find Hier klicken Sonderangebote PR CR0917 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ Hier klicken HI_PROJECT Mehr dazu Hier Klicken Storyteller AmazonMusicUnlimitedEcho AmazonMusicUnlimited Fußball longSSs17

Kundenrezensionen

4,9 von 5 Sternen
25
4,9 von 5 Sternen
Format: Audio CD|Ändern
Preis:6,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 15. April 2006
Mit "Oh Mercy" scheint Dylan fast genau da weiterzumachen, wo er gut 10 Jahre vorher mit "Blood on the Tracks" aufgehört hat... Ein stimmungsvoll-düsteres Album, voller Balladen und Songs über die Härten des Lebens. Das alles ist meisterlich arrangiert von Daniel Lanois, der die insgesamt eher sparsame Instrumentierung punktgenau einsetzt. Auch wenn ich mir vor allem die besten Songs des Albums, die Tracks 4, 5, 6 und 10, auch hervorragend in allersparsamster unplugged-Instrumentierung vorstellen könnte, wie auf ylans "World Gone Wrong" von 1993 -- so, wie sie hier zu hören sind, sind sie umwerfend.
Je sparsamer in Szene gesetzt, desto besser: Mit dem "Man in the Long Black Coat" erreicht Dylan einen der vielen einsamen Gipfel in seinem Gesamtwerk. Eine düstere Ballade, die die Geschichte der Frau, die mit dem geheimnisumwitterten Mann im schwarzen Mantel davionging, in poetischen Genrebildern erzählt. Genial ist schon der Auftakt: "crickets are jamming" -- und im Hintergrund hört man tatsächlich die Grillen zirpen. Eine stimmungsvolle Momentaufnahme aus einem weiten Land, wie man sie sich schöner kaum vorstellen kann.
Überhaupt: Die Stimmung, die Atmosphäre -- sie durchdringen das ganze Album. Am ehesten fallen noch "Political World" und "Everything is Broken" aus dem Rahmen -- vor allem "Political World" ist aber dennoch ein typischer Dylan, eine wortgewaltige Anklage über den Niedergang der Welt; Shakespeare-Kenner könnten womöglich Versatzstücke aus dem 66. Sonett wiedererkennen, denen aber kein versöhnliches Couplet folgt.
Ansonsten beweist Dylan hier wieder mal in (leider nur) 39 Minuten, dass er derjenige welcher unter den Songwritern ist. "Oh Mercy" gehört zu den Dylan-Alben, bei denen von Anfang bis Ende so ziemlich alles stimmt, hinzu kommt diese dichte Atmosphäre, die gekonnte Instrumentierung, die musikalischen Anleihen bei den unwahrscheinlichsten Genres: "Where Teardrops Fall" zum Beispiel, eine edle Schwofnummer mit melancholischem Saxophon am Ende.
Das Filetstück dieses Albums aber sollte man sich am Stück anhören, nachdem man sich zuverlässig von allen potentiellen Störenfrieden abgeriegelt hat: "Ring Them Bells", "The Man In The Long Black Coat" und "Most of the Time" folgen direkt hintereinander und zelebrieren die Abgründe der Melancholie. Schließlich will auch Melancholie gewürdigt sein, und hier wird sie's wie selten zuvor.
Und nicht nur bei "The Man in the Long Black Coat" sollte man genauer auf den Text achten; "Most of the Time" lässt einen auch verstehen, warum Dylan seit Jahren als potentieller Literatur-Nobelpreisträger gehandelt wird.
Auch die anderen Tracks auf "No Mercy" sind solideste Dylan-Ware, und was das heißt, weiß man. Hervorheben sollte man noch den Schlusspunkt: das zum Heulen schöne "Shooting Star".
22 Kommentare| 16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 30. August 2010
"Slow Train Coming" (1979) war Dylans letztes Album gewesen, das bei Fans und Kritikern halbwegs positiven Widerhall erfuhr. Seither herrschte Funkstille. Alles, was Bob Dylan im Laufe der Achtzigerjahre versuchte, wurde - sei es zurecht oder nicht - mehr oder weniger gnadenlos ins Vergessensland-Archiv der Musikgeschichte gestampft. Da ich persönlich keine Dylan-Scheiben (bis auf diese hier) der 80er-Jahre besitze, wage ich es nicht meiserseits ein Urteil dazu abzugeben.

Fest steht, das "Oh Mercy" nicht nur eine Wiederauferstehung war, auf die man (und der große Bob selbst wohl am meisten) eben seit einem Jahrzehnt ungeduldig gewartet hatte. "Oh Mercy" ist durch und durch ein gelungenes Bob-Dylan-Album. Es ist eine Platte mit Anliegen, mit Herzblut, mit Blues und Rock 'n' Roll!
Auch das, was Mr. Dylan in den frühen 90ern auf Platte bannen sollte, war zumindest eine halbe Klasse schlechter als "Oh Mercy".

Als ich heuer einem Bob-Dylan-Konzert beiwohnen durfte (in Linz), waren es vor allem die ruhigeren, besonnenen, sparsamen Nummern, die sich mir ins Gedächtnis und auch in die Seele brannten. Das hervorragend gespielte WHAT GOOD AM I? war meiner Meinung nach einer der Höhepunkte des Konzertes. Im Nu bestellte ich mir "Oh Mercy" und wurde belohnt mit einer Schar weiterer Klasse-Songs.
Man hat das Gefühl, als hätte es zwischen "Slow Train Coming" und "Oh Mercy" nie eine Pause gegeben. Und das ist auch das Schöne an Bob Dylans Musik - die zeitlose Schönheit seiner Songs wird (hoffentlich) noch viele weitere Jahrzehnte weiterleben...

Mittlerweile hat "Oh Mercy" schon so etwas wie einen KLASSIKER-Status - nicht nur bei treuen Dylan-Anhängern - erreicht. Völlig zurecht, würde ich meinen. Hören Sie sich die Scheibe an! Das ist Bob Dylan PUR.

In meiner CD-Sammlung ist "Oh Mercy" Bindeglied zwischen "Slow Train Coming" (1979) und "Time Out of Mind" (1997) - und es ist so, als hätte es nie so etwas wie eine Schwächephase oder "Midlife Crisis" in Bob Dylans außergewöhnlichen Karriere gegeben.
Übrigens: Ab "Time Out of Mind" kann man sich bedenkenlos alle weiteren Dylan-Werke kaufen. Auch "Love and Theft", "Modern Times" und "Together Trough Life" haben das Zeug zum bzw. sind bereits schon KLASSIKER in jeder ordentlich geführten Bob-Dylan-Sammlung.

DANKE, Mr. Dylan, dass Sie sich nicht unterkriegen haben lassen. DANKE, Mr. Dylan, DANKESCHÖN für diese Musik!

Ein Appell an Fans und Musik-Interessierte: ZUGREIFEN!!

---- Anspieltipps ----
- Political World
- Ring Them Bells
- Most Of The Time
- What Good Am I?
22 Kommentare| 14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 25. September 2009
Was unterscheidet eine gute Dylan Platte von einer sehr guten? Die Qualität der Melodien und die der lyrics; und wenn Dylan es schafft beides auf hohem Niveau zu vereinen, und dabei auch noch die Dinge die ihn bewegten als er diese songs schrieb offenzulegen, dann wird es eine brilliante Platte.

So geschehen auch bei diesem Meisterwerk von 1989. ,Oh Mercy' ist eine sehr persönliche, bewegende und verzweifelte Platte, in der er sich oft genug selbst in Frage stellt und versucht seine Fehler zu ergründen. Beziehungsbewältigung betreibt er da und hinterfragt wohl daraus resultierend auch die Welt um ihn herum, ob die ihn vielleicht dazu gebracht hat ebendiese Fehler in seinen Beziehungen zu machen.

Musikalisch wartet er hier auf allen 10 songs mit wunderbaren Melodien auf, die sich stilistisch im Folk und Blues bewegen. Das düstere ,Man In A Long Black Coat' wäre wie geschaffen gewesen für Johnny Cash's American Recordings Serie, und ,What Was It Wanted' schlägt in die gleiche Kerbe. Die schönsten Melodien hat er auf dem nach Erlösung flehenden ,Ring Them Bells', auf ,Most Of The Time' (nie wurde das Gefühl des sich selbst Belügens, um über eine gescheiterte Beziehung hinwegzukommen, besser ausgedrückt als hier) und auf dem - im Grunde erschütternden - ,What Was It You Wanted'.

Die Arrangements von Daniel Lanois sind hier schön zeitlos und sparsam, aber nicht akkustisch. Da gibt es twang-Gitarren, Orgel und drums und auch einen schönen tragenden Bass und klanglich geht das hier auch mehr als in Ordnung.

Ein Album das keinen Auslasser zu verzeichnen hat, das sehr intim ist, aber emotional auch schwer zu ertragen ist. Für sensible Gemüter zum Weinen schön. Es ist wohl so - die bewegendsten songs werden wohl aus innerer Verzweiflung heraus geboren.
88 Kommentare| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. März 2009
Bis zum Jahr 1989 war Bob Dylan in den 80ern so gut wie gar nichts gelungen. Zu Buche stand allenfalls das starke Album "Infidels" und die sehr gelungene Liveplatte "Real Live". Aber sonst? "Empire Burlesque" war, trotz einiger Songs von Format, mit dem typischen 80er - Instrumentarium kaputtproduziert worden, auf den nachfolgenden Alben zeigte sich der Meister oft von seiner schlechtesten Seite: Viele Coverversionen, für Dylans Verhältnisse erschreckend schwache Songs und allgemeine Ziellosigkeit. Auch auf der Bühne konnte Dylan zu dieser Zeit kaum überzeugen, unkonzentriert und desinteressiert an seinen eigenen Songs schaffte er es beizeiten, ganze Säle leerzuspielen. Midlife Crisis pur also beim Meister und er dachte ernsthaft darüber nach, seine Karriere zu beenden. In solchen Situationen kauft man sich entweder einen Porsche oder ändert etwas in seinem Leben. Dylan kaufte sich keinen Porsche.
1988 startete Dylan seine Neverending Tour, die mittlerweile seit über 20 Jahren läuft. Man kann es auf das Leben "on the road" schieben, oder auf die Tatsache, daß His Bobness seinen Alkohol - und Drogenkonsum entschieden zurückfuhr, auf jeden Fall sprudelten die Songs wieder und "Oh Mercy" wurde ein versöhnlicher Schluß für ein verkorkstes Jahrzehnt. Nicht nur das, da erste von Daniel Lanois produzierte Album kann man getrost unter die ganz großen Alben des Meisters zählen. Düster und pessimistisch ist die Grundstimmung, Songs wie "Most Of The Time", "Man In The Long Black Coat" und "Where Teardrops Fall" zeigen Dylan wieder in Hochform, als bissigen Kommentator der Unwägbarkeiten des Lebens, "Ring Them Bells" und "Everything's Broken" sind ohnehin längst zu Klassikern geworden und haben ihren verdienten Platz im Live - Repertoire gefunden. Mit einem Silberstreif am Horizont entläßt uns Dylan aus "Oh Mercy", dem Album, das seinen ramponierten Ruf wieder festigte und seine immer noch vielen Fans auf bessere Zeiten hoffen ließ: "Shooting Star" gehört unbestreitar zu Dylans schönsten Lovesongs, sehnsuchtsvolle Melodie, Dylan schaltet seine Raspelstimme auf zärtlich und besingt in wenigen, ungewöhnlich klaren Worten Dinge, für die manch anderer dicke Wälzer schreiben mußte. His Bobness in Bestform.
"Oh Mercy" beendete ein für Dylan größtenteils katastrophales Jahrzehnt versöhnlich und zeigte deutlich, daß der Meister noch lange nicht das aus den Sechzigern übriggebliebene Relikt geworden war, für das ihn so mancher Kritiker bereits erklären wollte. Für den Fan unverzichtbar und außerdem ein gutes Einsteigeralbum für Neufans.
11 Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. Januar 2013
Dieses Album ist wunderbar, ein muss für jeden Dylan Fan! Most of the Time ist das schönste Lied, obgleich ich die letzten 3 Lieder nicht so gut finde...trotzdem auf jeden fall 5 Sterne!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Dezember 2006
Nachdem sich Bob Dylan in der zweiten Hälfte der 80 er dem Alkohol hingab und total verloren war, spielt er auf diesem Album wieder ganz ordentlich auf. Lieder voller Selbstzweifel und Traurigkeit, ein hervorragendes Mundharmonikaspiel auf "Everything is broken" und eine neue Band unterstützen den Meister hervorragend und helfen ihm aus dem Sumpf der Vergangenheit. Daniel Lanois hat dann später noch ein weiteres gutes Album von Dylan produziert.
Unbedingt kaufen!
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 14. Januar 2013
Oh Mercy erschien im September 1989 und signalisierte, was Bob Dylan angeht, so was wie eine Rückkehr zu alter Form. So jedenfalls war es damals in den Kritiken zu dieser Platte zu lesen.
Tatsache ist, dass Bob Dylan auf den zwei vorhergehenden Alben kaum eigenes Material veröffentlicht hatte. Vielmehr gab er auf „Down In The Groove“ von 1988 einen Überblick über verschiedene musikalische Einflüsse während seiner Jugend, die von Folk über Rhythm’n Blues bis hin zu obskuren Popsongs reichten.
1986 hatte er mit Knocked Out Loaded ein eher uneinheitliches Album herausgebracht, welches Material aus verschiedenen Sessions enthielt. Mit Brownsville Girl ist allerdings ein wirklich hochkarätiger Song hierauf zu finden.
Wie man in seiner 2004 erschienenen Autobiographie Chronicles nachlesen kann, glaubte Dylan, Mitte der 8oer Jahren seine Inspiration verloren zu haben und damit auch die Beziehung zu seinen älteren Songs. Anscheinend steckte er so tief in einer künstlerischen Krise, dass er sogar ans Aufhören dachte, weil er nicht mehr wusste, wie er seine Lieder singen musste.
Über seine Tourneen mit Tom Petty & The Heartbreakers in 1986 und 1987 schreibt er, dass Petty damals auf dem Höhepunkt seiner Karriere und er selber auf dem Tiefpunkt seines Schaffens angelangt war.
Irgendwie merkwürdig, denn die Konzerte aus jener Zeit erzählen eine ganz andere Geschichte. Und auch Tom Petty will nichts von einer künstlerischen Krise Dylans’ in jener Zeit bemerkt haben.
Erst 1988, dem Beginn der sogenannten Never Ending Tour, begann ein vollkommen neuer Abschnitt in der Karriere Bob Dylans’, nämlich seine Bestimmung als Performing Artist, der Musik in erster Linie live spielt und Jahr für Jahr die Kontinente bereist, um vor Publikum aufzutreten. Dieser Prozess hält bis heute an und verändert sich fortlaufend.
Als ich im Juni 1988 die ersten Mitschnitte der damaligen USA Tour hörte, war ich mehr als überrascht über den reduzierten Sound (nur 2 Gitarren, Bass und Drums) und die Vehemenz, mit der Dylan seine Lieder sang und interpretierte. Während er bei den elektrischen Nummern wie Gates of Eden oder Masters Of War geradezu Gift und Galle spuckte und diese sehr rockig und mit ganz viel Drive interpretierte, sang er bei den akustischen Lieder eher zart und sehr betont. An neuem Material präsentierte er ausschließlich Fremdkompositionen, darunter auch einige wunderschöne Traditionals wie The Banks Of Ponchartrain, Barbara Allen oder On The Trail Of The Buffalo. Hier war mal wieder ein völlig neuer Dylan zu hören, mit einer neuen Stimme, neuer Band und dazu mit vielen Liedern in der Setliste, die man entweder noch nie oder seit den 60er Jahren nicht mehr von ihm gehört hatte.
Im März 1989 sickerte dann durch, dass Dylan in New Orleans gemeinsam mit Daniel Lanois als Produzent ein neues Album aufnehmen würde.
Lanois hatte natürlich einen Namen, und ich brachte ihn damals vor allem
mit dem Album Yellow Moon von den Neville Brothers in Verbindung, welches ich oft hörte und auch heute noch sehr mag.
Tatsächlich hatte Dylan Lanois im September 1988 bei einem Konzert in New Orleans getroffen und ihm sein neues Material vorgespielt.
In Chronicles schreibt Dylan, Bono von U2 hätte ihm eines Abends während eines Besuchs bei ihm zu Hause Daniel Lanois als Produzenten für seine neu geschriebenen Lieder empfohlen.
Dylan sagt, er sei auch dabei gewesen, als Aron Neville With God On Our Side im Studio sang und sei von dessen Interpretation sehr beeindruckt gewesen.
Tatsache ist, dass er dieses sehr selten live gesungene Lied unmittelbar danach für eine kurze Zeit in sein Konzertprogramm aufnahm und sogar eine neue Strophe über den Vietnam Krieg, die möglicherweise von den Nevilles stammt, einfügte.
Jedenfalls nahm Dylan Oh Mercy dann im März/ April 1989 in New Orleans auf.
Die Aufnahmen gestalteten sich in der Folge als recht problematisch, vielleicht auch, weil Lanois Erwartungen hatte, die Dylan nicht erfüllen konnte. Hiermit meine ich die Art des Songmaterials, wobei Dylan sich durchaus darüber im Klaren war, dass er für das neue Album weder ein neues My Back Pages noch ein Lied im Stile eines Visions Of Johanna geschrieben hatte.
Dafür hatte er Lieder wie Political World mit seinen 20 oder mehr Versen, eigentlich ohne Melodie, dafür aber wie ein Rap und mit diesem treibenden Rhythmus, den Dylan und die Musiker im Studio erst
mühsam finden mussten. Auch waren Songs, wie Series Of Dreams und Dignity äußerst vielversprechend, jedoch wollte Dylan sie dann gegen den Willen von Lanois nicht auf dem Album drauf haben.
Zwei Lieder, Man In The Long Black Coat und Shooting Star, habe er erst in New Orleans für Oh Mercy geschrieben, besonders ersteres ist ganz offensichtlich durch die Landschaft und die Atmosphäre dort inspiriert.
Melancholie macht sich auf der ganzen Platte breit, Wörter wie gesprochen, mit tiefer Stimme, sparsam instrumentiert und viele Gedanken, die einem nur Mitten in der Nacht in den Kopf kommen, bestimmen den Klang dieser Platte. Selbstzweifel und Reflexionen über das Leben, in dem mit den Jahren vieles zerbricht: broken words, never meant to be spoken, everything is broken!
Aber es sind die Verletzbarkeit in Most Of The Time oder What Good Am I? und die vielen Fragen, die Dylan sich, einem anderen Menschen oder auch seinen Zuhörern im tieftraurigen What Was It You Wanted? stellt, die dieses Album so perfekt und tröstlich machen.
Ich kenne keine andere Platte, die mir in meinem Leben schon soviel Trost
und gleichzeitig Zuversicht gegeben hat, wie diese. Dylan bringt hier ein so hohes Maß an vielschichtigen Gefühlen und Gedanken zum Ausdruck, bei denen ich denke, ja das fühle ich auch, habe es mir aber nie bewusst gemacht und da ist jemand, dessen Stimme ich so gerne höre, der das für mich nun an die Oberfläche bringt.
Und so ist dieses Album, welches damals in New Orleans mit so viel Mühe und Energie eingespielt wurde, eine einzige Flut und ein Strom an Gedanken und Fragen, und da singt jemand, der sich und seine Kunst immer wieder in Frage stellt und der hier einen einsamen, künstlerischen Höhepunkt ohne falsches Pathos und Superstargehabe erreicht.
Und auf keinem anderen Album von Bob Dylan ist seine Stimme berührender, als auf diesem. Diese Stimme gibt dem Zuhörer, selbst wenn dieser der einsamste Mensch auf der ganzen Welt ist, das Gefühl und die Gewissheit, nicht alleine zu sein.
There’s a whole lot of people in trouble tonight, a whole lot of people suffering tonight from the disease of conceit hört man den Sänger in Disease Of Conceit flüstern und am Ende dieses Songs höre ich ein Zittern in seiner Stimme, als er darüber singt , dass sie dich begraben werden vom Kopf bis zu den Füßen, weil du dir Illusionen von falscher Größe gemacht hast und immer noch an der Krankheit der Eitelkeit leidest, die soweit gehen kann, dass du deine eigene Sterblichkeit verdrängst (give you the idea that you’re too good to die).
Dylan singt hier über zentrale Themen, die zum Menschsein gehören, nämlich das Verdrängen der eigenen Sterblichkeit und die Selbstüberschätzung und den Narzissmus vieler Menschen, der zu nichts Gutem führt.
Oh Mercy endet schließlich mit Shooting Star, in dem Dylan sagt, es sei vielleicht zu spät, die Dinge zu sagen, die er einem anderen Menschen oder sich selber hätte sagen müssen, und so beobachtet er, wie die Sternschnuppe langsam vor seinen Augen verschwindet.
Und wieder ist es mitten in der Nacht, als seine Mundharmonika zu den Klängen eines Dobros verhallt und die Stille auf den Morgen wartet, denn: tomorrow will be another day!
Ich persönlich habe dieses großartige Album öfter gehört, als jedes andere
und so ist Oh Mercy seit mehr als 23 Jahren mein persönliches Lieblingsalbum von Bob Dylan oder von wem auch immer und wird es immer bleiben.

Frank Lindemann
22 Kommentare| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. März 2015
Ein grandioses, wunderschönes Dylan Album das jahrzehntelang an mir vorüber gegangen ist.
Auf jeden Fall eine der 10 besten Dylan Platten.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. Mai 2014
Klingt wie im Pariser Kellerclub aufgenommen, mit der Creme der Studiomusiker und marvellous produziert von Daniel Lanois, einmalig! Etwas für sehr BLAUE Stunden ;-)
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. Dezember 2006
Nach dem 1983er-Klassiker "Infidels" (mit Mick Taylor und Mark Knopfler) begann eine lange Wüstenwanderung im Dylanschen Schaffenswerk. "Empire burlesque", "Knocked out loaded" und "Down in the Groove" sind Zeugnisse ziemlich ziel- und sinnloser Suche nach Form und Inhalt. Kein Wunder, dass das 1989 von Daniel Lanois (U2) produzierte "Oh Mercy" als Comeback zu Topform gefeiert wurde. Seinen Klassikerstatus behielt das Album auch später, weil der hoffnunglos kommerziell orientierte Nachfolger "Under the red Sky" ziemlich gezwungen und uninspiriert daherkam und Dylan entschied, danach zwei Unplugged- Solo- CDs mit Coverversionen aufzunehmen ("Good as I been to you" und "World gone wrong"). So blieb "Oh Mercy" die einzig gute Original- Dylan- Studioaufnahme zwischen 1983 und 1997 - das ist immerhin eine Dürreperiode von fast fünfzehn Jahren, die erst mit "Time out of Mind" endete.

Lanois verpasste "Oh Mercy" einen bodenständigen gitarren- und klavierbetonten Sound zwischen Bluesrock und Balladen mit gelegentlichen Einsprengseln von Slide, Hammondorgel, Mandoline und anderen natürlich und organisch klingenden Instrumenten. Elektronische Achtziger- Jahre- Spielereien fehlen, ohne vermisst zu werden - danke dafür! Das Ergebnis war eingängig genug für die Charts, aber dennoch mit genügend Ecken und Kanten für die Fans. Dabei gefallen die rockigen "Political World" und "Everything is broken" sowie die melancholischen "Ring them Bells" und "Man in the long black Coat" , bei denen sich der Drummer eine Pause gönnt, besonders gut. Auch die Texte sind gewohnt gut (soweit ich sie verstehe), sie sind jedoch im Booklet meiner Ausgabe nicht abgedruckt. Leider singt Dylan manche seiner Zeilen ziemlich abgehackt und verfremdet dadurch die gesungenen Worte auf eine merkwürdig ungewohnte Weise, mit der ich mich nicht recht anfreunden kann. Auch habe ich heute mit dem Mix Probleme: "Where the Teardrops fall" ist für mich zu schmalzig, und bei "What was it you wanted" und "Shooting Star" finde ich das Lautstärkeverhältnis von Stimme, Drums, Gitarren und Mundharmonika irgendwie misslungen - sorry.

Als einsames Zwischenhoch Dylans in fast fünfzehn schwierigen Jahren ist "Oh Mercy" sicher ein Klassiker. Mir persönlich gefallen jedoch "Infidels" und "Time out of Mind" noch ein gutes Stück besser. Auch an die neueren Alben "Love and Theft" und "Modern Times" reicht "Oh Mercy" meiner Ansicht nach nicht heran. Von den Dylan- Klassikern der Sechziger und Siebziger (z.B. "Blood on the Tracks", "Desire", "Highway 61" u.a.) ganz zu schweigen. Mir als Christen gefallen auch "Slow Train Coming" und "Saved" besser, aber das ist angesichts deren evangelikaler Texte sehr subjektiv.

Jedenfalls gibt es ein paar Dylan- Platten, die noch empfehlenswerter sind als "Oh Mercy". Wenn man die aber schon hat, kann man zugreifen und wird vom Altmeister nicht enttäuscht.
0Kommentar| 13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden