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am 2. Juni 2009
Im alles andere als einfach zugänglichen Gesamtwerk von Ingmar Bergman nimmt "Vargtimmen" noch einmal eine Sonderstellung ein. Diesmal ist der Bruch mit der traditionellen Erzähltechnik total: "Die Stunde des Wolfs" erzählt nicht von Punkt A nach Punkt B, sondern will als Bebilderung eines psychischen Extremzustandes verstanden sein. Bergmans These: je mehr Zeit zwei Menschen miteinander verbringen, desto mehr gleichen sich ihre Innenwelten aneinander an. Um das zu zeigen, schickt er Max von Sydow und Liv Ullmann auf eine wahre Höllenfahrt in die Tiefen der Seele. Es gibt Bilder in diesem Film, die man nicht mehr vergisst. Der vom Stummfilm inspirierte, überkontrastiert gefilmte und mit geisterhafter atonaler Musik unterlegte Mord an einem Jungen. Die einer Wahnvorstellung entsprungene, bizarre Abendgesellschaft in einem weitläufigen, finsteren Schloss. Eine alte Frau, die sich das Gesicht abzieht. Völlig neu kontextualisierte Horrormotive. Und schließlich: der mehr und mehr anschwellende Wahn in den Augen von Sydows. Dies alles macht "Vargtimmen" zu einem extrem beklemmenden Geisterstück - so abgründig war selbst Bergman selten.
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am 11. November 2014
Ingmar Bergmanns angsteinflössend, düsteres Vexierspiel mit verzerrten Realitäten, mit den quälenden schattenhaften Dämonen zerrütteter Geisteszustände ist ein Meisterwerk der Extraklasse.
Er gehört neben "Das siebente Siegel", "Das Schweigen", "Das Gesicht", "Persona", "Schreie und Flüstern" für mich zu den eindrücklichsten Zeugnissen seiner bezwingenden hypnothischen Kunst.
Ein Film wie aus einem Guß, in sich funkelnd wie ein einziger vollkommen entrückter schwarzer Diamant.
Einige Jahre später konnte ein junger David Lynch seinen surrealen Kultstreifen "Eraserhead" auf die Leinwand bringen, und es steht fest, daß eine Inspirationsquelle wohl "Die Stunde des Wolfes" war, gerade auch was die schneidend kontrastierende Schwarzweiß Photographie betrifft.
Bergmans Mysterienspiel hat sich hier gänzlich den metaphorischen Traum und Alptraum Strukturen ergeben , ohne eine nachvollziehbare Handlung, ganz Angstvision und Unerklärbarkeit.
In der Nacht zwischen Mitternacht und Morgengrauen sterben die meisten Menschen.
In der Zeit um vier Uhr Nachts manifestieren sich quälenden Phantasmagorien der Seele, nehmen urbane Schuldgefühle, verdrängte Schreckgespinste furchtbare Gestalt an.
Zu dieser Stunde, so verkündet uns im Vorspann der Film, verschwand vor ein paar Jahren der Maler Johann Borg von seinem Zuhause auf einer einsamen zerklüfteten Insel.
Die Tagebucheintragungen seiner Frau Alma und ihre direkten Aussagen in die Filmkamera zu Anfang und Ende sind die erschreckende Basis auf dem das filmische Geschehen beruht.
Was wir nun neunzig Minuten erleben, ist ein leuchtendes Beispiel für reine Kinokunst, die losgelöst von chronologischen Ereignissen sogartige Suggestionskraft und unheilvolle kafkaeske Psychose darstellt.
Das langsame Abdriften des Malers in den Wahnsinn, die klaustrophobisch, enge Beziehung zu seiner Frau Alma, die vollkommene Isolation auf einem abgelegenen Eiland- das ist nagende Unausweichlichkeit, unheimliche Geistergeschichte und halluzinogener Totentanz in einem.
Minutenlange frappierende Einstellungen auf die ausdrucksstarken Gesichter, intensiv packende Dialoge, mystische Begegnungen.
Johan Borg kann zunehmend nachts keinen Schlaf finden. Schweiß steht auf seiner Stirn. Unruhe überfällt ihn.
Traum und Wirklichkeit verschwimmen. In quälender Hektik versucht er die seltsam unergründlichen Gestalten seiner Alpträume zu zeichnen.
"Da ist eine alte Dame, die mich kalt lächelnd grüßt, ...die ihren großen Hut vor mir zieht- und mit dem Hut ihr Gesicht abnimmt."
Mehr und mehr Nachtmahre bevölkern Johans verzerrte Wirklichkeit.
Gemeinsam mit seiner Frau taucht er ein in eine bizarre Welt des Verfolgungswahns, bevölkert von irrlichternden Vaterkomplexen, erotischen teilweise nekrophilen Versuchungen , rettungslos ausgeliefert an fremdartige Mächte. Eine Collage der Abgründe von seelischen Verstrickungen.
Plötzlich eine Einladung in ein seltsames Schloß auf der Insel, das vorher nicht existierte.
Die fremden Herrschaften feiern ein zunehmend groteskes Fest.
Ingmar Bergmann entwirft mit seinem hervorragenden Kameravirtuosen Sven Nykvist hier Szenerien , die uns Zuschauern tatsächlich jegliche Ebene von Orientierung oder Sicherheit der Realität unter den Füssen wegziehen.
Mehr und mehr Abgründe tun sich auf. Was hat es mit dem Mord an einem kleinen Jungen auf sich, was mit den zunehmend aufdringlichen Schreckgestalten, die Johan in ihre Anderswelt hinüberziehen wollen.
Von hintergründig, märchenhaft bis zum existenzialistischem Grauen reicht Bergmanns atmosphärische Palette.
Dabei zeigen Max von Sydow, ebenfalls auch Liv Ulmann in ihrer einprägsamen Rolle der Ehefrau Höchstleistungen der Schauspielkunst.
"Die Stunde des Wolfes" ist durch die unfassbar grandiose Kombination von Licht, Schatten, hervorragender Kameraarbeit und traumwandlerischer Groteske ein dermaßen intensives, berauschendes Kinoerlebnis, wie man es selten zu sehen bekommt.
Mit allen Konventionen des vordergründigen Erzähl- Kinos wird gebrochen. Lauernd, betörend, und gleichzeitig niederschmetternd düster voll bizarrer Verstörung und Unsicherheit.
Wir selbst sind eingeschlossen in diesem düsteren Seelengefängnis, ausgeliefert einem allumfassenden Mysterium.
Sind die Alpträume Ausdruck der quälend drückenden Enge der Partnerschaft:
"Wenn zwei Menschen lange zusammenleben, werden sie immer ähnlicher", sagt Alma, und " unsere Küsse sind so selten , ich kann sie fast zählen".
Könnte Alma letztendlich sogar schuld am Tod ihres Mannes sein, die Schüsse, die auf sie abgegeben wurden, nur Ausdruck ihrer eigenen Wirklichkeitsverschiebung ? Ein Spiel mit dem Zuschauer um die Wahrheit, um die Depersonalisierung von Identitäten Letztendlich könnte man auch fragen, ob es den Maler Johan Borg je gegeben hat, oder ob wir von Anfang an den wirren Strudel aus manischen Traumfetzen der einsamen Frau erleben?
Diffus, niemals schlüssig und beklemmend eindringlich bleibt "Stunde des Wolfes" ein ewiges Geheimnis, und gleichzeitig einer der besten Filme, die ich je sah.
Sind es vielleicht die autobiographischen Leidenszustände einer überspannten Künstlerbiographie und erleben wir damit Bergmanns persönlichsten Blick auf seine eigenen inneren Dämonen ?
"Die Stunde des Wolfes" einer der unzugänglichsten Filme aller Zeiten, und einer der atemberaubend spannendsten, weil vollkommen in sich geschlossen und losgelöst von allen Spielregeln.
Phantastisch das Spiel mit der Zeit, wenn Max von Sydow einmal schmerzverzerrt vor psychischer Qual die Sekunden einer schlaflosen Nacht zählt. Später werden sich, wie eine sinistere Horde von Blutsaugern die Partygäste um das hilflose Ehepaar scharen, es verhöhnen und verspotten.
Schizophrenie, Paranoia, die Bilder werden immer monströser.
Die Tonspur weist gänsehauterregende Verfremdungen auf. Alleine die Szene ,als Alma und Johan sich beim Dinner auf der Party befinden, die suggestive Kamera auf ihren angstvollen Gesichtern verweilt, während wir einen zuerst belanglosen Party Small Talk zwischen den Gastgebern hören, in den sich dann immer mehr irritierend bedrohliche Schlagworte mischen, ist ein filmisches Meisterstück.
Böden, Wände des Schlosses sind nun mehr scheinbar schwerelos zu erklimmen, ein Puppentheater mit menschlichen kleinen Figuren, die Mozarts Zauberflöte intonieren, ein erschlagener Junge der im Meer versinkt, die alte Frau , die langsam ihr Gesicht abnimmt, das ist schwebendes Grauen, das an der Kehle packt.
"Die Stunde des Wolfs" umklammert unser Unterbewusstsein, trägt uns durch die Leinwand fort in seine verwirrend psychotischen Angstgemälde.
"Wenn wir aufwachen, dann fürchten wir uns " sagt der gepeinigte Maler Johann Borg, der zerfurchte hagere Mann, von dem wir eigentlich nicht wissen, ob es ihn überhaupt gibt, und ebenfalls in welcher bedrohlichen Wirklichkeitsebene wir selbst uns befinden.
"Dann fürchten wir uns"..., fürwahr. Selten wurde unterschwellig erdrückende Furcht so packend zu einer betörenden Leinwandillusion wie hier.
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TOP 1000 REZENSENTam 4. Oktober 2015
...und ist generell - auch in Bezug auf den ohnehin nicht leicht einzuordnenden Filmnachlass des schwedischen Meisterregisseurs - eine Art Sonderling (unter Sonderlingen, wenn man so will).

Das im schwedischen Original betitelte VARGTIMMEN erschien 1968 und leitete die sogenannte Farö-Trilogie Bergmans ein, der außerdem noch die beiden Filme SCHANDE und PASSION angehören. Hauptprotagonisten der gesamten Farö-Reihe sind Max von Sydow sowie Liv Ullmann, die jeweils ein Ehepaar - jedoch in unterschiedlichsten Situationen/Ausgangslagen - verkörpern.

In vorliegendem Schwarzweiß-Streifen geht es um den zunehmenden Wahn des Malers Johan Borg (ja, der Name Borg kam auch in Bergmans früherem Meisterwerk WILDE ERDBEEREN schon vor), der mehr und mehr von inneren Dämonen verfolgt und gequält wird. Seine Frau Alma Borg (Liv Ullmann), die sich bemüht, verständnisvoll zu sein und schwört, ihrem Mann nicht von der Seite zu weichen, bekommt im Laufe der Handlung und nach Studium seines Tagebuchs auch Kontakt mit Johans Innenwelt und sieht gegen Ende sogar jene Wesen (mit menschlichem Antlitz), von denen sich dieser verfolgt fühlt.

Zum Plot (Achtung - SPOILERGEFAHR!):
Der Film beginnt - wie gewohnt - mit typischem Filmvorspann, wobei man hier im Off Regieanweisungen Bergmans hören kann. Angeblich wollte er somit etwas Objektivität zum sehr persönlichen Stoff des Streifens schaffen.
Danach sieht man Alma, die sachlich vom Verschwinden ihres Mannes berichtet. Schließlich wird per Rückblende die Geschichte aufgerollt, wobei die Story mit der Ankunft des Paares in ihrem Haus auf Farö beginnt.
Nach wenigen entspannten Momenten zeigt sich Johan zunehmend verändert und distanziert. Er berichtet seiner Frau von seinen Vorstellungen und zeigt ihr sogar selbstgemalte Bilder seiner inneren Dämonen (die man zunächst als Zuschauer aber nicht sehen darf). Die Nächte werden gemeinsam durchwacht, da Johan vor lauter Angst im Dunkeln nicht mehr schlafen kann. Quälend lange zwingt sich das Paar aufzubleiben, nachdrücklich dokumentiert wird dies, als Johan das Verstreichen einer Minute mit seiner Gattin und den Zusehern teilt.
Später erhält Johan von einem Grafen eine Einladung auf dessen Schloss, die Johan gerne annimmt. Doch dort angekommen, fühlen sich der Maler und dessen Frau sichtlich unwohl. Mit penetranter Aufdringlichkeit stellen die skurrilen Gäste (welche davon echt sind und welche lediglich der Fantasie des Hauptprotagonisten ensprungen sind, bleibt offen) unangenehme Fragen zu seinem künstlerischen Schaffen und seiner Vergangenheit, was auch die ehemalige Geliebte, eine gewisse Veronica Vogler, auf den Plan ruft, die immer noch einen bedeutenden Platz in Johans Leben einzunehmen scheint. Die daraus resultierende Eifersucht Almas macht die Sache für Johan nur noch unerträglicher. Tatsächlich bekommt man Veronica im Film auch zu Gesicht, allerdings ist auch hier nicht klar, ob es sich nicht nur um eine Vorstellung Johans handelt. Überhaupt, so glaube ich, könnte man die Figur der Frau Vogler auch als Metapher für die Muse des Künstlers sehen, von der die Hauptfigur besessen ist. So gesehen ist auch der persönliche Bezug zu Bergman, der dies später selber öfter bestätigt hat, unschwer zu erkennen...
Nach dem ersten Besuch auf dem Schloss und nach kurzem Streit zwischen Johan und Alma, kommt ein bewusster Bruch, der durch die Einblendung es Filmtitels (VARGTIMMEN) bewusst herbeigeführt wird.

Nun sitzt das Ehepaar wieder einmal spätnachts zusammen im Haus und Johan erzählt von der sogenannten "Stunde des Wolfs" (zwischen Mitternacht und Tageseinbruch), von der er sich am meisten fürchtet und er beschreibt ein traumatisches Kindheitserlebnis, als er zur Strafe in einem dunklen Schrank eingesperrt und anschließend vom Vater verprügelt wurde. Schon alleine die detaillierten Ausführungen des Erzählenden reichen aus, um ein sehr unbehagliches Gefühl beim Zuseher auszulösen - brrrrr.
Dann rückt er - quasi als Draufgabe - mit einer verstörenden Geschichte heraus, die mittels überbeleuchteter und gänsehauterregender Zwischensequenz auch von den Zusehern (bildlich) mitverfolgt werden kann. Johan glaubt, einst einen Jungen getötet zu haben - wobei auch hier offen bleibt, ob dies ebenfalls nicht nur seinen Wahnvorstellungen geschuldet ist.
Anschließend klopft es an der Türe und eine neuerliche Einladung auf das mysteriöse Schloss folgt, wobei der Überbringer der Nachricht einen Revolver da lässt, damit sich das Paar gegen Kleinwild verteidigen könne.
Alma, die nach wie vor zu ihrem Mann steht, aber selber immer größere Zweifel hegt, bleibt hartnäckig und fordert Erklärungen zur ehemaligen Geliebten, die offenbar auch in Johans Tagebuch ausführlicher zur Sprache kommt. Dieser kann jedoch nur bruchstückhafte Antworten liefern, fühlt sich aussichtslos in die Enge gedrängt und feuert drei Schüsse auf seine Frau ab. Dann verschwindet er und macht sich auf zum Schloss (auch das könnten wiederum nur Wahnvorstellungen sein). Dort kommt es zum eigentlichen Höhepunkt des Films. Johan trifft auf all seine inneren Dämonen (die offenbar bereits die Gäste bei der vorangegangenen Einladung waren), die ihm im verwinkelten Schloss den Weg zu seiner Geliebten, Veronica Vogler, zeigen. Dabei kommt es zu mehreren skurrilen und eigenartigen Geschehnissen (die vermutlich länger im Gedächtnis haften bleiben). So zieht sich eine Figur - eine ältere Dame - z.B. ihr Gesicht ab, Augen werden in Weingläser geworfen, der soganannte Vogelmensch geht eine Wand hinauf und bleibt kopfüber auf der Decke stehen... Schließlich erreicht Johan einen Raum, in dem seine Muse/Geliebte aufgebahrt liegt. Der Maler betrachtet sie mit wahnverschwollenen Augen und liebkost sie zärtlich mit seinen Händen, ehe beide beinahe stürmisch übereinander herfallen, was aber durch das schallende Gelächter aller anderen Dämonen/Figuren, die den beiden offenkundig zusehen, zunichte gemacht wird...
In der nächsten Einstellung sieht man Alma in einem Waldstück herumirren, die verzweifelt ihren Mann sucht und offenbar doch nicht tödlich durch dessen Schüsse verwundet worden war (was bis dahin unklar ist). Schließlich - und ausgerechnet mithilfe eines Dämonen (sieht sie zu diesem Zeitpunkt nun also auch schon dasselbe wie ihr Gatte?) - findet sie ihn und muss hilflos dabei zusehen, wie er von seinen Dämonen drangsaliert und getötet wird. Vermutlich begeht Johan aber Selbstmord bzw. verfällt er hier endgültig seinem Wahn...

Am Ende sieht man wieder Alma wie in der Anfangseinstellung, die darüber spricht, dass sie ihren Johan nicht retten konnte und die sich offen (und somit dem Publikum) die Frage stellt, ob sie ihren Mann zu viel oder zu wenig geliebt hätte, um ihn vor seinem Schicksal bewahren zu können.

Man sieht: VARGTIMMEN ist alles andere als leichte Kost. Selbst für Menschen, die durchaus schwerer verdauliches Filmmaterial gewohnt sind, stellt DIE STUNDE DES WOLFS eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar.
Ich persönlich finde den Streifen recht gut und würde ihn irgendwo zwischen Bergmans ganz großen Leinwandwerken (z.B. DAS SIEBENTE SIEGEL, WILDE ERDBEEREN, PERSONA, DAS SCHLANGENEI) und dessen eher durchschnittlicheren Filme (z.B. SCHANDE) einreihen.
Max von Sydow spielt meisterhaft und lässt nie Zweifel über sein Talent aufkommen. Brilliant verkörpert er den von zunehmendem Wahn geplagten Künstler, der Realität und Vorstellung immer weniger voneinander unterscheiden kann. Auch Liv Ullmann spielt gewohnt gut.
Sehr gut gefallen mir vor allem auch die lange im Gedächtnis bleibenden Sequenzen im Schloss, die sehr skurril und grotesk anmuten, aber filmästhetisch wunderbar umgesetzt wurden.
Im Gegensatz zu anderen Kritikern hier (aber jeder soll nur seine subjektive Meinung vertreten - gut so) finde ich den Film nicht langweilig. Wenn überhaupt, dann wirkt der erste Teil (bis zur Titeleinblendung) ein wenig langatmig und zäh. Der zweite Teil hingegen ist geradezu gespickt mit Highlights und es ist durchaus spannend und fesselnd, Bergmanns Horrorfilmversuche so eindrücklich mitverfolgen zu dürfen...

In gewisser Weise unvollkommen - und deshalb gibt's von mir auch einen Stern Abzug - ist aber letztlich der Plot an sich. Im Grunde will der Film gar nicht im herkömmlichen Sinne verstanden und/oder nachvollzogen werden, vielmehr sollen seine sonderbaren Horror- und Wahnmotive den passiv konsumierenden Zuseher mit Ekel, Abscheu und Faszination abspeisen. Und genau das macht den Streifen (aus meiner bescheidenen Sicht) für Bergman so untypisch. Der Zuseher soll sich im Grunde keine Lösungsstrategien überlegen und soll gar nichts für sein eigenes Leben mitnehmen (kein "Lehrstück" im brechtschen Sinne also). Bestenfalls gewährt Bergman einen intimen Seeleneinblick in sein eigenes Ich, der als gegeben und unabänderlich hingenommen werden muss/soll.
Aber gut: Wie soll man zugleich seine innersten Dämonen offenbaren und dabei das Publikum aktiv miteinbeziehen?? Einen solchen künstlerischen Gewaltakt zu vollbringen, wäre sogar von einem Filmgenie, wie Ingmar Bergman zweifelsohne eines war, zu viel verlangt...

Zurück bleibt ein (weiterer) guter, stellenweise eigentlich beeindruckender Bergman-Schinken (der mit rund 85 Minuten Spielzeit aber gar nicht mal so lange ausgefallen ist), der ein wenig aus der Reihe tanzt und mit Horrorfilmmotiven liebäugelt. Im Gesamten gesehen ist DIE STUNDE DES WOLFS meines Erachtens bestimmt nicht Bergmans größtes und/oder bedeutendstes Werk, allerdings dürfte es wohl tatsächlich eines seiner persönlichsten sein, was es - neben durchaus vorhandener Highlights aus filmkunsttechnischer Sicht - ja auch nicht gerade uninteressanter macht...

Von besagter Farö-Trilogie habe ich bislang - neben vorliegendem Streifen - auch schon SCHANDE gesehen (auch hierzu gibt es bei Interesse übrigens eine Rezension ;)), der mir insgesamt nicht so gut gefallen hat wie eben DIE STUNDE DES WOLFS.

Macht aus meiner Sicht 4 Sterne geradeaus. Gerne gesehen und gerne damit auseinandergesetzt. Jetzt fehlt mir eigentlich nur noch PASSION...

Schlussresümee: Der Streifen ist - trotz wirrer Struktur - auf seine Weise natürlich einzigartig und für Bergman- und Filmfreunde deshalb sicher empfehlenswert!

Prädikat: SEHENSWERT.
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am 11. März 2016
Ich habe 4 Sterne vergeben, weil ich einen exzellenten, künstlerisch anspruchsvollen Schwarz-Weiß Horrorfilm gesehen habe, der ein bisschen diffus ist.
Mir hat erst mal die schauspielerische Leistung aller Darsteller gefallen und die exzellente Kamera, viele Szenen haben auf mich eine surreale Faszination ausgeübt und ich glaube, dass zart Besaitete ein ums andere mal eine Gänsehaut kriegen, der von einem subtilen Horror ausgeht. Es gibt auch ein bisschen kunstvoll inszenierte Erotik. Ich finde, die Qual des Verfolgten eines seelisch gepeinigten wird sehr gut dargestellt.
Nicht gefallen hat mir, dass nicht alle Fragen beantwortet werden und viel Raum für Spekulation offen bleibt. Der Film scheint weniger eine logische Handlung zu haben, sondern scheint mehr eine Empfindung artikulieren zu wollen und nutzt dafür die Stilistik eines Albtraums.
Ich empfehle den Film jeden, der subtilen, psychologischen Horror mag und genug Einfühlungsvermögen besitzt, dem Film zu folgen.
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am 24. Juli 2007
Die Stunde des Wolfs" ist ein ganz besonders faszinierender Film von Ingmar Bergman. Das Paar Johan und Alma leben seit sieben Jahren fast das ganze Jahr über auf einer Insel, die wahrscheinlich zur Ostseeinsel Gotland gehört. Die Stamm-Darsteller Liv Ullmann und Max von Sydow sind wahrhaftig ein beeindruckend schönes Paar. Liv Ullmann spricht den Prolog und den Epilog, wie sie das schon öfters in Bergman-Filmen getan hat. Johan und die schwangere Alma lieben sich wirklich, was zwischen beiden steht ist die frühere Geliebte Johans, Veronica Vogler. Dass Johann Veronica nicht vergessen kann überschattet das Glück der beiden. Er kann nachts nicht schlafen, er und Alma warten immer den Tagesanbruch ab, weil Johan sich vor der Dunkelheit fürchtet. Diese Furcht hat ihren Ursprung in traumatischen Kindheitserlebnissen. Alma beschäftigt sich in Gedanken viel mit der Tatsache, dass es Paare gibt, die durch ein lebenslanges Zusammenleben einander gedanklich und vom Gesichtsausdruck her ganz ähnlich werden. Sie träumt davon dass auch ihr und Johan dieses Glück beschieden sein wird, dass sie gemeinsam alt und einander ganz ähnlich werden. Johan ist Maler und wird eines Tages vom Eigner der Insel, einem Baron, mit Alma auf dessen Schloß zum Speisen eingeladen. Eines morgens erscheint Alma eine Angehörige der Schlossfamilie und empfiehlt ihr das Tagebuch Johans heimlich zu lesen. In diesem surrealistischen Film, ganz besonders beeindruckend durch das Schwarz/Weiß-Format, verwischen sich Realität und Phantasie und sind schwer zu durchschauen. Alma liest in dem Tagebuch. Johan erlebt surrealistische Begegnungen wenn er die Schönheit der kargen Insel malt. Auch erscheint ihm Veronica Vogler, die ihm erschreckende Ereignisse prophezeit. Als Johan und Alma die Einladung zum Essen im Schloss annehmen, lernen sie die gesamte Schlossfamilie und einige zwielichtigte Verwandte kennen. Der zwielichtige Herr Lindhorst, der Ähnlichkeit mit einem Vogel hat, lädt die Abendgesellschaft nach dem Kaffee zu einer kleinen Aufführung seines Puppentheaters ein. Ein Ausschnitt aus Der Zauberflöte" wird gespielt. Während Herr Lindhorst die Szene aus der Zauberflöte in seinem Puppentheater ablaufen lässt, fällt das Licht und der Schatten in diesem finsteren Schloss tatsächlich so auf sein Gesicht, dass er einer Krähe ähnlich sieht. Die musikalische Untermalung der Szene aus der Zauberflöte beeindruckt alle ZuseherInnen dieser Abendgesellschaft. Johan fühlt sich nicht wohl dort bei der Familie, er trinkt zuviel, wird etwas aggressiv. Irgendwie haben alle Ereignisse an diesem Abend einen Bezug zu der Existenz Veronica Voglers. Auch die Szene aus der Zauberflöte, dargestellt durch das Puppentheater, haben Bezug auf sie. Johan erkennt dass Veronica noch lebt, wie Pamina, als Tamino verzweifelt den unsichtbaren Chor fragt: Lebet Pamina noch ? und der Chor antwortet: Pamina lebet noch." Als FilmzuseherIn ist man absolut gefesselt von dem Handlungsablauf. Ergreifende Worte werden von dem Intellekutellen Herrn Lindhorst über Mozart und die Zauberflöte gesprochen. Die Ehefrau des Barons von Mertens zeigt dann noch ein Portrait Veronica Voglers, das Johan vor vielen Jahren gemalt hat. Auch Alma ist fasziniert von der Schönheit Veronicas. Auf dem Heimweg in ihr Seehäuschen hat Alma ängstliche Gefühle, dass ihre Beziehung zu Johan durch die Schlossfamilie gefährdet wird. Sie gesteht Johan dass sie sein Tagebuch gelesen hat. Als beide wieder in ihrer Seehütte sind erzählt Johan über die Stunde wenn die Nacht zur Neige geht und die Morgendämmerung kommt. Dies sei die Stunde des Wolfs, in der nach Legenden die meisten Menschen sterben und die meisten Kinder geboren werden. Johan gesteht Alma dass er einen Jungen getötet hat, durch den er sich beim Angeln beobachtet und gestört gefühlt hat. Seinerzeit erzählte Johan Alma dass seine Verletzung am Hals von einem Schlangenbiss gekommen sei, in Wirklichkeit aber vom Todeskampf mit dem Jungen kam. Diese Geschehnisse entspringen den Halluzinationen Johans durch seine psychische Krankheit. Nachts erscheint wieder einer der Schlossbewohner in dem Haus, obwohl die Tür zweimal verschlossen war, und lädt das Paar erneut zu einer Party im Schloss ein und lässt eine Pistole auf dem Tisch liegen mit dem Hinweis zur Verteidigung gegenüber Kleintieren auf der Insel. Er erzählt dass auch Veronica Vogler auf dieser Party anwesend sein wird. Alma wird jetzt aktiv und holt das Tagebuch Johans hervor und will mit ihm über Veronica sprechen. Zwischen dem Paar werden gewaltige Worte gesprochen, Alma zitiert aus dem Tagebuch dass Johan seine Beziehung zu Veronica mit den Bibelworten Mann und Frau zu einem Fleisch geworden" ansieht. Alma erinnert Johan an dessen Worte, dass er zu ihr einmal gesagt hat was er an ihr liebt ist dass er glaubt dass sie (Alma) von Gott aus einem Stück geschaffen wurde, dass sie zu echten Gefühlen und aufrichtigen Gedanken fähig ist, und wie wichtig es ist dass es solche Menschen gibt. Johann spielt mit der Pistole und Alma wird von ihm mit harten Worten weggeschickt. Er eilt zum Schloss und begegnet der Mutter des Schlossherren, die ihm den Aufenthaltsort Veronicas verrät. Er begegnet dem gegenwärtigen Geliebten Veronicas und dann Herrn Lindhorst, dem Vogelmenschen". Er wird von ihm verschönert, mit Lippenfarbe, Lidstrich und Puder und bekommt noch einen Pyjama und einen Morgenmantel für sein bevorstehendes Liebesabenteuer mit Veronica. Dazu muss man sagen dass der Darsteller Max von Sydow aussieht wie ein griechischer Gott aus der Antike, nachdem er von Herrn Lindhorst geschminkt wurde. Johan schreitet in einen grossen Saal und sieht eine mit einem Tuch bedeckte Figur auf einer Bahre, das Bild erscheint wie ein Sezierraum in der Gerichtsmedizin. Er geht vorwärts und nimmt nach und nach das Leichentuch von der angeblich toten Person ab und erkennt Veronica, die sich tot stellt. Er kann es nicht fassen und streicht ihr liebevoll vom Gesicht und Haar bis zu den Fussspitzen, als Veronica plötzlich hysterisch zu Lachen anfängt. Sie umarmt ihn und küsst ihn wild und ungestüm. Plötzlich steht die Schlossfamilie hinten ihm Saal und stimmt ein Gelächter wie aus dem Jenseits an. Dieses Gelächter soll Johan in seinen Gefühlen erniedrigen. Durch die Zärtlichkeiten mit Veronica verwischt sein Make-up und er hat den Gesichtsausdruck eines Wolfs, der ein Schaf gerissen hat. Diese eindringlichen Szenen lassen die geliebte Veronica als austauschbares Objekt erscheinen, das sich mit der Schlossfamilie, von Johan abwertend als die Menschenfresser" genannt, verbündet hat um ihn zu verhöhnen. Johan durchschaut die Szene schnell und bedankt sich bei Veronica für diese Inszenierung, er sagt ihr die Grenze sei endlich überschritten, er fragt allerdings Veronica noch, was die Scherben reflektieren ? Veronica sitzt als Sexualobjekt wortlos da und ist plötzlich von einer Minute auf die andere entzaubert. Durch diese furchtbaren Erkenntnisse und Erlebnisse schafft Johan es sich von dem Zauber Veronicas zu lösen und die Wahrheit zu erkennen. Durch diese Szenen wird eine Katharsis Johans dargestellt. Johan in seiner Verzweiflung irrt auf der Insel herum, mal im Seehaus, Tagebuch schreibend, mal irrt er in den Wald. Alma läuft ihm hinterher, weil sie Angst hat ihm könnte etwas zustossen. Die furchtbare Schlossfamilie beobachtet das unheimliche Geschehen. Die von Johann als Menschenfresser" bezeichneten Schlossbewohner sind überall und beobachten ihn. Der Film endet schliesslich mit dem Epilog Almas, die sich wieder Gedanken macht ob es nicht tatsächlich so ist, dass Liebende, die ein Leben lang zusammenleben, einander ähnlich werden. Sie zweifelt ob ihre Liebe gross genug war Johan zu beschützen. Der Anspruch an die geneigten ZuseherInnen sehe ich darin, dass jede/r sich selbst einen Schluss ausmalen kann. Vielleicht wird Johan wieder gesund und überwindet die grauenhafte Enttäuschung über seine vergangene Liebe und findet mit Alma wieder zusammen. Auffallend ist von Beginn bis Ende des Films die zärtlich streichenden Gesten seiner feingliedrigen Hände über das Gesicht und Haar Almas. Auch zum Ende des Films, in seinem Wahn, streichelt er zärtlich den Kopf Almas, obwohl man nicht genau sehen kann ob er sie wirklich erkennt. Ein grandioser Film, ohne jede Einschränkung zu empfehlen. Grosses Kino !
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am 26. Februar 2014
Eigentlich ist in den Filmen von Ingmar Bergman immer irgendwas interessant und das macht seine Filme auch im Gesamten für mich gut. Hier in diesem bekomme ich das Gefühl nicht. Er fängt gut an, entgleitet dann im Laufe der Zeit, bestimmt absichtlich, um den Wahn des Künstlers so einzufangen. Max von Sydow spielt zwar perfekt und auch Liv Ullmann ist sehr gut. Dies sind die zwei wichtigsten Rollen in dem Film. Deshalb gebe ich auch ein Stern mehr. Aber als der Film zu Ende war, fühlte ich so, als ob er stundenlang gelaufen wäre. So wird auch in dem Film die "Stunde des Wolfs" erklärt. Deshalb wird das wohl auch ein guter Film sein und für Filmfans ist er wohl auch eine Empfehlung wert. Aber ein schöner Film ist es für mich nicht. Man muss sich zwingen, ihn bis zum Ende anzuschauen. Das habe ich jetzt gemacht.

Meine Schulnote: 4-
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am 23. April 2015
Anders als z.B. "das Siebte Siegel" ist "die Stunde des Wolfes" ist ein selten gezeigtes Meisterwerk Bergmanns. Die düsteren Bilder und Phantasien bekommt man nicht so schnell wieder aus dem Kopf und das ist gut so.
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am 23. Mai 2015
schließe mich der meinung von Revilo Sier vollkommen an.
der film ist unendlich in die länge gezogen d.h. lange endloslange todlangweilige dialoge.
ähnlich öde wie tödliche umarmung, das messer im wasser (polanski)...
von spannung nicht die geringste spur.
absolut nicht empfehlbar, sorry.
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