eine Kleinigkeit reicht schon aus, dass sein Trieb wieder die Überhand gewinnt.

Der Film wirft mehr Fragen auf als er beantwortet.
Ist Theo durch seine Kindheit zum Triebtäter geworden oder durch eine angeborene Anomalie? Als Psychopath, Autist oder Homosexueller wird man geboren, wie ist es bei Triebtätern? (Wen das Nebeneinanderstellen dieser 3 Personengruppen befremdet oder empört: es sind wertfrei Anomalien genannt, nicht jeder Psychopath muss zum Verbrecher werden.)
Warum landete Theo in der forensichen Psychiatrie (maßregelvollzug) und nicht im Gefängnis? Wie sah seine Therapie aus?
Darf man Menschen wie Theo wieder"auf die Menschheit loslassen", geht nicht Opferschutz vor Täterschutz?

Bei Wikipedias Beurteilung des Filmes wird die Freudsche Instanzenlehre (Es, Ich und Über-Ich) herangezogen, eine Kritik beklagt das pessimistische Menschenbild, der Film gehe von deteministischen Verhaltensmustern aus, in denen Veränderungen keinen Platz hätten.
Der Vorwurf trifft m.E. nicht zu. Bei Theo setzt sich das Es (Trieb) gegen das Über-Ich (Moral, gesellschaftliche Normen) durch, es wird auch Menschen geben, die mit oder ohne Hilfe ihre abnormen Gelüste beherrschen können.

Das Beherrschen der dunklen Triebe, der Kampf eines schwachen Ich im Konflikt Es / Über-Ich, das macht dien Faszination des Filmes aus. Fast immer wenn wir Theo alleine mit einer Frau sehen(z.B. Bahnsteigszene, in der er sich kaum traut, zu der Frau zu blicken), erinnern wir uns an den brutalen Vergewaltiger in den Dünen und haben Angst, dass er jetzt wieder rückfällig wird. Wieviel schwächer wäre unsere Sorge wohl, wenn die Szene am Anfang nicht gezeigt worden, sondern z.B. "nur" in einer Verhandlung geschildert worden wäre. Wie schon gesagt, die Szene war notwendig.

Der Film ist mit den vier genannten Darstellern vorzüglich bessetzt, neben dem wie oft überragenden Jürgen Vogel möchte ich auch Sabine Timotei hervorheben, die Netti eine Zerbrechlichkeit, ein Zerbrochen-Sein durch den Vater verleiht, die aber manchmal auch ein bezauberndes Lächeln zeigen kann. Einem Rezensenten, der sinngemäß behauptet, die Rolle wäre angesichts der übrigen Darsteller eine Nummer zu groß für sie, kann ich nur widersprechen, ich glaube, nicht viele Darstellerinnen hätten die Rolle derart gut spielen können wie die damals 30jährige Schweizerin.
Auch Netti ist eine tragische Figur. Sie stand ihr Leben lang unter den (vielleicht inzestuösen) Fittichen des Vaters, hat sich endlich etwas befreit und ihr eigenes Leben mit eigener Wohnung begonnen, die mt herzzerreißendem Schreien begleitete Trennung und zuletzt das Ende von Theo läßt vermuten, dass dieser "Ausbruch" vorbei ist, der Vater wieder die Kontrolle über sie erlangen wird.

In meiner Überschrift steht das Fleisch für das Es, für den krankhaften Trieb, das Ich, die schwache Persönlichkeit mit geringer Frustrationstoleranz und Impulskontrolle, ist hier nicht in der Lage, das Es im Sinne des Über-Ich zu kontrollieren.

Der Film ist harter Tobak, geht an die Nieren, der Stoff lässt sich nicht auf alle Triebtäter übertragen, sondern nur auf diesen Theo, der von Jürgen Vogel genial gespielt wird, mit einer großartigen Sabine Timotei, deren Liebe nicht ausreicht, ihm einen Halt zu geben und seinen kranken Trieb zu kontrollieren.
Ein Mitrezensent bescheinigte ihr das interessanteste Gesicht, das er zuletzt im Film gesehen hätte, dem schließe ich mich gerne an.

Doc Halliday
99 Kommentare| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 2. Januar 2008
ich habe den film grade gesehen und bin immer noch teilweise überwältigt.ich habe im vorfeld schon viel von dem film gehöhrt( leute haben schockiert den kinosaal verlassen etc.) und wollte mir nun selbst ein bild machen.

vorweg:der film ist nichts zum zwischendurch sehen!er fordert den zuschauer einiges ab und verstört ihn streckenweise.nach dem film kann man nicht einfach wieder abschalten.

grade die erste vergewaltigungsszene ist erschreckend drastisch und realistisch, was bei einigen zuschauern zum abschalten des filmes führen könnte.aber grade dieses intensive, realistische ist gewollt und erzielt die wirkung, die sie erzielen soll. der zuschauer soll den protagonisten( ich ziehe meinen hut vor jürgen vogel) abstoßend finden um dann anschließend seine entwicklung distanziert zu beobachten, dann nachvollziehen und seine meinung bilden.

der film behandelt ein schweres thema und niemand darf da erwarten, dass der vergewaltiger wattebällchen schmeißt.der film ist hart und verstörend aber grade das macht ihn so realistisch und dadurch so intensiv und beklemmend.in verbindung mit der (hand)kamera und des weglassens von filmmusik wird der film noch realistischer.

der einzige kritikpunkt für mich liegt darin, das einige szenen einfach zu lang sind( oft sieht der zuschauer minutenlang nur ein gesicht in der kamera).

ich empfehle diesen film jeden, der sehen will, was deutsches kino kann und im vorfeld auf nicht leicht zu verdaunde filmkost eingestellt ist.
sehr interessant ist das interview mit dem regisseur auf der bonusdisc!!
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. September 2014
Leise erklingen die sphärischen Klänge von Schuberts "Ave Maria" durch eine fast menschenleere Kirche.
Eine einzelne Sopranistin singt die wehmütig, betörende Melodie und zwei Menschen lauschen ergriffen der feierlichen Harmonien.
Zwei Menschen, unsagbar verfangen in ihren eigenen psychischen Dämonen, unfähig zu einer offenen, vertrauensvollen Kommunikation, eingeschlossen in ihrem eigenen unausweichlichen Teufelskreis.
Und doch scheint die Ahnung einer wie immer gearteten vielleicht spirituellen Erlösung plötzlich durch dieses Lied in der Luft zu liegen.
Ein Herbeisehnen von einer übergeordneten, vielleicht verzeihenden mystischen (Gottes ) Kraft.
Theo Stoer blickt mit Tränen in den Augen nach oben, neben ihm in der Holzbank, ganz nah und doch so weit entfernt die junge Nettie.
Beide Menschen, Ausgeschlossene der Gesellschaft, immer am Rande des labilen, destruktiven Gefühlschaos.
Nettie, ein Leben lang ihrem Vater hörig , und nun erstmals seit 28 Jahren im Begriff ein selbstbestimmtes Leben zu führen, hat sich verliebt.
Verliebt in das menschliche Monster , das neben ihr sitzt.
Jürgen Vogel als Vergewaltiger Theo Stör.
Das ist eine Tour de Force der Schauspielkunst, in einem Film der so quälend niederschmetternd den Zuschauer so tief in den Fernsehsessel drückt, dass ihm das Atmen schwer fällt.
Film als unerträglich intensive, gleichzeitig in mutigster Weise ambivalent neutrale Inszenierungskraft.
Kunst, die weht tut, den Zuschauer immens fordert, ihn gnadenlos zurückwirft auf eigene Empfindungen, eigene Ängste und noch lange nach dem dreistündigen Blick in die finsteren Abgründe der Seele in der Psyche weiterarbeitet.
Ein Film, der in seiner furchteinflössend, äusserst intimen Atmosphäre wie ein langer ruhiger dunkler Fluß uns mehr und mehr in Untiefen ertrinken lässt.
Vergewaltigung ist das Thema, und Regisseur Mathias Glasner inszeniert ohne Kompromisse oder Rücksicht auf uns.
"Der freie Wille" ist von schonungsloser Ehrlichkeit., schlägt uns ins Gesicht, verdeutlicht von Anfang an, dass es hier keine Aussöhnung, auch kein Mitleid oder Verständnis für einem Menschen geben wird, der in sich die Hölle auf Erden trägt, und sie gleichzeitig seinen hilflosen Opfern auch bereitet.
Zerquält vom Schuldgefühl, zerrissen vom steten Drang, das auszuleben, was an zeitbombenhafter Aggression in ihm steckt agiert Jürgen Vogel hier seelisch und körperlich nackt. Unfassbar nah kommen wir ihm in seiner kümmerlichen , verstörten Existenz und damit verbunden seiner schockierenden Gefährlichkeit .
Ein emotionslos, reportagehafter Blick auf eine Welt der Verdammnis.
"Ich wollte den Werdegang zweier ausgestoßener Menschen erzählen", , so Glasner in einem Interview.
Kein Sozialdrama, kein moralinsaures Erbauungsdrama mit erhobenem Zeigefinger.
Glasner inszeniert Theos alltägliches Handeln .Die Kamera folgt ihm auf Schritt und Tritt.
Das stete Verhängnis, die ständige Angst vor einem Rückfall zerfrisst nicht nur den Hauptdarsteller sondern auch uns als Zuschauer. Mit dieser ständigen Beobachtung der Kamera, werden auch die beiläufigsten Szenen zu unangenehm packenden, ahnungsvollen Mosaiksteinchen.
Theo bei der Arbeit, beim Einkaufen, beim Kraftsporttraining, an der Bushaltestelle. Jede ruhige Bildinszenierung atmet Trostlosigkeit, und tiefe Verunsicherung.
Hektisch hören wir sein Atmen, wenn er alleine an der nächtlichen Haltestelle mit einer jungen Frau zusammen auf den Nachtbus wartet.
Und wir zucken vor Anspannung zusammen, wissen wir doch seit den ersten fünfzehn Minuten des Films zu was dieser verschlossen schüchtern wirkende Mensch fähig ist.
Damals war Theo irgendwo an der Ostsee als Küchenhilfe tätig.
Ein kleiner Moment der Frustration reichte aus , um ihn scheinbar ziellos durch die Dünen streifen zu lassen.
Eine zufällig vorbeikommende Radfahrerin wird mit blitzartiger Wut von ihm überwältigt, in die Hügel geschleift, blutig geschlagen, vergewaltigt.
Diese Szenen wirken in ihrer schonungslosen Drastik so entsetzlich wie eins in Noes "Irreversible".
Es ist Glasners Kamera die mitleidlos , bis in kleinste Details, die Angst, die Nacktheit, das Wimmern, die destruktive Kraft festhält.
Hilflos Opfer werden eines erbarmungslosen unbekannten Täters, der Würde beraubt, geschändet , der Körper zertrümmert- Eine Grundangst des Menschen auch durch die innewohnende wahllose Unberechenbarkeit und grausame Sinnlosigkeit.
Glasner überschreitet hier Grenzen jedweder herkömmlichen Darstellung.
"Wir wollten so schonungslos ehrlich sein wie möglich und nicht uns , wenn wir schon eine Geschichte von Vergewaltigung erzählen, feige hinter Andeutungen verstecken".
Gerade mit dieser Ausführlichkeit und hemmungslosen Zeigefreudigkeit könnte Glasner Gefahr laufen, (eine Gefahr , die übrigens auch Hanekes "Funny Games" innewohnt), daß mancher Zuschauer bereits hier "zumacht" und sich nicht mehr auf die Hauptperson für die kommenden zweieinhalb Stunden einlassen will.
Doch durch die unkonventionelle schier beispiellose Authentizität nicht zuletzt durch die Schauspielkunst aller Beteiligten hält uns das Werk psychisch gefangen, läßt uns hilflos und verstört in seiner messerscharfen Präzision mitfiebern. mitleiden, in grosser innerer Ambivalenz zu dieser Figur.
"Ich bin nun ein anderer, und ich will ein gutes Leben führen "- nach neun Jahren kommt Theo frei, und versucht verzweifelt sich in einer veränderten Welt wieder zu resozialisieren.
Stets wandert er auf dem schmalen Grat zwischen einem neuen verhängnisvollen Rückfall und dem verbitterten Versuch Fuß im gesellschaftlichen Leben zu fassen.
Phantastische urbane Nachtbilder, wenn diese zutiefst einsame Kreatur ohne Halt ziellos durch die glitzernden kalten Strassen Berlins wandert.
Sexuelle Reizüberflutung allerorten vor denen er ängstlich die Augen verschließt, hilfesuchende Anrufe bei seinem Sozialhelfer, stupider ständiger Kraftsport in seiner düsteren Etagen Wohnung.
Jürgen Vogel als von inneren Dämonen zerfressener Mensch, der um seine Taten weiß, dessen Gewissensqual in ständig zu Boden drückt und der sich dennoch im wieder aufbäumt das Gute zu tun und letztlich, das impliziert die hoffnungslose Bitternis des Films, scheitert. Nie eigentlich eine Chance hatte, dem Kreislauf zu entkommen.
Zerrissen sind wir Zuschauer, diesem Täter (und auch uns selbst ) dann doch eine Erlösung von seinen inneren Kämpfen zu wünschen und gleichzeitig Angst und Abscheu diesem Mann gegenüber zu empfinden.
Mathias Glasner manipuliert unsere Gefühle in exzellenter Weise, macht klare innere Stellungnahmen und Schwarz- Weiß Denken nahezu unmöglich.
Panik vor dieser unkontrollierbaren Bestie, die ständig emotional überreagieren könnte, erfüllt uns sehen wir ihn zwanghaft, an den flackernden Bildschirm gelehnt vor einem Pornofilm onanieren, oder noch nervenzereissender sich den Zugang des nachts in das Schlafzimmer einer jungen Frau verschaffend. Und doch sind wir selbst ebenfalls die Voyeure, die sich am nackten schlafenden Körper der Unbekannten ergötzen, und doch gleichzeitig beten Theo mögen so schnell wie möglich hier wieder verschwinden.
Eine Form von Anteilnahme erleben wir andererseits, sehen wir seine quälenden Versuche sich tagsüber in ein gesellschaftliches Umfeld eingliedern zu wollen, oder hilflos die richtigen Worte im Gespräch mit einer Kellnerin zu finden.
"Ich wollte sie fragen. ob sie vielleicht einmal mit mir ausgehen ?"
Einen genialer Drahtseilakt an Gefühlsirritationen beinhaltet dieser Ausnahmefilm.
Auf trügerische Weise keimt plötzlich etwas Hoffnung in diesem pessimistischen Seelendrama auf.
Theo lernt Netti kennen.
Zwei labile Menschen fühlen sich sehr oft zueinander hingezogen. Und so ist Nettie ebenfalls nicht gerüstet für ein Alltagsleben. Seit fast dreissig Jahren in emotionaler (vielleicht auch sexueller Hörigkeit) zu ihrem alten despotischen Vater gefangen, versucht sie ebenfalls aus ihrem inneren Gefängnis auszubrechen.
Könnte es möglich sein, das beide aneinander gesunden?
Theo, der aufgrund seiner Instabilität nur Zugang zu Frauen durch den schrecklichen Umweg von Hass und Gewalt findet.
Nettie, die vielleicht hier zum ersten mal Vertrauen , abseits der Klauen ihres Vaters aufbauen könnte.
Beider Einsamkeit ist grenzenlos.
"Ich mag keine Männer" sagt sie beim ersten zaghaft schüchternen Treffen in einem Café zu Theo.
'"Das ist gut, ich mag auch keine Frauen ". Diese Ebene gibt beiden Sicherheit. Sicherheit vor Verletzung, Sicherheit vor wahrer Intimität.
Könnte das der Weg zu einer Erlösung, einem sich zart anbahnenden Neuanfang sein .
Ein "Ave Maria" in der Kirche, doch Mathisas Glasners Film kennt keine Gnade.
Minutenlang im bläulichen Gegenlicht unbewegt, werden wir Jürgen Vogels Gesicht sehen bevor durch eine Nichtigkeit die böse Seite in ihm die Überhand gewinnen wird.
Ein Triebtäter, bei dem es nicht mehr ums Wollen , sondern um das zwanghafte Ausagieren - Müssen geht.
KIndlich entsetzt wird er danach vor dem Spiegel im Badezimmer zusammenbrechen, sich hilflos sein Geschlechtsteil abwaschen. Ein Bild des Jammers und ein Bild urbanen Horrors in einer Person.
Die Theorie vom freien Willen ist bei Glasner eine Farce.und die bittere Erkenntnis nach drei Stunden ist wohl oder übel die beständige Gefangenschaft in unfreiwilligen geistigen Gefängnissen, die jede Rebellion letztendlich ad absurdum führt.
Wie ein Sisiphos immer aufs neue scheitert einen Felsblock den Berg hochzuhieven, so scheitert auch Theo aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur immer wieder an dem Versuch seine Triebe langfristig zu domestizieren.
Am Ende bleibt der Tod als einzige Erlösungsform.
Bietet Glasner irgendwelche Erklärungen für das Handeln seiner Personen ?
Nein, der Film verschließt sich jedweden einfachen kausalen Gedankenketten um Ursache und Wirkung.
Das Böse im Menschen. es ist einfach da. Lauernd, sinnlos, unkontrollierbar.
Kranke Psychen, denen wir in ihrem Leid und in ihrem Erzeugen anderer Leiden folgen, in einem facettenreichen Filmpanorama, das sich jedweder normalen linearen Erzählstruktur widersetzt.
Wir begleiten eine verdammte Seele und werden unfreiwillig zu einem guten Bekannten, auch wenn wir uns dem widersetzen wollen. Jede Hoffnung, jedes kleine Glück wird vom grösseren Verhängnis wieder zunichte gemacht.
Nicht einmal die Liebe ist ein Ausweg, eher ist sie sogar selbst noch Auslöser.
"Der freie Wille " ist ein Abgesang auf den Homo- Sapiens an sich. Wie Theo Stoer agieren auch alle anderen in dem Film wie hilflose Fremdkörper, Täter und Opfer zugleich.
Verstörend morbide Bilder wenn der alte Vater des nachts mit seiner weinenden Tochter Nettie einen Schmuseblues tanzt.
Schockierend auch wie Gewalt zu Gegengewalt führt als Nettie von einem ehemaligen Opfer Theos auf einer Toilette mit einer Klobürste vergewaltigt wird, um sie ebenfalls die damaligen Leiden der Frau spüren zu lassen.
Bleibt in einer solchen aus den Fugen geratenen Welt der Akt des Sterben als einzige Form von Gnade und liebender Erlösung.
Wie ordnen wir eine Täter wie Theo Stoer ein ?
Das Perfide des Films ist, dass er uns eine Stellungnahme verweigert.
Ein Monster, das zutiefst menschliche Züge trägt und umgekehrt -das ist das wahre Grauen, das mitten unter uns existiert.
Entsetzliche Taten , die alle, Täter und Opfer zugleich ein Leben lang seelisch verkrüppelt in die ewige Hölle zieht.
Das Warum wird nie im Film beantwortet, die Vergangenheit aller Personen nur spärlich beleuchtet.
Nichts wird erklärt und das bietet somit unsagbar viel Spielraum für eigene Assoziationen und Denkansätze.
Jahrelang hat das Filmteam Recherche betrieben ,was die forensischen , psychatrischen Hintergründe dieses Dramas betrifft.
Letzlich muß man wohl sagen. Es gibt das Böse auf der Welt.
Unerklärlich, eine Geisel für das Opfer, den Täter, die gesamte Gesellschaft.
Hat der Triebtäter die Möglichkeit aus freien Stücken zu handeln, oder sind seine Taten das quälende Symptom eines Zwangs ?
Beide Antworten sind gleich erschreckend.
Glasners Film ist somit eine zutiefst verunsichernde , unglaublich kräftezehrende Auseinandersetzung mit genau dieser Fragestellung.
Nachvollziehbar, wer sich nicht knapp drei Stunden darauf einlassen will.
Allen anderen sei dieser unverfälschte harte, tief berührende und gleichzeitig vor Wut aufschreiend machende Film dringend empfohlen. Ganz grosses Kino.
22 Kommentare| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 14. April 2017
Es ist ein Arthouse Film. Das sagt schon viel. Hier gibt es kein leichtgängiges Popcorn Kino. Und man fühlt sich auch nicht gut während man den Film guckt. Und auch danach nicht. Ich bin ein eher hartgesottenes Gemüt, aber diese Film hat mich schon an meine Grenzen gebracht. Ich habe ihn zuende gesehen und werde ihn auch kein zweites Mal sehen. Dieser Film ist nichts für Leite mit zartem Gemüt oder Leute, die selbst schonmal Opfer sexueller Gewalt waren, bzw. sollten diese sich im klaren sein, was sie hier erwartet.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

Gnade
7,49 €
Michael
9,29 €
God Bless America
12,99 €

Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken