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TOP 1000 REZENSENTam 28. Juli 2011
Los Robles ist ein Nest an der Grenze zwischen den USA und Mexico. Der Grenzübergang ist mitten in der Stadt und in diesem brodelnden Kaff herrscht eine hohe Kriminalität.
Der Film beginnt mit einer genialen 3-Minuten langen Kamerafahrt: Ein Gangster pflanzt eine Zeitbombe in ein Auto, dass im mexikanischen Teil abgestellt ist und verschwindet. Kurze Zeit später steigt ein älterer Herr mit einer wesentlich jüngeren Dame in den Wagen und fährt im Schritt-Tempo Richtung Grenze. Zur gleichen Zeit schlendert der mexikanische Rauschgiftfahnder Miguel Vargas (Charlton Heston) mit seiner hübschen Frau Suzie (Janet Leigh) die gleiche Strecke zu Fuß entlang.
Etwa zur gleichen Zeit passiert sowohl das Auto als auch das Ehepaar den Grenzübergang, beide Männer scheint man dort bestens zu kennen.
Einige Sekunden später, als der Wagen sich bereits in dem US-amerikanischen Stadtteil befindet, wird alles von einer gewaltigen Explosion erschüttert. Das Wrack des Wagens mitsamt seinen beiden Insassen brennt völlig aus.
Es wird sehr schnell klar, dass das Opfer in der Limouse der bekannte, ansgesehene Bürger Linnekar war, der mit einer jungen Tänzerin unterwegs war.
Von der amerikanischen Seite fährt Captain Hank Quinlan (Orson Welles) heran - ein schwergewichtiger Mann, der das kriminelle Treiben in Los Robles mit Drogen, Bordellen und Morden seit langem unter Kontrolle hält. Dennoch blüht hier der Drogenhandel und die Prostitution. Quinlan und Vargas können sich von Anbeginn nicht ausstehen. Vor allem die Art, wie der Amerikaner und sein Sergeant Pete Menzies (Joseph Calleia) die Untersuchung des Falls betreiben, lässt Vargas misstrauisch werden.
Er bleibt als stiller Beobachter bei dem Fall, hat aber Angst um seine junge Frau, die bereits von einer jungen Gang im Auftrag des Ganoven "Onkel" Joe Grandi (Akiim Tamiroff) eingeschüchtert wurde.
Der Fall wird immer mysteriöser und es drängt sich für Vargas bald auch der Verdacht auf, dass Hank Quinlan Beweisstücke aus dem Hut zaubert, die gar nicht vorhanden sein dürften...
Erst 1998 wurde der Film restauriert, nachdem er von den Studios für die Kinoauswertung damals drastisch gekürzt. Welles schrieb damals ein 58seitiges Memorandum, indem er die Studios darum bat, den Film in seiner gedachten Form zu belassen. Frustriert von der Absage und der Bevormundung durch die Studios kehrte Welles den USA den Rücken und drehte anschliessend nur noch in Europa Filme.
"Im Zeichen des Bösen" gilt als letzer Film der klassischen Film Noir Ära und ein geniales Meisterwerk von Welles, dass seinen Klassikern "Citizen Kane" oder "Der Glanz des Hauses Amberson" ebenbürtig ist.
Für mich ist dieser brodelnde, dunkle Thriller sogar einer der besten 10 Filme aller Zeiten.
Hier stimmt einfach alles: Ein vertrackte, mysteriöse Story, die sich erst nach und nach auflöst. Dazu eine großartige Schauspielerleistung von Orson Welles als übergroßer, korrupter und krimineller Bulle.
Bereits die erste Kamerafahrt (Russell Metty) zeigt die Klasse dieses Films, der bis zum Ende fesselnd bleibt und in einer Nebenrolle sogar Marlene Dietrich als alternde Prostituierte zeigt.
Welles zeigt permanent ein bedrohliches und ambivalentes Milieu, in dem Gut und Böse nicht immer auseinandergehalten werden kann.
Sogar der durchweg unsympathische Hank Quinlan ist nicht nur abgründig skrupellos, sondern am Ende auch eine tragische, gebrochene Figur.
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am 26. November 2015
Filme von oder mit Orson Welles sind wohl immer auch Filme, in denen Orson Welles im Vordergrund steht. Wer sich davon angesprochen fühlt, darf zu meiner Bewertung noch einen Stern dazu zählen. Wer sich nur für einen Krimi oder Thriller interessiert, findet einen recht ordentlichen Film für die Entstehungszeit, dessen grösste Überraschung die Besetzung von Charlton Heston als Latino ist. Ansonsten bleibt er doch so manchem Klischee verbunden, auch sein Ende entspricht den Genre-Konventionen dieser Ära.
Es handelt sich insofern um eine restaurierte Fassung, als das versucht wurde, die ursprüngliche Schnittfassung wiederherzustellen. Der Ton ist sehr gut, das Bild ist frei von Schmutz oder Kratzern, es mangelt ihm allerdings an Schärfe. Vermutlich waren die Originalaufnahmen, die on location entstanden sind, schon nicht sonderlich gut. Einstellungen, die nämlich dem Studio zuzuordnen sind, fallen besser aus.
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am 22. August 2011
Der Film ist genial. Obtisch, Schauspielerisch, Musikalisch und war auch schon im TV als Directors Cut zu sehen.Die neuen Szenen wurden untertitelt.
Auf der vorliegenden DVD wurde der Film komplett NEUSYNCHRONISIERT, dann auch noch ganz schlecht. Ohne Ausdruck, die Stimme von C. Heston passt nicht, und wer die Originalsynchro von O. Welles kennt, dem schaudert es Angesichts der neuen Stimme.
Was schon bei "Flammendes Inferno" schief ging, gerät hier zum Deasaster.
Anstatt den Film mit 4 weitern Sprachspuren auszustatten, wäre es klug gesen, die Originalsynchro mit draufzupacken. Die neuen Szenene mit Untertileln oder (nur die)
erstmalig zu Synchcronisieren. Bei "Cleopatra" u. "Spartacus" hat das auch funktioniert.
Schade, so wandert diese DVD in die Tonne. Ich warte, daß der Film wieder im TV zu sehen ist.
10 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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TOP 1000 REZENSENTam 13. Februar 2016
..."Im Zeichen des Bösen" (von 1958) zählt gemeinsam mit dem Jahrhundertklassiker "Citizen Kane" und (dem manchmal übersehenen) "Die Spur des Fremden" bis heute zu den bekanntesten und vermutlich auch besten Filmen des Meisterregisseurs. Aus meiner (natürlich subjektiven) Sicht hätte die SZ-Cinemathek-Reihe mit einem der beiden letztgenannten Streifen - Welles betreffend - einen glücklicheren Griff getan, wenngleich vorliegendes Werk freilich dennoch sehenswert und interessant ist. Aber mal eins nach dem anderen...

Erzählt wird eine schmutzige, verruchte Geschichte über korrupte Polizeibeamte (die am Ende trotzdem Recht behalten können), billige Bordells und schmierige Drogenhändler, die mit Charlton Heston, Orson Welles, Janet Leigh, Marlene Dietrich und Zsa Zsa Gabor höchstkarätig besetzt wurde und lange Zeit nur in gekürzter Fassung gesichtet werden konnte.
Erst 13 Jahre nach Orson Welles Tod (also 1998) wurde der - von ihm schon zu Lebzeiten vehement geforderte - Director's Cut freigegeben. Aber gut: Besser spät als nie...

Der Film beginnt mit einer mittlerweile berühmt gewordenen 4minütigen, ungeschnittenen (!) Anfangssequenz an der mexikanisch-amerikanischen Grenze, wo zunächst alles im Lot zu sein scheint. Als dort aber ein Wagen in die Luft fliegt, beginnt ein Wettstreit zwischen dem moralisch aufrichtigen, hageren mexikanischen Drogenfahnder Vargas (Charlton Heston) und dem schmierigen, korpulenten US-Ermittler Quinlan (Orson Welles), der die Grenze zwischen Gut & Böse verwischen lässt und am Ende - so wollen es jedenfalls viele Experten & Cineasten - das gesamte Noir-Genre demontiert. (Anm.: Für mich trifft der Noir-Abgesangs-Charakter auf das im Jahr später erschienenen "North By Northwest" (dt. "Der unsichtbare Dritte") von Hitchcock aber noch stärker zu.)

Der in einer recht ungewöhnlichen Rolle agierende Heston (der wirklich als Mexikaner durchgeht) sowie auch Welles spielen fabelhaft und schaffen es immer wieder in den Bann zu ziehen. Tatsächlich glaube ich hier vielleicht sogar Mr. Hestons stärksten Auftritt vor der Kamera gesehen zu haben - und das ist ja bekanntermaßen nicht gerade irgendwer (man denke z.B. ans Monumentalepos "Ben Hur" oder den SciFi-Klassiker "Planet der Affen").

Mit einem klassischen Noir-Film hat "Touch Of Evil" meines Erachtens tatsächlich kaum etwas gemein, obwohl natürlich typische Elemente des Genres hierin vorzufinden sind (z.B. enge Räume, düsteres Schwarzweiß). Aufgrund seiner (inhaltlichen) Anti-Schwarzweiß-Malerei ist "Im Zeichen des Bösen" bis heute weitgehend vom Zahn der Zeit verschont geblieben. Die Mexikaner (wenigstens nicht alle) müssen hier nicht das Klischee der bestechlichen Faulenzer bedienen, auch US-Beamte können uncool & bestechlich sein und die schmuddelige, schwüle, unbehagliche Rotlicht-/Rauschgiftatmosphäre kommt auch gegenwärtig ungefiltert so rüber.
Generell Fahnder - selbst wenn sie letztlich im Namen des Gesetzes agieren - als unzulängliche, makelbehaftete Menschen zu zeigen, war mit Sicherheit eine sehr clevere Entscheidung, die zur Glaubwürdigkeit und Zeitlosigkeit vorliegenden Streifens beiträgt.

Trotz aller positiver Aspekte, die gerade ausführlich zur Sprache gekommen sind, ist "Im Zeichen des Bösen" keiner meiner persönlichen Filmlieblinge, was - und das ist freilich sehr subjektiv - einfach daran liegen dürfte, dass mir die nüchterne, harte und teils "platte" (bitte nicht falsch verstehen) Inszenierung irgendwie nicht so sehr zusagt.
So gut hier gespielt und mit sämtlichen Saubermannklischees aufgeräumt wird, so lieblos hingerotzt & uncharmant kommt mir manches hierin offengestanden auch vor (selbst, wenn's vielleicht beabsichtigt sein mag).

Fazit: Ohne Frage ist "Touch Of Evil" ein Klassiker, der hochkarätig besetzt wurde und das Milieu, in dem gespielt wird, trocken, kompromisslos und (vermutlich) authentisch wiedergibt.
Mir persönlich gefallen andere Welles-Inszenierungen jedoch besser und Freunden des klassischen Film Noir würde ich raten, sich zuerst vielleicht älteren Genre-Werken (z.B. "Die Spur des Fremden" oder Fritz Langs "The Big Heat") zuzuwenden.

In Summe macht das aus meiner Sicht 4 Sterne. ++++

Natürlich sehenswert, aber in Summe nicht überwältigend brillant!
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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TOP 1000 REZENSENTam 13. Februar 2016
..."Im Zeichen des Bösen" (von 1958) zählt gemeinsam mit dem Jahrhundertklassiker "Citizen Kane" und (dem manchmal übersehenen) "Die Spur des Fremden" bis heute zu den bekanntesten und vermutlich auch besten Filmen des Meisterregisseurs.

Erzählt wird eine schmutzige, verruchte Geschichte über korrupte Polizeibeamte (die am Ende trotzdem Recht behalten können), billige Bordells und schmierige Drogenhändler, die mit Charlton Heston, Orson Welles, Janet Leigh, Marlene Dietrich und Zsa Zsa Gabor höchstkarätig besetzt wurde und lange Zeit nur in gekürzter Fassung gesichtet werden konnte.
Erst 13 Jahre nach Orson Welles Tod (also 1998) wurde der - von ihm schon zu Lebzeiten vehement geforderte - Director's Cut freigegeben. Aber gut: Besser spät als nie...

Der Film beginnt mit einer mittlerweile berühmt gewordenen 4minütigen, ungeschnittenen (!) Anfangssequenz an der mexikanisch-amerikanischen Grenze, wo zunächst alles im Lot zu sein scheint. Als dort aber ein Wagen in die Luft fliegt, beginnt ein Wettstreit zwischen dem moralisch aufrichtigen, hageren mexikanischen Drogenfahnder Vargas (Charlton Heston) und dem schmierigen, korpulenten US-Ermittler Quinlan (Orson Welles), der die Grenze zwischen Gut & Böse verwischen lässt und am Ende - so wollen es jedenfalls viele Experten & Cineasten - das gesamte Noir-Genre demontiert. (Anm.: Für mich trifft der Noir-Abgesangs-Charakter auf das im Jahr später erschienenen "North By Northwest" (dt. "Der unsichtbare Dritte") von Hitchcock aber noch stärker zu.)

Der in einer recht ungewöhnlichen Rolle agierende Heston (der wirklich als Mexikaner durchgeht) sowie auch Welles spielen fabelhaft und schaffen es immer wieder in den Bann zu ziehen. Tatsächlich glaube ich hier vielleicht sogar Mr. Hestons stärksten Auftritt vor der Kamera gesehen zu haben - und das ist ja bekanntermaßen nicht gerade irgendwer (man denke z.B. ans Monumentalepos "Ben Hur" oder den SciFi-Klassiker "Planet der Affen").

Mit einem klassischen Noir-Film hat "Touch Of Evil" meines Erachtens tatsächlich kaum etwas gemein, obwohl natürlich typische Elemente des Genres hierin vorzufinden sind (z.B. enge Räume, düsteres Schwarzweiß). Aufgrund seiner (inhaltlichen) Anti-Schwarzweiß-Malerei ist "Im Zeichen des Bösen" bis heute weitgehend vom Zahn der Zeit verschont geblieben. Die Mexikaner (wenigstens nicht alle) müssen hier nicht das Klischee der bestechlichen Faulenzer bedienen, auch US-Beamte können uncool & bestechlich sein und die schmuddelige, schwüle, unbehagliche Rotlicht-/Rauschgiftatmosphäre kommt auch gegenwärtig ungefiltert so rüber.
Generell Fahnder - selbst wenn sie letztlich im Namen des Gesetzes agieren - als unzulängliche, makelbehaftete Menschen zu zeigen, war mit Sicherheit eine sehr clevere Entscheidung, die zur Glaubwürdigkeit und Zeitlosigkeit vorliegenden Streifens beiträgt.

Trotz aller positiver Aspekte, die gerade ausführlich zur Sprache gekommen sind, ist "Im Zeichen des Bösen" keiner meiner persönlichen Filmlieblinge, was - und das ist freilich sehr subjektiv - einfach daran liegen dürfte, dass mir die nüchterne, harte und teils "platte" (bitte nicht falsch verstehen) Inszenierung irgendwie nicht so sehr zusagt.
So gut hier gespielt und mit sämtlichen Saubermannklischees aufgeräumt wird, so lieblos hingerotzt & uncharmant kommt mir manches hierin offengestanden auch vor (selbst, wenn's vielleicht beabsichtigt sein mag).

Fazit: Ohne Frage ist "Touch Of Evil" ein Klassiker, der hochkarätig besetzt wurde und das Milieu, in dem gespielt wird, trocken, kompromisslos und (vermutlich) authentisch wiedergibt.
Mir persönlich gefallen andere Welles-Inszenierungen jedoch besser und Freunden des klassischen Film Noir würde ich raten, sich zuerst vielleicht älteren Genre-Werken (z.B. "Die Spur des Fremden" oder Fritz Langs "The Big Heat") zuzuwenden.

In Summe macht das aus meiner Sicht 4 Sterne. ++++

Natürlich sehenswert, aber in Summe nicht überwältigend brillant!
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am 26. Juli 2015
Orson Welles (1915-1985) war zweifellos eine der ganz wenigen Persönlichkeiten, die das populäre Kino auf ein selten hohes Niveau von künstlerischer Qualität hoben. Er erreichte den Höhepunkt seines Schaffens in den 40er und 50er Jahren und hätte einen bisher unbekannten Grad von Komplexität erreichen können, wenn ihm nicht die Kontroversen der amerikanischen Studios entgegengestanden hätten. Niemand hat sich so kämpferisch und gleichzeitig geistreich mit Fragen gesellschaftlicher und individueller Macht und der damit einhergehenden Korruption auseinander gesetzt wie er (Citizen Kane (1941), The Third Man 1949), Mr. Arkadin (1955), Touch of Evil (1958) und andere). Seine persönlichen Konflikte zeigen aber auch, wie schwierig es für Regisseure wurde, in Hollywoods Welt kritische künstlerische Arbeit zu leisten, da zunehmend jeder Aspekt des Filmschaffens kompromislos dem Profit untergeordnet wurde.

TOUCH OF EVIL (Originaltitel) war denn auch der letzte Hollywood-Film dieses begnadeten Regisseurs, bevor er frustriert vom Filmgeschäft in den USA sein Schaffen endgültig nach Europa verlegte. Der Film entstand wieder einmal unter den erzwungenen Bedingungen der Universal Studios, die wie nach dem Welterfolg CITIZEN KANE (1941), die erste Schnittfassung strikt ablehnten. Die Universal Fassung betrug nach vielen Diskussionen lediglich 95 Minuten und wurde mit einigen nachgedrehten Szenen als B-Picture und Double Bill in die Kinos befördert wo sie finanziell floppte, aber das Publikum nichtsdestotrotz in seinen Bann zog, da der Film damals zu den schwärzesten Werken des Film Noirs zählte, weshalb er zumindest in Europa durch Filmkritiker wie François Truffaut geradezu begeisert beschrieben wurde. Nicht wenige Kritiker sind der Meinung, dass TOUCH OF EVIL gleichzeitig das Ende des klassischen Film Noir markierte. Diese 1998 restaurierte Fasssung erschien 13 Jahre nach dem Tod des Regisseurs, sie ist 112 Minuten lang, basiert auf Orson Welles berühmtem 58-seitigen Memo und dürfte wohl der Originalfassung entsprechen. Auf jeden Fall hält sie narrativ weit besser zusammen als fast jeder andere Film. Wegen der Komplexität des Films sollte dieser Beitrag lediglich als einer von vielen angesehen werden.

Ort der Handlung ist ein fiktives Kaff an der U.S.-Mexico Grenze namens Los Robles, eine Metapher für die dunklere Seite des amerikanischen Bewusstseins die als solche in die populäre Kultur einging. Sowohl in Filmen als auch Songs und Romanen hatte der Satz "going down to Mexico" nur eine Bedeutung, nämlich dem U.S. Gesetz zu entfliehen oder alle moralischen Grundsätze fallen zu lassen. In den besseren Filmen versuchten die Charaktere sich selbst zu testen, dem Chaos die Stirn zu bieten um ihr besseres - oder schlechteres - inneres Selbst zu finden: Treasure of the Sierra Madre, Night of the Iguana, Under the Volcano (alle von John Huston), Suddenly Last Summer (Joseph Mankiewicz), The Wild Bunch, The Getaway (beide von Sam Peckinpah) mögen als Beispiele dienen. Ein literarisches Exempel statuiert Cormac McCarthy mit seiner Border Trilogy.

Die südliche Seite von Los Robles wird durch die ungeschnittene und dadurch berühmte und vielfach besprochene Kamerafahrt vorgestellt. Dieser opening shot entsprang nicht einer Laune des technisch Machbaren, sondern ist stilistisch und thematisch notwendig, das gesamte Konzept von Zeit und Raum basiert darauf. Mit Schnitten wäre das Gefühl dafür verlorengegangen, wie lange es dauert vom Scharfmachen und Verstecken der Zeitbombe im Kofferraum eines Cabriolets das dem wohlhabenden Geschäftsmann Linnekar gehört, der sich mit einer Striptease Tänzerin vergnügt, bis zur Explosion. Wir wüssten nichts über die Distanz die diese tickende Bombe zurücklegt. Ausserdem nutzt Orson Welles die schwebende Kamerafahrt, um uns Los Robles vorzustellen, das offenbar von Prostitution und Drogenhandel lebt. Neonreklamen einschlägiger Etablissements säumen die Strasse. Man amüsiert sich unter Kolonnaden, die einstigen Reichtum andeuten, nun aber verblichen sind und als Staffage von Saloons, Gambling Halls u.ä. dienen. Als das Cabrio Charlton Heston und Janet Leigh passiert, die entlang der Strasse flanieren, bleibt die Kamera auf sie geheftet bis sie die Grenze erreichen, wo sie dem Fahrzeug wieder begegnen, dabei steigt die Spannung spürbar - und dann explodiert in einiger Entfernung die Bombe und in den Flammen sterben die Insassen des Cabrios. In dieser Kamerafahrt von 3 Minuten und knapp 30 Sekunden erhalten wir ein Maximum an Informationen, auch in Form von Stimmungsbildern.

Insgesamt ist es Orson Welles gelungen, die typischen Stilelemente des Noir zusammenzufassen um sie sofort wieder ad absurdum zu führen. Der mexikanische Drogenfahnder Mike Vargas (Charlton Heston) und seine amerikanische Frau Susan (Janet Leigh) verbringen ausgerechnet in Los Robles ihre Flitterwochen, möglicherweise bietet die Stadt doch einige Sehenwürdigkeiten die der Regisseur dem Zuschauer vorenthält. Und dann geht besagte Autobombe hoch. Vargas schaltet sich sofort in die Ermittlungen ein, da die Bombe mexikanischen Ursprungs ist, dabei benötigt er die Kooperation des amerikanischen Police Captain Hank Quinlan (Orson Welles). Da Vargas ein aufrechter und nicht korrumpierbarer Polizeioffizier ist, während Quinlan reichlich kreative Auffassungen von Recht und Ordnung hat und diese auch skrupellos durchsetzt, prallen die beiden bald aufeinander. Der legendäre Quinlan folgt bei den Ermittlungen seiner bewährten "Intuition" die ihn auch rasch zum Bombenleger führt: Pancho dem heimlichen Geliebten von Linnekars Tochter, in dessen Zimmer sich auch zwei Stangen Dynamit finden. Nachdem Vargas die Echtheit dieser Beweise offen anzweifelt, überschlagen sich die Ereignisse und entwickeln sich zu einem verwirrenden Geflecht von Lügen, Intrigen und Gewalt. Susie wird von einem Gangster der mit Quinlan konspiriert in ein entlegenes Motel entführt, wo sie von seinen Komplizen terrorisiert, mit Drogen vollgepumpt und vergewaltigt wird. Das gesamte Ausmass von Gewalt und Korruption steigert sich mit jeder Minute und am Ende werden einige Handlungsabläufe ins Gegenteil verkehrt, sodass am Ende auch einige moralisch fragwürdige Elemente obsiegen. Diese Entwicklungen sollten jedoch zum Nachdenken anregen.

Aber wer fragt bei einem solch gewaltigen Film nach der Logik des Plots? Man bewundert die Regiearbeit und die Bildkunst von Russell Metty, der genau weiss, wann eine Szene mit scharfen Kontrasten oder eher in weicheren Grautönen am besten wirkt. Auch Henry Mancini gelingt ein Jazz inspirierter Score, der aus dem Film atmosphärisches Erlebnis macht. Mancini sagte, dass dies seine beste Arbeit für Universal war. Es gelingt ihm tatsächlich, das Publikum durch die Handlung zu führen indem er jedem Charakter seinen eigenen musikalischen Stil verleiht. Glänzende darstellerische Leistung - wenn auch Charlton Heston neben Orson Welles etwas abfällt - rundet den Film ab. In einer Cameo Rolle ist auch Marlene Dietrich als Bordell Besitzerin und Wahrsagerin Tanya zu bewundern, trotz der wenigen Dialogzeilen, hat sie einige der besten.
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am 15. Februar 2010
Monumentale Figuren, knackige Dialoge, Refugien der Gesetzlosigkeit und kriminellen Machenschaften, und ein versoffener Polizist. Man spürt den modernen Thriller heraus, in der Art, wie sich die kriminelle Handlung und der korrupte Polizist immer mehr verkomplizieren.

In der überwiegenden Zeit des Filmes befindet sich der Polizist in einem sprichwörtlichen und symbolischen Jenseits. In einem Jenseits seiner eigenen Polizeistation, jenseits der Grenze in Mexiko, in ein Verhängnis geraten.
Dort aber ist auch Vargas, der dem Treiben nicht tatenlos zusieht. Sich aber zugleich auch noch einer anderen Sache erwehren muss. Und ihm, Vargas, stellt sich eine Front von Lügen und Verschwörung gegenüber. Doch gelingt es ihm endlich, sich aus der Falle herauszuwinden. Mit Hilfe eines anderen , der sich halbwegs auf die richtige Seite stellt, gelingt es endlich dem Treiben des Bösen ein Ende zu bereiten.
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am 15. August 2013
Hier handelt es sich um einen absoluten Klassiker und dem letzten Film, der zum sogenannten Genre Noir gehört. Der Film handelt von massiver Korruption und Verschleierung von Polizeibeamten, die sogar soweit gehen einem Unschuldigen eine Tat anzuhängen, die er gar nicht begangen hat, alleine aus dem Grund ihren Machenschaften weiter nachgehen zu können. Absolut gelungener Film für den ich fünf Sterne gebe.
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am 29. Januar 2007
Dies ist einer der ganz großen Filme von Orson Welles. Gut, daß seit einiger Zeit die rekonstruierte Fassung vorliegt, die Welles' Vorstellungen entsprechen dürfte. Sie befindet sich auf dieser DVD. Leider hat man die atmosphärisch dichte und mit hervorragenden Sprechern erarbeitete alte Synchronfassung nicht für diese DVD verwendet - sondern die lausige Neusynchronisation. Den Hank Quinlan (Orson Welles) spricht nun Edgar Hoppe, der ein sehr guter Schauspieler ist("Wenn Sie hier mal reinschlüpfen wollen!?"), aber seine Stimme paßt überhaupt nicht zum beleibten, knurrigen, schmuddeligen Quinlan. Angemerkt sei auch, daß Hoppe vor allem als Sprecher des "Hein Blöd" bekannt ist... Die anderen Sprecher bringen ebenfalls kein Leben in ihre Rollen. Zudem hört sich die Synchronisation zu hallig an - wie im Badezimmer aufgenommen, auch in Außenszenen. Erbärmlich. Aber man sollte sich solch ein Meisterwerk ohnehin im Original ansehen, und das ist über jeden Zweifel erhaben.
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am 8. Oktober 2009
Der Film ist ein Meisterwerk. Punkt. Erstens: die zu Recht als Filmgeschichte gehandelte Eingangssequenz (das lange take). Zweitens: deep focus editing (zählt mal nach, wie oft sich Welles damit Schuss/Gegenschuss erspart oder das mainstream-übliche Fokussieren auf den, der gerade redet...und eine ganz andere Dramatik in Dialoge bringen kann). Drittens: eine Geschichte wird erzählt, die uns ständig schwanken lässt, auf welcher Seite wir stehen sollen, vor allem, weil die Seiten selbst mit knappen Strichen als in sich sehr divergent gezeichnet werden. Viertens: der cast. Fünftens: eine Geschichte wird von jemandem erzählt, der weiß, wie man filmisch erzählt. In den ersten zehn Minuten ist alles da: die Grenze von Mexiko und USA und somit der allgemeine Rahmen für das Drama; gleich nach der Explosion des Autos sagt Vargas zu seiner Frau, dass das schlimm "für uns" sein könnte. Sie fragt nach: "für uns?". Und er sagt: "für Mexiko". Im Laufe des Films stellt sich heraus, dass es vor allem schlimm für das Paar ist - was es nicht sein hätte müssen, hätte Vargas sich nicht bemüßigt gefühlt, sich in einen Fall einzumischen, der ihn im Grunde nichts angeht. Dann die Szene, wo er erwartungsvoll gespannt ist, die lokale Polizistenberühmtheit Hank Quinlan kennen zu lernen, und man ihm bedeutet, dass er nur denkt, dass sei eine vielversprechende Begegnung. Damit ist der Gang der Ereignisse eröffnet, am Schluss rundet sich alles ab. Weiters: All die Abgründe. Die ganze Polizeimethodenabwägerei (hat ein Vorrezensent schon auf den Punkt gebracht). Die `Überheblichkeit von Vargas' Frau den Mexikanern gegenüber (auch etwas, was in den ersten zehn Minuten aufgetan wird und auf einen Dauerkonflikz im Film vorausweist), die Szenerie im Motel, die Hitchcock nicht nervenanspannender hätte inszenieren können. Marlene Dietrich. Die Geschichte selbst, über Loyalität, Solidarität, Gesetzestreue oder Treue zu einem Menschen/Freund trifft uns ins Innerste. Schließlich: wer jammert da über Synchronisation? Es gibt ja die Möglichkeit, den Film auf englisch zu sehen. Untertitel sind ja da....
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