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am 13. März 2017
Ein Meisterwerk des weltberühmten Regisseurs Polanski (2005, Laufzeit 125'). Besonders eindrucksvoll die Arrangements von Städten und Landschaften, die oftmals an Bilderwelten alter holländischer Maler erinnern.
Sir Ben Kingsley als skrupelloser, den abgefeimt jüdischen Charakter rücksichtlos hervorkehrender Bandenchef Fagin.
Noch immer ein unvergessliches Filmerlebnis.
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Oliver Twist dürfte wohl Charles Dickens bekanntester (Jugend-)Roman sein, was möglicherweise an seiner häufigen Verfilmung liegt, bis heute an die 25 Mal. Das liegt vielleicht daran, dass Oliver Twist eher zu den dünneren Romanen von Dickens gehört und sich so zu Verfilmung anbietet, oder weil es einfach schon zu seiner Zeit sämtliche Hollywood Klischees bedient, bzw. erfunden hat und so die Literatur geprägt hat.
2005 war es dann soweit, es musste wieder eine neue Oliver Twist Verfilmung her. Diesmal hat sich Roman Polańskis die Geschichte, wie sie seit den 30er Jahren kolportiert wird (nicht den Roman) vorgenommen. Ich bezweifle, ob Polański das Buch gelesen hat, anders ist es nicht zu erklären, dass die Geschichte erneut auf die gleiche falsche Art erzählt wird. Aber beginnen wir mit dem Anfang des Films.
Die erste Hälfte setzt deutlich späte an als im Buch, Olivers Geburtsumstände, die Geschichte seiner Mutter, alles wird weggelassen, er ist einfach ein Waisenjunge, der zu einem Sargtischler in die Lehre gegeben wird, wegläuft und sich in London einer Bande von jungen Dieben unter den Hehler Fagin anschließt. Bis zur ersten Begegnung mit Brownlow bleibt man dabei erstaunlich nahe am Buch, Dialogen werden fast wortwörtlich übernommen insgesamt ist der Film bis zur Gerichtsverhandlung wegen Diebstahls extrem gelungen. Die Figuren entsprechen (bis auf den extrem entschärften Fagin), denen im Roman, die Kulissen sind wie man es auch von den BBC Verfilmungen kennt, tolle Schauspieler passende Kostüme und dann DAS: statt endlich einmal die Geschichte so zu erzählen, wie Dickens sie schrieb, wird ERNEUT die Variante verfilmt, in welcher Sikes bei Bronwlow einbricht (hier fehlt schon mal komplett, warum er dafür Oliver mitnimmt und nicht einen anderen jungen) statt bei der Witwe Maylie. Danach hat der Film nur noch einzelne Motive mit dem Buch gemeinsam und wird immer enttäuschender.
Mit ist schon klar, dass man für eine Verfilmung kürzen muss. Hier hat man alle Nebenhandlungsstränge, die teils spannender sind als die eigentliche Haupthandlung um Oliver, weggekürzt. Die Verschwörungsgeschichte mit Monks ist komplett weggefallen obwohl sie ja einen Hauptteil von Olivers Geschichte ist. Das Buch an sich ist schon ein kitschiges viktorianisches Rührstück, der Film jedoch, reduziert die Geschichte auf ihre Hauptmotive und schwenkt danach auf eine seit den 30er Jahren falsch erzählte Variante der Geschichte über, die mit den Buch nichts mehr gemeinsam hat. Wäre es nicht an der Zeit, die Geschichte endlich einmal so zu erzählen, wie Dickens sie veröffentlicht hat? Warum schon wieder ein Remake des David Lean Klassikers? Ganze Szenen und Kameraeinstellungen sind regelrecht identisch. Man bekommt das Gefühl der Regisseur hat nicht das Buch gelesen sondern nur den Film von 1947 gesehen.
Erstaunlicherweise, obwohl der Film das Buch derartig verhunzt, ist der Film für sich genommen sehr gut. Die Kulissen, Kostüme und Schauspieler sind so, wie ich sie mir beim Lesen vorgestellt habe. Die Interpretation der Figuren ist bis auf den deutlich entschärften Fagins, der fast schon zu einem Gutmenschen wird, durchaus gelungen. Wenn man das Buch nicht kennt, ist das sicherlich ein netter Kinder und Jugendfilm, als Literaturverfilmung jedoch ist er nicht zu empfehlen.
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am 20. Juni 2010
... und zwar vom bekannten (und sicherlich nicht immer unumstrittenen) Regisseur Roman Polanski ("Tanz der Vampire" oder "Rosemaries Baby") aus dem Jahre 2005.

Die herzergreifende Story von Charles Dickens um den kleinen Waisen Oliver dürfte einigermaßen bekannt sein. Oliver wächst im England des 19. Jahrhundert in ärmlichsten Verhältnissen auf. In Waisenhäusern, in denen Kinder schwer arbeiten und oft dennoch hungern müssen, findet sich Oliver Twist wieder, einer grausamen Realität, die durch Härte und Brutalität sowie Ausbeutung (durch die Betreiber) geprägt ist.

Doch es kommt alles noch schlimmer. Oliver wird von einem Sargmacher abgeworben und muss nun bei diesem "schuften" und schläft fortan zwischen Särgen und Ratten. Zudem macht ihm ein sadistischer Geselle, der natürlich auch sehen muss, wie er "über die Runden kommt", das Leben zu einer einzigen Qual.

Daraufhin beschließt Oliver in die "große Stadt" London zu fliehen. Dort angekommen gerät er in die Fänge des Bandesführers Fagin, der seine Schützlinge zu Dieben ausbildet. Vom Regen in die Traufe, sein Dasein wird immer aussichtsloser.

Doch es gibt auch jemanden, der sich der gequälten Seele Olivers annehmen will...

Ein Film, der ans Herz geht. Wunderschön erzählt und bebildert. Alles ist bis in kleinste Detail anspruchsvoll ausgearbeitet und auch die Darsteller werden perfekt in Szene gesetzt.

Barney Clark als Oliver ist wirklich eine mehr als liebenswerte kleine Persönlichkeit, die man einfach nur gern haben muss. Sir Ben Kingsley (bekannt aus dem Meisterwerk "Gandhi") als Verführer Mr. Fagin ist einfach nur genial und allein er macht diesen Film schon zu etwas ganz besonderem.

Ein Film, der den Wunsch nach Güte, Sehnsucht, Liebe und Menschlichkeit gerade zu herausschreit. Ein Bild gewordenes Plädoyer, das man sich auf jeden Fall mal anschauen sollte.

Ein Film in edelster Ausstattung, zudem in absolut überzeugender Qualität.

Volle Punktzahl und Kaufempfehlung.
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am 18. Juni 2010
Das erste was ich dachte, als ich von der neuesten Oliver Twist-Adaption hörte, war: Es gibt doch schon so viele; muss das sein? Aber dann fiel mir ein, dass ich mit keiner Verfilmung so ganz glücklich war. An allen hatte ich etwas zu bemängeln: Sie waren mir nicht atmosphärisch dicht genug, nicht besonders kunstvoll in Bild und Ton. Roman Polanski scheint das auch aufgefallen zu sein, darum musste er seine eigene Kinoversion machen... und jetzt stimmt alles! Hier wird die richtige finstere Atmosphäre erzeugt, die mir immer vorschwebte. Die Widerwärtigkeit der Erwachsenen kommt deutlich genug rüber und die berauschende Optik hat endlich cineastisches Niveau. Von der Kameraeinstellung des "Baumelnden Bill" am Ende hätte ich am liebsten ein schön gerahmtes, großes Wohnzimmergemälde - kann mir das bitte einer anfertigen?

Diese lohnende Luxus-Edition enthält folgendes zweistündiges Bonus-Material:
- 5 Making Ofs, eins davon aus Sicht der Kinder
- Interviews mit Cast & Crew
- Trailer und TV-Spot
- Infos zu Cast & Crew
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In der Zeit der Fantasy- und Animationsfilme kommt Roman Polanskis "Oliver Twist" daher wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Es gab eine Zeit, da man den Studiofilm verachtete und Polanski beweist uns nun, dass diese Form von Kino überleben wird, weil es die Wirklichkeit herstellt ohne fragmentarisch zu wirken. Der Film ist ganz klassisch im Studio entstanden, mit echten Kostümen und Statisten, ohne Horizont und ohne weite Perspektive, ohne Himmel ist das frühindustrielle London von 1850 detailgetreu rekonstruiert worden, mit engen Gassen, Pferdefuhrwerken, Gaslaternen, Marktständen, Bettlern, Abflussrohren etc.

Zum Plot: England, Mitte des 19. Jahrhunderts, ein kleiner neunjähriger Junge und ein stattlich Uniformierter sind in der Stadt unterwegs Richtung Armenhaus. So wächst der junge Oliver Twist (Barney Clark) zunächst im Waisenhaus in ärmlichsten Verhältnissen auf, wo er, wie alle anderen Kinder auch, hart arbeiten muss. Als er den Mut hat beim dürftigen Abendessen um Nachschlag zu bitten, wird er an einen Leichenbestatter

"vermietet". Der Totengräber nimmt das Waisenkind als Lehrling auf. Als er dort unmenschlich behandelt wird, flieht er nach London. Doch hier, in der großen Stadt mit ihren grenzenlosen und labyrinthischen Straßen und Gassen, findet er kein Glück. Je tiefer er in die Stadt eindringt, umso mehr verfängt er sich im Netz des berüchtigten, kauzigen und geldgierigen Bandenchefs und Hehlers Fagin (Ben Kingsley) und dessen skrupellosen Gauner Bill Sykes (Jamie Foreman). Beide halten sich elternlose Jungs als Taschendiebe und Arbeitssklaven. Auch Oliver soll als Taschendieb ausgebildet werden. Er träumt aber immer noch von einem richtigen Zuhause, von einer richtigen Familie, Geborgenheit und Liebe. Er findet eine Beziehung zu dem reichen Gentleman Brownlow. Doch bevor für ihn ein besseres Leben anbricht, muss er noch manch spannendes Abenteuer bestehen.

Dickens Roman war, als er im Jahre 1838 erschien, nicht nur ein Protest gegen die Welt, gegen die Zerstörung der Kindheit, sondern auch eine Kampfschrift gegen das neue britische Armengesetz. Der Regisseur hat den Roman von Dickens sicherlich auch adaptiert, um eine Kindergeschichte von Armut, Elend, Schutzlosigkeit,

Einsamkeit und Leben in mittelalterlichen Verhältnissen zu schildern, wie er sie in seiner eigenen Kindheit im besetzten Polen erlebt hat.

Dickens ist sehr ironisch, melodramatisch hat eine Menge Humor und die Beschreibung seiner Figuren ist reiner Naturalismus. In Fagin hat Dickens eine antisemitische Karikatur gezeichnet, die an Shakespeares Shylock erinnert. Doch Polenski hat diesem goldgierigen Juden menschliche Züge verliehen. Fagin gibt Oliver Unterkunft, Essen und eine warme Liegestatt, erscheint also nicht als reiner Bösewicht. Es rührt zutiefst, als dieser durch Selbstekel und Gewissensqualen leidende Fagin, eine der erschütterndsten Figuren aller Dickens Verfilmungen,

vor seiner Hinrichtung im Zuchthaus den kleinen Oliver empfängt, der zu ihm sagt:"Du warst so gut zu mir."

Großartiges Kino, anrührend, Bildgewaltig ein wahres, in jeder Hinsicht stimmiges Meisterwerk von Roman Polanski. Oscar-Preisträger Ben Kingsley und der Newcomer Barney Clark überzeugen als "traumhaftes Gespann."
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am 25. Februar 2008
Oliver Twist, ein Waisenjunge, wächst im Armenhaus auf und hat schon als Kind mit Hungersnot, Diskriminierung und Kriminalität zu kämpfen. Er wird als billige Arbeitskraft an den Leichenbestatter Sowerberry vermittelt, muss dort neben den Särgen schlafen und bekommt Essensreste als Hauptmahlzeit serviert. Oliver gelingt die Flucht aus diesem Albtraum und er flieht nach London. Dort lernt er ein paar Jungs auf der Straße kennen, die als Taschendiebe arbeiten und ihre Beute dem Hehler Fagin zur Verfügung stellen. Als Gegenleistung bekommen die Jungs von ihm Essen und Unterkunft. Oliver schließt sich der Bande an und wird schon nach kurzer Zeit von Mr.Brownlow auf frischer Tat ertappt. Der steckt den Kleinen jedoch nicht ins Gefängnis, sondern nimmt ihn bei sich auf, um ihm ein besseres Leben zu ermöglichen. Das lässt Fagin jedoch nicht mit sich machen und mit Hilfe des Ganoven Sykes entführt er Oliver Twist und zwingt ihn dann auch noch, in das Haus seines Gönners einzubrechen.

Wow. Roman Polanski ist hier ein absolutes Meisterwerk gelungen. Der Film besticht durch absolut beeindruckende Bilder und durch die Bank hervorragende Schauspieler. Der Film geht tief unter die Haut, wenn man den Leidensweg des kleinen Oliver Twist verfolgt, man leidet mit der Hauptfigur mit und ist manchmal selber den Tränen nahe. Die gesamte Geschichte wird so lebendig rübergebracht, dass man das Gefühl hat, man wäre selber dabei im London des 19.Jahrhunderts und würde zusammen mit Oliver Twist durch die dunklen Gassen ziehen.
Wunderbare Kulissen, tolle Kostüme und ein traumhafter Soundtrack, der den Film noch mal um Längen nach vorne puscht. Die Schlussszene des Films geht so dermaßen unter die Haut, dass man sie erstmal nicht wieder aus dem Kopf bekommt.
Der junge Barney Clark spielt die Rolle des Oliver Twist wie ein ganz großer. Ebenfalls brilliant - Harry Eden als Schlitzohr. Der absolute Wahnsinn ist allerdings Sir Ben Kingsley in der Rolle des Fagin. Lange Zeit habe ich nicht mehr eine so überzeugende Literaturverfilmung gesehen. Für mich ein wahres Meisterwerk.
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am 28. März 2011
Charles Dickens und Roman Polanski, so fragte ich mich seinerzeit, geht denn das zusammen...? Es geht, und dabei herausgekommen ist ein Wunderwerk. Klug und richtig die Entscheidung des britischen Dramatikers Ronald Harwood, das Drehbuch auf den Kern der Handlung zu konzentrieren und deren Nebenstränge, die Dickens' wahrhaft klassische Geschichte lang und mitunter auch recht zäh werden lassen - samt für heutiges Publikum grotesk anmutender Zufallsverwandschaft - komplett zu streichen (ein Punkt, den freilich die ehrwürdige BBC anders sieht). Die allertiefste Verbeugung, sie gebührt Ben Kingsley, der es fertigbringt, der berühmten Figur des Hehlers und Ersatzvaters Fagin - in David Leans alptraumhaft düsterer Schwarzweiß-Version noch eine reine Ausgeburt der Hölle - menschliche Züge zu verleihen und sie so zur glaubhaft zwiespältigen, tragischen Figur zu machen. Und bravo Jamie Foreman alias Bill Sykes - welchem anderen Darsteller aber auch stünde der Erzbösewicht derart plastisch ins Gesicht gemeißelt? Anrührend das Spiel des jungen Barney Clark, der glücklicherweise nicht niedlich, sondern bereits ziemlich erwachsen wirkt. Auch die Nebenrollen sind ausnahmslos so passend besetzt, daß es unfair wäre, Einzelne hervorzuheben. Polanskis typische, in älteren Werken unverwechselbare Handschrift tritt hier wohl zugegeben stark in den Hintergrund, doch wer bitte wollte ihm daraus einen Strick drehen: In diesem Fall ist es sein Perfektionismus, der zählt, der auch in den Bauten und Kostümen und der Farbregie, schließlich in Rachel Portmans edlem, folkloristisch überhauchtem Orchester-Score zum Ausdruck kommt - als köstliche Abrundung einer stilvoll-spannenden, tief bewegenden, zeitgemäßen und dennoch werkgetreuen Literaturverfilmung. -- Ein Tip noch für den Unerschrockenen: Erst die englische Originalfassung macht den Genuß wirklich komplett!
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TOP 1000 REZENSENTam 22. Dezember 2013
Die Geschichte um den Waisenjungen "Oliver Twist" wurde bereits mehrfach verfilmt. Unvergessen bleibt vor allem David Leans Version sowie die farbenfrohe Musicalverfilmung des britischen Regie-Atmeisters Carol Reed, der mit "Oliver" einige Oscars erringen konnte. Allerdings finde ich keine so gut wie die neue Verfilmung von Roman Polanski aus dem Jahr 2005. Sein "Oliver Twist" wurde aber nicht einhellig begeisternd aufgenommen. Dem jungen Kinopublikum war der Stoff vielleicht zu klassisch und trotz seiner opulenten Bilder hat Polanski auch keinerlei Zugeständnisse an das heutige Publikum gemacht, sondern inszenierte seinen Film als großartiges klassisches Erzählkino. Darüberhinaus gelang es dem Filmemacher den Stoff sozialkritisch, grimmig und überaus düster zu inzenieren.
Die Geschichte ist bekannt und erzählt vom Schicksal des Waisenkindes Oliver Twist, dessen Mutter bei der Geburt starb und ihm nicht mal einen Namen hinterließ. Diesen bekommt der Kleine vom Kirchenspieldiener Mr. Bumble (Jeremy Swift), der jedem Findelkind chronologisch nach dem Alphabet einen Namen gibt. Nach "S" war ein "T" wie Twist dran. Der Junge verbringt einen Teil seiner Kindheit im örtlichen Waisenhaus, wo er zu Kinderarbeit angehalten wird. Die Kinder haben Hunger, dass sie nachts fast nicht einschlafen können. Oliver bittet nach dem Essen, um einen Nachschlag, was die Heimleitung so empört, dass man entscheidet den Jungen einem Lehrherrn zu unterstellen. So kommt Oliver in die Dienste des Leichenbestatters Mr Sowerberry (Michael Heath), der den Jungen eigentlich gut behandelt, was man aber von seiner hysterischen Gattin (Gillian Hannah) nicht behaupten kann. Als sein direkter Vorgesetzter, der etwas ältere Junge Noah (Chris Overton) Olivers Mutter beleidigt, endet das Ganze im Kampf, bei dem Oliver anschliessend schwer bestraft wird. Der Junge flüchtet und macht sich auf einen 70 km langen Marsch ins entfernte London, wo er genauso hungrig ankommt, wie er aus seiner Stadt gekommen ist. Er macht aber Bekanntschaft mit anderen Straßenkindern. Der gewiefte kleine Gauner Artful Dodger (Harry Eden) macht ihn schließlich mit dem jüdischen Bandenführer Fagin (Sir Ben Kingsley) bekannt, unter dessen Obhut sehr viele Kinder als Räuber und Taschendiebe ausgebildet werden. Auch Oliver wird in die Kunst des Diebstahls eingewiesen und macht Bekanntschaft mit dem Gangster Bill Sykes (Jamie Forman) und dessen Freundin Nancy (Leanne Rowe). Der üble Bursche hat in dem Hund Bulleye einen ständigen Begleiter. Als bei einer Diebestour von Artful Dodger Oliver von der Polizei gefasst wird, will es das Schicksal, dass der Junge vorübergehend in die Obhut des vermögenden Mr. Brwonlow (Edward Hardwicke) gelangt. Dort könnte es endlich aufwärts gehen, doch die Vergangenheit holt den Jungen wieder ein...
Polanski legt viel Wert auf tolle Bilder, sein London des Jahres 1830 ist betörend schön aufgenommen worden. Man kann in eine längst vergessene Zeit eintauchen, doch Vorsicht: Diese Zeit der Frühindustrialisierung hat sehr unmenschliche Züge. Große Armut, Verbrechen und Kinderarbeit prägen diese dunkle Zeit, die Polanski perfekt mit seinen Bildern einfangen kann. Hinter der Kamera Pawel Edelmann, der polnische Kameramann ist bekannt durch "Der Pianist" oder "Die Mühle und das Kreuz" - ein ebenfalls sehr empfehlenswerter Film mit exzellenter Kameraführung. Sehr hervorragend sind auch die Schauspielerleistungen, allen voran Ben Kingsley, der eine grandiose Vorstellung seines großen Könnens gibt. Seine ambivalente Darstellung des Hehlers, Kingsley gelingt es diese Figur authentisch und sehr glaubwürdig mit all seinen vielschichtigen Facetten darzustellen. Darüberhinaus zähle ich Polanskis "Oliver Twist" vor allem durch seine optische Stärke zu den ganz großen Kinofilmen der vergangenen Kinodekade und natürlich ist die Geschichte wie geschaffen für das ganz große Festtagsprogramm.
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am 13. Juni 2009
Die DVD hatten wir schon lange im Regal und endlich haben wir uns mal durchgerungen den Film anzuschauen. Wir waren angenehm überrascht. Ein super Film, die Darsteller, vor allem Barney Clark als Oliver Twist haben uns besonders gut gefallen, auch die schöne Filmmusik und die hervorragende Bildqualität sind lobenswert. Man konnte sich so richtig in die frühere Zeit versetzen. Dieser Film war spannend vom Anfang bis zum Ende. Er hebt sich von dem üblichen Hollywoodeinerlei ab.

Fazit: So stellen wir uns einen gelungenen Filmabend vor.
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am 23. Februar 2015
Vorbemerkung:
Barney Clark (GE)
Sir Ben Kingsley (NE)
Edward Hardwicke (GE)
Wer Sir Ben Kingsley über die Maßen preist, kommt nicht an dem Darsteller des Oliver Twist vorbei. Leider ist die deutsche Synchronstimme auf Heiserkeit geschaltet, was wir bei dem Originalschauspieler nicht vorfinden. Dafür haben wir aber eine deutschsprachige Stimme, die versteht, was sie spricht.
Vorsicht, bei Fagin von einem Bandenchef zu tönen: Seine Organisation orientiert sich an dem Tagesbedürfnis, aber nicht an zielstrebig sich steigernder Schwere der Verbrechen. Er bildet Jungen zu Taschendieben aus und stimmt sogar einem Mord zu. Dafür wird ihm der Hals lang gezogen. Die Art, wie Kingsley die Rolle des Juden Fagin im England des 19. Jahrhunderts interpretiert, lässt bewundernd auf ihn schauen.
Die Handlung:
Das Gemeindekind Oliver Twist wird zwischen Heim und herrisch-höhnendem Ausbeutertum herumgestoßen, bis er sich verzweifelt nach London aufmacht, dort von einem jugendlichen Taschendieb aufgegriffen und dessen Meister, dem Juden Fagin, vorgestellt wird. Dessen Reich beherbergt weitere Jungen, die auf Diebstahl trainiert werden. Schon bei Olivers erstem „Einsatz“ wird er nur deshalb einer mehrjährigen Zwangsarbeit entrissen, weil ein Bestohlener samt dem Buchhändler bezeugen, dass der Junge unschuldig war. In der Obhut seines Gönners genießt Oliver Vertrauen, wird aber bei einem Botengange von Fagins Verbündeten wieder zurück entführt. Beim Einbruch in eben das Haus seines Retters, Mr. Brownlow, schreit Oliver um Hilfe und wird angeschossen. (Im Roman findet das so nicht statt). Die Verbrecher, Bill Sykes und ein zweiter Einbrecher, schleppen den Jungen mit sich, und Fagin pflegt ihn mit Hilfe der Freundin Sykes', der jungen Nancy, wieder gesund. Als aber Sykes plant, Oliver als lästigen Zeugen umzubringen, nimmt das Mädchen Verbindung zu Mr. Brownlow auf und bittet ihn, Oliver aus Fagins Fängen befreien zu lassen. Sykes erfährt von Nancys Alleingang und schlägt sie tot.
Aber jetzt entsteht ein Aufruhr in der Gegend, und Sykes, der sich bei Fagin im neuen Ver-steck verkriechen will, wird durch den Hund „Bullauge“, der seinem Herrn treu folgte, verraten. Bei der Flucht, Oliver als Geisel mit sich nehmend (im Roman anders!), verunglückt der Mörder, Fagins „Nest“ wird ausgenommen, und ihm wird der Prozess gemacht.
Oliver darf ihn in der Todeszelle ein letztes Mal sehen, bevor sich Fagins Schicksal erfüllt.
Der ethische Aspekt:
Roman Polansky kürzt die Romanhandlung, indem er den Rahmen, das eigentliche Kriminalstück gegen die high society, fortlässt und statt zweier nur den einen Wohltäter, Mr. Brownlow, für das anständige Bürgertum wirksam werden lässt.
Da der Film auch Kindern zugänglich bleiben muss, wird die Gesellschaftsstudie um jene Momente gekürzt, in denen das ganze Ausmaß des Grauens vor Augen treten könnte. Aber der Film soll die jungen Zuschauer gegen die Konfession der Prügler und Gossentreter aufbringen! Keinen Zweifel soll er an der Ohnmacht der Kinder lassen, auf denen herumgetreten werden darf. Allein die Unerbittlichkeit, vor allem der Justiz, soll der Rahmen für die Anklage gegen die damalige Gesellschaft sein. Und so rettet Oliver nur sein äußeres Erscheinungsbild eines außergewöhnlich beschaffenen Kindes vor dem Wegschauen und –hören. Zu dem, was darunter sich verbirgt, erklärt sich dann der bestohlene Mr. Brownlow ahnend bereit, das Schicksal dieses Jungen mitzugestalten. Er und der Buchhändler bezeugen, dass dieser Junge nicht der Dieb ist, und so kann ihn sein Retter aus dem Würgegriff der vorurteilsbefangenen Justiz befreien. Die Notlage der Waisen als Gemeindekinder muss schockieren, - da lässt der Regisseur auch nicht locker! - die schutzlos der Willkür ihrer sadistisch-„frommen“ Peiniger und deren Gehilfen ausgeliefert sind.
Dickens geht sehr viel weiter: Er spannt einen Rahmen widerlicher Intrigen um Oliver Twist. Dass Armut ein Politikum ist und bleiben wird, kann jeder begreifen. Dickens wendet sich an deren Verursacher, an die herrschende Klasse, an den Adel. Dem liegt ein Kuckucksei im Neste, das er loszuwerden versucht. Oliver Twist ist erbberechtigt, aber seine Mutter starb bei der Geburt, und sollte Oliver jemals kriminell werden, wird ihm das Erbrecht entzogen. Der Zynismus geht dahin, dass also die Verursacher der allgemeinen Armut dieses Milieu benutzen, um in sie ein Kind zu stoßen, damit ihm die Möglichkeiten vorenthalten werde, aus sich etwas zu machen und ein gesetzestreuer Bürger zu werden. Man weiß also, dass dieses Milieu, in welchem wir Oliver vorfinden, genau so gewollt war und für dieses Kind der absolut sichere Garant dafür werden sollte, dass der Junge zum Verbrecher verkomme! – Soweit Dickens – genial eingewickelt, aber von Polansky aus der Handlung genommen, weil das erlebnisreich geschilderte Umfeld eines Kindes in solchem sozialen Sumpf per se keine Chance hätte. Und damit ist Oliver Twist das Symbol für alle Millionen Kinder dieses Erdballs, denen nichts anderes gegönnt wird als der Stoß in den Dreck. Wem das nicht Skandal genug ist, hat kein Herz und ist eine Maschine in Menschengestalt – eine Schmeichelei der Natur also – etwa wie jene Juristen?
Der schöpferische Vollzug:
Polanskys Werk gewinnt in jedem Teil das Herz des Zuschauers, weil der Regisseur aus der Perspektive des Kindes erleben lässt. Das ist in jenen Passagen schwer möglich, wo Oliver nur peripher geistig beteiligt werden kann. Aber der Regisseur lässt den Dingen aus dem Herzen des Kindes ihren eigentlichen Wert zumessen. So sind die Jungen um Fagin trotz ihrer Überlegenheit in der Sache nicht seine Feinde, sondern Schicksalsgefährten. Durch sie erwirbt auch Fagin sein Vertrauen, und was auch immer er dem Jungen zukommen lässt, damit er nicht in der Gosse verrecken muss wie ein Tier, zieht sich in Oliver als Dankesgeste zusammen, als er den alten Gauner in der Todeszelle noch einmal aufsucht. Nur Mr. Brownlow hat ein unbeschreiblich höheres Maß an Dankbarkeit zu erwarten, je länger er dem Jungen hilft. – Oliver will jedoch zunächst diesen Strich unter die Rechnung ziehen, bevor er sein neues Leben mit neuendem Blicke beginnen kann.
Süßlich-kitschige Pseudoromantik lässt Polansky nirgend aufkommen. Seine Szenen der Brutalität sind so gehalten, dass Kinder sie verkraften können. Die Behausungen, in denen Kinder für das Leben heranreifen sollen, hält man dämmrig bis düster, und nur die Gesichter einer Nancy oder der Kameraden dürfen Olivers Phantasien am Krankenlager umwehen.
Jede dieser Figuren könnte man symbolisch für die von ihnen eingenommenen Standpunkte betrachten. Irgendwo hat jeder noch so arme Strolch etwas Gefühl. Nur Sykes bleibt in seiner Bösartigkeit gepanzert, und Fagin schwankt zwischen Widerstand und Ergebung. Doch dem gewalttätigen Einbrecher ist er nicht gewachsen.
Gern wird auf Fagins „Volkszugehörigkeit“ als Jude hingewiesen, und mancher Eiferer unterstellt gerne auch Misskreditierung des Judentums, sei es bei Dickens oder den verschiedenen Filmfassungen. Von solcher Absicht kann bei Dickens keine Rede sein, ebenso nicht bei Raabe (Hungerpastor). Man übersieht geflissentlich, dass Verbrecher nie als solche geboren werden, sondern Kinder mit der Gesamtfähigkeit ihrer Tugenden sind, dass aber das einflussnehmende, sozial ungünstige Umfeld alles darangesetzt hat, sie psychisch und meist auch physisch ins Elend manövriert zu haben!
Das Bürgertum wird von Mr. Brownlow vertreten, das eigentlich Kenntnis nehmen müsste, aber im Falle Grimwigs gar nicht will, sondern den bequemeren Weg der übelsten Prognosen für die beste Möglichkeit hält, sich jeder Vergewisserung eigenen Verschuldens eines Oliver zu entziehen. Zwischen Milch- und Mehlgesichtern will er unterscheiden, aber ein Herz für das, was sie dazu gemacht hat, wurde ihm nicht anerzogen. Als sich Olivers Unschuld herausstellt, ist der alte Steinbeißer allerdings bereit, sich zu entschuldigen.
Die ungerechte Justiz hat bei Polansky wie bei den großen Schriftstellern keine Chance. Sie überwacht den Rahmen der Unbarmherzigkeit, sie kontrolliert die Motivlage und deutet fehl, und ihr gelingt es nicht, ein menschliches Wesen zu zeigen, sondern agiert wie eine Maschine.
Gänzlich der Adel steht bei Polansky vor der Tür und darf nicht herein. Dickens hingegen stellt am Ende die Weichen für Olivers Kenntnisnahme seiner Herkunft richtig. Dieser Schritt wäre bei Einbeziehung der Rahmengeschichte nötig gewesen, aber dann hätte der Film noch eine Stunde länger sein müssen, denn das Rudel der Spitzel und Auftragserfüller jener Erbschleicher war durchaus im Bunde mit jenen Kreaturen, die sich Fagins als Hehler bedienten. Diese Verwobenheit wollte der Regisseur nicht auch noch wagen. Da muss man den Erfinder dieses Jungen Oliver Twist selbst befragen. Seine Armut belegt den strafenden Grad seiner Anerkennung.
Und was bedeutet Dickens uns heute – angesichts gewisser Trickfilm-Kompressoren aus fern und nah? Tut das wirklich not, trotz exzellenter Filme und komplizierter Lebensläufe üble Comic-Kaspereien den Kleinsten vorzukauen? Olivers Schicksal – in vielleicht schon bald siebzig Folgen als gemaltes Gezappel nicht mehr ernstzunehmen? – soll das die Antwort auf die Bedeutung eines Charles Dickens werden? Oder was soll das unlängst vom Stapel der BBC gelassene Possenspiel wildgewordener Frauenfetischisten, in deren Film Nancy die Hauptperson der Handlung wird und Oliver billiger Laufbursche der notwendigen Sensationsflicken?
Bei Oliver ging es darum, ihn charakterlich so zu ruinieren, dass er nachweislich nicht mehr erbberechtigt sein konnte. Bei der Interpretation eines Dickens geht es auf's Ganze: Was immer er schrieb, wird derart entstellt dargeboten, dass die eigentliche Sentenz wie ein Taschenspielertrick funktioniert, nämlich als Unterhaltungsgag ohne tiefere Bedeutung. Polansky hat die Kernprobleme nicht verniedlicht oder bagatellisiert, sondern sie in ihrer Funktion und Wirkung unzweideutig sich ausbreiten lassen.
In jedem Falle sollte sich der geneigte Filmenthusiast das literarische Original nicht vorenthalten lassen, denn zum faktischen Erörtern reicht uns Dickens die Kraft seiner bezugnehmenden Sprache, die zugleich die Sache beschreibt und ihren Charakter spiegelt.
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