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Dogville
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am 16. April 2016
Grace ist der Name der gesuchten Flüchtigen, die in Dogville landet. Lars von Trier hat dieses Drama als Filmtheater inszeniert. Jeder Dialog ist wichtig, auch wenn der Film dem Zuschauer viel (scheinbare) Langeweile zumutet. In den 2,5 Stunden wird der Zuschauer in das Stück über den wahren Charakter der Menschen hineingezogen. Trier arbeitet mit vielen Zitaten und Symbolen. Der Name der Stadt allein macht schon deutlich, dass die Menschen dieses kleinen Dorfes sich wie Tiere verhalten. Sie können mit der Gnade (Grace) nichts anfangen. Sie nutzen die Gnade aus, Grace erscheint als eine messianische Figur, die nur das Gute in den Menschen sieht und ihre Fehler und Übergriffe entschuldigt. Jedoch kommt Grace nicht aus dem Himmel, sondern stammt von einem Vater ab, der als Gangsterboss seine eigenen Gesetze gewalttätig durchsetzt. Wir leiden mit Grace und fürchten je länger, je mehr das Schlimmste für sie. Tom, ihr Fürsprecher, der sich in die schöne Grace verliebt, bleibt immer in einer distanzierenden beobachtenden Haltung. Er ist es, der sie verrät.
Schonunglos hält uns Lars von Trier unserer Gesellschaft einen Spiegel vor Augen. Wir alle spielen mit. Welche Position nehmen wir ein? Grace Vater kommt und stellt sie vor der Entscheidung: willst du mit den Hunden hier sterben, die dich gedemütigt haben oder willst du an meiner Macht teilhaben, mein Unternehmen weiter führen und dich an ihnen rächen? Grace zögert, was wird sie tun? Die Dialoge über Gnade und Macht in der schwarzen Limousine sind hochphilosophisch. Nur wer die Macht hat, hat das Sagen und entscheidet über Gut und Böse, Tod und Leben. Die Gnade scheitert. Lars von Trier zieht ein nüchternes, hoffnungsloses Fazit über humanistische, demokratische und christliche Werte. Macht kommt vor Moral: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral "(Brecht). Dogville erinnert auch an Nietzsche's Willen zur Macht.

Lars von Trier und die christliche Religion:

Lars von Trier hat sich intensiv mit der Religion des Christentums beschäftigt. Er hat sich in mehreren Filmen daran abgearbeitet. Auch Dogville gehört meines Erachtens dazu: Ohne das christliche Narrativ von Schöpfung, Sündenfall und Apokalypse ist Dogville in der Tiefe nicht zu verstehen (Siehe auch Rezension von Patrick Zäuner auf Amazon). Lars von Trier erzählt - anders als die jüdisch-christliche Tradition - von einem zürnenden, schrecklichen, willkürlichen Gott Vater (Der Gangsterboss). Grace ist das Pendant zu Lucifer, doch sie steht nicht für das Böse, sondern sie steht für das Gute. Sie hat sich aus dem Machtbereich des Gangstervaters losgerissen, um endlich der Willkür und der Unbarmherzigkeit ihres Vaters zu entfliehen. Unter den Menschen erleidet sie mit ihrem neuen Sein der Hingabe, Sanftmütigkeit und Barmherzigkeit Schiffbruch. Im Apfelgarten wird sie verführt (vergewaltigt). Sie gerät in eine (christlich) naive Opferhaltung und kommt nur daraus, indem sie mit dem Vater wieder eins wird und der Gnade als obersten Wert abschwört. Gnade wird dann willkürlich. Die Menschen bekommen, was sie verdienen. In einem apokalyptischen Inferno gehen sie unter. Nur der Hund Moses überlebt - und Grace lässt ihn, dem sie zu Beginn einen Knochen entwendet hat - gnädig weiter leben. Die zweite Sintflut (Vernichtung) überlebt nur ein Tier. Die Menschen haben es nicht verdient, selbst ein Neugeborenes wird nicht verschont. Lars von Trier ist ein Meister der Umdeutung, Verschiebung, Zuspitzung und Dramatisierung. Ich für meinen Teil bleibe lieber beim jüdisch-christlichen Narrativ, das von der Liebe Gottes erzählt und am Ende der Tage vom himmlischen Jerusalem, jedoch bewundere ich Triers Erzählkunst.
11 Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 13. August 2017
In den frühen dreissiger Jahren landet Grace (Nicole Kidman) auf der Flucht vor der Mafia in dem abgelegenen Dörfchen Dogville. Der Schriftsteller Tom (Paul Bettany) will ihr Unterschlupf gewähren und versucht die misstrauische Dorfgemeinschaft davon zu überzeugen, Grace in Dogville aufzunehmen. Unter der Bedingung, dass sie sich dem Gemeinschaftsleben anpasst und ihnen beim Arbeiten hilft, stimmen die Einwohner zu.
Grace gelingt es, das Vertrauen der Bewohner zu gewinnen, doch als die Polizei einen Steckbrief mit ihrem Konterfei verteilt, kippt die Stimmung gegen Grace und sie wird von den Einwohnern, im Wissen, dass sie Grace in der Hand haben, immer mehr ausgebeutet und gedemütigt....
Eingeteilt in einen Prolog und neun Kapitel ist "Dogville" allein von seiner Aufmachung ein unkonventioneller Film. Dieser Eindruck verstärkt sich besonders als sich das Setting als Theaterbühne mit einer ausgesprochen kargen Ausstattung zu erkennen gibt. Statt Häusern und Strassen, Bäumen und dergleichen mehr, sind als Kulissen lediglich Kreidestriche auf dem Boden gezogen. Zunächst etwas befremdlich und ungewohnt, aber nach einiger Zeit hatte ich die fehlenden Wände in meinem Gehirn ausgeblendet (oder eingeblendet ?).
Dafür richtet Lars von Trier sein Augenmerk auf die Charaktere der schrulligen Einwohner, deren sehr glaubwürdig dargestellten Eigenarten und Entwicklungen, nimmt sich dafür sehr viel Zeit. Sein Anliegen bestimmt meisterhaft die Handlung. Sehr mitreissend wird geschildert wie die Begierde der Dorfbewohner nach Grace - welcher Natur auch immer - Überhand gewinnt und sie dadurch jegliche Menschseins-Berechtigung verliert, zum Sündenbock mutiert, dem alles angelastet wird...und Lars von Triers These am Ende dennoch lautet, dass sie kein Verständnis oder Mitgefühl zu erwarten hat, weil sie all das ohne Aufbegehren zugelassen hat..Er nennt den Menschen, der sich zum Opfer machen lässt gleichermassen "arrogant", wie aufgesetzte Moralität und Barmherzigkeit, zeigt letztendlich, dass er für beide Seiten kein Verständnis hat.
Die brillant aufspielende Schauspielerschar überzeugt in jeder Hinsicht, allen vorweg Nicole Kidman, ausdrucksstärker denn je. Ganz hervorragend auch das stimmungsvolle Voice-Over, zudem besonders herrlich, wenn der Erzähler neben dem nahezu rührenden Geschichtenvorlesens mitunter der Ironie verfällt.
Lars von Trier mag mit allgegenwärtigem Schwarz-Weiss-Denken, indiskutabler Niedertracht unserer Welt und grenzenloser Schwarzmalerei eine etwas neurotische Einstellung zum Leben haben, doch dieser Film aus 2003 ist wirklich faszinierend und unglaublich sehenswert.
99 Kommentare| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 27. März 2015
Die Handlung wurde genug beschrieben, daher ein Aspekt bezüglich der Interpretation, der manchmal etwas zu kurz kommt.

Lars von Trier hat in etwa folgenden Satz gesagt:

„Unter normalen Umständen wären die Menschen in Dogville eigentlich ganz in Ordnung gewesen“

Unterwürfigkeit und Machtbesessenheit sind zwei Seiten derselben Medaille.
Wer Dostojewski oder Tolstoi gelesen hat, der weiß, dass Unterwürfigkeit niemals das Ende ist.
Denn diejenigen, die aufgrund der Machtposition Anderer sich viel zu schnell und zu umfassend unterwerfen, also dann nicht mal versuchen Gerechtigkeit für sich selber zu erlangen, genau diese Personen sind es die, wenn sie selber mal eine Machtposition einnehmen, diese auch gnadenlos ausnutzen.
So auch Grace.
Grace unterwirft sich umfassend den Dorfbewohnern, die ihr Schutz bieten und dadurch in einer Machtposition sind.
Sie prangert die Ungerechtigkeiten, die ihr widerfahren nicht sofort innerhalb der Gemeinde an, sondern akzeptiert, entschuldigt und verheimlicht alles bis es zu spät ist, bis es „normal" geworden ist sie zu misshandeln und auszunutzen.
Von da an gab es kein zurück mehr.
Grace hat einen Teil Mitschuld durch ihre Unterwürfigkeit und auch in Dogville ist Unterwürfigkeit nicht das Ende, denn kaum jemand, der sich so unterwirft und sogar Straftaten gegen sich selber entschuldigt wird der Macht widerstehen können, wenn sie kommt.
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am 20. April 2015
Der Film beginnt ... eine Limousine die die junge Grace,gespielt von Nicole Kidman an einem Verlassenen Ort Namens Dogville absetzt.Hier leben nur wenige Menschen bei denen Grace Unterschlupf sucht.
Die naive,gutherzige Grace wird in der Gemeinde angenommen.Aus Dankbarkeit übernimmt Sie einige Arbeiten,und so wird der Film angetrieben.Einfachheiten die Uns so normal und selbstverständlich sind werden hier mit einfachen Worten zu Sprache gebracht und Lars von Trier der Regiseur des Films schafft es Diesem Film Poesie einzuhauchen.
Das ist Kunst,ohne Frage.Und genau wegen Dieser einzigartigen Erzählweise fand ich den Film sehr gut.
Gewaltszenen in Form von körperlichen Mißbrauch geschehen,doch ich fand sie garnicht so tragisch,obwohl doch so schrecklich.
Da mußte ich mich vor meinem Selbst schämen!
Hübsch,naiv und gutgläubig geht die junge Grace im Alltag der Kleinen Gemeinde von Haus zu Haus und schenkt dem Verlassenen Ort einen Engel in Gestalt ihrer Selbst.
Und genau diese Unschuldige Reinheit nutzen die Bewohner schamlos aus!
Ein tragischer Film der viel Sitzfleisch erfordert weil Er eben auf einer Art Spielbrett auf dem das Dorf Dogville aufgebaut ist,stattfindet.Dies ermüdet schnell und mißfiel mir.
Sehr intensiv und beängstigend,doch nur Nicole Kidman in Ihrer Rolle als Grace Margaret Mulligan machte den Film für mich aushaltbar.
Für mich war das kein Film im eigentlichem Sinn eher eine dunkle Theateraufführung und weil ich eben kein Theaterfreund bin,vergebe ich 4 dicke Sternchen für die Leistung der Nicole Kidman als Grace,trotzdem muß man den Film nicht gesehen haben.
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am 13. Februar 2015
Alle paar Jahre reißt es mich und dann genieße ich gleich einem alten edlen Wein einen Film von Lars von Trier. Wobei natürlich der Genuß ein sehr spezieller ist. Nach "Dancer in the Dark" kann man die Tränen nicht zurückhalten, "Melancholia" hat die Grundstimmung schon im Titel und in "Antichrist" ist der Protagonist - oh Wunder - ein traumatisierter Psychologe.
Dogville steht diesem exklusiven Oeuvre in nichts nach. Ein Film der die Synthese von Theater und Cinematographie wagt, Bühnenkulisse mit aufgemalten Häusern, Gärten (und Hund), dazu realistische Soundeffekte und als einzig reales die niederschmetternde Schauspielkunst der Besetzung. Nicole Kidman hat in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass sie zur ersten Garde Hollywoods zählt. Sie bezirzt, lacht, leidet, wird gedemütigt, vergewaltigt und triumphiert zuletzt als "Königin aus Eis" in einem Flammenmeer. Kurzweilige 2,5 Stunden, irgendwie...
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am 19. Juni 2012
"Dogville" ist mein absoluter Lieblingsfilm von Lars von Trier. Einerseits ist dieses Drama ein wunderbares Stück episches Theater in bester Brechtscher Tradition, das von einem prächtig harmonierenden Schauspielerensemble in Szene gesetzt wird und mit einem äußerst unkonventionellen ästhetischen Verfahren aufwartet. Denn als Schauplatz des Geschehens dient ausschließlich ein profanes Atelier mit notdürftig hergerichteten Kulissen, die durch die intimen Bilder der Handkamera die Darsteller auch ziemlich nackt aussehen lassen. Andererseits ist Grace eine der Frauenfiguren im Trierschen Universum, mit der man sich, im Gegensatz zur kindlichen Selma (Dancer In The Dark), der rückständigen Bess (Breaking The Waves) oder der besessenen Sie (Antichrist), vielleicht noch am ehesten identifizieren kann. Trotz des sehr abstrakten Settings lebt der dänische Dogma-95-Realist natürlich auch in dieser Parabel über Schuld, Sühne, Vergebung, Rache, Macht, und Motive menschlichen Handelns wieder seine sklavische Vorliebe für einen sehr sadistischen Erzählstil aus, der allein schon dadurch zum Vorschein kommt, dass er es doch tatsächlich übers Herz bringt, die attraktive Grace, vortrefflich gespielt von Nicole Kidman, vollkommen schutzlos in dieses von der Außenwelt abgeschottete Dorf zu schicken, wo sie in ihrer anmutigen Verletzlichkeit wie ein verführerisch saftiger Apfel, der im Garten Eden an einem äußerst dünnen Stiel am Baum der Erkenntnis hängt, nur darauf lauert, gepflückt zu werden, sodass die sündhaften Puritaner ihre dunklen Seelen für das Publikum klar sichtbar nach außen kehren.

Angeblich befindet sich Grace auf der Flucht vor Gangstern und sucht nun verzweifelt Obhut in jener abgelegenen Enklave namens Dogville, einem winzig kleinen Kaff irgendwo in den Rocky Mountains. Tom, ein junger Schriftsteller, fühlt sich von der Aura der geheimnisvollen Fremden sofort angezogen und bittet die restlichen 14 Bewohner des Ortes, der verstört erscheinenden Grace aus reiner Nächstenliebe heraus einen sicheren Unterschlupf zu gewähren. Die streng religiöse Gemeinde steht diesem Vorhaben jedoch skeptisch gegenüber, erklärt sich aber auf einer Versammlung im Missionshaus bereit, Grace zwei Wochen Zeit zu geben, ihr wahres Gesicht zu zeigen. Denn um in Dogville akzeptiert zu werden, muss Grace eine Gegenleistung erbringen, die ihre Mitmenschen für das Risiko entschädigen soll, sie bei sich zu verstecken. So beginnt Grace sich nützlich zu machen, bis es ihr schließlich gelingt, das Dorf mit diversen Gefälligkeiten von sich zu überzeugen. Als die Polizei jedoch einen Steckbrief der Gesuchten mitsamt Belohnung öffentlich aushängt, fordern die Bewohner einen höheren Tribut für ihr Schweigen. Grace ist nun den launischen Stürmen ihrer Gönner ausgeliefert, die sie unverhohlen ausnutzen und zur Leibeigenen degradieren, indem sie Grace mit ihren zarten Alabasterhänden doppelt so viel arbeiten lassen, um nicht verraten zu werden. Nach einer Vergewaltigung versucht Grace mit Hilfe von Tom aus Dogville zu fliehen. Als dies misslingt, bekommt sie die boshaften Schikanen frustrierter Frauen zu spüren, während sich die Männer reihenweise an ihr vergehen, um endlich ihre unterdrückte Sexualität hemmungslos ausleben zu können. Grace' Aufenthalt in Dogville gleicht nun einem Abstieg in die Tiefen menschlicher Abgründe, aus denen es offensichtlich kein Entrinnen mehr gibt.

"Dogville" wurde seinerzeit vorgeworfen, ein antiamerikanisches Machwerk zu sein, was Lars von Trier in Interviews allerdings immer wieder verneinte. Natürlich könnte der Film auch gut und gerne woanders spielen, aber sind solche Dinge wie die bigotte Sexualmoral, die fragwürdige Einstellung, Menschen nur nach Nützlichkeitsaspekten zu beurteilen, die Angst vor dem Fremden, das schamlose Profitieren von der Not anderer Leute, die subtile Gewalt der Gesellschaft mitsamt ihrem oktroyierten Konformismus, der aberwitzige schizophrene Verfolgungswahn von psychotischen Paranoikern, die süßen Versuchungen der Macht, wenn man sie denn mal innehat, und die Prüderie eines besonders verlogenen Moralmobs untrügliche Anzeichen dafür, dass die Szenerie in Gestalt dieses scheinbar idyllischen Dörfchens im Mittleren Westen der USA ganz bewusst gewählt wurde. Und spätestens wenn James Caan als Don-Corleone-Verschnitt auf den Plan tritt, ist der obige Kontext nur noch schwerlich von der Hand zu weisen. Mit den spärlichen Requisiten versucht Lars von Trier die konventionellen Sehgewohnheiten des Zuschauers zu unterwandern, wobei die Transparenz der Kulissen durch den weiten dunklen Raum in der Umgebung sogar eine klaustrophobische Atmosphäre entfacht, weil dadurch der Blick des Zuschauers mitten auf das Skandalon gerichtet wird. Dass "Dogville" trotz der fehlenden Hintergründe dennoch so gut funktioniert, hat auch etwas mit der äußerst poetischen Kraft einer allwissenden Erzählstimme (John Hurt) zu tun, die aus dem Off heraus den Zuschauer elegant durch die Handlung führt. Durch die kümmerlich mit Kreide aufgezeichneten Umrisse der Häuser und Straßen auf dem Hallenboden erweckt die Aufführung den Anschein eines experimentellen Gesellschaftsspiels, das von einem transzendentalen Strippenzieher gelenkt wird. Zumal Lars von Trier auch hier wieder in religiöse Symbolwelten eindringt, sich kritisch mit ihnen auseinandersetzt und die dechiffrierten Codes neu bewertet. Ähnlich wie bei Bess oder Selma stellt der Leidensweg von Grace ein Passionsspiel dar, nur dass der Regisseur diesmal die Regeln ein klein wenig abändert, weil sich am Ende die Machtverhältnisse in Dogville (wie auch später in "Antichrist") umkehren werden. Während sich barmherzige Frauen wie Selma und Bess in ihrem Stoizismus selbst aufopfern und in ihrer Güte an der kranken Gesellschaft scheitern, mutiert Grace, die ihren Aufenthalt sowieso nur als masochistischen Selbsterfahrungstrip konzipiert hat, zum apokalyptischen Racheengel, der ohne Gnade ein grausames Gericht über die selbstgerechten Pharisäer von Dogville bringt. Am Ende steht ein moralisches Dilemma: Hätte Grace trotz allem erfahrenen Leids nicht doch Erbarmen zeigen müssen? Dürfen andererseits Menschen, die sich schuldig gemacht haben, ihrer gerechten Strafe entgehen? Ist die Haltung einer bedingungslosen Vergebung der normativen Gesetzesgerechtigkeit vorzuziehen oder handelt es sich dabei einfach nur um eine andere Form von arroganter Unfehlbarkeit? Wenn man sich diese Fragen während des Abspanns stellt, hat der Film sein Ziel erreicht, geht es Lars von Trier doch schließlich auch darum, dass Publikum zum eigenständigen Bilden einer humaneren Antithese zu den amoralischen Spielchen auf der Leinwand zu provozieren. Die beste Art, die eigenen Dämonen zu bekämpfen, ist eben doch, sie selbst heraufzubeschwören.
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am 15. Februar 2016
Ein fantastischer Film mit einer großartigen Nicole Kidman! Kammerspielartig inszeniert auf einem Bretterboden mit minimaoistischer Ausstattung (also bitte keinen Realismus erwarten). Die Entwicklung der "fremden" Frau und der Dorfbewohner ist zum Gruseln und doch so wahr. Man kann echt etwas über Anpassung, Macht und Ohnmacht für's Leben lernen.
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am 22. Oktober 2013
Toller Film! Anfangs musste ich mich an das ungewöhnliche Setting gewöhnen, aber ganz schnell ist man mitten in der Geschichte.
Und Lars von Trier gelingt es wieder meisterhaft, einen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele anzudeuten.
Vorher hatte ich bereits Melancholia und Antichrist gesehen. Es gelingt nur wenigen Filmen, nicht vorhersehbar zu sein. Lars von Trier ist ein Meister in unerwarteten Wendungen. Toll! Klare Empfehlung an alle, die außergewöhnliche Filme jenseits von Hollywood mögen!
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am 13. Mai 2015
Meiner Ansicht nach der beste von Trier Film. Die Rahmenhandlung dient als Parabel, wann ein zu moralischer Anspruch an sich selbst zur moralischen Arroganz wird: wenn man sehr viel höhere Ansprüche an sich anlegt, als an alle Anderen ... ich liebe die Pointe zum Schluss.
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am 10. Februar 2013
Es ist jetzt gute 6 Wochen her, daß ich den Film zum ersten mal gesehen habe. Ich bin restlos begeistert, gleichwohl ich immernoch ratlos bin wie ich das gesehene in Worte kleiden könnte. Ich finde es einfach völlig genial ,wie z.B. im Vordergund der normale, langweilige, biedere Alltag der einen stattfindet, während in einem anderen Haus im Hintergrund etwas völlig gegensätzliches passiert. Es macht einfach Laune selber zu sehen was beinahe alle Beteiligten zu beinahe jederzeit tun, statt es nur erzählt zu bekommen oder per Schnitt zu erfahren. Das ist richtig richtig richtig gut.
Die Endsequenz hat mich dann völlig weggeflasht. Hammerhart.
Aber sicher ist der Film eher was für Menschen mit schrägem Humor und erhöhtem Interesse am Medium, denn mit 2 3/4 Stunden ist er auch in dieser Hinsicht kein Leichtgewicht. Aber das ist auch gut so, und wer sich an Lars von Triers Werke wagt, weiß hoffentlich was ihn erwarten kann und ist auf das härteste gefasst. Wer sich darauf einlässt und es mag, wird reich belohnt mit einem grandiosen Werk.
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