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am 30. April 2014
ACHTUNG :SPOILER !

"Man denkt immer , es passiert nur den anderen. Und wenn es einen selbst trifft, dann verliert man jeglichen Boden".

Das zentrale Zitat umfasst in etwa die niederschmetternde Erkenntnis, die "Irreversible" durchzieht.
"Irreversible" ein Film wie ein Donnerschlag, der in die Knie zwingt, der unvergesslich drastische Bilder, Farbexplosionen und nie erlebte ,fassungslos die Kehle zuschnürende Szenen beinhaltet.
"Irreversible" kein Film um ihn für zwischendurch zu erleben.Ein Film den man vielleicht allein erdulden muß, denn fürwahr ein Martyrium muß hier auch der Zuschauer durchstehen.
Denn dieser Film gehört zu denen , die Viele wahrscheinlich nur einmal im Leben ertragen, den man als zutiefst abstoßend empfindet, und, das schließt sich nicht aus,von dessen hochintelligenter, einmalig präzise durchdachter Inszenierung man am Ende schwindelnd und vollkommnen zerrüttet hoch begeistert ist.
Caspar Noes Name ist Synonym für Filme, die nur in guter psychischer Verfassung zu erleben sind.
Denn das Enfant Terrible der französischen Filmkunst erspart uns in seinen bisherigen drei grossen Werken "Menschenfeind", Irreversible" und Enter the Void" nichts.
Schwelgen in Extremen, seien es die hypnotisch fiebernde Kameraführungen, die wabernd, grellen Farben, die zerrütteten Charaktere, das zutiefst pessimisische Menschheits- und Lebensbild.
Erschütternd, erschreckend mit der Wucht eines Dampfhammers so läßt der Regsseur in "Irreversible" keine Gnade walten, läßt uns Zeuge werden von tiefsten, unmenschlichsten Charakterseiten.
Caspar Noe ist ein Regiseeur der unumwunden seine eigenen Ängste in schockierend ehrlicher Weise auf die Leinwand bringt. Deshalb kommt er uns so nahe, denn seine Ängste sind unsere zutiefst erlebten oder verdrängten Befürchtungen.
Es ist die Angst vor der Unausweichlichkeit, vor der entsetzlich belanglos, zufälligen und dabei unausweichlichen Macht des Schicksals, des hilflosen Ausgeliefertseins, der Möglichkeit jeder Zeit am falschen Ort zur falschen Zeit sein zu können, Opfer zu werden von nicht kontrollierbaren Einflüssen.
Es ist die Unfähigkeit, die uns allen eigen ist , die Zukunft zu beherrschen, zu planen oder wirklich sein Leben eigenbestimmt führen zu können.
Ängste, die jeder denkende Mensch kennt.
Mich schaudert immer persönlich ,wenn Menschen zu sehr Projekte in der Zukunft planen oder selbstherrlich genau wissen, wo sie in ein paar Jahren hin verschlagen werden.
Ich halte dann immer die Luft an und denke wie fragil ein eigens geschaffener Lebensentwurf wird, sollte nur ein Rädchen im grossen, verplanten Zukunftsgetriebe einmal nicht nach Gebrauchsanweisung laufen.
So unwahrscheinlich es klingt ,"Irreversible" lehrt den so rational denkenden, so überheblichem Menschen wieder eine Demut vor der Irrationalität der Zukunft, vor der Erhabenheit des diffusen Schicksals, (oder Zufalls wie man es umschreiben will).
Einmal zu einer falschen Zeit den nächtlichen Club verlassen, einmal zu falscher Zeit eine blutrot erleuchtete, dunkle Unterführung genommen, und all deine geplanten, zuversichtlichen Lebenskonzepte werden in den Staub getreten, von der erbarmungslosen Grausamkeit der Willkürlichkeit des Lebens.
Diese Erkenntnis läßt einen nach "Irreversible" erzittern, und sie ist in ihrer glasklaren, bestürzend ausgearbeiteten Umsetzung ein vielleicht heilsamer Schlag ins Gesicht.

"Irreversible" beginnt mit einem eigenwilligen Abspann ; Titel, Darstellernamen, Danksagungen seltsam verdreht, laufen rückwärts durchs Bild.
Hektisch pulsierend flammen die Namen auf : Noe, Bellucci, Cassel.
Der Geniestreich des Films ist die Tatsache, daß die schockierenden Ereignisse chronologisch rückwärts gezeigt werden.
Das versetzt den Zuschauer in die Lage, Zeit und Raum in der Filmillusion aushebeln zu können, macht ihn aber andererseits hilflos gegenüber den im Moment nicht verstehbaren, erruptiven Gewaltexzessen, läßt ihn jedoch mit zunehmender Laufzeit die Puzzelteile zusammensetzen, was zu höchstmöglicher Verstörung und Erschütterung führt.
Ganze Abhandlungen könnte man über die Genialität dieses cineastischen Geniestreichs schreiben, erleben, durchstehen muß man ihn selbst um die ganze Monströsität zu begreifen.
Ein Beispiel , die phantastische Kamera: Sie ist stets Ausdruck der Gefühlswelten des Zuschauers . Ihre Dynamik spiegelt immer exakt das Empfinden des Auditoriums wieder.
Am Anfang ein flirrender, schwindelerregnder Strudel an grellen Bildern.
Rastlos, ruhelos irrt der Bildauschnitt genauso orientierungslos wie der Zuschauer durch schwindelerregende Räume.
Die subjektive Haltlosigkeit als Ausdruck des Gefühlswirrwarrs.
Schwingend und gleitend, blickt sie alsbald zu Anfang in ein karges Zimmer. Zwei nackte Männer sitzen dort auf einer schmierigen Liege.
Der eine ist der Pferdemetzger (Philippe Nahon) aus dem Vorfilm "Menschenfeind", der hier über die Begierde zu seiner Tochter philosophiert.
Noe verbindet hier den Vorgängerfilm mit dem aktuellen "Irreversible" , läßt die schockierend trostlosen Handlungen, Personen von "Menschenfeind" noch einmal aufleben.
Für den weiteren Verlauf von "Irreversible" ist dieser Anfang weniger wichtig, doch Nahon weist hier schon in einer Dialogzeile auf das Credo des Films hin : "Le temps detruit tout", -die Zeit zerstört alles .
Die Kamera schwenkt , rotiert durch das schmutzstarrende Fenster in die tiefschwarze Nacht, eine leuchtende Neonschrift: Der Nachtclub "Rectum" taucht im Bild auf.
Und hier beginnt rückwärts erzählt "Irreversible" mit der amoklaufenden Rache eines jungen Mannes, vollgepumpt mit Drogen, von dessen Beweggründen wir bisher nichts wissen. Erst hinterher werden wir schlauer sein, werden Ereignisse richtig einordnen können.
So entzieht uns Noe konsequent die Möglichkeit Szenen richtig zu bewerten oder nachvollziehen zu können. Sie stürzen quasi ungefiltert auf uns ein, und reissen uns jeglichen Boden unter den Füssen weg.
Der erste Gewaltakt in dem rot erleuchteten Kellerclub mit stroboskobartig ausgeleuchten SM- Szenerien trifft uns deshalb mit einer Wucht, die im Kino fast unvergleichlich ist in seiner beispiellosen Grausamkeit.
Der vollkommen rasende junge Mann Marcus sucht einen gewissen El Tenia .
Vage geht das Gerücht um eine Frau wurde vergewaltigt. Als er einen Verdächtigen findet, kommt es zum Handgemenge.
Mit einem Feuerlöscher schlägt Marcus unzählige Male auf das Gesicht seines Opfers ein.
Die Kamera schwenkt jedes mal mit, scheint selbst zum Schlag auszuholen.
Ohne Schnitt in einer einzigen Einstellung zeigt uns Noe wie hier ein Mensch durch die banale und destruktive Kraft zu einer blutigen Masse wird. Keiner der Umstehenden greift ein.
Die Meisterschaft wie Noe Gewalt, Aggression und die furchtbaren ekelhaften Auswirkungen in authentischster Weise zeigt ist beeindruckend und schockierend bis in Mark.
Nie mehr wird man diese Szene vergessen. Nahezu physisch scheinen uns die Schläge selbst zu treffen.
Noe gibt der Gewalt das Häßliche wieder, die niemals zu rechtfertigende oder konsumierbare Destruktion, die sie scheinbar zwischen all den überall goutierbaren bunten Gewalt- Computerspielen oder Actionfilmen an wirklichem Ausmaß verloren hat.
Das Entsetzliche, das furchtbar Belanglose, das hilflose Krepieren, Schreien, Wimmern, die grosse übelkeiterregende Sinnlosigkeit.
Wer Noes Filme als gewaltverherrlichend sieht, hat keinen einzigen Zusammenhang verstanden.
Einer schonungslosen inneren Reinigung gleich läßt uns Noe von Gewalt wieder zutiefst betroffen sein.
Auch in dieser absolut überfälligen Darstellung von Brutalität als furchtbaren verhängnisvollen Menschheitssündenfall ist der Film so wichtig, so ehrlich und niederschmetternd.
Filmisch blättern wir jetzt ein Kapitel zurück.
Wir werden Zeuge davon wie es überhaupt zu diesem apokalyptisch grausamen Szenario kam.
Erst jetzt erlaubt uns zunehmend Noe eine Möglichkeit diesen Tötungsakt teilweise nachzuvollziehen.
Erst bekommen wir den Exzess, und wissen nicht warum, jetzt erst lichtet sich das Dunkel.
Marcus Freundin Alex (die atemberaubend ,sinnlich anmutige Monica Belucci) verlässt nach einem belanglosen Streit eine gemeinsame Party.
Wie in einem grossen undurchschaubaren Schicksalsspiel werden ihr Zukunftskarten auf verhängnisvolle Weise durchmischt.
Zur falschen Sekunde, die falsche Bahnunterführung durchschritten (ein unvergessliches Bild, dieser in blutrote Neonfarben getauchte Zementschlauch, einem Tor zur Hölle gleich), trifft sie dort auf den bisexuellen Zuhälter El Tenia.
Provoziert von ihrem eleganten, reizvollen Äußeren, in Wut über eine "Dame der Oberschicht" wird er sie dort elf quälend lange Minuten erbarmungslos vergewaltigen, erniedrigen, bis zur Unkenntlichkeit schlagen.
Ein ganzes Leben, ein ganzer filigraner Mensch in wenigen Minuten auf erbarmungsloseste Weise zerstört.
Hier geht es nicht im wesentlichen um sexuelle Befriedigung, hier zeigt Noe die willentliche und fassungslos machende Willkür, die Lust am psychischen und pysischen Zerfetzen, der Vernichtung eines erniedrigten Organismus, der vor ein paar Minuten noch ein hoffnungsvoll, unbekümmerter junger Mensch war.
Ein Zeuge kommt kurz hinzu, schaut und geht die Treppe wieder hoch.
Noes Blick auf den Homo Sapiens ist hier in seiner schockierenden Umbarmherzigkeit unvergleichlich.
Wieder bemerkenswert und suggestiv ist hier wiederum die Kamera
Diesmal bleibt sie bei dem unmenschlichen Vergewaltigungsakt regungslos ohne Schnitte auf gleicher Höhe wie die am Boden liegende junge Frau.
Wir werden selbst somit zum teilnahmslos kalten Beobachter.
Unser eigener Voyeurismus, als würden wir selbst beobachtend ohne Einzugreifen dabeistehen, wird uns gnadenlos vor Augen geführt.
Dieser radikale Inszenierungskniff zwingt den Zuschauer in ein moralisches Dilemma, splittet seine Aufmerksamkeit in beunruhigend sich widersprechende, elementar verstörende Empfindungen.
Voyeurismus, Sensationslust, Wegschauen, Gaffen. Der Mann, der wieder weggeht, der irre Vergewaltiger, das bemitleidenswerte gequälte Etwas am Boden, die starre Unbewegtheit der subjektiven Kamera.
Das Ende ist der Anfang würde man den Film chronologisch erzählen, und nun befinden wir uns im letzten Drittel auf besagter Party. Sehen Monicca Bellucci ganze betörende Schönheit, erleben die banalen, kokettierenden Dialoge mit ihrem Freund und ihrem Ex -Freund.
Eine Gruppe junger Menschen vielleicht so unbekümmert und im alltäglichen Auf und Ab verhaftet wir wir alle, die wir auch nicht in die nahe Zukunft schauen können.
Die Genialität des Films ermöglicht uns jedoch dieses.
Wir wissen im Gegensatz zum normalen Leben wie sich alles entwickeln wird.
Noe schockiert uns mit diesem Zukunftswissen bis zum Schluß.
Die Bilder werden nun zunehmend ruhig, in grosser zärtlicher Harmonie erleben wir den schönen nackten Körper von Alex in den Armen ihres Liebsten, am Morgen im Schlafzimmer erwachend.
Eine vertraute Sicherheit, die trügerisch glauben läßt über kommende Eventualitäten des Schicksals triumphieren zu können.
Neckereien über sexuelle Spielereien . Das Wissen über die gesehenen zukünftigen Szenen lassen bei solch erotisch unschuldigem Geplänkel den Zuschauer vor Grauen erstarren.
Ein Film-Poster hängt an der Wand ; "2001- A Space Odyssee" von Kubrick, ein Verweis an ein Werk in dem ebenfalls Zeit und Raum verschwimmen.
"Ich hatte einen Traum von einem grossen dunkelrot, erleuchteten Tunnel, Man sagt die Zukunft sei vorherbestimmt"- surreale Träume als kurze weissagende Ahnung des Unaufhaltsamen.
Doch alles scheint so zukunftsgewandt. Mit letzter niederschmetternder Konsequenz erfahren wir das Alex schwanger ist.
Nicht nur ein Leben wird bald zerstört werden.
Auf einer blumenübersäten hellen, idyllischen Frühlingswiese liegt Alex friedlich, um sie herum spielende Kinder.
Zeichen des Aufbruchs , Zeichen der Hoffnung auf ein schönes Leben.
Die Kamera schwebt hoch in einem wahnsinnig machenden kreischend, stroboskophaftem Geflacker donnert der Film uns die letzten Sekunden für immer in das Gedächtnis.

Begeisterung trifft es angesichts dieser Gefühlsaufwallungen nicht, was man für den Film empfindet.
Es ist das bare Erstaunen über eine cineastische Leistung jedwede herkömmliche Konstruktion eines Films zu sprengen, den Zuschauer zu manipulieren, jede narrative Konvention zu durchbrechen.
Kino pur und ein einmaliges Kunstwerk. Unbequem, fassungslos machend, kompromisslos, unvergesslich.
Worüber handelt der Film also: Vielleicht von dem elementarsten Menschheitsthema überhaupt:
Zeit, Sein, Wirklichkeit und Schicksal.
Auch von der elementaren Menschheitsangst, der Unsicherheit über das Kommende,die uns stets begleitet.
Wir haben unser Leben eben nicht im Griff, können nur in engem Rahmen Kontrolle ausüben.
Nie zuvor hat uns ein Film so intelligent, so radikal und existenzialistisch verstörend uns das vor Augen geführt.
Kein Leben gibt es ohne die vielleicht kleine aber jederzeit mögliche Option alles jederzeit verlieren zu können.
Das gibt den Dingen und Menschen ihren Wert, macht demütig und im Augenblick lebend.
Der Film zwingt uns ,wenn wir uns schwindelig aus unserem Fernsehsessel erheben , uns genau damit auseinanderzusetzen.
Ein phantastisches, einmaliges Meisterwerk und eine cineastische Extremerfahrung ohnegleichen.
Keine Handlung, kein Wort können wir im normalen Leben wieder ungeschehen machen.
Der Blick in die diffuse Zukunft konnte uns hier nur ein Filmemacher einmal gestatten.
Die einzige Möglichkeit: Sorgsamkeit und Erfüllung finden im einzig bestimmbaren Moment ,diesem Augenblick hier und jetzt.
Diese scheinbar so einfache Erkenntnis peitscht uns in schmerzhafter, bestürzend überwältigender Weise Caspar Noe hier in jeder Minute ein.
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TOP 1000 REZENSENTam 16. Dezember 2009
"Irreversibel" bedeutet Nichtumkehrbarkeit. Gaspar Noe wählt aber für seine Erzählung den Rückwärtsgang, also eine umgekeherte Chronologie wie sie bereits in "Memento" erfolgreich und innovativ eingesetzt wurde.
Noe wählt diesen dramaturgischen Schachzug um das Thema des Film "Zeit zerstört alles" zu untermauern.
Der Film beginnt bereits mit sehr eigenwilligen und gewöhnungsbedürftigen Vorspann: Die Titel und Namen ziehen rückwärts durchs Bild, manche Buchstaben sind spiegelverkehrt geschrieben.
Dann monotone Geräusche, jeder dieser Schläge präsentiert einen Nachnamen: Cassel, Dupontel, Bellucci und Noe.
Die drei Hauptdarsteller und der Macher.
Dann beginnt die Geschichte an ihrem Ende. In einem Zimmer unterhalten sich zwei Männer, der eine schon etwas betagt, graues Haar und nackt. Er erzählt dem anderen vom Mißbrauch an der eigenen Tochter.
Dann schwenkt die Kamera aus dem Fenster, nach unten - ein Blick auf den schwulen S/M-Club "Rectum", es ist Nacht und Blaulicht ist zu sehen. Ein verletzter Mann auf einer Krankenbahre und ein weiterer werden von der Polizei abgeführt.
Es handelt sich um den cholerischen Marcus (Vincent Cassel) und den ruhigen Pierre (Albert Dupontel), beide wohl befreundet.
Dann schildert der Film, was alles passierte: In den dunklen Gängen des rot geleuchteten Kellerclubs macht der Zuschauer eine höchst eigenwillige Seherfahrung: Nur gelegentlich wird die Szene klar erkennbar sein. Kleine Personengruppen, nackte Körper, sexuelle Szenen, die der Film für Sekunden offenbart. Darüber liegt ein pulsierend rhythmiserter Techno-Klangteppich, der zum ständigen Stöhnen vieler Männer passt.
Marcus sucht den Mann namens El Tenia (Bandwurm). Der Mann, der seine Freundin Alex (Monica Bellucci) in einer Straßenunterführung anal vergewaltigt hat und sie danach aggressivst ins Koma prügelte...
Tatsächlich ist "Irreversibel" ein extrem krasser Film, denn die beiden Gewaltszenen, die der Film in schonungsloser Offenheit zeigt, haben es in sich.
Die nächtliche Metropole Paris wird gezeigt als die reinste Hölle.
Noch habe ich mich nicht erholt von der mit dem Feuerlöscher bearbeiteten undefinierbaren Masse von Gesicht, da schockiert der Film nachdrücklich mit einer 9-minütigen, nahezu endlos wirkenden, fast statischen Einstellung einer Vergewaltigung, die als Zerstörungsakt und grösste Erniedrigung für das Opfer angelegt, den Zuschauer wie ein Schlag in die Magengegend trifft.
Eine vergleichare Szene im Film kenne ich nicht, diese Sequenz brennt sich unmittelbar ins Unterbewusste.
Kein Film, den ich mir wieder mal ansehen möchte. Aber als radikaler und existenzieller Kommentar zu den Themen Leben, Liebe, Hass, Zeit und Zerstörung sehr nachdenklich stimmend.
33 Kommentare| 18 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. September 2007
Man kann auf der einen Seite sagen, dass die im Film dargestellte Gewalt der oft grausamen Realität entspricht und der Regisseur versteht es sicherlich, mit der Art der Kameraführung Atmosphäre zu erzeugen, auf der anderen Seite muss man sich einfach fragen, ob es sein muss, immer und immer wieder zu provozieren. Denn das tut "Irreversibel" zweifelsohne.
Dennoch: Dass es sich um Gewaltverherrlichung handelt, würde ich nicht sagen, das Ganze ist so grauenhaft dargestellt, dass es auf mich eher abschreckend wirkt. Es steckt auch kein Ausschlachten dahinter wie oft bei Mel Gibson (übertrieben spritzendes Blut, Zeitlupen etc), sondern eine eher nüchterne Betrachtungsweise. Das allerdings macht das Ganze eher nur noch bedrückender.
Ich kann jedenfalls sowohl die Leute verstehen, die nur einen Stern geben, aber eben auch die, die fünf vergeben, denn verstörend ist der Film allemal (daher dann letztlich auch die drei Sterne).
So war ich in der entsetzlichen Vergewaltigungsszene (spätestens als dieses miese !%$§ angefangen hat, die Frau zu treten und zusammenzuschlagen), dann auch kurz davor, den DVD-Player auszuschalten, nachdem mich schon das mit dem Feuerlöscher arg mitgenommen hatte und der obligate Griff zur Zigarettenschachtel erfolgt war.
Ich gebe zu, dass der Film viel Interpretationsspielraum bietet und dass das beiliegende Textbuch einige interessante Denkanstöße liefert. Die Schauspieler sind ebenfalls sehr gut.
Dennoch werde ich mir den Film nie wieder ansehen. Es gibt bestimmte Filme, die kann man (in bestimmten Fällen auch muss man) gesehen haben, aber das reicht dann auch.
22 Kommentare| 44 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 27. November 2006
Am leichtesten täte man sich bei einer Rezension über diesen Film, könnte man ihn nur aus einem einzigen Blickwinkel betrachten. Man könnte ihn leicht bewerten, ließe man die Handlung gänzlich beiseite und konzentrierte sich nur auf die Handwerkliche Begabung des Regisseurs. Als Gesamtkonzept erfordert dieser Film gewisse Spitzfindigkeiten des Rezensenten, ihn nicht als allzu einseitig dazustellen. Ich hoffe sehr, dieser Anforderung auch nur im Entferntesten gerecht zu werden.

Die Handlung beginnt in einem kleinen Zimmer bei gedrückter Atmosphäre, wo sich zwei Charaktere über irgendwelche Banalitäten unterhalten (einer von beiden ist der Protagonist aus Noes erstem Film „Menschenfeind“). Nach kurzer Zeit wird deren Gespräch von etlichen Polizeisirenen übertönt und die Handlung nimmt ihren Lauf, indem die Kamera dem bedrückenden Szenario, wie eine Fliege, durch das offene Fenster entwischt.

Die Kamera ist bei diesem Film eine Art unmittelbarer Erzähler. Gaspar Noe erfindet mit der hektischen Art der Kameraführung das Rad zwar nicht neu, aber er modifiziert es doch beträchtlich und gleicht es an seine Bedürfnisse an. Der Betrachter sieht zunehmend wie sich Fachbuchwissen mit persönlicher Kreativität vermischt und erfreut sich aus diesem gedanklichen/ bildlichen Cocktail aus verschiedenen Stilmixen. Noch dazu wird diese erwähnte Hektik sehr gut von der Filmmusik untermalt, die letztlich den letzten Funken Spannung aus den einzelnen Szenen heraus kitzelt.

Was dann folgt ist die episodenhafte Schilderung der Vorkommnisse. Dabei bedient sich der Erzähler/ Regisseur der Kunst, seine Geschichte in eine retrospektive Chronologie zu bannen. Vom Ende der Geschichte durchlebt der Betrachter alle Episoden einer zusammenhängenden Handlung. Im Gegensatz zu sonstigen Filmen, wird der Spannungsbogen sogleich wissentlich vom Regisseur zerstört. Wartet man bei anderen Filmen auf ein fulminantes Ende, so wird bei diesem Film das Ende unmittelbar nach Beginn verraten. Der Betrachter wird viel eher dazu gezwungen darüber nachzusinnen, inwieweit die rückwärts ablaufenden Episoden zusammen hängen und wo der tatsächliche Fluchtpunkt liegt, in dem die Handlung eine Rechtfertigung erfährt. Der Betrachter sucht somit nach der ersten, möglichen Kausalität, - obwohl ihm das Ende/ oder deren Resultate schon längst bekannt sind. Die Handlung selbst erneut zu schildern, würde keinen großen Sinn machen, denke ich.

Der Grundtenor des Werkes scheint von Anfang an ein trister zu sein, spielt doch der gesamte Film (bis auf die vorletzte Szene) nachts. Neben den bereits erwähnten Attributen, welche dieses Werk auszeichnen (Kamera, Plot, Musik), ist wohl die schauspielerische Leistung der Agierenden wohl der größte Pluspunkt. Monica Bellucci und Vincent Cassel verleihen dem Film ein ganz eigentümliches Flair, - v.A. wenn man bedenkt, dass sie im echten Leben verheiratet sind und ein gemeinsames Kind haben.

Fazit:

Nichts für Hollywoodcineasten! Ein recht beachtlicher Film über das Spektrum menschlicher Abgründe, gekonnt verpackt und von großartigen Schauspielern in Szene gesetzt.
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am 23. Juli 2013
Der Plot dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein, daher werde ich mich zu ihm nicht weiter äußern. Ohnehin geht es 'Irreversibel' um die Wirkung der Ereignisse und nicht darum, eine Geschichte zu erzählen; sehr gut zur Geltung bringt der Film, wie plötzlich, gnadenlos und durch scheinbar unbedeutende Zufälle das Verbrechen in das Leben der Opfer platzt.

Es gilt zu erwähnen, dass die vielzitierte Vergewaltigungsszene wirklich äußerst brutal und kaum mitanzusehen ist. Dieser Film ist keine Unterhaltung, er ist aber auch nicht so voyeuristisch, wie oftmals behauptet wird.
Vielmehr ist er ein Lehrstück über das Leid der Opfer, die wütende Machtlosigkeit der Angehörigen und die Aussichtslosigkeit von Rache.
Sogar wer sich an den Anblick von Leid und Gewalt gewöhnt glaubt, durch welche Form von Sensibilisierung auch immer, wird feststellen, dass er am Ende besagter Szene ganz klein und still dasitzen wird, mochte er zu Beginn des Streifens auch noch so lässig in seinem Fernsehsessel gelümmelt haben.
Gleichwohl ist die Szene wichtig. Das Wort "Vergewaltigung" ruft bei den meisten Menschen eine gewisse Scham hervor, als ginge es trotz der negativen Konnotation des Begriffs wirklich um Sex, der eben "nur" nicht gewollt ist. 'Irreversibel' stellt auf drastische Weise klar, dass es in Wahrheit um die Ausübung von Macht geht, Macht durch Demütigung, die das Opfer nicht nur körperlich, sondern auch seelisch auf das Schwerste beschädigt. Die Gesellschaft sollte diese Lektion im Hinterkopf behalten, in einer Zeit, in der Vergewaltiger mitunter sogar mit Bewährungsstrafen davonkommen.

Die schauspielerischen Leistungen des Ensembles sind hervorragend, vor allem, wenn man bedenkt, welche Art von Darstellung sie abliefern mussten. Was meiner Ansicht nach weit mehr thematisiert werden sollte als die s.g. "Skandalszene", ist die technische Umsetzung des Films. Das viele Gewackel und Geflacker stört gewaltig und verhindert, dass Emotionen sich wirklich setzen können. Als Stilmittel ist es ein Fehlgriff und hat weltweit sicher für den ein oder anderen epileptischen Anfall gesorgt.

Fazit: Eigentlich gibt es keinen Grund, sich diesen Film anzutun, man sollte es aber dennoch tun. Einzelschicksale berühren bekanntlich mehr als das Leid der gesichtslosen Masse, so oder so stellt sich nach 'Irreversibel' aber ein Gefühl ein, wie man es nach 'Hotel Ruanda' oder 'Schindlers Liste' hatte -- eine Art innerer Leere, ein Entsetzen, dass man selbst genauso wie die Täter zur Gattung Homo Sapiens gehört.
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am 4. November 2006
Am Ende des Filmes war ich im Kino zutiefst verstört! Dieser Film macht keinen Spaß, dieser Film ist keine leichte Unterhaltung und dieser Film bleibt einem unweigerlich im Gedächtnis. Irreversibel erfüllt keine Erwartungen an vertraute Dramaturgien - weil die tragische Geschichte rückwärts erzählt wird, weil der Bösewicht der Rache entkommt und weil das Leben aller anderen Protagonisten zerstört ist. Zwei Jahre später habe ich mir die DVD dann doch gekauft und diesen Film wieder angeschaut. Jetzt sehe ich die Geschichte mit anderen Augen: Irreversibel ist ein radikales, ultrabrutales und gleichzeitig zärtliches Meisterwerk ohne Kompromisse. Der Regisseur zeigt eine Hölle der sinnlosen Gewalt und menschenverachtenden Egoismus. Liebe, Vertrauen und Verantwortung werden in ebenso unvergesslichen Bildern präsentiert, das einem die Tränen kommen müssen. "Die Zeit zerstört alles", heißt es am Anfang - nur diesem Film wird sie nichts anhaben können...
11 Kommentar| 35 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. März 2015
Ich wußte durch Internetberichte um die Reaktionen die der FIlm in den Kinos ausgelöst hatte.
Die Leute sind reihenweise aufgestanden und haben den Saal verlassen.
Er hat mich dennoch gereizt. Alleine schon wg. Monica Belucci.
Ich weiß nicht ob das Kunst oder nur krank ist.
Dafür bin ich wahrscheinlich zu "normal".
Deshalb auch doch noch 2 Sterne.
Aber ich habe noch NIE etwas Vergleichbares gesehen.
(Und ich behaupte das ich schon so einiges gesehen habe)
Die 8 oder 9 Minuten lange Vergewaltigungsszene und der Mord an dem Vergewaltiger sind
mit GROßem Abstand das brutalste, perverseste und krankeste was ich ich bis jetzt gesehen habe.
Ich meine die Art und Weise der Darstellung, die Länge und das Gesamtkonzept.
Man sieht selbstverständlich schon viel Gewalt in anderen Filmen,
aber das hier ist etwas völlig anderes und eine ganz andere Liga.
Ich habe viel vorgespult bei dem Film, aber am Ende habe ich den Fernseher ausgemacht und
braucht bestimmt 30 Minuten um mich zu sammeln.
Das ist mir vorher so noch nie passiert.
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am 15. Mai 2007
Man würde wohl ziemlich verstört und desillisioniert sein, wenn der Film von Anfang bis Ende gedreht würde. Noe wußte wohl, das er hier einen rabenschwarzen Film machte und drehte so von Ende bis Anfang. Der Film wäre sonst nicht auszuhalten gewesen. Zudem geht es nun mal um "mehr", als um das Schicksal der drei Personen, deren Leben in einer einzigen Nacht physisch und seelisch zerstört wird. Die Zeit zerstört alles, also auch die Ursache für das Unglück dieser drei Personen. Doch hilft das dem Zuschauer auch nicht wirklich weiter. Und so sehen wir am "Ende" des Films ein vergnügliches Trio auf dem Weg zu einer Party, welches so authentisch rüberkommt, das man schon wieder lächeln kann. Doch eine der schönsten Szenen der Filmgeschichte schlechthin ist die Aufwachszene von Belucci und Cassel. Doch muß der Zuschauer dafür vorher durch die Hölle gehen. Und es tut auch weh, diese Szene zu sehen, mit dem Wissen, was den beiden in der Nacht noch geschieht. Und so bleibt nichts, als ein bißchen Selbstbetrug, um diese Szene genießen zu können.

Und der Schluß. Nun. Am Anfang war der Urknall. "Die Zeit zerstört alles."

Viel Emotionen und doch ein Film für den Kopf. Gelungen!
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am 15. August 2007
Was Gaspar Noé hier abgeliefert hat ist schlicht und ergreifend ein Meisterwerk:

Alles fängt mit der Erzählstruktur an: Alles wird konsequent rückwärts erzählt, was innovativ ist, aber noch nicht bahnbrechend. Im gesamten Film wurde KEIN EINZIGER SCHNITT gemacht, sondern alles ist äußert flüßig und nur durch gute Übergangspassagen retuschiert. Die Kameraführung die sehr verwirrend am Anfang ist, beruhigt sich zunehmend, da sie meiner Ansicht nach die Gefühle der Personen unterstreicht. Das alles zusammen ist schon einen Blick wert.

Wer Gewalt nicht gut sehen kann, der sollte sich vielleicht überlegen, ob er hier zuschlägt; der Film heißt im Original: Die Zeit zerstört alles. Es gibt Gewaltorgien (Ich sag nur Feuerlöscher, und eine Vergewaltigung)Und wahrhaftig die Hauptfigur wird nicht nur vergewaltigt, nein sie wird zerstört. Das ist im allgemeinen sehr drastisch umgesetzt und abstoßend.

Für meine Vorredner, die diesen Film wwutentbrannt verteufelt haben, tut es mir Leid, wenn sie bzgl. Gewalt schlechte Erfahrungen gemacht haben sollten, aber für mich als unbefangenen Zuschauer, hatte der Film keinen Gewaltverherrlichenden Touch, sondern einen abstoßenden.

Dieser Film zeigt leider was Wirklichkeit heißt und ist ein Denkmal an eine kalte, düstere und zerstörte Welt!
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am 30. August 2007
Verstörender als "Irreversivel" kann ein Film nicht sein. Rückwärts erzählt wird dem Zuschauer die Dynamik und die Tragik dieses Abends erst klar. Wenn man dann die Schlusssequenz gesehen hat, wähnt man sich in einem Albtraum. Der reichlich belanglose Abend, der die Geschichte eines jungen Paares und des Exfreundes der Hauptdarstellerin schildert, findet nach einem Streit eine grauenhafte Wendung. Die Vergewaltigungsszene in ihrer Detailliertheit und Länge geht an die Nieren. Der folgende Racheakt, die Selbstjustiz der beiden Männer, die von blinder Wut geleitet wird, ist verstörend und surreal. Dass am Ende der Vernünftige der beiden Männer, der Exfreund, zum Täter wird, macht das Ganze noch dramatischer.

Dieser Film ist in keinem Fall leichte Kost, aber er zeigt, wie schonungslos das Leben sein kann. Er zeigt, dass Gewalt und Hass vor niemandem Halt machen. Es kann jeden treffen, in jeder Situation. Und die Angehörigen der Opfer werden selbst zu Tätern.

Die Freigabe ab 18 Jahren ist vollkommen gerechtfertigt. Das ist kein Kuschel- oder Popcornkino, das ist erschreckend glaubwürdig und beinahe zu nah am tatsächlichen Leben. Dennoch: Empfehlenswert.
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