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am 24. Oktober 2007
Der unbescholtene Christopher Emmanuel Balestrero (Henry Fonda), genannt "Manny", Barmusiker im New Yorker Stork Club, bemüht sich redlich seine Frau Rose (Vera Miles) und die zwei Söhne durchs Leben zu bringen. Eines Abends wird er aus heiterem Himmel vor seinem Haus verhaftet und angeklagt, die Kasse einer Versicherungsgesellschaft überfallen und ausgeraubt zu haben. Alle Augenzeugen schwören, ihn eindeutig identifizieren zu können. Nur mit Unterstützung seiner Familie, die die hohe Kaution für ihn aufbringt, kann er der bedrückenden U-Haft entgehen. Fieberhaft versucht er mit Hilfe seiner Frau, Zeugen für sein Alibi zu finden um bis zum Prozessbeginn seine Unschuld zu beweisen. Zwei der Männer, mit denen er an besagtem Tage zusammen beim Kartenspielen war, sind jedoch zwischenzeitlich verstorben, der dritte ist unauffindbar. Mehr und mehr beginnt seine Frau an ihm zu zweifeln und versinkt in eine paranoide Depression, bis sie schließlich in eine Klinik eingewiesen werden muss. Als der Prozess beginnt, kann nur noch ein Wunder den verzweifelten Mann retten...

"Der Falsche Mann" ("The Wrong Man") ist einer der fast vergessenen Hitchcock Filme. Dabei kann er keineswegs zu den schwächeren Werken gezählt werden. Im Gegenteil, dies ist ein ergreifender, von der ersten bis zur letzten Minute fesselnder Film mit erstklassigen Darstellern. Völlig unverständlich, dass er so wenig gezeigt wird.

Es ist aber auch einer der bedrückendsten Hitchcock Filme, dem die humorige Leichtigkeit, die man sonst von Hitch gewohnt ist, abgeht. Dies tut dem Film aber keinen Abbruch und hat wohl seinen Grund darin, dass Hitchcock selbst die Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit basiert, sehr ernst genommen hat. So ernst, dass er auf sein traditionelles Cameo, das witzige persönliche Erscheinen im Film, diesmal völlig verzichtet hat. Stattdessen gibt er am Anfang eine düstere persönliche Einführung in die Geschichte.

Hitchcock, den sein Vater als Kind einmal angeblich bei der örtlichen Polizei für eine Stunde in eine Zelle einsperren ließ, hatte immer eine große Reserviertheit vor allen Polizeibehörden, die in seinen Filmen deshalb meist sehr schlecht wegkommen. Das Motiv des unschuldig verfolgten und in Bedrängnis geratenen Individuums hat Hitchcock in unzähligen seiner Filme variiert. Hier zeigt er eindringlich, wie schnell man in die Mühlen der Justiz geraten kann, und wie schwer es dann ist, dem wieder zu entkommen.

Toller Film, gute DVD, interessantes Bonusmaterial, fairer Preis: kaufen!
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am 2. September 2012
Der vielleicht grausamste Film von Alfred Hitchcock beginnt mit einer Vorankündigung des Regisseurs: der Film dokumentiert ein reales Ereignis.

Was wir jetzt sehen, ist ein einfacher, aber gutmütiger Mann (Manny Balastrero, wundervoll gespielt von Henry Fonda), der plötzlich für einen Verbrecher gehalten wird. Die Polizei nimmt ihn fest und sperrt ihn ein. "Warum", fragt man sich als Zuschauer, "läßt er sich das gefallen? Er ist doch unschuldig." Ja, er ist unschuldig – er ist aber auch schüchtern und verängstigt. Um ihn herum leiden seine Mitmenschen: seine zwei Söhne und seine Frau, die eine erschreckende Wandlung durchmacht. Und niemand kann ihm helfen (Vera Miles' Darstellung jagte mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken). Es geht immer weiter bergab, der Film dreht sich wie eine Abwärtsspirale immer schneller. Balastreros Lage wird immer aussichtsloser und deprimierender.

THE WRONG MAN ist vielleicht der tragischste Film, den ich jemals gesehen habe. Mich erinnerte diese ausweglose und unverständliche Situation, gepaart mit handlungsunfähigen Protagonisten und gesichtslosen Polizisten sehr an Kafkas PROZESS. Im Unterschied dazu erhebt THE WRONG MAN aber Realitätsanspruch.

Alfred Hitchcock nahm kein Honorar für diesen Film. Er drehte ihn aus purem Idealismus. Ich liebe ihn dafür.
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am 6. Oktober 2013
Die Geschichte des Manny Balestrero, unschuldig gefangen im Räderwerk der Justiz, der falschen Verdächtigung, Opfer einer routinierten Polizeimaschinerie.
Hitchcocks Meisterwerk "The Wrong man" gehört zu seinen verstörendsten Alpträumen.
Zusammen mit "Ich beichte", "Vertigo" erlangen wir einen tiefen Einblick in die persönlichen Ängste, Unsicherheiten des Regisseurs. Alle drei gehören zu meinen persönlichen Favoriten.
Nie war Hitchcock so authentisch packend, nie offenbart er so vollkommen ohne humoristische Verwässerung tiefste Grundängste, wie hier in diesem Film.
Wenn die Polizei uns unter einen Generalverdacht stellt, dann werden wir alle wohl nicht zum unfreiwilligen Helden in einem augenzwinkernden Agentenstück werden, wie ein Roger Thornhill in "Der unsichtbare Dritte".
Jeder einzelne wird genauso hilflos, und ungläubig sein bisheriges Leben erschüttert sehen, wie hier der genial aufspielende Henry Fonda.
Somit ist Hitchs ernstester Film, gleichzeitig sein persönlichster.
Für die Leiden, Tragödien, Irrwege der kleinen unbedarften Leute hat er sich immer am meisten interessiert.
Hier ist er bewegender Fürsprecher für den unschuldigen Mann von der Strasse, dessen Leben und das seiner Angehörigen von einigen unkontrollierbaren Zufällen zerstört wird.
Erfreulicherweise ohne Humor, fast im Reportagestil schafft er mit schneidend kontrastierten Bildern, packender Inszenierungskraft, präzisen Klängen von Bernard Hermann und hervorragenden Schauspielleistungen (Vera Miles in ihrer vielleicht besten Rolle) grosse Emotion, grosse Betroffenheit weit über den Abspann hinaus zu erzeugen.
Der letzte Schriftzug des Films, der zumindest noch ein versöhnliches Ende einschließt (die Geschichte basiert auf wahren Hintergründen) kann die bittere Grundaussage des Films nicht mehr beschönigen.
Ein Film, der in seiner Kraft und Klarheit immer wieder neu beeindrucken kann, der immer neue Facetten, Denkanstöße, Blickrichtungen bietet.
Es ist die Angst vor der grossen Unsicherheit des Lebens, die Angst vor der latent vorhandenen Möglichkeit, daß zufällige und banale Verquickungen von Ereignissen, das individuelle Glück und die Zukunft zerstören können- und das in jedem Augenblick und ohne eigenes Dazutun.
Das ist eine menschliche Grundangst, glasklar und kompromisslos hier formuliert.
Hitchs Misstrauen gegenüber den Mühlen eines Justiz-Räderwerks geht auf Kindheitserinnerungen zurück. Ob diese immer so nachvollziehbar sind, spielt eigentlich keine Rolle.
Es geht um das furchterregende Gefühl, die Kontrolle über sein Leben zu verlieren, Spielball zu werden in verzweigten Institutionen, letztendlich auch ein Stück weit entmündigt, gedemütigt und in seiner Persönlichkeit missachtet zu werden.
Und das einhergehend mit dem kalten süsslichen Gesichtsausdruck eines Beamten, der ihnen die Hand auf die Schulter legt, ihnen zuflüstert, "sie haben nichts zu befürchten", und gleichzeitig sich die Gittertür einer Gefängniszelle hinter ihnen schließt.
Manny Balestrero verkörpert uns.
Der Mann von der Strasse. Er führt ein geordnetes Leben, ist Jazzmusiker in einer kleinen Band, hat Frau und zwei Kinder.
Wenn wir nur kurz zu Anfang seine Augen sehen, wie er mit fürsorglich, liebenden Blick auf seine schlafenden Kinder, und seine Frau schaut, dann erleben wir hier grosse Zuneigung und Sensibilität.
Doch wie teuflisch labil ist das aufgebaute kleine Glück.
Manny Balestrero hat eine frappierende Ähnlichkeit zu einem polizeilich gesuchten Kriminellen.
Und so hat er das Pech von mehreren Zeugen an Bankschaltern, in Geschäften als vermeintlicher Täter identifiziert zu werden. Wasser auf die mahlenden Justizmühlen ist auch die Tatsache, daß Balestrero ein paar Schulden hat.
Wie schnell sich die Persönlichkeitsgrenzen verschieben können, wie schnell man nicht mehr Teil der Gesellschaft sondern isoliertes und gedemütigtes Individuum wird, das zeigt die Inszenierung und vor allem die Schauspielkunst Fondas dessen Gesicht und Augen Bände sprechen können hervorragend.
"Gehen Sie doch noch ein zweites mal im Laden auf und ab" verlangt ein Ladenbesitzer hämisch, und wir verspüren fast körperlich die Herabwürdigung.
Von einer Sekunde auf die andere ist für Balestrero in der Riege der Normal- Gesellschaft kein Platz mehr vorgesehen.
Fingerabdrücke werden ihm abgenommen , Taschen werden entleert, Aufstehen, Hinsetzen, Umdrehen- einen Rosenkranz darf er mit in die Zelle nehmen.
Der schockiert, ungläubige Balestrero wird nicht einmal seine Namen behalten.
Nr. 4 ist er nun, von mehreren Zeugen bei der Gegenüberstellung beschuldigt.
Wie ein Judaskuß greift eine Zeugin ihm als Erkennungszeichen an den Ärmel in der finalen Gerichtsverhandlung.
Sein Schicksal bereits routiniert ad acta gelegt.
Einige Staatsbedienstete gähnen unverhohlen im Gerichtsaal, ein Anwalt kritzelt gelangweilt auf einem Notizzettel herum, andere scheinen zu kichern, deuten heimlich auf ihn.
Balestreros Schicksal und das seiner Familie hat keine Bedeutung, ein Aktenvermerk unter vielen.
Hitchcock ist hier einem Kafka so nah wie nie zuvor.
Ein Alptraum.
Bis dahin ist Hitchcocks Film schon überragend. Was ihn zu einem seiner grössten Meisterwerke macht ist nun der nicht erwartete Perspektivwechsel hin zu Balestreros Frau.
Es ist nicht mit einem letztendlichen Freispruch getan. Die Wunden, die Verunsicherung, die tiefe Traumatisierung, die eine solche Verwechselung bei den Geschädigten auslösen kann, erspart uns Hitchcock nicht.
Ist Vera Miles am Anfang des Martyriums die Stärkere, die ihren Mann unterstützt, so wird ihr Nervensystem diesen Belastungen nicht standhalten.
Sie ist ein weiteres Opfer, welches der Justizirrtum einfordert.
Tiefe Depressionen, Schuldübertragungen, Selbstvorwürfe, Apathie sind die Folge.
Hitch illustriert diesen seelischen Verfall in Szenen, die tief berühren und wütend zurück lassen.
Was richtet es im Menschen an unschuldig einer solchen Extremsituation ausgesetzt zu werden.
Der wirkliche Täter wird zwar gefasst, Balestrero freigesprochen, doch zeigt uns Hitch, daß dieser auf dieselbe unsichere und oberflächlichen Art und Weise von Zeugen erkannt wird.
Seine Festnahme ebenfalls Zufall, diesmal jedoch mit der entscheidenden glücklichen Wendung für Balestrero.
Das Leben ein einziges mitleidloses Würfelspiel.
"Sind sie sich klar darüber was sie meiner Frau angetan haben", sind Fondas letzte vorwurfsvolle Worte an seinen Doppelgänger.
Dieser schaut ungläubig. Ein letzter Satz der schaudern läßt, zeigt er doch die unglaubliche Komplexität des Netzes von Schuld, Unschuld, falscher Anklage und seelischer Verstrickung.
Hitchcocks Film ist ein Reflektion über die Angst, über menschliche Unsicherheit im komplexen undurchschaubaren Gesamtzusammenhang.
Ohne aufgesetztem fröhlichen Unterton oder dramaturgischem Film-Happy End.
Hitchcock zeigt sich hier als Mensch mit all sein Unsicherheiten und Befürchtungen, und er spricht hier ohne ablenkende Regiemanipulationen den Zuschauer als gleichsam fühlenden Menschen, Leidensgenossen an.
Wir können uns in Balestrero wieder erkennen, und hoffen das uns selbiges nie geschieht.
"Entscheidend in einem Film ist doch nur eins" hat Hitchcock einmal gesagt,"das es mit dem Leben zu tun hat."
Dies hat er in beindruckender Intensität mit diesem Meisterwerk bewiesen.
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am 4. Februar 2015
Ein Mann kommt von der Arbeit nach hause und wird von der Polizei verhaftet, ohne dass er ein Verbrechen begangen hätte oder auch nur wüsste, um was für ein Verbrechen es sich eigentlich handelt. Je mehr er versucht seine Unschuld zu beweisen, umso mehr gerät er in den Verdacht wirklich der gesuchte Verbrecher zu sein. Dieses kafkaeske Ereignis aus der Realität, das eine aussichtslose Situation zeigt die nicht mehr nur durch das eigene Bemühen überwunden werden kann, faszinierte Hitchcock so sehr, dass er einen Film daraus machte. Verdacht und Schuld, zwei der klassischen Grundthemen, die sich immer wieder in Hitchcocks Filmen wiederfinden, beherrschen auch diese Geschichte. So ist "Der falsche Mann" (Originaltitel: The Wrong Man) von 1956 doch irgendwie ein klassischer Hitchcock geworden, auch wenn der Regisseur dies selbst nicht so empfand und sich deshalb zu Beginn des Films sogar mit ein paar einleitenden und erklärenden Worten höchstpersönlich ans Publikum wendet. Insbesondere Vera Miles, die im Film Henry Fondas Ehefrau spielt, die an den Folgen der sozialen Stigmatisierung ihres Ehegatten psychisch zerbricht, vermag mit ihrem emotional eindringlichen Schauspiel zu überzeugen. Nachdem Grace Kelly Fürst Rainier von Monaco heiratete und Hollywood den Rücken kehrte, wollte Hitchcock Vera Miles zu seiner neuen Filmblondine machen, aber die zog eine Mutterschaft und ihr privates Glück einer Hollywoodkarriere vor, was Hitchcock sehr enttäuschte. Die fiebrige Jazzmusik im Film untermalt das unheilvolle Geschehen atmosphärisch. Insgesamt ist dies nicht der Film, den ich Hitchcock-Neulingen empfehlen würde, weil er dazu einfach zu düster ist. In der Tat erscheint mir "Der falsche Mann" heute sogar als Hitchcocks hoffnungslosestes Werk. Aber wenn man schon einige Hitchcocks gesehen hat, bietet dieser Film mit seiner kafkaesken Situation und seinem für Hollywood untypischen Filmende eine willkommene Abwechslung.
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am 6. November 2006
Am Anfang des Filmes sehen wir die Silhouette von Alfred Hitchcock, der sich vorstellt und uns sagt, dies wäre ein Film, der sich von all seinen anderen Filmen unterscheidet: Er habe nichts weggelassen und nichts hinzugefügt. Da hat er eineinhalb mal nicht die Wahrheit gesagt.
Erstens stimmt der Schluss nicht. Rose Balestrero wurde nicht geheilt. Dass hier Schlusstitel gezeigt werden, die das Gegenteil behaupten, dürfte allerdings nicht Hitchcocks Schuld gewesen sein, sondern die der Filmfirma, die ihm wohl das damals übliche Happyend vorschrieb.
Es stimmt auch nicht ganz, dass sich dieser Film von all seinen anderen Filmen unterscheidet. Es stimmt insofern, dass Hitch den Film komplett nach einer wahren Begebenheit drehte. Es stimmt auch weiterhin, dass dieser Film sein humorlosester ist. Aber eins der Themen, die er immer wieder aufgegriffen hat, ist hier allgegenwärtig: Die Schuld bzw. die Verlagerung von Schuld und das in doppelter Bedeutung.
Wie in vielen Hitchcocks muss ein zu Unrecht verdächtigter Mann seine Unschuld beweisen, die erste Verlagerung der Schuld. Vor diesem Hintergrund könnten noch viele seiner Filme "Der falsche Mann" heißen, z. B. "Frenzy" oder "Ich beichte". Die zweite Verlagerung der Schuld ist die der Frau des Mannes, die sich die Schuld an allem gibt und daran zerbricht.
Ein weiterer Aspekt, der bei ihm immer wieder auftaucht, wenn auch nicht immer so deutlich, ist die Religion, hier in Form des Rosenkranzes und als zum Schluss Manny Balestrero angesichts eines Heiligenbildes betet und damit tatsächlich ein "Wunder" geschieht.
Formal gesehen ist Hitchcock wie fast immer voll auf der Höhe. Er zeigt die Verhaftung Balestreros fast dokumentarisch, der Stil ähnelt dessen eines Film Noirs und dann wären da noch seine berühmten Kleinigkeiten: Bereits vor Mannys Verhaftung ist die Polizei allgegenwärtig. Als er aus dem Nachtclub kommt, gehen zwei Polizisten vorbei und als er in seinem Cafe sitzt, hört man eine Polizeisirene.
Wie gerade erwähnt, ähnelt "Der falsche Mann" einem Film Noir, was besonders an seiner düsteren Atmosphäre liegt. Mit Henry Fonda als Manny hat er dazu einen kongenialen Hauptdarsteller gefunden. Fonda, der Prototyp des aufrechten Amerikaners, gibt seiner Figur eine gewisse Würde, ähnlich wie es Montgomery Clift in "Ich beichte" tat.
Die beste schauspielerische Leistung bringt allerdings Vera Miles als Rose. Zuerst ist sie eine fröhliche Ehefrau mit all den kleinen Alltagsproblemen. Als Manny verhaftet wird ist sie eine Kämpferin und schließlich ist sie ein völlig zerstörter Mensch, der heftig von Schuldkomplexen geplagt wird und sich komplett in sich zurückzieht.
Das alles macht "Der falsche Mann" zu Hitchcocks düstersten Film. Nicht einmal "Die Vögel" ist so deprimierend.
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am 18. April 2016
THE WRONG MAN [1956 / 2016] [Blu-ray] [US Release] Have You Seen ‘The Wrong Man’ . . . Alfred Hitchcock’s Newest Adventure In Terror! The First Hitchcock Film Based On A True Story!

‘THE WRONG MAN’ is like and unlike any other Alfred Hitchcock movie. The story packs tension; the images are spellbinding and the dilemma genuinely frightening. But this time, the master of suspense dramatizes the harrowing true experience of a man tried for crimes committed by a look-alike robber.

Musician Christopher Emmanuel "Manny" Balestrero [Henry Fonda] needs money to pay for his wife Rose Balestrero's [Vera Miles] dental procedure. When he tries to borrow money from their insurance policy, someone at the office mistakes him for a man who had robbed them twice at gunpoint. After Christopher Emmanuel "Manny" Balestrero is arrested, his defence attorney, Frank O'Connor [Anthony Quayle], works to demonstrate Christopher Emmanuel "Manny" Balestrero has an alibi for the crimes. The stress of the case, however, threatens to destroy Christopher Emmanuel "Manny" Balestrero's family before his name can be cleared. Prologue Narrator: Alfred Hitchcock.

FILM FACT: Actors appearing in the film, but not listed in the credits, include Harry Dean Stanton, Werner Klemperer, Tuesday Weld, Bonnie Franklin, and Barney Martin. Tuesday Weld and Bonnie Franklin made their film debuts as two giggly girls answering the door when the Christopher Emmanuel "Manny" Balestrero’s are seeking witnesses to prove his innocence.

Cast: Henry Fonda, Vera Miles, Anthony Quayle, Harold J. Stone, Charles Cooper, John Heldabrand, Esther Minciotti, Doreen Lang, Laurinda Barrett, Norma Connolly, Nehemiah Persoff, Lola D'Annunzio, Kippy Campbell, Robert Essen, Richard Robbins, Dayton Lummis, Peggy Webber, Charles Aidman (uncredited), Sammy Armaro (uncredited), Henry Beckman (uncredited), Ray Bennett (uncredited), Harry Bergman (uncredited), Sherman Billingsley (uncredited), Paul Bryar (uncredited), Ed Bryce (uncredited), John Caler (uncredited), Gordon B. Clarke (uncredited), William Crane (uncredited), Spencer Davis (uncredited), M'el Dowd (uncredited), Josef Draper (uncredited), Richard Durham (uncredited), Chris Gampel (uncredited), Will Gregory (uncredited), Charles J. Guiotta (uncredited), Rhodelle Heller (uncredited), William Hudson (uncredited), Mike Keene (uncredited), David Kelly (uncredited), Werner Klemperer (uncredited), Walter Kohler (uncredited), Maurice Manson (uncredited), Barney Martin (uncredited), Donald May (uncredited), John McKee (uncredited), Thomas J. Murphy (uncredited), Daniel Ocko (uncredited), Allan Ray (uncredited), Frank Schofield (uncredited), Harry Dean Stanton (uncredited), (uncredited), John Stephen (uncredited), Clarence Straight (uncredited), John Truax (uncredited), Don Turner (uncredited), John Vivyan (uncredited) and Maurice Wells (uncredited)

Director: Alfred Hitchcock

Producers: Alfred Hitchcock and Herbert Coleman

Screenplay: Angus MacPhail and Maxwell Anderson

Composer: Bernard Herrmann

Cinematography: Robert Burks

Video Resolution: 1080p [Black-and-White]

Aspect Ratio: 1.85:1

Audio: English: 2.0 DTS-HD Master Audio, French: 2.0 Dolby Digital, Spanish: 2.0 Dolby Digital, Spanish [Latin American]: 2.0 Dolby Digital and Japanese: 2.0 Dolby Digital

Subtitles: English SDH, French, Spanish, Japanese, Czech and Polish

Running Time: 105 minutes

Region: All Regions

Number of discs: 1

Studio: Warner Archive Collection

Andrew’s Blu-ray Review: The opening shot of ‘THE WRONG MAN,’ in which Alfred Hitchcock makes his customary appearance, immediately lets us know this is not going to be a typical Alfred Hitchcock film. Not only does Alfred Hitchcock come right out and say so, addressing the audience directly just as he did in his television series, but the shot itself, with an unidentifiable Alfred Hitchcock walking onto a dark sound stage lighted in extreme chiaroscuro, emphasises how different this is going to be from the escapist fare we expect from this director. Even though Alfred Hitchcock was closely identified with movies of suspense, he clearly liked a change of pace now and then, for he regularly dabbled in other genres than the suspense film, especially again the opening shot of ‘THE WRONG MAN,’ announces in the strongest visual terms that this movie is going to be Alfred Hitchcock's deepest and bleakest foray into the territory of “film noir.”

The theory that truth can be more striking than fiction is not too forcefully supported by the saga of ‘THE WRONG MAN’ which was unfolds before your very eyes. Alfred Hitchcock's long-standing fear of the police is what originally attracted him to a newspaper account of a family man wrongly identified as an armed robber. ‘THE WRONG MAN’ pays scrupulous attention to such things as the details of police procedure and the eventual apprehension of the real culprit before the conviction of the wrongly accused man Christopher Emmanuel "Manny" Balestrero [Henry Fonda, but after the stress has driven his wife Rose Balestrero [Vera Miles] to mental breakdown.

As has been noted, Alfred Hitchcock apparently was not interested primarily in developing tension. Maxwell Anderson and Angus MacPhail, his writers, capture the-flavour of natural dialogue used by their distressed principals and the technical conversation of the police and lawyers. Alfred Hitchcock’s camera and sound crews have caught the sights and sounds of such authentic locales as the Stork Club, the IND Roosevelt Avenue Station, Jackson Heights streets and homes, Queens Felony Court and jails and the police station and vans transporting the accused to jail.

In re-enacting the role of the real Christopher Emmanuel "Manny" Balestrero, Henry Fonda gives a disquietingly even portrayal. Only on rare occasions does he depart from a slightly stooped, trancelike attitude as he is arrested, interrogated, finger-printed, booked, jailed and bailed out. However, Vera Miles, as his wife whose mind snaps under this sudden shock, does convey a poignantly pitiful sense of fear of the appalling situation into which they have been cast.

The noted Shakespearean actor Anthony Quayle does a fine, incisive job as Henry Fonda's attorney, and Harold J. Stone and Charles Cooper, who make dispassionate but understanding detectives; Doreen Lang and Laurinda Barrett, as terrified witnesses; Esther Minciotti, as Henry Fonda's mother and Nehemiah Persoff, as his brother-in-law, add distinctive supporting stints. Alfred Hitchcock is not setting a precedent with ‘THE WRONG MAN.’ Alfred Hitchcock has done a fine and lucid job with the facts in ‘THE WRONG MAN’ but they have been made more important than the hearts and dramas of the people they affect.

The result is Alfred Hitchcock's most sombre film, unrelieved by his usual macabre humour; the black-and-white photography and the persecuted Henry Fonda's sharply chiselled features lend an impressive documentary feel. It's not generally rated among the master's best works, largely because of the intractability of the source material or Alfred Hitchcock's unwillingness to dramatize the events. But there's still plenty here for Hitchcockophiles: a Jesuitical strain, the man happened to be a devout Catholic, a complicity of guilt, as the wife irrationally comes to blame herself; and it's pure “film noir.”

‘THE WRONG MAN’ may be one of Alfred Hitchcock's most atypical films, perhaps even his most atypical film. Yet although Hitchcock moves as close as he ever would to the quasi-documentary realism and “film noir” sensibility of films with a similar subject like ‘Boomerang!’ or ‘Call Northside 777,’ and Alfred Hitchcock never goes all the way in that direction and certainly makes little attempt to give the illusion of fading into the background as did the Italian neorealist directors like Roberto Rossellini who in part inspired such an approach. Alfred Hitchcock's presence and his role as the guiding force behind the film, the authority of his personal stylistic vision, his need to control every detail to elicit a specific response from the audience and is very much in evidence and clearly marks ‘THE WRONG MAN’ as a product of The Master, an unusual one certainly, but nevertheless still identifiably as an Alfred Hitchcock film.

Blu-ray Video Quality – Warner Archive Collection of ‘THE WRONG MAN’ presents us with a stunningly remastered film on this Blu-ray disc, and ‘THE WRONG MAN’ is another stellar addition to the company's growing collection of catalogue classics. Here we have a brilliant 1080p encoded image transfer that is a definite step up from the previous inferior DVD release, where we get increased clarity and better contrast combining to create a smoother, and more immersive presentation. Grain is an essential aspect of the film's look, supplying essential texture, but it's well integrated, consistent, and never intrusive. The result is a strikingly organic, film-like appearance that heightens the intimacy of this true-life tale. In addition, and especially with an excellent grey scale variance pumps up detail levels and superior shadow delineation allows us to absorb all the subtleties of Robert Burks' stark and brooding cinematography and not a nick or scratches appear with this pristine print, and no noise or crush creeps into the picture. Alfred Hitchcock aficionados will surely cheer this terrific transfer that perfectly represents the director's intentions.

Blu-ray Audio Quality – Warner Archive Collection of ‘THE WRONG MAN’ presents this Blu-ray disc with an excellent 2.0 DTS-HD Master Audio experience that nicely renders all of the film's sonic nuances with ease. Shoe soles crunching against concrete, the rumble of subway trains in the tunnel, and the clicking of adding machines in the insurance office add vital atmosphere to the narrative while heightening aural interest. Excellent fidelity and a rich depth of tone boost the impact of the brilliant composer Bernard Herrmann's wonderful sharp, dramatic atmospheric music score, while all the soft-spoken dialogue is well prioritized and easy to comprehend. Any age-related defects, such as hiss, pops, or crackles, have been meticulously erased, and an expansive dynamic scale keeps distortion at bay. Sound always plays an important role in Alfred Hitchcock films, and this superior track properly showcases all the carefully integrated audio touches.

Blu-ray Special Features and Extras:

Special Feature: Making-Of Documentary: Guilt Trip: Hitchcock and ‘THE WRONG MAN’ [2004] [480i] [1.33:1] [20:17] This comprehensive and very absorbing piece features comments from directors Peter Bogdanovich and Richard Franklin ['Psycho II'], TCM host Robert Osborne, film critic Richard Schickel, and the film's art director, Paul Sylbert, plus Richard Franklin [Director, Producer and Writer] and Christopher Husted [Manager of Bernard Herrmann Estate]. We find out right at the start of this documentary from Peter Bogdanovich, that when Alfred Hitchcock at the age of 5 years old, was very naughty, and so his father would teach him a lesson, was sent to a police station with a note telling the policeman at the desk to put your Hitchcock in a cell for 5 minutes to teach him a lesson, but of course he thought it was an eternity and always throughout his adult life always had a fear of policemen, which of course helped him when directing the film ‘THE WRONG MAN,’ and make it one of his most dramatic film so far in his filmmaking career. All the participants praise ‘THE WRONG MAN’ and discuss the topic of Alfred Hitchcock and the film's sombre nature and overt religious symbolism, and we also find out that Alfred Hitchcock loved to investigate real police cases of ordinary guys who are wrongly arrested and turn them into his personal films, and Robert Osborne feels this is why this film is one of his best dramatic film, especially reflecting life in a big city, especially in America and of course was helped to make ‘THE WRONG MAN’ such a brilliant film, in having the equally brilliant Maxwell Anderson and Angus MacPhail, who did the screenplay that helped Alfred Hitchcock direct a film with great skill in making it the perfect “film noire” presentation of total brilliance, that also helped Alfred Hitchcock do a very precise storyboard, so that every shot was not wasted and helped to stop the studio heads interfering in not being able to re-editing the film, and in doing so it created so many brilliant frame by frame innovative shots. It also helped by having contributions with the very professional Henry Fonda, who say was a perfect gentleman on and off the set, and also was a very intelligent man and loved to paint and has had several exhibitions of his paintings. There was also great praise from director Richard Franklin of Vera Miles who felt her acting was totally superb, and also made an appearance in his film ‘Psycho II’ and reprieved her performance in the original ‘Psycho’ film. There was of course equal praise for the impact of the brilliant Bernard Herrmann's jazzy atmospheric music score throughout ‘THE WRONG MAN’ film, Alfred Hitchcock loved and loved using sound and music where it mattered most to enhance the atmospheric tension of the film, and of course seeing Alfred Hitchcock unique cameo at the start of the film, was the only time you get to see him in the film and not his usual cameo appearances in all his other films, because he felt it would be too distracting to such a serious subject. Rare on-set photos and examples of Alfred Hitchcock's storyboards, as well as several film clips, enhance this perceptive salute to one of Alfred Hitchcock's lesser known and underrated brilliant film. One thing we find out is that originally it was going to be filmed on location in New York, but at the time of filming it was the height of a very severe winter and Alfred Hitchcock hated the freezing cold, so most of the location work was in New York, but then decided to move everything to California to finish off all the interior shots, that Alfred Hitchcock gave great praise to all workers who built the sets. One bit of information I was shocked about, is that when the film was released in the cinemas, it was not very successful, which makes me feel very angry, as it is a totally brilliant dramatic atmospheric “film noir” Alfred Hitchcock film, and to have people have such a negative attitude at the time was sacrilege, and they must of viewed a different film to the one I watched, but I suppose the reason the film was not a success, because it was not the same style as his other films, that had the same mysterious genre style of directing, whereas this film was told like a real life drama and Alfred Hitchcock could not deviate from the real human tragic story and I for one totally disagree with all the people who gave it such a negative review of the time of its release in the cinema. So all in all this is a really nice informative special feature and also totally fascinating and one not to be missed.

Theatrical Trailer [1956] [1080p] [1.85:1] [2:33] This is the Original Theatrical Trailer for the film ‘THE WRONG MAN.’ This is a totally brilliant presentation, but the equally impressive director Alfred Hitchcock, as he often did later in his career, and narrates the film's original preview to great effect, which highlights the gravity and realism of the subject matter, but most important makes this brilliant trailer so atmospheric and so dramatic, it makes you want to view the film to find who is the guilty one.

Finally, THE WRONG MAN’ [1956] may not have been one of Alfred Hitchcock's signature films, but this simple, meticulous examination of the devastating impact of mistaken identity on a typical middle class family is a fascinating change of pace for the Master of Suspense. Quiet, understated, but bursting with honest emotion and a gritty realism not usually associated with the director, the movie explores relatable themes and taps into universal fears about the police and an imperfect justice system that often fails its citizens and destroys innocent lives. Warner Archive Collection's Blu-ray presentation features top-notch video and audio transfers and an absorbing special feature, all of which enhances the impact of this well-acted, underrated personal drama from the “Master of Suspense” Mr. Alfred Hitchcock. Highly Recommended!

Andrew C. Miller – Your Ultimate No.1 Film Fan
Le Cinema Paradiso
WARE, United Kingdom
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TOP 1000 REZENSENTam 11. Juli 2013
"Der falsche Mann" ist für Alfred Hitchcock ein eher ungewöhnlicher Ausflug zu einem Kriminalfall aus sehr nüchternem Blickwinkel. Suspence ist nicht das Thema, sondern das Schicksal eines Mannes, der zu Unrecht verdächtigt wird ein Gangster zu sein. Dabei basiert die Geschichte auf einen realen Fall, der dann Maxwell Anderson als Roman "The true story of Christopher Emanuelle Balestrero" erschien.
Und dieser Manny Malestrero wird großartig von Henry Fonda verkörpert. Ihm zur Seite spielt Vera Miles die labile Ehefrau Rose, die durch diese folgenschwere Verwechslung psychiatrische Folgen durchmacht. Aber der Reihe nach: "Der falsche Mann" ist ein stimmungsvoller New York Film, wie man in den ersten Einstellungen erkennen kann, denn der Protagonist verdient sich seine Brötchen als Barmusiker in einem Nachtclub. Darüberhinaus ist er privat aber sehr bürgerlich, ein liebevoller Ehemann und fürsorglicher Vater von zwei sehr netten Jungs. Besonders vermögend sind die Ballestreros aber nicht und darum entschließt er sich die Versicherungsgesellschaft seiner Frau aufzusuchen, um die Versicherung vorzeitig zu kündigen und sich auszahlen zu lassen. Dies hätte er dann wohl besser bleiben lassen sollen, denn als er am Schalter erscheint werden die weiblichen Angestellten der Filiale sehr nervös. Sie meinen den Mann wiedererkannt zu haben, der sie vor einigen Monaten brutal überfallen hat. Dies bringt die Polizei auf den Plan, die Manny kurzerhand vor seinem Haus noch abfangen und ins Präsidium zum Verhör bringen. Der Zufall will es, dass Manny dort auch noch den gleichen Rechtschriftfehler als der Täter macht. Dies führt zur Festnahme und zu einer harten Prüfung für die ganze Familie...
Auch wenn der Film in den Hitchcock-Rankings der Fans nicht ganz oben auftaucht, hat er zweifelsohne eine sehr hohe Qualität und ist durchweg spannend und eindringlich inszeniert. Wie immer liefert der große Bernard Herrmann einen herausragenden Score und Robert Burks liefert die perfekten New York Bilder dazu. Natürlich fiebert man reichlich mit, damit der Beschudligte endlich von diesem alptraumhaften Erlebnis von Verhaftung und Gefangenschaft ausbrechen kann. Aber die Verwechslung hat Folgen für alle: Nervenzusammenbruch und anschliessende Unterbringung in eine Psychiatrie.
Lediglich die Szene kurz vor Schluss, als Manny Balestrero in seinem Zimmer betet und zeitgleich der wahre Täter auf frischer Tat gefasst wird, weicht aus dramaturgischen Gründen von den wirklichen Geschehnissen ab - verfehlt aber seine beklemmende Wirkung nicht.
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TOP 1000 REZENSENTam 24. Februar 2011
(Vorsicht, Spoiler!)

Alfred Hitchcocks Film "The Wrong Man" aus dem Jahre 1956 nimmt innerhalb seines Œuvres für mich eine Sonderstellung ein, nicht nur weil er nach Angaben Hitchs viel enger an dem Verlauf des authentischen Falls eines zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigten Mannes orientiert ist, als es der Dramaturgie gut tut - über den Gehalt dieser Selbstkritik des Regisseurs ließe sich zudem auch streiten -, sondern auch weil er sich einer der Urängste Hitchcocks in einer Intensität annimmt, die nicht - wie sonst - durch Humor und Geschwindigkeit aufgelockert wird: der Angst, wehrlos einer blinden Staatsgewalt ausgeliefert zu sein.

Hitchcock erzählt die Geschichte des Familienvaters und Nachtclubmusikers Manny Balastrero (glänzend gespielt von Henry Fonda), der eines Abends vor seinem Haus von zwei Polizisten abgefangen und wegen des Verdachts, mehrere bewaffnete Raubüberfälle verübt zu haben, in Untersuchungshaft genommen und später vor Gericht gestellt wird. Anfangs glauben er und seine Frau Rose (Vera Miles) noch, seine Unschuld ohne größere Mühen beweisen zu können, doch unglücklicherweise sind zwei der drei Männer, die ihm ein Alibi verschaffen könnten, verstorben, während der dritte unauffindbar bleibt. Angesichts der Ausweglosigkeit der Situation und weil sie sich selbst die Schuld daran gibt, ihren Mann in das Fadenkreuz der Fahndung gebracht zu haben, verfällt Rose der Paranoia und muß in eine Nervenheilanstalt eingeliefert werden. Einen Ungeduldsausbruch eines der Geschworenen angesichts langwieriger Zeugenbefragungen während der Hauptverhandlung nimmt Mannys Anwalt Frank O'Connor (Anthony Quayle) zum Anlaß, den Prozeß nochmals zur Gänze von vorn aufzurollen, und während der sich daraus ergebenden Verzögerung wird der wirkliche Schuldige bei einem weiteren Raubüberfall gestellt. Mannys Unschuld steht nun fest.

Hitchcocks Rückkehr zum Schwarz-Weiß-Film steht diesem Projekt sehr gut zu Gesicht, unterstreicht es doch die bedrückende, erstickende Stimmung, die der Geschichte zu eigen ist und die an keiner Stelle aufgelockert wird. Fonda überzeugt in der Rolle eines Mannes, der zunächst, ausgehend von seiner eigenen Ehrlichkeit und Güte, daran glaubt, daß ein unschuldiger Mensch auf keinen Fall zwischen den Mühlen der Justiz zermalmt werden könne, und dessen schließlich aufkeimende Sorge um sich selbst stets vom Mitleid mit seiner Frau - so fragt er den wahren Täter, als er ihm schließlich gegenübersteht, denn auch sofort, ob dieser wisse, was er seiner Frau angetan habe - überlagert wird. Auch Vera Miles verkörpert die dem Wahnsinn und ihren Selbstvorwürfen verfallende Ehefrau, die sich endlich in die emotionale Isolation flüchtet, aufs beste. Hitchcock gab später im Gespräch mit Truffaut zu bedenken, er habe diesem Handlungsstrang zu Lasten des Suspense viel zu viel Gewicht eingeräumt, doch finde ich, daß diese Kritik ihre Berechtigung nur im Hinblick auf das verschleppte Ende der Geschichte hat.

Sobald das Verhängnis über Manny hereinbricht, wähnt sich der Zuschauer in einem kafkaesken Alptraum, und ich hegte recht bald meine Zweifel an der Redlichkeit der Polizisten, die Manny unter Verhehlen wichtiger Informationen und des eigentlichen Tatvorwurfs verhaften und verhören und die sich - entgegen ihren Versprechungen - nicht einmal darum kümmern, seine Frau zu benachrichtigen. Hitchcock läßt an dieser Stelle um der besseren Identifikationsmöglichkeit auch den Zuschauer lange über den konkreten Tatvorwurf im dunkeln tappen und macht zudem deutlich, daß die Gegenüberstellung mit den Tatzeugen einer Farce gleicht. Besonders Mannys erste Stunden in seiner Zelle werden von Hitchcock mit eindringlichen Details als Alptraum inszeniert: So blendet die Kamera wiederholt auf Mannys Füße, die seine Zelle mit zwei, drei Schritten der Länge nach durchmessen können, und Großaufnahmen von Mannys Gesicht geben dem Zuschauer ein Verständnis davon, wie empfindlich sich der Musiker in die Enge getrieben fühlen muß.

Eine besonders eindringliche Szene flicht Hitch in die Gerichtsverhandlung ein: Mannys Anwalt versucht in einem ausführlichen Verhör, Widersprüche und Formfehler bei der polizeilichen Vernehmung seines Mandanten nachzuweisen, und währenddessen fängt die Kamera verschiedene Momentaufnahmen von im Saal befindlichen Menschen ein. Einige von ihnen unterhalten sich im Flüsterton offenkundig über Angelegenheiten, die nichts mit der Verhandlung zu tun haben, andere sind mit wieder anderen Dingen beschäftigt - und das, wo es gerade um die Schuld oder Unschuld eines dem Justizsystem ausgelieferten Menschen geht. Hier wird die alptraumhafte Einsamkeit des Protagonisten, dessen Schuldspruch für seine Umgebung anscheinend nur noch eine Frage der Zeit - je schneller, desto besser - ist, in ihrer unbarmherzigen Trivialität vorgeführt.

Ein wenig melodramatisch und für einen agnostischen Zeitgenossen wie mich unerträglich kitschig wird dann die Auflösung in Szene gesetzt: Wir sehen Mannys Gesicht, während dieser gerade vor einem Heiligenbild um Stärke betet, in einer Großaufnahme, die in einer Überblendung in das Gesicht des wahren Schuldigen kurz vor seiner Festnahme übergeht. Fast könnte man meinen, der Katholik Hitchcock wolle hier suggerieren, göttliche Gerechtigkeit könne durch unangefochtenen Glauben heraufbeschworen werden, und diese Naivität - wenn sie denn intendiert ist - wird meiner Meinung nach der bedrohlichen Tragik, die dem Thema des Filmes eignet, nicht gerecht. Stimmiger ist da schon wieder die von Hitchcock gezeigte Reaktion der beiden Frauen, deren Aussage Manny erst in diesen Maelstrom falscher Verdächtigungen hineingeschleudert hat: Unvermittelt auf dem Gang der Polizeiwache dem vermeintlichen Täter gegenüberstehend, senken sie den Blick und weichen ihm aus, eine hebt noch zum Sprechen an, doch vor Scham und Feigheit fehlen ihr die Worte.

Trotz einiger Schwächen gegen Ende des Filmes gehört "The Wrong Man" für mich zu den eindringlichsten und persönlichsten Filmen Hitchcocks - und hat ja heute, in einer Zeit, in der es immer mehr Menschen angesichts der Bedrohung durch Terror oder abscheulicher Verbrechen mit der Forderung, daß nicht der Angeklagte seine Unschuld, sondern das Gericht dessen Schuld zu beweisen hat, nicht mehr so genau nehmen, wieder unversehens an Aktualität gewonnen.
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am 10. Februar 2014
Leider ist der Film nie ins Rampenlicht der Hitchcock Filme geraten. Ganz zu Unrecht. Der Film besticht mit
einer spannend düsteren Atmosphäre und mit Schauspielern auf Weltklasse Niveau.
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am 14. Juli 2013
Das Motiv des zu unrecht verdächtigten und/oder verfolgten Mannes ist ein recht häufiges in Hitchcocks Werk. Aber wohl noch nie hat er es so ernsthaft und realistisch umgesetzt wie in "Der falsche Mann". Hitchcock tritt auch gleich zu Beginn des Films auf und erläutert den Hintergund der Verfilmung dieser wahren Geschichte.
Die Stärke des Films ist sein Mittelteil, in dem der Musiker Manny Balestrero (Henry Fonda) versucht seine Unschuld zu beweisen und seine Frau (Vera Miles) so langsam dem Wahnsinn verfällt. Der Beginn ist eher dröge und das Ende ziemlich unspektakulär.
Der Film wirkt wie eine Mischung aus Film Noir, italienischem Neorealismus und einer Art Vorläufer der Nouvelle Vague. Mein Geschmack ist das nicht gerade, aber schon allein aufgrund der hervorragenden, sehr nuancierten Darstellung von Henry Fonda sollte man sich den Film mal ansehen.
Bild und Ton der DVD sind für das Alter des Films passabel. Die deutsche Synchro ist sorgfältig. An Extras hat die DVD den USA-Kinotrailer (2 min 27) und eine interessante Doku zum Film (20 min 17) zu bieten.
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