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TOP 500 REZENSENTam 19. August 2016
Im Jahr 1993 faßte der rumänische Pianist Radu Lupu (geb. 1945) den Entschluß, fortan keine kommerziellen Aufnahmen mehr zu machen. Das ist sehr zu bedauern, zählt er doch zu den wenigen Künstlern am Klavier, die zur obersten Liga zu zählen sind. Doch Lupu war schon immer ein scheuer, verinnerlichter Mensch, der sich im Schallplattenstudio nach eigener Aussage nie so recht wohl gefühlt hat.
Umso dankbarer wollen wir sein, daß er uns doch eine stattliche Anzahl von Aufnahmen beschert hat, die in immer wieder neuer Auflage nach wie vor ihre Liebhaber finden. In besonderer Weise fühlte sich Lupu zur Musik von Franz Schubert hingezogen, und seine Schubert-Aufnahmen sind es denn auch, die von den Musikfreunden ganz besonders geliebt und geschätzt werden.
In der hier vorgelegten 4 CD-Kassette hat die DECCA sämtliche für diese Firma gemachten Schubert-Aufnahmen zusammengefaßt. Einzige Ausnahme: die acht Impromptus D. 899 und D. 935, die es nach wie vor nur als Einzel-CD zu kaufen gibt.
Zur besseren Übersicht zähle ich nachstehend alle Kompositionen auf, die in dem Album enthalten sind:
Klaviersonaten a-Moll D. 157, As-Dur D. 557, A-Dur D. 664, a-Moll D. 784, a-Moll D. 845, G-Dur D. 894 und natürlich die letzten drei großen Sonaten c-Moll D. 958, A-Dur D. 959 und B-Dur D. 960.
Außerdem enthält die Kassette noch die Moments musicaux D. 780 sowie die zwei Scherzi D. 593.
In allen Werken ist die charakteristische, ganz unverkennbare Handschrift des großartigen Klangpoeten Radu Lupu auf Anhieb zu erkennen. Wieder ist sein kantables, zutiefst poetisches Spiel höchster Bewunderung wert, aber vielleicht noch mehr die unglaublichen Klangschattierungen, die er dem Flügel entlockt. Lupus Anschlagskunst ist von einmaliger Meisterschaft, und doch erinnert er mich mehr als einmal an seinen großen, früh verstorbenen Landsmann Dinu Lipatti, der ebenfalls für sein schier unglaubliches Farbenspektrum und seinen höchst sensiblen Anschlag berühmt war.
Lupus Spiel ist so feinsinnig und elegant, seine Werksicht formvollendet, und sein schlanker, weicher Ton so lyrisch und spielerisch leicht, daß man ohne zu übertreiben von zeitlos gültigen Interpretationen sprechen kann. Es ist wirklich jammerschade, daß der Künstler seinen Schubert-Zyklus nicht vollendet hat. Umso mehr freuen wir uns, daß wir diese Aufnahmen besitzen und jetzt in einem schönen Album gesammelt erwerben können. Sie zählen zum unwiederbinglichen Schatz jeder guten Schubert-Diskothek.
Die Aufnahmen entstanden im einem Zeitraum von fast 20 Jahren, beginnend 1971 (D. 784) bis 1991 (Moments Musicaux D. 780), als Lupu seine Tätigkeit im Plattenstudio einstellte. Klanglich sind sie unterschiedlich, aber insgesamt hervorragend gelungen. Der Klavierton ist sehr natürlich eingefangen. Ein nicht sehr umfangreiches, aber gutes Beiheft in drei Sprachen rundet die schöne Edition ab.
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am 10. Juni 2008
"Radu Lupu macht sich rar. Seine letzten offiziellen Studioaufnahmen wurden 1995 veröffentlicht, seitdem muss das Publikum mit den vorhandenen Meisterwerken oder mit Konzerten Vorlieb nehmen. Denn der rumänische Pianist misstraut der Archivierung, nicht weil er sie fürchten müsste, sondern weil sie ihn einschränkt und gehemmt werden lässt. Am 29. November feierte der schüchterne Star weitgehend unbemerkt von der Feuilleton-Öffentlichkeit seinen 60.Geburtstag und die Decca ehrt ihn aus diesem Anlass mit einer opulenten Edition, die in drei Boxen à 4 bzw. 3CDs jeweils seine vielprämierten Einspielungen von Beethovens, Brahms' und Schuberts Werken zusammenfasst."

Dies ist die Box mit seinen Schubert-Aufnahmen.

"Insgeheim jedoch ist Radu Lupu ein schüchterner, zurückhaltender Mensch, der die Öffentlichkeit scheut und sich immer noch wundern kann, dass die Zuhörer ihn verehren. Als er im vergangenen Sommer nach zehn Jahren Abstinenz in London im Rahmen einer Gala wieder als Solist auf die Bühne stieg - er sprang für den erkrankten Murray Perahia ein - und vom Publikum umjubelt wurde, war es ihm schon beinahe peinlich, schließlich hatte er nur das gemacht, was ihm ein Bedürfnis ist, und Musik gespielt. Als Stück hatte er Schuberts späte Sonate in B-Dur ausgewählt, der er eine derart hypnotische Form zu geben verstand, dass sich die Kritiken überschlugen vor Lob. Sie ist auch Teil der Schubert-Box der Decca-Lupu-Reihe, allerdings in der Grammy-prämierten Version von 1994 und als ein Meisterstück neben acht anderen Schubert-Sonaten, den "Moments Musicaux D780" und den 2 "Scherzos D593".

Dieser Kritik kann man nur wenig hinzufügen.Der Anschlag von Lupu von grosser Ruhe geprägt, die dunklen Farben von Schubert grossartig gestaltet. Ein Schubert kommt zum Vorschein, den man sehr schätzen kann.
Eine Träne , eine grosse Traurigkeit, aber zugleich die Form, die alles vor dem Ausufern,Zerfliessen bewahrt. So spielt Lupu diese Werke. Der Interpretation wohnt eine Natürlichkeit inne, die sie mir lieber machen, als der begrübelte Schubert von Brendel.

Eine der besten Schubert-Spieler
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am 5. Februar 2006
In Kurzform: natürlich ungeheuer schöne Musik - aber auch gespielt mit der erforderlichen Größe, Besonnen- und Gelassenheit. Eher etwas langsamer, oft etwas gewichtiger - und in den langsamen Sätzen etwas trauriger und tiefer als bei den meisten "Konurrenten". Dabei klingt jedes Stück absolut natürlich, mit wunderbarem Fließen der Melodiebögen, die Akzente sind aber - wo nötig - auch dramatisch und "donnend" - es klingt einfach alles "richtig". Offensichtlich liebt Lupu diese Musik! - Der Klang ist in den meisten Aufnahmen sehr gut, manches Forte klingt allerdings metallisch/hart.
Reinhörtip: die moments musicaux.
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am 29. Dezember 2010
Diese CD-Box bringt alle Schubert-Aufnahmen Radu Lupus zusammen, mit der Ausnahme der Impromptus, die man auf einer separaten CD finden kann.
Leider hat der rumänische Pianist den Aufnahme-Studios den Rücken gekehrt und wir werden wohl auf seine Interpretation einiger wichtiger Schubert-Sonaten (er hat alle in seinem Repertoire) verzichten müssen. Ich mag nicht von "Referenz-Aufnahmen" sprechen, noch überall das vermeintlich "beste" suchen bzw. finden, aber diese Aufnahmen hier sind etwas ganz besonderes.
Die unvollendete E-Dur Sonate D157 gestaltet Lupu wie ein Triptychon, wo der Kopfsatz und das energische Menuett ein elegisches Andante einrahmen. Hier hört man schon eine Klangdichte und eine Poesie der Stille, die den ganz großen Schubert erahnen lassen.
In der kleinen mozartischen As-Dur Sonate D557 bringt er die harmonischen Schattierungen eindrucksvoll zu Geltung.
Bei den großen Sonaten, wo Schubert vom ganzen Klavier Besitz ergreift, zeichnet er sich durch seine Klangfülle und seinen Sinn für Polyphonie aus, so daß man beinahe von einem Organistenspiel sprechen könnte. Die Art, wie er die verschiedenen Stimmen im Finale der A-Dur Sonate D959 ineinanderflicht, ist unvergeßlich.
Besonders in der G-Dur Sonate D894 verlangt Schubert dynamische Abstufungen vom ppp zum fff und kaum ein anderer Pianist kann sie so differenziert und eindrucksvoll realisieren. Die sich in leiseren Regionen bewegende Exposition wird noch filigraner wiederholt und der Ausbruch vom fff in der Durchführung ist umso dramatischer, als Lupus fff nicht lediglich laut, sondern klangvoll ist. Etwas ähnliches geschieht im langsamen Satz von D959 mit seinem kataklysmischen Mittelteil.
Sei es durch seine Art, lange melodische Bögen mit perfektem Legato zu phrasieren, sei es durch die Kunst, mit der er verschiedene Rhythmen, verschiedene Gangarten miteinanderkombiniert, es gelingt Lupu, die empfundene Zeit von der chronometrischen zu befreien. Das "molto moderato" von D960 dauert mit ihm "nur" knappe 18 Minuten, doch der Hörer empfindet es tatsächlich als "molto moderato", als eine Insel, wo die Zeit beinahe still steht.
Die c-moll Sonate D958, wo etliche große Schubertianer (Kempff, Brendel, Arrau) in irgendeiner Art scheitern, wird hier grandios interpretiert. Wo Richter und Dalberto durch eine kompromißlose Interpretation überzeugen, betont Lupu das Rhapsodische. In dieser Sonate, wo die Katastrophe gleich beim Anfang mit herunterstürzenden Tonleitern über vier OKtaven einsetzt, findet er einen Ruhepol in den tiefsten Registern. Das Adagio löst die Versprechungen ein, die im langsamen Satz von D157 angedeutet waren. Die dynamischen Abstufungen gehen von der totalen Stille zum ff, denn hier ist die Stille auch Musik. Im atemlosen Schlußsatz (717 Takte !) weiß er auch, nicht Melodie und Begleitung, sondern echte Polyphonie darzustellen.
Daß Radu Lupu nicht nur große Architekturen sondern auch Miniaturen meistern kann, beweist er mit den zwei Scherzi D593 und ganz besonders mit den Moments Musicaux D780.
Diese CDs sind nicht fürs easy listening da. Das sind keine CDs, die man "immer wieder auflegt". Eher sollte man sich wie bei einem Konzert in seinem Sessel sammeln und bereit sein, sich entführen zu lassen.
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TOP 500 REZENSENTam 14. Januar 2013
Radu Lupu gehört zu den am wenigsten "glamourösen" Pianisten unserer Tage, sehr bescheiden und ernsthaft könnte man ihn fast übersehen - was nicht nur angesichts dieser Schubert-Compilation äußerst zu bedauern wäre.
Denn er erweist sich als nahezu idealer Schubert-Pianist (wie gut er ist, hat man im übrigen auch schon als Liedbegleiter von B. Hendricks hören können). Er findet die ideale Mischung zwischen "schönem" Ton und Aufbrechen eben gerade dieser schönen Form im Sinne der dramatischen Auf- und Einbrüche. Denn unter der schönen Melodie schlummert immer der Abgrund, der immer wieder aufbricht und uns in tieftraurig-verzweifelte Abgründe blicken lässt. Das Faszinierende an Schubert ist eben dieser beständige, äußerst spannungsreiche Wechsel zwischen den wunderschönen Melodien und den häufig abrupt einbrechenden "dunklen Tönen" - das auszubalancieren gelingt gar nicht so vielen Pianisten (Schiff und Zaccharias z.B. tendieren mitunter dazu, zu sehr auf die "schönen" Stellen zu fokussieren, was dann zu Lasten des Abgründigen geht). Lupu gelingt das auf eine fast ideale Weise - er verfügt immer wieder über einen äußerst delikaten, ungemein farbigen Anschlag, die nötige Dynamik, das "nach-vorwärts-Drängende (das Wandern)" zu gestalten, die Härte, um den Abgrund wuchtig zu zeigen und dann eben doch wieder zurückzukehren zu den lyrischen, "himmlischen Längen".
In der Summe hat man in dieser Zusammenstellung zwar keine Gesamtaufnahme der Schubert'schen Sonaten, aber einen sehr repräsentativen Querschnitt (und vor allen Dingen natürlich das Spättryptichon D958-960). Diese Zusammenstellung sollte bei keinem Schubert-Liebhaber fehlen. Das einzige, was man bedauern mag, ist, dass man die Impromptus nicht auch noch hinzugefügt hat, diese sind aber als Extra-CD ebenfalls erhältlich und ebenfalls sehr zu empfehlen.
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am 27. April 2016
im Vergleich zu Schiff. Kann nur sagen: Kaufempfehlung! Lupu will nicht schön klingen wie Schiff. Er dramatisiert mehr. Am besten beide kaufen. Schiff bekäme jetzt 4 Sterne ;-). Brendel/DDD und Barenboim/5er DG Set stehen auf der Wunschliste. Vorerst.... Lupu hören...

Vielleicht kann man das schwer Fassbare eventuell so deutlich machen: Schiff = Kinderschokolade mit zartem Schmelz. Lupu = leicht herb -- aber bitte selbst probieren.

S. Richter ist natürlich bei Schubert auch hörenswert. Bloß welche Aufnahme/-n kann klangtechnisch solide überzeugen...
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am 17. September 2015
sehr gekonnt und einfühlsam. die empfehlung von franz welser möst ist goldrichtig. so spielt man schubert auf höchstem niveau. entdeckenswert
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am 30. November 2015
Radu Lupu hat die vorliegende Auswahl von Klaviersonaten und Moments musicaux vor etwa 20 Jahren eingespielt. Sachlich, unprätentiös, ohne unnötigen Pedaleinsatz. So macht das Hören der Sonaten auch nach so vielen Jahren unvermindert Freude. Klanglich ist die Einspielung ohne Mängel. Sie sei jedem empfohlen, der sich eine Sammlung von Sonaten zulegen möchte.
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